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Full text of "Fr. Berge's Schmetterlingsbuch nach dem gegenwärtigen Stande der Lepidopterologie neu bearb. und hrsg. von Professor Dr. H. Rebel .."

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Fr. Berge's 

Schmetterlingsbuch 

nach dem 

gegenwärtigen Stande der Lepidopterologie 

neu bearbeitet und herausgegeben 



Professor Dr. H. Rebel 

in Wien. 



Neunte Auflage. 



Mit zirka 1600 Abbildungen auf 53 Farbentafeln - - 
sowie 219 Abbildungen im Text. 





STUTTGART 1910. 

E. Seh weizerb art' sehe Verlagsbuchhandlung. 
Nägele it Dr. Sproesser. 



S:il/, und Driuk di'i- Chr. Bolsor'schfn liiulidriickcn-i, Slutt<Mrt. 



Vorwort zur neunten Auflage. 



Zu den ältesten populär-wissenschaftlichen Publikationen des deutschen Büchermarktes gehört 
,,B arges Schmetterlingsbuc h", dessen erste Auflage bereits 1842 erschien, und dessen letzte 
(achte) aus dem Jahre 1899 vorliegt. Die große und allgemeine Beliebtheit, welche gerade dieser Zweig der 
Entomologie in Deutschland genießt, ist nicht zum geringsten Teil Berges Buch zuzuschreiben, welches fast 
in keiner Hausbibliothek fehlt. Viele Tausende von Jünglingen haben darin die erste Anregung zu lehrreichen 
Beobachtungen und zur Betätigung ihrer Sammellust auf naturwissenschaftlichem Gebiete gefunden. 

Wenn auch bei der Mehrzahl jener, deren späterer Beruf keine unmittelbaren Beziehungen zu den 
Naturwissenschaften besitzt, die Freude an der Entomologie mit der Jugend vorüberzieht, so ist doch auch 
bei diesen zumeist ein tieferes Verständnis für alles Naturgeschehen als wertvolle Frucht dieser vorüber- 
gegangenen Passion verblieben. Nicht gering ist aber die Anzahl derer, welche bei der Entomologie aus- 
harren und in derselben neben ihrem Lebensberuf eine dauernde Quelle angenehmster Zerstreuung und 
wissenschaftlicher Betätigung finden. Die von Jahr zu Jahr zunehmende Zahl von Sammlern, entomo- 
logischen Vereinen und Fachblättern spricht am deutlichsten für die allgemeine Verbreitung, welche die 
Entomologie unter den naturwissenschaftlichen Disziplinen besitzt. Durch die gedachten Organisationen 
wird auch alles Neue, sei es auf deskriptivem, sei es auf biologischem Gebiete, rasch zur Kenntnis eines 
großen Kreises von Interessenten gebracht. 

Hand in Hand damit gehen aber auch gesteigerte Ansprüche an die bisherigen, allgemein bekannten 
literarischen Hilfsmittel. Und so kam es, daß auch Berges Schmetterlingsbuch in seiner bisherigen Form 
nicht mehr genügen konnte. Ursprünglich aus der Feder eines begeisterten Liebhabers von Schmetterlingen 
entsprungen, erfuhr das Buch seine erste vöUige Umgestaltung in der vierten Auflage durch H. v o n Heine- 
m a n n, der es, auf den Arbeiten Herrich-Schäffers und Lederers fußend, durch Herbeiziehung der Morpho- 
logie zur Begründung der Systematik und durch gewissenhafte Angaben über die ersten Stände der Arten 
zu einem auch für den Fachmann praktischen Handbuch umgestaltete. Dabei hat sich Heinemann einer 
ebenso übersichtlichen als konzisen Form der Beschreibungen bedient, die den allgemeinen Gebrauchswert 
des Buches miterklären hilft. Die späteren Auflagen brachten keine wesentlichen textlichen Änderungen, 
wohl aber wurden die farbigen Tafeln, die seit jeher das Buch auszeichneten, durch die stete Opferwilligkeit 
der Verlagshandlung vollständig neu umgearbeitet, bis sie die hohe technische Vollkommenheit erreichten, 
welche sie in der achten Auflage auszeichnet. 

Die seit Heinemanns Bearbeitung eingetretene Umwälzung in der Svstemalik, die zahlreichen seither 
erfolgten Neuentdeckungen in der mitteleuropäischen Fauna und eine reiche Namensgebung für Unterarten 
und Abarten ließen über die Notwendigkeit einer vollständigen Umarbeitung des Buches keinen Zweifel, 
wenn es seine alte führende Stelle unter den lepidopterologischen Handbüchern behaupten wollte. 

Einer Aufforderung der Verlagshandlung, die Bearbeitung einer Neuauflage des altbewährten Buches 
zu übernehmen, kam der Verfasser umso bereitwilliger nach, als ihm damit Gelegenheit geboten war, einerseits 
eine Art Dankesschuld an dem Buche abzutragen, dem er selbst vor drei Dezennien die Einführung in den 
Formenreichtum der heimischen Lepidopterenfauna verdankt, andererseits unter Beibehaltung der bisherigen 



konzisen Form desselben ein Textbuch zu schaffen, welches ohne die ursprüngliche Bestimmung der Einführung 
aufzugeben, doch den wissenschaftlichen Anforderungen der Gegenwart entspricht. 

Es gehört nämlich zu den weitverbreiteten Vorurteilen, daß Bücher, welche für das große Publikum 
bestimmt sind, nicht auch der Wissenschaft dienen können. Gerade sie können dies aber in hervorragender 
Weise, namentlich in der Entomologie, wo ein so großer Teil der praktischen Betätigung von Personen erfolgt, 
die ihrem Berufe nach keine Fachleute auf diesem Gebiete sind. Schon der strebsame Anfänger wird nämlich 
erfahrungsgemäß durch wissenschaftlichen Ernst mehr angeregt und erfreut, als durch seichte Oberflächlich- 
keit, und der Vorgeschrittenere soll in seinem Handbuchc die Grenzen des Wissens auf jenen Gebieten finden, 
wo er selbst in der Lage ist, durch scharfe Beobachtungsgabe oder hingebungsvolle .Ausdauer wissenschaftlich 
Neues zu entdecken. 

So stellt die gegenwärtige Auflage eine vollständige Neubearbeitung dar, die von dem alten Buch 
nicht viel mehr als die Anlage und den Titel übernommen hat. Eine besondere Sorgfalt wurde zunächst auf 
den allgemeinen Teil verwendet, der durch seine textliche Fassung und durch Beigabe von Literaturzitaten 
in den Anmerkungen auch jenen Anforderungen zu entsprechen sucht, die Studierende an ein Buch stellen 
können, das eine Einführung in eines der am meisten gepflegten entomologischen Gebiete bilden soll. Aber 
auch der besondere, systematisch beschreibende Teil des Buches hat eine vollständige Umarbeitung und 
eine beträchtliche Erweiterung, namentlich durch Beigabc von Bestimmungstabellen für Familien und 
Gattungen erfahren. Im Gegensatz zu einigen modernen Tafelwerken wurde auch der Text des systematischen 
Teiles vollständig unabhängig von den Tafeln verfaßt, so daß letztere nur eine sehr erwünschte, aber zur Unter- 
scheidung der Arten nicht unbedingt erforderliche Zugabe darstellen. Ohne den Wert guter Abbildungen 
für rasche Orientierung unterschätzen zu wollen, glaubt Verfasser doch, daß bei Gebrauch von Tafelwerken 
allein, ohne genügenden beschreibenden Text, eine unausrottbare Oberflächlichkeit, namentlich bei Anfängern, 
allzu leicht großgezogen wird. 

Der großen Nützlichkeit der Tafeln aber als Beihilfe zum Texte Rechnung tragend, wurde 
auch für die vorliegende Neuauflage nicht nur die Zahl der farbigen Tafeln um 4 vermehrt, sondern auch 
die vorhandenen Abbildungen mehrfach überprüft, verbessert und eine große Zahl von Figuren der alten 
Tafeln durch neue ersetzt. Überdies wurde durch die Aufnahme zahlreicher Te.xtfiguren namentlich das 
N'erständnis morphologischer Details zu erleichtern gesucht. 

So möge denn das Buch in seiner neuen Form sich nicht bloß die alten Freunde erhalten, sondern 
auch zahlreiche neue Jünger der Wissenschaft zuführen. 

Wien, im April igio. 

Dr. H. Rebel. 



Inhalts-Verzeichnis. 

Allgemeiner Teil. 

I. Allgemeines über Systematik. Stellung der Lepidopteren im zoolog. System. — Charakteristik der 
Ordnung. — Wesen der Systematik. — Artbegriff. — Nomenklatur (Seile A 1 — A 4). 

II. Organisation der Lepidopteren. 

A. Ä u ß e r e O r g a n i s a t i o n. 1. Körperbedeckung. — Chitin. — Schuppen (S. A 'i — A .5). — 2. Kopf. 

— Fühler. — Mundteile (S. A 6— A 8). — 3. Bruststück (Thorax). — Beine. — Flügel (S. A9— A14). — 
4. Hinterleib (Abdomen). — Weibliche Aftertaschen (S. A15). 

B. Innere Organisation. 5. Endoskelett (S. A 16). — 6. Nahrungskanal. — Speicheldrüsen 
(S. A 16 — A17). — • 7. Atmungsorgane (S. A17). — 8. Kreislauforgane (S. A 18). — 9. Ausscheidungs- 
organe (S. A18). — 10. Fettkörper (S. A18). — 11. Muskelsystem (S. A18). — 12. Nerven.system 
(S. A19). — 13. Sinnesorgane a) Tastsinn (S. A20); b) Geschmackssinn (S. A20); c) Geruchssinn 
(S. A20); d) Gehörssinn und lauterzeugende Apparate (S. A 20— A 21); e) Gesichtssinn (S. A 21— 22). — 
14. Geschlechtsorgane a) männliche (S. A 22 — A24); b) weibliche (S. A 24 — A 26). — 15. Zwitterbildungen 
(S. A26— A27). 

III. Entwicklung. 1. Keimzellen (insbesondere das Ei).— Befruchtung. — Parthenogenesis (S. A 28 — A30). 

— 2. Entwicklung innerhalb der Eizelle (S. A 30 — A 31). — Weiterentwicklung außerhalb der Eizelle. 

a) Organisation der Raupe. n) äußere Organisation, Hautbekleidung (S. K 31 — A 33). — Kopf 
(S. A33). — Bruststück und Hinterleib (S. A33— A34): ß) innere Organisation (S. A 34— A 35). — 

b) Wachstums-(Häutungs)-stadien der Raupe (S. A 35 — A 36). — c) Anlage des Imaginalkörpers (S. A 36 
bis A 37). — d) Organisation der Puppe (S. A 37 — A38). — e) Weiterentwicklung des Imaginalkörpers 
(S. A38— A39). 

IV. Färbung und Zeichnung. Natur und Entstehung der Farben (S. A 39 — A 40). — Zeichnungsverhältnisse 
(S. A40— A41) — Albinismus und Melanismus (S. A 41 — A 42). — Schutzfärbung (S. A 42). — Mimikry 
(S. A42 — A43). — Warnungs-, Kontrast- und Schreckfärbung (S. A 43 — A 44). — Sexualdichroismus 
(S. A44). — Horadichroismus (S. A44— A45). 

V. System und stamniesgeschichtliclie Beziehungen (S. A 45 — A 48 mit Tabelle). 

VI. Fossile Lepidopteren (S. A 48— A 50). 

VII. Lebensweise (Oekologie.) a) Raupenstadium (Myrmekophilio, Mordraupen usw.) (S. A 50 — A 53). — 
b) Puppenstadium (S. A 53 — A 54). — c) Falterstadium (Überwinterung, Begattung, Eiablage usw.) 
(S. A54— A57). 

VIII. Feinde, Parasiten und Krankheiten (S. A 57 — A59). 

IX. Nutzen und Schaden (Blütenbiologie, Seidenzucht, Schädhngsverzeichnis) (S. A59— A62). 

X. FaunLstik und geographische Verbreitung (S. A62— A67) als Anhang: Die wichtigste faunistische 
Literatur Mitteleuropas (S. A 67 — A 70). 

XI. Experimentalbiologie. 1. Temperaturversuche (S. A 71 — .V 75 mit Taf. 53). 2. Lichtversuche (S. A 

75 — A 76). 3. Nahrungsversuche (S. A 76 — A 77). 4. Einatmungsversuche (S. A 77 — A78). 5. Hybrida- 
tionsversuche (S. A 78 — A 80). 6. Kastrations-, Transplantations-, Regenerations- und Verwachsungs- 
versuche (S. A80 — A 81). 

XII. Zur Geschichte der Lepidopterologie (S. A81 — A 84). 



VI InhalU-N'erzeichnis. 



Mll. Uli' lc|iidü|»t<'ri»l(ii;iMli »viclitik'-ti'n Vcriiii.' und ZcitMlirillcii Miltiliurii|iiis (S. A 8'. — A 86). 

\l\. KaiiK und Zuchl von lA'pidopU'ri'ii. 

A. K;iii^'iiietlioil.Mi iler FiilltT. 1 . Der Fallerfang bei Tag hi der freien Nalur (Tölen, Spießen, Samniel- 
Roralo, Tüten) (S. A 8t") — A yO). — 2. Der Lichlfang. — 3. Der Köderfang (S. A 91— A 92). 

B. Da.s Sanimeln der erslon Stände und das Züchten der Schniellerliiige. 1. Sammelmelhoden des Ei- 
stadiunis (S. A 92 — A 93). — 2. Saniinelnielhoden des Raupensladiums (S. .\ 93 — A 94). — 3. Aiifziichl 
der fiaupen (S. .\ 9'i — A 96). — 'i. Sammelniellioden und Behandlung der Puppen (S. A 96 — A 97). — 
5. Vorsorge für den sich enlwickeUiden Faller (S. A. 97). 

\\. IViiparalion. 

A. Präparat ion der Faller (Spannen. Aufweichen) (S. A 98— .\ 100). 

B. Praparation der Raupen (S. .\ 100— A 101). 

C. Prilparalion vnn Eiern und Puppen (S. A 102). 

\\ I. Ki'i^etleln. Onhii-ii unil ltl'^lill n S. A 102 iiis A lO'i). 

.Wll. Anlemnu; und Krhaltuiit: einer Sunnnlung (S. A lOi — 109). 

XVIII. I.okul- und Spezhdsainndungen (S. A. 109 110). 

XIX. .Notizen, lilerariMhe lliir>nnlte! und Vereinsniitglirdsehuri (S. A 110 — 111). 
XX. Verband. Tauseli und Kauf |S. A 111 — 11 1). 

Bi'rirhliu'unL'eii /.um allt.'enii'lnen Teil (8. All'i.) 



Besonderer Teil. 

Systenialisflie Itearlieilunt: der <iroNs>cliniellerlini.'i' .>Iitlelenr<lpa^ (S. 1 — 175, Taf. 1 — 52). 

Nachträire und Keriehligungen (S. 'i76 — '«80). 

Verzeii-hni- der Alikiirzuni;en von Autornanien (S. 'i81 — 182). 

Alphaheliselies VerzeichniN der deul>elien .Namen (S. 'i83). 

.\lphahetisches Nunicn>^Terzeiehnis der Familien und (Gattungen (S. 484 — 486). 

Alphabetisehes Xamensverzelehnis der .\rten, rnterarten, Abarten und Hybriden (S. 487 — 507). 

Verzeichnis der auf den Tafeln abgebildeten Gewäehsc (S. 508 — 509). 



Allgemeiner Teil. 



F. Allgemeines über Systematik. 

I.Stellung der L c p i d o p t e r e n im zoologischen System. — Charakteristik 
der Ordnung. 

Die Schmetterlinge, mit ihrem wissenschaftliclien Namein Lepidöptera*) genannt, bilden eine Ordnung 
innerhalb der Klasse der Insekten (Hexäpoda)'), die selbst wieder dem großen Tierkreis der Gliederfüßler 
( A r t h r ö p o d a) ') angehören. 

Es sei vorerst eine kurze Charakteristik der drei genannten systematischen Gruppen gegeben: 

Die Arthropoden sind zweiseitig symmetrisch gebaute Tiere mit chitinigem Hautskelett.*) Ihr Körper setzt 
sich aus einzelnen Abschnitten (Segmenten) zusammen, und besitzt paarige gegliederte Extremitäten. Ihr Nerven- 
system besteht aus einem oberen Schlundganglion (Gehirn) und einer durch Kommissuren damit verbundenen, 
bauchwärts des Darmes liegenden Kette von Nervenknoten (Bauchganglien), welche segmental angeordnet sind. 
Sie besitzen eine einheitliche Leibeshöhle und kein geschlossenes Blutgefäß.system. 

Die Arthropoden bilden weitaus den formen- und artenreichsten Tierkreis. Sie zerfallen in eine Anzald von 
Klassen, als deren wichtigste die Krebstiere (Crustacea), Spinnentiere (Arachnoidea), Tausendfüßler (Myriapoda) 
und Insekten (Insecta, Hexapoda) angeführt seien. 

Die Insekten sind Arthropoden mit nur einem, oberhalb der Mundöffnung stehenden Fühlerpaar und 3 Paar 
.Mundgliedmaßen (Mandibeln und 2 Paar Maxillen). Ihr Körper zerfällt in 3 Abschnitte: den Kopf, das aus 3 Seg- 
menten zusammengesetzte Bruststück (Thorax) und den aus ursprünglich 10 (12) Segmenten angelegten Hinter- 
leib (Abdomen). Jedes der 3 Brustsegmente trägt ein Beinpaar (daher Hexapoden), das 2. und 3. Brustsegment 
am Rücken oft auch ein Flügelpaar. Der Hinterleib ist fußlos. Meist sind zusammengesetzte Augen (Facettenaugen) 
neben Einzelaugen (Ozellen) vorhanden. Die Atmung erfolgt durch Luftröhren (Tracheen), welche den ganzen 
Körper durchziehen. 

Die Insekten, denen die größte Zahl aller Landtiere angehört, umfassen zahlreiche Ordnungen^), als deren 
wichtigste hier nur erwähnt seien: Geradflügler (Orthoptera), Libellen (Odonata), Eintagsfliegen (Ephemeridae), 
Netzflügler (Neuroptera), Schnabelfliegen (Panorpata), Köcherfliegen (Trichoptera), Schmetterlinge (Lepidoptera). 
Fliegen (Diptera), Hautflüglor (Hymenoptera), Käfer (Coleoptera) und Schnabelkerfe (Rhynchota). 

Erst jetzt, nachdem wir die allgemeine Stellung der Lepidopteren kennen gelernt haben, können wir zu einer 
Charakteristik dieser Ordnung selbst schreiten: 

Die Lepidopteren sind Insekten mit saugenden Mundteilen, indem die Außenladen der ersten Maxillen einen 
Rollrüssel bilden. Das erste Brustsegment (Prothorax) ist kurz, das mittlere (Mesothorax) zumeist am kräftigsten 
entwickelt. Sic besitzen 4 zarthäutige Flügel, welche wie der Körper mit Schuppen bedeckt und beim weiblichen 
Tier (?) zuweilen stark rückgebildet sind. Die Aderung der Flügel weist höchstens 11 Adern im Spreitenteil und 3 
im Faltenteil auf; meist sind jedoch auf den Hinterflügeln im Spreitenteil nur 7 Adern vorhanden. Der Darm besitzt 
in der Regel einen gestielten Vormagen. Gewöhnlich sind 6 Malpighische Gefäße vorhanden. — Die Lepidopteren 



') Griechisch iBnig Schuppe, hveqöv Flügel, daher auch Schuppenflügler genannt. 

^) Griech. i'| sechs, Tcovi-Jioöög Fuß, Bein (nach dem Besitz von 6 Beinen), auch f iTo.aa (= insecta) genannt 
(nach^den scharf gesonderten Körperregionen), daher Entomologie, die Wissenschaft von den Insekten. 
iLkliii) Griech. üqO-qov Glied, .toüc Fuß. 

J 1 1 J. ■■) Auf eine nähere Erläuterung der Merkmale wird im folgenden Abschnitt, der die Organisation der Schmetter- 
linge behandelt, eingegangen werden. 

^) Ihre Anzahl beträgt bei neueren Autoren ((hirch Auflösmig früherer Ordnungen) bis 3."). 
r. erge-Eebel, SchmetterlinKsbiicli. A 1 



A 2 AUgcrneiiies über .Systt-inalik. 



entwickeln sich mittelst vollkommener Verwandlung. Ihre Larven (Raupen) besitzen kauende Mundteile, 3 (echte) 
Ihorakale und meist 2 bis 5 (sekundäre) alidominale Beinpaare. Ihre Nymphe (Puppe) ist in den meisten Fällen 
mumienartig, selten freighedrig. 

2. Wesen der Systematik. — A r l b e g r i f f. — N o m e ii k 1 :i l u i-. 

.\us den vorstehenden Diagnosen ist bereits das Wesen der Systematik zu entnehmen, die selbst nur eine 
ArbeiLsrichtung der Wissenschaft (Zoologie, Botanik) darstellt, aber andere I^ichtungen derselben, wie die Morpho- 
logie (Anatomie) und Entwiiklungsgeschichte zu Voraussetzungen hat. Aufgabe der Systematik ist es, natürliche 
Gruppen der Organismen zu erkennen, dieselben richtig abzugrenzen und in das Verhältnis der Über- bezw. 
Unterordnung zu bringen, .so daß jede tieferstehende Gruppe die woscnliichcn Merkmale aller höherstehenden Gruppen 
zur \oraussetzung hat (Le|)idoptereu — Insekten — .\rthropoden). Solche systematische Gruppen werden Kate- 
gorien genannt. Als die niederste Kategorie gilt im allgemeinen die ,,Arl (species)". 

Man hat sich oft bemüht, eine allgemein gültige Definition des Arlbegriffes zu geben. Tatsache ist, daß nicht 
immer eine möglichst weitgehende Übereinstimmung in den äußeren Merkmalen für die artliche Zusammengehörigkeit 
der Individuen spricht, denn sehr häufig weichen schon die beiden Geschlechter ein und derselben Art so stark von- 
einander ab, daß sie bloß nach Wertschätzung ihrer Merkmale (also taxonomisch) in ganz verschiedene höhere Kate- 
gorien gestellt werden müßten. So würde kein Systeniatiker die männlichen und weiblichen Psychiden vereinigen 
können, wenn nicht ihre physiologische Zusammengehörigkeit sicher gestellt wäre. Andererseits gleichen sich oft 
männliche und weibliche Individuen verschiedener Arten in der weitestgehenden Weise und können dann meist 
nur durch Verschiedenheiten im Genitalapparat unterschieden werden. 

Ausschlaggebend für den Artbegriff ist nur die physiologische Tatsache, daß die Indivi- 
duen einen Zeugungskreis bilden und wieder in sich fruchtbare Nachkommen erzeugen. 

Bemerkt sei noch, daß eigentlich nur der Art (und ihren Ifnterkategorien) direkt Naturobjekte entsprechen, 
wogegen alle höheren Kategorien nur Abslraktionsbegriffe sind. 

Zwischen der Art und der Ordnung steht noch die ,, Gattung (genus)" und die ,, Familie (familia".') Unterhalb 
bezw. innerhalb der Art unterscheidet man noch Unterarten (subspecies, Lokalformen, Varietäten) und Ab- 
arten (Aberrationen), die meist nur einzeln (individuell) auftreten. 

Um das Gesagte an einem Beispiele zu erläutern, sei der bekannte Apollofalter gewählt. Derselbe wird mit 
.seinem wissenschaftlichen Namen als Parnassius apoUo bezeichnet, wobei apollo der Art-, Parnassius der Gattungs- 
name ist. Die Gattung Parnassius gehört zur Familie der Papilioiüdac und bildet innerhalb dieser eine eigene Gruppe 
(Subfamilie). Das betreffende Exemplar des Falters mag aber nicht aus Schweden, woher die Art zuerst beschrieben 
wurde, herstammen, .sondern aus den Hheinlanden von der Eifcl, wo der Falter ein etwas verändertes Aussehen 
(Lokalform) aufweist. Auch mag er nicht ganz den gewöhnlichen Stücken von der Eifel gleichen, sondern sich durch 
eine kleine Zeichnungsverschiedenheit auf den Vorderflügeln (Abart) von ihnen unterscheiden. Es ergäbe sich dann 
nachstehende systematische Übersicht, in welche der Nollstäiidigkeit halber auch die uns bereits bekannten höheren 
Kategorien aufgenommen sein sollen: 

Kreis: Ai'thropoda. 

Klassse: Insecta. 

Ordnung: Lepidoptera. 

Superfamilie : Uhopalocera. 

Familie: Papilionidae. 

Subfamilie: Parnassiinao. 

Gattung: Parnassius. 

Art: apollo. 

Unterart: vinningensis. 

.\bart: fasciata. 
Um nun eine Tier- oder PflanziMifonn wi.ssenschaftlicli zu l)ezeichnen, genügt in der Regel der lateinische 
(Jenus- und Species-N'ame.'-) Nur in den Fällen, wo es sich (wie in dem ob(Mi gewählten Beispiel) gleichzeitig auch 
um eine Unterart und vielleicht auch Abart handelt, mü.ssen auch die Namen dieser Unterkategorien zur genauen 
Bezeichnung hinzugefügt werden. .\lso ,,Parna.ssius apollo var. vinningensis ab. fasciata". In allen Fällen hat 
jedoch die Anführung der höheren Kategorien (Familie, Ordnung usw.) aus dem Grunde zu entfallen, weil ein Gattungs- 
name (z. B. Parnassius) in dem Gebiete der ganzen Zoologie nur einmal verwendet werden darf. Dasselbe gilt auch 
für einen bestimmteii .\rtnamcn (apollo) innerhalb der Gattung, so daß in der Tat schon durch Angabe von Galtnngs- 



') Zuweilen werden noch weitere Zwischenkategorien inil ilcr Bezeichnung Sub- oder Super- unterschieden 
z. Fi. Subgenus, Subfamilie, Superfamilie usw. 

-) Es ist vollständig unzulässig und unwissenschaftlich, die Art kurzweg nur mit dem lateinischen Species- 
namen zu bezeichnen (wie es in Sammlerkreisen häufig genug geschieht), also beispielsweise nur von ,, dubia" zu 
sprechen, denn es gibt eine ganze Reihe von .\rten, die ganz verschiedeneTi Gattungen und Familien angehören und 
den gleichen Speciesnamen führen, so daß sehr leicht Nerwechslungen eintreleii kimnen, wenn nicht jedesni.d auch 
der Gattungsname beigesetzt wird. 



Alltceineinos übor Sysleinalik. A 3 



un J Artname eine unzweifelhafte, eindeutige liestinimung gegeben erscheint. Diese durch Carl v o n L i n n e, den 
Reformator der Naturwissenschaften, eingeführte einfache Bezeichnung nur mittelst Gattungs- und Artnamen heißt 
,,b i n ä r e N o m e n kl a t n r". 

Die Gesamtheit jener Bestimmungen, welche sich auf die wissenschaftliche Namensgebung beziehen, wird 
,,X o m e n k 1 a t u r" schlechtweg genannt. Letztere bildet sonach für die Systematik, eine wichtige Hilfsdisziplin, 
deren Bedeutung vor allem darin liegt, daß ihre hervorragendsten Grundsätze in allgemeiner internationaler An- 
wendung stehen. Als einer der wichtigsten nomenklatorischen Grundsätze gilt das sogenannte ,,P r i o r i t ä t s- 
gese t z", das heißt eine Art (Unterart etc.) oder Gattung hat jenen wissenschaftlichen Namen zu führen, der ihr 
zuerst unter gleichzeitiger Kennzeichnung und Bekanntmachung (Tuljükation) gegeben wurde. Hiebei genügt bei- 
spielsweise für die Art auch die Publikation einer kenntlichen Abbildung unter gleichzeitiger Namensgebung und für 
die Gattung auch schon die Namhaftmachung einer Art, welche als Typus einer neuen Gattung angesehen werden 
soll. In allen Fällen der Publikation empfiehlt es sich jedoch, nicht bloß die Merkmale der neuen Kategorie, also eine 
Beschreibung derselben zu geben, sondern namentlich auch die Unterschiede hervorzuheben, durch die sie von den 
zunächststehenden Arten (oder Gattungen) getrennt wird. Das letztere, komparative Verfahren erleichtert am 
meisten das Wiedererkennen nach bloßen Beschreibungen. 

Es ist namentlich in früheren Zeiten, in welchen die Kenntnis der Artuntcr.scheiihing und der Literatur viel 
unvollkommener war, häufig vorgekommen, daß eine Art mehrmals von verschiedenen Autoren als neu beschriel)(;n 
und Jedesmal mit einem anderen Namen versehen wurde. Nach dem Prioritätsgesetz hat nur der zuerstgegebencName 
(insoferne er nicht in derselben Gattung bereits früher für eine andere Art vergeben wurde) Geltung, die später ge- 
gebenen Namen sind Synonyma. — 

Gleichlautende Namen für verschiedene Arten derselben Gattung sind dagegen h o m o n y ni ; auch in diesem 
Falle bleibt nur der zuerst gegebene Name in Geltung, die später gegebenen gleichlautenden Namen müssen durch 
andere Namen ersetzt werden. So kann es kommen, daß für eine Art ein späteres Synonym zum geltenden Namen wird. 

Als Anfangsdatum der wissenschaftlichen Nomenklatur gilt das Jahr 1758, des Erscheinens der 10. Auflage von 
Linnes Systema naturae, in welcher die von ihm geschaffenen nonKsnklatorischen Grundsätze zum erstenmal zur 
vollen Durchführung gelangten. 

Die Sprache der Nomenklatur bezw. Namensgebung ist Latein, das bekanntlich früher die ausschließliche 
Sprache der Wissenschaften war. Die Xamen niüsssn, um Geltung zu haben, wenigstens latinisiert sein, brauchen 
aber' nicht immer der lateini.schen Sprache selbst zu entstammen; so sind beispielsweise sehr viele Gattungsnamen 
griechischen Ursprungs, viele Artnamen sind .sogenannte Dedikationsnamen, das heißt zu Ehren des Entdeckers 
oder einer anderen Persönlichkeit gewählt, wobei in der Regel an den unverändert gelassenen Familiennamen der 
Person nur ein i angehängt wird (z. B. nach Dr. Staudinger: stauding^ri). 

In einzelnen systematischen Gruppen namentlich bei den Geometriden, Sesiiden, und allen Mikrolepidopteren- 
familicn sind gewohnheitsmäßig bestimmte Endungen den Artnamen gegeben worden, so z. B. endigen fast alle 
Speciesnamen der Spanner auf -aria oder -ata, jene vieler Sesien auf -formis (z. B. spheciformis, das heißt Sphex 
[eine Hymenopterengattung] -ähnlich), jener der Federmotten auf -dactyla (fingerig — nach den gespaltenen Flügeln). 

Die Endigung jedes Familiennamens ist -idae, jene des Namens der Subfamilie -i n a e (Papilionidae, 
Parnassiinae). 

Gattungsnamen und die Namen aller höheren Kategorien smd stets mit großem Anfangsbuchstaben zu schreiben, 
Artnamen werden am besten in allen Fällen mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben. Meist erfolgt auch bei 
adjektivischen Artnamen eine Übereinstimmung derselben mit dem Geschlechte des Gattungsnamens. 

Bei Arten, welche ihren Lebenszyklus mehrmals im Jahre vollenden (der Falter erscheint z. B. im Frühjahr 
und wieder im Spätsommer) und nach der Generation, der sie angehören, ein verschiedenes Aussehen zeigen, werden 
die Bezeichnungen „gen. vern. — gen. aest. — gen. aut."') vor dem Namen der Form gebraucht, z. B. .\raschnia 
levana gen. aest. prorsa. 

Zur Bezeichnung der Nachkommen zweier verschiedener Arten (.sog. Hybriden) wird das Vorzeichen „hybr." 
verwendet und häufig die Abstammung durch Beisetzung der durch ein X verbundenen elterhchen Artnamen erklärt 
z. B. Deilephila hybr. epilobii (euphorbiae ^ ^)X vespertilio $). Das heißt der Hybrid epilobii ist aus einer Kreuzung 
von Deilephila euphorbiae cJ mit Deil. vespertilio ? hervorgegangen. Zuweilen wird bei .Vberrationen statt des Voi'- 
zeichens „ab." auch das allgemeinere Zeichen „f." (forma) gebraucht. 

Die Unterarten (Lokalrassen) werden nicht immer durch ein vorgesetztes „var." bezeichnet, sondern können 
auch einfach dem .\rtnamen ohne Vorzeichen hinzugesetzt werden, z. B. Parnassius apoUo vinningensis. Diese 
moderne, manchen Vorteil bietende Bezeichnung heißt ,,trinäre Nomenklatur", da sie dreier Namen bedarf. Die 
Stammform wird dann durch Wiederholung des Artnamens selbst gekennzeichnet, also beispielsweise Parnassius apollo 
apollo, wodurch zugleich ausgedrückt erscheint, daß die .\rt „apollo" sich aus einer Anzahl von Lokalformen zu- 
sammensetzt. 

Als nomenklatorischc S t a m m f o r m (Typus der Art) gilt in allen Fällen die zuerst beschriebene Form, 
mag sie auch durch Zufall gerade einer seltenen .Vbart angehört haben. Im biologischen Sinne ist die Stammform 



') generatio vernahs, — aestivalis, — autumnalis, Frühjahre-, Sommer-, Herbstgeneration. 
-) Das Zeichen S bedeutet stets das männliche Geschlecht (Mann), $ stets das weibliche (Weib). 



\ I 



Organisation der Lepidopteren. 



j.ji.- \..,i i. I ai.ii .iiinimmt, daß sie die ursprünglichsten (stammesgeschichtlich ältesten) Merkmale der Art bewahrt 
hat. D»r nonviiklatorische Typus einer Art fallt also häufig nicht mit der biologischen Stammform zusammen. 

Jone Orlgliuilexemplare, welche dem Autor bei Aufstellung der Art (Unterart, Abart) vorgelegen und der 
Heschreibung zu Grunde gelegt sind, werden als ,,T y p e n" bezeichnet. Sie haben einen hohen wissenschaftlichen 
Wert, da sich UnvoUkommenheiten der Beschreibung nur durch Nachuntersuchung der Typen lösen lassen. Häufig 
werden neue Formen nur nach einem Stück aufgestellt, in welchem Falle auch nur eine Type existiert. 

Zur einwandfreien, streng wissenschaftlichen Bezeichnung, wie sie namentlich in Druckwerken, beispielsweise 
auch lokalfauni.stischen Mitteilungen stets gegeben werden soll, bedarf es bei der letzt angeführten Kategorie (.\rt oder 
Unterart) auch der Beisetzung des Autornamens, wodurch jeder Zweifel, in welchem Sinne der wissenschaftliche 
Name gebraucht wurde, ausgeschlossen erscheint. Für die bekannten Autoren werden hiebei übliche Abkürzungen 
gebraucht. Die Beisetzung des Autornamens stellt eigentlich bereits ein abgekürztes Zitat dar und vermittelt eret 
den näheren Zusammenhang mit der Literatur. 

So einfach im allgemeinen die nomenklatorischen Bestimmungen erscheinen, so schwierig ist es oft dieselben 
zur richtigen Anwendung zu bringen. Die Nomenklatur war daher schon öfters Gegenstand internationaler Beratungen 
und hat auf dem \'. internationalen Zoologenkongreß (Berlin, 1901) eine neue Regelung erfahren.') 



i-g. A 1. 



Oberhaut. 
Ii Hypodermiszellen. c Chitii 



II. Organisation der Lepidopteren.') 

A. Äussere Organisation. 

I. K ö !• p e I' b c d e r k u n g. — Chili n. — Seh u p p e ii. 

Die Lepidopteren besitzen dem Arthropodencharakter entsprechend ein chitiniges Hautskelett, welches als 
feste Hülle die Gliederung des Körpers wiederholt. Die Oberhaut (epidermis) bildet nämlich an der Körperoberfläche 

ein slrukturlo.ses Erhärtungsprodukt (cuticula), das aus Chitin besteht und 
die lebenden Zellen der Haut bedeckt. Letztere werden daher hier als 
1 C Hypodermis bezeichnet. 

Chitin ist eine eigentümliche tierische Gewebsform, die gewisse 
^ Ähnlichkeiten mit der Hornsubstanz der Wirbeltiere besitzt, und wie diese 
durch eine oft große Festigkeit und Elastizität ausgezeichnet erscheint. Dazu 
kommt noch, daß Chitin in chemischer Beziehung sehr resistent ist und selbst 
cuia ^°f ^^" meisten Säuren nicht angegriffen wird. Löslich ist es in Kalilauge. 
Die chitinige Hautdecke gewährt durch ihre Festigkeit nicht bloß den 
inneren Organen des Körpers Schutz vor äußeren Verletzungen, sondern sie dient auch als Anheftungsstelle für 
die Muskulatur der Bewegungsorgane, erfüllt also bei den Arthropoden durcli Gewährung einerseits von Schutz, 
andererseits von Stütze alle Funktionen eines Skeletts. Dieses äußere Hautskelett der Arthropoden bildet einen 
der größten morphologischen Gegensätze zur Bauart der Wirbeltiere. 

Die chitinabsondernde Tätigkeit der Haut (Hypodermis) fällt zu- i'g. A 2. 

meist in das Larvenleben und Nymphenstadium der Insekten, in welchen 
die alte Chitindecke mehrmals abgeworfen und durch eine neue ersetzt 
wird.') .\nfänglich ist das Chitin noch weich, erstarrt aber bald an der Luft 
\ind bleibt nur in den Gelenken biegsam. Die Oberfläche der Chitinhaut 
ist nicht immer glatt, sondern Iiäufig gekörnt oder runzelig und weist selir 
oft charakteristische Gebilde auf, als deren einfachstes das Haar anzu- 
sehen ist. Dasselbe ist entweder fest mit der Cuticula verwachsen oder auf 
derselben eingelenkt. 

Betrachten wir die Entstehungsweise eines solchen, so finden wir, daß 
eine Hypodermiszelle (h) einen Plasmafortsatz gebildet hat, der die Chitin- 
decke in einem Porenkanal durchsetzt, und an seinem freien Ende ebenfalls 
chitinisiert erscheint. Um das Haar ist auf der Chitindecke meist ein kleiner Ring (a) entstanden. 
nur verstärkte Haare, Dornen verstärkte Borsten. 




h HypodeniiiszeUe. c Cuticul.T. 
n Hing, t Haar. 



Borsten sind 



') Regeln der zool. Nomenklatur (Sonderdruck aus den Verh. des V. intern. Zool. Kongr. bei Gust. Fischer, 
.feiia); eine Neuauflage mit wichtigen Zusätzen erschien im Zool. Anz. 1905 p. 566 — 584. — Sprachregeln für die 
Bildung und Betonung zool. u. bot. Namen veröffentlichte P. K r e t s c h m e r (Berlin, R. Friedländer & Sohn 1899). 

-) Die wichtigste (neuere) Literatur findet in den .\nmerkungen meist nur insoweit Erwähnu/ig, als sie nicht 
bereits in F. Kolbe: Einführung in die Kenntnis der Insekten (Berlin 1893) angeführt erscheint. 

') Näheres über diese Häutungsvorgänge wird in der Entwicklungsgeschichte mitgeteilt werden. 



Organisation der Lepidoplercn. 




%'■ 



r 



Schuppe nbildung. 

hl HypodermiszeUe. ha desgl. in Rückbildunü 

st Stiel, si Schuppenanlage. 62 Schuppe. 

c Chitin. 



^ 



et 

a Flach- oder Grundschui)pc 
b Sinus-(üeck)Schuppe. 



Schuppen. 
Ganz gleiche Entstohungsweise wie die eben genannten Oberiiautgebilde zeigen auch die S cli u p p e n 
(squamulae), die sich auch bei einzehien Vertretern anderer Insektenordnungen finden, aber bei den Lepidopteren 
weitaus die höchste Ausbildung erfahren haben. 

Wir sehen, wie sich während des Puppenstadiums, vor Bildung 
der Chitindecke, größere, tieferliegende, flaschenförmige Ilypodermis- 
zellen (h,), welche sich in einen langen Stiel (st) fortsetzen, an dessen 
Ende zu blasenförmigen Gebilden (s,) erweitern. Letztere sind anfangs 
dünnhäutig und stellen die Schuppenanlage 
dar. Sobald die Chitindecke (c) gebildet wird, '^»- ^* 

verdickt sich auch die Membrane des bläschen- 
förmigen Gebildes, das seinen Zusammenhang 
mit der ursprünglichen HypodermiszeUe (hj 
verliert und nur durch den Stiel auf der Ober- 
fläche der cuticula eingelenkt ist. Dabei hat 
sich seine Gestalt verflacht und Farbstoff (Pig- 
ment) ist in demselben zur Ablagerung gelangt, 
was die fertige Schuppe (s.^) auszeichnet. Ihre 
Oberfläche ist dann oft gekörnt oder mit Rillen 
und Leisten versehen. Die Länge der Schuppen 
ist bei den größten einheimischen Schmetter- 
lingen selten mehr als 2 mm und wird zuweilen 
sehr gering (0,07 mm). 
Ihrer Funktion nach kann man die Schuppen einteilen: a) in Grund- oder Stützschuppen, b) Deck- 
schuppen und c) Duftsehuppen. Die Declcschuppen sind hauptsächlich die Farbenträger, die Grundschuppen 
dienen mehr mechanischen Zwecken. 

Rücksichtlich der Form der echten Normal- oder Flachschuppen (Grund- und Deckschuppen) unterscheidet 
man ganzrandige Schuppen, deren Rand allmähhch in den Stiel übergeht (Fg. 4 a) und Sinus -Schuppen, die 
neben der Ansatzstelle des Stieles eine deuthche Ausbuchtung (sinus) zeigen (Fg. 4 b). Häufig ist der Vorderrand 
der Schuppen in Spitzen (processus) ausgezogen. 

Die Deckschuppen der Tagfalter sind vorherrschend Sinusschuppen. 
Was die Anordnung der Schuppen auf der Flügelfläche anbelangt, so ist die- 
selbe eine dachziegelartige, wobei Grund- und Deckschuppen in alternierenden 
Reihen liegen. (Fig. 5.) Eine wimpernarligo Form haben zumeist die Saumschuppen 
(Fransen, ciliae), einen Übergang zum Haar bilden die sog. Haarschuppen.') 

Sehr mannigfaltig ist die Gestalt der Duft schuppen (androcönia), durch 
welche ätherische Stoffe zur Verdunstung gelangen. Sie finden sich besonders 
reichlich im männlichen Geschlechte imd bilden wichtige sekundäre Geschlechts- 
charaklere. Sie sind meist langgestreckt, feder-, fächer-, glieder-, keulen- oder 
löfl'elförmig und treten entweder zerstreut, namenthch auf der Flügelfläche, auf, 

oder vereinigen sich zu sogenannten 
Duttorganen, die an bestimmten 
Körperstellen z. B. an den Beinen, (wie 
bei Hepialus hectus (J)-) an den Seiten 
des Hinterleibes , aber auch auf der 
Flügelfläche (hierher die sog. Duft- 
schuppen- oder Samtstreifen bei den tj 
vieler Argynnis und Satyrinen-Arten) 
auftreten. Der abgesonderte Duft ist 
zuweilen auch für den menschhchen Geruchssinn walirnehmbar, z. B. wenn man mit dem Finger über die Flügel- 
oborseite eines lebenden (J von Pieris napi streift. Er ist für jede Art wohl eigentümlich und dient als Reiz- 
und Aolockungsmittel beim Zusammenfinden der Geschlechter.') 

'■) Zur Literatur über Schuppen vgl. Sem per, (Zeitschr. f. wiss. Zool. 8. Und. 1857 p. 326); Schneider 
(Zeitschr. f. ges. Xaturw. 5L Bnd. 1878 p. 1); Kellog 'Kansas Univ. Quart. III 1894 p. 45 ff.); Mayer Alfr. 
(Bull, of the Mus. of Comp. Zool. a. Harv. Coli. 29 N. 5 Cambridge 1886); S p u 1 e r (Zool. Jahrb. [Abt. Ana'.] VIII 
1895 p. 520 u. Biol. Z. Bl. XIV p. 678). 

-) Vgl. B e r t k a u (Arch. f. Naturg. 48. (1882) p. 363) und D e g c n c r (Zeitschr. f. wiss. Zool. 71. Bnd. (1902) 
p. 276 Taf. 15.) 

') Über Duftschuppen und Duftorgane vgl. ferner: Müller Fritz (Zeitschr. f. Nalurw. XI 1878 p. 99); 
Auri villi US (Bihang K. Svenska Vet. Ak. Ilandl. V. 1880); Bert kau (Verh. naturh. Ver. preuss. Rheinl. 
44. Jhrg.); Köhler (zool. Jahrb. XIII 1900 p. 105); Illig (Zoologica 15. Bnd. 1902. 38. Heft mit 5Taf.); F r i 1 i n g 
(Zeitschr. f. wiss. Zool. 92 (1909) p. 210 (Duftorg. der weibl. Schmettert.)). 



Fg. Aö. 

Scliuppenanordnung. 

m Flügeldurchschnitt. a Grundscliuppen. 

b Deckschuppen. 




Formen von Duftschuppen. 
(Xach Lampert.) 



A(i 



Organisation der Lepidopteren. 




2. K o p r. — F ii hier. — M ti ii il l e i 1 e. 

Dom BiiiiplaiK! der Insekten genuiß (vgl. Diagnose p. 1) zerfällt auch der Korper der Lepidopteren in 3 scharf 
geschiedene Abschnitte: Kopf — Bruststück — Hinlerleib. Wir wenden uns zuerst einer näheren Betrachtung des 
Kopfes und seiner Gliedmaßen zu, die teils zu Sinne.sorganen (Fühler), teils zu Mundteilen umgestaltet sind. 

Der Kopf enthält nicht bloß den von den Mund- 
Fu. A ;. teilen umgebenen Eingang in den Xahrungskmial, 

sondern ist auch derSitz der wichtigsten Sinnesorgane, 
,% yV' vor allem der F'ühler und Augen und der dazu- 

gehörigen Zentren des Nervensystems, nämlich des 
ß oberen und unteren Schlundganglions. Er stellt eine 

^' meist scharf abgesetzte gerundete, meist mit Haar- 

/; schuppen bekleidete Chitinkapsel dar, die aus der 

■fcc. innigen Verwachsung von wahrscheinlich 7 Urseg- 

inenten') entstanden ist. Seine Verbindung mit dem 
V ' Thorax bildet ein sehr kurzes, häutiges Rohr (Hals), 

■"' tyvp^- das normalerweise bei Lepidopteren nicht sichtbar ist, 
da der Kopf dem ersten Bruslsegment gleichsam an- 
■'--./. sitzt und zuweilen, namentlich bei Noctuidcn, sogar 
/ etwas nach unten gedrückt und von der Behaarung 

des Thorax überwölbt erscheint, in welchem Falle 
/, man von einem ,, eingezogenen" Kopfe spricht. 

' ^^' Der vordere Teil des Kopfes wird ,, Gesicht" ge- 

nannt und besteht aus der zwischen den Augen 
liegenden S t i r n e (frons), und dem darunter, ober- 
^ halb der Mundteile liegenden Kopf Schild (clypeus). 

((l^ p^ ""-^ ^ ^--^^ ^ Beide sind durch eine Naht von einander getrennt. 

— -^^-^ Die Stirne zeigt zuweilen Chitinvorsprünge in der 

Kopf (scheinatiscii) Form von Zapfen, Höckern, Platten oder gezähnten 

d Ku„f«ci,iid. iH Oberlippe, ep Epipharynx. mp .Ma.xUUrpaipc. Leisten. Der Raum hinter der Stirne zwischen den 

Ip Labuupnl|>e. gl Rüssel, lab Unterlippe mit Lnbialpalpen. ,, , , • , , . 

rühlern wird Scheitel (vertex) genannt, worauf 
noch das Hinterhaupt (occiput) folgt. Die bei 

Li'pido|)ter('n meist sehr .schmalen Seitenteile des Kopfes bilden eigentlich nur die A u g e n r ä n d e r. 

a) Fühler. 
Die Fühler (antennae)-) liegen stets seitlich des Scheitels und setzen sich aus einer .\nzahl von Gliedern 

zusammen, und zwar aus den beiden 

Basalgliedern, die bloß mechanischen '^n- -^ 8- 

Zwecken dienen und die Bewegung 

des ganzen Organes ausführen, und 

der eigentlichen, in der Länge und 

GliederzahlsehrwechselndenFühler- 

Das erste Basalglied wird als ß 3 ll l'M V $ R ^'' n^W 

„scapus", das zweite als ,,pedicellus" " " ' ^ ^"^ Jf. Cr S tty ^xXnJJ» 

bezeichnet. Der scapus ist meist das 
stärkste unter allen Fühlergliedern, 
inseriert in einer Grube (Fühlergrube) 
am Kopfe und ist zuweilen an der 
Basis ausgeschnitten oder mit einem 
Zahn verschen oder trägt bei Microl- 
epidoplercn auch eine platten förmige 
Erweiterung, die das F'azettenauge ,• , ,-> , ,• /• 

von oben bedeckt und daher als 

.\ugondeckel bezeichnet wird (be- K U h le rge iUel forme n (nach Lainpert). 

sonders bei der Gattung Nepticula). " ^'"'''"" ^ borsten- c kolben- d spindelförmig, c einfach Bewimpert. 

Der pedicellus gleicht häufig bereits * '"'' Wim,>erpi,.sel«. , geahnt, h säge«ihnig. i kammzähnig. 

sehr den folgenden Geißelgliedern. 

Die Geißel, deren Gliederzahl von 7 bis an 100 wechseln kann, ist nicht bloß nach den höheren systematischen 
Gruppen (Gattungen, Familien) oft sehr verschieden gestaltet, sondern weist selbst innerhalb einer Art bei den beiden 

') Vgl. später in der Entwicklungsgeschichte. 

■) Vgl. B d i n e Tr. Americ. Ent. Soc. .X.XIII lyOti p. t Taf. 1—5: J o r d a n Nov. Zool. \' i>. 375 Taf. 1'., 15. 




Orgaiiisalion der I.i>|iiil()|itt'i'fii 



A7 



Geschlechtern sehr große Differenzen auf. Sehr kurze, einfacli gebaute, fadenförmige Fühler besitzen in beiden 
Geschlechtern die einheimischen Hepialiden, die längsten Fühler die Langhornmottcn (Adelidae). 

Im einfachsten Falle ist die Geißel bis ans Ende gleichdick: fadenförmig (filiformis) Fg. a, oder sie 
verjüngt sich gegen das Ende: borsten form ig (setiformis) Fg. b, oder sie ist gegen die Mitte allmählich ver- 
dickt: spindelförmig (fusiformis) Fg. d. Bei den meisten Tagfaltern verdickt sich die Geißel am Ende zu einer 
Kolbe (Fühlerkeule) (claviformis) Fg. c, oder wird am Ende plötzlich knopfförmig (antennae capitatae). 

Sehr häufig sind bei den Heteroceren') die Geißelglieder voneinander scharf abgesetzt und an den Enden vor- 
gezogen. Treten die Glieder seitlich deutlich aber stumpf vor, spricht man von gezähnten (pyramidenzähnigen) 
Fühlern (ant. dentatae) Fg. g, treten sie lang und spitz vor, von sägezähnigen (ant. serratae) Fg. h, treten sie 
lang aber sehr breit und flach vor, von lamellen tragenden (ant. lamellatae), bilden die Gliedervorsprünge 
auf einer oder beiden Seiten der Geißel sehr lange dünne Fortsätze, nennt man sie kammzähnig (ant. pectinatae) 
Fg. i, einreihig oder doppelt gekämmt, wobei die Kammzähne sich gegen das Geißelende oft stark verkürzen oder an 
der Spitze derselben häufig auch ganz fehlen. 

Die Fühler sind entweder nackt oder beschuppt. Auf der Unterseite der Geißel finden sich namentlich an 
den borsten- und fadenförmigen Fühlern ein- oder beiderseitig gestellte Wimpern (ant. ciliatae) Fg. e, die meist 
auch an den Kammzähnen auftreten. Zuweilen sind die Wimpern büschel- oder pinselartig gestellt, in welchem Falle 
man von pinselartig bewimperten Fühlern (ant. penicillatae) spricht. Fg. f. 

ci Als eigentliche Sinnesorgane funktionieren die eben erwähnten an der Geißel vorfindlichen Sinnesborsten 
(Wimpern), ferner auch Sinnesgruben und Sinneskegel. Die durch sie vermittelten Sinneswahrneh- 
mungen sind zum Teil mechanische Reizempfinden, welche eine Regulierung der Flugbewegungen des Falters mit- 
besorgen, oder es sind Wahrnehmungen, die den Geruchsempfindungen höherer Tiere am besten vergleichbar sind. 
Letztere haben im Dienste der Fortpflanzung im männlichen Geschlechte eine hohe Ausbildung erfahren und 
werden dann als eigener „S p ü r s i n n" bezeichnet. In besonders hoher Ausbildung steht der Spürsinn bei Arten mit 
verkümmerten Mundteilen und stark gekämmton Fühlern des j*.') 
b) M u n d t e i I e. 

Die Mundteile der Insekten sind ursprünglich nach einem 
kauenden Typus gebaut und bestehen aus 3 Paar im Dienste 
der Nahrungsaufnahme stark umgewandelten Gliedmaßen, wo- 
zu noch ein unpaares (keiner Gliedmaße entsprechendes) 
Stück: die Oberlippe (labrum) hinzukommt. 

Das erste Paar der Mundgliedmaßen sind die M and ib ein 
(Oberkiefer) (m), die stets ungegliederte, tasterlose, am Rande 
meist gezähnte Kauplatten vorstellen, welche eine senkrechte 
Bewegung gegen die Längsachse des Körpers haben. Das 
zweite Mundgliedmaßenpaar bilden die ersten M a x i 1 1 e n 
(Unterkiefer), die jederseits aus einem kurzen Basalglied (cardo), 
einem Stammstück (stipes), welches einen mehrghedrigen Taster 
(palpus maxillaris) trägt und in 2 getrennte Kauplatten (äußere: 
galea und innere: lacinia) endet, bestehen. Das dritte Paar der 
Mundgliedmaßen sind die zweiten Maxillen (Unter- 
lippe, labium), die unter der Mundöffnung an der Kehle ent- 
springen, und der ersten Maxille analog gebaut sind, nur daß 
hier Basal- und Stammstücke meist verwachsen sind, so daß die 
paarige Anlage nur in den 3gliedrigen Tastern und in den er- 
haltenen Kauladen zu Tage tritt. 

Wenn w^ir zum Verständnis der scheinbar ganz anders ge- 
bauten Mundteile der Lepidopteren gelangen wollen, müssen 
wir von kleinen Gruppen derMicrolcpidopteren ausgehen, welche 
in den Mundteilen und in vielen anderen Beziehungen sehr 
ursprüngliche Charaktere bewahrt haben, und daher eine 
große Bedeutung für die Stammesgeschichte besitzen. Es 
sind die Familien der Eriocraniidae und Micro- 

pterygidae. Namentlich bei letzterer Familie finden sich noch kaufähige, gezähnte Mandibeln. Auch das 
erste Maxillenpaar ist bei Eriocrania vollständig mit allen Teilen erhalten und zeigt einen 5— Sgliedrigen Taster 




I II s e k t e n - M 11 n (1 1 e i 1 e (nach Kolbe). 

m Jlandiljel. niaxi Krste Ma.\Ule. max.« Zweite Maxille 

(Unterlippe), c cardo. st stipes. p palpus. 



M Unter diesem Sammehuitnen versteht man die Gesamtheit der Nachtfalter im Gegensatz zu den Tagfaltern 
(Rhopaloceren). 

■-) Näheres über die antennalen Sinnesorgane vgl. später bei den Sinnesorganen und bei Schenk (Zool. 
.lahrb. (Abt. Anat.) XVII p. 537 Taf. 21, 22). C h i 1 d (Zool. Anz. 1894 p. 35.) Über Fühlerbau im allgemeinen vgl. 
B o d i n e (Tr. Amer. Rnt. Soc. \'ol. 23. 1 896 p. 1 PI. 1— 5 ;) Q u a i 1 (Tr. Eut. Soc. Lond. 1903 p. 499 PI. 19 (Hepialidae)) : 
.lordan (Nov. Zool. \'. p. 374); Nieden (Zeitschr. f. wiss. Ins. Biol. III p. 114). 



\ 



Organisation der Lo|iidoplorcn. 



a. 




, ,,,,,,,, .111, II-.,. iii. ,.üoei-en Kaulaili'n sind kurz und logen am Ende sich zu einem ganz Icurzen primitiven 

Rüssel zusammen. Auch die Unterlippe besitzt noch Kauladen. 

Bei allen übrigen Makrolcpidopteren sind nun die Mandibeln entweder stark rückgebildet oder fehlen ganz. 
.Vuch die erste Maxille ist m dem Basal- und Stammstück, und in dem Taster (sog. Maxillar- oder Nebenpalpen) 

stark rückgebildet, die innere Lade fehlt ganz, dagegen ist die äußere meist 
sehr lang entwickelt und bildet mit der anderen zusammen den in der Ruhe 
spiralig eingerollten, für die Ordnung charakteristischen Saugrüssel. An 
der Unterlippe sind nur die Taster (Labialpalpen, oder kurzweg „Palpen" 
genannt) als dreigliedrige (selten nur zweigliedrige) vorstehende, oft auf- 
gebogene, meist rauhbehaarte Bildungen erhalten. 

Im einzelnen sei bemerkt, daß die oft zackig ausgeschnittene Ober- 
lippe (labrum) mit dem weichhäutigen E p i p h a r y n x die beiden 
Rüsselhälften von oben her an der Mundöffnung deckt. (Vgl. Fig. 7.) 

Was insbesondere den Rüssel (glossa) anbelangt, so bilden seine 
beiden Teile (Laden) an ihrer Innenseite eine geriefle Hohlrinne und sind 
durch Klammervorrichtungen (Verschlußhaken), — mit Ausnahme an der 
Basis — dicht miteinander verbunden, wodurch ein geschlossenes Rohr 
gebildet wird, welches bis zur Mundöffnung führt. An seiner Spitze zeigt 
der Rüssel zuweilen eine Anzahl kurzer kräftiger Tastzäpfchen, die wahr- 
scheinlich auch zur Aufschließung der Nektarien beim Blütenbesuch des 
Falters dienen.') Der Rüssel wird von einer kräftigen Trachee (vgl. Fig. 11) 
imd zahlreichen Muskeln durchzogen, welciie dessen Ausstreckung bewirken, 
wogegen dessen Einrollung allein durch die Elastizität der quergestreiften 
äußeren Chitinwand erfolgt. 

Die Länge des Rüssels steht mit dem Blütenbau jener Pflanzen in 
Beziehung, welche von der betreffenden Falterart regelmäßig besucht werden. 
Je tiefer die Nektarien liegen, desto länger ist der Rüssel. Von den heimischen 
Fallern besitzen namentlich die regelmäßigen Besucher der Silone-Blülen, so 
die Dianthoeci a-Arlen der Noctuiden und die Geomelride A c i d a 1 i a 
1 u r i d a t a, einen sehr langen Rüssel. Hingegen ist der sehr lange Rüssel 
des Windenschwärmers (Proloparce convolvuli) wohl nicht der 
heimischen Flora angepaßt. 
Die Kürze des Rüssels ist enUveder eine primäre oder beruht auf Rückbildung desselben, die bis ziini voll- 
ständigen Schwund führen kann (Psychiden und viele andere Ileterocercn). Im Falle noch nicht 
vollständiger Rückbildung wird der Rü.ssel sehr kurz und weich, und si>ine beiden fadenförmigen 
Ibdflen Ideiben voneinander getrennt. 

Die Maxillartaster (Nebenpalpen) sind bei den Großschnicllcrlingen meist sehr kurz und 
ein- bis zweigliederig, selten ganz fehlend (Lycaenidae), zwei- bis dreigliedrig bei Pyrahden und 
Tortriciden, fünfgUedrig und mehrfach geknickt bei den echten Tineiden. 

Die Unterlippe (2. Maxillenpaar) ist stark rückgebildet, zeigt aber bei den Ilepialiden noch eine 
freie Außenlade (Petersen). Ihre Taster sind als „Lippenlasler oder Palpen" in der Form und 
Bekleidung sehr wechselnd und meist von höherer systematischer Bedeutung. Gewöhnlich 
bestehen sie aus 3 Gliedern, von denen das mittlere das längste ist. Das Endglied ist oft pfriemenförmig, auf- 
gerichtet oder vorgestreckt, selten hängend, meist anliegend beschuppt oder nackt, während Basal- und Mittolglied 
fast regelmäliig eine rauhe Beschuppung und nach unten einen Borstenbesatz aufweisen, was mit der Neben- 
funklion der Palpen, dem Rüssel beim ICinrollen als Pulzvorrichtung und dann als Schutzdecke zu dienen, zu- 
sammenhängt. Ursprünglich waren die Palpen wohl in erster Linie Tastorganc bei der Nahrungsaufnahme und 
sind auch Träger von Sinnesorganen, so einer Grube auf der Innenseite des letzten Gliedes (vgl. später Fig. 33) 
und des sogenannten ,,Basalfleckes" auf der Innenseite des Basalgliedes. Letzterer besieht aus gehäuften, kegel- 
förmigen Sinnesorganen und hat auch eine systematische Verwertung bei den Rhopaloceren (Reutter) und 
Sphingiden (Rolh.schild &• Jordan) gefunden. 

Die Länge der Palpen slolil mit jener des Rüssels nichl in uuniillelbarem Znsammenhang, so besitzen die 
H y p a e n i n e n unter den Noctuiden zum Teil ausnehmend lange Palpen, aber einen nur normal langen Rüssel. 
Wohl tritt aber bei Rückbildung des Rüssels in der Regel auch eine starke Reduktion der Lippenlasler ein.-) ') 

') Diese Funktion der , .Saftbohrer" wie Breite nbach diese Gebilde nannte, wurde angefochten (Nagel, 
Rath); dennorh bwleht kein Zweifel, daß exotische Noctuiden mit ähnlichen mechanischen Einrichtungen an der 
Rüisolspitzo Früchte anbohren können (Kunkel, Darwin, Riley). 

'') An wichtiger Literatur über Mundloile der Lepidopteren vgl. : Breilenbach, Kirb ach, Walter 
(bei Kolbe p. 234); ferner K e 1 1 o g (Americ. Natural. XXIX 1895 p. 546 PI. 25); H ä 1 1 i c h (Zeitschr. f. wiss. Ins. 
lüul. 111. 1897 p. 229, 261). 

•') Über die am Kopfe noch vorfindlichen Auge n vgl. den Abschnitt ,, Sinnesorgane". 



RUs.ieUiillfte. I) Unterlippe mit tlcm I,abial- 
piilpen (n.ieli 0»tlinn:tns). 




Küssel- 
durchschnitt. 



Organisation der Lepidojiteren. 



A \) 



3. ß r u s t s t ü c iv (Tliorax). — Beine. — Flügel. 

Das Bruststück (oder der Thorax) besteht aus der innigen Vereinigung dreier Segmente des Pro-, Meso- und 
Meta-thorax, von denen der Prothorax stets kleiner als die beiden übrigen ist. Bei den meisten GroBschmelterlingen 
übertrifft der Mesothorax auch den Metathorax an Größe. Nur bei den Ilepialiden sind Meso- und Metathorax fast 
gleich groß. Jedes der drei Thorakalsegmente trägt bauch-(ventral-)wärts je ein Beinpaar, der Meso- und Metathorax 
rücken-(dorsal-)wärts je ein Flügelpaar. Aus der Funktion desThorax, derTrager sämtlicher Bevvegungsorgane zu sein, 
erklärt sich, auch aus mechanischen Gründen, dessen große Festigkeit. Die Abgrenzung des Thorax gegen den Hinler- 
li^ib ist liei Lepidopteren stets eine deullirhe. w'ivd aber zuweilen d\n'rh nach hirilcn gerichtete Behaarung des Meta- 
tlior.ix verdeckt. 




S k e 1 e t t e i 1 e eines Falters (Ilanivis plexippns $) (nacli liiiraess). 

.\n der Chitindecke jedes der drei Thorakalsegmente la.ssen sich mehrere durch Xahte oder weicli l)leibende 
Stellen miteinander verbundene Teile als Rücken-, Seiten- und Bauchplatte unterscheiden. Die Rückenplatte, Rücken- 
schild, auch Tergit (tergum, notum) wird am Prothorax von den Seitenplatten (pleurae) nur durch eine Leiste (Naht), 
am Meso- und Metathorax aber durch die Flügeleinlenkung getrennt, oder mit anderen Worten, die Flügel inserieren 




Mef^othorax {nach Kolbe). 




y 



! li s c li n i 1 1. dnrch den 
X. p Patagia (nach KoU)e). 



am Meso- und Metathorax zwischen notum und pleurae. Die Bauchplatte, auch Brustschild, Steruit (sternum) 
genannt, wird auf allen 3 Segmenten durch die Insertion der Beine von den Pleuren getrennt. 

Rücken-, Seiten- und Bauchplatte zeigen aber wieder einzelne Teile, deren Zahl und Abgrenzung (vgl. Fig. 12) 
bei den einzelnen Familien variiert. So hebt sich regelmäßig am Rückenstück des Mesothorax eine hintere dreieckige 
kleine Platte als Schildchen (scutellum) ab. Vom Sternum rücksichtlich den Pleuren gliedern sich ein vorderes 
Schulterblatt (episternum) und ein hinteres Hüftblatt (epimerum, hyposternum) ab usw. 

Ferner finden sich bei fast allen Heteroceren vorne am Rückenschild des Prothorax seitliche, kräftig chitini- 
sierte und stark beschuppte oder behaarte Anhänge (patagia), die den Hals kragen (collare) bilden.') 

Eine eigentümliche Bildung sind fernel- die S c h u 1 1 e r d e c k e n (scapulae, tegulae), welche vorne an den 
Seiten des Mesothorax den Grund der Vfl bedecken. Ihre Anheftungsstelle liegt zwischen Episternum und Me-sonotum. 



M Die patagia werden als blasenförmige Gebilde angelegt, in denen sich auch Tracheenendigungen finden, 
was zu ihrer Homologisierung mit Prothorakalflügehi geführt hat. Haase (Zool. Anz. IX p. 711); Cholod- 
kovski (Zool. Anz. X p. 102). 

Berge-Rebel, Schmetterlingsbuch. ,\ 2 



A 10 



Organisation der LcimiopU-ren. 




Es sind beweglicli cingeliMikti', untiTsi-iis koiikiivo, oberseits (wie der Ilnlskragen) dicht mit Schuppen und Haaren 
bekleidete Chitinplalten. 

a) Rein o. 

Das Insektenbein besteht normalerweise aus 5 Teilen a) dem Hüftstück oder der Hüfte (coxa), b) dem 
Srhenkelring (trochanter), i') dem Schenkel (femur), d) der Schiene (tibia) und e) dem fünfgliedrigen Fuß (tarsus). 
Nach der Zugehörigkeit zu einem der 3 Beinpaare spridit man beispielsweise von V o r d e r hüften, Mitlel- 
scheiikel, H i n t e r schienen. 

Das in der Gelenkgrube stehende Hüftglied ist bei Lepidopleren besonders kräftig entwickelt und zeigt an 
der Innenseite eine damit verwachsene Slülzleiste, so daß die Hüfte wie aus zwei Stücken zusammengesetzt erscheint. 

Der folgende Schenkelring ist kurz und einfach. Der 

Fg. A15. Schenkel ist in der Regel der längste und kräftigste 

n Teil des Beines, da er als Hebelarm zu wirken hat. 

^^ C Die darauffolgende Schiene ist in einem spitzen 

Winkel am Schenkel eingelenkt, häufig von gleicher 
Länge mit diesem, aber schwächer. Der Fuß zeigt das 
erste Tarsalglied (metatarsus) beträchtlich länger als 
die übrigen, von denen das letzte meist 2 Klauen und 
dazwischen zuweilen einen Haftlappen trägt. 
. , , , , , I Die Beine sind bei I^epidopteren im Vergleiche 

; ~ ~ ~ "\ \ I r~^'t 11-- ? . ^" jenen anderer Insektenordnungen relativ einheit- 

lich gebaut und .stellen zumeist n>ir Klammerapparate 
für die Ruhestellung dar. Selten werden sie als Lauf- 
beine zur rascheren Fortbewegung des Tieres ge- 
braucht, wie dies bei manchen Noctuiden (z. B. Am- 
phipyra-Arten) der Fall ist. Sie sind meist dicht 
beschuppt, meist zeigen nur die Hinterschienen einen 
langen Haarbesatz, zuweilen auch die Mittelschienen. 
Die Schienen weisen mannigfache Struktur- 
auszeichnungen auf, die systematisch oft verwertet 
werden. So zeigt die Vorderschiene auf ihrer Innen- 
seite am Ende häufig ein S c h i e n e n b 1 a 1 1,') 
welches aus einem Vorsprung über das erste Tarsal- 
glied besteht und als Putzvorrichtung für Fühler und 
Rüssel angesprochen wurde. Auf der Außenseite der Vorder- und Mittelschiene findet sich an deren Ende zuweilen 
ein unpaares spornartiges Gebilde, der sogenannte Schienendorn (Hornstachel, Hornklaue) (vgl. Fg. 18 [p. 66] 
und Fg. 59 [p. 179] des besonderen Teiles). Mittel- und Hinterschienen besitzen an ihrer Unterseite am Ende in der 
Regel je ein S p o rn p a a r von wechselnder Länge, sog. Endsporen. Häufig findet sich an den Hinterschienen 
nach deren Mitte ein 2. analoges Spornpaar, die sogenannten Mittelsporen. 

Nicht zu verwechseln mit den Sporen sind die sogenannten Dornen, die stets viel kürzer bleiben, und an 
Schienen und Tarsen einzeln oder in Reihen stehen (vgl. Fg. 52 [p. 139] des besonderen Teiles). Sie .sind nament- 
lich in der Systematik der Noctuiden von Bedeutung. 

Häufig treten Verkümmerungen, namentlich in den Tarsalgliedern, auf. So werden die Vorderfüße vieler 
Tagfalter (Nymphaliden, Lycaenidcn) krallenlos und verkümmern, entweder nur im männlichen oder in beiden 
Geschlechtern. Hierher gehört die sogenannte ,, Putzpfote" der Vanessen (vgl. Fg. 9a, b [p. 20] des besonderen Teiles). 
Zuweilen werden die Hintertarsen nur im männlichen Geschlechtc rückgebildet, wie bei zahlreichen Arten der Geo- 
metriden-Gattung Acidalia und bei Ilepialus hcctus L. Bei letzterer Art steht die Verkürzung zu der Anlage eines 
eigentümlichen komphzierten Duftapparates, der in einer Seitentasche des Hinterleibes geborgen werden kann, in 
Beziehung. Nicht selten findet sich im männlichen Geschlechte an den Hinterschienen ein Haarpinsel, der in einer 
Rinne derselben geborgen werden kann und als Duftapparat funktioniert. Die weitestgehende Rückbildung aller 
Gliedmaßen, auch der Beine, kommt bei Psychiden im weiblichen Geschlechte vor. 

b) Flügel. 

Die Flügel treten beim Falter als 2 Paar ganz flache, von chitinisiorten Röhren durchzogene, mehr oder weniger 
beschuppte, membranöse Lappen auf, die sich meist stark einer dreieckigen Form nähern und am Mesothorax als 
X'orderflügel (Vfl, alae anteriores), am Metathorax als Hinterflügel (Hfl, alae posteriores) bezeichnet werden. 
Für die Flügelränder und die von ihnen gebildeten Winkel sind nachfolgende Bezeichnungen üblich: 
Der bei ausgebreiteten Flügeln die vordere Richtung begrenzende Rand als Vorderrand (Kostalrand), 
der die äußere Richtung begrenzende als A u ß e n r a n d oder Saum (Limbalrand, Distalrand), und der die innere 
(unlere) Richtung begrenzende als I n n e n r a n d (Dorsalrand, Hinterrand). Der Winkel zwischen Vorderrand und 



ix 



B e i"n c (nach Oudemans). 
.1 Vorder-, b Mittel-, c Hinterbeine, co Hüttstück. tr Schenkelring, 
t Schenkel, tii Vordersehiene mit Schienenblalt. th Mittelschiene mit 
KlKlsporen. th Hinterschiene mit Mittel- und Undsporen. tars Tarsen. 



Vgl. Kathariner (111. Zcilschr. I'. Hut. 1\' ls^)9 p. 113 Taf.] 



Organisation der Lepidopteren. 



All 



Fg. A ii; 




F 1 ü !i e l r ä n (1 e r und -w i n k e I . 
VU Vordcrraiid. S Saum. JR Innenrand, li H;isal- 
winkel. Sp Spitze. J\V Innenwinkel. A\V After- 
winkel. 



liiueiiraiid heißt Schulterwinkel (Basalwin Ivel), jener zwischen Vorderrand und Saum Flügelspilze (Vorder- 
winkel, apex) und jener zwischen Saum und Innenrand Innenwinkel oder auf den Hfl au(;h A f l e r w i n k e 1. 
Letzterer kann sehr stumpf und gerundet werden oder auch ganz fehlen, so daß Innenraiid und Saum unmerklich 
iiuMiiander übergehen, wie dies namentlich bei vielen Klcinschmetterlingen (Tineiden) der Fall ist. 

Die in der Systematik oft wiederkehrenden Bezeichnungen des 
Saumes als gerade, geschwungen, ganzrandig, gewellt, gezähnt, gezackt 
usw. bedürfen keiner näheren Erklärung. 

In der Anlage') bestehen die Flügel aus weichhäutigen, von zahl- 
reichen Zellensträngen, Luftröhren (Tracheen) und Nervenendigungen 
durchzogenen, mit Blutflüssigkeit erfüllten sackartigen Hautausstülpungen, 
deren beide Membranteile sich erst später eng aneinanderlegen und 
dann durch die von einer starken Chitinschichte umgebenen Tracheen in 
eine Flächenspannung gebracht und erhalten werden. Diese chilinisierten 
Tracheen sind die sogenannten Flügeladern, auch Rippen 
(costae) genannt, deren Anzahl und Verlauf für die Systematik von 
größter Bedeutung ist. Die Zwischenräume zwischen den Rippen 
werden Zellen genannt. 

Es bleibt das Verdienst H e r r i c h S c h ä f f e r s '-) in der Syste- 
matik der Lepidopteren die hohe Bedeutung des Flügelgeäders in durch- 
greifender Weise zur Geltung gebracht zu haben; ihm sind darin auch alle 
späteren Systematiker von wissenschaftlicher Bedeutung gefolgt. In 
neuerer Zeit hat aber der Adernverlauf noch dadurch an wissenschaft- 
licher Bedeutung gewonnen, daß vergleichende Studien über die Flügel 
»aller Insekten angestellt wurden, die schließlich zu einer Homologisierung 
der Ader im Insektenflügel geführt haben. Es ist also auch auf diesem 
Gebiete der Morphologie (mit Zuhilfenahme der Entwicklungsgeschichte) 
gelungen, einen gemeinsamen, ursprüngliclien Typus des Geäders im In- 
sektenflügel aufzufinden, wie wir dies analog bereits bei den Mundteilen 
kennen gelernt haben. Zu einem gewissen Abschluß wurden die Unter- 
suchungen in dieser Rieh tung durch Prof. S p u 1 e r und Comstock gebracht. 

Anfänghch, als man von der Homologie (Gleichartigkeit) gewisser 
Adern im Flügel verschiedener Insektenordnungen keine Kenntnis hatte, 
liildete sich auch auf den einzelnen Gebieten der Entomologie eine ganz ver- 
schiedene Nomenklatur des Geäders aus, die ein einheitliches Arbeiten sehr 
erschwerte. Die Kenntnis und Nomenklatur des Geäders (Pterologie) war 
für jede Insektengruppe ein besonderer Wissenszweig. 

So wurde in der Lepidopterologie durch H e r r i c h - S c h ä f f e i- 
eine vielfache bis heute in Anwendung stehende Adernbezeichnung ein- 
geführt, die auf rein empirischer Grundlage beruhte. Er bezeichnete näm- 
lich die in der Mitte jedes normalen Schmetterlingsflügels aus der Basis 
kommenden zwei Adernlängsstämme, die durch einen Querast miteinander 
verbunden sind und die Mittelzelle bilden, als vordere und innere Mittel- 
rippe. Ferner die ebenfalls aus der Flügelbasis entspringende stets ein- 
lache Vorderjandsrippe als Kostalrippe, und ein bis drei analoge Innen- 
randsrippen als Dorsalrippen. Alle, auch die aus den beiden Mittelripiien 
und (scheinbar) dem Querast entspringenden, in den ^'orderrand oder Saum 
mündenden Aste wurden mit fortlaufenden Zahlen vom Innenwinkel ab 
bezeichnet, wobei jedoch die an Zahl in den einzelnen Familien stark wech- 
selnden Dorsalrippen alle die Bezeichnung 1 mit dem Index a bis c führten, 
wodurch weiteren homologen Rippen (Endästen) die gleiche Bezeichnung 
gewahrt wmrde. Da sich bei der überwiegenden Menge aller Lepidopteren 
im Vfl (abgesehen von den Dorsalrippen) gewöhnlich 11, auf den Hfl 7 freie 
Randadern finden (Endäste), so ergab sich bei der angedeuteten Zählweise 
für die Kostalrippe im Vfl die Bezeichnung 12, im Hfl die Bezeichnung 8. 
Hiebei müssen fehlende Randadern auch als fehlend bezeichnet werden, um 
der Kostalrippe die Zahl 12 zu sichern. 
Diese Adernbezeichnung, der auch L e d e r e r, H e i n e m a n n und viele andere Systematiker gefolgt sind, 




1'' 1 ü g e 1 g e ä d c r. 

Adern- und ZeUenbezeichnung nach 

Herrich-Schäfler. 



') Näheres darüber im Kapitel: Metamorphose. 

=) Näheres über die hier genannten Autoren im Kapitel: Geschichte der Lepidopterologie. 



A12 



Organisation der Lepidopteren. 



steht aui.li iJeizcil iiucli Ik-I JH-deutenden iMiglischeri Systeiiialikerii wie H a ni p s o n und AF e y r i c k in 
Anwendung. 

Etwas glüi:kliclier im Ausdruck war die von älteren englisciien Autoren entlehnte Bezeichnungsweise von 
Schatz, dor auch K a r s c h und Eimer gelolgt sind. Darnach behält die stets einfache Costale ihren Namen, 
die obere Mitlelrippo heißt Subcoslale, die untere Mediana, die (einfache) Innenrandsrippe Submediana. Die Quer- 
ailer, welche bei den Tagfaltern (für deren Geäder diese Nomenklatur hauptsächlich geschaffen wurde) aus mehreren 
Abschnitten besteht, wird Diskozellular-.\der genannt. .\us ihr entspringen gewöhnlich die obere und untere Radiale 
(auch Diskoidaladern genannt). Die übrigen in den Vorderrand und Saum mündenden Äste werden, soweit sie aus 
der Subkostale oder Mediana entspringen, mit Indices bezeichnet. 

Der Vorzug dieser Bezeichnungsweise gegen jene Herrich -Schaf fers lag vor allem darin, daß hier Namen (mit 
oder ohne Index) st itt der bloßen Zahlen gegeben werden, wodurch eine bestimmte Lage der Adern im Flügel leichter 
vergegenwärtigt wird. Ein großer wissenschaftlicher Fehler liegt aber in der Annahme, daß aus der Querader End- 
äste entspringen können, was entwicklungsgeschichtlich ganz unrichtig ist. 

Der entscheidende Umschwung auch in der Xonienklalui' des Geäders trat erst durch die vorgedachten 
vergleichenden Untersuchungen, die in der .Vusführung einer Idee Fritz Müllers sich auch auf das 
Nymphenstadium erstreckten, ein. 

Spuler unterschied zunächst in jedem Flügel den Spreitenteil von dem Faltenteil (Innenrandsteil), und 
bezeichnet vom Vorderrand beginnend sämtliche im Spreitenteil (aus der Wurzel) auftretende Längsadern (Adern- 
stämme) mit fortlaufenden römischen Ziffern, und ihre am Vorderrand oder Saum mündenden Endäste mit der römi- 
schen Ziffer des Stammes und einem arabischen Index. Bei Verschmelzung zweier Endäste führt dann der restliche 
Endast eine summierende Bezeichnung (z. B. llj, 5. oder bei einem Gabelast des.selben Stammes II ^-i-j, bei ver- 
schiedenen Längsstämmen z. B. II5 + III1). Die Längsadern im Faltenteil werden mit a und .3 bezeichnet. 

Die Untersuchungen Spulers ergaben nun als ursprünglichen 
Typus des Lepidopterenflügels, wie er vorübergehend vielfach noch 
im Puppenstadium erkennbar, aber nur bei wenigen, stammes- 
geschichtlich besonders alten Familien auch beim Falter erhalten 
geblieben ist, fünf primäre Adernstämme (I — V) im Spreitenteil, 
von denen Ader I (Costale) stets einfach bleibt, Ader 11 (Subco- 
slale Schatz) 5, Ader III (deren Längsstanim gewöhnlich ver- 
schwindet) nur 3 und Ader I\' (Mediana Schatz pr. p.) nur 2 
Endäste bildet. Ader \' bleibt einfach. 

In der grundlegenden Auffa.ssung des Geäders fast ganz mit 
Spuler übereinstimmend ist die von C m s t o c k angewendete 
Nomenklatur des Geäders, deren letzte Fassung auch in dem 
besonderen (systematischen) Teil des vorliegenden Buches Anwen- 
dung gefunden hat. Der ^'orzug dieser Nomenklatur vor Spuler 
liegt darin, daß für die Bezeichnung der Längsstämme des Flügels 
statt der römischen Ziffern Namen gegeben werden, deren Ab- 
kürzung nicht mehr Raum beansprucht als die Ziffer, die aber 
ein leichteres und besseres Verständnis vermitteln, als die bloße 
Ziirei-nbezeichnung. 

Nach Com stock hat der Längsstamm I die Bezeich- 
nung Subcosta (Sc) zu führen,') der Längsstanim II heißt 
U a d i u s (R) und gibt auf den Vfl höchstens 5 Endäste (Rj bis 
K5) ab, auf den Hfl bleibt er gewöhnlich einfach. Der Längs- 
stamm III wird als M e d i a bezeichnet und bildet bei Lepidop- 
teren nur 3 Randadern (Mj bis Mg), der IV. Längsstamm heißt 
Der an der Grenze des Spreiten- und Faltenteiles liegende Längs- 
stamm V wird besser als erste Innenrandsader (.\nalader, Analis = A) aufgefaßt und führt als solche die Bezeidi- 
nnng Aj, so daß weiters u als A, und .9 als A3 bezeichnet werden müssen. 

Die vier hier kurz besprochenen Bezeichnungsweisen des Geäders bei Herrich-Schäffer, Schatz, Spuler uiui 
Comstock sind in der nachstehenden Tabelle zur vergleichenden Übersicht gebracht: 




K I ü s e 1 (j c ä «1 c r. 
Iiü7.uu'liiiiiii|{ iiiicli Spuler iiud Coiiistoik (iuii 
IJer F.ilteiiteil ist diiiikcl sdinitficrt. 



G u b i t n s (C.) nnl 2 Endäslen {C^ und C,) 



•) Die eigentliche ,, Costa" ist mit dem N'orderrand 
mehr auf. 



erschmolzen und tritt im Lepidopteren flügel nirgends 



Ürganisatioii der Leiiidopleroii. 



A13 



Nomenklatur des Geäders 



Herrich-Schäffer 


Schatz 


Spuler 


Comstock P 


12 


Costalc 


I 


Subcosta 


11 


Subcostale 1 


II, 


Radius 1 


10 


jj 2 


II, 


- 


9 


3 


n. 


1t 


8 


4 


1X4 


4 


7 


„ 5 


1I5 


)i •'> 


6 


Obere Radiale 


III, 


Media 1 


5 


Untere Radiale 


III, 


2 


4 


Mediana 3 


III, 


3 


1 3 


2 


IV, 


Cubitus 1 


2 


1 


IV, 


2 


\ le- 


— 


V 


Analis 1 


ib 


Submedia 


a 


2 


la 


— 


ß 


3 


8 


Costale 


I(+II.) 


Subcosta 


7 


Subcostale 


II 


Radius 


(; 


Obere Radiale 


III, 


Media 1 


5 


Untere Radiale 


III, 


2 


t 4 


Mediana 3 


III, 


3 


! 3 


2 


IV, 


Cubitus 1 


! 2 


1 


IV, 


2 


le 


— 


V 


Analis 1 


Ib 


Submedia 


a 


2 


la 


Innenrandader 


ß 


3 

1 



Kehren wir nach diesen notwendig gewesenen nomenklatorischen Auseinandersetzungen zu einer allge- 
meinen Betrachtung des Geäders im Lepidopterenflügel zurück, so müssen wir wieder von den drei, slamnies- 
geschichtlich besonders bedeutungsvollen Familien der Eriocraniiden, Micropterygiden und H e p i a- 
1 i d e n den Ausgang nehmen, welche allein unter allen Lepidopteren als Falter einen sehr ursprünghchen, sonst 
nur mehr während des Puppenstadiums vorübergehend auftretenden Zustand im Flügelgeäder bewahrt haben. Bei 
ihnen sind nämlich nicht bloß sämtliche Längsstämme im Flügel erhallen geblieben, sondern auch der Radius hat 
auf den Hfl seine ursprünglichen 5 Endäste bewahrt, so daß \'fl und Hfl die gleiche Adernanzahl besitzen. 

Bei sämtlichen anderen Lepidoplerenfamilien hat nämlich eine nieiir oder weniger weitgehende Adernreduktion 
stattgefunden, deren wesentlichste Wirkung vor allem darin besteht, daß auf den Hfl der Radius (nach Abgabe eines 
mitSc verschmolzenen Astes) nur mehr einen selbständigen (freien) Endast bildet, und daß auf denVfl von derMedia 
nur die Endäste erhalten geblieben sind, der eigentliche Längsstamm von M aber rückgebildet wurde. Überdies 
sind auf den Vfl oft 2 Innenrandsadcrn (A-^ und A3), auf den Hfl eine (Aj) ausgefallen. 

Die stammesgeschichtliche Entwicklung im Flügelgeäder der Lepidopteren (und anderer Insekten) geht also 
nicht etwa auf eine Vermehrung, sondern auf eine Verminderung der Adern, wobei die Vfl bei zunehmender Flugkraft 
sich immer energischer als die eigentlichen Flugorganc ausbilden, wogegen die Hfl allmählich zurücktreten und oft 
auch eine Flächenverringerung erfahren. Hiebei spielt das lladialsystem der Vfl eine ausschlaggebende Rolle. Je 
kräftiger dessen Adern werden und je näher dieselben an den Vorderrand rücken, desto höher steht die Fluglcistung. 
Das Radialsystem übt dann auch eine Art .\ttraktionskraft auf den darunter liegenden ersten Endast der Media aus, 
der oft emporrückt und scheinbar zu einem Radialast werden kann, wobei auch die Mittelzelle schmäler wird und der 
Längsstamm der Media ausfällt. Der dritte Endast der Media (Mg) tritt dann meist in eine nahe Beziehung zum 
Cubitalsyslem und der verbleibende mittlere [M.,] neigt in seiner Stellung bald mehr zum Radial- bald mehr dem 
CubitaLsystem zu, was systematisch von großer Bedeutung ist. Aus der mehr sekundären Rolle der Hfl bei der Flügel- 
bewegung erklärt sich auch die starke Rückbildung des Radialsystems derselben. 

Bei jenen Familien, bei welchen der Längsslamm der Media erhalten geblieben ist, wie z. B. bei den Psychiden^ 
Cossiden, haben wir es also mit einem ursprünglichen (älteren) Zustand zu tun, während Herrich-Schäffer diese Fälle 
mit ,, geteilter Mittelzelle" noch für einen abgeleiteten, ausnahmsweisen Zustand hielt. 

Zuweilen gabelt sich der erhaltene Längsslamm der Media vor dem Querast und bihlet eine kleine, dreieckige 
Zelle vor demselben, eine sogenannte „eingeschobene Zell e", die eigentlich in der Mitlelzelle selbst liegt. 



A14 



Urgaiiisation der Lepidopteren. 



Fk. A !;• 




Vortle r M üijt'l mit eint;es?hoben2r 
Zellu (e) 1111(1 Anlmiieszelle (a). 



Vpiii zu VI twitIisiUii (liiiiiil isl die sogenannte Nebe n- oder A n h a n gs z e 1 1 o, die durch eine Verbindung 
diT SuIhusI-i mll den Kadiaiilslen, oder nur letzterer miteinander, entsteht. Sie liegt außerhalb der Mittelzelle gegen 
.|i>M Vorderranil zu mii,| Lmih. selbst wieder geleilt als „doppelte" Anhangszelle auftreten. 

Der Ausfall einer Ader erfolgt entweder durch einfache Rückbildung der- 
s'-lben (Atrophie), oder durch Vereinigung zweier ursprünglich getrennter Adern 
zu einer (Coalescenz). In letzterem Pralle tritt häufig im weiteren Verlaufe des 
Geaders wieder eine Trennung der beiden Adern ein, in welchem Falle man von 
einer Anastomose spricht. Diese ist also die bloß streckenweise Vereinigung 
zweier getrennt entspringenden Adern und findet sich besonders häufig bei Helero- 
ceren auf den Hfl zwischen der Subcosta und dem Vorderrand der Mittelzelle 
(Längsstamm des Radius), wobei an der Flügelbasis eine kleine ,,\\'nrzelzelle" 
(Wurzelschlinge) gebildet wird. (Vgl. Fg. 48 [p. 138] des besonderen Teiles.) Als 
,, gestielt" werden jene Adern (Endäste) bezeichnet, bei welchen Coalescenz von 
ihrem Ursprung an eingetreten ist und es erst gegen den Saum (oder Vorderrand) 
zu einer Trennung der .Vdern (Gabelung) kommt. Hiebei kann der Stiel sehr lang 
bis sehr kurz sein, und auch melir als 2 Adern auf gemeinsamem Stiele stehen.*) 
Die von den Adern und Flügclrändern begrenzten Zellen werden meist 
nach Herrich-Schäffers Zählweise mit fortlaufenden Zahlen vom Innenrand aus 
bezeichnet, wobei die Zellen längs der Innenrandsadern alle die Ziffer 1 (a bis c) tragen, (vgl. Fg. 17.) 

Um das Überschlagen der Hfl über die Vfl während der Flugbewegung zu verhindern und eine gemeinsame 
Si;hlagriäche der Vfl und Hfl jederseits zu erzeugen, finden sich eigentümliche mechanische Einrichtungen, deren 
ursprünglichste wir wieder bei den vorgenannten drei Familien der Eriocraniiden, Micropterygiden und Hepialiden 
antreffen. Bei diesen findet sich nahe der Basis des Innenrandes der Vfl ein kurzer, spitzer Lappen (juguni oder 
clavus), der in einen Haarbesatz unter die Basis des Vorderrandes der Hfl 

greift und dadurch die Vereinigung beider Flügel bewirkt. Diese 3 Familien ''g. a au. 

werden wegen des Besitzes eines jugums auch als J u g a t a e bezeichnet. 

Bei den meisten übrigen Lepidopteren dient den gleichen Zwecken der 

sogenannte H a f t b o r s l e n apparat, der im männlichen Geschlechte nur 

aus einer kräftigen Borste (frenulum) an der Basis des Vorderrandes der 

Hfl besteht, die in eine an der Basis der Vflunterseite befindliche, durch 

Schuppen ausgekleidete und durch ein Bändchen überdeckte Falte (retina- 

culum) eingreift. Im weiblichen Geschlechte finden sich statt der einen 

zwei oder mehrere kürzere Haftborsten. Bei einzelnen Lepidopterenfamilien 

so namentlich bei allen Tagfaltern,'-) Lasiocampiden, Lemoniiden, Satur- 

(lüden fehlt ein Haftborstenapparat,^) wogegen sich hier meist ein starkes 

\ortreten des Kostalfeldes der Hflbasis findet, das bei den Tagfaltern oft 

durch eine sekundäre Ader (den sogenannten Präkostalsporn) 

gestützt wird. Bei den Lasiocampiden tritt oft eine ganze Anzahl solcher 

kiirz'T sekundärer Adern (Nebenadern) an der Subcosta der Hfl auf, die 

des zur Verstärkung des Vorderrandes dienen. 

iK. A 21. (Vgl. Fig. 42 [pag. 128] des besonderen Teiles. 

y^ Innerhalb der meisten Heteroceren -Familien 

finden sich einzelne Arten odcrGattungen, bei welchen 

im weiblichen Geschlechte eine mehr oder weniger 

starke Flügelrückbildung vorliegt, die bis zu vollständigem Schwund der !■ lugcl fiiluvii kann. 
Ausnahmslos ist dies bei den Psychiden und Heterogyniden im weiblichen Geschlechte erfolgt. 
Der Grund für die Flügelrückbildung der weiblichen Tiere kann nicht bloß wie 
häufig angenommen wird, im Nichtgebrauch der Flügel liegen, wie ein solcher bei schärferer 
Ausbildung des Spürsinnes des Männchens, wodurch das Weibt-hen sofort nach seiner Ent- 
wicklung aufgesucht und befruchtet wird, und bei der Möglichkeit ohne Aufsuchen einer 
besonderen Futterpflanze bald zur Eiablage schreiten zu können, gegeben erscheint. Denn 
wir sehen Geometriden-Weibchen mit rückgebildeten Flügeln (.so jenes des kleinen Frost- 
spanners, Operophthera brumata) erst nach der Befruchtung den Baum besteigen und den 
geeigneten Ort zur Eiablage aufsuchen. Wohl aber scheint auch die Ausbildung eines 
größeren Eivorrates mit der Flügelrückbildung im Zusammeidiange zu stehen und eine Kompensation der 
plastischen Stoffe zu diesen ganz verschiedenen Zwecken stattzufinden. 

') Als wichtigste Literatur für das Flügelgeäder vgl. Redtenbacher (Ann. Naturh. Hofnuis. Wien 1 
p. 153 Taf. 9—20) : S p u I e r (Zeitschr. f. wiss. Zool. 53. Bd. 1 892 p. 597 Taf. 25, 26) ; C o m s t o c k The wings of 
Insects (Americ. Natural. \o\. 32. 1898 p. i2; Vol. 33 p. 845). 

'') Eine oft genannte Ausnahme bildet die australische Hesperiide Euschemon rafflesiae Macl. 

") Zum Haftborstenapparat vgl. Griffiths (Tr. Ent. Soc. Lond. 1898 p. 121 PI. 4.) 




|i i a I u 8 g e ä d e r (nacli Spuler). 
Vorderfliigel mit Jugtim (j). 




H i. t t.b o r s t c 11 - 

a p p.i ra t. 

( laiiiiliim. r rctinu- 

ciiluni. 



Organisation der Lepidopteren. A 15 



4. Hinterleib (Abdomen). — Weibliche A f t c r t a s c h o n. 

Den dritten und letzten Abschnitt des Inscktenkörpers bildet der Hinterleib (oder tlas Abdomen). Derselbe 
besteht bei Lepidopteren aus 10 stets e.xtremitätenlos bleibenden Segmenten, deren volle Zahl äußerlich aber nicht 
nachweisbar ist. Ihr mehr gleichartiges (homonomes) Verhalten zueinander entspricht ursprünglich morphologischen 
Verhältnissen. Die Chitindecke besteht auch hier auf jedem Segment aus mehreren Teilen, an welchen sich stets 
der Rückenschild (Dorsalschild, Tergit) und die Hauchschiene (Bauch- oderN'entralplatte, Sternal.schild.Sternil) unter- 
scheiden lassen. Am ersten (basalen) Segment fehlt fast stets eine gesonderte Bauchplatte. (\'gl. Fig 12). Die Pleuren 
(vgl. Thora.K) bleiben am Hinterleib undeutlich. Diese Chitinteile sind durch weichblejbende Haute miteinander 
verbunden, wodurch nicht bloß eine E)rweiterung, sondern auch eine ^'erlangerung des Abdomens ermöglicht wird, 
da die Segmente in der Ruhelage zum Teil ineinander geschoben werden. In der weichhäutigen Verbindung liegen 
auch die Atemlöcher (Stigmen).') Der Darm mündet stets am letzten Segment als After (anus), welcher also terminal 
liegt. Die Lage der Genitalorgane im .\bdomen übt einen großen Einfluß auch auf de.ssen äußere Gestaltung aus, 
da die letzten 2 — 3 Segmente im Dienste der Fortpflanzungsorgane stark modifiziert erscheinen. Abgesehen von 
den eigentlichen Begattungsorganen -) läßt sich bei Lepidopteren sehr häufig -schon an dem größeren, gewölbten 
umfang des Hinterleibes das $ vom ^ unterscheiden. Aber auch die Zahl der freien Segmente ist bei beiden Ge- 
schlechtern nicht dieselbe, indem beim 5 ein Segment mehr, nämlich bereits das 8. Abdominalsegment, in unmittel- 
bare Beziehung zum Genitalapparat tritt. Die eigentliche Geschlechtsöffnung liegt zwischen der 9. und 10. Ventral- 
platte resp. zwischen ersterer und dem After. Hier tritt beim ^ der penis hervor imd beim § mündet der Eileiter 
(Oviduct). Bei den meisten Lepidopteren findet sich im weiblichen Geschlecht noch ein vom Eileiter geti'ennler 
Begattungäweg, der zwischen der 7. und 8. Ventralplatte oder mehr in der Mitte des 8. Sternites als Querschlitz 
mündet, und in die Begattungstasche (bursa copulatrix) führt.^) 

Auch der Hinterleib ist meist beschuppt und behaart und tragt an seiner Spitze häufig einen im männlichen 
Geschlecht längeren Haarbüschel (Afterbusch). Bei den $ mancher Heteroceren, namentlich bei Lymantriiden und 
Lasiocampiden, findet sich am After ein reichlicher Wollvorrat, der als Schutzhülle bei der Eiablage Verwendung 
findet. 

W e i b 1 i c li e A f t e r t a s c h e ii. 

Im Anhange an die äußere Gestaltung des Hinterleibes seien hier auch die an der BauiJiseite des weiblichen 
Hinterleibes, erst während der copula durch ein vom Männchen ergossenes Sekret entstehenden taschenförmigen 
Anhänge (Aftertaschen) einiger Tagfalter-Gattungen erwähnt, deren bekannteste Parnassius ist.*) Über den 
physiologischen Zweck dieser sekundären Gebilde sind die Llntersuchungen noch nicht abgeschlossen. Jedenfalls 
gehören die Aftertaschen in die Kategorie der sogenannten Begattungszeichen, die auch aus anderen Insektenord- 
nungen einzeln bekannt wurden. 

B. Innere Organisation. 

Der von der Chitindecke eingeschlossene Körper besteht erst aus jenen Organsystemen, von denen die eigent- 
liche Lebenstätigkeit ausgeht. Nach den physiologischen Zwecken, denen die einzelnen Organe dienen, unterscheidet 
man vor allem Ernährungsorgane, Atmungsorgane, Kreislauforgane, Ausscheidungs- 
org a n e , ferner das Muskelsystem, das N e r v e n s j- s t e ni mit den 
Sinnesorganen und die Fortpflanzungsorgane. 

Die wichtigsten dieser Organsysteme nehmen im Insekten- rücksichtlich 
Ai'thropodenkörper eine ganz bestimmte Lagerung ein, die vielfach im größten 
Gegensatz zu jener im Wirbeltierkörper steht. 

Denken wir uns einen Querschnitt durch eines der vorderen Abdominal- 
segmente, wo wir im Gegensatz zum Thorax noch primäre, unveränderte Verhält- 
nisse antreffen, so finden wir im Zentrum das Darmrohr gelagert, dorsalwärts davon 
den Hauptstamm der Kreislau forgane,' das sogenannte Rückenrohr (Herz), ventral- 
wärts des Darmes hingegen den zentralen Nervenstrang (Bauchganglienkette); seitlich Durchs ciinitt durch ein 
ventralwärts des Darmes liegen die beiden Hauptlängsstämme der Atmungsorgane .-v bdominaiscgment 

(Tracheen), die durch kurze Gänge mit den Atemlöchern (Stigmen) in Verbindung (schematisch), r Uückenrohr. 

^ \ n / " I) Darm. Sp Speiclicldrusc. 

^^'ß'^S"- Tr Trachte. C (Janulion. 

.'Vus dieser kurzen Orientierung haben wir bereits die unveränderliche Lager- 
beziehung von vier der wichtigsten Organsysteme entnommen und können jetzt zu einer Einzelbetrachtung der 
selben .schreiten. 




') Vgl. Im .\bschnitte ,, Innere Organisation" die Atmungsorgane. 

^) DiescllHii \\. i,|,n im Zusammenhange mit den inneren Geschlechtsorganen liesproclien werden. 

'■'] Nähi'i'< uh r dii' Trennung von Eileiter und Begattungsweg bei den Genitalorganen. 

■*) Vgl. diu l»-i'ii(li'ien Teil p. 6, wo in Figur .3 und 4 auch Abbildungen von Afterlaschen gegeben werden. — 
An Literatur vgl. Siebold (Zeitschr. f. wiss. Zool. 3. Bnd. p. 54); Leydig (Arbeit zool. zoot. Inst. Wiu-zburg 
X 1891 p. 39); Escherich (Soc. Ent VIII p. 177); Scudder (Tr. Ent Soc. Lond. 1892 p. 249). 



Alti 



Organisation der Lepidopteren. 



5. E n d o s k c 1 e 1 1. 

Man versteht unter dem Endoskelett (innerem Skelett) Ijei Insekten nicht etwa umfangreichere, selbständige 
Chilinbildungen im Inneren des Korpers, sondern haujttsachlifh nur Hiiieiiiragungen des Hautskeletts in die Höh- 
liiir.'.'ji d.K Kopfes und Thorax. So spricht man vom Ten tori u m, einer meist hrückenfiirmi^'en Chitinl)il(iung 




T^ 



La ngsdurcliscli ni tt durch e i nc lOF,-! 1 1 e r (Danais plexippus §) (nach Burgess). 
Sp Speicheldrüse. R. Kückenrolir. Oe Speiserölire. VM Vormagen. Mi Mitteldarin. K Enddarm. Ma Malpighisclie Gefäße. 

B Burs."» copiilatrix. ()\- Eiröliren. 

auf dem hinteren Teil der unteren Kopfplatte zum Schutze der Kopfganglien. Im Thorax unterscheidet man 
1. Pliragmen, obere, meist plattenförmigc Fortsätze der Tergite. die beim Zerbrechen eines getrockneten Falters 
sehr deutlich sichtbar sind, 2. .\ p o d e m e n, seitliche, kleinere, zapfenförmige Fortsätze der Ple\iren, 3. A p o - 

[I h y s e n , untere , gabelförmige Fortsätze der Sternite. 

Einige selbständige innere Chitinbildungen werden noch bei Be- 
sprechung des Genitalapparates Erwähnung finden, 
t). N a h r u n g s k a n a 1. 

Der Nahrungskanal zerfällt in drei physiologisch und entwicklungs- 
geschichtlich unterscheidbare .\bschnitte: den Vorder-, Mittel- und 
Knddarm. 

Der \' o r (1 c r d a r m beginnt mit der MuiHiöffnung, erweitert 
sich bald darauf zum Schlundkopf (pharynx), tritt hierauf durch das 
llinterhauiiUslocli in den Thorax, den er als enge Speiseröhre (Oesophagus) 
liurchziohl, und bildet bald nach seinem Eintritt in das Abdomen 
dorsalwärts eine große, sackartige, gestielte Erweiterung, den Vormagen, 
der nur als Speisebehälter dient imd früher unrichtigerweise als Saug- 
niagen bezeichnet wurde. 

Der ^■organg des Saugeus erfolgt jedoch in der VV'eise, daß der 
Schlundkopf, der eine starke Muskeldecke besitzt und sowohl gegen die 
Muiidöffnung als gegen den Oesophagus durch Klappen verschließbar 
ist, bei gleichzeitiger Öffnung der Mundldappen und Schließung der 
hinteren Klappen .stark (erweitert wird, wodurch innerhalb desselben ein 
luftverdünnler Uanm entsteht, .so daß durch den Druck der äußeren 
.Mmosphäre die Nahrungsfliissigkeit durch den Rüssel in den Schlund- 
kopf aufsteigt, worauf nach Schließung der Mundklappe und Öffnung der 
hinteren Klappen durch Muskeldrnck die aufgenommene Nahrung in 
die Speiseröhre und weiters in den Vormagen befördert wird. Dieser 
Vorgang kann sich so rasch wiederholen, daß ein kontinuierlicher Saft- 
ström durch den Rüssel aufsteigt. Aus dem Speisebehälter, der also mit 
dem X'organg des Saugens nichts zu tun hat, wird die Nahrung dann 
allmählich in den .Mitteldarm abgegeben. Nicht immer hat der \'ormagen 
(Speisebehälter) die Form einer gestielten Blase. Ursprünglich dürfte 
er nur in Form einer kropfartigeu .\n.schwellung verbanden gewesen sein, wie dies noch bei Micropterygiden, 
vielen Tineiden und Hepialiden der Fall ist. .\uch im Falle der Rüsselrückbildung wird der ^'o^nlagen 
wieder kropfartig wie bei den Saturniiden, Psychiden und Cossiden. Bei den Zygaeniden findet sich ein doppelter. 




Darmeines Falters (Pieris brassicae) 

(nach Hayek). 

R Rüssel. Sp Speicheldrüsse. VM Vormagen. 

Mi Jlilteldann. .Ma .Malpighisi-he (Jcfässi- 

1-; iMiddiirni. 



Organisation der Lepidopteren. 



A17 



mit breiter Basis aufsitzender Vormagen (Petersen). Der Vormagen dient zuweilen mit Luft gefüllt auch als aero- 
statischer Apparat (Zygaenidae, Adelidae). 

In weiterer Verfolgimg des Darmverlaufes sehen wir, daß nach Abgliederung des N'ormagens sich das Darm- 
rohr zum M i 1 1 e 1 d a r m erweitert, der den eigentlichen verdauenden (resorbierenden) Teil des Darmes darstellt 
und mit einem oft stark zottigen Epithel (Haut) ausgekleidet ist. Der Mitteldarm ist ein nur selten in Windungen 
verlaufendes Rohr, das in seinem vorderen weiteten Teil auch als Chilusmagen, in seinem hinteren engeren Teil auch 
als Dünndarm bezeichnet wird. An letzteren schließt sich der meist mehrfach gewundene und vor dem After stark 
erweiterte E n d d a r m an, dessen letztes Stück mit dem After mündet. 

P.ei vielen Lej)idoptoren ist die Nahrungsaufnahme und \'erdauung im geschlechtsreifen Zustand gering inid 
dient vornehmlich nur zum Ersatz des durch die Vt^rdunstung erfolgten Wasserverlustes. 

Speicheldrüsen. 

Im Anhange zu dem Xahrung.skanal seien auch hier kurz die Speicheldrüsen erwähnt, welche meist 
in Form zweier langer Schläuche zu Seiten des Vorderdarmes im Kopf und Thorax liegen und sich in einen Gang 
vereinigen, der in unmittelbarer Nähe des Mundes nach außen mündet. liir reichliches, alkalisch reagierendes Sekret 
kann selbst zum Ervs'eichen der Nahrung (z. B. Zucker) dienen. 

7. A t m u n g s o r g a n e. 

DieAtmungs-(Respirations-)organe haben im Insektenkörper eine sehr charakteristische und hohe Ausbildung 
erlangt. Sie bestehen aus luftführenden Röhren (T r a c h e e n), welche einerseits durch paarig angeordnete seil- 
liche Atemlöcher (Stigmen) mit der äußeren Luft kommunizieren, andererseits in überaus feiner Aufteilung überall 
im Körper verbreitet sind. Kein Organ, selbst nicht Sinnes- und Geschlechtsorgane, ist frei von Tracheenendigungen. 

Die Trachee ist in ihrem Inneren von einem sehr charakteristischen chitinigen Spiralfaden ausgekleidet, welcher 
der Röhre eine große Elastizität verleiht und sie auch bei Luftaustritt prall erhält. Bei miki'oskopischer Betrachtung 



ist eine Trachee sogleich an dem Spiral- 
faden erkennbar, der nur den feinsten 
Tracheenendigungen und den später zu er- 
wähnenden Tracheenblasen fehlt. 

Die Tracheen vereinigen sich im Körper 
zu zwei seitlich vom Darm liegenden Längs- 
stämmen, die miteinander mehrfach durch 
Queräste (Kommissuren) verbunden sind, 
so meist im 2. und 3. Thorakal- und im 
l.und 8. oder 9. Abdominalsegment(Fg. 26). 

Aus dem Tracheenlängsstamm entspringen 
in jedem Segment meist 3 Nebenäste, ilie 
sich weiter im Körper verteilen. Zu den 

Fg. A 2.i. 



Stigmen führt vom Tracheenlängsstamm 
aus ein kurzer Querast, der sogen. S t i g- 
m e n a s t. 

Die ursprüngliche Anzahl der Stignien- 
paare bei Lepidopteren-Imagines ist 10 und 
zwar je eines am Meso- und Metathorax 
und auf den ersten 8 .Vbdominalsegnienten. 
Meist geht jedoch das Stigmenpaar am 
8. (auch schon 7.) Abdominalsegment ver- 
loren, so daß im ganzen nur 9 (8) Stig- 
menpaare vorhanden bleiben. 

Die Stigmen liegen innerhalb der 
weich bleibenden Stellen der Pleuren. Ihre 



T r .a c h e e mit S p i r n 
faden (schematiscli). 



Verlauf der Tracliecn- 
1 ä n g s s t ä ni 111 e (schcmatiscli). 




Ein S t i (i ra a 



Form ist meist oval. Sie sind von einem Chitinring umgeben und an ihrer Öffnung meist durch einen Haar- und 
Borstenbesatz, die einen Reusenapparat bilden, vor dem Eindringen von Fremdkörpern geschützt. Ein kom- 
pliziert gebauter Verschlußapparat') am Grunde des Stigmas ermöglicht den Abschluß gegen die äußere Luft und 
das Vorwärtstreiben der aufgenommenen Luft in der Trachee. 

Die Tracheen blasen sind starke Erweiterungen des Tracheenlängsstatnmes mei.st zwischen 2 Stigmen- 
ästen und entbehren des Spiralfadens, so daß sie in nicht mit Luft erfülltem Zustande einsinken. Sie dienen als 



») Vgl. Solowiow (Zool. .\nz. 34. Bnd. 1909 p. 705). 
Berge-Rebel, Scbmetterlingsbuch. 



A3 



A 18 Organisation der I^epidopleren. 



(. - 



aöroslalischer Apparat und sind bei besonders guten Fliegern, wie den Sphingiden, hoch ausgebildet. AiKiettii 
Familien wie den Tagraltern, Zygaeniden, Psychiden, Cossiden, Hepiahden, fehlen sie.') 
8. K r e i s 1 a u f o r g a n e. 

Bei der hohen Ausbildung der Respirationsorgane im Insektenkörper, die iilierall 
■f. das Blut und die Gewebe zum Zwecke des Gasaustausches, rücksichtlich der Zufuhr von 
Sauerstoff, aufsuchen, entfällt die Notwendigkeit allseitiggeschlossener Blutbahnen und 
eines streng geregelten Kreislaufes. 

Die Kreislauforgane (Zirkulationsorgane) bestehen daher nur aus einem kontraktiblen, 
gekammerten Rückengefaß, auch Rückenrohr oder Herz genannt (vgl. Fg. 23 R.), welches 
im Abdomen liegt, gegen das Körperendo blind geschlossen ist, sich aber gegen den Kopf in 
eine als Aorta bezeichnete einfache Rohre fortsetzt, die im Thorax in Begleitung der Rücken- 
wand zuweilen einen hohen Bogen bildet. (Fg. 23). Das Rückengefäß ist durch eine Scheide- 
TracheenbUsc wand (Septum) von der übrigen Körperhöhle getrennt und mit Flügelmuskeln an der dorsalen 
tr Trnchccnlängstamm. Körperwand befestigt. Seine 6 bis 8 Kammern besitzen seitliche Einströmungsöffnungen 
si ShKinn. 1 Korpcrwand. |Ostien) und innere Klappenvorrichlungen, die bei der von hinten nach vorne vorschreiten- 
den Kontraktion der Gefäßwand ein Zurückströmen des Blutes verhindern. 
In der Ruhelage, in welcher die Temperatur des Falters stark zurückgeht, macht beispielsweise das Herz 
von Sphinx ligustri 60 bis 70 Kontraktionen in der Minute, im Fluge jedoch, bei welchem au(-h die Körperwärme 
weit über jene der umgebenden Luft ansteigt, macht das Herz bis 150 Kontraktionen (Newport). 

Das Blut, welches alle Teile der Leibeshöhle erfüllt und die Organe umspült, besteht vorzugswei.se aus Xähr- 
saft (Chylus), in welchem mehr einzeln auftretende farblose Blutkörperchen eingelagert sind. Es hat keine bestiininte 
Färbung oder ist vorzugsweise gelblich. 

9. Ausscheidungsorgane. 

Die Ausscheidungs-(Exkretions-)organe treten bei den Insekten meist in Form langgestreckter, gewundener, 
fadenförmiger Darmanhänge auf, die zu Beginn des Enddarmes in denselben münden und den Xamen M a 1 p i i; ■ 
hischeGefäße führen. Sie besorgen die Ausscheidung und Abfuhr stickstoffhaltiger Endprodukte, vor allini 
der Harnsäure, aus dem Blute, erfüllen also die Funktion der Niere bei Wirbeltieren. 

Bei Lepidopteren beträgt die Zahl der Malpighischen Gefäße meist 6 (bei Tineiden auch nur 2 oder 4), von 
denen je 3 zu einem gemeinsamen Endstück sich vereinen, das in den Darm mündet (vgl. Ma in Fg. 23 u. 24). Selten 
mündet jedes Gefäß für sich. Bei den ZygaeniiliMi ist das KiidstüiU lil.iscnarlig ciuriterl, bei Cossiden und llepialiden 
ist es sehr lang.'^) 

10. F e 1 1 k ö r p r. 

Der Fettkörper besteht aus großen, mit Felltröpfchen erfüllton Zellen und findet sich überall im Insekten- 
körper, besonders aber im Hinterleib, dessen Holilräume zum Teil durch ihn ganz ausgefüllt werden. Der Stoff- 
wechsel ist in ihm ein sehr reger, er wird auch von Tracheenendigungen durchzogen und ist die Bildungsstätte der 
Blutkörperchen. Er spielt seine Hauptrolle bei der Metamorphose (vgl. diese), indem er im Larvenleben eine mächtige 
Vergrößerung erfährt und dann als Reservemagazin plastischer Stoffe dient. \'on ihm geht auch das sogenannte 
,, öligwerden" getrockneter Schmetterlinge aus.'') 

11. M u s k e 1 s y s t e m. 

Im Gegensatz zu den bisher betrachteten inneren Organen, die zur Erhaltung des Individuums, soweit diese 
von» Stoffwechsel abhängt, dienen, kommen wir jetzt zur Betrachtung von Organsyslemen, die nicht so unmittelbar 
diesen Zweck erfüllen. 

Was vorerst das .Muskelsystein anlielangl, so hat dassellie aiuli nn InsektciikurpiT eine hohe Ausbildung 
gewonnen. Man unterscheidet auch hier zwischen glatten und quergestreiften Muskeln. Letztere treten überall 
dort auf, wo es sich um Ausführung rascher und energischer Bewegungen handelt, die nicht immer willkürliche zu 
sein brauchen. Es ist nun charakteristisch, daß bei den Insekten fast ausnahmslos nur quergestreifte Muskeln sich 
finden. 

Die Muskehl treten in großer Zahl im Insi-ktenkurpcr auf und sind iUmi .sehr verschiedenen Bewegungsbedürf- 
nissen entsprechend auch sehr verschieden, aber meist paarig angeordnet. Ihre Anheftungsstelle haben sie einerseits 
zumeist am Chitinskelett, andererseits an jenem Körperteil, der bewegt werden soll. Am stärksten entwickelt sind die 
.Muskeln im Thorax, an welchem bekanntlich sämtliche Bewegungsorgane haften. Auffallenderweise wird jedoch 
die Flugbewegung zum größten Teil nicht durch direkte Muskeln, die sich einerseits an der Thorakalwand, andererseits 
an der Flügelbasis anheften, besorgt, sondern diiich indiM>kle Muskelii. die bloß eine rhythmische Erweiterung 



') Zur Literatur des Tracheensystems vgl. Palmen, Morphologie des Tracheensystems, Leipzig 1877: 
Krancher (Zeitschr. f. wiss. Zool. 35. Bnd. p. 505) (Sligmenbau). 

") Vgl. Schindler (ZeiUchr. f. wiss. Zool. 30. Bd. 1878 p. 587.) — C h o 1 n li k o w s k v (Arch. de Biol. W. 
1885) (Hauptarbeit). — Kowalewsky (Biol. C. Bl. IX p. 33 ff.) 

'■') Vgl. Meyer (Zeitschr. f. wiss. Zool. 1. Bnd. 1849 p. 175). —\\' i e 1 o w i e j s k i (ib. 43. Bd. 18«f, p. 512). 



()i'f<aiiisalioii der Lopiciopteren. 



A19 



(bezw. Verengerung) und Verlängerung (hezw. Verkürzung) des Thorax besorgen wodurch die Flügel mitbewegt 
werd'^u. Trotzdem ist die Flugleislun;,' mancher- l,epi(i(i[>leriMi, namentlich dei-.Sphingiden, eine sehr grosse. 

12. Nervensystem. 

Dem Arthropoden typus entsprechend besteht der zentrale Teil des Nervensystems der Insekten aus einer 
.\nzahl knotenförmiger (ursprünglich paarig geteilter) .\nhaufungen der Nervenmasse, den sogenannten Ganglien, 
die ventralvvärts des Darmes liegen und miteinander durch LUngsslränge verbunden sind, wodurch die sogenannte 
Bauchmarkketle gebildet wii-d. Nur das erste im Kopf gelegene Ganglion liegt oberhalb des Darmes (Schlundes) 




i<e. A 31. 





29—31 Ganglienkettcii 
(nach Brandt). 

29 junge Raupe vun C'hssuö 

eossus. 

M Falter von Hepialus liuniuli 

31 Falter vun Vanessa urtieae 




und lieißt daher oberes ,S c h 1 u n d g a n g 1 i o n oder auch Gehirn. Es ist durch seitliche Längsstränge, welche 
den sogenannten Schlundring bilden helfen, mit dem ersten Ganglion der Bauciimarkkelte verbunden. Letzteres wird 
auch als unteres Schlundganglion bezeichnet. Die seitlichen Längsstränge (Kommissuren) sind bei Lepidoptcren 
meist sehr kurz und dick, so daß die beiden einander stark genäherten Schlundganglien scheinbar eine Masse bilden, 
nur mit einer Öffnung für den Durchtritt des Munddarmes. Ursprünglich besitzt jedes Segment sein Ganglion. Im 
Laufe der Entwicklung sind jedoch mannigfache Verschmelzungen und Rückbildungen von Ganglien eingetreten, 
so daß wir bei Lepidopteren im geschlechtsreifen Zustande außer den beiden stets vorhandenen SchlundgangUen 
meist nur mehr f, — 8 deutliche Ganglien antreffen, wobei namentlich in den Abdominalsegmenten eine Verminderung 
von Ganglien stattgefunden hat. Der Hinterleib enthält gewöhnlich nur 4, bei Hepialiden noch 5 Ganglien. Aus jedem 
Ganglion können sowohl motorische Nerven, — die zur Innervation von Muskeln dienen, also Bewegungen 
vermitteln — , als auch sensorielle Nerven — die vim den Sinnesorganen kommend Empfindungen vermitteln — , 
ihren Ursprung nehmen. Das obere Schlundganglion, das durch seine Größe hervorragt, besitzt seitlich 2 Hemisphären 
und ist der Sitz der Willens- und Ortsbestimmung, da aus ihm auch die Nerven zu den wichtigsten Sinnesorganen 
(Fühler, Augen) entspringen. Vom unteren Schlundganglion aus werden namentlich die Mundteile innerviert. Ein 
daraus entspringender Sinnesnerv reicht in seinen Endfasern bis in die Hinnenstifte und Tastkörper des Rüssels. 



A 21 1 



Urgaiiisalion der Lt-pidopteifii. 




> II K s t 



i eil h U t (I II r eil c i II ■' II 
F a 1 1 e r k ü p f. 
oberes, u unteres SehlundgaiigUoii. 
c Koniissiir. 



Ti-olz der hnrvorragenden Bedeutung des oberen Schlundganglions stellt doch jedes Ganglion in gewissem Sinne 
ein Nervenzentrum für sich dar, das bestimmte Kurperabschnitte beherrscht und unalihängig von den übrigen Ganglien 
funktioniert.') 

Wilhrend die bisher besprochene Kette des Zentralnervensystems hauptsächlich zu den auUeren Organen 

Hcziehung hat, versorgt das sogenannte sympathische Nervensystem die vegetativen Organe als 

Darm, Ilückengefüß und Tracheen mit Nerven. Es wird daher auch Eingeweide- 

Fi!. A H2. nervensystem genannt und besteht aus einer Anzahl unpaarer und paariger 

Ganglien, von welchen ein vorderes Kopfganglion (Ganglion frontale) zur 

Innervation der Oberlippe und Speiseröhre, sowie ein Magenganglion hervor- 

_<T zuheben sind. 

1.3. Sinnesorgane. 
/. Die Sinnesorgane sind peripher gelegene Auf nahinstellcn für äußere Reize, 

die mit den Ausläufern sensorieller Nerven des Zentralnervensystems in Be- 
rührung stehen. Sie sind bei Insekten hoch entwickelt, weichen aber im Bau 
iinil zum Teil auch in der Leitung stark von jenen höherer Tierformen ab. 

a) Tastsinn. 

Der Tastsinn ist die ursprünglichste und verbreitetste Sinneswahr- 
lu'hmung, die auch keine strenge Lokalisierung erfahren hat, sondern Wahr- 
,1 nehmungen an fast allen Teilen des Körpers vermittelt. Als Aufnahmsorgano 

dienen gewöhnlich die S i n n e s b o r s t e n, die sich fast überall an der Körper- 
oberflache, besonders aber an Fühlern und Palpen finden. In eine solche Borste 
tritt von einer hypodermalen Ganglienzelle aus ein Achsenfaden ein und durch- 
zieht dieselbe. Starke Geräusche werden zweifellos als Lufterschütterungen 
auch durcli den Tastsinn vermittelt, der hier eine allgemeinere Aufnahmsfähigkeit bewahrt hat. 

Erwähnt sei hier auch der bei Lepidopteren oft hoch entwickelte T e m p c r a t u r s i n n, der wie liei höheren 
Tieren kein besonderes Aufnahmsorgan besitzt. 

b) Geschmackssinn. 
Dieser gehört (wie der Geruchssinn) zu den sogenannten chemischen Sinnen und liat .seinen Sitz beim Falter 
vornehmlich in den Riiinenstiften des Rüssels, welche als kleine, mit einer Sinneszclle in N'erbindung stehende Chitin- 
zylinder in den Rüsselkanal hineinragen und dort von dem Sekret der Speicheldrüsen umspült werden. Hiedurch 
wird eine Prüfung der Nahrung ermöglicht, überdies dürften auch kleine, auf der Unterfläche des Schlundkopfes 
stehende konische Papillen als Geschmacksorgane fungieren.'^) Besonders hoch entwickelt 
ist der Geschmackssinn bei monophagen Raupen (vgl. diese). ^^- •* ^^■ 

c) Geruchssinn (Spürsinn). 
Eine überraschend hohe Ausbildung erlangt der Geruchssinn bei den Faltern, welcher 
denselban nicht bloß zum Blütenbesuch leiten hilft, sondern vor allem auch das $ be. vielen 
Arten aus weiter Entfernung auf die Spur eines unbefruchteten ? führt. In letzterem Fall 
wird er auch als Spürsinn bezeichnet. Als der vorzüglichste Sitz dieses Sinnes sind die 
Fühler anzusehen (vgl. vorne p. 6), an denen sich oft in großer Zahl mehr oder weniger becher- 
förmige Vertiefungen (Sinnesgruben) finden. In dieselben ragen kegel- oder kolbenförmiger 
Riechzapfen, die den Achsenfaden einer hypodermalen Ganglienzelle enthalten. Zuweilen 
ist die Riechgrube durch einen Reusenapparat (wie wir einen solchen schon bei den Stigmen 
kennen gelernt haben) vor dem Eindringen von Fremdkörpern geschützt. Auch am End- 
glied der Palpen (Lippentaster) finden sich ähnliche, meist flaschenförmige Gruben mit zahl- 
reichen Sinneskegeln, an welchen sich ein starker Nerv ausbreitet (Fg. 33). 

Ebenso wird der an der Innenseite des ersten Palpengliedes auftretende Basalfleck als 
Geruchsorgan gedeutet. 

d) Gehörssinn und lanterzeugende Apparate. 
Der Gehörssinn scheint bei Lepidopteren nur dort zur Wahrnehmung bestimmter 
T<vne ausgebildet zusein, wo auch die bewußte Erzeugung solcher stattfindet. Die Lepidopteren 
sind nämlich in ihrer Totalität nicht so stumm, als es auf den ersten Blick scheinen möchte. 
Bei der Schwierigkeit, welche aber in der physiologischen Deutung gewisser Organe darin 
besteht, ob dieselben als lauterzeugend oder nur als lautaufnehmend wirken können, enipficlilt es sich 
getrennte Besprechung derselben einzugehen. 

Was vorerst die lauterzeugenden Apparate anbelangt, 'so können wir nach Landois auch bei Lepidopteren 




D u r e h n i 1 1 durch 

as Pa 1 p e n e nd gl ied 

von Pieris brassicae 

(iiaeh Bath). 

keine 



') Zur Literatur über Nervensystem vgl. Brandt (Hör. Soc. Ent. Ross. XV p. 68 Taf. 14) 
») Vgl Nagel (Zool. Anz. XX 1897 p. 405). 



Organisation der Leiiidopteren. 



A21 



zwisciien S t i in m a p p a r a t e n, welche durch Ausstoßen von I^ul'l einen Laut erzeugen, und T o n a p p a r a t e n, 
die durch mechanische Vorgänge (als Reiben, Streichen) LautiUißerungen bewirken, unterscheiden. 

Stinimapparalesind bei Lepidopteren nur in wenigen Fällen und vornehmlich bei Sphingiden bekanntgeworden. 
Hierher gehört vor allem der schon von Röaumur beobachtete und in der Literatur oft behandelte Schrei des Toten- 
kopfschwärmers (Acherontia atropos), der zweifellos durch eine Hautfaltc im Schlundkopf entsteht, die durch aus- 
gestoßene Luft in Schwingungen versetzt wird (vgl. Be.sonderer Teil p. 87)'). Ähnliche Stimmäußerungen WTirden 
namentlich auch bei südamerikanischen Schwärmern bei beiden Geschlechtern beobachtet. 

Als Tonapparate funktionieren im einfach.slen Falle vorspringende Adern, Haken oder Leisten der Flügel- 
unterseite, die durch Reibung der Flügel aneinander oder mit den Beinen (Parnassius) oder Vorsprüngen des Thorax 
einen Ton erzeugen, wie letzteres bei Vanes.sen (auch Pyr. cardui) der Fall ist. Ein kompliziert gebauter Tonapparat 
in Form einer liefen, unbeschuppten Grube findet sich auf den Hinterflügeln beim <? von Thecophora fovea (Noctuide 
vgl. Besond. Teil p. 212 Fg. 62). Auch beim Stachelbeerspanner (Abraxas grossulariata) wurden Lautäußerungen 
beobachtet, die innerhalb der heimischen Fauna am deutlichsten bei der Chloephoride Hylophila prasinana, bei 
manchen Arctiiden, so bei Euprepia pudica und bei den Arten der Gattung Endrösa (Setina) auftreten. 

Bei den letztgenannten findet sich am Episternum des Metathorax ein beim cJ größeres, kahles, blasenartiges 
Gebilde, welches einen Hohlraum bedeckt, der durch eine Scheidewand geteilt erscheint. Dieses Organ hat große 
Ähnlichkeit mit den Tympanalorganen springender Orthopteren und erzeugt beim Flug einen zirpenden Ton.*) Auch 
bei vielen Noctuiden und Geometriden wurden kompliziert gebaute Apparate an der Basis des Abdomens gefunden 
und als Gehörorgane gedeutet (Swinton).'') 

e) Gesichtssinn. 

Bei den Insekten kninmen zumeist zweierlei gebaute Augen vor: 1 . P u u k taug e n, auch Stirn- oder \ e b e n- 
äugen oder O z e 1 1 e n genannt und 2. zusammengesetzte Augen oder sogenannte F a c e 1 1 e n a u g e n. Beide 
Augenformen sind stets bewegung.slos am Kopfe inseriert. 

Auch bei den Lepidopteren finden sich neben den großen, stets paarig an den Seiten des Kopfes auftretenden, 
stark gewölbten Facetlenaugen (die nur bei ganz rückgebildeten Psychiden-? fehlen), häufig Xebenaugen, die hier 
stets nur in Zweizahl am Scheitel etwas obcrhall) der Fühlerbasis gelegen, auftreten (vgl. Fg. 3-4), aber zahlreichen 





o- 



I t; i u e s P u n k t ;i 
(nach Grenacher). 



der P u II k t a u (^ c ii (o) 
(nach Packarrt). 




(nach L;impcrt). 



Familien, wie unter anderen allen Rliopaloceren, Sphingiden, Lasiocampiden, Saturniiden und Geomelriden ganz 
fehlen. Sehr groß sind die Ozellen bei manchen Notodontiden (Phalera) und bei Sesiiden, bei anderen oft sehr klein 
und versteckt. Im Larvenleben d. h. bei der Raupe treten stets rnir Ozellen auf (vgl. später). 

Was vorerst den Bau der Nebenaugen (Ozellen) anbelangt, so fiiuien wir die Cuticula zu einer Linse (coriiea) 
verdickt, unter welcher sich die Ilypodermiszellen grubenartig einsenken. Die am Grunde der Grube stehenden Zellen 
bilden die Retina, das heißt den lichtempfänglichen Teil des Auges. Jede Retinazelle steht mit einer Nervenfaser in 
Nerbindung, enthält Farbstoff (Pigment) und setzt sich gegen die Linse zu in ein Stäbchen fort. Die Randzellen bilden 
zwischen Linse und Retina eine Art Glaskörper.*) 

Im Gegensatz zu dem Bau der Ozellen, die nach dem Besitz bloß einer Linse auch als unicorneale Augen bezeichnet 
werden, finden wir die Facettenaugen aus einer großen Zahl von Einzelaugen (Ümmatidien) zusammengesetzt, welche 
letztere nachstehenden Bau zeigen: die Cuticula ist hier zu einer bikonvexen Linse verdickt, die darunter hegenden 
Kristallzellen enthalten bei Lepidopteren stets einen wahren Kristallkegel (eucone Augen) und sind nach außen von 
Pigmentzellen umgeben. .\n sie schließt sich die Schichte der gewundenen Retinulazellen an, die das Sehstäbchen 



') Swinton (Month. Mag. (2) XIII p. 217). 

*) Vgl. Laboulböne (Ann. S. Fr. 180'. p. 689 PI. 10 Fg. i, 5). — D ö n i t z (Sitzb. Berl. e. Ges. tJ 

*) Vgl. Deegener (Zool. Jahrb. (Abt. Anat.) 27. Bnd. 1909 p. 631 Taf. 41.) 

*) VgL Link (Zool. Jahrb. (Abt. .-Vnat.) 27. Bnd. 1909 p. 213— 242 Taf. 15—17.) 



)p.l4). 



A 22 Oi'ganisalion der Ledidop leren. 



enlhallen und in welche die Endfasern des Augengangiions treten. Nach dem Besitz zahlreicher Facetten (Linsen) 
wiTdtMi die zusammengesetzten Angen auch als niullicorneale Augen bezeichnet. Die Zahl der Facetten resp. Omma- 
tidien, d-^ren Oberfläche durch die allseitig wirkenden Druckverhältnisse eine sechsseitige Form (Facette) besitzt, 
ist eine sehr wechselnde. Bei heliophilen Arten werden die Omatidien kleiner und flacher gewölbt, aber zahlreicher. 
.So betragt bei Lycaena icarus der Durchmesser eines Omatidiums nur 0,016 mm und die Zahl der Facetten im Auge 
steigt auf einige Tausende. Zu den Ganglien der Facettenaugen führen die starken, aus dem oberen Schlundganglion 
entspringenden Sehnerven. 

In bezug auf die \atur des Sehens mittelst der Facettenaugen wurde bereits von .1 o h a n n e s M ü 1 1 e r die 
Entstehung eines gleichsam mosaikartig zusammengesetzten aufrechten Hildes behauptet, weshalb er das Sehen 
ein musivisches naimlc. Neuere mittelst der Mikrophotographie ausgeführte Untersuchungen Sigm. E x n e r s') haben 
diese Theorie bestätigt und ergeben, daß die Teilbilder bei den Tagfaltern durch Aneinanderlegung zu einem Appo- 
sitionsbilde vereinigt werden, bei den Heteroceren aber sich zum Teil decken, .so daß ein Superpositions-Bild entsteht. 
Eine ausschlaggebende Holle spielt die Absorptionstätigkeit des verschiebbaren Pigmentes der Randzellen. — Neben 
der Funktion der Bilderaufnahme und der Farbenvermittlung haben aber die oft halbkugeligen Facettenaugen zweifel- 
los den hohen Wert, daß sie Bewegungsvorgänge der .Xnßenwelt sehr rasch und allseitig zur Wahrnehmung bringen 
und ein rechtzeitiges Entfliehen ermöglichen. 

Was die Gesichtswahrnehmungen durch die .Xebenaugen (Ozellen) betrifft, so dienen sie vor allem zur gestei- 
gerten Wahrnehmung der Lichtrichtung während des Fluges. Flugversuche mit Plusia gamma nach Blendung der 
Facettenaugen ergaben ein senkrechtes Aufsteigen in die Luft (Forel). 

Im allgemeinen ist der Gesichtssinn bei Lepidopteren schwach entwiikill und wird viellac h dunli du- liöliere 
Entwicklung der Sinnesorgane an den Fühlern kompensiert. 

Auch über den Farbensinn bei Lepidopteren liegen einige Beobaclituiigeii vor. Im allgemeinen sind heliophile 
.\rten mehr blauliebend, heliophobe (nächtliche) .\rten mehr rotliebend. Kohlweißlinge fliegen anfänglich auf weiße 
Papierstückchen zu in der .Meinung einen .\i'tgenossen zu finden. 

Das Leuchten der .\ugen vieler Heteroceren z. B. bei Protoparce lonvulviili im Dunklen ist nur eine Hrflex- 
erscheinung, das heißt das noch vorhandene, schwache Licht wird gesammelt und zurückgeworfen, wodurch die Seh- 
fähigkeit gesteigert erscheint. In absolut dunklen Räumen hört das Leuchten sofort auf, welches also keiner selb- 
ständigen Lichtproduktion entspricht. 

Die Oberfläche der Facettenaugen ist zuweilen fein behaart, oder deren Ränder stärker bewimpert, was von 
systematischer Bedeutung sein kann (vgl. Besond. Teil p. 139 Fg. 50, 51). Pupillenarlige Zeichnungen innerhalb 
des F'acettenauges z. U. bei .Vrgynnis paphia sind nur Pigmeiitabläueniiigen und IuiIm-ii mit dfiii Bau des .\nges nichts 
zu tun. 

14. G e s c h 1 e c h t s o r g a n e. 

Die Geschlechtsorgane dienen der Heivorbiiiigiiiig und Ausfuhr der Geschlechtszellen — beim ^ der Eizi'llen 
beim ^ der Samenzellen — , wozu noch Einrichtungen treten, welche die Befruchtung ermöglichen (Begattungsorgane). 
Von den eigentlichen (primären) Geschlechtsorganen sind die sekundären Geschlechtsmerkmale, die nicht direkt 
der Fortpflanzung dienen, wie sonstige Verschiedenheiten im Hau beider Ges<hlechler, z. B. der Fiihler. Heine, 
ferner Dufteinrichtungen usw. zu trennen. 

.\n den primären Geschlechtsorganen lassen suli stets folgende Teile unterscheiden: a) die eigenlluhe 
Geschlechts- oder Keimdrüse, die sich beim j als Hoden, beim $ als fjieretock darstellt und die Geschlechtszellen 
(Samenzellen, Eizellen) liefert. Die Keimdrüse ist der wesentlichste Bestandteil der Geschlechtsorgane, b) Ausfüh- 
rungsgänge, die der .\usfuhr der Genitalprodnkte (Geschlechtszellen) dienen, in ihren verschiedenen Abschnitten 
aber auch Nebenl'unktionen erfüllen. Im Zusammenhange mit ihnen steht auch der äußere Genitalapparat (Begat- 
tungsorgane), c) Anhangsdrüsen. 

Bei der großen \ erschiedenheil, welche die Genitalorgane bei beiden Geschlechtern 
aufweisen, empfiehlt sich eine gesonderte Betrachtung derselben.*) 

a) Männliche Geschlechtsorgane. 

Die männliche Keimdrüse oder der Hoden ist bei den Lepidopteren, wie bei den übrigen 

Insekten, ursprünglich paarig, in der Gestalt zweier kleeblattartiger, vierteiliger Körper, die im 

5. Abdominalsegmenle nahe der Dorsalwand liegen. Diese ursprüngliche Form des Hodens 

findet sich noch bei den Hepialiden im geschlechtsreifen Zustande. .\ueh im Larvenleben werden 

Hollen vo n ''''^ Hoden immer noch paarig angelegt. In Form paariger, aber bereits runder Körper treten die 

Hcpialus Hoden beispielsweise auch noch bei I^arnassius und .\glia tan auf. Bei der Mehrzahl aller 

(iMih ivtCTseii). Lepidopteren verschmelzen die Hoden jedoch zu einem unpaaren, kompakten, dunkel gefärbten 

Körper, der nur durch eine stärkere Mittelfurche das Verwachsensein aus zwei getrennten 

Körpern erkennen läßt. Es gibt auch Zwischenstadien, bei welchen die gerundeten Hoden einander bloß bis zur 

Berührung genähert sind. Innerhalb der GaMiiiig Lycaena kommen mi'hrere l-ciiiiieii der linden vor (Petersen). — 




') Physiologie des Facettenauges Wien 18yL 

') Dieselbe muß sich in erster Linie auf euio))äische Großschmetlerlingc bescliianken. 



Org:inis:ilion dsr Lepidopteron. 



23 



Das Innere jedes Hoden besteht aus vier blind endenden Schläuchen (FolHi<ehi), die beim unpaaren Hoden meist 
spiralin; gevvimden sind. In den Follikeln erfolg-l auf dem Wei^e einer komplizierten Zellteilunif (Spermatogenese) 
die Bildung der Samenzellen (Spermatozoen). 

Der Ausführungsgans- (Samenleiter, vas deferens) bleibt stets paarig und stellt einen zuweilen geschlangelten 
Gang dar, dessen nnt»res Ende zu einer Art Samenblase erweitert sein kann. Die beiden Enden der Ausführnngs- 
gänge vereinigen sich zu einem unpaaren Stück, dessen 
Fg. .4 as. Endteil (ductus ejaculatorius) mit kräftiger Musku- y^ ^31, 

latur versehen ist nnd meist seitlich in das stark 
ihitinisierte, vorstülpbare Begatlungsglied (penis) ein- 
tritt. Die ganze Länge des penis wird von dem 
häutig bleibenden Ausführungsgang durchsetzt, der 
aus demVorderende des Penis vorgestülpt werden kann. 
/ Die stets paarig angelegten Anhangsdrüsen, die 

sich von ihrem blinden Ende her oft zu einem lang- 
goschlängelten Körper zusammenlegen, münden bald 
in den noch getrennten (vas deferens) oder schon ge- 
meinsamen Samengang und liefern ein Sekret, welches 
die sehr kleinen Spermatozoen aufnimmt und bei der 
copula in Form von Spermatophoren mit ergossen 
wird. Dieses Sekret erstarrt beim Austritt an die Luft 
und bildet bei frisch getöteten , männlichen Faltern 
(besonders Geometriden) oft einen feineu. faden- 
artigen Anhang (Spermatophor). 

Bei der ausnehmenden Bedeutung, welche die 
Chitinteile') des männlichen Begattungsapparates für 
Man II lieh PI- Genital- die Unterscheidung der Arten besitzen, erscheint es 
iipparat {soliematisch), notwendig, auf eine etwas nähere Besprechung der- 

selben einzugehen. 
Das 8. Hinterleibssegment bleibt in der Regel in seinem Chitinskelett noch unverändert,-) erst das 9. und 
10. Segment sind im männlichen Geschlechte stark differenziert. Zwischen dem 9. Dorsalschild und der sehr .schmalen 
9. Ventralschiene fehlt eine häutig bleibende Verbindungshaut. Sie können beweglich oder unbeweglich miteinander 
verbunden sein, in letzterem Falle stellen sie ein einheitliches, ringförmiges Chitinstück dar. 





M ä n n 1 i I- li e r G c n i t .1 1 - 
a p parat einer X o c 1 11 i d i- 
(nacli Petersen), 
t Hoden. SB Samenblase. 
Ad .^nhangsdrüse. Sl Samen- 
leiter, ile Ductu,s ejaeulatorins. 
p penis. 




1/ 



S e i t c n a n s i e li t des m ä n 11 1 i c li e n, 

B e g a 1 1 u n g s a p p a r a t e s von Colias 

mynnidone v. balcanica. n uncns. sc scaphium. 

V Valven. s s-arcns. p penis. 




t e n a n s i c h t d e s m 
(in Boarmia repandata 
filnil 



ännlichen Begattiingsaj) parat 
IX n. Tergit. ii uncus. sc scaphium. 
■ Valve. 



Darm, dl ductus inferior penis. p penis. 



Der 9. N'entralschild (Sternit) trägt liänt'ig einen nach vnrne (kopfwiirts) gerichteten, meist unpaaren, stark 
chitinisierten, spaten- oder taschenförmigen Anhang (s a c c u s), der nur bei Saturniiden und Geometriden vollständig 
fehlt, zuweilen aber eine beträchtliche Länge imd Größe erreicht. Der Saccus dient als .Vnsatzstelle für Muskeln des 
Genitalapparates. 

■ Hi^lKiistung und DrüscnfninKMi im Genitalapparat kann für die .Vrt charakteristisch sein. 
:,Iht -,--.'.'ii dif rrvirii Cliilintcilc zurück. 

i-iili- i-.iliiiii- >:il\ru- li.il F r u hs t or f er (Ent. Z. XXII p. 50, 94, 190 Fgg.) ein neues 
liihl" II, wnliii .s Sil h jiiliiih nur um die lateralen, anal-vorgezogenen Teile des 8. Tergites 
handelt, an dessen Ilniterrandsecken scliwarze Stäbchenschuppen stehen. Vgl. Dampf (ib. p. 78, 131). 



') Auch die 


■ Art 


tritt in ihni' \\ri\< 


• •Ulm 


'] Bim AiIi 


II .\r, 


„Jullienschi's 1 )ig, 


IIL- 1 



A24 



Organisation iler Lopidopteren. 



fi: 




1 1 r a I a n s i c h t d c f! männlichen ß e e a 1 1 11 n g s 

pparatcs von Boarniia maciilata var, bastelhergcri. 

Uezeiclinung wie in Fg. 41. 



Hinter der 9. Dorsalplatte findet sich ein meist konischer, in eine Spitze ausgezogener, und mit Tastborsten be- 
■{./.['•r .\nhan'<, der den After von oben bedeckt. Es ist dies der U n c u s (unpaaro Afterklappe), der morphologisch 

dem 10. Dorsalschild entspricht. DerUncus hat häufig 
'''■'■ -^ '- eine hakenartige Form und kann auch gegabelt (paarig) 

auftreten. Zuweilen ist er geweihartig ausgebildet. Er 
kann auch mit dem 9. Dorsalschild vei-schmelzen, für 
welchen Fall die Bezeichnung tegumen (B. -White) 
gebraucht wird. Unterhalb des Afters liegt ein, nicht 
immer vorhandener, in der Form sehr wechselnder, 
zuweilen geteilter Halbring, das S c a p h i u m , welches 
der 10. Ventralplatle entspricht. 

Das eigentliche Begattungsglied (p e n i s) liegt stets 
zwischen der 9. und 10. Ventralplatte rücks. in Fällen, 
wo letztere fehlt, zwischen ersterer und dem After. 
Der Penis ist ein röhrenförmiges, an seinem vorderen 
Ende dorsalwärts offenes, am hinteren Ende meist er- 
weitertes, und daselbst oft mit Haken versehenes, im 
übrigen sehr variables Chitingebilde, das von einer dünn- 
häutigen Scheide umgeben ist und aus einer trichter- 
artigen, häutigen Bildung, der sogenannten Penistasche, 
seinen Ursprung nimmt, deren Rand einen ..Ringwall" 
bilden kann. Die äußere Lamelle des Ringwalles ist 
namentlich in ihrer ventralen Hälfte oft stark chitini- 
siert und bildet eine oft in Spitzen und Zacken aus- 
gezogene Halbrinne. Diese Halbrinne ist in ihrer Form 
und Skulptur für die Artunterscheidung oft von großer 
Bedeutung und dient dem Penisrohrals Stütz- und Gleit- 
apparat. Sie wird auch als Sattel (sella, fultura, ductus 
inferior) oder in ihren paarigen Teilen als i n n e r e V a 1 v e n (Haltzange, harpes) bezeichnet. 

Seitlich des Penis findet sich ein Paar meist sehr großer Klappen, die V a 1 v a e (Genital-, Lateral- auch After- 
klappen genannt), welche konkave, sehr stark entwickelte, oft droieckig-schildförmige Anhänge am Hinterrand des 
9. Sternites darstellen. Sie dienen als Haftapparate bei der copula, dementsprechend ihre innere Fläche meist haken- 
artige Chitingebilde (fibulae etc.) auf- 
weist. Erst nach Entfernung einer Fg. a 43. 
der beiden großen Seitenklappen 
(valvae) wird in der Regel der eben 
geschilderte Genitalapparat in allen 
seinen Teilen sichtbar. Zuweilen 
steht der Penis oder die Spitze des 
Uneus zwischen den Valven hervor. 
Manchmal sind die Valven asymme- 
trisch entwickelt (so bei Hesperiiden 
[Thanaos], Psychiden und Pteropho- 
riden). Schwach entwickelt sind sie 
bei Hepialiden, bei welchen auch ein 
chitinisiertes Penisrohr fehlt, 
b) W e i b 1 i c h e G e s c h I e c h t s- 
Organe. 
Die weibliche Keimdrüse (Eier- 
stock, Ovarium) tritt bei den Lepi- 
dopteren in Form paariger, oft sehr 
langer und in Schlingen gelegter vier- 
teiliger Eiröhren auf, die gekammerl 
sind und dadurch ein perlschnur- 
artiges Aussehen besitzen. Gewöhn- 
lich münden alle 4 Eiröhren einer 
Seite in einen gemeinsamen, kurzen 

-Vusführungsgang (Tube), zuweilen verschmelzen aber zunächst auch nur je 2 Eiröhren gegen das Ende zusammen 
(Lycaena). Das dünne andere Ende der Eiröhren ist beiderseits meist zu einem Endfaden vereint. In den 
Kammern liegen die Eizellen nach ihrem Reifegrad angeordnet, das heißt, das ausgereifteste Ei liegt dem 




i b I i c li e 

ll9 Ducti! 



Ucnitalapparat (nacli Petersen), bc biir.«i copulatrix. ov Ova 
seminalis. r.s receptaculum seminis. gl.seb KittJrUscn. gl.r glandulai 
receptaculi. gl. od Duftdrüsen. 



Organisation der Lepidopteren. 



A25 



m 



...{r 



^ f 



Ausfüliningsgang zunächst. Außer der Eizelle enthüll jede Kammer auch Doltermaterial, welches nur zur 
Hrniihrung der Eizelle dieut und derselben vor Bildung der Eischale beigegeben wird.') Die Eizellen, welche die 
eii;enthcheii Keimzellen dar.stellen, sind Teilungsprodukte des die Eiröhren auskleidenden Follikelepithels (.\nalogie 
zur Bildung der Samenzellen), dessen Abscheidung auch die harte Eischale (chorion) bildet, 
weichein ihrer Skulptm- die- Besonderheiten des Epithels der Eikammerzellen zum Aus- F«. .\ 44. 

drucke bringt. 

Die beiden getrennten Ansfuhrung.sgange (Tuben) vereinigen sich nach kurzer Strecke 
zu dem gemeinsamen Eileiter (Ovidukt), der zwischen dem stets getrennt bleibenden .\ftcr 
und der 9. Ventralplatte nach außen mündet. Vor seinem Ende erweitert sich der Ovidukt 
in der Regel zu einem \'orhof (vestibulum), in welchem auch der Samengang von dei' Begat- 
tungstasche (bursa copulalrix), der Sanicnbehaller (rcceptacnlum seminis) und die .\n- 
hangsdriisen münden. 

Der Begattungsapparat besteht aus einem chitinisierteu, taschenartigen Organ, der 
Regattungstasche (bursa copulatri.\), deren Inneres zahnartige Unebenheiten und andere 
Chitinvorsprünge aufweist, die zur .Vufschließung der Spermatophoren dienen. Die Bursa 
copulatri.x: setzt sich in einen meist dünnen Gang (Samengang, ductus seminalis) fort, der sich 
zuweilen blasenartig zu einer scheinbar zweiten Begattungstasche erweitert (der sog. bulla 
seminalis Petersen)'-), was bei Zygaeniden und Tortriciden und einzelnen Noctuiden 
vorkommt. 

Der Samengang mündet steLs in den gemeinsamen Eileiter. Was den Eingang in die 
Bursa copulatrix anbelangt, so besteht bei vielen hölieren Lepidopteren die Besonderheit, daß 
ein vom Ovidukt getrennter, besonderer Gang, der Begattungsgang (vagina), in die Bursa 
copulatrix führt, der bereits zwischen der 7. und 8. Ventralplatte, (oder mehr in der Mitte des 8. 
Sternits) als Querschlitz nach außen mündet. Die Intersegmentalhaut springt an dieser 
Stelle meist vor und bildet den durch eigentümliche Chitinfalten ausgezeichneten \'aginal- 
l)ulbns. 

Diese Trennung der weiblichen Geschlechtswege bei Le|)idopteren in einen Ovidukt 
und Begattungsweg ist ein sekundäres Verhältnis und findet sich noch nicht bei Hepialiden 
und einzelnen Vertretern anderer Familien. Bei diesen mündet der Begattungsgang eben- 
falls in den Eileiter, bezw. in den Vorhof desselben, und ein ductus seminalis fehlt. 
.Vis homologe Bildung zur Bursa ist der Samenbehälter (receptaculum seminis) aufzufassen, 
der in Form eines meist blindsackartigen Organs in den Ovidukt gegenüber dem ductus semi- 
nalis mündet und zur .\ufbewahrung des während der copula aufgenommenen Sanienvor- 
rates dient.') 

Durch die geschilderten Einrichtungen des weiblichen Geschlechtsapparates ist bereits das Chilinskelett 
des 8. Hinterleibssegmentes verändert. Im 8. und 9. Segment finden sich meist paarige, divergierende Chitinstäbe 
(Innenskelett, Apophysen), die zur Anheftung von Muskeln des Genitalapparates dienen. Besondei-s kräftig 

entwickelt sind diese Chitinstäbe bei 

Heteroceren, deren weiblicher Hinter- F<r A4i;. 

^ _j X . leib zu einer sogenannten Legeröhre 

(Legestachel, ovipositor) verlängert 
ist. Dieselbe umfaßt die 3 letzten 
Segmente, die sich stark ineinander- 
schieben lassen und gegen das Ende 
sehr verjüngen. Die Spitze der Lege- 
röhre ist meist gespalten und mi tTasl- 
borsten versehen (Fg. 47). Sie bildet 
eine Art Zange und dient zum -\b- 
lösen der am Hinterrande des 8. 
Segmentes oft befindlichen Woll- 
haare, die zum Schutze der Eier 
verwendet werden. 

Als Anhangsdrüsen des weiblichen 
Geschlechtsapparat&s ist eine oft sehr lange, am Ende zuweilen zweiteilige Drüse zu erwähnen, die in das Recep- 
taculum seminis mündet, ferner die sogenannten Kittdrüsen (glandulae sebaceae), deren Sekret einen Klebestoff zur 
Befestigung der abgelegten Eier liefert. Letztere Drüsen fehlen bei Hepialiden und manchen Tagfaltern. Schließ- 



E i r ö h r e. 

i Nicht differenzierte 

Zellen, b Eizellen 

e Nährzellen 





miä. 



Weibliche Geschlechtswege von 
Hepialus! ov Ovarien, rs receptaculum 
D Darm, bc bursa copulatrix. 
vestibulum. ov Ovarien. 



'^ 



6. 



Weibliche Oeschlcch tswege von 
Solenobia. Bezeichnung wie in Fg. A 4.i. 
überdies ovid Eileiter, vayj Begattung^ganc. 



■) Vgl. Näheres in dem Abschnitt ,, Entwicklung" bei den Keimzellen. 

2) Vgl. Allg. Zeitschr. f. Ent. VI 1901 p. 323. 

') Vgl. den 4iächsten Abschnitt : ,, Entwicklung" bei der Befruchtung. 

rge-Rebel, Schmetterlingsbuch. 



A 2t) Organisation der Lepidopteren. 




lieh nocli Dufldrüsfii, die beim Ausgang des Ovidukts mündun. Ihr Seiiret dicnl /.ur Anloikung der (J (vgl. 
,,8|ȟrsimi" vorne p. A 7.) 

Da auch der weibliche Kopulationsapparat, namentlich in den Falten und iiauhheiteii des Vaginalbulbns, 
jenem des J in der Regel angepaßt erscheint, so bildet der beiderseitige Kopulationsapparat ein mechanisi-hes Hindernis 
für die Hybridation, das heißt für die copula mit einem nicht derselben Art angehörigen Gatten. Diese Bedeutung 
des Kopulationsapparates hat bereits Diifour (1844) erkannt'). In der Tat findet man häufig bei nahe verwandten 
.\rten starke Divergenzen, namentlicli im männlichen Geschlechtsapparat, was die bereits erwähnte Bedeutung des- 
selben für die Artuiiterschi'idung erhöht. Bei einzelnen Gruppen, wie bei den Saturniiden und Zygaeniden sind die 
morphologischen Unterschiede im Geni talapparate der einzelnen Arten gering, so daß 
Fr. -^ I". auch einander entfernter stehende Arten die copula leicht vollziehen können. 

Hier bestehen mehr physiologische als mechanische Hindernisse für eine 
P.(^rriichtung. 

,\uch der Genitalapparat beider Geschlechter derselben Art variiert inner- 
halb gewisser Grenzen und zwar unabhängig von der Variabilität anderer morpho- 
logischer Merkmale oder der Färbung. Um die artliche Verschiedenlieit zweier 
Formen aus der Untersuchung des Genitalapparates mit Sicherheit abzuleiten, bedarf 
es, bei geringfügigen Unterschieden, der Untersuchng einer größeren Serie von Indivi- 
duen, woraus sich erst dieKonstanz der morphologischen Verhältnisse ergeben kann.'-) 

1 .5. Z w 1 1 1 e r b i 1 d u n g e n. 
b« BcKaitiiii'us);ang'(Eingims in <iie Als Anhang ZU den Geschlechtsorganen seien hier auch die Zwitterliildungcn 

iiiir«! ooiHiiiitri.v). I17, H:iiirziiimi-. kurz besprochen. In der Regel sind die Lepidopteren wie alle höheren Tierfornien 
getrennten Geschlechtes, das heißt ein Individuum ist entweder männlichen oder 
weiblichen Geschlechtes. Nun wurden aber schon zu Ende des 18. Jahrhunderts einzelne seltene Fälle bekannt, 
in welchen Individuen die Charaktere beider Geschlechter in sich vereinten. Man schätzte solche Stücke als 
Kuriositäten sehr hoch und wendete ihnen eine besondere Aufmerksamkeit zu. Zahlreiche solcher Fälle wurden 
seither beschrieben und abgebildet. 

Entscheidend für die Beurteilung eines Zwitters ist die Beschaffenheit der Geschlechtsdrüse.') Nur ui den 
Fällen, in welchen auch diese beide Geschlechtscharaktere (Hoden und Eiröhren) aufweist, liegen echte Zwitter oder 
Hermaphroditen vor. In den meisten Fällen liandelt es sich nur um Vereinigung von sekundären männlichen 
und weiblichen Geschlechtsmerkmalen in einem Individuum, wie Verschiedenheiten der Fühler, Flügelform, Färbmig 
und Zeichnung. Die Geschlechtsdrüse ist in solchen Fällen oft nur nach einem Geschlecht ausgebildet und zum 
Teil verkümmert. Solche Individuen mit vermengten sekundären Geschlechtsmerkmalen werden als g y n a n d r 0- 
m o r p h zuweilen auch als Scheinzwitter bezeichnet. Da eine Untersuchung der Geschlechtsdrüse und ihrer Aus- 
führungsgänge nur im frischen Zustande gut möglich ist, läßt sich häufig nicht mit Bestimmtheit sagen, ob eine 
hermaphroditische oder bloß gynandromorphe Bildung vorliegt. 

Nach ihrem .Äußeren hat man die Zwitter in geteilte, gekreuzte und u n v o 1 1 k o m m e n e Zwitter 
eingeteilt. Bsi den geteilten (halbierten, dichotomischen) Zwittern ist eine Körperhäifte männlich, die andere weiblich. 
Die Trennungslinie geht in der Medianlinie durch den Körper und ist oft sehr scharf ausgeprägt. Besonders auf- 
fallend sind geteilte Zwitter bei sexuell dimorphen Arten, wie ein solcher aus der Gattung Hybernia bekannt wurde, wo 
dann ein einseitig geflügeltes, ganz unbehilfliches Geschöpf vorliegt. Bei den gekreuzten Zwittern Ist der linke \'fl 
und rechte Hfl nach einem, der rechte Vfl und linke Hfl nach dem anderen Geschlechte gebildet. Bei unvollkommenen 
Zwittern sind die Färbungsmerkmale beider Geschlechter unregelmäßig, oft nur fleckartig miteinander vermengt. 
Solche Fälle wurden besonders häufig bei Euchloe cardamines bekannt. Der Genitalapparat scheint hier stets luu' 
nach einem Geschlecht ausgebildet zu sein. 

Über die Begattungsfähigkeit der Zwitter läßt sich nur sagen, daß sie bei einem vorherrschend männlichen 
Zwitter noch nie beobachtet wurde. Wohl sind aber Fälle bekannt geworden. In welchen geteilte Zwitter, wenn der 
Begattungsgang in die bursa copulatri.x entwickelt war, die copula mit o eingingen, wie sich dies beispielsweise 
aus dem Vorhandensein einer .\ftertasche bei geteilten Parnassiuszwittern ergibt.'') 



') ,,L'armure copulalrlce . . est la garantie de la conservation de types, la sauvgarde de la legltiniile de 
l'espöce." 

') An wichtigster neuer Literatur über Geschlechtsorgane der Lepidopteren vgl.: Pey toureau Moiplui- 
logie de l'armure genital. Paris 1895: Poljanec (Arb. Zool. Inst. Wien XIII 1901); Petersen (Mi-ni. \r. 
St. Petersb. V. 9 (1900): ib. XVI, 8 (1904)),- Z a u n d e r (Zeitschr. f. wiss. Zool. 7i. Bnd. (1903) p. 557 Taf. 29: Zool. 
Anz. X.KVIII 1904 p. 182 (.\svmetrle)); P i e r c e The Genitalla of thc l'.nt \(.. tuidae (Liverpool 1909); M e i x n e r 
(Zeitschr. f. wiss. Ins. Biol. XI p. 337, 376); Chapman (Tr. Eni. S.m |.,,n,|. 1902 p. 679 PI. 24, 25.) 

•') .anders Meisenheimer (Exper. Studien zur Soma- und Gesc lii.-, hlsdilLrenzlerung, Jena 1909), dessen sehr 
bedeutende y^rbell mir erst während der Drucklegung dieses Absatzes naher bekannt wurde. Darnach entwickeln sich 
die sekundären Geschleclilsmcrkmale im Raupenlchen durchaus unabhängig von den Geschlechtsdrüsen. Alle Zwitter- 
merkmale haben daher gleichen Wert. \'on diesem Gesichtspunkte aus wird auch eine ganz andere Einteilung des 
Hermaphroditismus gegeben (1. c. p. 145). 

*) Vgl. Rebel, (VII. Jahresb. Wien. Ent. Ver. 1896 p. 5 T. 2 Fg. 1.) 



OiguLiisatioii der Lepidopteren. 



A27 



Die Möglichkeit der SelhslbcIVuchlung eines Hermaphroditen, worüber ältere Angaben vorliegen, könnte 
anatomisch nur gedacht werden, wenn beide Geschlechtsdrüsen entwickelt sind und der ducltis ejaculatorius in den 
Ovidukt mündet. Die physiologische Wahrscheinlichkeit der Selbstbefruchtung ist jedoch fast ausgeschlossen und 
wenn es zur Ablage von entwicklungsfähigen Eiern bei Hermaphroditen gekommen ist, dürfte gleichzeitig auch 
Parthenogensis vorgelegen sein (Tetens). 




Lyinaiitria dispar L. 
eteUtciZwitterCnachWiskott) links ^J, n 
Hinterleib vorwiegend weiblich. 



Ms $, 




Jj y m a n t r i a in o n a c li a ]>., 
geteilter Zwitter (nach Wiskotl) 
links (J (ab. cremita) rechts ?, Hinterleib 
vorwiegend mäniüich, Fühler (enti;eKeu- 
yesctzt der FlUgelverteilnnR) links weib- 
lich, rechts männlich. 



Über die Entstehungsursache von zwitterigen Individuen hat sich Kenn el (1896) in Anlehnung an einen 
Gedanken Darwins dahin geäussert, daß der Einfluß der zur Reife gelangenden Geschlechtsdrüse auf die sekundären 
Geschlechtscharaktere nicht nur in der Ausbildung der dem betreffenden Geschlechte zukommenden, sondern auch 
in der Unterdrückung der dem anderen Geschlechte eigentümüchen Geschlechtsmerkmale zu sehen ist. Bei ge- 
legentlichem Rudimentärwerden der Geschlechtsdrüse schwinden diese Hindernisse und es können dann auch sekundäre 
Eigentümlichkeiten des anderen Geschlechts zur Ausbildung gelangen, was bei den meisten Lopidoptercn-Zwittern 
der Fall zu sein scheint, die sich demnach nur als sogenannte gynandromorphe Bildungen darstellen. 

Mit dieser Ansicht steht auch die bereits von B e r t k a u mitgeteilte Beobachtung, daß alle jene Verhältnisse, 
die andere Abnormitäten, namentlich Färbungsaberrationen zur Folge haben, auch das Entstehen von Zwittern 
begünstigen. Häufig finden sich Serien von gynandromorphen Individuen in ein und derselben Brut. 

Standfuß gelang es bei seinen zahlreichen Hybridationszuchten den statistischen Nachweis zu erbringen, 
daß bereits bei einfachen Hybridzuchten der Prozentsatz gynandromorpher Nachkommen ein größerer sei, als bei 
normaler jVbstammung, und daß bei abgeleiteter Hybridation dieser Prozentsatz noch eine sehr beträchtliche Steige- 
rung erfährt. Hiebei steht das Auftreten gynandromorpher Bildungen im geraden Verhältnis zur Divergenz der 
gekreuzten Typen und im umgekehrten Verhältnis zu dem Grade der Fruchtbarkeit: je entfernter die gekreuzten Typen 
miteinander stehen, je geringer die Fruchtbarkeit derselben miteinander ist, desto größer ist der Prozentsatz an 
gynan<lromorphen Bildungen. Die weiblichen Keimdrüsen sind wesentlich sensibler und geben leichter zui' Bildung 
gynandromorpher Erscheinungen Anlaß als die männlichen. 

Im freien Naturleben sind Zwitter sehr seltene Vorkommnisse, was ihre übertriebene Wertschätzung in älteren 
Zeiten erklärlich macht. Speyer äußerte die Ansicht, daß auf ca. .30 000 gefangene Exemplare im Durchschnitte 
die Wahrscheinlichkeit vorliegt, ei n zwitterhaftes Individuum zu finden. In neuerer Zeit wird die Zahl der bekannt 
gewordenen Fälle eine immer größere. Einzelne Arten, wie Smerinthus popuh, Saturnia pavonia, Argynnis paphia 
sind besonders zu Zwitterbildungen veranlagt. Eine Zusammenstellung aller bisher bekannt gemachten Zwitter haben 
Hagen'), B e r t k a u -) und zuletzt Schultz-') gegeben. Darnach sind von ca. 230 Arten paläark tischer Lepido- 
pteren bisher ca. 1200 Fälle von Zwittern bekannt geworden. ■■) 

Abschließend sei nur bemerkt, daß die Zwitter in das Gebiet der Teratologie (Mißbildungen) gehören und für 
die Systematik nur geringen Wert besitzen. Zwitter können gelegenthch bei jeder Art auftreten, ihre wis.sen- 
.schaftliche Bedeutung liegt mehr auf anatomischem und physiologischem Gebiete, und kann nur durch genaue 
Untersuchung der Keimdrüsen erkannt werden. 



') Stett. e. Z. 1861, 1863. 

=) Arch. f. Naturg. 55. Jhrg. 1889; 57. Jhrg. 1891. 

^) Gvnandr. Macrolepid. d. paläarkt. Fauna Teil I III. Wochenschrift f. Knt. I 1896 p. 287 IT.; Teil II 
ib. 11 p. 346 ff.; Teil III 111. Zeitschr. f. Ent. III 1898 p. 85 IT.: Teil IV Berl. ent. Z. 49. Bnd. 1904 p. 71 ff.: Teil V 
Knt. Z. Gub. XX p. 129 ff.; Übersicht der Fälle Allg. Zeitschr. f. Ent. IX 1904 p. 304—310; Ent. Z. Gub. 
-Will p. 73—75. 

') Vgl. auch Speyer (Stett. e. Z. 1869 p. 235; 1883 p. 20.): Aigner (III. 
Wi s ko t t (Festschrift des Ver. f. schles. In.sekt.-Kunde Bre.slau 1897 mit 4 Tat".); 
Zool. 84. Bnd. 1906); M eise n h e i m e r (1. c. 1909 p. 111 ff.) 



Zeit-schr. f. Ent. I\\ 268); 
W e n k e (Zeitschr. f. wnss. 



A 2!^ 



Entwicklung. 



III. Entwicklung. 

Walireml der vorhcrgelitMule AlisehiiiU die Oigaiiisalmn dci- l>e|pidi)|itereii im «escIilecliLsreiren Zii.slaiidc 
/.Ulli (Ipgoiislaiidc halte, soll nuiiinclir auf eine kurze Darstellung der Eiitstehungsweise, allmäldichen .Viishilduiig 
lind N'eründerung ihres Organismus bis zur Erreichung des Iniaginalsladiums eingegangen werden. 

Die Lepidopleren nehmen bekanntlicli wie alle höheren Tierformen von einer Eizelle ihren Ursjjrung. Der junge 
Organismus wird darin gebildet, gleicht aber nach Verlassen derselben noch in keiner Weise den elterlichen Tieren, 
sondern hat eine Reilie sehr weitgehender, als Metamorphose allgemein bekannter N'erändeningen zu durchlaufen, 
bis er den geschlechtsrcifen Zustand (Imaginal/.usland) erreicht. 

Der vorliegende Abschnitt zerfällt darnach wesentlich in :i Kapitel: 1. in die Besprechung der Keimzellen 
und Hcfnichtung. 2. der Entwicklung innerhalb der Eizelle und 3. der .Metamorphose. 
1 . Keimzellen. — Befruchtung. — P a r t h e n o g e n e s i s. 

Schon bei Besprechung der Geschlechtsorgane wnirden über die Geschlechts- oder Keimzellen, die heim J 
als Samenzellen, beim ? als Eizellen sich darstellen, kurze .Mitteilungen gemacht.^) 

Was vorei-st die Samenzellen (Spermatozoen) bei Lepidopteren betrifft, so haben dieselben im all- 
gemeinen die gleiche Form wie bei anderen Insekten und bestehen aus einem länglichen Körper, an dem sich meist 
ein dunkler Kojif als (Mgentlicher Zellkern unterscheiden läßt, und aus einem kontraktilen, fadenförmigen Anhang 
von bedeutender Länge, der din-ch l'ndulation eine Fortbewegung der Samenzelle ermöglicht. Die Samenzellen 
sind ausnehmend klein und werden in gi'oßer Zahl mit dem Sekret der .\nhangsdrüsen zu einem Spermatophor (Samen- 
paket) vereint \nid in dieser Form bei der copula in die bursa copulalri.x gebracht, wo erst eine Aufschließung der 
Spernialophoren und Überleitung der Spermatozoen in das receptaculum seminis erfolgt. 

Im Gegensatz zu den sehr kleinen beweglichen Samenzellen sind die Eizellen (Eier) sehr groß und un- 
beweglich. Die äußere Gestalt der Lepidoptereneier ist eine sehr wechselnde: kugelig, oval, halbkugelig, scheiben- 
förmig, seeigelarlig (Lycaeniden), kegelförmig, birnförmig, napfförmig usw. 

Die Oberfläche des Eies, welche durch die feste Eischale (Chorion) gebildet wird, zeigt meist eine körnige, 
netzartige oder durch Längs- und Querrippen ausgezeichnete Skulptur, die an einem Pol eine liosetle bildet, in deren 

Zentrum die Mikropyle (vgl. später) liegt. .\n der Anheftungsstelle ist 
das Ei in der Regel stärker abgeflacht. Im allgemeinen kann man 2 Ei- 
formen iintersc-heidcn: a) die aufrechte Eiforni, bei welcher die Mikropyle 
der .Vnheftungslläche gegenüberliegt und b) (he liegende Eiform (Flach- 
form), bei welcher die Mikropyle seitlich liegt, rücksichtlich eine durch die 
;, l « Mikropyle gedachte .\clise der .\nheftungsriäche parallel verläuft. 

(Chapmau). 

O.Ms die ur.-i|)rüiigiirhe. vcrbreitetere Eiform i.>it die Fliichionii iin- 
,'' X i^^^ zusehen. Eine aufroclite Eiforni be- 

V^ ) ^^S sitzen die Hhopaloccren, Notodontiden, i';;. a.m. 

Lyinaiitriiden, Noctuiden, Arctiiden, 
Cossidcn. 

Die F'ärbung der Ei.<;(lialc ist cbeii- 
falLs eine sehr wechsehulc , \\y\ dii 
Ablage gewöhiili<'h gelligriin. ziiwciliMi 
aiuli weiß, mit dunkler Ringzeirliiuiiij;. 
In der Regel verändert .sich die Kifarbe 
bald nacli der Ablage, .so wird das an- 
fiinglich weißliche Ei von IIei)ialiis 
hiimuli wenige Stunden nach der .\us- 
streiiimg auf den Erdboden bliiulich- 
schwarz. Eine weitere Verfärbung tritt 
bei hellen Eiern auch unmittelbar vor 
dem Aii.s.schlüpfen der jungen Räup- 
ciien ein. Unbefruchtete Eier fallen 
in der Regel ein, was mit der Vertrock- 
iiiing ihres Inhalts zu.samnienhängt. 
Wir wollen nunmehr zu einer kurzen 
Betrachtung des Eiinncrn schreiten. 
\Venii wir ein Ei im Durchschnitte 
r Peripherie desselben 2 Hüllen: die bereits erwälinl 



d 



C^ 



Kirr v ii ii I, e p i <i o |. I e l y u. 
fimch OmlcniJinsJ. 
ii \"iMirs«i iirlicae, b l.ynieiKi iwinis. f Picri; 
li|-ns.*iicae, «I Sphinx lifziistri. i; Spilnwmiü Iiilc:i 
1 Orgyia niitir|iia. c liiistroimclui riuercifolia. 1 
Dirrniiiir.i vinula. i Catonila nupla. j Zanrio 
Kiiatha larsipeniialis. k MiiK«>fiia fiiscantaria 
1 (»iiraptrryx s:iiiil)iii-ari;i. 




il u 1 . 



i I I (.S.-I.. 



Niiallsili 

Mykropylenapparat. cli Cliorifni 
11, Dotterliaut, ii Eikcin, • 



Dotter. 



belr: 



itcM, 



Im 



(l'.horion), deren Oln'iri.i 



ulJere, mei.sl harte lOisc lia 
riu'isl die bespniiliene Sl<iilplur besitzt. .Seiner cliemischen Beschafrciilicit naih ist 



le-j 



Vgl. f i r li 11 b 
\ gl. vi-ni-^ It» 



rg (/l.schr. f. wi.ss. Zool. 7'i 1'jn:i 
d"!! wnibl. H.KI h!"rhl>'T3iMien. 



n. :r.'7». 



Entwicklung. A 29 



t;horion von Chitin verschieden. Die 2. Hülle wird von der Dotterhaut gebildet. Beide Hüllen werden an einem 
Pol des Eie.s durch einen meist siebartigen Mikropylenapparat durciisetzt, der aus einer Anzahl (2 — 6) Kanälen be- 
steht und den Spermatozoen den Eintritt in das Eiinncre ermöglicht. Letzteres ist zum größten Teil durch den 
Nahrungsdotter erfüllt und enthalt außer diesem nur nocli den Zellkern (Keimbläschen), von dem der Anstoß zur 
Entwicklung ausgeht') (vgl. Fg. 51). 

Die Größe des Eies steht mit der Masse des Nahrungsdotters im Zusammenhange. Sehr große Eier besitzen 
im allgemeinen die Saturniiden, auffallend kleine Eier die Hepialiden. Bei den Sphingiden sind die zuei-sl abgelegten 
Eier größer als die später abgelegten, was wohl damit im Zusammenhange steht, daß bei dieser Familie die Eier n\ir 
sukzessive reifen, um nicht durch ihr Gewiclit die Fhigfähigkeit zu beeinträchtigen und daher die erst abgelegten 
Eier ein längeres Reifestadium zurückgelegt haben (Seitz). 

Die Zahl der von einem Weibchen abgelegten Eier ist arthch und individuell sehr verschieden. Sehr zahl- 
reiche kleine Eier besitzen die Hepialiden (bis 2000, Rühl), auch Arctiiden, Lasiocampiden und einzelne Geomctridcn 
(Amphidasis betulai-ia) haben meist eine zwischen 400 und 800 sich bewegende Anzahl von Eiern. Relativ wenige 
Eier (höchstens über 100) hat Aglia tau.-) 

Befruchtung. 

Der Zeitpunkt der Befruchtung der Eizelle durch die männliche Samenzelle fällt nicht mit jenem der copula 
zusammen. Erst wenn ein reifes Ei beim Legeakt durch den Ovidukt bei der Mündung des receptaculum seminis 
voi'übergleitet, treten bei Lepidopteren in der Regel mehrere Samenzellen aus demselben aus und dringen durch die 
Mikropyle in das Eiinnere ein, wo sie den undulierenden Anhang abstoßen und an Größe zunehmen. Die dem Eikerii 
zunächst kommende Samenzelle, die nunmehr auch ausschließlich aus Kernsubstanz besteht, vereinigt sich mit dem 
Eikern, was die eigentliche Befruchtung darstellt. Diese ist also wesentlich die Vereinigung zweier Zellkerne, von 
denen der eine der Samenzelle, der andere der Eizelle angehört hat. Der vereinte Korn wird als Furchungskern 
bezeichnet. Bemerkt sei, daß der Eikern vor der Befruchtung durch einen zweimaligen Teilungsvorgang (Bildung 
der sog. Richtungskörper) eine Verminderung seines Inhalts erfahren hat, welcher durch die Vereinigimg mit dem 
Sanienkern wieder auf den normalen Stand gebraclit wird. Die Befruciitung macht also durch Ergänzung der Kern- 
substanz die Eizelle erst entwicklungsfähig. 

Die durch die Mikropyle mit eingedrungenen, nicht zur Befruchtung gelangten vSamenkörper werden im 
Eiiuhalte aufgelöst. 

Nach der Vereinigung der i)eiden Zellkerne fängt ein lebliafler (als Furchung bezeiclmeter) Teilungsprozeß 
innerhall) der Eizelle an, dessen nähere Betrachtung bereits in (his nächste Kapitel gehört. 

Die Furchungsvorgänge beginnen sofort nach der Befruciitung, kniuien alier bei Eiern, die überwintern, zu- 
weilen in einem sehr frühen .Stadium eine Sistierung erfaliren, um erst bei zunehmender Frühjahrswärme dann einen 
umso rascheren Verlauf zu nehmen. Dies ist beispielsweise der Fall mit den überwinternden Eiez-n des gemeinen 
Frostspanners (Operophthera brumata). Andererseits entwickelt sich in anderen überwinternden Eiern z. B. in jenen 
von Parnassius apollo das junge Räupchen bis zur vollständigen Ausl)ildung bei'eits im Hei-bsle. durchbricht aber 
erst im Frühjahr die Eischale. 

Bei nicht überwinternden Eiern, die weitaus die Mehrzahl bilden, erfolgt die Enlwickhmg der jungen l^anpc^ 
selten unter einer Woche, meist in einem Zeitraum zwischen 10 Tagen und S Wochen. Bei .\cidaha virgularia be- 
obachtete Tutt^) eine bloß zweitägige, bei Epione apiciaria eine naliezu lOmou.itliche TCirulie. In der Regel ent- 
wickeln sich alle jungen Raupen aus einem Eigelege fast gleichzeitig. 

Parti) enogenesis. 

lier in vorstehendem geschiliierte Befrnchtimgsvorgang ist der gevvcilinlii lic. aber iloch nicht unbedingt uol- 
«luiligc .Viistoß, der zur Entwicklung der Eizelle führt. Es kommt nämlich auch vor, daß unbefruditete Eier zur' 
ICnlwickbing gelangen, welche Erscheinung man als Parthenogenesis (.lungfernzeugung) bezeichnet hat. Diese Tal 
saihe wurde iUierhaupt zuerst iiei Lepidopteren von einem sardinischen SiMdenraupenzüchter Castellet (17'.).''>) 
licdliaclitel und an den berühmten Forscher Reaumur mitgeteilt, der aber von der Notwendigkeit der Befruchtung 
/.lif l':iil,wi(khing so überzeugt war, daß er abweisend antwortete. Castellet glaubte dann eine vorhergegangene 
r.cti-uchtNug im Raupenstadinm annehmen zu müssen.') 

ICi'st in neuerer Zeit wurde ein tieferer Einblick in diese Ersdieinuug, die vii-inidi im Tierkreise drr Arlhrn. 
podeu auftritt, gewonnen. 

Wir haben uns hier auf die bei l,cpidopteit'ii bi'l<:iiuit gewordeneu Fälle der I':u'thenogenesis zu licschränkeu 
und können hier nachstehende Unterscheidung treffen: 1. .\rteu, bei welchen Parthenogenesis nur ganz ausuahnis- 

') Nähere Mitteilungen über die Beschaffenheit des Zellkernes iiml die Teilungsvorgänge desselben liegen 
autierhäll) des Rahmens dieses Buches. 

'-) Zur Literatur über LepidoptereruMer vgl. L e u c k a r t (Ardi. I. .\nat. u. Phvs. I.S.5.5 p. 166 Taf. 9): K o r - 
scheH. (Nov. .\ct. Leop. Car. Ac. .5L Bnd. p. 20.5): G o o s s e n .s, (Ami. S. Ent. Fr. 1884 p. 129 PI. 12: il>. 1877 
p. :!6'J PI. 8(Notodontidae)); Sei t z (Zool. .ImImIi. [.Mil. I". Svst.j W p. 'i8.')); C li a p m a n (Tr. Eni. So.-. Lond. 
18% p. .57fi). 

») Ent. Rec. V p. ir,7. 

'] Diese Amiahme stellt i'ine :iiial(>misrlii> I !iunn..'|p, lik.il .Imt, d-i dl-- (!".-i hl"ih'.sdri!S"n im l.-<rvfnl"li^!! 

(jllV;.-.,-ll,.TI V..„ llir.M- I Mr.-ir.'l k'-IW \M-lMlirMMl;s., II,, in, ;■.■,, |.. H,..,, 



A3() 



Entwicklung. 



wdiso (liinli AiisbleilifMi oiler \ iMluiulfniiit,' der liefruchtung vorkommt. Hier entstolicii aus (ii-ii unbefruchtet ge- 
l)lielicncM Eiern in der Naclikommenschaft wieder beide Geschlechter. 2. Arten, bei welchen Parthenogenesis eine 
legolmüBige Ersclieinung wurde, und das männliche Gesclilecht lokal überhaupt nicht mehr auftritt. Hier entstehen 
aus den unbefruchteten Eiern immer wieder nur Weibchen. 

Die erste Art der „gelegentlichen" Parthenogenesis wurde beim Seidenspinner (Bomby.\ mori L.), ferner 
Ijcim Schwammspinner (Lymaniria dispar) und bei einer Anzahl anderer Arten, auch bei Protoparce convoKiili, am 
iiitufigsten aber bei gewissen Psychidengattungen (vgl. Besond. Teil) bekannt. Die interessantesten Versudie in 
dieser Richtung hat VVeijenbergh mit I^ymantria dispar angestellt, wobei es ihm gelang, durch rechtzeitige Ent- 
fernung aller männlichen Raupen und Puppen die Art durch 3 allerdings stetig an Individuenzahl abnehmenden 
Generationen parthenogenetisch fortzupflanzen. In der 3. Generation kam kein unbefruchtet gelassenes Ei mehr 
zur Entwicklung. 

Die zweite Arider Parthenogenesis wurde nur bei der kleinen Psychide .\pterona helix Sieb, und einigen Solenobia- 
.\rlen bekannt. Sielmld hat diese Erscheinung der agam') sich fortpflanzenden Weibchen, wobei immer nur wieder 
Wcilichen entstehen, T h e 1 y t o k i e =) genannt. Daß es sich aber auch hier um keine ursprüngliche Erscheinung 
liandelt, geht aus der anatomischen Beschaffenheit der parthenogenetisch sich fortpflanzenden ? hervor, welche einen 
ganz normalen mit bursa copulatrix und receptaculum seminis ausgestalteten Geschlechtsapparat aufweisen. 

Trotz dieser normalen anatomischen Beschaffenheit wai-ten die $ jedoch nicht auf eine Befruchtung, sondern 
beginnen sofort nach dem Ausschlüpfen mit der Eiablage. Über eine Beschränkung in der Zahl der Generationen, 
durch welche diese gewiß auch ausnahmsweise Fortpflanzungsart andauern kann, ist nichts bekannt. 

EVurch eingehendere Untersuchungen wurde auch das Wesen der Parthenogenesis näher erforscht. Bei partheno- 
genetisch sich entwickelnden Eiern unterbleibt nämlich die 2. Teilung des Eikerns oder wird rückgängig gemacht, 
so daß der Eikern eine zur Entwicklung ausreichende Menge an Kernsubstanz behält und daher keiner Ergänzung 
durch einen Samenkern bedarf. 

Bemerkt sei noch, daß die parthenogenetische Fortpflanzung häufig, — aber unrichtigenveise — , als eine unge- 
schlechtliche (statt agame) Fortpflanzung bezeichnet wird. Nachdem der neue Organismus aber auch hier aus der 
l']izelle (Geschlechtszelle) seinen Ursprung nimmt, ist der Ausdruck ..ungeschlechthch" abzulehnen. Bei Lepidopteren 
kommt nur geschlechtliche Fortpflanzung vor, welche ausnahmsweise auch agam sein kann, wobei dann, wenn 
letztere zur Regel wird, Thelytokie vorliegt.^) 

2. H II l w i c k 1 u Ti g innerhalb der Eizelle. 
i'iii. \ .'.•.;. j^)a fije Kenntnisnahme der Entwicklungsvorgänge innerhalb der 

D Eizelle, die zur Entstehung des Raupenkörpers führen (sog. Embryonal- 

entwicklung) sehr schwierige Untersuchungsmethoden') und fachzooln- 
gischc Schulung zur ^'oraussetzunghat, kann hier nur auf die wichtigsten 
allgemeinen Erscheinungen, soweit sie die Entwicklung der Lcpido- 
()teren betreffen, kurz hingewiesen werden. 

Zu Beginn der Entwickhing teilt sich der in der Dottermasse des Eies 
liegende Furchungskern (vgl vorne p. 29), die Teilkerne setzen die Teilung 
fort und rücken schliesshch an die Peripherie des Eies, wo sie eine Zellen- 
schichle l)ilden. Diese verdickt sich an der ganzen Länge (der Ventralseite) 
des Eies und bildet den sogenannten Keimstreifen, der die eigentliche 
Embryonalanlage darstellt. Der immer noch einschichtige Keimstreifen 
erfährt später eine rinnenartige Einsenkung, die sich dann größtenteils 
scliließt, wodurtii eine mehrschichtige Anlage entsteht. Durch weitere 
■Faltenbildungen innerhalb des Keimstreifens entstehen die sogen. Keim- 
blätter, aus welchen die einzelnen Organsysteme direkt gebildet werden. 
In einem sehr frühen Stadium findet bei Lepidopteren auch die 
Bildung der sogen. Embryonalhüllen statt. An beiden Polen des 
Embryos (Keimstreifens) erheben sich nämlich Falten, die einander ent- 
gegenwachsen und sich schließlich vereinigen. Ein ähnlicher \'organg 
wiederholt sich später , so daß bei vorgeschrittener Entwicklung die 
Embryonalanlage sich in 2 vollständig gc-^chlossenen, ineinander hegenden 
als Amnion, die äußere als Serosa bezeichnet werden. 



Kl 



Mt 



Sp 




Z y g II e II ! 



I:: III Ij r y ii ii u 1 a ii I a e c c i i 

(nach Umbor). 

Kl Kuiiflii|>|ieii, Mt .Miiiidtcile, Sp Spciiliel- 

(Irtlse, Hb liniKtbeinc, .41) Abüoininnibcinc, am 

.\mnion, 8 SerosJi, 1» Dotter. 



nullen befindet, von denen die innen 



') (t privalivmn, ydiu'ot licirato. 

'') -Oij/.ug weibliches Geschleclit toy.o^ Gehann. 

') Zur Literatur über Parthenogenesis vgl. Siebold Wahre Parthenogenesis, Frankfurt a. M. 1856; Bei- 
träge zur Parthenogenesis Leipzig 1871 : L e ii c k a r t Zur Kenntnis des Generationswechsels und der Parthenogenesis. 
Leipzig 1858; We i j e n bergh (Stelt. e. Z. 1871 p. 28); Keferstein Betra. htungsn über Entwicklungsgesch. 
der Schmetl. Erfurt 1880 p. 12: Taschenberg (Abb. Xaturf. Ges. Halle 1892 p. 365.); Seitz (Zool. Jahrb. 
(Abt. Syst.) VII p. H',r,); Nußbaum (Arch. f. mikrosk. Anat. 53. Hd. 1898 p. 'li'i). 

*) Vgl. H c II U i II g (Zeitschr. f. wiss. Mikroskop. 8. Bd. p. 156; Zeitschr. für wi.ss. Zool. 'i9. Bd. ii. 503 und 
54. Bd. p. 1). 



Entwicklung. A 31 

In diesem Stadium zeigt sich bei Lepidopteren auch schon die vom Kopfende nach hinten vorschreitende 
Segmentierung. Darnach besteht die seitlich in 2 starken Lappen vortretende Ivopfanlage aus 7, und die weitere 
Körperanlage aus 15 Ursegmenten. Von den Kopfsegmenten zeigen 4 die Anlage \on Gliedmaßen, welche den Fühlern 
und :! Mundgliedmaßenpaaren entsprechen, wogegen die Seitenlappen die Hemisphären des Haupenkopfes bilden. 
Will <icn Körpersegmenten zeigen nicht bloß die .3 ersten (thorakalen), sondern auch die folgenden die Anlage von 
Gliedmaßen, die aber zmii Teil wieder riickgebildet werden. 

Vorderdarm und Enddarm sowie die Tracheenanlage werden durcli Einsenkungen des äußeren Keimljlattes 
gebildet. .\uch das zentrale Nervensystem nimmt aus \erdickungen de.sselben seinen Ursprung. .\us den mittleren 
Keimblättern entsteht der Mitteldarm, das Itückengefäß uM<i die Muskeln. Aui-h die Genitaldrüsen, deren Funktion 
erst in den letzten Lebensabschnitt fällt, werden bereits angelegt. Sie leiten ihren Ursprung von Zellen ab, die gleich 
außerhalb der Gewebsbildung der übrigen Organsysteme gestanden sind. Ihre jVusführungsgänge nehmen auch 
von diesen Zellen den Ursprung. 

Bei vorschreitendem Wachstum des Embryos hat ein allmählicher ^'erbrauch der Dotterma.s.se im Ei statt- 
gefunden, so daß schließlicii nur einzelne Dolterreste zwischen den Keimhüllen erübrigen. Gegen Ende der Ent- 
wicklimg liegt die junge Raupe dann stark eingekrümmt innerhalb der schützenden EihüUen, die sie schließlich an 
einem Ende durchbricht, um die Weiterentwicklung bei selbständiger Nalirungsaufnahme fortzusetzen.') 

3. Weiterentwicklung außerhalb der Eizelle. — Metamorphose. 

Die Lepidopterenlarven, die gewöhnlich Raupen genainit werden, weichen in ihrer Organisation noch 
sehr stark von dem geschlechtsreifen Tiere (Imago) ab. Schon die äußere Körpergestalt, die durch ihre gleich- 
mäßige (homonome) Gliederung an die \^'urmform erinnert, die größere Zahl von Beinpaaren, der .N'ichtbesitz von 
Flügeln geben sehr auffallende Unterschiede. Bei näherer Betrachtung stellt sich sogar heraus, daß auch nicht ein 
Organ in unveränderter Weise sich bis in den Imaginalzustand erhält. Überall müssen mehr oder weniger tief ein- 
greifende \eräiiderungen und Erneuerungen erfolgen, Ijis die Geschlechtsreife erreicht wird. Daß letztere das End- 
ziel der Entwicklung darstellt, — mag auch die Dauer dieses letzten Stadiums im \'erhältnis zu der in den Entwick- 
lungsstadien verbrachten Lebenszeit noch so kurz sein — , geht schon darauK hervor, daß erst im Imaginalstadium 
der Tod als natürliches Ende des Individuums erfolgt. 

Wir finden am Raupenkörper auch Organe, von denen beim Falter keine Spur mein' vorlianden ist, wie Beine 
an den Hinterleibssegmenten, Spinndrüsen, Nackengabel der Papilioniden-Raupen u. and. Diese temporären (provi- 
sorischen), nur für ein bestimmtes Lebensstadium vorhandenen Organe kennzeichnen echte Larven und eine voll- 
ständige Verwandlung (Metamorphose), wie sie die Lepidopteren besitzen.-) Zur Umwandlung der Organe, nament- 
lich auch des außer Tätigkeit tretenden Nahrungskanales, bedarf es zwischen Raupen- und Falterstadium einer 
Ruhepause, welche als Nymphen- oder Puppenstadium bezeichnet wird. Der äußere Verlauf der Entwicklung bei 
der vollkommenen Metamorphose ist also durch morphologisch scharf geschiedene Stadien (Raupen-, Puppen-, Falter- 
stadium) gekennzeichnet und kann dementsprechend auch als ein diskontinuierliclier (sprungwoiser) bezeichnet werden. 
Um die inneren Vorgänge bei der Metamorphose zu verstellen, muß vorerst die Organisation der Entwicklungsstadien 
(Raupe, Puppe) kurz besprochen werden, wobei hauptsächlich die Unterschiede gegen die uns bereits bekannte Be- 
schaffenheit der Organe im Imaginalstadium hervorgehoben werden sollen. 

<::) Organisation der Raupe. 
.7) äußere O r g a n i s a t i o ii. 

Außer dem stets deutlich abgesetzten Kopf besteht der Raupenkörpor in der Regel aus 13 voneinander gleich- 
mäßig getrennten Segmenten, von denen die drei ersten als Brnstsegmente bezeichnet werden, und dem späteren 
Thorax entsprechen. Ihre Körperform ist meist walzenförmig, auf der Bauchseite etwas abgeflacht und gegen den 
Kopf, seltener auch gegen c'as Hinterende etwas verjüngt. In letzterem Falle spricht man von einer Spindelform, 
wie sie beispielsweise bei Satyriden-Raupcn vorkommt. Zuweilen sind die Raupen stark flachgedrückt (Cossus) oder 
sehr langgestreckt (viele Geometridenlarven), selten asseiförmig (Lycaeniden), hochgewölbt (Zygaena) oder nackt- 
schneckenartig (Cochlididae). Es sei bemerkt, daß bei Zählung der Segmente der Kopf stets übergangen wird, so 
daß beispielsweise das 4. Segment, das erste Abdominalsegment bezeichnet. Häufig werden auch letztere wieder 
von 1 beginnend gezählt. 

Hautbekleidung. 

Die Hautbekleidung der Raupen ist eine sehr wechselnde und hängt innig mit der Lebensweise zusammen. 
Endophage oder subteiran liebende Raupen sind an ihrer Körpcroberfläche meist glatt und ziemlich weich, nur an 
einzelnen bestimmten Stellen mit kleinen, eine kurze Borste tragenden Warzen, .sogenannten Punktwarzen, 
besetzt, deren Stellung bei allen Raupen in dem er.sten Jugendstadinm fast die gleiche ist und eine stammesgeschicht- 
liche Bedeutung besitzt. Darnach stehen auf dem 1. bis 8. Abdominalsegment sowie auf der vorderen Hälfte des 



') Interessenten für die Embryonalentwicklung seien auf das ausgezeichnete Lehrbuch von Korscheit 
und H e i d e r, Lehrb. d. vergl. Entwickbmff.sgesch. der wirbcll. Tiere 1890 — 1909 verwiesen. Ferner vgl. D v a r 
(Jour. N. York Ent. Soc. V. PI. 5); J e f f rey (.Month. Mag. .X.VIIl. p. 173); T u t t (Ent. Rec. V p. 212, 241). 

'') Solche Insekten werden auch als holometabol bezeichnet, wogegen solihe ohne eigentliche Verwandlung 
wie die Orthopteren, ametabol heißen. 



A S-2 



Entwicklung. 





D 



l'riinärc Borsipii 
Ain 'i. Ab(loiiui):tl* 
WKment einer R!iii))P. 



Lycaonideii-Kuiipe (v 



9. und 10. Abdoininul,si'},'ments 5 primäre Borsten (N. I — Vin der aus Fg. 53 er.sichllichen Anordnung), zu denen 
noch 2 — 3 llofor liegende, nicht so konstante Borsten kommen (VI u. VII). Der Thorax zeigt .seinen sekundären, 
Miorphologi.sr-Iien N'i'rhältnissen entsiirechend eine stark veränderte Boi-slenstelhing. l)yai'') hal ver'suilil, Muf 
Grund der in den späteren Häulungsstadien auftretenden Modi- 
fikationen in der Zahl und Stellung der Borsten eine systematische |,,j ^ -,, 
Einteilung der Raupen zu entwerfen. Audi von diesem Gesichts- 
punkte aus hat es sich ergeben, daß die Jugaten (Hepialiden, Erio- 
(niiiiiden)=) den lu^prünglichsten Typus bewahrt haben, indem 
die Ilautbildung ihrer Larven noch eine ganz primäre Borsten- 
.sli'Uung aufwt.'ist. 

Durch mannigfache Verschmelzung von j)riMi:ireu und sekun- 
dären Borsten entstehen Dornen (Vanessa-, Argynnis- Raupen), 
die auch verästelt auftreten können (Limenitis). Ein Verschniel- 
zungsprodukt von Ilauttuberkeln und Borsten sind auch die gi'oßon. 

sternförmig beborsteten Knopfwarzen der Satiirniiden- Raupen. " Diiisenöffiiiinn, t r„hM,. 
Das .Schwanz- oder Afterhorn der Spliingiden-Raupen, am 
Rücken des 8. Abdominalsegmentes, ist ebenfalls ein reines Hautgebilde und aus der Verwachsung zweier besondei« 
starker Borsten hervorgegangen.') Es kann ohne Schädigung des künftigen Schwiu-mers abgetragen werden, was 
schon Rösel bekannt war. In den Jugendstadien der Schwärmerraupen ist es auffalliMiil groli und k;inii duii h 
einen Muskelapjiarat gegen die Rückonfläche des Körpers bewegt werden. 

Analoge Bildungen sind die kurzen Schwanzgabeln der Satyrinenraupcn und die Ko|illi(irnpr Ihm Apatin-a- 
raupen. 

Eine starke büschelweise Vermehrung von Borsten führt zur Entstehung des dichten Haarkleides, welihes 
wir bei vielen frei lebenden Heterocerenlarven und in schönster Ausbildung bei den Arctiiden- Lymantriiden- und 
Lasiocampidenraupen antreffen. 

Auch Drüsen treten in sehr verschiedener Form in der Haulbekleidung der Lepidopterenlarven auf. Den 
einfachsten Fall bildet das Drüsenhaar oder die Drüsenborste, .deren feiner Kanal mit einer Drüsenzelle der Hypo- 
dermis in Verbindung steht. Die Spitze der Borste ist meist mit Widerhaken versehen und bricht leicht ab, wodurcii 
es zum Erguß des Sekretes kommt, welches auf der menschlichen Haut, besonders durch die .\nwesenheit von .Vmeisen- 
.säure, entzündliche Erscheinungen hervorruft. Berüchtigt in dieser Hinsicht sind die Raupen der Prozessionsspinner 
(Thaumetopoea) '). Aber auch die Raupen von Porthesia similis und Macrotliylacia rubi haben ähnliclie Wirkungen. 
Eine Modifikation der Drüsenhaarc .sind die sog. Aerophore, das heißt blasige Erweiterungen in der Mitte der Haare, 
wie sie bei jungen Lymantriaraupen sich finden, besonders bei jungen Nonnenraupen (L. monacha), und die Aus- 
breitung derselben durcli den Wind (durch Verringerung des spezifischen Gewichtes) erleichtern. 

Sehr verscliieden gebaut sind die Wehrdrüsen*) anderer Raupen, wie wir sie in der vorstülpbaren Nackengabel 
aller Papilionidenraupen oder in den Goißelfäden der Gabelschwanzraupen (Dicranura) antreffen. Häufig finden 
sich auch am Prothorax Drüsen, so auch bei der Raupe von Dicranura viiiula und Notodonta ziczac '), oder auf der- 
Rückenseite der letzten Abdominalsegmente, die in Form kegelförmiger Papillen münden (Orgyia und andere 
Lymantriiden). 

Eine besondere Art von Hautdrüsen, die ein zuckerhaltiges S(;krel geben, findet sicli bei den myrin(^kophilen 
Raupen der Bläulinge (Lycaena). Die Drüse mündet in einem Querscldilz am Rücken des 8. Abdominalsegmentes. 
Am darauffolgenden 9. Segment finden sich etwas seillich stehend hinter den" Stigmen 2 ausstülpbare Tuben, die 
an ihrem freien Ende einen Borstenkranz tragen und wahrscheinlich Duftorgane darstellen, die ein Verbleiben der 
Ameisen bei der Raupe, auch nach Einstellung der Sekretion aus der Dorsaldrüse bewirken dürften.') (Fg. 54). 
Die borslentragcnden Drüsen geben zur Zeit der Häutungen und namentlich vor der Verwandlung zur Puppe 
ein reichliches Sekret, welches den Iläutungsprozeß erleiclitert. Sic werden zuweilen aurh als Häutungsdrüsen be- 
zeichnet.') 

Zuweilen sind die Hemisphären des Kopfes, der Rücken des Prothorax und das 9. Abdominalsegment durch 
stärkere Chitinplatten geschützt, welche beiden letzteren als Nacken- und Afterschild bekannt sind. Das Nackenschild 



M Proc. Boston Soc. Nat. Hist. Vol. 27 (1896): Aiui. N. .1. Ac. Si-. \ 111 p. 19i: Americ. Natural. Vol. 29 189,") 
p. 1066 PI. 37; Ent. Rec. IX p. 136. 

') Die Larve von Microptoryx (Eriocephala) weicht durch 5 Reihen knopfartiger Tuberkeln auch in 
ihrer Ilautbekleidung stark ab und erinnert an Panorpaten-Larven. ((^hapm. Tr. Ent. Soc. Lond. 1894 p. 337 PI. 6). 

") Poulton, Piepers, anders Dvar. 

*) Vgl. Be.sond. Teil p. 111—112.' 

') Zur l)rü.senlileratur vgl. La t ler (Tr. Ent. Soc. Lond. 1897 p. 113 PI. 5); Packard (Jonni. N.J. Hut. 
Soc. 111 p. 110, IV p. 26); Holmgren (K. Svensk. Vet. Ak. Ilandl. 27, 1895). 

") Brants (Tijds. v. Ent. 37 p. 196 PI. 5); Latter (Tr. Ent. Soc. 1897 p. 113 PI. 5). 

■) Vgl. S c u d d e r (Proc. Bost. Soc. Nat. Hist. Vol. 23 p. 357): T h o m a n n (.Ihresb. naturf. Ges. Griiubiind. 
44. .Ihrg. p. 1— 'lO Taf. 1). 

") Tower (Zool. Anz. 1902 p. 466 ff.). 



I'jiitwicklun}; 



A33 



(zuweilen auch die Schilder der beiden weitern Thorakalsegmenle) sind oft durch eine schwächer chitinislerte (hpllerpl 
Mittellinie und zuweilen auch solchen Seilenlinien geteilt. 

Kopf. 

Der Kopf der Lepidoptercnlarvcn bildet eine starker chilinisierte, scharf abgesetzte, zuweilen zurückziehbarc 
Kapsel von wechselnder Form: oft kugelig, oder vorne stark abgeflacht, zuweilen mehr dreieckig (Smerinthus) oder 




Kopf einer Raupe von vorne. 
O Ozellen. m Mandibel. a Fühler, max i 
M.axillen. niaX2 Maxillen (Unterlippe) sp Spinn- 
organ, h Hemisphaeren. r\ Clypeus. 



a max, max^ m. 




u n (1 t e i 1 e derselben von unten. 
(Bezeiehnnng wie in Fg. 55). 



am Sclieitel tief eingeschnitten, stets in den Seitenteilen (Hemisphären) stärker gewölbt. Letztere sind durch eine 
Mittelnaht getrennt, die sich nach unten gabelt und dadurch das Stirndreieck (dypens) begrenzt. 

An der unteren Seitenfläche jeder Hemisphäre liegen die Punktaugen (Ozellen), beiderseits meist 6, 
von denen 5 bogenförmig angeordnet sind. Sie bilden die einzigen Gesichtsorgane der Raupen (vgl. später). Unter- 
halb der Ozellen stehen die sehr kurzen, meist dreighedrigen Fühler auf einem stärkeren Rasalstück. Ihr End- 
glied trägt oft Tastborsten. 

Die M u n d t e i 1 e der Lepidopterenlarven sind stets nach dem ursprünglichen, beißenden Typus ') gebaut 
und bestehen aus einer meist bogigen Oberlippe, unterhalb welcher der Epipharynx liegt. Die darunter befindliche 
.Mundöffnung wird seitbch von den beiden Mandibeln, welche meist die Form gezähnter Kauplatten besitzen, um- 
geben. Seitbch darunter liegen die ersten Ma.xillen, die oft noch 2 kurze, getrennte Laden und stets einen kurzen 
Taster besitzen. Die Unterlippe bildet ein einheitliches Stück, an dessen unterem Rand seitlich die sehr kurzen 
Lippentaster stehen, wogegen in der Mitte des Randes eine aus der Verwachsung der Innenladen gebildete, oft zungen- 
förmige Fortsetzung liegt, auf der die Spinndrüsen in 2 aneinanderstoßenden Papillen münden. 

B r US ts t ü ck u n d H i n t e rl e i b. f«. A.')7. Fg. A ss. i ■ \ ■ 

Obwohl äußerlich am Raupenkörper keine 
scharfe Trennung zwischen den 3 Segmenten des 
Thorax und jenen des Abdomens herrscht, ergibt 
doch eine Betrachtung der Gliedmaßen auch 
hier weitgehende Unterschiede. .Jedes der drei 
Brustsegmente trägt nämlich ein sogenanntes 
echtes Beinpaar, das aus einem breiten ßasalstück 
und drei meist zylindrischen, stärker chitinisierten 
Gliedern besteht, deren letztes (Tarsus) in eine 
einfache Kralle endet (Fg. 57). Selten sind die Brust- 
beine sekundär verändert (wie bei der Raupe 
von Stauropus fagi, wo sie am 2. und 3. Glied 
geißeiförmig lang werden) oder ganz rückgebildet. 
(Bei Microlepidopt.: Xepticula etc.). 

Ganz anders beschaffen sind die auf den .\bdominalsegmenten auftretenden unechten Beine oder B a u c h- 
b e i n e (pedes spurii). Was vorerst ihre Lage anbelangt, so treten sie bei den Raupen einheimischer Großschmetler- 




B a u c h b e i n einer 

R-Aupe (scmicoronat.) 

(nach L;\mpert.) 



Bauchbein einer 
Raupe (coronat.). 



') Vgl. vorne bei der Organisation des Falters p. .\ 7 Fg. A 9. 
Berpe-Rebel, Schmetterlingäbucb. 



A.34 



Entwicklung. 



lingc fast hhtikiIs') a\if den beiden ereten Abdominalsegmenten (4. und 5. ICörpersegment) und ebenso nicht am 
7. lind 8. (10. und II. Kürpersegment) auf. Die gewöhnliche Zalil der Bauchbeine ist 10 und zwar je ein Paar am 
:?. l)i.s inkl. 6. Abdominalsegmerit und ein Paar am 9. Letztere bilden die sogenannten Aflerfüße oder Xachschieber 
und sind meist klainnierartig ausgebildet, seilen sind sie umgrbildct, wie zu dem gabelartigen Drüseulräger mancher 
Xotodontiden (Cerura und Dicranura), der stumpfen Schwanzspitze der Drepanidenraupen und den keulenfürniigen 
Stemniatopoden von Stauropus. Bei vielen Heterocerenraupen tritt eine vom 3. Abdominalsegrnent beginnende 
weitere Reduktion der Bauchbeine ein, die ihren höchsten Grad bei den Geometridenraupen erreicht, die in der Regel 
nur mehr am 6. und 9. -■Vbdominalsegmenl ein Bauchbeinpaar rücksichtlich die Xachschieber besitzen. Sacktragende 
Raupen (Psychiden und Microlepidopt.) zeigen meist sämtliche Abdominalbeine stark verkümmert. Sehr bemerkens- 
wert ist, daß die Jugendformen vieler Xoctuidenraupeu (z. B. auch bei Mameslra brassicae) eine geringere Zahl von 
Bauchbeinen aufwei.seri als in den späteren Häutungssladien.") 

Was die Bauart der Bauchbeine') betrifft, so ist sie eine viel einfachere als jene der Brustbeine und läßt ihre 
sekundäre Entstehung erkennen. Es sind nur 2glicdrige, zapfcnförmige -Ausstülpungen der Oberhaut, welche ent- 
weder eine meist zweilappige, zum Umklaniniern eingerichtete, an ihrem äußeren Rande mit einer Reihe eng aneinander 
stehender, nach innen gerichteter Haken versehene Sohle zeigen (sog. pedes semicoronati Fg. 58), oder eine polsler- 
förmige, ungelappte, aber mit einem fast vollständigen Kranz von nach auswärts gerichteten Häkchen besetzte Sohle 
aufweisen (pedes coronati Fg. 59). Letztere Form der Bauchbeinc bilden die sogenannten K r a n z f ü ß e, die immer 
liei endophager Lebensweise auftreten. 

Was die Zahl und Anordnung der Stigmen anbelangt, so finden sich ein Paar solcher stets am 1. Brust - 
Segment und in der Regel je ein Paar auf den ersten 8 .Vbdominalsegmenten (vgl. später). 

ß) Innere Organisation. 

Die Lagerung der Organsysteme (vgl. p.A 15 Fg. A 22) ist im Larvenkörper die gleiche wie beim geschlechtsreifen 
Tier, nur in der Bescliaffenheit und Entwickluiigshöhe der Organe bestehen oft weitgehende Unterschiede. 

A'or allem ist der Xahrungskanal, insbesondere der resorbierende Mitteldarm, dem Lebenszweck der 
Raupe entsprechend besonders mächtig ausgebildet und ermöglicht reichliche Nahrungsaufnahme und rasche Ver- 
dauung, wobei viel Reservesubstanz, namenllicli in dem Fettkörper, zur Aufspeicherung gelangt. 

Der ganz kurze Vorderdarm entbehrt noch des Vormagens (Speisebehälters) der Imago, der Mitteldarm (Chilus- 
magen) beginnt bereits im 1. Thorakalsegment und reicht bis ins 6. Abdominalsegment, nimmt also V, der Körperlänge 



Mci 



Mi 




K a u p e von Danais picxippus ^ in Liin<;ssclinitt (nach Bnrgcss). 
Mi Jtittclilarm. K IlüclvenKefäB. Jla Malpighlsclrc CefiiUc. K Knddarm, N Xcrvensysleni, Sp Sjmmdrüsc, t Hoden. 



ein. Er zeigt ein sehr weites Lumen und besitzt keinerlei Windungen. Der Enddarm weist 2 starke Einschnürungen 
auf. In der dadurch gebildeten ersten Kammer (Kotkammer) werden die oft charakteristischen Kotballen geformt. 
Die fadenförmigen Speicheldrüsen sind viel kürzer als bei der Imago und liegen vor den Spinndrüsen (vgl. 
diese später). 

Das B 1 u t g e f ä ß s y s t e m zeigt verhältnismäßig geringe Abweichungen gegenüber dem Imaginalstadium. 
Die Aorta l)ildcl niemals eine Schlinge. Das Blut phylophager Raupen ist meist grünlich, welche Färbung sich auf 
gelöstes Chlorophyll zurückführen läßt. Die rhythmische Bewegung des Rückengefäßes ist im allgemeinen langsamer 
als beim Falter, so bei der Raupe von Brotolomia moliculosa ca. 44mal in der .Minute. 



') Eine Ausnahme biUlen nur die den .Vbdominalbeinen entsprechenden Saugnäpfe der Cochlididenlarven, 
die auf den 8 ersten .\l)iiiiininalsegmenten aufirelen. Bei der Larve von Micropteryx (Eriocephala) finden sich Glied- 
maßen an fast allen Segmenten (vgl. Anm. 2 vorne p. A :f2). 

') Vgl. Knatz (Festschr. Naturh. Ver. Kassel 1886). 

ä) Vgl. Goossens (Ann. S. Bnt. Fr. 1887 p. 385 PI. 7). 



Entwicklung. A 35 



In den A t ni u n g s o r g a n e n liegen vor allem in der Zahl und Lage der Stigmen weitgehende Unterschiede 
gegenüber dem Imaginalstadium vor, indem am Thorax nur das 1. Brustsegnient ein offenes Stigma (welches eigent- 
lich dem 2. Brustsegment angehört, aber nach vorn verlagert erscheint) aufweist. Die ersten 8 Abdoniinalsegmente 
besitzen auch hier in der Hegel je ein Stigmenpaar, von denen aber jenes am l.und 8. Segment zuweilen sehr klein wird. 

Bei den im Wasser lebenden Larven einiger Pyraliden (Nympliula [Ilydrocampa] Acentropus) erfolgt die 
Atmung in der Jugend nur durch die Haut, oder die Larve lebt in hiftführenden Gespinsten. Selten besitzt sie 
sogenannte Tracheenkiemen in Form fadenförmiger Ilautausstülpungen (Nymphulastratiotata). Unter den Raupen 
der einheimischen Großschmetterlinge bewegt sich auch jene von Riiyparia metelkana vorübergehend im Wasser. 

Unter den Ausscheidungsorganen bieten die M a 1 p i g lii s c h e n G e f ä ß e nur geringe Unterschiede gegen 
jene des geschlechtsreifen Tieres. In der Regel sind sie kürzer und starker, ihre Anzahl bleibt jedoch dieselbe. Ilir 
Sekret wird bei Häutungen entleert. 

Eine besondere Bedeutung unter den Sekretionsorganen der Raupe kommt den paarigen S p i n n d r ü s c n 
(Serictai'ien) zu, welche oft eine mächtige Ausdehnung erlangen und die 5- bis 6fache Körperlänge erreichen können 
(besonders bei Saturniiden). Sie liegen beiderseits des Darmes und bilden in ihrem mittleren Abschnitt einen dicken 
Schlauch, der sich nach vorne in einen engen Ausführungsgang fortsetzt und an den Papillen der U'nterlippe mündet 
(vgl. Fg. 55 sp.), nach hinten aber meist in einen dünneren, gewundenen, zuweilen geteilten Abschnitt übergeht. Das 
Sekret, welches an der Luft sofort erhärtet, wird in Form zweier sich nach .'\ustritt aus den einander sehr nahe stehenden 
Papillen sogleich verklebender Fäden abgegeben und bildet die als S e i d e bekannte tierische Gespinstfaser, die im 
wesentlichen aus Seidenfaserstoff (Seidenfibrin) und Seidenleim (Sericin) besteht.') 

Was denFettkörper anbelangt, so wurde bereits erwähnt, daß derselbe im Raupenkörper namentlich gegen 
die Zeit der Verpuppung eine mächtige Ausdehnung erfährt. In ilim leben auch anfangs die zahlreichen Bndopara- 
siten, von denen so viele Raupen heimgesucht werden. 

Das M u s k e 1 s y s t e m gewinnt im Raupenkörper entsprechend der gleichmäßigeren (homonomenj Gestal- 
tung der Segmente eine mehr einseitige Ausbildung und wird in .seiner peripheren Partie als Hautmuskelschlauch 
bezeichnet. Auch die Ringmuskulatur des Darmes ist viel kräftiger als im Imaginalstadium. 

Das X e r V e n s y s t e m zeigt in seinem zentralen Teil eine nocii viel größere Zahl von Ganglien als sjjäler 
im Imaginalstadium. (vgl. vorn Fg. 29 p. A 19). In der Regel besitzt die Raupe noch 12 Ganglicnknotin u. zwar die 
beiden Schlundganglien, 3 thorakale, und 7 (bis 8) abdominale =). 

Als eine besondere Schutzvorrichtung für die Schlundganglien sei das Tentorium im Kopfe der Raupen erwälint, 
welches in Form einer dicken Chitinsehne auftritt und die einzige innere Skelettbildung im Larvenkörper bildet. 

Über die S i n n e s r g a n e der Raupen sei bemerkt, daß der Gesichtssinn nach dem Vorhandensein 
bloßer Ozellen niedrig ausgebildet ist und nur ein Sehen auf kurze Distanzen (ca. 1 cm nach den \ersuchen Plateaus 
bei Noctuidenraupen) gestattet, so daß man die Raupen als kurzsichtig bezeichnen kann. Sehr ausgebildet ist dagegen 
der Geschmackssinn, der seinen Sitz in den konischen Papillen des Pharynx hat. 

Der G e h ö r s s i n n oder besser die Wahrnehmung von Luftbewegnngen wird namentlich durch peripher 
gelagerte Hautsinnesorgane, die sogenannten Chordotonalorgan e,^) die bei Raupen oft sehr zahlreich auf- 
treten, vermittelt. 

Auch Lautäußerungen wurden bei Raupen mehrfach konstatiert, so auch bei Acherontia atropos, 
durch rasches Einziehen des Kopfes in das gekörnte Integument der Brustsegmente.*) 

Die frühzeitige Anlage der G e s c h 1 e c h t s d r ü s e, die im fünften Abdominalsegtnent liegt, w^irde bereil:ä 
bei der Embryonalentwicklung erwähnt. Der Hoden wird stets paarig angelegt. Auch Ausführungsgänge sind bereits 
angelegt, es fehlt aber eine Mündung derselben nach außen. Sie sind anfangs fadenförmig und enden an einem kleinen, 
unter dem Darm gelegenen unpaaren Organ, dem sog. H e r o 1 d s c li e n Organ, auch Genitaltasche 
(Klinkhardt) genannt. Diese stellt eine taschenartige Einsenkung der äußeren Körperhaut in der ventralen Zone 
des 9. Segmentes dar, auf deren Grund sich zwei zapfenartige, später geteilte Anlagen finden. Aus dem Verwachsen 
der vorderen Zapfen wird der Penis, aus den beiden hinteren, geteilt bleibenden Zapfen werden die Yalvea gebildet. 
Beim weiblichen Geschlecht^) stellen die Anlage der Ovarien, die in ihrem Inneren die 4 Eiröhrcn erkennen lassen, 
kleine flache gelbliche Platten dar, die kleiner als die Hodenanlage sind. An'sie schließt sich bereits die Anlage des 
paarigen Ovidukts. Der ganze übrige Geschlochtsapparat geht aus 2 Paar blasenartigen, ektodermalen Einstülpungen 
(Imaginalscheiben) am 8. und 9. Segment liervor, von denen das vordere Paar burea, receptaculum und vagina, das 
hintere die Kittdrüsen liefert. Die Bildung dieser den äußeren Begattungsapparat darstellenden Organe fällt zum 
Teil erst in das Puppenstadium. 

b) W a c h s t u m s- (H ä u t u n g S-) s t a d i e n der Raupe. 

Die Assimilation der reichlich aufgenommenen Nahrung hat bei der Raupe bald eine bedeutende \olums- 



') Helm (Zeitschr. f. wiss. Zool. 26. Bd. 1875): N e u s e v a 1 (La Cellule XII 1897 p. 17, 167). 

*) Eine Ausnahme bildet die Raupe von Cossns, bei der das erste Thorakalganglion mit dem unteren bchlund- 
ganglion verschmolzen ist, sich aber in der Metamorphose dann davon trennt, wogegen sonst meist ^ erschmelzungen 
stattfinden, (vgl. Fg. A 29 p. A 19). 

») Vgl. Grab er (Arch. f. mikros. Anal. XX p. 506; XXI p. 65 (1881—1882)). 

*) Keferstein Entwickl.-Gesch. p. 115; S t e i n e r t (Iris II p. 277). 

^i VgL Verson & Bisson (Zeitschr. f. wis.s. Zool. 61. Bd. 1896 p. 660). 




A .8(> liiilwickluiig. 

vergiiiLiiinri;; iii>r iiiiit'nMi Ornaiic!, riiinirntlich «ins Fottkörpers zur Folge, mit welcher Vergrößerung die geringe Dehn- 
biirki'il di-r Chitiiiciilicula der Oberliaut niclil glr'irlien Sclu-ilt lialti'u kann. Es wird dalu-r unter der alten Cuticula, 
von der sieh die Ilypodermis zurückgezogen hat, eine neue, enls|)rechcnd weitere Cuticula gebildet, die anfänglich 
weich ist und in starken Fallen liegt. Die Larve zieht vorerst den Kopf aus der alten Hülle, sprengt hierauf dieselbe 
in der Nackengegend und verläßt sie durch die entstandene Öffnung. Einen solchen 
'i* '^'''- \'organg. bei welchem die alte Cuticula als leerer Balg (e.\uvia| vollständig abge- 

streift wird, nennt man eine Häutung. Dieselbe ist aber nicht bloß rein äußer- 
lich, es werden auch die cuticularen Auskleidungen des Vorder- und Enddarmes sowie 
jene der Tracheen gewechselt. Die Größenzunahme nach der Häutung ist oft eine 
so beträchtliche, daß man schwer verstehen kann, wie in dem abgestreiften Balg die 
Raupe bisher Platz finden konnte. Die Häutungen bezeichnen dalier auch Wachs- 
tumsstadien der äußeren Larvenforni. Ihre Zahl schwankt bei Lepidopteren zwischen 
2 und 10. In der Regel finden 4 bis 5 Häutungen statt. I^angsam wachsende Raupen 
haben eine größere Zahl von Häutungen, desgleichen zuweilen die weibliche Raupe 
(Orygia antiqua). Auch individuelle Verschiedenheiten in der Zahl der Häutungen 
sind nicht selten. Vor der Häutung hört die Raupe zu fressen auf, da Mundteile 
und Vorderdarm funktionsunfähig geworden sind. Auch die Auskleidung derTracheen 
li r u s t s ü g m c ii t einer itiiiipe ^y.j,.j bereits lang vor Abstreifen der äußeren Cuticula gewechselt und läßt in der Form 
\(.i ( ur IUI unij im im IM 1111 durciischeiiiender. seitlich liegender weißer Fäden die beginnende Häutung oft Icirlit 

(sc'liemiitisch). " ob 

a alte, b neue noch in Falten erkennen. Zuweilen treten auch in der äußeren Mautbi^kleidung bei einer Häutung 

liegende Cuticula. starke V'erändeiungen ein. So verliert die anfangs bedornte Raupe von Agha tau 

bei der dritten Häutung ihre Dornen.*) Xcugebildete Haare und Borsten sind anfangs 

feucht und liegen flach auf der neuen Cuticula. Die Raupen sind während der Häutung sehr empfindlich gegen 

Störungen oder Verletzungen. 

c) .\ n 1 a g e des I m a g i n a 1 k ö r p e r s. 

Während sich die geschilderten Wachstumserscheinungen äußerlich am Raupenkörper vollziehen, erfährt 
dessen Inneres allmählich eine tiefgreifende Umbildung, welche schließlicli zur Anlage des äußeren Imaginalkörpers 
noch in der Raupe führt, was bei'eits M a 1 p i g li i (1678) und S w a m m e r da m (1738) bekannt wurde, welch' 
letzterer aus einer zur \'erpuppung reifen Raupe den mit freien Gliedmaßen und Flügelläppen versehenen Schmetter- 
ling lierauspräparierte. 

Wir stehen hier vor einer anfänglich sciiwer erklärbaren l'^rsclieinung, wie ein neuer Körjier, tier sich doch aus 
dem alten aufbaut, ohne Funktionsstörung des letzteren in demselben zur Ausbildung gelangen kann. Es liandelt 
sich hier um Aufklärung der gcweblichen (histologischen) Vorgänge, die zueret W e i s m a n n durch Untersuchungen 
an Dipterenlarven gegeben hat. 

Im allgemeinen läßt sich sagen, daß überall dort, wo im Larvenkörper ein vollständiger Ersatz bereits vorhan- 
dener Organe, oder eine Neubildung bisher fehlender Organe stattfinden soll, in den betreffenden Segmenten Ein- 
stül|ningen bczw. Einsenkungen der Hypodermis vorausgehen, welche bereits sehr früh beginnen und bei weiteren 
Ausliildungen (besonders bei der Flügelanlage) eine scheibenartige Form gewinnen, die durch einen engen Kanal 
niil der Hypodermis in \'erbindung bleiben. (Imnginalscheiben Weismanns.) 

Wenn wir beispielsweise die Entstehung der Flügel bei Lepidopteren nähei- betrachten, so finden wir .schon 
nach der ereten Häutung im Meso- und .Metathorakalsegment der Rau])en seitlich je eine sackartige Einstülpung 
der Hypodermis, an die sowohl eine Trachee als undiffei-enziert gebliebenes Zellenmaterial herantreten. Später sinkt 
diese .\nlage tiefer in den Fettkörper nach innen und bleibt dann nur durch einen kurzen, engen Kanal, gleichsam 
wie an einem Stiel, mit der Hypodermis verbunden (Imaginalscheibenstadium, vgl. l''g. ß2). Bei zunehmender Aus- 
bildung zeigt die sackartige Einstülpung, welche die Flügelanlage darstellt, in die nunmehr schon die Trachee kapillar- 
artig eingewuchert ist, eine starke Faltenbildung (vgl. Fg. 63) und gelangt schließlich dadurch, daß die Bildung durch 
den nunmehr erweiterten Kanal nach außen vorgestülpt wird, an die Hypoderniisoberfläche (vgl. Fg. 64). Diese 
Ausstülpung erfolgt noch im Raupenleben kurz vor der Verpuppung.^) Gleichzeitig hat auch eine Um- und Neubildung 
der Fühler, Facellenaugen, Mundteile imd Beine aus den homologen Teilen der Larve im Inneren derselben statt- 
gefunden, so daß in der Tat bereits im Larvenkörper der äußere Imaginalkörper liegt (vgl. vorne Swammerdam). 

Die inneren Organsysleme der Raupe haben aber bisher in ihrer alten larvalen Form weiter funktioniert. Zu 
ihrer Umbildung bedarf es einer Ruhepause, in welcher diese Organe außer Funktion treten können, um den not- 
wendigen Ersatz an Zellenmaterial zu erfahren. Dies geschieht bei den Insekten mit vollkommener Verwaiidluug 
während des Nymphen- oder Puppenstadiums, welches daher treffend auch als Pui)penruhe bezeichnet wird. Nor 
der \'erpuppung verkürzt sich bei <len meisten Raupen die Gestalt und ihr Gewicht wird durch reichliche Kotabgabe 
beträchtlich verringert. 



M Vgl. Poulton (Tr. Eni. S. Lond. 1888 p. 515 PI. 17). 
'■'] Literatur über Imaginalscheiben bei Leijidopteren: 

Gonin (Bull. Soc. Vaudoise Sc. Nat. (3) XXX tS'.t'i p. 89 — 139 PI. 11—151: Mercer (Jouin. N. York 
Eni. Soc. VIII 1900 p. 1, PI. 1—5). 



Entwicklung. 



A 87 



Erst nachdem die Haut des lel/.toii Kaupeiisladiums abgestreift wurde, erfolgt bei den meiste» Lepidopteren 
eine vollständige N'eikleliuiig der liis dahin livi gewesenen Extremitäten des Iinagiiialkörpers mit der neu gebildeten 






Metathorax einer Raupe (im Durchschnitt), Verschiedene Stadien der l'lügclentstehung (sehen 
i Imaginalscheibe. f Klügelanlage (in (iS noch eingestülpt, in IJt bereits ausgestülpt). 



atisch). 



anfangs weichen und durclisichtigen Cuticula, die erst allmählich erhärtet, so daß der künftige Iniaginalkörper dann 
wieder von einer starken Chitinhülle umgeben erscheint, welche die mehr oder weniger unbewegliche L e p i d o p- 
terenpuppe auszeiclinct. 

d) O r g a n i s a t i o n der P u ]> p e. 

Während das Äußere der Puppe, die eigentlich schon den Imaginalkörper darstellt, bis zu ihrer Sprengung durch 
den Falter keinerlei gestaltliche Veränderungen mehr erfährt, gehen in ihren inneren Organen die bereits angedeuteten 
weitgehenden Veränderungen vor sich, deren \'erlaur nur bei lang andauernder, zuweilen mehrjähriger Puppenruhe, 
zu einem gewissen Stillstand gelangt ist. 

Was vorerst die ä u ß e r e G e s t a 1 1 der Lepidopterenpuppen betrifft, so ist sie in der Hegel eine walzige 
und verjüngt sich gegen das Hinterleibsende. Die starke Chitinhülle bedeckt kontinuierlich alle Körperteile, die 
nur durch Nähte von einander getrennt bleiben. Der Kopf ist zuweilen stark nach unten, an die Brust gedrückt. 
Seine äußere Chitindecke zerfällt in mehrere gesonderte Teile, wie in der Nackengegend die Dorsalkopfplatle, 
und oft halbmondförmige Augendecken. Die Mundteile zeigen zuweilen noch Reste der Maxillarpalpen, wenn sie 
auch im Imaginalstadium dann ganz rückgebildet sind (Sesiidae). Zuweilen steht die Rüsselscheide frei ab, wie bei 
der Puppe von Protoparce convolvuli, oder krümmt sich sogar um das Hinterende der Puppe herum dorsalwarts nach 
oben, wie bei Acidalia luridata. Die Fiihler umziehen die Augen und umschließen außen die Beine. Von letzteren 
sind nur die Schienen der \nrdiT- imd Mittelbeine, sowie die Tarsen aller Beine an der Puppe sichtbar. Doi-salwärts 
der Fühler beginnen die Flügeldecken, die sich zuweilen bis ans Analende der Puppe erstrecken, in der Regel aber 
auf der Bauchseite der Puppe nur bis zum 5. Hinterleibssegment reichen. Die Hinterflügel bleiben größtenteils von 
den Scheiden der N'orderflügel bedeckt. 

Das letzte Abdominalsegment der Puppe trägt in der Regel Clütinbildungen in Form von Widerhaken, Dornen, 
Stacheln oder Hakenkränzen. Die Gesamtheit dieser Chitingebilde wird als Kremaster bezeichnet und hat die 
Funktion beim Ausschlüpfen der Imago das Abstreifen der Puppenhülle zu erleichtern, indem die Haken in Gespinst- 
faden verankert sind und dadurch dem schlüpfenden Falter den erforderlichen Widerstand bieten. 

Stigmen finden sich in der Puppe in der Regel 8 Paare und zwar eines zwisclien erstem und zweitem Brusl- 
segment und 7 aufeinanderfolgende vom 2. bis 8. Abdominalsegment. 

Die P u p p e läßt aber auch das Geschlecht des Falters bereits erkennen, eine Tatsache, die bereits Ratzeburg ') 
(1842) feststellte. Darnach zeigt die männliche Puppe ein freies Segment mehr und auf der ITauchseite des vor- 
letzten (9.) Segmentes 2 durch eine Längsfurche geschiedene kleine Höcker (Enden der Ausführungsgänge), die der 
weiblichen Puppe fehlen. Diese besitzt dagegen am 8. Segment eine Längsfurche (Eingang in die Bursa copulatrix) 
und eine kürzere solche am 9. Segment (Öffnung des Ovidukts). 

Die mannigfachen Höcker und Ausstülpungen vieler Tagfalterpuppen stehen mit der freien Anheftungsweise 
in Zusammenhang und haben keine andere Organisation der Puppe zur Voraussetzung. An zahlreichen Stellen der 
Puppe, mit Ausnahme der Flügeldecken, finden sich Hautsinnesorgane -) in Form von Sinneshaaren. 

Nach C h a p m a n ») lassen sich für die Heteroceren 2 Haupttypen von Puppen unterscheiden: 1. die eigent- 
lichen M u m i e n p u p p e n (pupae obtectae), bei denen die ^■erschmelzung der Chitinhülle allseitig eine so feste ist. 
daß sie beim Auskriechen der Imago nur in einige Stücke aufbricht. Sie sind meist glatt und fest, sämtliche Glied- 
maßen mit der Hülle starr verbunden. Meist fehlt eine Dorsalkopfplatte, der Kremaster meist gut ausgebildet. 



•) Vgl. Ratze bürg (Vtrh. Leop. Carol. Ak. XI p. :iyi Tab. 70); Speyer (Iris 1845 p. 816; Stett. 
e. Z. 1869 p. 241); .Jackson (Zool. Anz. XIII p. 45); Jackson and Poulton (Tr. L. See. (2) T. \ 
p. 143 PI. 15—18); Stand fuß (Haiulb. p. 172 Fg. 6, 7). 

-) Vgl. v. Linden (Verh. d. Zool. Ges. 1902 p. 126— l.rj mit 7 Fg.). 

3) Tr. Ent. Soc. Lond. 189U— 97. 



Entwicklung. 





i'e. A «■) 



Fk. A ««. Dss-l. 



\iii M.i> ... ijijii ■.. Yndoiiiiii.ii.'^rgiiii-iii luriDi nuweglich, so daß beim Auskriechen dio PuppenhüUe im Gespinst odcr 
Krdkokoa verbleilit (Ausnahme: Endromididae). Mierher gehört die Mehrzalil der Heterocerenfaniilieii 
(vgl. 2. Gruppe). 2. Freigliedrige Puppen (pupae incomplelao, s. seniiliberae) mit weniger fester Cliitln- 

hülle, stets vorhandener Dorsalkopfplatte und wenigstens 

Fg. A Gö Vg. A c«. zum Teil in freien Scheiden liegenden Gliedmaßen. Eine 

Q j, Q (f Kremasterbildung fehlt oder ist nur schwach entwickelt. 

-Mit Ausnalime der beiden ersten Abdominalsegmento 
bleiben alle übrigen größtenteils beweglich. Die Puppe 
schiebt sich beim Auskriechen aus dem Kokon und ihre 
Hülle wird so gesprengt, daß die einzelnen Ghederscheiden 
sich weitgehend voneinander trennen. Hierher gehören 
vor allem die Zygaenidae, Cochlididae, Sesiidae, 
Cossidae, Hepialidae und zahlreiche Tineidae (s. 1.), wie 
auch die Micropterygidac, wogegen die Eriocraniidae 
1 f i b s e n (1 c der Puppen von i'ieriB brassicae (cj$) einen 3. Puppentypus bilden (pupae liberae), bei w^elchem 
(nach Oudemans). Sämtliche Abdominalsegmente beweglich bleiben und 

von Muracstra brassicao ((J$) (nach Oudemans). ein Herausschieben aus dem Erdkokon mittelst sehr 

großer Mandibelscheidcn erfolgt. 
Die Rhopaloceren stellen in ihrer Puppe eine Parallolerscheinung zu den obtekten Puppen dar. Die freie An- 
lieftungsweise, womit das Yerla.ssen eines Kokons entfiel, führte zu einer Zunahme der Unbeweglichkeit, die bei den 
Lycaeniden. bei den Gattungen Parnassius, Euchloö, Melanargia und and. zur vollen Starrheit wurde. Die Hesperiiden- 
puppen haben das 5. und G. Abdominalsegment beweglich und eine Dorsalkopfplatte, aber keine Augendeckel. 

e) Weiterentwicklung des Imaginalkörpers. 

Wie bereits angedeutet erfahren die inneren Organsysteme erst während der Puppenruhe eine Renovierung 
und Umbildung, von welcher nur ein großer Teil des Gefäßsystems und die bisher noch nicht in Funktion gestandenen 
Genitalorgane der Larve unberührt bleiben. Im zentralen Nervensystem erfolgt erst jetzt durch Verschmelzung 
eine Reduktion der Ganglienzahl. Auch die larvalen Muskeln werden durch neue Muskelepithelien ersetzt. Nament- 
lich der im Larvenleben .so intensiv funktionierende Nahrungskanal erfährt einen reichlichen Zellenersatz und eine 
weitgehende Formveränderung, wobei die neuen Gewebe den alten Dann umwaclisen und endlich ganz in sich ein- 
schließen. Der weitere Zerfall und die Wegschaffung der alten Gewebe wird durch die jetzt reichlich vorliandenen 
Wanderzellen (Phagocyten) besorgt, die Stücke alten Gewebes aufnehmen und verdauen und selbst wieder zur Er- 
näiirung von im Aufljau begriffenen Geweben dienen. Der Fettkörper erfährt nunmehr eine flüssige Auflösung, 
so daß der Inlialt einer frischen Puppe zum größten Teil aus Leil)e.ssaft zu bestehen scheint (Hystolyse). In den 
Flügelanlagen gelangt erst jetzt der Tracheenknäuel zur Rückbildung, es wuchern neue Tracheenstämme ein, die 
von Chitinleisten umgeben sind, aus welchen die definitiven Flügeladern entstehen. 

Der Verlauf dieser inneren Veränderung läßt erkeuTien, daß eine so .scharfe Trennung zwischen Larven-, Puppcn- 
und Imaginalsladium nur im Hinblicke auf die äußere Körperhüllc ihre Berechtigung hat. Die'inneren Umbildungen 
beginnen, wie wir gesellen haben, bereits sehr früh im Larvenleben und nehmen einen mehr kontinuierlichen ^■erlauf, 
nur daß hiebei die Neubildung imaginaler Organe dem definitiven Zerfall der larvalen in mancher Flinsicht vorauseilt. 
Bei den sogenannten Zwischenstadien zwischen Raupe und Puppe, wie solche mehrfach beschrieben wurden, handelt 
es sich nur um das letzte Fläutungsstadium der Raupe, in welchem zuweilen Ivcine Nahrung mehr aufgenommen wird. 

Hat der Imaginalkörper unter dem Einfluß von Tetnperaturreizen seine volle Ausbildung erlangt, sprengt der 
Falter die Nähte am Kopfende der Puppe, zieht Fühler und Beine aus ihren Scheiden, schiebt sich aus der PuppenhüUe, 
die meist durch mechanische Einrichtungen (Kremaster) zurückgehalten wird, und läuft dann gewöhnlich kurze 
Zeit unruhig umher, bis er einen geeigneten Ruheplatz gefunden hat, welciier ihm ein Hcrabhängenlassen der Flügel- 
lappen ermöglicht. Hierauf verkürzt und verlängert sich abwechselnd der Hinlerleib und wird zusehends dicker. 
Der Falter ist nunmehr ruhig, die Flügel entfalten sich, indem Blut und L\ift in ihre Tracheen gepreßt wird, was eine 
Ijoträchtlichc Verlängerung und Glältung derselben bewirkt. Die Flügel werden dann (auch bei Heteroceren) über 
den Rücken zusammengeschlagen, bis sie genügend erhärtet sind, wobei auch eine Aufsaugung der in sie ein- 
gepreßten Blutflüssigkeit erfolgt. Schließlieh verkürzt sich wieder der Hinterleib \nid die Flügel nehmen bei 
Heteroceren eine flache oder dachförmige Lage ein.') Diese Entwickhmg nimmt normalerweise bei den meisten 
Arten einen Zeitraum von 5 — 6 Stunden in Anspruch, bei Psychiden ^, die nicht immer einen besonderen Platz 
zur Entwicklung aufsuchen, jedoch oft nur ganz kurze Zelt. 

Die Metamorphose ist nunmehr vollendet und damit das letzte Lebensstadium, welches vorzugsweise der 
Fortpflanzung gewdmet ist, erreicht. 

Eine tiefere Einsicht in das geschilderte Wesen der Metamorphose gewälirt die \'orstellung, daß eine .Arbeits- 
teilung in Erfüllung der Lebensaufgaben luul dementsprechend zwei divergierende .\npassungsrichtungen vorliegen: 
l. die weitgehende .Anpassung der Larve an dio melir gleiclimäßigen Bedingungen der Nahrungsaufnahme, wobei 



') Vgl. Petersen (Iris IV p. 199—214); B ü s g c n (Ins.-Börse XIII p. 19); (Ent. Rec. 1 304, 307; II 54). 



Farlning und Zeichnuii}'. 



A39 



Ua 



Sp Oe 



der ursprüngliche Typus der Mundteile bewahrt wurde und sekundai- die gleichmäßige Köriierform und die Bewegungs- 
organe am Abdomen entstanden sind, und 2. die Anpassung an die iniaginalen Lebensaufgaben, hauptsächlich der 
imter sehr verschiedenen Verhältnissen erfolgenden Fort- 
pflanzung, wobei es zur Flügelbildung und llniänderung i\'. a gt. 
der Mundteile gekommen ist. Diese Annahme divergieren- 
der Anpassungsi'ichtungcn an ganz verschiedene Lebens 
aufgaben erklärt auch die Tatsache, daß die Raupen im 
allgemeinen keine so weitgehende Differenzierung in 
systematischer Beziehung erkennen lassen als es bei den 
Faltern der Fall ist. Anfänglich war das Nymphcn(Puppen)- 
stadium gewiß anders beschaffen und noch kein absolut 
ruhendes. Erst nachdem es zu einem solchen geworden, 
konnte sich der große morphologisclie Alisland zwisciien 
Larve und Imago ausbilden. 

Dazu dürfte noch der Ausfall melu-oror Zwischenstadien 
zwischen Raupe und Puppe gekommen sein, welcher ein 
Zurückverlegen der Anlage späterer Organe (z. f.. der 
Flügel) in das Larvenleben notwendig machte , da das 
Nymphenstadium hauptsäcidich der weitgehenden Umwand- 
lung der bis dahin in Funktion stehenden inneren Organe 
gewidmet werden mußte. Dort wo die beiden divergierenden 
Anpassungsrichtungen zum Ausgleich kommen konnten, 
entstand als notwendige Folge das ruhende Puppenstadium. 

Die vollkommene Metamorphose beruht also wesentlich auf der Wcchselwii 
Stadiums und der dadurch begünstigten Anpassungsmöglii^hkeit der Larve. 




•N 



B 



von Dana 



is plexippiis $ in mittlerem ICntwicklnngs- 
stadium (nach ScucUler). 
Itüikengefäß. Oe Speiserölire. Sp. SpeiclicUlrüse. Ma M:il 
iiii-liisolie Ccfäße. X Xervcnsystcra. B T!ein;uila«eii. 



eines ruhenden N'ymphen- 



IV. Färbung und Zeichnung, 

Bei keiner anderen Inseklenorilnung spielt die Färbung und die davon nicht zu trennende Zeichnung') eine 
so hervorragende Rolle, wie bei den Lepidopteren. Nicht bloß, daß die.se hier so augenfälligen Merkmale in der Syste- 
matik anfänghc.h für die Unterscheidung der Arten und derzeit noch für eine solche von Lokalformen und Aberra- 
tionen eine ausschlaggebende Verwertung gefunden haben, sind dieselben auch durch ihre starke Variabilität, die durch 
äußere Reize während der Entwicklungsstadien beeinflußt werden kann, in neuerer Z(üt der Gegenstand zahlreicher 
experimenteller Untersuchungen geworden, wodurch die Lepidopteren in den Mittelpunkt der Diskussion bei vielen 
Fragen von allgemein biologischer Bedeutung gerückt erscheinen. 

N a l u r u n tl E n t s t e h u n g d e r F a r b e. 

Die Farben beruhen entweder auf wirklichen Farbstoffen (Pigmenten), die in den Schuppen, welche in ihrer 
flachen Form zu wahren Farbenträgern oder Schauorganen ausgeliildet sind, zur Ablagerung gelangen, oder es sind 
sogenannte optische Farben (Strukturfarben), die vorzugswei.se auf Interferenzerscheinungen beruhen und nur durch 
Skulptur und Lagerung der Schuppen hervorgerufen werden. 

Zu den natürlichen oder Pigmentfarben gehören vor allem Gelb, Rot, Braun bis Schwarzbraun, manchmal 
auch weiß, zu den Strukturfarben aber die glänzend blauen, grünen und weißen, ferner die perlmutterartig oder 
metallisch glänzenden Flecken und alle Schillererscheinungen. Weiß ist teils an Pigment gebunden, wie bei den 
Pieriden, teils wird es durch Luftgchalt der Schuppen, an deren Oberfläche die Lichtstrahlen eine totale Zurück- 
werfung erfahren, hervorgerufen. Blau wird entweder dtu'ch Zurückwerfen der Lichtstrahlen an der gerieften Ober- 
fläche der (braunen) Schuppen (Lycaeniden), wobei ein Teil des Spektrums ausgelöscht wird, erzeugt, oder durch 
milchige Trübung des Schuppenkörpers mit unterlagertem braunschwarzem Pigment. Grün wird zuweilen auch durch 
Fluoreszenz (Oberfläohenfarbe) eines gelblichen Pigmentes hervorgerufen (Geometra papilionaria). 

Die Pigmentfarben stammen aus dem Blute und sind entweder erst synthetische Produkte des Stoffwechsels, 
namentlich Harnsäurederivate, oder echte Blutfarbstoffe (Melanine). Bei Raupen werden die Hautpigmenle auch 
durch pflanzliche Farbstoffe (Chlorophyll, Xanthophyll), die mit der Nahrung aufgenommen werden, direkt be- 
einflußt. =) 

Das Pigment gelangt in Form feiner, zuerst gelblicher Körner an der Außenfläche der Schuppe zur Ablagerung 
und kann zum Teil durch Kochen in Wasser oder Alkohol ausgezogen werden. So gibt das Kochen eines Flügels 
von Gonepteryx rhamni eine gelb gefärbte Lösung, wogegen die Schuppen am Flügel fast farblos werden. 

') Färbung und Zeichnung sind ihrer Entstehung nach nicht voneinander zu trennen. Sie wirken in der Regel 
auch zu ein und demselben Effekt (z. B. Schutzfärbung) zusammen. Nur bei stammesgeschichtlichen Betrachtungen 
kann ihre gesonderte Betrachtung zulässig erscheinen (Spul.). 

-) Vgl. Poulton (Tr. R. Soc. Lond. Vol. 38 p. 260; Vol. iO p. Uö: Vol. 54 p. 417: Tr. Ent. Soc. Lond. 
1892 p. 293). 



A 40 Färbung und Zoioliniirifr 



Die ( lifiiiisilic N.iliii- iliT l'iginenlfarlje ist eine sehr koniplizierto. Ks siliciiil ji'doili, ilali liio verschiedenen 
Farlienabslufungen iiiclit auch immer eine N'erschiedenheil rcsp. chemische \'cranderung des Farbstoffes zur Voraus- 
setzung haben, daß viebnehr oft sclioti durcli Idoße N'erdichtung desselben Farbstoffes andere Farl)eneffekto her- 
vorgerufen werden kiiiinen. So erzeugt eine diclitere Lagerung gelber Pigmentkörper im Flügel eine \'erdunkbing 
der Farbe bis Orangerot, und eine N'crringerung des Pigmentes schwächt die gelbe Farbe ins Weißliche al). 

Auch die im Ausfärbungsprozeß der Schuppen beoliaelitete regelmäßige Farbonfolge (gelb — rot — braun — 
schwarzbraun) spricht für obige Annahme.') 

Die Chitindecke selbst hat meist eine gelbbraune bis .schwarzbraune Färbung, wie sicli dies an nackten oder 
abgeschuppten Körperteilen ersehen läßt. 

Bei den Strnkturfarben kann man unterscheiden, ob sie von den Strukturverhältnissen bloß einer Schuppe 
abhängen, wie beispielsweise das Schillern,') oder ob sie zwei verschieden gestaltete Schuppen zur Voraussetzung 
hal)en, wie dies bei dem Blau der Lycaeniden der Fall ist, bei welchen die Färbung innerhall) der hellen Deckschuppen 
und (bin-h Absorption des nicht reflektierten Lichtes in den schwarzbraunen Grundschuppen entsteht (vgl. vorne). 

Fine Durchsichtigkeit (Transparenz) bestimmter Flügelstellen kann eintreten entweder durch Pigmentverlust 
der Schuppen, oder Rückbildung derselben zu feinen Schuppenhaaren oder auch vollständiges Fehlen derselben. 

Z e i c h n u n g s V e r h ä 1 1 n i s s e. 

Noch schwieriger als die Frage über die Xatur und Entstehung der Farben im Schmetterlingsflügel ist die Frage 
nach den Ursachen der Zeichnungsverhältnisse desselben. Schon innerhalb der Entwicklung des Individuums 
(Ontogenese), die nach vererbter Gesetzmäßigkeit zu verlaufen trachtet, können äußere Faktoren (Klima usw.) von 
sehr großem Einflüsse sein. Da sich auch das Flügelgeäder während der Ontogenese ändert, kann beispielsweise eine 
nicht im gleichen Stadium des Geäders erfolgte Pigmenlablagerung eine starke Zeichnungsverschiedenheit zur Folge 
haben. Die Faktoren, die hier in Frage kommen, sind eben sehr zahlreich und können sich vielfach kombinieren. 

Die irrsachen der Zeichnungsanlagc sind zweifellos zum Teil auch anatomische. So wachsen während der 
Flügelentwicklung die Adern schneller in die Länge als die dazwischen liegende Membrane, wodurch meistens die 
so häufig auftretende Zackenbildung der Querbinden zu erklären ist, deren vorspringende Ecken in der Regel nach 
außen gerichtet sind und fast immer auf eine .\der zu liegen kommen. .\uch findet am Querast der Flügel in der Regel 
eine .Ablagerung dunklen Pigmentes statt, w^as zur Entstehung der Mittelpunkte, .Xierenniakel der Xoctuiden usw. 
führt. .\l)er auch die Lebensgewohnheiten einer Avl, die nur der Ausdruck ihrer .Vnpassungsfähigkeit sind, haben 
zur Färbung und Zeichnung eine lebhafte Beziehung (vgl. später Schutzfärbung bei Ruhestellung usw.). 

Als ursprünglicher Zeichnungstypus bei Lepidopleren ist die Ablagerung dunklen Pigmentes (Melanine) in 
den Saumzellen der Flügel anzusprechen, wodurch Fleckenreihen entstanden sind, die sich leicht zu Quei'binden 
(Urbinden) vereinigen konnten. Bei der ursprünglich gleichen Beschaffeidieit von \fl und Hfl war gewiß auch die 
Zeichnungsanlage für beide die gleiche. Auch die Saumfransen zeigen häufig eine dunkle Fleckung auf den Ader- 
enden, in welchem Falle man dieselben als „gescheckt" bezeichnet. Nicht selten durchziehen aber auch dichtere 
Schuppenstreifen die Fransen der Länge nach (also dem Saum parallel) meist an der Basis, in welchem Falle man von 
„durchschnittenen" oder „geteilten" Fransen oder von „Teilungslinien in den Fransen" spricht. 

Es wäre vom stammesge.schichtlichen Standpunkte aus irrig anzunehmen, daß alle anatomischen Vorbeding- 
ungen der Zeichnung (Geäder, Schuppenform, Pigmente usw.) vorhanden waren, und dann erst die Zeichnung begonnen 
hat, si(;h auszubilden. Zweifellos hat hier von allem Anfang ab eine wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit 
der in Frage stehenden Faktoren bestanden. 

.\uf vergleichendem Woge, unterstützt durch Untersuchungen während der Entwicklung, hat man für das 
Entslehen und die \'eränderung einiger ZeichnungselenuMite eine gewisse Gesetzmäßigkeit gefunden und dieselben 
als „Zeichnung.sgesetze" bezeichnet. Die wichtigsten derselben sind: 

a) Flecken haben die Tendenz, an homologen Flügelstellen (auf Vfl und Ilfl), und in einer Reilie aufeinander folgender 

Zellen aufzutreten (meristische Wiederholungen. — Bateson). 

b) Jeder Fleck hat die Tendenz, nach Form und Farbe bilateral symmetrisch zu w-erden. 

c) Augenflecke sind durchaus nicht einheitlicher Entstehung. Gewöhnlich treten sie zwischen Längsadern auf. In 

der Regel sind sie auf Ober- und L'nlerseite deutlich, wenn auch oft verschieden gefärbt. 

d) Bindenzeichnung ist meist aus Zusammenfließen aneinanderstoßender Flecken entstanden, andererseits Ketten- 

zeichnung oft durch -Auflösung von Binden. 

e) Die Enden der Binden sind variabler als deren Milte. Im Falle diT niMkl)ildniiii- von Hinden verschwinden die- 

selben auch immer von einem Ende ab. 

f) Häufig findet sich auch eine Art Farbenkompensation, d. h. die dunkle Färbung nimmt an einer Stelle in dem- 

selben Maße zu, als sie an einer anderen Stelle abnimmt, wodurch Zeichnungsänderungen bedingt werden. 

g) Das Ende des stammesgeschichtlichen Färbniigsprozesses ist oft nahezu EinlYnbigkeit (wofür unsere heimischen 

weißen Pieris- Arten ein Beispiel bieten). 

') Vgl. van Be m melen (1889), F r i e d m a ii n, Linden Gräfin v. (1898—1904), M a v e r Alfr. 
(1897), Newbigin (1896) u. and. 

") Vgl. Geest (Zeitschr. f. wiss. Ins.-Biol. IV 1908 p. 162 ff.). 

•') Biedermann (Festschrift Haeckel 190'i p.-215ff.); Tetens (Berl. e. Z. :!9. Bd. p. 161). 



Färbung und Zeichnung. A 41 



Wenn wir auch nach dem Vorhergesagten das Auftreten von Querbinden als sehr ursprünglich bezeichnen 
dürfen, so ist doch die von Eimer') versuchte Ableitung aller Zeichnung l)ei Lopidopteren von einem llstreifigen 
Typus (wie er bei Papiho alebion aus Xordchina sich findet) eine durchaus willkürliche, ungerechtfertigte Ausnahme. 
\'on seinen sonstigen Zeichnungsgesetzen bezeichnet Orthogenesis die richtige Tatsache, daß die Variabilität, 
vor allem der Zeichnung und Färbung, keine allseitig unbegrenzte ist, sondern nur in relativ wenigen, bestimmten 
Richtungen sich äußert. 

Unter korrelativer Färbung (Zeichnung) versteht Hrunner^) gleiche Färbung homologer Organe, 
\inter h o 1 o t y p i s c h e r Färbung aber eine einheitbche Färbung verschiedener Körperteile zur Erreichung eines 
Gesamtbildes, wie dies bei Schutzfärbung häufig wahrzunehmen ist (vgl. später). 

Bevor einige Spezialfälle der Färbung und Zeichnung besprochen werden, sollen kurz die Färbungs- und Zeich- 
nungsverhältnisse der Entwicklungsstadien bei Lepidopteren erwähnt sein. 

Die Raupen sind, wie bereits früher erwähnt, bei endophager Ijel)ensweise zeichnungslos und wenig pigmen- 
tiert, erscheinen daher dann weiß oder beingelb. Bei freilebenden Raupen tritt sehr häufig eine grüne oder graubraune 
Färbung auf, bei welcher das aus der Nahrungspflanze aufgenommene Chlorophyll eine direkte Rolle spielt. Der 
Farbstoff findet sich entweder bloß in der Cuticula oder auch in der darunter befindlichen Hypodermis. Dabei tritt 
in der Regel eine Längszeichnung in Flecken oder Streifen auf, die besonders vollständig bei Geometridenraupen vor- 
kommt, für deren Zeichnung Schröder^) versuchte, die Nomenklatur zu stabilisieren. 

Darnach finden sich bei vollständiger Zeichnung 7 Streifenanlagen, von denen 2 stets doppelt auftreten. Es 
sind dies die Dorsale, Subdorsale, Suprastigmale, Stigmale (doppelt), Basale, Snbbasale, Supraventrale imd Ventrale 
(doppelt). Durch Ausbleiben. Auflösung in Flecken und Verschmelzung der primären Streifen entstehen sehr ver- 
' tiiedene Zeichnungstypen, neben denen aber auch solche von relativer Selbständig- 

'. -it auftreten wie Augenflecken (bei einzelnen Sphingidenraupen), Spiegelflecke lY'. a ns. 

(bei Lasiocampidenraupen) usw. jj^^^ 

Die verborgen ruhenden P u p j) e n sind meist einfarbig braun oder schwai'z. 
zuweilen grün, seltener kontrastfarbig (Abra.\as grossulariata). Die freihängenden 
Puppen der Tagfalter zeigen oft deutliche Zeichnung. Bei ihnen können durch 
Lufteinschlüsse in Chitin auch Metallflecke an bestimmten Stellen gebildet 
werden (Vanessa usw.) Manche Puppen sind durch eine Ekreszenz bläulich 
bereift (Parnass. apollo, Lasiocampiden, Catocola). Der Reif besteht aus mikro- 
skopisch feinen, bündelvveis geordneten, spröden Fäden.') 

A 1 b i n i s m u s und Melanismus. 

Beide Färbungserscheinungen kommen nur darin überein, daß sie einen 
abnormalen Charakter aufweisen. Sie stellen aber nicht bloß entgegengesetzte ^^^^ 

Extreme der Färbung dar, sondern haben auch zweifellos ganz verschiedene Ent- ^^—' 

Stehungsursachen. Iiurch schnitt eines Raupen- 

Was vorerst den Albinismus (im eigentUchen Sinne) anbelangt, so ver- ^'''^"^ "n iienr^lll^m" ""^'" 
steht man darunter jene Fälle, bei welchen eine weiße Aufiiellung (Bleichung) der 
dunklen Pigmente eintritt, ohne daß die Zeichnung der Art sich ändert 

oder die lichten Zeichnungselernente sich auf Kosten der dunklen ausdehnen. Solclie Fälle haben in der Regel 
den Charakter eines pathologischen Defektes, d<T sich liäufig auch in auffallenden Asymmetrien äußert, bei welchen die 
weiße Färbung in unregelmäßigen Flecken auftritt. Der .\lbinismus hat auch fast niemals den Charakter einer bei 
zahlreicheren Individuen auftretenden lokalen Aberration, sondern stellt nur das Resultat von Störungen im Aus- 
färbungsprozeß einzelner Individuen dar. Er kann nicht bloß durch Xiciitauftreten dos dunklen Pigmentes, sondern 
auch durch Verkümmerung der Schuppen hervorgerufen werden, in welch letzterem Falle das in normaler Menge 
vorhandene Pigment nicht zur vollen Ablagerung gelangen kann.*) Eine solche hemmende Störung im Ausfärbungs- 
prozeß kann durch trockene Hitze, gewiß aber auch durch andere Faktoren hervorgerufen werden. Mit dem bei 
(domestizierten) Säugetieren und Vögeln auftretenden Albinismus hat der Albinismus bei Lepidopteren nicht die 
gleiche Natur. Es gelten daher für ihn auch kaimi die dort festgestellten \'ererbungsgesetze. 

Ganz anders der Melanismus, unter welchem man sowohl eine von der Zeichnimg unabhängige, auch den 
Körper ergreifende Schwärzung (Melanismus im engeren Sinne), als auch die übermäßige Ausdehnung von bereits 
vorhandenen schwarzen Zeichnimgselementen (Nigrismus) versteht. Er hat seine unmittelbare l'reache in einer 
größeren Menge dunklen Pigmentes. Der Melanismus hat bei Lepidopteren den Charakter wahrer Aberrationen 
und kann fast zur Lokalform werden, was beim Nigrismus, wie er z. B. besonders bei Argynnisarten auftritt, weniger 




') Orthogenesis der Schmetterlinge Leipzig 1897 (Referat vgl. Verb. zool. bot. Ges. 1898 p. 521 ff.). 

-) Betrachtungen über die Farbenpracht der Insekten. Leipzig 1897 (Referat vgl. Verh. zool. bot. Ges. 1897 
p. 689 ff.). 

") Schröder Entwicklung der Raupenzeichnung Berhn 1894 Taf. 

*) Vgl. Eni. Z. Gub. VII p. 115. 

») Vgl. S t a n d f. (Handb. p. 198 ff.); Federley H. (Act. Soc. pro Fauna et Flora P^nnica 31 N. 4 (1908)); 
Schultz (111. Zeitschr. f. Ent. II p. 705 (1897)): Castle* Allen (Vererbung des Albinisnnis bei Säugern) 
(Allg. Zeitschr. f. Ent. VIII p. 375); Skala (Berl. e. Z. LIII 1909 p. 2'i8). 



Bcrge-Rebel, Scl)inetterling:sl)ucli. 



A6 



\ 42 Färbung \inJ Zeichnung. 



dei' Kall ist. Selir bokaiiiit und in der Literatur weilläufig besprochen wurde die in den letzten Dezennien auffallend 
zunehmende Häufigkeit nielanotischer Kalter (Nocluiden, Geonietriden, besonders der Geomelride Aniphid;isis 
bc'tiilaria ab. doubledayaria) in der unmittelbaren Nähe großer Industrieorte, so bei Manchester und Birmingham 
in England, bei Hagen in Westfalen und anderwärts. Man hat auch geglaubt die Entstehungsursache dieser Er- 
.scheinuMg in den besonderen \'erhältni.ssen dieser (')rtliilikeiten erblicken zu dürfen und verschiedene Kaktoren 
namhaft gemacht, wie den Niederschlag schwefeliger Saiirc auf den Blatlern, die von den Raupen verzelirt werden, 
oder den starken RuBbelag der Stämnu', der eine dunkle Schutzfarbinig des Kallei's für die Uuhestellung not- 
wendig macht, die dann durch Auslese vermehrt wird usw. 

Tatsache ist, daß melanolische Individuen eine geringere Wärmeausstrahlung erleiden, was schon l-nrd W a 1- 
s i n g h a m ') (und Lewis) als Ursache der vorherrschend dunklen P'ärbung von Hochgebirgsarten anführte. Kerner 
zeigen melanotische Individuen im allgemeinen auch eine stärkere Lebenskraft, sind also im Kampf ums Dasein 
bevorzugt. Bezügliih der \'ererbbarkeit des Melanismus bei Kreuzung melanotischer Individuen unter sich gilt 
im allgemeinen, daß die Nachkommen rein in Stammform und melanolische Aberration abspalten, bei Rückki-e\i- 
znngen mit der Stammform bestätigen sich die Mendelschen Gesetze -). 

Nach allem scheinen hauptsächliih kliniatische Faktoren (Kälte, Näs.se) die auslösende Ursache für das Auf- 
treten melanotischer Individuen bei Lepidopleren zu sein, die wahrscheinlich den Charakter von Mutationen (im 
Siiuie von II. de \ries| besitzen.') 

S c h u l z f ä r b u n g. 

Obwolil die Sclinp|Mii lici den l'altern als Karbenträger und „Schauorgane" bezeichnet werden können, wird 
doih sehr häufig ein ,,NichliUirralieir' des Tieres durch ihren Kärbungseffekt erreicht. Es ist selbstverständlich, 
daß ein Tier in der Kegel desto besser vor Gefahren ge.schüt/.l ist, je weniger es sich von seiner natürlichen I'mgebnng 
abhebt. .Namentlich lür die Zeil der Unlie, mit welcher oft eine tiefe Herabslimmnng der Sinnestätigkeit verbunden 
ist, muß das Farbenkleid der Lepidopleren für die Sicherheil seiner Träger sorgen, was zur Entstehung jener allgemein 
bekaiuiten Erscheinung geführt hat, die als S c h u l z f ä r b u n g oder sympathische Kärbung bezeichnet wird. 
Diese Korm der Anpassung treffen wir bei den meisten Lepidopleren an und zwar in der Regel ausschließlich nur 
für die Ruhestellung berechnet. Hiebei kommt es häufig vor, daß weit voneinander abliegende Körperteile, wie unler- 
.seits die Vflspitze und die ganzen Hfl, in der Kärbung übereinslinnnen, weil in der Ruhestellung bei zusammen- 
geschlagenen Klügeln des Kallers eben nur die \flspilze vor den eine Schulzfärbung zeigenden Hfl hervorragt. Ein 
bekanntes Beispiel in dieser Hinsicht bietet Euchloe cardamines. Bei dachförmiger Klügelhallung besitzen zumeist 
die \n eine Schutzfärbung, an der dann auch nur dei' .Vnalwinkel der sonst lichten Hfl (wie bei Pheosia Iremula) 
teilnehmen kann, oder gar der ^■orderrandsleil der Hfl. wenn dieser bei der Ruhestellung vor die \'fl hervortritt 
(.Smerinthus ocellala, Nolodonla trepida). Hierher gehört auch die oft angeführte Blattähnlichkeit der Untei-seite 
der indischen XymphalidengaUnng Kailima und zahlreicher südamerikanischer \\aldfaller. 

Zuweilen wird aber das ..Nichtanffallen" nicht durcli direkte (Übereinstimmung der Kärbung mit der Umgebung 
erreicht, .sondern dadurch, daß selbst lebhaf( miteinander kontrastierende Karben in eigentümlicher Anordiuuig auf- 
treten, die einen Tolaleindruck des Tieres nicht lei<hl zu stände kommen las.sen und auf diese Weise den Karbcnträger 
schützen. Es wird hier gleichsam eine „Körperauflösung" erzielt (Scheckenfärbung, Zebrafärbung). Je widersinniger 
die Farben die Körperteile durchschneiden, desto wirksamer erscheint diese Körperaullösinig (Jacobi). Dieser Fär- 
bungslypus wird daher auch als ..somatolytisc her"" (körperauflö.sender) bezeichnet. 

M i ni i k r y. 

Uiitci- Munikry Im engeren Sunu^ ') verstell! man jiMu> vcph li a l (! s (18S2) gegründete Theorie, nach welcher 
Tiere, die durch gewisse Eigen.schaflen (Gifte oder andere Waffen) vor Verfolgern geschützt sind, von anderen, 
mit ihnen zusammen vorkommenden Tieren nachgeahmt werden, die dadurch auch des Schutzes ersterer teilhaftig 
werden. Man hat demnach hier stets zwischen einem (geschlitzten) Modell und einem (schutzbedürftigen) Nachahmer 
zu unterscheiden. Der große Werl einer solchen Nachahmung wird hauptsächlich darin gesehen, daß der Nach- 
ahmer hier auch während der Bewegung, also der Kaller während des Kluges, vor seinen Keinden geschützt erscheint. 

Diese Theorie wurde zuerst auf Beobachtungen bei tropischen Lepidopleren aiifgebaut, bei welchen namentlic'h 
die durch giftige Raupennahrung (Asdepias) geschützten Danaiden uiui Neolropiden von Vertretern anderer Familien 
oft in überraschender Weise kopiert scheinen. So gleicht beispielsweise das $ von Hypolimnas misippus L.. welche 
Nymphalide in Afrika und Südasien weit verbreitet ist und auch in Syrien und auf den Kanaren vorkommt, in weit- 
gehender Weise Danais chrysippus. wogegen das 5 einen ganz verschiedenen (geschlechtlichen) Kärbungslypus 
gewonnen hat. Kür die mitteleuropäische Kauna sind nur wenige Källe von Mimikry angenommen worden, denn 

') Vgl. Entomol. .Will IHH.'i )). Hl. 

-) Vgl. Stand!', in Etud. Lepid. comp. :i Livr. l'.Ml'.i p. 1. !'i. :;l. :!-2 (\ ersuche mit Aglia tau). 

*) \n weiterer Literatur über den Melanismus vgl. S t a n il !. (ILnuib. p. 202 ff.): D o n c a s t e r (Eni. Re. 
Will 19Ü6 p. 165, 206, 222. 248); H a r c o u r l-B a t h (Entomol 1«97 p. 97); S m i l h (ib. p. 127): M e i s s n e r 
(Soc. Ent. XXII p. 153); Schröder (Zeitschr. f. wiss. Ins.-Biol. (2) IV 1908 p. 57); Kischer (ib. p. 16, VI): 
Schröder (ib. V p. 27, 96); Tutl (Eni. Rec. WI 11. 16ri, WIl p. 172) und ..'Melanism and Melanochroisni in 
British Lepidoptera" Lond. 1891 (selbständig). 

■*) Im weiteren Sinne wird darunter jede Ar! drr s(lui!/.en(leü Narliahmniig verstanden. 



Färbung und Zeiilimiiif?. A 43 

ilii" Alinliclikeit, der Sesiide[i inil Hymeiioijlorcu ist eine zu allgiMiiciiic, als daU sie als direkte Xacliahniuiig angesehen 
werden könnte. Eher gleieht die Sphiugide llemarls scabiosao Z. in überraschender Weise }i;e\vissen Iluniinel- 
(13ombus-)artcn.') 

Die Mimikrythcorie gehört zu deiL nieislbestritteuen Hypothesen, da für die Ausbildung der oft so weitgehenden 
Ähnhchkeit nur die Auslese (im Sinne Darwins) herangezogen werden kann, und die Selektionstheorie selbst stark an 
Erklärungswert verloren hat. 

Tatsache bleil)t jedoch du' oft veibluft'ende Ähnlichkeit einander gar nicht näher verwandter Arten bei örtlich 
und zeitlich gleichem N'orkommen. Fci'ium-, daß sicli diese scheinltar auf Täuschung berechnete Ähnlichkeit nur bei 
heliophilen Faltern, also bei Tagfaltern und bei Tage fliegenden Heteioceren findet, bei der großen Menge von Dänime- 
rungs- und Nachtfaltern aber fehlt, und daß die Individuenzahl der nachahmenden .'\rt meist ungleich geringer als 
jene der nachgeahmten Art ist, — einzelne mimetische Schmetterlinge gehören überhaupt zu den seltensten Arten — , 
welche Erscheinung damit erklärt wird, daß schon l)ei gleicher Individuenzahl von Modell und Nachahmer der Schutz 
fm' letzteren ein ungleich geringerer würde. 

Im weiteren Ausbau der Theorie wurde auf (ii'und von !'.e(i|)aclitungcn Fritz M li I 1 c r s iHc .\ n nähme gemach! , 
daß es auch geschützten F^dtern von Vorteil sei, einander zu gleiciuMi. In diesem Falle sei jede Art dann Nachahmer 
und Modell zugleich, die Tendenz innerhalb der Gemeinschaft gehe auf Dniformität ihrer Mitglieder, deren gemein- 
samer Schutz hiedurch progressiv zunähme. Fls entstünden hiedurch große Gruppen (sog. Müll ersehe 
('. I- II (I p r m von einander sehr ähnlichen F'ormen, wie solche namentlich bei den südamerikanischen Neotropiden 
vorkummeii. Xielleicht ist auch die so weit gehende Färbungsübereinstimmung, welche in der heimischen Fauna 
der Senfweißling (Leptidia sinapis) mit den vorherrschenden Arten der Gattung Pieris, die ihm gar nicht iiälier 
verwandt sind, aufweist, auf eine ähnliche .\nnahme zurückzuführen. 

Die Mimikrytheoric besitzt derzeit nur noch in England (in lilandford, Dixey, Marshall, Poulton, Swinhoe, 
'Primen und and.) sowie in Prof. Aug. Weismann namhafte \ertreter, wogegen zahlreiche andere .\iitoren (so nament- 
lich Aurivillius. Eimer, Piepers) sich in einem die Theorie widerlegenden Sinne ausgesprochen haben. =) 

W a r n u n g s-, K o ii t r a s t - u ii d S c h r c c k f a r b u ii g. 

Weitere (in ihrem Wesen nicht unbestrittene) Arten der Schutzfärbung bezwecken nicht eine t naiiffälligkeit 
des Tieres, sondern im Gegenteil einen recht wirksamen Sinneseindruck. 

Schon W a 1 1 a c e hat behauptet, daß es unter Umständen für eine Art von viel giußeiein \ orteil sein könne, 
sofort gesehen und erkannt zu werden, als verborgen zu bleiben, nämlich dann, wenn die .\rt auf andere Weise (z. B. 
durch Geschmackwidrigkeit) einen Schutz genießt, so daß ihre auffallende Färbung gleichsam als Warnung vor 
unnützen Angriffen dient. Charakteristisch für diese „W a r n u n g s f ä r b u n g" ist bei Faltern ihre gleichmäßige 
.Vusbildung auf Ober- und Unterseite aller Flügel, was namentlic^h unter den Tagl'altern bei den Danaiden, die 
wir bereits als Modelle mimetischer Nachahmung genannt haben, scharf ausgeprägt ist. Auch die heimischen 
Zygaenen scheinen eine solche Warnungsfärbung zur S<haii zu tragen. Häufiger als im Imaginalzustand treffen 
wir Warnungsfärbung bei Raupen an, wobei nur an die freilebenden und von weitem sichtbaren Raupen von 
D 'c i 1 e p h i 1 a e u p h o r b i a e, D i 1 o b a c a e r n I e o c e p h a I a und II y p o c r i t a j a c o b a e a e erinnert 
.sei. Zahlreiche Versuche haben ergeben, daß alle derart gefärbten Raupen von ihren natürlichen Feinden als 
Nahrung in der Regel zurückgewiesen werden. Stäubt man derartige buntgefärbte Raupen jedoch mit Mehl ein 
und wirft sie denselben \ ögeln vor. die sie gerade früher zurückgewiesen halien, so werden sie attaquierl, wenn 
auch nicht verzehrt, sobald ihr widerlicher Geschmack zu Tage tritt. 

Eine andere Art lebhafter Färbung der Hinterilügel tritt bei dachförmiger Flügelhallung kombiniert mit einer 
Schutzfärbung der \'fl namentlich bei der Eulengattnng C a t o c a I a (Ordensbänder) auf. Die grelle Färbung der 
Hfl wirkt hier als Kontrastfarbe, indem sie beim Auffliegen des Falters überrascht und dann wieder beim Niederlassen 
desselben, durch" rasches Verdecktwerden ein Verborgenbleiben des Falters erleichtert.-') 

Als letzte Art der Schutzfärbung .sei hier kurz die sog. S c h r e c k f ä r b u n g erwähnt, wie sie in besonders 
charakterisitischer Weise beim Abendpfauenauge (Smorinthus ocellata) beobachtet werden kann. In der Ruhestellung 
werden die den großen .Xiigenfleck tragen<len Hfl von den \'fl t)edeckl. Wird das Tier bemiruhigt, schiebt es die 

') Nicht auf Muuikry beruht die Ähnlichkeit der Säcke dcrPsychidengatlung Apterona mit Schneckengehäusen. 
Die aufgewundene Form dieser Säcke stellt vielmehr nur den Einfluß festsitzender Lebensweise dar (M a r t e n s, 
Sitzb. Ges. Naturfr. Berlin 1891 p. 79). 

-) .\us der außerordentlich großen Zahl einschlägiger Publikationen seien nur genannt: H a a s e (tnter- 
suchungen über Mimikry. Bibl. Zool. III. 8. 1893); Eimer (Orthogencsis 1897 p. 266—292): Poulton (Journ. 
Lin. Soc. Vol. 26 1898 p. 558—612 PI. ^lO— Vi: Tr. Eni. Soc. Lond. 1908 p. 447—188 PI. 25); Marsball (Tr. Ent. 
Soc. Lond. 1902 p. 287 — 584 PI. 9 — T.i): Weismaiin (X'orträge über Deszendenztheorie, Jena 1902 Bd. I p. 
103—133 faf. 1—3); Piepers (MimiiTV. Selektion und Darwinismus. Leiden 1903 und 1907); Werner (Biol. Z. 
Bl. 27 Bd. p. 174—185; 28. Bd. p. 567. .^^88): Schröder (Allg. Zeil.schr f. Ent. IX 1904 p. 281—297): Denso 
(Bull. Soc. Lep. Geneve I. p. 38—59): P r o c h n o w (Inl. Eni. Z. 1. .lahrg. p. 2 ff.). 

^1 Vgl. Sc h a posch n i k o v iI'.m.I. C. 111. .\\l\ p. r,\\\: Seh rode r di. \W p. 511: K usnezo w 
(ib. XWT p. 1161. 



A 44 KarliuiiK und Zeichnung. 

N'fl aufwiirts, woiJuich das Auj^e der IUI [»lulzlicli sehi- auflallig liervorlrilt, und nach den Xei-suchen von Prüf. 
Standfuß bei unerfahrenen Vögeln auch eine andauernde Schreckstimmung hervorruft.') 

Zuweilen wird auch den .Sugenfleckcn der Satnrniiden eine ähnliche Bedeutung beigelegt.^) 
S e X u a 1 d i c h r o i s m u s. 

Unaliluingig von den niannigrachen Verschiedenheiten im Bau beider Geschlechter (Geschlechtsorgane, Fühler, 
Flügelrückbildung beim 9> Duftschuppen usw.) tritt bei den F'altern häufig auch eine nach dem Geschlechle ver- 
schiedene, Färbung und Zeichnung auf. Zuweilen sind die geschlechtlichen Färbungsunterschiede sehr gering, inancli- 
mal aber sehr auffallend (Pieris-, Apalura-, Lycaenaarten, viele Lasiocampiden, Larentia fluviala Hb., Hepialus 
humuli usw.). In der Regel hat das (J eine lebhaftere, hellere Färbung gewonnen, die von Dar w i n als Lockfärbung 
beim Wettbewerb der cJ um ein ? aufgefaßt wurde (geschlechtliche Zuchtwahl). Direkte Beobachtungen haben jedoch 
die damit verbundene Annahme einer .Vuswahl des schöneren Gatten seitens des weiblichen Falters nicht bestätigt, 
ja bei vielen Tagfaltern treten die $ erst dann auf, wenn die (J die Schönheit ihres Farbenkleides bereits mehr oder 
weniger eingebüßt iial)en, so daß sie also niemals ganz zu dem gedacllten Zweck zur\\'irkung kommen könnte. Bereits 
W a I 1 a c e hat daher die .\nsicht vertreten, daß die schönere, lebhaftere Färbung der J durch ilie physiologi.sdi 
regere Natur dieses Geschlechtes bedingt .sei, wogegen das ruhigere, mehr schutzbedürftige V nieist dunkler gefärbt 
bleibt. Häufig zeigt das $ eine viel einfachere Färbung und vollständigere Zeichnung als das (J, so daß es dem ursprüng- 
lichen F'ärbungs- und Zeichnungstypus gewiß nälier kommt.') Zuweilen tritt beim $ die ursprünglichere Färbung 
nur mehr als Rückschlagsei-scheinung auf, wie es bei Argynnis paphia ab. $ valesina E s p. der 
Fall ist , wogegen die gewöhnliche Form des $ sich dem (J bereits stark in der Färbung genähert hat. 

Die bisher behandelten Färbungslypcn lassen sich nach dem psychologischen Effekt, der durcli sie erzielt 
werden soll, in nachstehender Weise gruppieren: 

I. N ich tau ff allen: 11. A ii f f a II c ii: 

1. Schutzfärbung 1. Warnungsfärbung 

a) sympathische Färbung -1. Kontrastfärbung 1 , , , . . , 
,, 1 1 .. i in.. , o c> 1. 1 r^ 1 tii'il ' ''• komlnmerl 

b) somatolytische I'arbung 3. Schreckfärbung | ' 

c) mimetische Färbung 4. Lockfärbung (Sexualdichroisnms). 

H o r a d i ni o r p h i s m u s ( H o r a d i c h r o i s m u s).') 
Wie nocli in dem .Abschnitte, der von den Lebensgevvohnheiten (Ökologie) handelt, des näheren besprochen 
werden soll, vollenden zahlreiche heimische Lepidopterenarten ihren Lebenszyklus zwei- oder selbst dreimal im .Jahre, 
beispielsweise so, daß die Falter im F'rühsommer und ihre Nachkommen in einer 2. Generation noch im Spätsommer 
wieder als Falter erscheinen. In der Regel weichen mm die verschiedenen Generationen derselben .\rt angeliörigen 
Falter in ihrer Färbung und Zeichnung (oft auch in Größe und Behaarung) voneinander ab, zuweilen so stark, daß 
sie für verschiedene Arten gehalten wurden. Ein klassisches, oft genanntes Beispiel in dieser Hinsicht bieten die 
beiden Generationen von .\raschnia levana, deren erste im Frühjahr fliegende, rotgelb gefärbte Generation auffallend 
verschieden ist 'von der schwarzbraunen, weißgebänderten Sommerform (vgl. Taf. 6 Fg. 5d und 5c). Weiters 
zeigen aber auch die beiden heimischen Papilioarten, die meisten Pieriden, manche Lycaenaarten, und unter den 
Geometriden die Codonia- und Eugoniaarten wie Lythria i)urpuraria, besonders deutliche Generationsunterschiede. 
^ Auch in Nordamerika und Japan, wo schärfere klimatische Gegensätze herrschen, sind sehr auffallende Fälle 
von Horadimorphismus bekannt geworden. Selbst in den Tropen der alten Welt hat man in den letzten Jahren zahl- 
reiche hierher gehörige Fälle, namentlich bei Pieriden (Terias, Teracolus) , Junonia und Precisarten und vielen 
Satyriden, konstatiert und sie als Formen der Trocken- und Regenzeit unterschieden. 

Charakteristisch für den Horadimorphismus ist. daß eine zyklische Veränderung der General ionen slallfindel, 
von denen eine (gewöhnlich die Wintergeneration) den ursprünglicheren Arttypus darstellt. Die auslösende l rsache 
für die Erscheiimng des Hoiadimorphismus ') bilden klimatische Einflüsse w'ährend des Pupj)enstadiums (näheres 
darüber im .Abschnitte: Experinn^ntalbiologie). 

Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Elemente der Färbung dem innenn Lebensprozeß ihr Dasein ver- 
danken, ferner, daß auch von äußeren Reizen fast unbeeinflußte Organe oft eine ausgesprochene Färbung zeigen, 

M Vgl. Japha (Zool. Jahrb. [Abt. Svst.] 27. Bd. 1909 p. 321—328 Taf. 12); Weismann (Naturw. 
Wochenschrift XXIV 1909 p. 721). 

«) Roomer (Zeitschr. f. Entom. 11 1908 p. 60). 

') Kenne! und Petersen haben in neuerer Zeit die entgegengesetzte .Ansicht vertreten und beispiels- 
weise behauptet, die ursprüngliche Färbung der Lycaeniden sei blau gewesen, und das 5 habe bei einzelnen Arten 
erst eine dunkle Schutzfärbung gewonnen (vd. Schrift. Naturf. Ges. Dorpat 1896; Mem. Ak. St. Petersb. 1900: Ent. 
Wochenbl. 2,5. Jhrg. p. 148). 

'] Die hier besprochene Erscheinung wurde früher meist mit dem unrichtig gebildeten Worte ,, Saisondimorphis- 
mus" bezeichnet. 

') Vgl. Weismann Saison-Dimoiphismus (Sind, zur Deszend. -Theorie 1, 187.')) u. Neue A'ersuche zum 
Saison-Dimorpliismus (Jena 1895); S e i t z (Biol. der Lep. I p. 332); Brande s (Zeitschr. f. .Naturw. <;»;. üd. p. 277): 
S t a n (I fuß ( Handb. p. 228) ; P a g e n s t e c h e r (geogr. Verbr. 1909 ]). VI ). 



SystiMU und staiiiiii«'S},'es(liiclitliclic HezioluiiiKßii. A 4."i 



wcnlf'u wir wohl die crsti-ii C.iuiullageii der Färbung und Zeichnuiig in physiologisclu'u Faktoren zu suchen haben. 
Sobald jedoch dieses Anfangsst.adiuni einmal gegeben war, bemächtigten sich sofort die äußeren Faktoren der weiteren 
Ausgestaltung der Färbungs- und Zeichnungsverhältnisse und schufen jene erstaunlichen Mannigfaltigkeiten, die 
uns oft entgegentreten. 

In diesem Sinne äußerte sich auch W e i s ni a n n ' i. indem er sagt: „Ich glaube, es läßt'sich sehr anschaulich 
nachweisen, daß der Schmelterlingsflügel eine Tafel ist, auf der die Natur alles niedergeschrieben hat, was ihr für 
die Erhaltung ihrer Geschöpfe förderlich ersciiien ... Es ist oft eine sehr wirre Handschrift, wohl aus verschiedenen 
Jalirtausenden stammend, denn eine jede der heutigen .Ai-ten erbte die Muster einer Stammart und diese wieder die 
Muster einer noch älteren Art, der Flügel war also schon bei ihrer Entsteluing längst keine tabula rasa mehr, sondern 
ein eng und vollgeschriebenes Blatt, auf dem Neues nur Platz fand, wenn ein Teil des Alten ausgelöscht wiirde. Ein 
anderer Teil blieb oder wurde nur schwach verändert und so entstand in vielen Fällen eine Zeichnung von fast un- 
entwirrbarer \'erwickeltheit." 

V. System und stammesgeschichtliche Beziehungen. 

liereits im ersten .M)sc.hnittc windi' das Wesen der Systematik kurz, rrlanlcrl. Ohne vorderhand auf eine 
historische Darstellung dei'selbm auf ilmi Gebiete der Lepidopterologie einzugehen, die einem späteren Abschnitt 
vorbehalten bleibt, sollen hier nui- die wiclitigslen Gesichtspunkte hervorgehoben werden, welche gegenwärtig in der' 
Systematik der Lepidoptereri vorherrschen. Wie überall auf den Gebieten der organischen Naturwissenschaften 
hat sich nämlich auch hier die Abstammungslehre l$ahn gebrochen und man sucht nunmehr auch im System der 
Lepidopteren die stammesgeschichtliche \'erwandtschaft (Blutsverwandtschaft) zum Ausdrucke zu bringen. .Als 
direkte Quelle für die Einsicht in den Stammbaum kommen fossile Reste, welche früheren Erdperioden angehören, 
bei Lepidopteren in noch viel geringerem Ausmaße in Frage als es bei anderen Insektenordnungen der Fall ist. Die- 
selben sind nämlich hier äußerst spärlich (vgl. später) und gewähren nur in ganz wenigen Fällen einen Einblick, wie 
die Differenzierung gegenwärtig herrschender (rezenter) Formen erfolgt ist. Es verbleibt demnach als Quelle für 
stammesgeschichtliche Erkenntnisse nur die Morphologie (d. h. die vergleichende Gestaltsichre in der Anatomie 
und Entwicklungsgeschichte), die uns Einblick darüber verschafft, welchen stammesgeschichtlichen Entwicklungs- 
gang jedes einzelne Organ genommen hat. Auf diese Weise gelangt man zur Unterscheidung ursprünglicher (allge- 
meiner, primärer) und davon abgeleiteter (sekundärer, spezialisierter) Charaktere. Nach dem Vorherrschen ursprüng- 
licher oder spezialisierter Merkmale ergibt sich der Abstand der Formen von einem gemeinsamen ursprünglichen Typus 
und darnach auch die systematische Stellung. Je weiter die Divergenz zweier Formen ist, in eine desto höhere Kate- 
gorie wird jede derselben einzustellen sein. Formen, die beispielsweise noch in allen wesentlichen organischen Merk- 
malen übereinstimmen, sich aber doch schon im Habitus, in der Färbung und den Geschlechtsteilen unterscheiden, 
werden als verschiedene Arten in einer Gattung belassen. Liegt ein wesentlicher Unterschied in anderen orga- 
nischen Merkmalen, z. B. der Kopfbildung oder im Geäder vor, aber nicht so weit, daß nicht ein naher gemeinsamer 
Typus zu erkennen wäre, wird man die Arten in verschiedene Gattungen derselben Familie stellen. Lassen die 
Unterschiede schließlich weitergehende stamme.sgeschichtliche Verschiedenheiten im Bauplan erkennen, wird man 
N'ertreter verschiedener Familien vor sich haben. 

Hiebei sei bemerkt, daß nicht alle Organe auf gleicher Organisationsstul'e stellen müssen, das heißt, es kommt 
sehr häufig vor. daß beispielsweise nur einige Organe einen ursprünglichen Typus bewahrt haben, andere hingegen 
hoch speziahsiert erscheinen. So sind die Hcpialiden in vielen .Alerkmalen sehr ursprünglich organisiert, besitzen 
aber spezialisierte (rückgebildetc) Mundteile. Nach dem Wert, den man den einzelnen Organen für die Beurteilung 
der stammesgfschichtlichen Verwandtschaft beilegt, wird sich die systematische Stellung bestimmen. Unter allen 
Merkmalen hat sich das Flügelgeäder als dasjenige erwiesen, welches die beste Einsicht in di.- Blutsverwandtschaft 
der Formen gewährt, da es in vieler Beziehung sehi' konstant und der Anpassung nicht direkt imterworfen ist. Es 
nimmt daher als Trennungsmerkmal (taxonomisch) den ersten Platz ein. Daneben dürfen aber selbstredend auch 
die anderen organischen Merkmale nicht unberücksichtigt bleiben, ja selbst den Entwicklungsstadien kann ein 
hoher systematischer Wert zukommen. Bemerkt sei noch, daß die Spezialisierung der Organe in der Regel auf eine 
Vereinfachung (oder Verringerung) ursprünglich komplizierter gebaut gewesener Organe hinausläuft. 

So ist beispielsweise nicht das adernreichste Geäder das spezialisierteste, sondern im Gegenteil das adernärmste. 
Die Entwicklung (Spezialisierung) geht nämlich auf eine Vereinfachung (Reduktion) der Adern, nicht aber auf eine 
N'ermehrung denselben. Nur vom adernreichen Geäder läßt sich das adernarme ableiten, aber nicht umgekehrt. 

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend finden wir, daß bei den Lepidopteren nur ganz wenige Familien einen 
sehr ursjirünglichen Typus bewahrt haben, der vor allem in einer großen Vollständigkeit des Geäders, das in gleicher 
.\dernzahl aufVfl und Hfl auftritt, besteht, wozu nochdie Verbindung von Vfl und Hfl durch einen Haftlappen (jugum) 
kommt. Es sind dies die bereits mehrmals erwähnten Familien der H e p i a 1 i d e n, E r i o c r a n i i d e n und 
.M i cro p t e ry gi d e n, die zusammen von Co ms lock als Jugatae bezeichnet wurden. Hievon sind die 
Micropterygiden und Hepialiden die ursprünglichsten, von lieren \orfahren sich auch die Eriocraniiden ableiten lassen. 

') Germiiial Selektion IS'.iC p. 7 ff. 



A 46 System und stainmi'sgesclnchlliclie Hezielumgen. 



Allf iibri(,'cn Leiiidoptoreiiramilioii 7.cit;en eiin' weitgehende Reduktion des Radialadernsyslems der 
liri tiriil i'inc \'erl)indung von \fl und Uli diiic li eine Haftborslo (frenulum), oder nach Rückbildiin},' 
derselben durch ein voi^springondes Koslidfeld ilii- IUI. Sie werden als Frenatae bezeichnet. Innerhalb 
letzterer erscheinen die T i n e i d e n und T o r l r i e i d e n und unter den Großschmetterlingen die C o s s i d c n, 
S e s i i d e n, P s y c h i d e n, C o c h 1 i d i d e n, Z y g a e n i d e n und H e t e r o g y n i d e n am ursprünglichsten 
rirganisiert. da bei ihnen in der Regel der Längsstamm der Medialader erhalten geblieben ist, daher die Mitlelzelle 
„geteilt" erscheint, und auch die Hfl noch 3 Innenraadsadtrn besitzen. Sie sind auch durch einen inkompleten Puppen- 
typns (vgl. vorne p. ;!8) als ursprüngliche Formen charakterisiert. Eine weitere Stufe der Entwicklung drückt sich in 
dem Xei'halten der Radialüste der \fl aus. Ein Ilinaufrücken derselben gegen den Vorderrand, wiil)ei häufig eine 
He<iuklion in ihrer Zahl erfolgt und die .sonst eine Mittelstellung einnehmende Ader Mj ebenfalls aufwärts gegen die 
Hadialäste rückt, bezeichnet eine höhere Spezialisierung. Darnach unterscheiden sich die Heterocerenfamilien der 
N o t o d o n t i d c n, S a t u r n i i d c n, L e m o n i i <1 e n, C y m a t o p h o r i d e n und G c o m e t r i d e n 
wesentlich von den L y m a n t r i i d e n. I, a s i o c a m |) i d e n, N o c l u i d c n und A r c l i i d e n. Die S y n- 
t o m i d c n stellen in der weilgehenden Reduktion der Hfl eine Spezialisierung des Arctiidenlypus dar, die T h y r i- 
d i d e n haben .sehr nahe Beziehungen zu den Pyraliden.') Die S j) h i n g i d e n sind eine hochspezialisierte Familie, 
die wahrscheinlich in den Ceralocampiden und Xotodonliden die nächsten \'erwandten besitzt. Desgleichen sind 
auch die R h o p a 1 o c e r e n (s. 1.) die Endglieder einer Entwicklungsreihe, die sich wahrscheinlich direkt von Pyra- 
liden ähnlichen \orfahren ableitet. Keinenfalls können die II e s j) e i- i i d v n als in der \ orialirensreihe der übrigen 
Rhopalocerenfamilien gelegen aufgefaßt werden. 

Da die systematischen Kategorien, namentlich auch die Fannlienbegrifl'e, eine Anzahl von .Merkmalen ent- 
halten, welche der rezenten Spezialisierung ent.sprechen, läßt sich mit ihnen auch kein Stammbaum im genealogischen 
Sinne konstruieren. Keine rezente Form kann als der unverändert gebliebene Vorfahrenstypus einer anderen rezenten 
angesehen werden, überall haben wir es mit zeitlichen Parallelformen zu tun, die jedoch eine .sehr ungleiche Höhe 
der Spezialisierung erworben haben. Die nähere oder entferntere stammesgeschichtliche \erwandt.schaft läßt sich 
erst nacJi Eliminierung der jüngst spezialisierten .Alerkmale und Hervorheben der ursprünglichen Charaktere, also 
mit Erweiterung der systematischen Diagnosen, erkennen. 

In diesem Sinne sind auch die Nerwandtschaftsbeziehungcn in nachstehender Tabelle (p. A 'i7) graphi.sch 
zum Ausdrucke gebracht, wobei der Vollständigkeil halber alle hervorragenden Lepidopterenfamilien, auch wenn 
sie in der europäischen Fauna ni<ht vertreten sind, Berücksichtigung fanden. 

Nur auf dem Wege der Eliminierung rezenter .Merkmale können wir auch das Bild eines trlepidopleron (Proto- 
lepidoi)tera) rekonstruieren und dann die weitere Frage zu beantworten suchen, mit welchen anderiMi Insektenord- 
nungen die Lepidopteren am nächsten verwandt erscheinen. 

Nach den in den .Mxschnitten über die Organisation und Entwicklungsgeschichte gemachten .\ndeutungen 
über den Entwicklungsweg der einzelnen Organe besieht kein Zweifel, daß bei den Protolepidopteren die Fühler 
ui'sprünglich kurz, fadenförmig und unbeschuppt waren. Beiderlei .\ngenformen waren bereits vertreten. Die 
Facetlenaugen waren mäßig groß, nackt. Die Mundleile wiesen noch kaufähige, gezähnte Mandibeln, eine vollständige 
erete Maxille mit niehrgliedrigeni (Sgliedrigem) Taster auf, die Basalteile der Unterlippe waren bereits verschmolzen, 
mit dreigliedrigem Taster. Der Thorax bestand aus S bereits unbeweglich miteinander verbundenen Segmenten, 
von denen Meso- und Melalhorax gleich stark waren. Schullerdecken waren bereits vorhanden. Die Beinpaare waren 
/lemlii li kurz, gleich gestallet, mit geteiltem Hüftstück und fünfgliedrigem Tarsus. Die Flügel waren ganzrandig, 
\ fl und Hfl gleichgestaltel und gleich reich geädert, durch einen llaftlappen (jugum) miteinander verbunden. Das 
liadialsystem war auf beiden Flügeln Säslig, alle Längsstäninie und 3 — i Innenrandsadern waren vorhanden. Der 
llinteiieib bestand aus Kl Segmenten, von denen das erste jedoch keine chilinisierle \'entralplatte mehr besaß. Die 
llaulbekleidung wies zweierlei Arteii von Haaren auf: feine, fest mit der Culicula verbuiuiene Ilaare inid solche, 
wi'l<he in einem Chilinrjng iiiseriert sind. Aus letzterem entwickelten sich dur.li Flächenvergn)Bennig und späterer 
Pigmenlablagerung die Schuppen. \'on den inneren Organen besaß der Darm nur eine ungestielle, kropfarlige Er- 
weiterung (Vormagen). Es waren jederseits 3 Malpighische Gefäße mit gemeinsamem .\usführungsgang und im Nerven- 
system waren 3 getrennte, thorakale imd .5 bis 7 abdominale Ganglien vorhanden. Die Hoden waren paarig, vier- 
lappig, die Ovarien besaßen 4 Eiröhren und einen gemeinsamen Ausführungsgang, der auch Begallimgsgang war. 
Kitldrüsen haben gefehlt. \on den Entwicklimgsstadien waren die Eier klein, dotterarm. kaum skulpturiert und 
gehörten der Flachform an. Die Larven waren homonom segmentiert, mit vollständigen beißenden Mtmdleilen, 
3 Brustbeinen und 7 — 8 Paar sekundären Bauchbeinen. Die Nymphe dünnhäutig, freigliedrig. mit durchaus frei 
beweglichen Segmenten. 

Die Urlepidoptercn waren Landinsekten mit wahrscheinlich endophager Lebensweise der Larven und voll- 
ständiger Verwandlung. Es dürften Dämmerungsfalter mit geringem Flugvermögen und kur/.er Lebensdauer ge- 
wesen sein. Die Eiablage erfolgte ohne besondere Auswahl eines dafür geeigneten Ortes. 

Wenn wir mit Zugrundelegung die.ses Bildes Umschau unter den anderen Insektenordnungen hallen, so treten 
uns vor allem die T r i c h o p t e r e n (Phryganiden) und dann auch dii' I' a n n r ji a t e n als jene Ordnungen ent- 
gegen, welche in ihren verallgemeinerten Charakteren die gr()ßte Veiwandtsi IkHI iüiI den Protolepidopteren besitzen. 

') .Näheres in den [''amiliendiagnosen des besonderen Teiles. 



SysUiin iiiui slaiumesgescliichlliclic HcziehuiiKeii. 



A 47 



Der ganze Typus des Geäders. der HafUappen, die goleilten Ilüftslücke der Beine, die zweierlei Kdrin der llaul- 
bekleidung, die Zahl der malpighischen (lefäße ist bei Trichopteren und Lepidopteren die gleiche. Ja .selbst die 
starken Mandibeln der Triehopterennymphe finden sich noch bei der Jugatenfamilie der Eriocraniiden. Es besteht 
daher kein Zweifel, daß Lef)idopleren und Trichopteren einen gemeinsamen Ursprung hatten, sich aber bald, nament- 
lich auch in den Mundteilen und dem vorherrschenden I.arventypus, differenzierten, welch letzlerer bei Trichopteren 



Verwandtschaftstabelle der Lepidopterenfamilien. 




üepialidae 

Micropterygidae 

Erioeraniidae 

Adelidae 

Tineidae (s. I.) 

P.sychidae 

-Megalopygidae 

Cochlididae 

Zygacnidac 

Helerogynidao 

Tinaegeriidae 

Sesiidae 

Tortricidae 

Cossidae 

Castniidae 

.A.rctiidae 

Syntomidae 

Nolidae 

Chloephoridae 

Sarrothripidae 

Xoctuidac 

Agaristidac 

Brephidae 

Epiplemidae 

Uraniidae 

Geomelridae 

Cymatophoridae 

Callidulidae 

Drepanidae 

Notodontidae 

Thaumetopoöidae 

Lymantriidae 

Lcmoniidae 

Lasiocampidae 

Ceratocampidae 

Salurniidae 

Brahmaeidae 

Bombycidae 

Sphingidae 

Omeodidae 

Plerophoridae 

Pyralidae 

Thyrididae 

Hesperiidae 

Lycaenidae 

Erycinidae 

Libytheidae 

Nymplialidae 

Pieridae 

Papilionidac 



A 'j8 Fossile Lepidopteren. 



fast ausschließlicli dem Wasserlebeii angepaßt ist, wogegen bei Lepidopteren nur ganz ausnahmsweise eine sekundäre 
Anpassung von Larven au den Aufenthalt im Wasser erfolgte, welcher Erscheinung demnach hier keinerlei stammes- 
geschichllichc Bedeutung zukommt. 

An die P a n o r p a t e n , die mit den Trichopteren nahe Verwandtschaft aufweisen, erinnert iu auffallend 
weitgehender Weise die so abweichend gebaute Larve von Micropteryx, so daß auch hier stammesgescliii-htliche 
Heziehimgen anzunehmen sind.') 



VI. Fossile Lepidopteren. 

I»it> ICrdkruste entliält in ihren Ablag.Tungiii bekaimllich zahlreiche Hoste und Spuren von Lebewesen, welche 
in früheren geologi.schen Perioden gelebt haben. Solche erhaltene Reste werden Fossilien genannt und die Wissen- 
schaft, die sich mit ihnen befaßt, Paläontologie (Paläozoologie, Paläophytologie). Die Fossilien stellen meist nur die 
Form (Abdruck, Ausfüllung usw.) der Organismen, diese aber oft mit genauen Details dar, wogegen deren organische 
Substanz in der Regel ganz verschwiinden ist und durch anorganische ersetzt (petrifiziert) wurde. „Fossil" bezeichnet 
also einerseits den Erhaltungszustand (meist als Petrefakt), andererseits aber auch den Gegensatz zu der heute vor- 
handenen sogenannten „rezenten" Organismenwelt. Die Fauna früherer Erdperioden war nämlich von jener der 
Gegenwart vielfach sehr ver.schieden und zwar war die N'erschiodenheit im allgemeinen uin.so größer, je weiter ziu'ück- 
liegend eine iu Frage stehende Formation ist.=) .Außer der Einbettung in rasch erfolgende .\blagerungen (Sedimenten), 
die in der Regel an Rändern von Seebecken erfolgte, können sehr kleine Organismen, uanientlich kleine Insekten, auch 
durch Einschließung in Bernstein erhalten geblieben .sein. Die Bernsteinfichle (Pinussuccinifer), deren fossiles Harz 
deti Bernstein bildet, wuchs zu Beginn dei' Tertiärzeit (Oligocän) in ausgedehnten, dichten Beständen'uamentlich 
an den nördlichen Küsten Europas. Diese .Xrt der Konservierung bietet den Vorteil, daß in der Regel das ganze 
Insekt mit allen seinen Körperteilen, nur in ganz durchsichtigem Zustande, vorliegt. Eine analoge Art der Kon- 
.sei'vierung, welche aber mehr der Neuzeit angehört, ist jene in (afrikanischem) Kojjal. 

Die ältesten Insekten wurden bisher aus der Carbonformation bekannt und gehören demnach zu den ältesten 
Landtieren überhaupt. Es waren meist sehr große amphibiotische Formen, die sich mit keiner der heule lebenden 
Insektenordnungen vereinen lassen und als P a 1 a e o d i c t y o p t e r e n bezeichnet werden. 

Die ältesten Reste, die als Lepidopteren gedeutet werden, stammen aus der Juraformation (Dogger, 
Malm) und wurden zur Familie der P a 1 a e o n l i n i d a e vereint, die sich durch einen sehr robusten, kurzen Körper, 
sehr breiten Thorax und ausnehmend kleinen Kopf auszeichnet. Die Vfl waren gestreckt und beträchtlich länger 
als die kleinen Hfl. Das Radialsystem der \n zeigte 4 — 5 Äste, die Media, deren Längsstamm erhalten blieb, war 
.lästig, der Cubitus scheinbar ebenfalls 3ästig. Der obere Teil der durch Queradern geschlossenen Mittelzelle war viel 
schmäler als der untere. 1 — 2 Analadern sind vorhanden. Das (unvollständig bekannte) Geäder der Hfl soll einen 
2 ästigen Radius, eine einfache Media, einen 2 ästigen Cubitus und keine Queradern besessen haben. Bei einigen 
von den 12 hierher gezogenen Funden sind die Schuppen noch zu erkennen. Der .\dernverlauf gleicht in mancher 
Beziehung (namentlich in dem .Sästigen Cubitus der Vfl) dem Trachecnvcrlauf im Xymphcnflügel rezenter Lepidop- 
teren. Die Formen werden habituell mit den Cochlididen (Limacodiden) verglichen. Die Fundstellen dieser Fossilien 
liegen in England, Spanien, Bayern (Eichstält, lithogr. Kalk, Malm) und Ostsibirien. Die besterhaltenen, hierlier 
gehörigen Formen sind Palaeontina oohtica Butl. (Fg. 69), Phragmatoecites dainesi Oppenh., Palaeocossus jura.ssicus 
Oppenh., Limacodites mesozoicus Handl. (Fg. 70), Protopsyche braueri Handl., Archipsyche eichstättensis Handl., 
Prolyslra lithographica Oppenh. und Eocicada lameerei Handl. (Fg. 71). 

Für die Stammesgeschichte haben die Palaeontinidae (ihre Lepidopterennatur vorausgesetzt) insoferne nicht 
jene Bedeutung, die ihnen nach dem hohen geologischen .\lter zukommen sollte, als .sie nicht in der direkten ^'or- 
fahrensreihe einer der rezenten Lepidopterenfamilie liegend angesehen wenlen können. Dem widerspricht namenl- 
ich im Geäder der Hfl die hohe Spezialisierung des Medial.systemes. 

') .\n einschlägiger wichtigster Literatur zu diesem Abschnitt ist zu vergleiclien : C li a p ni a n (Eni. Rec. \ 
p. 2.'), Tr. Ent. Soc. 1896 p. 507 [Puppe]: ib. p. 576 [Ei]); Comslock (Evolution and Taxonomv 189.S; The Venation 
of Ihe wings of Insecls, Ilhaca 1895): D y a r (Eni. Rec. IX p. 136: Ann. N. J. Ac. Sc. VIII 1894 p. 194; Americ. 
Natural. Vol. 29 p. 1066 [Larve]); Gro to (Journ. .N. J. Eni. Soc. V 1897 p. 151, VI p. 9: Schmetterlingsfauna von 
Hildesheim); H a m p s o n (Ann. & Mag. [6] Vol. 14 p. 254); II a n d 1 i r s c h (Foss. Ins. p. 1253—58): K a r s c h 
(Eni. Nachtr. XXIV p. 296): Kellog (Americ. Natural. Vol. 29 p. 709; Kansas Univ. Qual. LawT. Vol. 3 p. 45 PI. 9, 
10 [Schuppen]): P a c k a r d (Ann. Natural. Vol. 29 p. 636, 788; Zool. Anz. 1895 p. 228; Monogr. Bombvc. Moths I 
1895); Petersen (Allg. Eni. Zeitschr. VII p. 500, 534); R e b e 1 (Iris XI p. 377); Speyer (Stell! e. Z. 1869 
p. 400: 1870 p. 202); S p u 1 c r (Zool. Jahrb. [Abt. Syst.] VI p. 465 PI. 22—23): T u 1 1 (Ent. Rec. VIll p. 25: IX 
p. 194; Tr. Ent. Soc. Lond. 1895 p. 343; Bril. Lep. I p. 1, 102). 

*) Man unterscheidet nach dem geologischen Alter in der Regel bekanntlich fünf Erdperioden: a) archai.sche 
Periode (Urgebirge mit ganz geringen Resten von Lebewesen (Radiolarien usw.); b) paläozoische Periode (Altertum 
der Erde mit Silur-, Devon-, Carbon- und Perm-Formalion); c) mesozoische Periode (Mittelalter der Erde mit Trias-, 
Lias-, Jura- und Kreideformation); d) känozoische Periode (Tertiärzeit oder Neuzeil der Erde mit Eocän, Oligocän, 
Miocän und Pliocän): e) Quartärzeit (Pleistocän), welche durch das Diluvium (Eiszeiten) den Übergang zur Gegen- 
wart vermittelt. 



l'Vjssiie Li'|ii(l()ptereii. 



A 4!) 



Was die Lepidoptoiviircsti. aus .ler T ,■ r t i ;l .zeit anbelangt, so lassen sich dieselben ausnahmslos in die 
auch heute bestehenden Familien einreihen. Der sehr mangelhafte Erhaltungszustand namentlich der meisten 
Heterocerenresle verhindert aber auch hier eine volle Auswertung des Materiales. Die wichtigsten Fundorte für fossile 
Lepidopteren aus der Tertiärzeit sind in der Eocanformatiori <lie Insel Wight (England), Aix in der Provence und Floris- 
sant in Colorado, für die Miociinformation Hadoboj in Kroatien, Gabbro in Norditalien, Hott in Uheinprcußen und 
Oeningen in Baden. — Aus der Postglacialzeit fehlen bisher vollständig Einschlüsse von -Lepidopterenresten. 

\"on den Jugatenfamilien ist keinerlei fossiler Fund vorhanden. \on sonstigen Ileteroceren sind 
namentlich Ti neiden (s. l.i und T o r t r i c i d e n im 'preußischen Bernstein in Anzahl vertreten. Wie 
jedoch in der Gegenwart in di, hlen Xadelholzwäldern die Lepidopterenfauna arienarm und gleichförmig ist, so war 



Fg. A 




es zweifellcis aucli iji 
den altterliären Wäl- 
dern der Bernsteinfichte 
der Fall. Auch P s y- 
c hi d e n- (und Ti n e- 
i d 6 n) -s ä c k e wur- 
den mehrfach in Bern- 
stein und auch in den 
Schiefern von Oeningen 
gefunden. Von N o c- 
t u i d e n und A r c- 
t i i d e n sind wenige 
Reste von Hadoboj und 
Gabbro bekannt ge- 
worden. \'on (J e o - 
in e t r i d e n hat But- 
ler (1889) ein ausge- 
zeichnet'erhaltenes Fos- 
sil aus den Eocän- 
schichten der Insel 
Wight als L i t h o- 
p e r i i d e n sind 2 Gattungen mit 



■•M 
Utes mesuzüicus Handl, 
Handlirsch). .M .Meriia. 



psyche') antiqua 
beschrieben, welches der 
Subfamilie der Eusche- 
miinen angehört. Sonst 
sind noch einige Geo- 
metriden von Rado- 
boj, Aix und aus dem 
Bernstein bekannt. An 
S p h i n g i d e n wurde 
eine Macroglos.sa ähn- 
liclie Raupe in Oening' n 
gefunden. 

Ungleich besser als 
die Heteroceren sind die 
I { hopaloceren - FamiHen 
m Tertiärfossilien ver- 
treten. Von H e s • 



Arten bekannt, von Lycaeniden eine (von Gabbro), von Libytheiden 
zwei sichere Gattungen (Prolibythca, Barbarolhea) aus Fiorissanl. Letzlere Familie war zweifellos im Tertiär 
reicher vertreten als in der (legenwart. Die N" y m p h a 1 i d o n sind relativ am besten vertreten und zwar 
durch die Subfamilien der Nyniphalinen mit 7 Gattungen (davon fi von Flori.ssant) und die Satyrinen mit 
:i Gattungen. Die hervorragendsten Formen sind Prodryas persephone Scudd. von Florissant (zunächst der 
rezenten neotropischen Gattung Hypanartia Hb.), die zu den best erhaltenen fossilen Lepidopteren gehört, da 
der Psalter vollständig ausgebreitet mit allen Details erhalten blieb, die selbst die Schuppenform erkennen lassen, 
ferner E u g o n i a (Vanessa) a t a v a Charp. von Radoboj und die Satyrine Neorinopis sepulta B. 

Von den P i e r i d e n sind 4 Gattungen mit je einer Art bekannt gew'orden, darunter M y 1 o t h r i t e s 
|) 1 u t o Heer von Radoboj, die durch zahlreiclie l^eproduktionen allgemein bekannt wurde. Die dunklen Fl besaßen 
eine helle Saumbinde, in der zwischen den Adern dunkle Punkte lagen. 

Die P a p i 1 i o n i d e n sind mit 2 Gattungen (und ebensovielen Arten) vertreten, welche beide als Übergangs- 
formen bezw. Vorläufer rezenter Gattungen ein hohes Interesse beanspruchen ; es sind dies T h a i l e s r u m i n i a n a 
Heer von Aix und Dorititcs bosniaskii Rbl. von Gabbro (vgl. Fg. 72). Letzteres Fossil ist besonders gut 
erhalten und besaß bei allgemeinem Habitus von Parnassius noch einen 5ästigen Radius der Vfl. 

') Da der Name Lithopsyche bereits früher (1883) durch Scudder vergeben wurde, wird der Name C a 1 o - 
s p i 1 i t i s (nach der Ähnlichkeit mit Calospila HG.) in \'orschlag gebra, hl (Rbl.). 

n e r K I- - H Ol) n 1 , SilimitlerlinRshiidi. A 7 



A 50 Lebensweise. 




Fassen wir die allgcMiPincn Ucsullate über Lepiiiopteren ans der Tertiär/.eil zusammen, so muß vor allem 
die außerordenlliche Selteidieit fossiler Lepidopterenreste aultallen. Auf viele Tausende von Terliürinsekten entfallen 

kaum mehr als 'lO Lepidoplereii. was nicht allein in der Schwierigkeit 

i'B- A "■-■ der Konsorvierungsbedingungen, sondern auch in einer damaligen 

^ Selteidieit von \erlretein dieser Ordnung zu suchen ist. Sehr be- 

V■■».^J- • ' ' — --« ■'. merkenswert ist ferner, daß sämtliche Funde nicht bloß der Art, 

>-- ^HW^ ^ sondern auch der Gattung nach von den rezenten Formen verschieden 

sind, sich aber alle (wie bereits bemerkt) in heute bestehende Familien 
einreihen lassen. Die Differenzierung in den Familiencharakteren hat 
bei l.ei)idopteren demnach aller Wahrscheinlichkeit nach seit der 
Tertiärzeil keine wesentlichen Fortschritte gemacht und muß bereits 
jj gegen I-^nde der mesozoischen Zeil erfolgt sein. Gattungen und Arten 
haben sich aber seither vollständig verändert, was mit den weit- 
gehenden klimatischen Umwälzungen in inimittelbarem Zusammen- 
hange stellt. N'iele der tertiären Tagfalter aus Europa besaßen näm- 
lich ein tropisches Gepräge und haben ihre iiächstverwandten Gattungen 
Dimiitfs iiosniaskii liw. (nach Ri'iiei). heute iioch in den altweltlichen Tropen. Jedenfalls gehören die Lepi- 

doptereii zu den jüngsten Insektenordnuiigen, deren anfänglich rasch 
vor sich gehende nifforonzieruiig vielladi gleichen Schritt mit jener der hdhcrn Phanerogainen (Blutenpflanzen) 
gehalten hat.M 



VII. Lebensweise (Oekologie). 

Im uachsteheudc-n wird eine gedrängte ( bri>ii lit iiljcr die wiclitigslen Krsclic-iiniiigcn der Lebensrüliruiig und 
Lebcnsgewohnheiten bei Lepidopteren in ihren verschiedenen lintwicklungsstadien gegeben werden, wobei einige 
Tatsachen auch nach anderen Gesicht-spunkten Erwähnung finden sollen. Gewöhnlich werden diese Erscheinungen 
<ler Lebensgewohnheiteii mit dem nicht zutreffenden Worte ,, Biologie" bezeichnet, worunter aber die Gesamtheit 
der Wechselbeziehungen bestimmtei- Organismen zueinander und zur .\ußenwelt zu vei-stelien ist. Besser ist 
hiefür der .\usilruck ..Ökologie". Letztere bildet stuiach nur einen sehr kleinen Teil der Hinlogie. 

a) R a u p e n s t a d i u m. 

Die erste Handlung der jungen Raupe nach Verlassen der EihüUe besteht meist darin, daß sie die Dotterreste, 
die sich zwischen den abgestreiften Embryonalhülleii finden, verzehrt, so daß nur das Chorion als ein hyalines Gebilde 
übrig bleibt. Raupen mit verborgener Lebensweise beginnen .sofort mit dem .Vufsuchen der ihnen zusagenden Nah- 
rnng.sstelle. indem sie sich in die Futterpflanze tiefer einbohren oder sonst verbergen. Die jungen Raupen der 
P.sychiden gehen sogleich an die .Anfertigung eines kleinen Sackes (Schutzhülle), zu dem sie das Material meist 
dem mütterlichen Sack entnehmen, der auch den Eiern als Schutzhülle gedient hat. Bei freilebenden Raupen tritt 
nach Verlassen der Eihüllen oft eine mehrtägige, wesentlich von den Temperalnrverhältnis.sen beeinflußte Ruhepause 
ein, in welcher die jungen Räupchen gesellig an einer geschützten Stelle versammelt bleiben (..Spiegeln" der N'onnen- 
raupc und anderer), bis sie die Xahrungsplätze aufsuchen. Im allgenieinen herrscht namentlich bei jungen Raupen 
ein großes Schutzbedürfnis vor. Dieses Schutzbedürfnis führt dazu, daß selbst bei freier Lebensweise manche Raupen 
sich in Schutzhüllen wenigstens für die Zeit der Ruhe zurückziehen. .-Vis solche Schutzhüllen kommen bei gesellig 
lebenden Raupen gemeinsame Gespinste (Nester) in Betracht, bei einzeln lebenden Raii])en aber ziisaminengeroUlc 
Hlattstücke, sog. Blattrollen, wie beispielsweise auch bei den Raupen der Limenitisarten,'-) oder .schlauchartige Ge- 
spinste (Thalpochares) oder tragbare, mit Pflanzenabfällen bekleidete, lockere Hüllen, (Geometridengattiing Einhlnris). 
die sich bei den Psychiden zu festen, oft nur mit Sand bekleideten Röhrcnsäcken ausgebildet haben. 

Bei freilebenden Raupen spielt die S p i n n d r ü s c eine sehr große Rolle, <lie nicht bloß die .ViilVitigung von 
dauernden oder vorübergehenden Schutzhüllen, .sondern oft auch ein Aufsteigen an Stämmen, inler ein Herablassen 
einer baumbewohnenden Raupe zur Erde mittelst eines Gespinstfadens ermöglicht. 

Die Raupen weitaus der meisten heimischen Schmetterlinge sind phytophag, das heißt auf eine vegetabilische 
Nahrung angewiesen, relativ wenige Gattungen und .Vrten nehmen tierische Produkte oder sonstige organi.sche Reste 
:ds Nahrnng oder sind karnivor. 

') .\n wichtigster Literatur v.n diesem Atjschnitl seien außer H a n d I i r s c h' neuem umfa.sseudem Handbuch 
der fossilen Insekten (Leipzig 190»— 1<.»08) (daraus insbesondere p. 618—628 Taf. 4'.l, 50, p. 920—928, p. 116,". und 
1176) noch genannt: S c u d d e r, Fossil Butterflies (1875); The fossil Butterflies of Floris.sant (1889); O p p e n- 
h p i m (Berl. e. Zeitschr. 29. Bd. p. :):il— :i'i9 Taf. 10—12); R e b e 1 (Sitzb. K. Ak. d. Wis.s. Wien 1898 p. 7.31—74.^, 
Taf. 1); Grote (Verh. zool. bot. Ges. 1901 p. 6.',,'',— 661): Cockerell (Canad. Entomol. 1007 p. 361 PI. 10; ib. 
p. 187 n. 4'i6). — Über Bernsteinleiüdopteren Menge (Progr. Petrischiile D;uizig [1856]), über Kopalschmett. 
Evers (Ent. JahHi. Kranch. 1907 p. 129). 

») Vgl. Bauer (Biol. C. Bl. .XXIII 1903 p. 515—519 Fg.). 



Lebensweise. A ,"il 



Bei den ph3tophagcn Arten unterscheidet man meist zwisthen mono- oder oligophagen nnd poly- odei [..iicl..- 
phagen Arten. Erstere sind anf e i n e, der Art, oder wenigstens der Gattung nach bestimmte Futterpflanze beschränkt. 
Die polyphagen Raupen nehmen auch Futterpflanzen verschiedener Pflanzenfainilien nebeneinander als Nahrung. 
Die pantophagen verzehren so ziemlich alles Vegetabilische. In der Hegel verl)leibt eine Raupe bei jener Pflanzcnart, 
die sie zuer.«!! als Nahrung erwählt hat, oder auf welche bereits das Ei abgelegt war. Zuweilen tritt aber doch ein 
Wechsel in der Nahrung nach Erreichung eines bestimmten Stadiums ein. Bekannt sind in dieser Hinsicht die 
Ranpen aus der Eulengattung .\anthia, die in der Jugend auf Bäumen (häufig an deren Kätzchen), später nieist poly- 
]ihag am Boden an niederen Pflanzen leben. .\nch während der langen Lebensdauer von Pericallia niatronula (Bären- 
raupe) tritt regelmäßig ein mehrmaliger Wechsel der Futterpflanze ein. 

Manche Pflanzenfamilien werden von Rau|)eii. die selbst wieder Vertreter größerer oder kleinerer syslema- 
tisclier Lepidopterengrupp(Mi bilden, bevorzugt: so leben die Ranpen der Pieriden vorzugsw-eisc auf Crucifereu, jene 
der Gattung .\rgynnis auf \'iolaarlen , die Ijyc'aeniden- und Zygaenidenraupen auf Papilionaceen, die Raupen der 
Lithosiinen- und der Eulengatlung Bryophila auf Flechten, jene der Flulengatlung Diaiithoecia auf Silenearten usw. 
Nur ganz wenige Pflanzenfamilien, wie beispielsweise die Orchideen, bleiben in Mitteleuropa von Ranpenl'raß fast 
ganz vei'schont. 

In der Art des Fraßes phyt(i|iliager Rau|)en, ob er liloß aiißcrlicli oder innerlich an der Nahrnngspflanzc erfolgt, 
wird liäufig zwischen ektophagen nnd endophagen Raupen initerschieden. N'ahe Bezielinngen zur ektophagen Lebens- 
weise haben auch die wenigen blattminierenden Raupen, die sich unter den mitteleuropäischen' Großschmetterlingen 
finden, es .sind dies gelegentlich mni namentlich in den Jugendstadien die Raupen vonLarentia incultaria und einiger 
Inoarten (besonders aus der globulariae-Gruppe). Zahlreich sind die blattminierenden Larven bei Kleinfaltern, bei 
welchen ganze systematische Gruppen (Lilhocollelinen, \epticnliden nsw'.) diese Lebensweise führen. Eine eigentüm- 
liche Art des Fraßes ist auch das ,,skelettieren", wobei nur die zwischen den stärkeren Blattadern liegenden Parenchym- 
teile herausgefressen werden, die harte Blatthaut aber zurückgelassen wird. Häufig wei'den Blätter nur vom Rande 
aus angenagt, stückweise abgebissen, seltener in Lochform angefressen. .\nch bei verborgener (subterraner) Lebens- 
weise, wie bei vielen Erdraupen der Eulengattung Agrotis, liegt eine .^rt der ektophagen Ernährung vor. 

Die eigentlichen endophagen Raupen leben im Inneren von Stengeln, Zweigen oder Stämmen, auch Blüten 
(Tephroclystia) oder Früchten (besonders Microlepidopteren). Hier sind es ganz andere Gewebsteile der Pflanze, 
welche zur Ernährung dienen. Ein Übergang zur ektophagen Lebensweise ist hier fast ausgeschlossen, oder wenigstens 
auf verschiedene Generationen der Art verteilt, so lebt die Raupe der mittelländischen Eule Glottula pancratii Cyr. 
in erster Generalion in den Knollen, in zweiter aber an den Blättern von Pancratium. (tallenähnliche Bildungen er- 
zeugen unter den heimischen Großschmetterlingen nur wenige Sesienraupen, die in Zweiganschwellungen namentlich von 
Weiden leben (Sesia flaviventris, S. formicaeformis). In Chermes-Gallen lebt die Raupe von Tephroclystia strobilata. 
.\nimahsche Substanzen nehmen hauptsächlich die Larven der echten Tineen, die an trockenen tierischen 
Hautgebilden als Haaren, Federn, Hornsubstanz, spongiösen Teilen von Knochen nsw. leben. Hierher zählen sehr 
arge Schädhnge des menschlichen Haushaltes (Pelzmotten usw.). Eine .\rt parasitischer Lebensweise führen die 
Wachsmotten (Pyraliden aus der Subfamilie der GallerÜTiae), die in Hymenopteren-( Bienen-, IIunimeln-jNestern von 
Wachs leben, ^'nn anderen tieri.schen Organismen leben die Raupen zweier kleiner Eulen (Thalpochares communi- 
macula und Th. scitula), die sich von Schildlänsen (Cocciden. namentlich Lecanimnarten) gelegentlich auch von Blatt- 
läusen (.\phiden| und .Milben ernähren, wogegen die Raupe einer .\rt Hiihri'iile (Senta maritima) andere Rohrin.sekten 
als Nahrung nimmt. 

\"on dieser Art aninialisilier Kost ist der .Mistand zum Kannibalismus nicht weit, worunter man das 
Nerlialten einzelner Raupen vi'rstchl. die selbst wieder Raupen oder noch weiche Puppen fremder Arten oder auch 
der eigenen .\rt anfallen und verzelireii. Dieses mörderische Verhalten wird in beziig auf die eigenen Art.genossen 
auch als ,,Homoephagic" bezeichnet. Gew'öhnlich heißen solche Raupen „M o r d r a u p c n".') Man kann bei 
ihnen im allgemeinen 2 Kategorien unterscheiden: a) solche, die unter allen Umständen auch im freien Naturlebeii 
andere Raupen anfallen nnd b) solche, die wohl nur bei künstlicher Zucht, engem Zusammenhalten nnd Mangel an 
Feuchtigkeit gelegentlich zu Mordraupen werden. 

Zur ersten Kategorie können nur relativ wenige .Xoctuidenarten mit Sicherheit gezählt werden, vor allem dif 
Raupe von Calymnia trapezina L. und Scopelosoma satellitia L., ferner jene von Orthosia pistacina F.. Orth. Iota CK, 
Orth. litura L. und Taeniocampa incerta Hufn. Auch die Raupe der Vierpunkt-Lithosia (Oeonistis quadra) soll bei 
starkem Nonnenfraß die Raupen dieses Schädlings anfallen. — Desto unifangi-eicher ist die Liste jener Arten der 
zweiten Kategorie, die als „gelegentliche" Mordraupen zu bezeichnen sind. Hier finden sich auch einige Tagfalter, 
vor allem Thecla ilicis-), zahlreiche Bulenarten wie Mamestra persicariae, pisi, glauca, Hadena monoglypha, die 
Calymnia- und Orthosiaarten. Xylina ornitopus. Chariclea umbra, Anarta myrtilli, Arctia- und Spilosomaarten, 
Cossus cossus und and. 

In einem eigentümhchen Xerhältnissc zu .\meisen stehen die Haupen der Gattung Lycaena. Sie werden wegen 
des zuckerhaltigen Sekretes ihrer Hückendrüse (vgl. vorne p. 32) von Ameisen aufge.sncht, die mit Begierde das Sekret 

M Vgl. R u h 1 (Sor. Knt. 1 p. 28); \' o e 1 s c h o w (Eni. Jahrb. 189.5 p. 151); G a u c k 1 e r (Ins.-Bui-s. Xll 
p. 27:!. auch p. 78, 86, 96); S o r h a g. (111. Zeitschr. f. Eni. IV p. 'i9, 82, 135): Standfuß (Handb. p. 12,i). 
•-) Faßl (Ins.-Börs. .XIII p. 279) gibt auch Zephynis (pi.-rcus an. (?) 



A Ö2 Lebensweise. 

aurnehmen. Dagegen gewähren die fast stets auf dem Rücken der Raupe anwesenden Ameisen dieser einen trefflu hen 
Schulz, indem sie sich sofort mit ihren Kiefern gegen jeden nahenden Feind, also auch gegen parasitische Schlupf- 
wespen oder Fliegen wenden, die zum Zwecke der Eiablage die Raupe aufsuchen wollen. Das N'erhältnis ist also 
kein parasitäres, sondern auf gegenseitigen Vorteil gegründet und muß daher als ein symbiotisches 
bezeichnet werden. H;infig spricht man auch von .AI y r m e k o p h i 1 i e, obwohl die heimischen Lycaenidenraupen 
die Ameisen nicht selbst aufsuchen und wohl nur ausnahmsweise in Ameisenbauten leben. Die Raupe von 
Lycaena minimus soll sogar von den Ameisen selbst in den Bau getragen werden.') .Auch von einer Eule (Orrhodia 
rubiginea F.) wird angegeben, daß die erwachsene Raupe und Puppe häufig im Nesteingange von Ameisen (Lasius 
fuliginosus) getroffen wird. Die Larven einer Tineidengattung (Myrmecocela) leben allerdings wirklich parasitisch 
in Ameisenbauten. =) 

Viele Raupen, auch solche von Tagfaltern (Satyrinen) halten sich bei Tage verborgen und gehen nur des Nachts 
auf Nahrung aus. .\ndere wieder sind sonneliebend oder werden es in ihren späteren Häutungsstadien. 

Die meisten cktophagen Raupen trinken zeitweise gerne Wasser. Namentlich bei einzelnen Lasiocampiden 
(Cosmotriche potatoria n. and.) ist das Wa.sserbedürfnis zuweilen ein großes. 

Die Abwehr der Raupen bei Berührung erfolgt in sehr verschiedener Weise. Die meisten frcileboiideii 
Raupen führen, sofern sie nicht mit Wehrdrüsen versehen sind, die bei dieser Gelegenheit in Aktion treten (J'apilioiiidac, 
Dicranura usw.), mit dem Vorderkörper heftig schlagende Bewegungen aus, oder nehmen eine Kampfstelhing ein 
(Stauropus fagi). Viele stark behaarte Raupen rollen .sich ein und bieten dem Feinde nur ihren Borstenljcsalz, 
andere freilebende, nackte Raupen lassen sich bei .Annäherung eines Feindes sofort von der Futterpflanze fallen 
(Tephroclystien etc.) und führen am Boden dann oft noch fischähnliche schlagende Bewegungen des ganzen Körpers 
aus (Cucullia). 

Während einzelne Raupen nur in der Jugend gesellig leben, hält bei wenigen anderen dieser soziale Trieb 
während des weiteren Larvenstadiums an. Bekannt sind in dieser Hinsicht die „P rozessionsraupe n'" (Thau- 
metopoeidae), die zumeist in gemeinsamen Nestern leben und von diesen aus in staffelweis geordneten Zügen auf 
Nahrung ausgehen und in gleicher .Anordnung wieder in das Nest zurückkehren. Den Beginn des Zuges bildet 
eine einzelne Raupe, und zwar jene, welche gerade ihrer Stellung nach an die Spitze des Zuges kommt. Es kann 
jede Nestgenossin die Fülirung übernehmen. Die folgenden Raupen berühren mit ihrem Kopf das Hinterteil 
der vorhergehenden, werden also durch Kontaktreiz geleitel und machen während des Zuges ein leichtes Gespinst. 
Wird der Zusammenhang der Zngsglieder unterbrochen, so suchen die betroffenen Raupen durch Hin- und 
Herschlagen ihres Vorderteiles die Verbindung wieder zu erreichen.") 

Unter allen Lebensstadien ist die Raupe am wenigsten zur Überwinterung geeignet. Trotzdem sehen wir die 
Raupen zahlreicher heimischer, selbst zarter .'\rten (wie der Acidalien unter den Geometriden) den Winter überstehen. 
Bei abnehmender Temperatur suchen die Raupen an einer geschützten Stelle, meist unter Moos oder Steinen, ein 
Winterquartier auf, wo sie ohne Nahrungsaufnahme, in einem schlafähnlichen Zustande die ungünstige Jahreszeit 
überdauern. Hiebei können sie auch zu Eis erstarren und erwachen beim Auftauen wieder zum Leben.*) Junge Raupen 
überwintern zuweilen auch frei, dicht an den Stamm geschmiegt, wie jene von Gastropacha quercifolia, odersie beziehen 
gemeinsame Überwinterungsnester, wie jene von .Aporia cratacgi und Euproctis chry.sorrhoea ( vgl. besond.Teil p. 9, 1 16). 

Die Dauer des Raupenstadiums ist bei den einzelnen .\rlen eine sehr verschiedene und selbst bei derselben .\rt 
iimerhalb einer Generation oft wech.selnd. Im allgemeinen am küi'zesten währt das Raupenstadium bei den T a g ■ 
faltern. Seine Dauer wird wesenlliiii von den Teniperalurverhältnissen und Nahningsbedingungen beeinflußt, auch 
die Zahl der Häutungen, die individuell ungleich werden kann , spielt eine große Rolle. In der Regel ist das Raupen- 
stadium bei Arten, die 2 Generationen im Jahre bilden, bei der Sommergeneration ein kürzeres, oft auf wenige Wochen 
beschränktes. Andererseits haben viele Hochgebirgsarten, denen die kurze Sommerwärme der von ihnen bewohnten 
Höhenzone nicht genügend Nahrung bieten kann, eine zweijährige Raupendauer. Seltener kommt eine solche auch 
in der Ebene vor wie bei manchen Sesiiden und Cossiden oder dem .Vugsburger Bär (Pericallia matronula). 

Die Raupen führen im allgemeinen ein einförmiges, von wenigen Instinkthandlungen beeinflußtes Dasein 
Erst gegen die Zeit der Verpuppung treten oft überraschend hohe Inslinktäußerungen zu Tage, welche zumeist 
eine ungehinderte Entwicklung des Falters bezwecken. Schon die .Anfertigung der Kokons, die zuweilen mit einem 
vorbereiteten Deckel von innen leicht zu öffnen sind (Eriogasler, Cochlididae), oder deren birnförmig verlängertes 
Ende durch einen angebrachten Reusenapparal wohl ein .Auskriechen, aber kein Eindringen in denselben gestattet 
(Saturnia), sind überraschende Beispiele solcher einmaligen Instinkthandlungen. Der Kokon besteht bei vielen Arten 
nicht bloß aus Gespinst, sondern vielfach wird mit dem Munde aufgenommene Erde, oder abgenagte Holzspäne 
damit vermengt, wodurch zuweilen Schutzhüllen von großer Festigkiel entstehen. Eigentümlich ist es. daß auch 



') Berl. Ent. Z. Ll\'. Sitzb. p. JO. 

') Über die Beziehung von Lepidopterenlarven zu .Ameisen vgl. T h o m a n n (Jahresb. nal. Ges. Graubünd' 
Äi. Jahrg. 1901 p. 1 — 40 Taf. mit Literatur); Meisenheimer (Naturw. Wochenschr. XVII p. 235); W a s m a n n 
Krit. Verz. der mvrmekoph. u. termitoph. .Arthropoden (Berlin 189'i): Escherich (Zool. Z.-Bl. A'I p. 1 1. 

') Vgl. Heycke (.Allg. Zeilschr. f Knt. VI p. .■i'i8). 

*) Prof. H a c h m t j e w hat seine interessanten Versuche über die vitalen Temperaüirexlreme der Insekten 
zumeist auf das Puppen- und Falterstadium beschränkt. Es .scheint jedmh, daß linupen gegen ein mehrmaliges 
Erstarren weniger empfindhch sind (Exp. ent. Stud. 1, Leipz. 1901). 



Lebensweise. 



A .")3 



(ier durch den After abgegebene, kittartige Inhalt der malpighischen Gefäße, der an der Luft rasch erliärlet, in manchen 
Fällen (Eriogaster lanestris) von der Raupe mit dem Mund an das äußere Gewebe angedrürkl wird und so ?.ui' Aus- 
kleidung und Färbung des Gespinstes Verwendung findet.') 

Wie oft zu Beginn der Larveuzeit, so wird also auch gegen das Ende derselben die Funktion der Spinndrüseu 
sehr stark in Anspruch genommen, selbst in jenen Fällen, wo es nicht zur .\nlage eines eigentlichen Kokons kommt, 
sondern wie bei den meisten Tagfaltern ein Flachgespinst zur N'erankerung der Hinterleibsspitze der Pupjje angelegt 
wird, wozu für die aufrecht befestigten Tagfallerpuppen noc;h ein Gürtelfaden tritt. 

Als eine weitere Vorbereilungshandlung zur N'erpuppnng wird von vielen Raupen, die wenig oder gar nicht 
spinnen, .so von einzelnen Sphingiden- und zahlreiclien Xoctuideiu-aupen, die ganze Oberfläche des Körpers mit einer 
aus dem Munde kommenden, schleimigen Flüssigkeit benetzt, die zur Wandbildung des Puppenraunies beiträgt.'') 
In diesen Fällen wird der Erdkokon nur durch Drehung der Raupe um ihn- Längsachse erzeugt, wodiuch die Erdteil- 
chen w-eggeschoben und leicht vei'klebt werden. 

b) P u p p e n s t a d i u m. 

Sobald es zum .\nfspringen '.er Raupenhaul und zum .Vustritt der Puppe aus derselben kommt, sucht dieselbe 
sich der leeren Rauijcnhaut (Exuvienl vollends zu entledigen und eine möglichst gesicherte Lage einzunehmen. Sehr 
interessant ist in dieser Hinsicht das N'orgehen der Stürzpuppen (N'ymphaliden). (Vgl. Fg. l'.i.) 

Nachdem die Raupe ein kleines, lockeres Flachgespinst angelegt hat, klammert sie sicli mit den Nachschiebern 
daian fest und läßt den Körper nach abwärts hängen (Fg. a). Die Raupenhaut platzt wie gewöludich am \'order- 
rücken und die frische Puppe schiebt sich allmählich daraus hervor. Hiebei findet sie nur dadurch einen Halt, daß 
sie zwischen ihre Leibesringe die noch am Gewebe hängende Ranpenhaut klemmt (Fg. b). .\uf diese Weise steigt 
sie auch an der Raupenhaut außen empor und tastet mit der Hinterleibsspitze (Kremaster) nacii aufwärts, bis sie 
damit selbst das Gewebe erreicht hat (Fg. c). Sobald dies geschehen ist, schwenkt sie mehrmals hin und her und 
versetzt sich durch einen kräftigen Stoß in eine drehende Bewegung, die einerseits das feste \erankern ihrer Ilinter- 
leibsspitze im Gewebe, anderseits aber auch das Horabwerfeu des leeren Raupenbalges zur Folge hat. 

Die weiteren Bewegungserscheinungen wahrend des Pup])enstadiums sind bis zur Entwicklung des Falters 
meist sehr gering, obzwar bei Puppen, die in Gespinsten (Kokons) ruhen, ein Hin- und Herbewegen, auch ohne un- 
mittelbaren äußeren Reiz, öfters beobachtet WTjrde. Auf Berührung reagieren die Puppen nach dem Grade der erhalten 
gebliebenen Beweglichkeit ihrer Hinterleibssegmente. 

Trotzdem keinerlei Nahrungsaufnahme während des Puppenstadiums erfolgen kann und die Atmung niemals 
ganz sistiert wird, ist doch der Gewichtsverlust im Laufe selbst einer lange währenden Puppem-uhe kein bedeutender 
und beträgt (beim Seidenspinner nach Kellog) ca. nur ü^/g des Gesamtgewichtes.^) 

Die Dauer des Puppenstadiums ist eine sehr verschiedene und oft bei den Nachkommen einer Brut sehr 
ungleich. Im allgemeinen erfolgt die Entwicklung zum Falter zu bestimmten Jahreszeiten, nidit selten überdauern 
aber bei künstliclier Zucht einzelne Puppen zahlreicher .Arten diesen für die Entwicklung des Falters bestimmten 
Zeitpunkt und geben erst im darauffolgenden Jahre wieder zur normalen Jahreszeit den Falter. Man spricht in solchen 
Fällen von einem „Überliegen" der Puppen. Diese verlängerte Puppenruhe kann sich, namentlich bei den lieimischen 
Saturniaarten und Lasiocampiden, auch auf mehr als 2 Jahre ausdehnen und wrude beispielsweise beim Wollafter 
(Eriogaster lanestris und var. arbusculae) bis zu 7 und 8 Jahren beobachtet^) Bemerkt sei, daß in dieser Hinsicht 
das individuelle \'erhalten innerhalb einer Brut meist ein 

ungleiches ist und oft nur ein geringer Teil der Puppen über- '- ^ '■ 

liegt. Durch Au.ssetzen der Puppen an den Frost soll das (ther- 
liegen in der Zucht i)ei vielen .Vrten vermieden werden 
können. Es ist klar, daß (hirch diese Einrichtung der Bestand 
der Art iinabhängig von einzelnen Jahren gemacht winl und 
auch Inzucht leichter vermieden erscheint. 

Ist die Zeit der Entwicklung zum Falter gekcunmen, .so 
strecken sich viele Mumienpuppen und lassen zuweilen sch<in ^ 

die Zeichnung imter den Flügeldecken erkennen. Puppen von 
inkompletem Bau (vgl. vorne p. 38) zeigen nunmehr ihre Be 
Wegungsfähigkeit, indem sie sich bei endophager Lebensweise a 

zur Ausschlupfstelle des Fallers mittelst der Stachelkränze am 
Hinterleib vorschieben, dieselbe aufbrechen und oft weit aus .\niipf i ungsmod 
dem Bohrgang der Nahrungspflanze oder aus dem Sacke 
(Psychiden-cJ) hervortreten. Die Cuticula der Puppe w-ird von 

dem Falter zuerst in der Nackengegend gesprengt und bleibt oft vorübergehend dann noch am Kopfe haften, 
wie bei Hoplitis milhauseri. bei welcher Art sie regelmäßig als Helm zum Durchbnich des festen Gespinstes dient. 

Der Durrhbruch echter Kokons erfolgt entweder noch durch die Puppe (z. B. Zygaena) oder erst durch den 

') D wi t z (Zool. Anz. XXVIl 190.3 p. 161); Verson (ib. p. 397). 

"-] Aigner (111. Zeitschr. f. Ent. IV p. 346); Stand fuß (In.'^.-Bnrse XVI p. .319). 

') Kellog (Journ. Exp. Zool. I 1904, p. 357). 

••) Spever (Stett. e. Z. 1889 p. 140): Standfuß (Handbuch p. ISI kurze Lbersicht der Gattungen). 





einer .Stiirzpuppe (Dannis plexippus) 
(nnch Riley). 



A 54 I.i'hensweise. 

Kalter. In lelzterom Falle dient demselben oll im :iiis dem ^■ormilp•ll kdininiinli r Saft, der dureh lU-n Mund ent- 
leert wird, zum Krweichen des Gespinstes ') 

c) V a 1 t u r s l a d I ii in. 

Erst wenn der falter seine vollständige .\usbild\inj,' erfahren hat (vgl. vorne p. :i8) ist er llugfidiig, verjjringl 
aber meist noch einige Zeit in Ruhe, bis er seinen ei-sten Flug antritt. 

\"orher wird in der Regel der während des Puppenstadiums angehäufte Darminhalt, der aus einer ruten Flüssig- 
keif, die zahlreiche Zelltrünimer enthält und als ni e c o n i u m bezeichnet wird, durch den .\fter abgegeben. 

Die Flugbewegung und Flugleistung ist bei Lepidopteren eine ausnehmend imgleiche. Während einereeit-s 
hierher die bestfliegenden Insekten gehören, wie namentlich die Sphingiden, die erstaunlich weite Entfernungen mit 
großer Schnelligkeit pfeilartig durchfliegen können, ist andererseits die Flugleislung anderer Formen eine ausnelimend 
geringe und uid)eliolfene. Die .Vrt des Fluges wird wesentlich d\u<h die Flügelfoirn l)edingt. 

Die höchste l'"iugleist\ing ist an schmale, spit/.e, fast ruderförrnige \ fl und kleine Hfl geknüpft, wie sie sich 
bei Sphingiden finden. Aber nicht bloß von der Flügelfoi'm, sondern namentlich auch von der Anordnung der Adern 
gegen <len Vorderrandsteil und der Länge der .Mittelzelle hängt die Flugleistmig ab (vgl. Oeäder). Einen durch die 
breiten, geschwänzten Hfl bedingten schwebenden Flug besitzen iHc ra|)ilioarten, einen liüpfenden. stolJweisen, die 
Ilesperiiden, einen schwirrenden die Zygaeniden usw. 

Auch die Tageszeit, zu welcher Lepidopteren fliegen, ist eine sehr vei-schiedene und beruht auf dem verechie- 
denen Wärmebedürfnis und auf Blütenanpassung. .-Vußer den Tagfaltern (inklus. Ilesperiiden) fliegen von den Sphin- 
giden namentlich die Macroglossa- und Hemarisarten, ferner manche Xoctuiden (Heliothis, Heliaca etc.), manche 
Geometriden und .Vrctiiden, sowie alle Sesiiden und Zvgaeniden bei Tage. Bemerkenswert ist es, daß bei einigen 
Spinnern, wie bei Lasiocanipa quercus, Macrothylacia rubi, Endromis versicolora, Saturnia pavonia, Drepana 
cultraria u. and., die o bei Tage, die $ aber erst des Nachts fliegen. Unter den heimischen Tagfaltern fliegt nur 
Pyrameis cardui auch spät abends und Pararge aegeria, roxelana und climene verlassen nicht den (lichten) 
Wald. Gegen Abend treten die meisten Sphingiden, manche Noctuiden und Geometriden ihren Flug an, andere 
erst bei tiefer Nacht. Interessant in dieser Hinsicht ist das sehr verschiedene Verhalten der wenig zahlreichen Psychiden, 
unter denen heliophile Arten mit solchen wechseln, die abends oder sehr zeitig am Morgen oder erst nachts fliegen. 

Die Flugzeit weitaus der größten Menge aller Lepidopteren fällt in unseren Klimaten in die froslfreien .Monate 
.\pril bis Oktober.^) Dies gilt selbst für jene Arten, w'elche als Falter den Winter überdauern, da auch sie während 
der kalten Jahreszeit keine Flugbewegungen ausführen, sondern bei tief herabgestimmter Lebensenergie in einem 
schlafähnlichen Zustande verharren, aus dem sie erst bei Eintritt warmer Witterung erwachen. Nur eine relativ 
kleine Zahl von Lepidopteren sind wahre Wintertiere, deren Flugzeit und Lebenstätigkeit in die kalte Jahreszeit 
(November bis .März) fällt, so vor allem die Frostspanner (Hybernia und Operophthera), deren 2 flugunfähig^) sind. 
.\uch Ptilophora plumigera (Notodontidae) kann lüerher gerechnet werden. Ausnehmend zeitig im Frühjahre er- 
scheinen auch manche Bistonarten und die Brephiden. 

Was die als Falter überwinternden .\rten betrifft, so beträgt ilire .\nzahl bei de[i lieimisdien 
GiT)ßschmetterlingen bei 50*), die sich auf nachstehende Familien und Gattungen verteilen: 
P i e r i d a e.'') Orrhodia, alle .\rten 

Gonepteryx rhamni "). Scopelosonia satellitia 

N y ni p h a 1 i d a i'. Xylina, alle Arten 

Pyrameis 1 (^alocanipa, alle ,\rten 

Vanessa alle heimisrlieu .\rten. Scoliopteryx libatrix 

Polygonia | Plusia gamma (angeblich zuweden) 

S ji h 1 n g i d a e. .Vpopestes, alle ,\rten 

.Macroglo.ssa stellataruni. Hypena rostralis 

N o c t u i d a e. G e o ni e I i- 1 d a c 

Dasypolia templi Triphosa sabaudiata 

Brotolomia meticulosa (zuweilen) ,, dubitata 

.Vmphipyra cinnamomea Larentia siterata 

Iragopogonis (angeblich zuweilen) ,, miata 

pyramidea . Phibalapteryx polygrammata 

Orthosia alle Arten, wenn aucli nicht regelmäßig. S a r r o t h r i p i d a i'. 

Hoporina croceago 5 Sarrothripus rovayana. 



M Vgl. Frenzel (Zool. Anz. XIII p. 579). 

'-') Jene statistische Beobachtungsweise, welche das kalendermäßigc Erscheinen von Organismen registriert 
wird „P h a e n 1 g i e" genannt. In ihr weiteres Gebiet fällt auch die Konstatierung der relativen Häufigkeit 
(beziehungsweise St^ltenheit) von Arten, der .Anzahl der Generationen, das Auftreten von Massenzügen. <ias Zatilen- 
verhältnis der Geschlechter usw. Die Phaenologie hat vielfache Beziehungen zur statistischen Meteorologie. 

ä) Vgl. Chapm. (Ent. Rec. XV p. 4.3). 

*) Vgl. Stein (Ent. Nachr. V p. 181 ff.): Mische (Soc. Ent. 11 p. 'i, 1 1, 21); R e u 1 1 i (Verli. \at. \er. 
Karlsruhe X p. 53); Ga u c kl er (Ins.-Börs. XV p. 62); Kolbe (Naturwiss. Wochenschr. XVI 1 p. 117). 

') Außer der genannten .'Vrt soll zuweilen auch Colias edusa $ überwintern. 

") Da die.ser Falter bei plötzlichem Eintritt warmer Witterung zuweilen schon im Januar und Februar sein Ver- 
steck verläßt und sich im Fluge liewegt. wird er häufig als verkannter Frühlingsbote an Redaktionen von Tages- 
journalen eingesendet. 



Lebensweise. ^ ö") 

Übei'dies übenviiiteni /.ahln-iche heimische Microlepidopteren im Imaginalstadiuin, so eiiizehie Pterophoi-idae 
und Orneodidae, die Arten ilei' Tortricidenfjattung Aealla, die Phitellidae, viele Arten der Gattung Depressaria, viele 
Gracillariidae usw. 

Ein Hindernis für einen günstigen X'erlauf der Überwinterung bilden nicht so sehr tiefe Teniperatur- 
grade ') als vielmehr ein mehrmaliger starker Wechsel der Temperatur, der immer wieder ein neuerliches Ei-starren 
der Tiere herbeiführt, .fedenfalls verhalten sich aber auch hierin die einzelnen Arien sehr ungleich. 

Eine, namentlich bei einzelnen Tagfaltergruppen (■/.. B. innerhalb der Gattung Erebia) auftretende Erscheinung 
betrifft die oft um zwei bis drei Wochen früher beginnende Flugzeit der ^, was als „Proterandrie" bezeichnet vs-urde. 
Sie ist nur bei Arten mit gut entwickelten .Mundteilen möglich,^) da die J wahrend der langen Flugzeit der Nahrungs- 
aufnahme bedürfen. Eine sofortige Befruchtung der spiitei' sich entwickelnden erscheint damit verbunden, des- 
gleichen eine weitgehende Vermeidung von Inzucht. 

Über die Eigenschaft vieler nächtlicher Helerocercn, künstlichen Lichtquellen zuzulliegen — worauf eine sehr 
erfolgreiche Sammelmethodc (vgl. später) beruht — läßt sich nur sagen, daß es sicli liiebei augenscheinlich um eine 
Überreizung der nur auf schvvaclie Lichterscheinungen abgestimmten Tiere handelt. Die zugeflogenen Tiere sind voll- 
ständig desorientiert und für die Fortpflanzung verloren. Daher nimmt auch der Faunenbestand an Orten, wo die 
in dieser Hinsicht anfänglich besonders wirksamen elektrischen Bogenlampen eingeführt wurden, rasch ab. 

Das Nahrungsbedürfnis der Falter ist ein sehr verschiedenes. Während zahlreicihe Heteroceren so stark ver- 
kümmerte Mundteile besitzen, daß eine Nahrungsaufnahme ausgeschlossen erscheint, nehmen andere, namentlich 
an Honigköder, sehr viel Nahrung zu sich. Dieselbe besteht den saugenden ^) Mundteilen entsprechend stets aus 
Flüssigkeiten wie Nektar und andere Blütensäfte, Saft verletzter Bäume und vor allem auch Wa.sser, das von manchen 
Tagfaltern, die zu diesem Zwecke besonders gerne durclinäßte Sandslellen besuchen, oft in großen Gesellschaften 
(Pieriden, Lycaeniden) aufgesucht wird. Die Tagfalter und meisten Heteroieri-n nehmen die Nahrung sitzend zu 
sich, langrüsselige Sphingiden saugen vor der Blüte in der Luft sdiwobend. 

Sehr charakteristisch und mannigfaltig ist die R u h es t e 1 1 u n g bei Lepidop leren.') Die rneislen Tagfalter sitzen 
mit ober dem Hucken zusammengeschlagenen Flügeln, wobei von den \ fl meist nur der .Vpikalleil unbedeckt bleibt 
(vgl. vorne Schutzfärbung p. 42). Die Hesperiiden senken bei nicht vollständiger Ruhestellung die Flügel mehr nach 
rückwärts, Thanaos tages ruht mit flach dachförmiger Flügelhaltung. Bei den meisten Heteroceren mit starkem 
Thorax werden die Flügel dachförmig an den Leib gelegt, wobei die Hfl zuweilen eine fächerartige Faltung erfahren, 
selten wölben sicli die \'fl nach abw-ärts wie bei den Faltern der Gattungen Phalera und Lithosia. Die Geomelriden 
haben eine flache Flügelhaltung, wobei die Vfl meist ein gleichseitiges Dreieck bilden und die Hfl ungefallel bleiben. 
Einige wenige Geomelriden (Larentia obliterata, Bupalus piniarius) sitzen tagfalterartig. Sehr eigentümlich ist die 
Ruhestellung bei den .\rten der Sphingidengaltung Smerinlhus, bei einigen Notodontiden und Lasiocampiden, wo 
bei bloß gesenkten odei' an den Hinterleib angelegten Vfl der Vorderrand der Hfl weit vor die \n vortritt. Viele 
Notodontiden, Lyniantriiden, einzelne Nocluiden (besonders Cuculliaarten) strecken die Vorderbeine bei der Ruhe- 
stellung ganz nach vorne aus, wobei auch die Hinterleibsspitze stark gehoben werden kann (Pygaera). 

Die Ruheorte, an welche die Lepidopteren in ihrer Färbung meist gut angepaßt erscheinen, sind bei Tagfaltern 
Pflanzenstengel oder vorübergehend auch Stämme, Felsen usw. Heteroceren halten sich zumeist verborgen, so daß 
manche -\rten (namentlich Noctuiden) nur selten in der Ruhestellung angetroffen werden. Einige w'enige .\rten, die 
ausnahmslos auch als Falter überwintern, suchen Höhlen als Ruheorte auf. Es .sind dies die Zackeneule Scolioptery.v 
libatrix, die Spanner Triphosa sabaudiata und Tr. dubitata und das Geistchen Orneodes desmodactyla. 

Einer nahenden Gefahr entziehen sich die meisten Lepidopteren, sofern sie sich nicht in liefer Ruhe befinden, 
durch den Flug, einige weniger flüchtige -Arten stellen sich aljer, wenn sie ergriffen werden, tot, so die .Arten der 
Eulengattung Calocampa und der Stachelbeerspanner (Abraxas grossulariata). Andere auffallend glatt beschuppte 
Eulen, wii' (he .Vmphipyraarten, lassen sich gerne zwischen Laub fallen, wo sie sich geschickt verkriechen. 

Der eigentliche Zweck des Falterlebens ist die Fortpflanzung, beziehungsweise die Begattung (copula) und 
Eiablage. Nicht immer ist der vollständig ausgebildete Falter auch schon geschlechtsreif. Es bedarf bei manchen 
-Arten zuweilen ei'st längerer, intensiver Flugbew^egnng, bis eine copula eingegangen wird. Dieser .Akt der höchsten 
Lebenstätigkeit wird bei den einzelnen .Arten in sehr verscliiedener Weise eingeleitet. Bei vielen Tagfaltern findet 
eine Art Werben des o statt, wobei das $ oft umschwärmt und hartnäckig verfolgt wird. Frisch entwickelte $ werden 
allerdings häufig noch vor vollständiger Erhärtung ihrer Flügel bereit-s vom ^ aufgesucht und befruchtet. Hiebei zeigen 
sich zuweilen auch sonst den Lepidopteren fremde Handlungsweisen, wie Kampflust '-) zwischen den ^J von Lyman- 
tria dispar bei der Bewerbung um ein ?. Rigentiimlicli und wahrscheinlich .sehr ui-sprünglich ist das Zusammenfinden 

') Prof. B a c h m e t j e w wies in seinen Intereuchungen über das vitale Temperaturininimum bei Insekten 
nach, daß deren .Säfte bis zu einem gewissen Grade (kritischen Punkt) unterkühlt werden kiinneii, hierauf aber deren 
Temperatur bis zum normalen Erstarrungspunkt der Säfte ansteigt. Erst bei neuerlicher Erniedrigung der Körper- 
temperatur tritt in der Regel der Tod ein. (Exper. entom. Sind. I p. 80 ff.) 

•-) Vg:l. Petersen (Zoo!. Jahrb. [.Abt. Syst.] VI p. 671); Demoll (ib. .\.\VI p. 621). 

') M i c r o p t e r v g i d e n nehmen auch Pollenkörner, die sie mit ihren Mandibeln zerkauen. 

*) Vgl. O u d e m ä n s (Verh. K. Ak. Wetensch. .Amsterd. [2] .X 190:? mit 1 1 Taf.; Biol. Z. Bl. \\\\ p. '^7:^): 
Longstaf f (Tr. Eni. Soc. 1906 p. 97—118). 

•■'j Unterberger (111. Zeitschr. f. Ent. III p. :?60). 



A "Hi Leljenswcise. 

der Gesilileililer boi einigen Arien der Gattung Ilepialus ') (huniuli, heclus), bei welthen die J an einer engbegrenzten 
Stelle in Anzahl schwärmen, oder sich in i>endelndem Fluge bewegen und hiedurch die V anlocken, welche auf die (J 
zufliegen und sofort mit einem solchen zu Boden sinkend in copula sich befinden. Mückenartige Tänze führen die ^ 
der Adeliden auf, wobei die in den Schwann fliegenden ? ebenfalls sofort copuliert werden. Sehr rasch erfolgt die 
Kingehung der copula auch bei Sphingiden, bei welchen das ,5 auf das ruhig sitzende $ zufliegt und sich auch schon 
mit ihm verbunden hat. 

Zur Eingehung der copula ist fast immer eine, wenn auch nur vorübergehende sitzende Stellung des ? erforder- 
lich, wobei die Flügel emporgehoben werden, um die Vereinigung des seine Hinterleibsspitze mit weit geöffneten 
\alven, meist im entgegengesetzten Sinne nähernden ^ zu ermöglichen. Bei Lycaena argus wurde beobachtet =), 
daß das J neben dem $ lief, es mit der Genitalzange faßte, worauf das o herumsprang und so die dem ^ gegen- 
sinnige Stellung gewann. Die Vereinigung ist zufolge der Klammervorrichtungen im männlichen Genitalapparat 
(vgl. diesen) in der Regel eine sehr feste, wobei die Geschlechter bei vereinigten .\bdomina und abgewendeten Köpfen 
eine gegensinnige Lage in derselben Ebene einnehmen.') 

Alle Heteroceren verhalten sich in der copula ruhig sitzend, wobei ihre in normale Kuhcstellung gebrachten 
Flügel sich oft zum Teil rückwärts decken. Gewöhnlich sitzt das ,5 kopfabwärts auf der Ruhelage (wie dies beispiels- 
weise beim kleinen Frostspanner stets zu beobachten ist), wogegen das $ seine vor Eingehung der copula innegehabte 
Stellung beibehält. Eine, auch in bezug auf die Lage der Geschlechter abweichende copula findet sich bei den echten 
Psychiden, indem hier das $ seinen Kopfteil dem Sackende zugekehrt hat, in welches das ^ sein lang ausgedehntes 
.Abdomen längs der Bauchseile des o einschiebt (vgl. Besond. Teil p. 453). 

\'iele Tagfalter fliegen freiwillig oder gestört kurzeStrecken in copula, wobei ein Teil vollslärulig bewegungslos 
mit geschlossenen Flügeln verharrt, um nicht die Flugbewegung des anderen tragenden Partners zu hindern.') In 
der Regel trägt das ,^ im Fluge, so bei Argynnis, .Melanargia galatea und vielen Lycaeniden, bei .Melitaea didyma 
trägt jedoch das 9 das regungslos sich verhaltende, meist kleinere J. Auch bei Hyberniaarleii kommt (» zuweilen 
vor, <laß das J das fluginifähige ? kurze Strecken im Fluge mitnimmt. 

Die Dauer der copula ist eine sehr ungleiche: bei Psychiden währt sie oft nur wenige Augenblicke, bei Satur- 
niiden und anderen Spinnern viele Stunden bis über einen Tag. .\uch die Tagfalter sind meist mehrere Stunden in 
copula. 

In der Regel ist ein ^ in der Lage sich mehrmals zu copulieren '-) (bis .Smal bei Saturniiden beobachtet). Das 
9 wird bei vielen Arten nur einmal befruchtet, aber auch hier wurden zahlreiche Fälle bekannt, in welchen ein ? 
nii'hrmals eine copula, auch mit demselben Gatten, und nach schon begonnener Eiablage einging.') 

.\bnorme copula-Fälle, bei welchen die beiden Geschlechter verschiedenen, oft sehr weit entfernten Arten an- 
gehören, so daß eine Hybridation ausgeschlossen erscheint, oder zwischen Individuen desselben Geschlechtes (^J X 6) 
wurden oftmals beobachtet. Auch die copula eines $ gleichzeitig mit mehreren ^J kann vorkommen. (Standf.) 

Bei .\rten, welche überwintern, erfolgt die copula zumeist erst nach der Überwinterung, oder es überwintern 
nur die befruchteten $, wie es bei einigen Noctuiden der Fall ist. 

Die Eiablage seitens des 2 beginnt in der Regel sehr bald, oft sofort nach der copula. Bei ihr zeigt sich 
oft eine weitgehende Fürsorge (eine .Art Brutpflege) für die Nachkommen, indem mit großer Sorgfalt die richtige 
Futteipflanze aufgesucht und die Eier meist an gut geschützten Stellen abgesetzt, beziehungsweise mit dem Klebe- 
sloff der Kittdrüsen befestigt werden. Zuweilen werden die Eier mit Schutzdecken versehen, wozu die Afterwolle 
des ? dient, z. B. beim Schwammspinner (Lymantria dispar), oder sie werden am Gespinst beziehungsweise in 
den Sack des Muttertieres geborgen, wie bei Orgyia und allen Psychiden. Die dünnhäutigen Eier letzterer werden 
hiedurch auch vor dem Austrocknen geschützt. Auch die ringförmige Anordnung der Eier bei Malacosoma neustria 
ist eine Schutzeinrichtung, wobei die gegenseitige Deckung der Eier vermieden wird. Eigentümlich ist die 
Eiablage bei Euchloris vernaria, indem hier 10 bis 12 aneinandergeheftete Eier frei vom Stengel der Futtfr|iflanze 
(Clematis) abstehen. Bei Adeliden und Micropterygiden besitzen die $ einen Schneideapparaf am Hinterleibscnde, 
womit sie die Blattoberhaut verletzen und das Ei in das Parenchym versenken. 

Bei vielen anderen, mit Legeröhren versehenen .Arten, werden die Eier in Ritzen der Rinde, oder unterhalb 
derselben, in Blattwinkeln uSw. abgesetzt. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Eier entweder einzeln, oder paar- 
wei.se oder in Gruppen oder in ganzen Gelegen abgesetzt werden.') Bei den paarweise abgesetzten Eiern z. B. bei 
Chry.sophanus dispar v. rutilus, Dicranura vinula, Valeria oleagina win-de (wohl irrig) behaiiptet. daß sich aus den 
l>eiden Eiern stets verschiedene Geschlechter entwickeln.*) 

Die Eiablage erfolgt zuweilen in langer Dauer, so wurde sie bei Polygonia C-album o in der Zeit vom 17. April 
bis 1. .luni beobachtet, innerhalb welcher Zeit im ganzen 275 Eier abgelegt wurden (Pabst). Bei vielen Heteroceren 

') Vgl. Robson (Ent. Rec. III p. 52 ff). 

-") Gillmer (Ins.-Börs. XXIII p. 136 V.) 

») G a d eau (Bull. Soc. Ent. Fr. 1901 p. 76—81 Fgg.). 

«) Vgl. G a d c a u (1. c); T u 1 1 (Eni. Rec. XIII p. 298). 

') Mayer (Ann. & May. [7] V p. 183 If.). 

'•) Vgl.'Busch (III. Zei'tschr. f. Eni. V p. 76); Stand fuß (Handb. p. 44—45). 

•) Vgl. Wood (Month. Mag. XXVII p. 175 ff.). 

») Soc. Ent. II p. 178; III p. 12. 



F""('imJe, Parasilcn iiiul Kraiiklieileii. A 57 

erfolgt aber die Ablage des ganzen Eivorrates oft innerhalb weniger Stunden. Scheinbar g.m/. uau.- v\t-ii.i,- Fürsorge 
streuen die Hepialiden-?, welchen die Kittdrüsen fehlen, die Eier während des Fluges auf den Grasboden aus. Ähn- 
liches findet sich auch bei einzelnen Tagfaltern (Satyrinen). 

Die L e b e n s d a u e r der Falter ist eine sehr ungleiche. Während Psychiden-o oft schon nach ein- bis zwei- 
stündiger ungestümer I.ebensweise, wobei sie ganz defekt werden, sterben, können überwinternde Falter eine Lebens- 
dauer von über 9 Monaten erreichen, von denen allerdings mehr als die Hälfte der Zeit ohne Aufwand von Lebens- 
energie in einem lethargischen Zustande verbracht wird. Auch sind die ^ zuweilen etwas kurzlebiger als die ?, 
denen die Obsorge für die Eiablage zukommt. Im allgemeinen läßt sich die mittlere Lebenszeit der erst in der warmen 
Jahreszeit auftretenden Hauplmenge der Lepidoptoren auf 3 bis 5 Wochen veranschlagen. Arten mit verkümmerten 
Mundteilen haben notwendigerweise eine viel kürzere Lebenszeit, da sie weder ihren Energieverbrauch noch ihren 
N'erlust an ^"er(innstllng durcli Wasseraufnahine zu ersetzen in der Lage sind. 



VIII. Feinde, Parasiten und Krankheiten. 

Der fröhlich sich tummelnde Falter konnte den Euidruck erwecken, als würden die Lepidopteren im allge- 
meinen ein unge.störtes, wenig bedrängtes Dasein verbringen. Gerade aber in dieser Insektenordnung sind jedoch 
die Nachstellungen sehr zahlreich und besonders jene Faktoren sehr groß, die mu' einen geringen Teil der Nach- 
kommenschaft den geschlechtsreifen Zustand erreichen lassen. 

Ohne eine scharfe Grenze ziehen zu können, lassen sich doch die widrig(,'n Faktoren der .\ußenwelt, je nachdem 
sie den ganzen Organismus auf einmal als Beute zu Nahrungszwecken ergreifen, oder auf dessen Kosten sich 
ernähren und ihn zumeist langsam töten, oder erst den geschwächten Organismus als Substrat für ihre Lebensprozessc 
aufsuchen, in die in der Überschrift genannten Gruppen bringen. 

a) Feinde. 

Im geschlechtsreifen Zustande werden die Lepidopteren, namentlich die Tagfalter, in unseren Klimaten relativ 
am wenigsten verfolgt. Es sind allerdings schon zahlreiche Fälle zur Beobachtung gelangt, in welchen Vögel, 
namentlich Schwalben, Stare, Sänger, Neuntöter, im Süden auch Bienenfre.sser, Lepidopteren im Fluge gefangen 
und verzehrt haben, trotzdem ist diese Verfolgung nur eine gelegentliche, und kein heimischer Vogel bevorzugt Falter 
bei seinem Nahrungserwerb.") Viel stärker ins Gewicht fällt die Verfolgung, welche die Nachtfalter (Heteroceren) 
durch Fledermäuse erleiden. Zahlreiche einzelne Schmetterlingsflügel, die man so häufig in der Natur an- 
trifft, rühren von den im Fluge eingenommenen Mahlzeiten dieser überaus gefräßigen Tiere her. Auch Nachtschwalben 
und einzelne kleine Eulenarten kommen hier in Betracht, ferner Eidechsen, Frösche, Kröten, die ebenfalls Schmetter- 
linge verzehren, wenn sie derselben habhaft werden können. Auch Radspinnen, mehr noch aber Raubfliegen 
( Asiliden), und gelegentlich auch A e s c h n a - Arten (Libellen), sind gefährliche Feinde namentlich kleinerer Nachtfalter. 

Für die ersten Stände der Lepidopteren ist die N'erfolgung durch Feinde bereits eine ungleich intensivere und 
vielseitigere. Schon die bei vielen Arten an Stämmen abgelegten Eier werden von zahlreichen Vögeln, insbesondere 
Meisen (Pariden) abgesucht. Von den überaus zahlreichen Feinden der Raupen in der Vogelwelt sei nur der 
Kuckuck hervorgehoben, der erstaunlich große Mengen namenthch auch haariger Baumraupen (Lymantriiden) verzehrt. 
Maulwürfe, Spitzmäuse und Krähen kommen namentlich für Erdraupen und Puppen in Betracht, ferner auch Kröten, 
für gewisse am Stamme sich verpuppende Arten besonders Spechte und Meisen, für die Raupen und Puppen derThau- 
metopoeidae (Prozessionsspinner) auch der zu den Laufkäfern gehörige Puppenräuber (Calosoma sycophanta). Be- 
sonders hervorzuheben ist auch die Bedeutung von A m e i s e n, die in F'orston nicht leicht eine Raupenart überhand 
nehmen lassen. Auch R a u b w e s p e n greifen Lepidopterenlarvon an. 

b) P a r asite n.=) 

Das Imaginalstadinin der Lepidopteren ist — .seiner kurzen Dauer und geringen Nahrungsaufnahme ent- 
sprechend — von Parasiten viel weniger heimgesucht als die früheren Entwicklungssladien. Trotzdem finden sich in 
Faltern ab und zu auch Fadenwürmer (Filarien) ') (vgl. später). Die Würmer verlassen meist durch den After 
den Falter bei dessen vorzeitigem Tode. 

In einzelnen Fällen wurden auch Schlupfwespen (vgl. später), die sich aus Faltern entwickelten, bekannt. 
W i Etwas unschädlicher sind Milben und zwar die Jugendstadien von Samtmilben (Trombidium), die be- 
sonders altersschwache, blütenbesuchende Falter (Argynnis, Erebia u. and.) überfallen und sich oft in ziemlicher 



') Zum Thema .,Verfol"-ung der Schmetterlinge durch Vögel" vgl.: Frings, Slevogt und and. (Soc. 
Ent XV bis XVII) ferner K a t ha r i n e r (Biol. C.Bl. XVIII p. r,80); K e n n e 1 (ib. ]>. 810); T eich (Korr. Nat. 
Ver Riga 45 Jhrg. p. 49): Sorhagen, Fischer und and. (111. Z. f. Ent. III p. 3ti, V; 299 IVp.9I, 180, 362: 
V p 75 383)- Röhr ig (Arb. Kais. Gesun<lh.-Amt Berlin IV 1903 p. 1—50): Schuster (Wien. Ent Z. 27 
p. \\\: Bau (ib. p. 210): Marshall (Tr. Ent. Soc. 1909 p. 329—383). 
' =) Vgl. Sajo (Hl. Wochonschr. f. Ent. II p. 70ff.). 

») Vgl. Schultz (111. Z'itschr. f. K'.ü. V p. r.8, 16'., 183, 199, 26'., 292: Ins.-Bor.-;. XM p. 25o). 



Berge-Rebel, Si'limotterlinf sbucli. 



A 8 



A .)» Koiiide, Parasili-n und KiMiikliuiteii. 

Aii/.ahl ati (U-iiGi-eiuen iles Thorax und der Heiue festsetzen, seltener an den Fühlern sich ansiedeln. Sie sind duri'ii 
ihre zinnoberrole Färbung sehr auffallend und meist prall gesogen an dem Blute des Falters.') 

Was die Parasiten der Kntwicklungsstadicn anbelangt, die sich hauptsächlich aus Vertretern von Schlupf- 
w e 8 |> e n -) und Raupenfliegen (Tathinidae) zusammensetzen, so hat deren Parasitismus regelmäßig den Tod 
des befallenen \\'irttieres zin- Folge, nur ganz ausnahmsweise entwickeln sich aus ,,be.setzt" oder „gestochen" gewesenen 
Waupen noch Falter, die aber meist mangelhaft gebildet sind. Was insbesondere die S c h 1 u p f w e s p e n betrifft, 
die oft mehrere Generationen im Jahre haben, so legen sie ihre Eier an Lepidopterenlarven, indem sie zumeist die 
Haut der Larve mit dem Legestachel durch.stechen imd das Ei in den Fettkijrper derselben versenken, oder aber auch 
rias Ei nur äußerlich an die Haut der Raupe ankleben. Trotzdem bleibt in letzterem Falle das Ei selbst bei Häutungen 
des Wirttieres haften (de Geer, Poulton). Die Zahl der Parasiten m einer Larve ist sehr verschieden. Während sich 
von großen Schlupfwespen (Ophion) meist nur eine im W'irttier entwickeln kann, kommen von sehr kleinen Chalcidiern 
zuweilen 2 bis 3000 aus einer Raupe zur Entwicklung.-') Die Parasiten leben anfänglich meist nur im Fettkörper der 
Raupe, die oft noch zur X'erpuppung gelangt. Dann erst werden auch andere Organe des Wirtlieres befallen, das 
allmählich ganz aufgezehrt wird. In solchen Fällen erfolgt meist auch die \erwandlung der Parasiten ei'st in der leer 
gewordenen Puppenhülle des Wirttieres, die dann bei der Entwicklung der Schlupfwespen oft siebartig durchbrochen 
erscheint. Anderenfalls verlassen aber die verpuppungsreifen Schlupfwespenlarven noch das Wirttier im Larvenzu- 
slande und verpuppen sich außerhalb desselben, zuweilen an dessen Außenseite, wie dies bei Microgaster der Fall ist. 
des.sen gelbliche Gespinsttönnchen oft die vertrockneten Raupen von Weißlingen und Kieferspinnern bedecken. Die 
Larven der Raupenfliegen (Tachinen) verla.ssen zu ihrer \'erwandlung das W'irttier. Sie schmarotzen besonders 
häufig in haarigen Raupen, an deren Außenseite die Eier abgelegt wurden. Zuweilen wird erst das Puppenstadium 
von Parasiten befallen (besonders aus der Gattung f^teromalus), selten schon das Eistadium. letzteres dun h die Sehlnpf- 
wespengattung Teleas, deren Larve darin sehr rasch ihre I^ntwicklung durchmacht. 

Einzelne Lepidopterenarleii sind von Para.siten besonders stark heimgesucht und können am ii nielirere .Vrlen 
di'rselben beherbergen, .\ndere .\rlen sind lelativ selten von Parasiten befallen und dienen nur einzelnen bestimmten 
derselben als Wirltiere. 

Am h !■ a d e n w (i r ni e r (l'ilajien inul Gordiidenj (vgl. vorne) leben nicht selten an feuchten Orten in 
Le|jidoplerenraupen, zuw^mUmi auch in Puppen. Sie halten sich zumeist im Darme auf und verlassen das Wirttier bei 
dessen Absterben. Es ist aber auch bekannt geworden, daß die Raupe nach Abgang eines Fadenwurmes weiterlebte und 
einen wohlausgebildeten Falter ergab.*) Dasselbe wurde nach Abgang einzelner Tachinenlarven beobachtet.') 

c) K r a n k h e i t e n.') 

Die hier zu besijreclienden Falle wuiden bisher fast ausschließlich im Raupenstadiuin. sowolil nn freien Natur- 
leben als bei künstlicher Züchtung, beobachtet und haben einen epidemischen Charakter. .Ms Krankheitserreger 
müssen ausnahmslos .Md<roorganismen (Bakterien, Pdze und Sporozoen) angesehen werden, die zuerst bei ge- 
sihwächten Individuen auftreten und dann sich stark ausbreiten. Die Bakterien als Krankheitserreger wirken durch 
ICrzeugung von Giftstoffen (Toxinen) verderblich, wogegen die Sporozoen mehr einen jiarasitären Charakter haben 
und durch mechanische Schädigimg der Gewebe meist den Tod herbeiführen. 

(i) 1) a V m k a l a r v h. 

Zu junges, nasses oder verdorbenes Futter erzeugt bei Raupen einen Durchfall, wobei die Exkremente breiig 
oder wässerig werden. Dies führt häufig zur Ansiedlung von Bakteiien im Darme, worauf die Erscheinungen anhalten 
und die Raupen eingehen. Bei einer anderen Form des Darinkatarrhs bleiben die durch Darmschleim miteinander 
verbundenen Kotballen perlschnurartig am After hängen. 

ß\ M u s k a r d i n e ( Kidksuchl). 

Die Krankheit wird durch das .Mycelium eines Pilzes (Botrytis bassiana Bai.), hervorgerufen, welches den 
Körper besonders der haarigen Bärenraupen durchw\ichert und rasch in eine wachsartige Masse venvandelt, dann die 
Maut durchbricht und fruktifi ziert, wobei die bereits toten Raupen wie mit Mehl besti'eut ei'scheinen. Die Pilz- 
sporen verbreiten sich leicht und wirken auf andere Raupen sehr ansteckend. 

;•) P e b r i n e (Gattina, Körperchen- oder Fleckenkrankheit). 

Die Pebrine ist diu'cli das Voi'handensein ovaler, glänzender Körperchen in den Gewebszellen (sog. Carnalia'sche 
Korperchen). die für Sporozoen (Nosema bombycis Näg.) angesprochen wurden, charakterisiert. Sie tritt namentlich 

'1 Eine frühe Nachricht darüber gibt Bree (Mag. of Nat. Hist. and .lourn. Lond. 1832 p. 338 Fg.). 

") Die wichtigsten hierher gehörigen Familien sind die C h a 1 c i d i d a e (besonders mit der in Puppen lebenden 
Gattung Pteromalus), Braconidae (Microgaster usw.), 1 ( h ii e n in o n i d a e (Cryptus, Pimpla, Anomalon, 
Ophion u. and.). 

') Es handelt sich hierbei zweifellos um jene eit;tüliiMiii( lic .\rl der N'ermehrung, welche zuerst bei der in 
Larven der Spindelbaummotten (Yponomeula) lebenden Cliiiliidl.rgattung Encyrtus beobachtet wurde, wobei sich 
aus einem abgelegten Ei des Parasiten durch Enihryoiialveniuhrung (Polyembryonie) bis 100 Individuen des- 
selben entwickeln können. 

*) Fellmann (Int. Ent. 1 il'.ioT) p. 194). 

•'•) Frings (Soc. Eni. X.XllI ]>. 20). 

") Vgl. Stand fuß (Hamih. p. 153— IRR): Fischer (Hinl.C. Bl. .\.\\I p. ■.'.S. .'•)3/, : Ent. Z. .\X i). 288 ff.: 
II o fm. -Si)n 1er p. 76 ff.). 



Nutzen und Schatleu. 



bei der Seidenraupe häufig auf und ist vererblidi. imliMu Kalter, welclu- mul an ilci- Pebriiie erkiHiiKUn liaupeu ab- 
stammen, die Keime dieser Krantchelt in die Eizellen übertragen, so daß eine mikroskopische Untersuchung der Eier 
vor der Weilerverbreitung der Pebrine schützen kann (\"erfahren Pasteure). 

Die von der Pebrine befallenen Hanpen verlieren die l-Yesslust, werden apathisch und leiden an einem Darm- 
ausfluß. Bei ungünstigem .\usgang der Krankheit schrumpfen <iie Raupen allmählich ein und verenden. 

'VI Orasserie (Gelb- oder Fetlsuchti. 

\\ ird wie die Pebiiiie dm c h das \'orhandenseia von Körperchen in den Gewebszellen charakterisiert, die hier 
polyedrisch sind und einen sechseckigen Umriß besitzen, (Microsporidium polyedricum Holle). Diese Körperchen sind 
im Blute, im Darme und den Exkrementen oft in großer Zahl nachweisbar. Gewöhnlich fallen die Raupen dieser 
Krankheit eret kurz vor der \'erpuppuiig zmn Opfer. Sie werden aufgetrieben, glänzend (Fettsucht), helle Raupen 
verfärben sich, und brechen plötzlich tot zusammen, wobei sie stark ei-schlaffen. 

; ) PM a c h e r i e (Schlaffsueht). 

In den Symptomen der eben erwähnten Gra.sserie sehr ähnlich. Die Flacherie befällt in der Regel ebenfalls erst 
erwachsene Raupen. Dies(! hören zu fre.ssen auf, werden unruhig, steigen gern in die Höhe und sterben plötzlich 
ab, wobei ihr Körper, der oft nur mehr mit einem Fuß befestigt ist, schlaff herabfällt. .\>is Mund und .\fler tropft 
(Mne übeh'iechende Flüssigkeit, die Haut zerreißt außerordentlich leicht und Uiüt den zersetzten Körperinhalt aus- 
treten. Die Flacherie wird durch Bakterien hervorgerufen und wtn-<le zuerst bei der Seidenraupe genauer bekannt.') 
Im Blute der erkrankten Raupen fehlen polyedrische Körperchen. 

.') W i )) f e I k r a n k h e i t (Polvfder-krankheit). 

Wurde erst in jüngster Zeit -) von der Flachei'ie. mit der sie in den Krankheitssymptomen ganz übereinsliinml, 
geschieden. Die Wipfelkrankheit ist, wie die Grasserie (birch das .Vnftreten zahlreicher polyedrischcr Körperchen 
charakterisiert, die hier jedoch die Gestalt von (sphaerischen) Tetraedern aufweisen und bei der Flacherie vollständig 
fehlen. Diese Körperchen treten zuerst in den Zellen des Hautepithels und des Fettkörpers auf und verbreiten sich 
dann stark im Blute. Die Krankheit wurde zuerst bei der Nonnenraupe näher bekannt und von R a t z e b u r g 
wegen des Aufsteigens der erkrankten Raupen zu den Wipfeln der Fichten (Taimen, Lärchen), wo sie dann schlaff 
werden, absterben und ganze Klumpen bilden, als ,, Wipfelkrankheit" bezeichnet. .\n derselben Krankheit leidende 
P^aupen zeigen jedoch auf der Kiefer nicht die charakteristische Wipfelung, sondern sterben an .Ästen und Zweigen 
hängend ab. Auch im Blute von Puppen imd eines lebenden Falters der Nonne wurden die polyedrischen Körper- 
chen gefunden. Desgleichen soll sie bei der Raupe von Orgyia antiqun aufireten. Bisher ist der eigentliche Erreger 
der ^^■ipfelkrankheit nicht i'iitdeckt worden. (Wahl 1. r.i'i. 



IX. Nutzen und Schaden. 

Die Pflanzendecke der Erdobi>rflache, welche die eigentliche L.'beiisipicüi- der höheren Organismenwelt dar- 
stellt, erfährt durch die Jugend.stadien der Lepidopteren, welche in ihrer llaiiptmenge phytophag sind, eine andauernde 
Beeinträchtigung. Mit Recht werden jedoch vom rein menschlichen Standpunkte aus nur solche Lepidopteren als 
Schädlinge bezeichnet, die Kulturgewächse gefährden oder im engeren menstthlichen Haushalte Schaden ver- 
ursachen, denn die Beeinträchtigung der sonstigen Gewächse fällt im Vergleich zvir Schädigung derselben durch kli- 
matische F"aktoren (Kälte, Stürme usw.) oder durch andere Tierformen nicht ins Gewicht und wird zum Teil auch 
aufgewogen durch die ^■ermittlungsrolle, welche viele Lepidopteren bei dei- Fremdbestäubung beziehungsweise Befruch- 
tung von Blütenpflanzen spielen. 

Letztere Tatsache fällt in das Gebiet der sog. B 1 ü t e n b i o I o g i e, welche die Wechselbeziehungen zwischen 
den Blüteneinrichtungen und deren regelmäßigen Besuchern ans der Klasse der Insekten behandelt. Unter letzteren 
nehmen die Lepidopteren nach den Hymenopteren den ersten Platz ein. 

Die ersten Beobachtungen über die Wechselbeziehungen zwischen Blüt.en und Insekten reichen bis in die 
2. Hälfte des 1 8. .) ahrhunderts zurück ( K ö I r e u t e r 1 7ft1 , S p r e n g e M 79:< ), doch wurde erst in neuerer Zeit die Blüten - 
biologie ein regelmäßig gepflegtes Arbeitsgebiet.^) Der Vorteil des Insekts liegt in der Gewährung von Nahrung (zu- 
meist Honigseim), jener der Pflanze in der Übertragung fremder Pollenzellen auf die Narbe. Die farbige Krone der 
Blüten, die gleichsam als .Aushängeschild dient, und deren spezifischer Geruch leiten die Insekten beim Blumenbesuch 
und veranlassen diselben in der Regel nur eine Art Pflanze nacheinander zu besuchen, wodurch die Übertragung der 
an der Kopfbehaarung des Insektes haftenden PoUzellen auf eine andere Blüte derselben Pflanzenart gesichert erscheint. 

M Vgl. Bolle u. Richter (Zeitschr. f. landw. Versuchswes. Österr. 190S p. 287fr.). 

■-) Wahl (Centralbl. f. das ges. Forstwesen, Wien 1909). , ■ .,■ 

^) Darnach sind auch die Angaben über die Wipfelkrankheit im Besond. Teil dieses Buches (p. 118 r.) richtig- 
zustellen. . , , „ , , . j ,,1 

') Hervorragende neuere Arb-ilen über Rlütenbiologie lieferten: H e r m. Müller. Befruchtung der Blumen 
<lur('h Insekt. (1873): .\lpenbliimen. ihre Befruchtung durch Insekten (1881); Loe w Einführung m die Blutenbiol. 
auf histor. Grundlage (1895); Kniith Handbuch der Blütenbiologie (3 Doppelbändc, 1898—1905). 



A 60 Nul/.eii und Schaden. 



Die Miindtfile mancher Insekten und die Blüteneiiu-ichlungen gewisser Pflanzen sind einander angepaßt, so werden die 
tiefliegenden Ncktarien heimischer Dianthus- und Silene-Ai-ten nur von langrüsseligen Lepidopteren (bei Silene be- 
sonders Dianthoecia-Arten) erreicht, welche die Pollenüberlragimg bei diesen Pflanzen ausschließlich vermitteln. 

Im allgemeinen sind jene Blüten, welche den Honig in tiefen Röhren geborgen haben, sogenannte, ,Falterblunien", 
das heißt an den Besuch von Lepidopteren angepaßt. Auch innerhalb der Fallerblumen lassen sich 2 Gruppen unter- 
scheiden, je nachdem der Lepidoptorenbesuchcr entweder an der Blüte sitzend, oder vor derselben schwebend saugt. 
Im ersteren, viel häufigeren Fall sind meist Wölbungen der Kelchblatter vorhanden, welche dem Besucher einen Sitz 
oder eine Anheftungsstelle gewähren. 

Unter den Lepidopteren sind jedoch die schwebend saugenden Sphingiden weitaus die blumenlüchligslen Faltei', 
nicht bloß in bezug auf die Anzahl der von ihnen innerhalb einer bestimmten Zeit besuchten Blüten, sondern auch in 
Bezug auf die Konsequenz, mit der sie eine Blütenart bevorzugen. So beobachtete Herrn. Müller, daß Macroglossa 
stellatarum in nicht ganz 7 Minuten 194 Blüten von Viola calcarata besuchte. Dementsprechend finden sich auch 
die weitestgehenden Anpassungen von Blüten an den Besuch von Sphingiden, indem der Honig der meist engröhrigen 
Blüten noch in einem Sporn geborgen ist, zu dem nur der lange, dünne, biegsame Sphingidenrüssel gelangen kann, 
wie dies bei den Blüten der heimischen Arten von Gymnadeniu, I,inaria, Saponaria, Lonicei'a. Gladiolus, Port- 
landia. Oenothera u. and. der Fall ist, die zum Teil auch erst in den Abendstmulen, wenn die Flugzeil ihrer Besucher 
gekommen ist, den spezifischen Lockdufl ausströmen. 

\'on heimischen Tagfaltern sind noch Coliasarlen, Oonepler\x rliannu. \ anessa jo u. urlicae, .Vigynnis paphia, 
Melanargia galatea, Epinephile Jurtina, Coenonympha pamphilus, Chry.sophanus |)hlaeas, Lycaena icaiiis, .\ugiades 
comma und sylvanus als eifrige Blütenbesucher hervorzuheben. 

Zuweilen besteht eine gewisse Färbungsübereinstimmung zwischen Blüte und Faller, .so werden die orange- 
roten Blütenköpfe von Senecio, Arnica, Crepis und and. in den Alpen hauptsächlich von den gelbroten Argynnis- 
und Melitaearton, die blauen Phytcumablülen besonders von Lycaeniden, oder die blalSgelben Frühjahrsprimeln 
von Gonepteryx rhanuii besucht. 

Eine merkw'ürdige Hinrichtung weisen die Blüleu eiu/.elnc]' Pflanzen, wie in den Alpen von \ incelo.xicum 
officiiiale und Araujia albeus, besonders aber die als Zierpflanze gepflegte amerikanische Oenothera speciosa auf, 
bei welcher die Kelchröhrc mit abwärts stehenden Härchen bekleidet ist, die wohl ein Hinabsloßen des Rüssels, nicht 
aber auch dessen Zurückziehen gestatten, so daß der honiglüsterne Gast gefangen an der Blüte hängen bleibt.') 

Im allgemeinen läßt sich jedenfalls sagen, daß keine andere Insektenordiuing in der überwiegenden Mehi'zahi 
ihrer Formen so sehr an den Blütenbesuch angepaßt ist, wie die Lepidopteren, deren slammesgeschichtliche Entwick- 
lung, wie bereits bemerkt, auch mit jener der Blutenpflanzen Hand in Hand gehen mußte. 

Während die bisher geschilderte Nützlichkeit der Lepidoi)leren den großen Haushalt der Natur betrifft, spielen 
die Seidenspinner im eigcnllichen Haushalle des Menschen eine hervorragend nützliche Rolle, ja der gewöhnliche 
S e i d e n s p i n n e r (Bombyx mori L.), der seil ungezählten Generationen in einer vollständig domestizierten Rasse 
künstlich gezogen wird, ist weitaus das nützlichste aller Insekten, dessen Zucht in einzelnen südlichen Gegenden 
Europas (besonders in Italien, Südlirol, Südfrankreich) einen sehr beträchtlichen Teil des nationalen Einkommens bildet. 

Die Seidenkultur stammt aus Ostasien, wo die Chinesen angeblich schon 2000 Jahre vor Chr. Seidenzucht 
betrieben. Nach Europa kam sie erst zu Zeiten Kaiser Juslinians, allein schon früher wurde von den Griechen das 
Gespinst eines eii>lieimischen Spinners (vielleicht von Pachypasa otus) zu Geweben verwendet. Die Raupe des Seiden- 
spinners lebt auf dem Maulbeerbaum (Morus alba), der aus diesem Grunde auch in Europa zahlreich angepflanzt 
wurde. Das Ei hat eine lange Überwinterungsdauer. Die Zucht der Raupen, die nicht ganz 2 Monate dauert, erfordert 
große Soi'gfalt, Reinlichkeit und gleichmäßige Warme. Sie kann zwar nicht im Freien, wohl aber gut von Frauen 
und Kindern betrieben werden. Die Seide wird durch Abhaspeln der Kokons gewonnen.^) 

Außer dem echten Seidenspinner und dessen nahen, zum Teil noch frei lebenden Verwandten, als Bombyx huttoni 
Westw., Bomb, mandarina Moore u. Bomb, affinis Hutt., werden namentlich in Indien noch eine Anzahl anderer 
Spinner, die teils zu den Bombyciden, teils zu den Saturniiden gehören, behufs Gewinnung der Gespinstfaser gezogen. M 
Die wichtigsten derselben sind: O c i n a r a r e I i g i o n a Hell'. (Yoreeseidenspinner in Assam. die Raupe lebt auf 
Feigen), A n t he r a e a yamamay Gu6r. (der japanische Eichenseidenspinner), die naheverwandte Anth. 
p e rn y i Gu§r. aus China und A n l h e r a e a m y 1 i 1 1 a Dru. (Tussahspinner aus Indien). Die Versuche, die 
heimischen Saturniaarten zu gleichen Zwecken zu ziehen, ergaben im Gespinnst kein konkurrenzfähiges Produkt. 
Im Gegensatze zu den hervorragend nützlichen .Seidenspinnern zählen auch die allergrößten Kulturschädlinge 
zu den Lepidopteren. Nicht bloß die Naturproduktionszweige, also Land- und Forstwirtschaft, sondern auch der engere 
Haushalt des Menschen ist von zahlreichen Lepidopterenlarven gefährdet. In der Forstwirtschaft, wo Insekten- 
schädlinge eine sehr große Rolle spielen, imterscheidet man zwischen physiologisch und technisch schädlichen Arten, 
je nachdem die Kulturpflanze in ihrem Bestände gefährdet oder bloß der Marktwert ihres Produktes verringert wird. 
Es gibt einzelne Arten, die nach beiden [Richtungen schädlich sein können wie Cossus cossus, dessen Larve bei Anzahl 



■) Vgl Wo I f e nsberger (Milt. Schweiz. Ent. Ges. \11 188'i p. i> Taf. 1). 

") Vgl. B n I I e Anleitung zur Kultur des Maulbeerbaumes und zur rationellen Aufzucht der Seidenraupe. 
Görz, 190«. 

") Vgl. Wailly Catal. i>\ Silk pioduciiig Lepidoptera Lond. 1891 (Eni. X.\.\ p. .39— ■■). 



Nulzeii und Schaden. 



ABl 



sowohl das Absterben eines Bauines als jedenfalls eine N'erringei'ung seines Holzwerles erzeugt. Zuweilen wei'den 
.\rten schon dadurch schädlich, daß der jährliche Zuwachs an der befallenen Pflanze unterbleibt. 

Da die Schädlichkeit eine wirtschaftliche Talsache ist, gehört zu ihrem Begriff auch eine wenigstens relative 
Häufigkeit der Art. Es gibt viele Arten, die nach ihrer Lebensweise schädlich genainit werden müssen, die aber 
niemals in so großer Individuenzahl auftreten, daß die durch sie verursachte Schädigung einen nennen.swertcn öko- 
nomischen Nachteil erzeugen würde; dies i.st beispielsweise der Fall beim Kiefern.schwarnier (Hjioicus pinaslri). 
Die meisten Arten werden gewöhnlich erst dann zu S('hädlingen, wenn ihre Massenvermehrung eingetreten ist, was ge- 
wöhnlich durch Ausbleiben jener Kaktoren verursacht wird, die sonst die Zahl ihrer Nachkommenschaft beschränken. 
Diese Faktoren sind sehr verschiedener .\rt, häufig sind klimatische ICiiiflü.sse von großem Belang. Eine gewöhnlich 
indifferente Art kann auf diese \Vei.se zum Schädling werden. 

Weitaus die größten Verheerungen hat in der Forstwirlsdiart lOniopas wiederholt die \ D n n e n r a u p i' 
(Lymanlria dispar) verursacht, welche bei Massen Vermehrung besonders reine Fichtenbestände gewöhnlich im 3. Jahr 
zum Absterben bringt. Ihre Massenvermehrung erl'olgt in unregelmäßigen Zeiträumen imd dauert mehrere Jahre an, 
i[inerhalb welcher auch eine Verbreitung der Falter durch Überflug in bi.shcr unbesetzt gebliebene Gebiete erfolgt. 

i)ie wichtigsten, srliim ihrer lieben.sweise nach .schädlichen Arten Mitteleuropas') sind: 



Großschmetlerlinge. 

I' 1 e r i d a c. 

A p o !• i a crataegi L. Bauniweißling (Steinobst). 
P i e r i s b r a s s i c a e L. Großer Kohlweißling ( Kohl 

und and. Küchengewächse). 
I^ i e r i s r a p a e L., Kleiner Kohlweißling (wie die 

voi'ige). 

T li a n ni e t ti |) o e i d ae. 

T h a u ni e t o p o e a |) r o c e s s i o n e a L., Eichen- 
Prozessionsspinner (Eichen). 

Thaumctopoea pityocampa. SN'., Pinien- 
prozessionsspinner (südl. Kieferarten). 

T h a u ni e t o p o e a p i n i v o r a Tr., Kiefei'iipro- 
zessionsspinner ( Kiefei' im Norden). 

I. y ni a n l ]■ 1 i d a e. 

E u p r o c t i s ehr y s o r r h o e a L., Dunkler Gold- 
after (Obstbäume, Eichen). 

P o r t h e s i a s i m i 1 i s Fiissl., Goldafter, Schwan 
(Obstbäume). 

S t i 1 p n o t i a Salicis 1^., Pappelspinner (Pappeln, 
Weiden). 

Ly m a n t r i a d i s p a r L.,ScliwanHnspniner-) (Eichen, 
Obstbäume). 

Lymantria m o n a c h a, Nonne (Fichte, Lärche, 
Kiefer, Buche). 

L a s i (• (■ a in p i d a e. 

M a I a c s o m a n e u s t r i a 1,., Hingelspinner (Obst- 
bäume, Eichen usw.). 

E r i o g a s t e r 1 a n e s t r i s L., VVollafter ( Ku'schen, 
Äpfel). 

G a s t r o p a c h a (j u e r c i f o 1 i a L., Kupl'erglut ke 
(Obstbäume). 

D e n d r o 1 i in ii s p i n i L., Kiefernspinner (Kiefei). 

N o c t u i d a e. 

-\ c r o n y c t a t r i d e n s L.. .\prikoseneule (Spalier- 
obst, Aprikosen). 



.Vgr Iltis f i in b r i a L.. (an jungeu Weinreben nn 
Süden). 

Agrotis com es Hb. (an jungen Weinreben im 
Süden). 

.V g r o t i s e X c 1 a ni a 1 1 o n i s 1,. ((;raininecn). 

.\ g r o t i s l r i t i c i 1.., Weizencule (Gramineen, 
Zuckerrübe). 

Agrotis s e g e t u m S\'., Saateule (Cercalien, Rüben, 
Tabak). 

.V g r o t i s s a u c i a Hb. (Tabak j. 

.V g r o t i s v e s t i g i a 1 i s Holt, (an Kiefernkulturen). 

C h a r a e a s g r a m i n i s L., Graseuh; (Wiesengi-äser). 

E p i n e u r o n i a p o p n 1 a r i s F.. Loliheule (Wiesen- 
gräser). 

M a m e s t r a b r a s s i c a e L. ( Kohl, Salat n. and.). 

M a ni e s t r a p e r s i c a )• i a c L., Flohkrauleule (Zier- 
pflanzen in Gärten). 

M am e s t ra o 1 e ra ce a L., Genuiseeule(Kohlu.and.). 

M a ni c s t r a p i s i L., Erbseneulo (Erbsen). 

D i 1 o b a c a e r u 1 e o c e p h a 1 a L.. Blaukopt (Obst, 
Eichen). 

P a n o 1 i s g r i s e o v a r i e g a t a Goeze, Kieferneule 
(Kiefer). 

P 1 u s i a g a m in a L., Ypsiloneule (Klee). 

H y p e n a r o s t r a 1 i s L. ( Hopfen ). 

G e o m e t r i d a e. 

Operophthera b r u ni a t a L.. Kleiner Frosl- 

spanner (Obstbäume, Eichen). 
C h 1 o r o c 1 y s t i s r e c' t a n g u 1 a t a L., .Vpfelblüten- 

spanner (Kernobst). 
.\ b r a X a s g r o s s u 1 a r i a l a L., Slachelbeer- 

spanner (Stachelbeeren). 
H y b e r n i a d e f o 1 i a r i a Cl., Großer Frost-spanner 

(Obstbäume u. and.). 
B u p a 1 u s p i n i a r i u s L.. Kiefernspanner ( Kiefer). 

S e s i i d a e. 

T r o c h i 1 i u in a p i f o r in i s Cl., Bienenglasflügler 
(Pappeln). 



M Im Sinne des Besond. Teiles dieses Buches. 

-) Auch in Nordamerika ein starker Kulturschadling (vgl. Forbusch und F e r n .i 1 d, Thr tlypsy 
.Motli, Boston 1896). 



AtJl: 



Nulzeii uiiiJ Scliailen. 



Scsia tjpuliforiTiis Cl.. .lohannisbeerglasfliigler C o n c h y 1 i s a iii b i g u e 1 1 a Hb., Sauerwurni (Wein). 



(Johannisbeeren). 

S e s i a m y o p a c f o r m i .s Bkh., Apfelbaumglas- 
flügler (Apfelbäume). 

C o s .s i (i a e. 

C o s .s II s cüssus ]j.. Weidenbolii'er (Obstbäume 
u. and.). 

Z e u 7. e r a p y r i ii a I,., Dlausieb (Eschen und and.). 

11 e p i a 1 i d a I'. 
II e p I <i I u .s h M ni u 1 i L., HopIVnmollc (Hopfcni. 
Kleinschmetterlinge. 

l'y rali da >■ (/iiiislfn. 
.\ c h r n i a g r i s e 1 I a F., Klrlne Wacli.'Nniotte 

stocke), 
ti a 1 1 e r i a ni o I o n c 1 I a L., Waclisiiiotlc (Hioiuri- 

stöcke). 
P 1 o d i a i n t e r p u n c t e 1 I a Hb. iln Droguen, Süd- 
früchten, Mais). 
E p h e s t i a k ü h n i o 1 1 a Z. (in Meld Vorräten). 
E p h e s t i a e 1 u tili a Hb. (an Südfrüchten, trocknen 

Samen usw.). 
iJioryctria abietella Zck., Fiililenzatden- 

Zünsler (in Zapfen von Fichten). 
P h 1 y c t a e n o d e s s t i c t i c a 1 i s L. (Hüben, 'l'abak 

usw.). 
Pyrausta nubilalis Hb.. Hirsezünsler (Hirse 

Hopfen u. and. im Stengel). 

T o r t r i (■ i d a c (Wickler). 
O e n o p h l h i r a p i 1 1 e r i a n a SV. (Wein). 
Cacoecia histrionana Fi'oe!., Fichtenti'icb- 

wickler (Fichte). 



Evetria buoliana Schiff., Kieferknospentrieb- 

wickler (Kieferntriebe), (Harzgallenwickler). 
Evetria d u p 1 a n a Hb., Kieferntriebwickler (junge 

Kieferntriebe), ( Harzgallenwickler). 
Polychrosis b o t !■ a n a S\''. (Wein). 
8 t e g a n p t y c h a d i n i a n a Gn., Lärchenwickler 

(Nadelholz, besoiid. Lärche). 
Epiblema tedellaCl., Fichtennestwickler (Fichte). 
G r a p h o 1 i t h a f u n e b r a n a Tr. (Steinobst). 
Grapholitha z e b e a n a Rtzbg., Lärchengalleii- 

wickler (Lärchen). 
Grapholitha w o e b c r i a n a S\'., HindiMnvJikler 

(an divers. Obstbäumen). 
C; a r p o c a p s a p n ni (i n e i I a I ... .Vpfchvh klcr 

(.Äpfel). 



Y p O Jl 1) Ml (• ü t I (I 



(f iespinstmotten). 



^ ]> n m u n •' u t a m a I i n e 1 I u s Z. |.\pfel). 

Y p o 11 o m e u t a r o g n a t i- I 1 ii s Hb. (Eichen, Evo- 

nynnisi. 
"> p o II o Ml e II l a v a r i a b i 1 1 s Z. (Zwetschgen, 

PflaiiiiU'Ml. 

T I 11 e i d a e (s. 1.) (Schaben). 

G e 1 ,■ I- h i a dodecella I,.. KielVriikiKispeiitneb- 

inotte (Kiefern). 
Sitotroga cerealella Oliv. (Getreide, .Mais). 
A n a r s i a 1 i n e a teil a Z. (Pfirsiche, in jungen 

Trieben). 
C o I e o p h o r a 1 a r i c e 1 1 a Hb.. l.ärcheiiiniiiier- 

motte (Lärche). 
T i n (' a g r a n e 1 1 a L. (Getreide). 



Cacoecia m u r i n a ii a Hb.. 'raiiiieiilriebwickler Tinea pellin nella I... Polzniotte (Pelzwareii. 

(WeiUtanne). Wnllstdffe'. 

Tortri.x v i r i d a n a I... C.riiiirr 1m( luMiwickler T i n e o 1 a b i s e 11 i e 1 1 a Huiii.. Schabe. Kleiderniulle 

(Eichen u. and.). iWollsloffe, Papier usw.). 

Eine Besprechung der Abwehrniittel gegen die verschiedenen Schädlinge wür<le nicht mehr in den Rahmen 
dieses Buches fallen. Im allgemeinen läßt sich nur sagen, daß einerseits eine genaue Keimtnis der Lebensweise, anderer- 
.seits eine unermüdliche Prophylaxis die wichtigsten Voraussetzungen einer erfolgreichen Bekäin|>fuiig bilden, \iir 
dort, wo ein ungestörtes Dasein möglich ist, entwickeln sich Arten zu wahren Schädlingen. 

.\uf die entzündlichen Erscheinungen, welche die Haare von Raupen, namentlich der Thauiuetopoeiden und 
einzi'lio'r Lymantriidcn auf der men.schlichen Haut hervorrufen können, «^l^dc bereit.s anderwärts hingewiesen.') 



X. Faunistik und geographische Verbreitung. 

Die Faunistik (Faunenkunde) hat nur die Feststellung des Vorkommens einzelner oder auch aller Tierformen 
innerhalb eines bestimmten Territoriums zur Aufgabe. Sie beschäftigt sich al.so nur mit den Tatsache n des 
örtlichen Vorkommens, wobei in der Regel auch die Häufigkeit, d. h. die relative Individnenzahl, in welcher eine 
.\rt aufzutreten pflegt, Berücksichtigung findet. 

So bescheiden die faunistische Forschung, zu der fast jeder Sammler beizutragen in der Lage ist, auch erscheinen 
mag, so ist sie doch die unerläßliche und wichtigste Voraussetzung für das Studium der geographischen N'erbreitung 
der Tierformen. Es soll daher auch die größte Sorgfalt dai'auf verwendet werden, daß nur richtige Angaben 
in Lokalverzeichnissen .\ufnahme finden und vor allem die Bestimmung ungewöhnlicher \rlfu iii wissenschaftlich 
eiiiwandfri'ier Weise si<lieigestellt erscheint. 



') \'gl. vorne ji. .\ iii unil im He.sond. Teil |i. 111 .\iiiii. '.;. 



Fauiiislik und geographisclu' \ erhriMtuii-^. A 63 



Das Studium der geographischeu \erbreitung der Tierfoi'mon oder die sogenannte Z o o g e o g r a p li i e, 
stellt sich dann ihrerseits die Aufgabe, die f r s a c h o n des gegenwärtigen Standes der Verbreitung /.u erforsnhen. 
Die Faunistik gibt also die Tatsachen, welche sich für die Zoogeographie als Probleme darstellen. 

Man hat früher geglaubt, den verschiedenen Fauneiicharakter der Erdgebiele allein durch die Verschiedenheit 
örtlicher und klimatischer Verhältnisse erklären zu können, da man in der irrigen N'oraussetzung befangen war, daß 
jede Tierform in ihrem gegenwärtigen \'erbreitungsgebiet auch entstanden sei. Gegenwärtig ist man zur Erkenntnis 
gelangt, daß nur für die allerwenigsten Tierformen angenommen werden darf, daß sie in dem Territorium, in dem sie 
heute angetroffen werden, auch zur Differenzierung gelangt sind, daß vielmehr in der Fauna jedes Gebietes im Laufe 
der Erdgeschichte mehr oder weniger weitgehende Veränderungen und Einwanderungen stattgefunden haben, und 
überall eine Mischfauna von Elementen oft sehr verschiedener Hei'kunft und .sehr verschiedenen Alters vorhanden ist. 
Das numerische Überwiegen des einen oder anderen Faunenelements bestimmt dann den faunistischen Charakter 
eines Gebietes. 

Die wichtigste Rolle in der Tiergeographie spielen die erdgeschichtlichen Veränderungen, welche bekanntlich 
wiederholt die Kontinente vielfach umgebildet und in anderen Zusammenhang gebracht haben und damit auch 
die Lebensbedingimgen und die Au.sbreitungsmöglichkeiten für die Tierwelt von Grund aus umgestalteten. Da aber 
die fossilen Reste, insonderheit bei Lepidoptereii, uTir eine ganz lückenhafte Kunde über den Faunencharakter 
früherer Erdperioden geben und die darauf folgenden erdgeschichtlichen Ereignisse fast jeden Zusammenhang mit 
früheren Faunen ausschließen, ist die Zoogeographie wesentlich auf die vergleichende Methode angewiesen, das 
heißt, sie muß unter Zugrundelegmig der erdgeschichMichen Tatsachen aus der gegenwärtigen Verbreitung der Formen 
Schlüsse auf ihre ursprüngliche Herkunft und .Ausbreitung ziehen. Dadurch wird aber nicht bloß eine wertvolle Ein- 
sicht in stammesgeschichtliche \erhältnisse der betreffenden Tiergruppen gewonnen, sondern oft auch kinuien die 
zoogeographischen Forschungsergebnisse als Beweise für erdgeschichtliche und damit im Zusammenhange stehende 
klimatische Veränderungen dienen. Wenn beispielsvkfeise am Oberharz einzelne alpine Faunenelemente angetroffen 
werden, so läßt dies mit Sicherheit darauf schließen, daß frühei' auch in den dazwischen liegenden Gebieten solche 
klimali.sche Verhältni.sse geherrscht haben müssen, welche eine .\usbreitung von alpinen .Arten bis auf den Harz 
ermöglichten, und daß bei gi'äiiilerten kliinatisc lien Bedingungen ilic dazwischen liegenden Woirnjikitze von ihnen 
aufgegeben werden mußten. 

In vielen Lokalfaunen werden sich .solche Elemente finden la.ssen. die als Reste» eines früheren Faunenzustandes 
anzusehen und daher als „Reli k t form eu" zu bezeichnen sind. 

Eine der auffallendsten Reliktformen in der Lepidopterenfauna Europas ist zweifellos die Saturniidengattung 
Graellsia in Zentralspanien, die ein ans der Terliärzeit erhalten gebliebenes, der paläarktischen Fauna sonst ganz 
fremdes Faunenelement darstellt. 

In der Zoogeographie handelt es .sich also vorerst um die l'nterscheidung von F a u n c n e 1 c m e n t e n, d. h. von 
.\rtgruppen als höheren Einheiten, von denen wir gleiche Herkunft annehmen können. Diese faunistischen Elemente 
fallen durchaus nicht mit den systematischen Kategorien zusammen, so kann es beispielsweise vorkommen, daß schon 
zwei .\rten derselben Gattung verschiedener Herkunft sind, also auch nicht in dieselbe Gruppe der Faimenelemente 
gestellt werden können. 

Einen wichtigen Grundsatz in der Zoogeographie bildet ferner die Voraussetzung, daß eine Tierform nur an 
einer Lokalität zur Differenzienmg gelangt sein kann. Wo demnach an weit entfernten Lokalitäten gleiche 
oder ganz nahe verwandte Tierformen angetroffen werden, dorthin muß auch eine .Ausbreitung derselben von einer 
gemeinsamen Ursprungsstätte stattgefunden haben. 

Eine Art erhält sich an verschiedenen Lokahtäten nur dann noch einh(!itlich, wenn kein zu langer Zeitraum 
seit der Auflösung ihrer Wohngebiete erfolgt ist, oder die Möglichkeit der Rückkreuzung der Individuen verschiedener 
Lokalitäten untereinander gegeben bleibt, wie letzteres bei großen Territorien nur selten der Fall sein wird. Tritt eine 
langandauernde Isolierung (Separation) eines Teiles des .Artbestandes ein, so differenzieren sich die abgetrennte Kolonie 
und der Rest der ursprünglichen .Art in verschiedener Weise und erstere bildet vorerst eine Lokalform (subspecies). 
die sich in der Folge zu einer verschiedenen Art umbildet, wobei in der Regel eine eingetretene Divergenz im Genital- 
apparat die Möglichkeit einer späteren Rückkreuzung ausschließt. 

.Jede Art hat nicht bloß das Bestreben ihren Individuenbestand zu vermehren, .sondern auch ein möglichst 
ausgedehntes Gebiet, als „Verbrei tungsareal", zu bewohnen, denn nur dadurch ist sie in ihrem Bestände vor 
lokalen Katastrophen geschützt, nur dadurch werden Nalirungsmangel und die schädlichen Folgen zu weitgehender 
Inzucht vermieden. Das Areal ist nicht immer ein geschlossenes, .sondern strahlt sehr häufig radiär aus oder bildet 
Inseln, ist also oft ein unterbrochenes (disjungiertes). in welchem Falle dann meist die Vorbedingungen zur Aus- 
bildung von Lokalformen gegeben sind. Dort wo die größte Ausdehnung des .Areales mit der größten Häufigkeit 
einer .Art zusammenfällt, spricht man von einem V e r b r e i t u n g s z e n t r u m derselben. Die Verbreitungs- 
zentren wechseln für einen Tiertypus im Laufe der erdgeschichtlichen Veränderungen. 

Wie schon angedeutet, nimmt die Häufigkeit einer .Art gegen die Peripherie ihres Verbreitungsgebietes in der 
Regel stark ab, so erklärt es sich, daß einige in Mitteleuropa nur ganz vereinzelt aufgefundene .Arten anderwärts 
nicht selten sind. Das Verbreitungszentrum von Luperina zollikoferi liegt beispielsweise weit östhch in Zentralasien 



A (J'i riiiiiiistik lind },'eographisehe N'erbreilung. 



und dio Xcrirfluiij,' der Art nach Westen ist eine sehr schwache. Andere im Süden häufige Arten gelten danim in 
Mitteleuropa nicht als große Seltenheiten, weil sie regelmäßig in südeuropäischen Stücken in den Handel kommen. 

Trotz des Bestrebens einer möglichst ausgedehnten Verbreitung sehen wir doch viele Arten auf enge Lokalitäten 
besithränkl, da ihrer weiteren Au.sbreitung physische Verbreitungshindernisse als sogenannte „Barrieren" entgegen- 
stehen. Solche Verbreitungshindernisse sind vor allem Gebirge, bezw. für gebirgsbewohnende Arten ausgedehnte 
Tiefländer, ferner Wüsten, Meeresteile usw., die nicht bloß physisch, sondern auch klimatisch wirken. Auch biocoe- 
notische Barrieren können vorhanden sein, indem beispielsweise eine an ein Territorium gut angepaßte Art eine andere, 
noch nicht angepaßte, beim Eindringen durch die Konkurrenz um die Lebensbedingungen nicht aufkommen läßt. 
Zuweilen ist aber auch der neue Eindringling stärker und verdrängt die früheren Einwohner eines Territoriums, wie 
dies in Nordamerika bei dem Import von Pieris rapae Itezüglich der dortigen heimischen Pierisarten der Fall war. 

Die ürenzen des von einer .\rt bewohnten .Vreales sind in fortwährender Schwankung begriffen, indem balil 
alte Wohnplätze verloren gehen, bald neue gewonnen werden. Ein abnorm kaller und trockener Winter kann bei- 
spielsweise für eine thermisch empfindliche Art schon eine sehr bemerkbare Restringieriing ihres Verbreitungsareales 
zur Folge haben. Die Änderung der Kulturart eines Landes kann nicht bloß alte Wohnplätze vernichten, sondern 
auch neue schaffen. Bekannt sind die Verminderungen, welche die Lepidoplerenfauna, namentlich in der Um- 
gebung großer Städte, durch die immer zunehmende Einschränkung tauglicher Wohii[)lätze und durch den Sammel- 
eifer der zahlreichen Sammler erleidet. 

Endemisch nennt man solche Formen, die nur innerhalb eines bestimniteii Territuriiims vorkommen 
und für dasselbe .als ursprünglich anzusehen sind. .\ p o d e ni i s c h sind solche Formen, die für ein Territorium 
ebenfalls als urspriingiich anzusehen sind, aber auch außerlialb desselben eine N'erbreitung gefunden haben. I n d i g e n 
bezeichnet den Gegen.salz zu iini)i)iliert. Nebst den enilemischen Formen, die sehr verschiedener Herkunft .sein können, 
sich aber innerhalb des Territoriums differenziert haben müssen, besitzen vornehmlich no<h jene Arten eine große 
zoogeographische Bedeutung, die innerhalb eines beslimniti>n Territoriums in irgend einer Dichtung eine Grenze ihrer 
sonstigen Verbreitung finden. 

Innerhalb eines Areales sind aber niclil alle Lokalitäten zu Wohnplalzen für ein und dieselbe Art geeignet. 
In der Regel werden dieselben bei Lepidoi)teren mit den Stundorten der Futterpflanzen zu.sammenfallen und so wie 
diese an gewLsse topographische und petrographische \'erhällnisse (Gebirge, Wald, Hodenbeschaffenheit usw.) ge- 
bunden sein. Gewinnt ein bestimmter Lokalilätscharakter eine sehr große Ausdelinung, spricht man wohl aucli von 
Zonen, z. B. Waldzone, Steppenzone usw. 

In bezug auf die v e r t i k a 1 e \' e r b r e i t u n g der Lepidopteren wunleii für Mitteleuropa von den 
Gebrüdern Speyer') (nach Heer) nachstehend .5 Höhenzonen unterschieden. 

I. Die u n t e r c H ö h e n z o n e, deren obere Grenze meist mit jener des Wahiußbaumes zusammenfällt 
und in Mitteldeutschland schon bei '»50 m, in den nördlichen Kalkalpen bei T.^SO m und in den südlichen erst bei 
900 m Seehöhe liegt. Sie zerfällt in die eigentliche Tieflandszone und in die llügelzone. 

II. Die B e r g z o n e von deroberen Grenze der vorigen bis zu jener der Buche, also die Zone der Laubwälder, 
deren obere Grenze nach der örtlichen Lage sehr starken Schwankungen unterliegt, im allgemeinen aber zwischen 1000 
und l.'iOo m angenommen werden kann. 

III. Die subalpine Zone, obere Waldregion, in den .Vlpiii nml (iciitschen Gebirgen die Region der 
Nadelwälder,-) im allgemeinen zwischen 1200 und 1800 m Soehöhe. Sie ist in den .\lpen sehr ausgebreitet, jen.seits 
derselben erheben sich aber nur der Harz, Thüringer-, Böhmer- und Schwarzwald, die schlesischen Gebirge, das Fichtel- 
nnd Erzgebirge, die Vogesen \md der Jura mit ihren Kämmen, oder zum Teil nur mit ihren Gipfeln, in diese Region. 

IV. Die obere (eigentliche) A 1 p e n z o n e, oberhalb der Baumgrenze bis zur Schneegrenze (ca. 2300 m). 
Außer den Alpen reichen auch die Karpathen, die Gebirge der Balkanhalbinsel und die Gipfel des Riesengebirges 
in diese Zone. 

V. Die untere S c h n e e z o n o zwischen 2300 bis 3000 m, mit sparsamer, durch Felsboden vielfach unter- 
brochener Pflanzendecke und nur in warmen Sommern verschwindenden Schneeflecken, beherbergt noch eine .Anzahl 
hochalpiner .Vrten. .Vußerhalb der Alpen ragen nur noch die Hochgipfel der Karpathen und Balkangebirge in diese 
Zone. — In der eigentlichen darauffolgenden Schneezone fehlen bereits die Existenzbedingungen für Lepidopteren. 

Ein noch weiterer Begriff als das,\real ist dio Region, worunter im allgemeinen große Erdgebiete verstanden 
werden, innerhalb welcher die überwiegende Mehrzahl iler .Vi'ten. die darin ihre X'iM'breitungszenIren haben, auf dieses 
Gebiet beschränkt ist. 

Die Region zerfällt meist in Subregioneii. innei'halb welcher der allgcMueine Zonencharakter eine große 
Rolle spielt. 

Man hat in der Zoogeographie die Ländcrgebielc der Erde von verschiedenen (iesichtspunkten aus in Regionen 
geleilt. Obwohl allgemein gültige Regionen in der Tiergeographie unmöglich sind, da jede Tiergruppe ihre speziellen 
Lebensbedingungen und .\usbreitungsmiltel, ihre eigene \'ergangenheit und ihre eigene Herkunft besitzt, fand doch 

•) Die geogr. \'erbreilung der Schmetterlingi^ Deutschlands u. der Schweiz. 2 Hnde., Leipzig 1K58 u. 1862 
(I p. 12 ff.). 

■-') In den Gebirgen der Balkanlander bildet viell'aili wieder die Buche die obere Grenze der \\'aliliegion. 



Faiiiiislik und geographische Nerhreilung. A 63 



häufig die für eine Tiergruppe aufgestellte Hegionseinteiiung auch auf andere Tiergruppen Anwendung. Am !).• 
kanntesten in dieser Hinsicht wurde die für höhere Wirbeltiere aufgestellte Regionseinteilung von Sclater- 
Wallace,') wonach die Landleile der Erde in nachstehende Regionen zerfallen: 
I. Paläarktische (Europa, Xordafrika, ganz Nord- und Ostasien). 
II. Äthiopische (das restl. Afrika). 

III. Orientalische (Indomalayische Region). 

IV. Australische. 
V. Xeotropische (Zentral- und Südamerika). 

VI. Neoarktische (Nordamerika) 

Jede dieser Regionen zerfällt in eine Anzahl Subregionen, von denen hier nur jene genannt werden sollen, 
welche die paläarktische Region betreffen. Es sind dies 1. die europäische Subregion (Zentral- und Nordeuropa, mit 
Island und Zirkumpolargebiet, Ural, Balkan, PjTenäen); 2. die sibirische Subregion (Nord- und Ostasien, südhch 
durch eine Wüstenzone oder Hochgebirge begrenzt) ; 3. mediterrane Subregion (Mittelmeerländer; die Südgrenze bildet 
die Saliara); 4. mandschurische Subregion (Japan, Nordchina, Amur). 

Für Lepidopteren wurde bisher erst von E 1 w e s -) der Versuch gemacht, eine selbständige Regionseinteilung 
zu geben. Er unterscheidet nur 4 Regionen: die nördlich gemäßigte Region, die altweltliche Tropenregion, die neotro- 
pische Region und die australische Region (inkl. Neuseeland). 

Wenn wir die Familien und selbst Subfamilien der Lepidopteren betrachten, so sehen wir nur sehr wenige 
derselben in ihrem Vorkommen bloß auf eine Region beschränkt. Die Meisten haben Vertreter in allen Regionen, wenn 
auch in sehr ungleicher Anzahl. Erst mit Zugrundelegung der Gattungen treten die großen Divergenzen der Faunen- 
gebiete scharf hervor, die bei Betrachtung der Arten sich noch wesenthch steigern. So haben die paläarktische und 
neoarktische Region, die häufig auch unter dem Namen der hol arktischen Region zusammengefaßt werden, 
noch zahlreiche Gattungen, aber doch verhältnismäßig wenige Arten gemeinsam. In der Regel sind es Zahlen- 
verhältnisse, also statistische Angaben, welche zur Abgrenzung der Gebiete dienen. 

Bevor auf eine kurze zoogeographische Betrachtung der dem besonderen Teile dieses Buches zu Grunde gelegten 
Länder eingegangen wird, müssen die Ausbreitungsmittel, welche die Lepidopteren insonderheit besitzen, eine 
kurze Erörterung erfahren. Schon das Flugvermögen, welches als Ausbreitungsmittel doch zuerst in Betracht kommt, 
ist ein sehr ungleiches. Während gewisse Sphingiden in der Lage sind ganze Kontinente zu durchfliegen, bewegen 
sich andere Arten (die Flugfähigkeit beider Geschlechter natürlich vorausgesetzt) oft keinen Kilometer im Umkreise. 
Aber auch das beste Flugvermögen führt nicht sogleich zur Eroberung neuer Wohngebiete, wenn nicht gleichzeitig 
eine große Anpassungsfähigkeit an geänderte Lebensbedingungen (Klima, Nahrung usw.) vorhanden ist. Interessant 
sind in dieser Hinsicht die fast alljährlich auftretenden Zuflüge mittelländischer Sphingiden bis Nordeuropa, die noch 
bei keiner der Arten zu einer dauernden Ansiedelung geführt haben. Nur bei Acherontia atropos scheint die Fähigkeit 
den mitteleuropäischen Winter als Puppe zu überdauern, Fortschritte zu machen. 

In weitaus den meisten Fällen dient das Flugvermögen den Lepidopteren nur zur Befriedigung ihres Nahrungs- 
und Geschlechtstriebes. Selten werden hiebei die Grenzen einer Lokalität von topographisch bestimmtem Charakter 
überschritten. Es findet wohl zweifellos ein Austausch von Individuen von einer Station zur anderen statt, aber keine 
plötzliche oder wesentliche Verschiebung der Arealgrenzen. Unter dem Einflüsse sozialen Bewußtseins kaim das Flug- 
vermögen aber auch bei Lepidopteren in der Form von Massenflügen zur außerordentlichen Betätigung gelangen und 
dann zur Ausbreitung einer .Vrt weit über die Grenzen ihrer gewöhnlichen Wohnplätze führen. Solche Massenflüge 
werden gewöhnlich als ,, Wanderung" (Migration) bezeichnet. Im Gegensatz zur Wanderung der Zugvögel, Fische 
und anderer Tiere sind die Wanderzüge bei Insekten (wenigstens in unseren Klimaten) jedoch keine regelmäßige Er- 
scheinung, und niemals kehren dieselben Individuen, welche den Zug angetreten haben, wieder an ihren ursprüng- 
lichen Aufenthaltsort zurück. In Fällen, in welchen Insektenzüge zu verschiedenen Jahreszeiten mit entgegen- 
gesetzter Zugrichtung beobachtet wurden, kann es sich bei den späteren Zügen höchstens um Nachkommen der 
Teilnehmer eines früheren Zuges handeln. 

Die Ursache für Wanderzüge ist zumeist lokaler Nahrungsmangel, der auslösende Reiz liegt jedoch in meteoro- 
logischen Einflüssen. Bei gleichzeitiger Massenentwicklung von Individuen erwacht der soziale Sinn zur gemeinsamen 
Betätigung und ruft Kraftleistungen hervor, welche die einzelnen Individuen nicht erzielt hätten. Der erwachte 
Wandertrieb gibt den Tieren ein unruhiges, rastloses Wesen und wirkt dann zuweilen auch auf andere Arten nach- 
ahmend ein, indem sie sich dem Zug der fremden Art anschließen. Obwohl Massenzüge häufig ganz zu Grunde gehen 
(beispielsweise ins Meer oder ins Hochgebirge verweht werden), so ist es doch verständlich, daß durch sie die Aus- 
breitung einer Art weit über die Grenzen ihres gewöhnlichen Areales leicht erfolgen kann. Die Züge geschehen nicht 
immer in geschlossenen Schwärmen, sondern zuweilen auch nur, indem einzelne Individuen hintereinander fliegen, 
wobei genau dieselbe Flugrichtung eingehalten wird. In der Regel sind in Lepidopterenschwärmen weihliche Indi- 
viduen reicher vertreten als männliche. 

') Vgl. Wallace Geogr. Verbreitung der Tiere i876. 

*) Tr. Ent. Soc. Lond. 1894 Proc. p. 50 ff. (Hmps. Cat. I p. 1.3— 14i. — Leider vertritt die neueste verdienst- 
volle Arbeit Pagenstechers (Die geogr. Verbreitung der Schmetterlinge, Jena 1909) in dieser Hinsicht keinei. 
selbständigen Gesichtspunkt. 

Berge-Rebcl, Sohmetterliiigsbuch. A 9 



A Ü6 l-'aunislik uiul geographische \ oiltreiluiig. 



Die wichtigsten der für Milteleuropa in Betracht kommenden Lepidopterenarten, bei denen bisher Massenzüge 
l)eobachtet wurden, sin<l: Pieris brassicae, P. rapae, Pyranieis ciirdui, Lymantria monacha, Agrolis suffusa, Agr. 
segetum, Hehothis armigera, Plusia gamma, Deiopeia pulcheila und Xomophila noctuella SV. (Pyrahde). 

In (ien Tropen finden sich auch Papihoarten und Uraniiden als Wanderer, vor allem aber auch D a n a i s 
p 1 e X i p p u s L. der auf dem Wege der Wanderung vom südlichen Nordamerika in den letzten 4 Dezennien die ganze 
Südsee bis Java erobert und auch auf den Kanarischen Inseln eine Kolonie gebildet hat.') 

Weitaus die hervorragendste Holle unter den heimischen Arten spielt als Zugtier der D i s t e 1 f a 1 t e r 
(Pyrameis cardui), dessen Massenflüge schon wiederholt beobachtet und zu zahlreichen Mitteilungen \'eranlassung 
gaben. Besonders das Jahr 1879 war durch solche Massenzüge des Faltei-s ausgezeichnet,-) in neuerer Zeit traten zahl- 
reiche Züge auch im Jahre 1903 auf.") 

Die meisten der obgenannten heimischen Zugtiere sind weit über die Grenzen der paläarktischen Region ver- 
breitet und haben zum Teil eine kosmopolitische \'erbreitung gewonnen, wie Pyrameis cardui, .Agrolis suffusa, Heliothis 
armigera und Xomophila noctuella. Nur durch die von Zeit zu Zeit auftretenden Massenwanderungen dieser Arten 
wird die Bildung von Lokalformen ihrerseits in weit abgelegenen Gebieten vorhindert, indem Rückkreuzungen mit den 
Zuwanderern erfolgen und dadurch der einheitliche Artcharakter erhalten liliilil. Laii^'snni sirji auslireitende .\rten 
pa.ssen sich leichter an 'und verändern sich daher auch leichter. 

Bemerkenswert ist, daß nur solche Arten wandern, die mehr als eine Generation im Jahre bilden, und daß das 
Flugvermögen nicht immer ein besonders großes zu sein braucht. So wird Deiopeia pulcheila gewiß mehr passiv 
durch Luftströmungen, als durch ihre Flugkraft verbreitet. 

Wäre die Wanderung bei Lepidopteren nicht auf so wenige Arten beschränkt, müßten die Erdgebiete viel 
gleichartiger bevölkert sein und die kosmopolitischen .Arten an Zahl überwiegen.') Gleiche Wirkung wie die natür; 
liehe Wanderung hat die meist unbeabsichtigte .Ausbreitung (Import) durch den menschlichen Aerkehr, wodurch zahl- 
rei<:he Schädlinge des menschlichen Haushaltes und der Kulturpflanzen zu Kosmopoliten gemacht wurden. 

.Vuch bei Raupen wurden wiederholt Massenzüge aus Nahrungsmangel beobachtet, so bei Pieris brassicae und 
Lymantria dispar, welche zufolge der geringen .Ausbreitungsfähigkeit dieses Lebensstadiums selbstredend nur streng 
lokale Erscheinungen blieben. 

Wenn wir nach diesen notwendig gewesenen allgenieinen Bemerkungen auch nur zu einer andeutungsweisen 
Betrachtung der zoogeographi.schen \'erhältnisse Mitteleuropas ^) schreiten wollen, müssen wir uns vor allem die wich- 
tigsten hier in Betracht kommenden, letzten erdgeschichtlichen Tatsachen vergegenwärtigen, die auf die heutige 
Faunengostaltung den entscheidenden Einfluß ausübten. 

Ei-st in der mittleren Tertiärzeit (Ende <ies .Miocän) fanden jene niärhligen Gcbirgsbildungen statt, die in 
Europa in der Erhebung der Alpen und Karpathen ihre Kulminationspunkte erreichten. Zweifellos bildete sich bereits 
damals eine eigene (endemische) Gebirgs-Fauna aus, deren Elemente wir als alpine (präglaciale) Arten bezeichnen. 
In den Niederungen hatte die Fauna dem damaligen warmen Klima entsprechend einen subtropischen Charakter, 
womit die fossilen Funde (vgl. vorne p. 50) übereinstimmen. Gegen Ende der Tertiärzeit war ein sehr großer Teil 
von Nord- und Mitteleuropa vom Meer bedeckt. Südwesteuropa stand einerseits mit England, Skandinavien inid 
Grönland, andererseits mit Nordafrika in Landverbindung, Südosteuropa hing mit Kleinasien zusammen. Von Italien 
war nur der südlichste Teil, ferner Sizilien, das mit Sardinien und Korsika in Landverbindung gestanden ist, vorhanden. 

Zu Beginn der Quartärzeit trat auch jenes klimatische Phänomen ein, das als Eiszeit (Glacialperiode) 
allgemein bekannt ist, und den nächstliegenden und größten Emfluß auf die gegenwärtige Faunengestaltung ausübte ») 
Skandinavien und Finnland waren von einer gewaltigen Gletschermasse bedeckt, die sich südwärts bis Deutschland 
erstreckte. Ein zweites Glelschergebiet bildete Großbritannien, während die Nordsee, soweit sie damals existierte, 
mit Packeis erfüllt war. Die .Alpen bildeten ein drittes ausgedehntes Gletschergebiet und daneben waren auch die 
Pyrenäen, das französische Mittelgebirge, Schwarzwald, Vogesen, Karpathen und zum Teil die südlichen Balkan- 
hochgebirge vergletschert. Es fanden wiederholt starke Schwankungen in der .Ausdehnung des Inlandeises statt 
(sog. Inlerglacialperioden), bis ein vollständiger Rückgang und eine Beschränkung des Phänomens auf die Ilochgipfel 
der .Alpen und auf die arktischen Gebiete (insonderheit Grönland) eintrat, wo noch heute eiszeitliche Verhältnisse 
andauern. Nach Rückgang des Inlandeises wurde Europa, welches im wesentlichen bereits seine heutige Konfiguration 
zeigte, zum größten Teil von einer neuen Fauna besiedelt, die von Osten kam und als sibirisches Faunen- 
element bezeichnet wird. Zuerst mag die Fauna der Ebene sich <lern Cliaiaklej' der ilanials vorherrsrluMiden Tundren 



') Vgl. Distanl (Tr. Ent. Soc. 1877 p. 93); Walker (.\lonlhl. .Mag. .\XI1 p. 217); S i- u d d c r 
(Butt. N. Engl. I p. 720); Tutt (Ent. Rec. XII p. 182, 206, 236): Sem per (Iris XVIII p. 247). 

■') \'gl. Ent. Nachr. V p. 195, 226, 314; Ver. f. vaterl. Naturk. Württemberg 36. Bnd. p. 86; Monthl. Mag. 
X\I ],. 49. 

■') Vgl. Schilderung eines solchen: zool. bot. A'erh. 1903 p. 571. 

*) Dies schließt nicht aus, daß an manchen Lokalitäten selbsf in vers( hii'denen Eniteileii die kosmopoli- 
tischen .Arten in ihrer Individuenmenge praevalieren und dann einen gleichen Fauni'neh;u;d<ler vortäuschen (vgl 
Seitz Zool. Jahrb. (Abt. Syst.) V p. 301). 

'') Im Sinne des Besonderen Teiles dieses Buches. 

") Vgl. Geinitz. Die Eiszeit (Brannschweig 1906); S c h a r f f. Ilislorv nf llie Knrope;in f;iiMia 
(I^ondon 1899). 



Faunislik und geographische Vei-liicituiig. A 67 



angepaßt und dann zum Teil auch eine Ausbreitung nach Norden (in die heutigen arktischen Gebiete) gefunden haben, 
wo sie noch heute ebene Gebiete bewohnt, wogegen sie bei wämier werdendem KUma in Mitteleuropa sich auf die 
Gebirge zurückziehen mußte. \on diesem Gesichtspunkte aus ist auch die mehrfache Übereinstimmung der nordischen 
und hochalpinen Fauna zu beurteilen. Ursprünglich alpine (pr;iglaiiale) Formen fehlen im hohen Xorden. Eine 
weitere starke Einwanderung fand auch aus dem Südosten über Kleiiuisien und dem damit verbundenen Griechen- 
land statt. Die.se Einwanderungselemente werden als pon tische (orientalische) bezeichnet und nehmen in 
ihrer Verbreitung in der Hichtung nach Nordwesten stark ab. Keinenfalls ist die Annahme gestattet, dall während 
der Eiszeit eine vollständige Entvölkerung Europ:« an Lepidoptcren eingetreten sein müsse. Die präglacialen 
alpinen Formen dürften vielmehr in den (südlichen) Randzonen die Eiszeit vielfach überdauert und bei Frei- 
werden höher gelegener Wohnplatze wieder von ihnen Besitz ergriffen haben. Einzelne präglaciale wärmebedürf- 
tigere Formen werden namentlich im Südwesten Europas und in Nordafrika Zuflucht gefunden haben und bilden 
heute in ihren differenzierten Nachkommen die .sogenannten 1 u s i t a n i s c h e n Faunenelemente, die allerdings 
nur in dem westlichen Teil Milteleiu-opas einzeln auftreten. In jüngerer Zeit siedelten sich dann an den Küsten 
des Mittelmeeres Faunenelemente (sehr verschiedener Abstammung) an, die als mediterrane Formen 
bezeichnet werden und nordw'ärts vielfach bis an den Alpengürtel vorgedrungen sind. 

Schon aus diesen kurzen Andeutungen mag entnommen werden, wie schwierig die Lösung vieler zoogeographi- 
srher Fragen sich darstellt. Nicht bloß, daß die Verbreitung der einzelnen .\rten auch außerhalb des in Frage kommen- 
den Territoriums möglichst genau bekannt sein soll, müssen auch die Existenzbedürfui.sse und die stammesgeschicht- 
lichen Beziehungen derselben in Erwägimg gestellt werden, bevor sie als ein Fauneneloment bestimmter Herkunft 
angesprochen werden können. 

In Zentraleuropa bildet das s i b i r i s c h o Faunenelement (dem ja auch die .sogen, mitteleuropäischen Arten 
angehören) weitaus den hervortretendsten Faunenbestandteil, de.ssen .Anteilnahme an dem Faunenbestande in nord- 
westlicher Richtung zunimmt, und beispielsweise in Bosnien und der Herzegowina niu' »0 "„, in Holland aber (bei einer 
natürlich viel geringeren Gesamtartenzahl) über 80 "o beträgt. 

Das zweitstärkste Faunenelement bilden die pon tisch -ori en ta 1 isch en .Arten mit in nordwestlicher Rich- 
tung stark abnehmender, zw-ischen .35 °,', und ca. 15 "„ schwankendem .Anteil. Für die südlichen Länder Mitteleuropas 
kann auch das mediterrane Faunenelement bis 6 "„ des FaunenLestaiides bilden, wogegen das 1 u s i t a- 
n i s c h e wohl nur auf einzelne Vertreter (wie Lycaena melanops, Fidonia famula, Eurranthis plumistraria, .\glaope 
infaasta) in Westeuropa beschränkt bleibt. Das alpine Faunenelement, welches so sehr vom Lokalitätscharakter ab- 
hängt, ist selbst in den Alpenländern in seiner Stärke sehr wechselnd, übersteigt aber wohl nirgends 15 % der Landes- 
(nicht Lokalitäts-)fauna. Der Prozentsatz e n d e m i s c h e r F o r m e n ist in den ebenen Teilen Mitteleuropas 
sehr gering und beträgt bei Großsehmetterlingen, selbst mit Berücksichtigung namensberechtigter Lokalformen, 
weit unter einem Prozent des Faunenbestandes, in Gebirgsgegenden können die endemischen Lokalformen im gün- 
stigsten Falle (wie im Wallis) bis 4 % ausmachen. 

.Auf die sehr interessanten zoogeographischen Verhältnisse Großbritanniens, dessen Isolierung erst in geo- 
logisch junger Zeit eintrat, und das eine größere .\nzahl endemischer Formen beherbergt')- kann hier nicht näher 
eingegangen werden.-) 

Die wichtigste faunistische Literatur Mitteleuropas.^) 

\\" !■ r k '■ V II n :i 1 1 g !• rn c i n r i- B i' il <■ ii l u n g: 
Speyer, Dr. Ad. u. Aug., Die geogr. Verbr. d. Schmett. Deutschi. u. d. Schweiz. Leipzig, 1 1858, 11. 1862. 
H e i n e m a n n, H. v., Schmett. Deutschlands und der Schweiz (:{ Bände 1859 — 1876). 
.1 r d a n, Dr. Karl, Die Schmetterlingsfauna Nordwestdeutschlands, insbesond. die lepidopt.- W'rhältnisse der 

Umgeb. V. Göttingen. (Zool. Jahrb. Suppl. Heft I, Jena 1886). 
P a g e n s t e <■ h >■ r. I ir. Ai'ii., Die geogr. Verbreitung der Schmetterlinge, Jena 1909 (darin insbesond. p. 86 — 117), 

I. Deutsches Reich. Helgoland: Sei ys - Lo ngch a mps (Bull. 

A. Nordwestdeutschland. S. Ent. Fr. 1882 p. 278; Monthl. Mag. XIX p. 164); 

a) N r (1 s e e - I n s e 1 n: Sei tz (Journ. f.Ornilh. LIV(1904)Sondh. p.l63). 

Bork u ni: König (Abli. Nat. Vyr. Bremen VII S p i e k e r o o g e: H e s s (Abh. Nat. \er. Brem. VII 

1880 p. 129—132); Schneider (ib. XVI p. 136); P o p p e (ib. -Xll p. 62). 

p. 86—96). S y 1 t: W e r n e b u r g (Stell, e. Z. 1865 p. 148—156). 

>) Vg-;. Tult ;Ent. Rer. Xl\' I'.hi2 p. IIIUT.I. 

-) Als wichtigste Literatur zu diesem Abschnitt sei außer dem schon erwähnten grundlegenden Werke der 
Gebrüder S p e v e r noch genannt: II o f m it n n (l.soporien der europ. Tagf., Stuttgart 1873); Petersen (Die 
Lepid.-Faun. d.' arkt. Gebietes v. Europa u. d. Eiszeit, Petersburg 18871; Kobelt (Studien zur Zoogeographie, 
2 Bnde., Wiesbaden 1897—98); Harconrt- Bath (Enlomol. 1895 p. 247, 322; 1896 p. 320, 1897 p. 157); 
S e i t z (Was ist paläarktisch? Int. Ent. Z. 1 p. 309. als Beispiel einer ganz verschiedenen .Vuffassung!); Speiser 
(Phvs. o^k. Ge.s. Königsberg 46. Jhrg. p. 150): Pagenstecher (wie oben). 

'I Im Sinne des Besonderen Teiksdiescs Buches. — Es wurden zumeist nur die neueren faunistischen Ai-beiteu 
zitiert, in w.jlchen in der Regel die Nachweise für die ältere Literatur enthalten sind. 



A68 



Die wichtigste faunistische Literatur Mitteleuropas. 



b) S c h I e s w i g - H o 1 s t e i n: D a h I Verz. d. bei 

Eutin gef. Schmett. (Schrift, naturw. Ver. f. 
Schlesw.-Holst. III 1880 p. 3.3— 60): W a r n e cke 
(Ins.-Börs. XXIII 1906 p. 172 ff. mit Literat.); 
Sem per Lep. Faun. östl. Holstein (Verh. Ver. 
naturw. ünterh. Hamburg .\III p. 30—83). 

c) Hamburg-.\ltona: Laplace Verz. der in 

d. Umgeb. Hamburg-Altonas beob. Großschm. 
(Eilt. Ver. Hamb.-Altona 1904); Zimmer- 
m a n n (Verh. Ver. naturw. Unterh. Hamburg 
VI p. 11—39; VII p. 17— 2'i, p. 31; Sauber 
ib. .K p. 70—75); Sau b'e r Kleinschm. (ili. XII, 
p. 104 ff.). 

d) Bremen: Reh borg Verz. Großschm. (.\bh. 

Naturw. Ver. Brem. VI 1879). 

e) Lübeck: Tcssmann (Arch. d. Freund, d. 

Naturw. Mecklenburg V 56. 1902). 

f) Hannover: G 1 i t z (Jaliresb. naturh. Ges. 

Hannover .X.XIV— XXVI mit Nachtragen bis 
X XX II, 1873—1888) ; J a m m e r a t Verz. Großl 
schmctterl. v. Osnabrück (1902); Brake Macrol. 
Osnabrücks (Ent. Z. XXIII p. 165 ff.) ; M a ch le i d t 
u. S t e i 11 w o r t h Verz. Macrol. Lüneburg 
(Naturw. Hnftc f. d. Fürstcnl. Lüneburg 1884); 
Grote Tagf. v. Hildesheim (Mitt. Roem.-Mus. 
N. 8, 1897); Peels Großschm. d. Umgeb. 
Hannovers u. Linden (55 — 57 Jhrsber. Naturf. Ges. 
Hannover 1908 p. 183—289). 

g) B r a u n s c h w e i g: H e i n e in a n n (Stelt. e. Z. 

1851 p. 55, 1852 p. 58). 

h) E r f u r t: Großschm. Erfurts (Iris Xlll p. 1—63). 
i) Harz: H o f f m a n n Lep. -Fauna der Moorgebiete 
des Oberharzes (Stett. e. Z. 1888 p. 133—199); 
Fischer Macrolep. Grafschaft Wernigerode 
(Natnrw. \'er. Wernig. I 1886); Reinecke 
Großschm. d. nordöst. Harzrandes (Quedlinburg 
Ut05). 

k) Thüringen: Knapp Verz. Schmett. Thüringens 
(Stett. e. Z. 1887 p. 363—406); Meurer 
Schmett. d. Umgeb. v. Rudolfstadt (1874). 
1) Wal deck: Speyer, Dr. \d., Lep. -Fauna d. 
Fürst. Waldeck (Bonn 1867). 

m) L i p p e: Müller Verz. d. Großschm. d. Lippischen 
Faunengeb., Detmold 1891. 

n) W e s t f a 1 e n: U f f e 1 n Großschm. Westfalens 
(36. Jahresb. d. Westfäl. Prov. Ver. 1907/08 
p. 1—158 Beiheft). 

o) R h e i n 1 a n d: R o t h k e (3. Jahresb. Ver. f. 
Naturk. Krefeld 1908, Tagt.— Spmn.); Wey- 
m e r .Macrol. d. Umgeb. v. Elberfeld (Jahresb. 
naturh. Ver. zu Elberfeld V, 1878). 

p) II e s s e n und Hessen- Nassau:Ebert Lep.- 
Faun. V. Niederhessen ( Abh. u. Ber. Ver. f. Naturk. 
Kassel 1903 p. 213—269); I.impert u 
Rötheiberg Verz. d. Lep. in der Umgeb. von 
Hanau (Wetterau) (Ber. d. Wetter. Ges. Hanau 
1879 n. 1887); Borgmann Verz. der Macrolep. 
d. Umgeb. Cassels ( Kassel 1878); K n a t z Lokalf. 
V. Kassel (Ber. d. Ver. f. Naturk. zu Kassel 1883, 
1800); Rößler Die Schuppen fUigler d. Kgl. 



Regb. Wiesbaden u. ilu-e Entwicklungsgesch. 
(Jahrb. des Xass. Ver. f. Naturk. 33. u. 34. Jhrg. 
1881); R e i c h e n a u Ergänzungen zu den 
Schuppenfl. (ib. 57. Jhrg. p. 107—170; 58. Jhrg. 
p. 241— 294, 1904— 1905) ; Fuchs Aug. Macrolep. 
d. LoreleyGegend (ib. 1892 — 1900). 

B Nordostdeutschland. 

Insel R ü g e II, ( / s e d u m ii. .\ e u - \' o r p o in- 
m e r n: Paul & P 1 ö t z (.Mitt. Naturw. Ver. f. 
Neu-Vorp. u. Rüg. IV (1872) p. 52); H o m e y e r 
(Stett e. Z. 1884 p. 417—42); S p o r m a n n Die 
im nordw. N.-Vorpomm. bisher beob. Großschm. 1 
(1907); II (Jahresb. Gymn. Stralsund 1909); 
Riesen (Stett. e. Z. 1901 p. 160—68 Usedom). 

.Mecklenburg-Schwerin-Strelitz: 
Schmidt Übersicht der in Mecklenb. beob. 
Macrolep. (.\rch. Vor. d. Fr. d. Naturw. in 
Mecklenb. 33. Jahrg. 1879 p. 1—198); Busa'ck 
Übers, der bei Schwerin u. Waren gef. Großschm. 
(ib. 57.Jhrg. p. 105—128; ib. 58. Jhrg. p. 64—99); 
G i 1 1 m e r (Zusätze ib. 59. Jhrg. 1905 p. 47—120); 
Stange Lepid. d. Umgeb. von Friedland (3 
Teile, 1899 bis 1901). 

Pommern:Hering (Stett. e. Z. 1880 p. 309—326 
Geom.; ib. 1881 p. 133, 147, 333 restl. Macrol.); 
Büttner (ib. 1880 p. 383—473 Microl.). 

Ost- u. Westpreußen: Grentzenberg 
Macrolep. Prov. Preussen (Schrift, d. Phys. Oek. 
Ges. Königsberg X 1869; Nachtr. XVII p. 170); 
Speiser Schmett. -Fauna der Prov. Ost- und 
Westpreußen (Königsberg 1903 mit Literatur); 
ders. Sammelreise im Kreise Olctzko (ib. XLVII 
p. 71); Da m p f (ib. p. 173; XLVIll p. 69—81 
Ileydekrug). 

Posen: Schumann (D. Gos. f. Kunst n. Wiss. 
IX 2, 3 Posen 1902). 

P r o v. Sachsen: Stange, A. Verz. d. Schni. d. 
Umgeb. v. Halle a. S. (Leipzig 1869) ; A ra e 1 a n g 
Schm. -Fauna d. Mosigkauer Heide (Berl. e. Z. 
1887 p. 243 — 86); Keferstein U.Werne- 
b u r g Verz. d. Schmett. d. Umgeb. v. Erfurt 1860. 

Be r 1 i n u. B r a n d e n b u r g: B a r t e 1 & Herz 
Ilandb. d. Großschmett. des Berliner Gebietes, 
Berlin 1902; T hur a u \'erz. d. um Berlin vork. 
Großschm., Berlin 1898; Hermann Schmett.- 
Faun. V. Frankf. a. O. (Helios XXI 1904); S o r- 
h a g e n Kleinschm. der Mark Brandenburg, 
Berlin 189G. 

Schlesien: Wocke Verz. d. Falter Schlesiens 
2 Teile (Breslau EnLZ. 1872, 1874, 1898 Nachtrag); 
P f i t z n e r Slacroicpid. Sprottauer Gegend 
(Ins .XIV p. 88, XIX p. 51, XXI p. 1 ff.); Microlep. 
(ib. XXI p. 273 ff.). 

K ö n i g r. Sachsen: Großschmett. -Fauna des 
Königreichs Sachsen (Iris X\TII 1905 p. 1 — 235 
mit Literatur); Steiner Macrolep. Dresdens 
(Iris IV p. 161, V p. 395, VI p. 241, VII p. 314. 
!\ p. 344); Schöpfer (ib. XII p. 329, -XX 
p r,',. 267); fürO b e r 1 a u s i t z vgl. Möschler, 



Die wichtigste faunistisclie Literatur Mitteleuropas. 



A69 



Sommer, Schütz e, für C h c m ii i l z P a b s t 
(sämthche Iris XVIII p. V ff. zitiert); Reichert 
Großschm. d. L e i p z i g e r Gehiole 3. Aufl. 1900. 

C. Süddeutschland. 

a) Elsaß: P e y e r - I m h o f f Catal. Lep. d'Alsace 

2. Ausgabe von M a c k e r u. Fettig (Microlep.) 
(Bull. Soc. d'Hist. \at. de Colmar 1880, 1882 mit 
spat. Suppl.). 

b) H h e i n p f a 1 z: G r i e b u 1 Lepid.-Fauii. der bayer. 

Rheinpfalz (Progr. d. Gymn. zu Neustadt 1909); 
D i s q u e Verz. der in der Umgeb. von Speyer 
vork. Kleinschm. (Iris XIV ]>. 149, 197, 229 
sonstige Kleinschm. aus der Pfalz). 

c) Baden: R e u 1 1 i Übersicht der Lepid.-Faun. des 

Großherz. Baden 2. Aufl von Meessu. Spuler | 
Berhn 1898; Nachtrag von Meess (Mitt. Bad. 
zool. Ver. 1907 p. 121 ff.) ; G a u c k 1 e r Großschm. 
Nordbadens 2. Aufl. Karlsruhe 1909. 

d) W ü r 1 1 e m b e r g: Keller & H o f f in a n ii 

Macrolep. (Jahresh. Ver. f. vaterl. Naturk. XVIII 
1861); Steudel & H o f f ni a ii ii Micro!, (ib. 
XXXVIII 1882). 
o) Bayern: Kranz Macrol. Münchens (1860) ; 
H a r t m a n n Microl. Münchens ( 1 871 ) ; S c h nii d t 
Lep. -Faun. Regensburgs (Corr. naturw. Ver. 
Regensburg 39 u. 40. Jahrg. 1885/87); Munk 
Großschm. Augsburgs (33. Ber. des Naturw. Ver. 
f. Schwaben u. Neuburg 1898); K o 1 b Großschm. 
von Kempten u. des Algäus (ib. 30. Jhrg. 1900); 
Maaßen Schmett. von Neu- und Altenahr 
(Statt, e. Z. 1868 p. 430); derselb. von Kissingen 
und Münster (ib. 1880 p. 158, 1881 p. 94); 

II. Niederlande. 

Sn eilen, P. C. T., de Vliuders van Nederland, I. 
.Macrol. 1867, 11.(2 Teile) Microl. 1882, gleichzeitig 
auch ein deskriptiv hervorragendes Werk, zu dem 
der Autor zahlreiche Nachträge in der Tijds. v. Ent. 
(Bnd. 30 p. 199, 32 p. 29, 36 p. 189, 37 p. 1, 40 p. 
278, 46 p. 226, 48 p. 22, 49 p. 199 u. .50 p. 17 
(1887 — 1907) veröffenthchte, welche die faunistischen 
Entdeckungen der neueren Zeit enthalten. 

III. Belgien. 

I.ainbilliou, Catalogno des Lepidopteres de 
Belgique (Macrol.) (Namur 1903—1907 [27 Teile]); 
Crombrugghe dePicquendaele, Cat. rais. 
des Microlep. de Belgique (Mem. Soc. Ent. Belg. XIII 
u. XIV 1906—07). 

IV. Luxemburg. 

M ü 1 1 e n b e r g e r Beiträge zur Si'hmett.- Kunde 
des Luxemburger Landes (Soc. des Natural. Lou.xemb. 
Fauna XII 1902 p. 23 ff.). 

V. Schweiz. 

Frey N., Die Lepidopteron der Scliweiz (Leipzig 
1880), Nachträge (Mitt. derschw. ent. Ges. VI p. 143, 349, 
VII p. 10, 256, VIII p. 220); K i 11 i a s Schmett. Grau- 
bündens (Jhresheftc der natuif. Ges. Graub. Jalirg. 
1879 '80, 1884-85; C a fl i s ( li ib. 1895, 1899—1900: 



B a z z i g h e r ib. 1904 — 05) ; Favre Faune des Macrol. 
du Valais, Schaffhonse 1899; Suppl. (Mitt. Schweiz. Ent. 
Ges. XI p. 1—39; p. 145—148); W h e e 1 e r Butterflies 
of Swizerland. London 1903; Rougemont, Catalog. 

d. Lop. du Jura neuchätelois (Bull. Soc. Neuch. d. Sc. 
Nat. tom. 29, 31, 1903) ; Müller-Rutz Beitrage z. 
Microlep. -Faun. d. Schweiz. (Mitt. Schweiz, ent. Ges. 
XI p. 316, 341); Wegelin Beitr. z. Schm. -Faun, des 
Kant. Thurgau (Mitt. Thurg. Naturf.Ges. 1908 p.63— llOK 
— Überdies noch zahlreiche Sammelberichte auch in 
engl. Zeitschriften. — Ein ausgez. Beitrag zur Lep.- 
Fauna der Ober-Albula veröffentlichte Z c 1 1 e r (Slett. 

e. Z. 1877, 1878). 

VI. Österreich-Ungarn. 

R e b e 1 Gescliiclite der Lepidoplerologie in Oster- 
reich (Festschrift zool. bot. Ges. 1900 p. 318 — 344 mit nach 
Kronländ. geordnet. Literaturzitaten). — Vi er tl Bei- 
träge zur Lep. -Faun. d. österr.-ung. Mon. (Ent. Z. Gub. 
XI p. 69 ff.) ; H r m u z a k i Über die in den Karpathen 
hemi. Arten der Gatt. Erebia (Iris XIV p. 353—380). 

a) N i e d e r - Ö s t e r r e i c h. 
N a u f o c k \cn. der (Macr.) Lep. d. Kronl. N.-Ö. 
(XII. Jhresb. Wien ent. Ver. 1902, Nachtrag 1903). — 
Rogen hofer Lep. d. Geb. v. Hernstein (in Beckers 
Monogr. Hernstein 1885); Mann Microlep. -Faun, de^ 
Erzh. Österr. ob u. unter d. Eims u. Salzburgs (Wien. Ent. 
Z. 1884 — 85); zahlr. fa>in. -Beiträge in den Verh. der zool. 
Ges. u. in den Jahresb. des Wien. Ent. Ver. 

b) O b e r - Ö s t e r r e i c Ii. 

H a u d e r Beitr. zur Macrol. -Faun. v. Österr. ob 

d. E. (Jhrsb. Ver. f. Naturk. Österr. ob d. Enns 1901, 

1904, 1909); Verz. der Microl. um Kirchdorf (ib. 1896 

bisl897); vgl. Ma n n (N.-Öst.); G r o ß Beitr. zurMacrol. 

Faun. V. O'österr. (XL Jhrsb. Wien. Ent. Ver.); Hinisl 

' Macrolep. des Innkreises (Soc. Ent. X, XI); desgl. des 

Traun.- u. Mühlkraises (ib. XV— XVII). Geom. Ob.- 

; Österr. (ib. XIX). 

c) Salzburg. 

Richter Verz. d. Schm. Kronl. Salzburg (Mitt. 
Ges. f. Salzb. Landesk. XV— XVI 1875/76); Hor- 
m u z a k i Beitr. z. Macrol. F. der österr. Alpenländer 
(zool. bot. Verh. 1900 p. 24 ff. Gastein); Mitterberger 
Verz. Microl. (Ges. f. Salzb. Landesk. 1909.) 
d) S t c i e r m a r k. 

Trost Beilr. zur Lep. -Faun. d. Steierni. (Mitt. 
Naturw. Ver. Steierm. 1902—1906); Prohaska Bei- 
träge z. Fauna d. Kl. -Schm. Steierm. (ib. 1906 p. 249 ff.); 
M e i X n e r ( Kranch. Jhrbuch 1905 p. 80 ff.) ; Kiefer 
Macrol. des steir. Enustales (Ins.-Börs. 1908 p. 138 If.); 
Hoff m a n n dasselbe (Ent. Z. 1909 p. 203). 

e) K ü r n t e n. 

II o f n e r Die Schmett. Kärntens (Jahrbuch 

Naturh. .Mus. Kärnten XXVII 1904 Macr.. ib. XXVIII 

1908 Micr.); H o f f m a n ii Beilrag z. Lep. -Faun. d. 

Glocknergeb. (XIX Jhresb. Wien. Ent. \er. 1908 p. 63 ff.). 



A70 



Diu wichligsle rauuistische Lileratur Milteleui'opas. 



f) K r a i n. 

U e l) I Lepid. aus dem Gebiete des Triglav u. d. 
Crna Prst. (XVI— XVIII Jhrsb. Wien. Ent. Ver.); 
Hafner Verz. d. bisher in Krain beob. Großschm. 
(Carniola 1909 p. 77 ff.); Hoff mann Ausflug nach 
.\dolsborg (Int. Ent. Z. II p. 28'i ff.). 

gl T I r- a 1 II n d \' o r a r I b e r g. 

Heller Die aip. Lop. Tirols (Ber. naturw. med. 
N'cr. Innsbruck 1880/81 mit Literatur); Rebel Beitrage 
zur Lep.-Faun. Südlirol (zool. bot. Verh. 1892, 1899); 
G a 1 V a g n i Beitrag z. Lep.-Faun. des Brennergebietes 
(zool. bot. Verh. 1900 p. 561); H e 1 1 w o g e r Über die 
Zusammensetzung und den vermutl. Ursprung d. Tirol. 
Schmett.-Faun. (33. Jhrsber. fürstb. Priv. Gymn. — 
Brixcn 1908). 

h) Küstenland. 

Metzger Beitrag z. Maerol.-Faun von Raibl und 
Freth (VIII. Jhresb. Wien. ent. Ver.).; Hoff mann 
Ausflug nach Adelsberg u. Triest (Int. Bat. Z. II p. 284, 
294); G a 1 V a g n i Beiträge zur Kenntnis d. Lep.-Faun. 
der adriat. Inseln (Mitt. Naturw. ^'er. Univ. Wien MI 
1909). 

i) Dal m a t i e ii. 

M a n II (zool. hol. Wrh. 1869 p. :{71— 388/; 1{ >> 1) e 1 
(ib. 1891 p. GIG ff. Micro!.); W e r n e r Macrol. v. Sabion- 
cello (Wiss. Mitt. Bosn. ii. Herz. 1897); Galvagni 
Dalm. Inseln (zool. bot. Verh. 1902, vgl. auch Küsten- 
land). 

k) B ü h m c n. 

Niekerl O. Großschm. Böhmens (Prag 1897); 
Zünsler (Prag 1906); Wickler (1906); Spanner (1907); 
Motten (1908); G i 1 1 in c r Beitr. zurböhin. Schm.-Faun. 
(Ent. Wochenbl. XW 19i)S p. 112 ff.). 

I) Mall re n. 

Gärtner Geometr. u. .Microl. Brünner Faun. Geb. 
(Verh. naturw. Ver. Brunn IV 1866); Scsien (ib. XII 
187'i) ; D o 1 es c h a 1 1 Macrol, der Brünner Umgeb. (Ent. 
Z. XXIII 1903 p. 60 ff.); S k a 1 a Nachtrag (ib. 133 ff.); 
H o r r m a n n (ib. XXII p. 162 Literatur). 

m) Schlesien. 
\'gl. W o c k e unter N'ordostd'utsclilaiicl. 
n) G a l i z i e n. 

Nowicki Ciiiim. Lep. Halle, orieut. (1860); 
Motyle Galicyi I (1865); Garbowski Material, zu 
einer Lep.-Faun. Galiz. (Sitzb. Ak. Wiss. Wien 1892); 
K 1 e m e n s i w i c z Beiträge (zool. bot. Verh. 189i 
p. 167; 1906 p. 160 u. mehrere solche in den Ber. der 
physiogr. Kommiss. Krakau); Schille (ib. 1895 — 1901 
poln.): Brunicki, Lep. der Umgeb. von Stryj 
(Krak. Akad. 1907 u. 1909); H i rsch 1 er u. R o m a- 
n i s z y n (ib. Krak. 1909). 



o) B u k o w i n a. 
H r m II z a k i Die Schmett. d. Bukowina (zool. 
bot. Verh. 1897—1898 (Macro), 1907 (Micro.)); Unters, 
über die Lep.-Faun. der Bukowina (Czernow. 1894); 
überdies noch zahlr. ;indere Beiträge desselben; P a w- 
litschek Macrol. v. Radautz (Jhresb. des Gymn. 
daselbst 1893). 

!>) Ungar n. 

A i g n e r Ge.schichte der Lepidopterologie in Ungarn 
(Budapest 1897); A i g n c r - P ä v e 1 - U h r y k Fauna 
Regni Hungariae Budapest 1896, seither zahlr. Nachträge 
besond. von A i g n. in der Zeilschrift Rovartary Lapok. 

' q) Siebenbürgen. 

C z e k e 1 i u s Krit. Verz. d. Schmett. Siebenb. 
! (Verh. u. Mitt. des siebenb. Ver. f. Naturw. 47. Bnd. 
I 1897); weitere Beiträge desselben (ib. 48. 50. 53.58. 
Bnd. bis 1908'i. 



r) Flu m e. 



-1891. 



Mann (Wien. Ent. Mtschr. I 1857 p. 139- 
s) K r o a t i e n u ii d S 1 a v o n i e n. 

M a n n Schmett. ges. im J. 1866 in Josefstal (zool. 
liot. Verh. 1867 p. 63 — 76); Koe a Beitrag zur Lep.-Faun. 
Kroat. u. Slav. (Soc. Hist. Natural. Croat. XIII 1901 
p. 1 — 67); Grund Die Lycaeniden der L'mgeb. von 
Agram (Int. Ent. Z. II 1908 p. 66 ff.). 

t) Bosnien und H e r z e g o w i n a. 

Rebel Studien über die Lepid. -Fauna der Balkan- 
länder II Bosn. u. Herz. (Ann. Naturh. Hofm. XIX 1904 
p. 97 — 377); S c h a w e r d a (u. Neustetter) Nachträge 
(zool. bot. Ver. 1906 p. 650 ff. 1908 p. (250); XIX Jhresb. 
Wien. Ent. Ver. 1908 p. 85—126): Spröngerts 
(Iris XIX p. f.). 

VII. Angrenzende Länder. 

a) G r o ß b r i t a n n i e n u n d Irland: H a r r e l t 

Lepid. of the Brit. Islands (UJBiid. 1892—1907): 
M e y r i c k Ilandbook of l!r. Lep. 1895; T u 1 1 
Brit. LepidopteiM \ol. 1— IX (1899—1908); 
Kaue Catal. of the Lepid. of Ireland (1901). 

b) Dänemark: Bang-Haas Lepid. -F;uni. von Dan. 

(1875): K lü c ke r I (19n8). 

c) Baltische Provinzen ünßlands: Nolckeii 

Lep.-Faun. von Est-, Liv- u.Curlaud (1867 — 1871); 

Teich halt. Lepid.-Faun. (Riga 1889, Nachtrag 

1893); Slevogl Kurland (Arcli. d. kurl. Ges. 

f. Lit. 1903). 
cU B a s s e s Alpes: S p r u n g e r t s Digne (Iris 

XXII p. 75 ff.), 
e) Rumänien: Caradja (Iris VIII, I.X u. XII; Bull. 

Soc. Sc. Bucarest X— XIV); Fleck (Bull. ib. 

VIII— IX, XL Xllll; Pax (ib. XVII). 



l';\]iininii>iU:illiioloj,'ip. \ 7| 



XI. Experimentalbiologie. 

Die Entwirkluiif;' und Aiisseslaltung des Individiiiiiiis ist von ciiior Summe iruierer und äußerer Faktoren 
ahhäuRiK. Erstere \ver<leu dureh die ererbte Orfjanisatiou und Konstitution, letztere durch versehiedene Einflüsse 
der Außenwelt, wie dureh Klima, Nahrung u. and. gebildet. Beide Kaktorengruppen stehen in lebhafter Wechsel- 
wirkung und bilden zusammen gleichsam einen Ueizkomplc.v, so daß von vornherein die Größe des Eiiiflu.sses des einen 
oder anderen Faktors nicht erkennbar ist. Erst dadurch, daß ein Reizfaktor in möglichst genau bestimmter Größe 
und genau bekannter Beschaffenheit in die Entvvickhing absichtlich und unter Kontrolle ein- oder ausges('haltet 
wird, laßt sich cm ursachlicher Zusammenhang zwischen bestimmten Merkmalen und \'eränderungen eines Orga- 
nismus und e 1 n e ni bestimmten Beizfaktor annehmen. Jene Richtung der Wissenschaft, die nun durch kontrollier- 
bare Versuche den eben angedeuteten ursarldichcn Zusammetdiang zu erforschen trachtet, heißt Experimentalbiologie. 
Die Experimentalbiologie hat erst in den lieidm letzten Dezennien eine hohe Ausbildung erfahren und besitzt als 
erklärende Disziplin einen sehr großen wi.ssi'iischaftlichen Wert.') 

Unter den zoologischen Objekten, die sich in der iiostembryonalen lOntwicklung besonder's lur die Experi- 
mentalbiologie eignen, nehmen die Lepidopteren einen ganz hervorragenden I'latz ein. da sie (wie dies bereit-s ander- 
wärts hervorgehoben vvurde)^) in ihrem Schuppenkleide eine leicht erkennbare und oft sehr weitgehende Reaktion 
auf die verschiedenartigsten Reize zeigen, die Beschaffung ihrer Entwicklungsstadien in der erlorderlichen .-Vnzahl 
im allgemeinen keine schwere ist und vor allem auch reiche Erfahrungen über die Zucht l)ei Lepidopteren vorliegen. 

So wurden denn auchLepidoptercn, anfanglich namentlich fürUntersuchungen über denEinfluß außererFaktoren 
wie der Temperatur, des Lichtes, der chemischen Beschaffenheil der Nahrung usw., in jüngerer Zeit aber au(-h be- 
züglich solcher, welche die ererbte Konstitution und Organisation betreffen, die beispielsweise durch künstliche 
Kreuzung (Hybridation i und mechanische Eingriffe (z. B. Kastration! beeinflußt werden kann, in ausgedehntem 
Maße verwendet. 

Der hier zur \ Crfugung stehende Kaum gestattet es nicht, eine eingehende Darstellung aller hier in Betracht 
kommenden Versuche zu geben. Nur auf die Temperatur- und Ilybridationsversuche, für welche Professor S t a n d- 
f uß in Zürich als der hervorragendste Forscher imd Experimentator an/ufiihi'en ist. soll etwas naher eingegangen 
werden.^) 

1 . Teniperaturversiiehe. 

Hiezu Taf. 5:^.') 

Von den Einflüssen der Außenwelt hat sich keiner als so bestimmen<i für das .\ussehen des I'alters liezughch 
abweichender Färbung und Zeichnung erwiesen, als Temperaturreize, die während des Puppenstadiums ziu- Ein- 
wirkung gelangen. Den Ausgangspunkt für Temperaturversuche bildete der bekanntlich sehr auffallende Hora- 
dichroisnius (Saisondimorphismus) von Araschnia levana L. (vgl. vorne p. A44). Als man nämlich die artliche Zu- 
sammengehörigkeit der nach den Jahreszeiten so verschieden aus.sehenden Generationen des Falters durch Zucht erkannt 
hatte, verfiel bereits Frey er (um 1830)aufdenGedanken, daß die so verschiedene Temperatur, unter der sich die beiden 
Generationen entwickeln, die L^rsache für ihr verschiedenes Aussehen sein könne. Es gelang auch bald, Zwischen- 
formen (ab. porima) der beiden Generationen durch Einwirkung von Kellertemperaturen auf die Puppen der Sommer- 
generation (prorsa) zu erziehen. Später wiederholte Georg Dorf m e i s t e r (186'i) die Versuche in größerem Umfange 
und unter wissenschaftlicher Kontrolle und dehnte dieselben auch auf andere Versuchsobjekte, in der Folge auch auf 
Pyrameis atalanta aus, die er zum Teil schon vom Ei ab unter veränderten Tem|)eraturverhältnissen erzog. Dies führte 
ihn bereits zur richtigen Erkenntnis, daß die (erniedrigte) Temperatur auf l'ärbung imd Zeichnung der Schmetterlinge 
den meisten Einfluß erst während der Verpuppung ausübe, und zwar zmiächst kurz nach derselben. In der Folge 
bemächtigte sich W e i s m a n n dieses Themas und schrieb seine berühmt gewordene Arbeit über den ,, Saison- 
dimorphismus der Schmetterlinge" (1875), worin er trotz der regelmäßigen zyklischen \'eränderung der Generalionen 
doch deren innere Ungleichheit erkannte. Darnach ist eine der beiden Generationen als die ursprünglichere Stamm- 
form, die andere als die später entstandene Klima-Varietät anzusehen. Zu dieser Erkeimtnis wurde Weismann haupt- 
sächlich durch das ungleiche Verhalten der beiden Generationen von Araschnia levana geleitet, da sich bei Einwirkung 
entgegengesetzter Temperaturen auf die Puppen beider Generationen, die als Puppe überwinternde levana als die 
resistentere erwiesen halte. Es gelang ihm nämlich durch Einwirkung tiefer Temperaturen auf die von der Form levana 
abstammende Brut (die also Falter vom .\ussehen der prorsa hätte ergeben sollen), letztere fast vollständig zur .Vus- 
schallung zu bringen, also von levana wieder direkt levana zu erhalten, allein es gelang ihm nicht durch noch so hoch 
gesteigerte Temperatur ans den zur ('berwinterung bestimmten Nachkonnuen der prorsa ausnahmslos wieder die 



') Vgl. Przibram. Einleitung in die experimentelle Morphologie der Tiere. 190i. 

=) Vgl. vorne p. A:!9. 

ä) Betreffend den Einfluß äußerer Faktoren hat Bachmetjew eine auszugsweise Übersicht über die 
Versuchsresultats und eine wertvolle Zusammenstellung der einschlägigen Literatur in seinen ..Experimentellen 
Entom. Studien" (I Leipzig 1901. II Sofia l'.iO?) gegeben. Daselbst sind auch die hier nicht näher besprochenen 
Einflüsse der F'eiichligkeit, Elektrizität und Schwerkraft behandelt. 

■•) Diese schöneTafel wurde mit besonderer Bewilligung Prof. S p ii 1 e r s des.sen Werk ..Die Schmetterlinge 
Europas" entnommen. 



A 72 Experimentalbiologie. 

Korni prorsa zu erziehen. Wie berechtigt die Ansicht VVeismanns von der inneren, stammesgeschichtlichen l'ngleich- 
heit der Saisonfornien war, beweist die Tatsache, daß in Örtlichkeiten, wie in Ostsibirien, wo die Art zufolge un- 
günstiger klimatischer N'erhältnisse nur in einer Generalion im Jahre auftreten kann, diese das Aussehen der Winter- 
form (levana) besitzt. Gleichzeitige Versuche Weisinanns mit Pieris napi ergaben scheinbar gleiche Resultate. 

Zwanzig Jahre später kam W e i s m a n n nochmals auf dieses Tiiema zurück und publizierte „Neue Versuche 
zum Saison-Dimorphismus der Schmetterlinge "(IS'.iS), worin er zur Unterscheidung eines direkten und indirekten 
Einflusses des Klimas (beziehung.sweise der Temperatur) gelangt. Ersterer beruhe auf Farbenchemismus, letzterer 
wirke nur als Auslösungsreiz für bereits vorhandene Anlagen. 

Inzwischen waren aber Temperaturversuche in ausgedehntem .Maßstabe von Standfuß in Zürich und 
.\I e r r i f i e 1 d in England ausgeführt worden und eine große .\nzahl neuer Lepidopteren-.\rten, namentlich die 
übrigen Vanessen, wurden auf ihre Reaktionsfähigkeit gegen Temperaturreize während des Puppenstadiums, — auch 
ohne Rücksicht auf etwa vorhandenen Horadichroismus — mit überraschenden Erfolgen in Untersuchung gezogen. 
Auf demselben Gebiete waren in Deutschland namentlich auch noch Fischer und Frings erfolgreich tälig. 

Bis dahin war es hauptsächlich das Wesen des Horadichroismus gewesen, welches durch Temperatur versuche 
eine nähere Erklärung fand, nunmehr wurde aber auch die künstliche Erzeugung von südlichen oder nördlichen 
Lokalformen der Arien und vor all(Mn auch von Aberrationen erzielt, die entweder ganz neu waren, oder im freieT\ 
Nalurleben zu den größten Seltenheilen zählen. 

Standfuß, der bis 1898 bereits mehr als 'li öüO Individut-n, die etwa 60 verschiedenen Lepidopterenarten 
angehörten, zu Temperalurversuchen verwendet hatte, gelangte als Erster zur Unterscheidung zweier N'ersuchs- 
reihen: einerseits von Wärme- beziehungsweise K ä 1 1 e e x p e r i m e n l e n und andererseits zu Hitze- 
beziehungsweise F r o s t e X p e r i m e n t e n. Bei ersteren Versuchsreihen gelangen konstante, mäßig erhöhte 
(-f 37 bis 39" C.) beziehungsweise erniedrigte (-)- 4 bis 11 " C), bei letzteren jedoch intermittierende Temperaturen 
(von über -j- 40 ° C. (bis 45") beziehungsweise unter 0" C. bis — 20°) zur Anwendung. 

Bezüglich der durch Temperaturexpeiimente erzielten Formen lassen sich nach S t a n d f u ß im allgemeinen 
nachstehende Kategorien unterscheiden: 

1. S a i s o n f o r m e n, d. h. Formen, deren .\uftrelen im Nalurleben an bestimmte Jahreszeiten geknüpft ist. 

2. Lokal formen, die sich in der Natur als Rassen in bestimmten Gegenden finden. 

3. U in g e s t a 1 1 u n g e n bezüglich des s e x u e 1 1 <; n D i c h r o i s m u s, wie die Überführung 
der weißlichen Färbung des $ von Gonepteryx rhamni durch Wärme in die gelbe Färbung des o- 

4. Phylogenetische Formen, die entweder Annäherungen an andere, einem anzunehmenden 
Ui'typus noch näherstehende Arten darstellen, also in gewissem Sinne regressiv sind, oder sich vnm Typus der 
Gattung in einer Sonderrichtung entfernen, al.so als progressiv anzusprechen sind. 

5. Aberrationen (s. Str.), d. h. Formen, welche ohne an eine bestimmte Jahreszeit oder einen bestimmten 
Ort gebunden zu sein, gelegentlich auch in der freien Natur auftreten können, jedoch nicht in der eigentlichen Ent- 
wicklungsrichtung der ."Vrl liegen, sondern sich (zum Teil) als Neubildungen darstellen. 

Die vier erst genannten Kategorien werden durch Wärme- beziehungsweise Kälteexperimenle, die Aberrationen 
aber vorzugsweise durch Hitze- beziehungsweise Frostversuche erzeugt. Die Ergebnisse der beiden \ersuchsreihen 
sind also in der Regel sehr verschieden. Während die Resullale der Wärme- bezw. Kälteversuche sich zumeist nur 
in den Grenzen klimatischer ^'a^ietätenbil(lungen halten, und sich fast immer auf alle dem Vereuche unterworfene 
I ndividuen erstrecken, gehen sie bei Hilze- beziehungsweise Frostanwendung über das Maß gewöhidicher Abänderungs- 
fidügkeil hinaus und prägen (bei geringerer Intensität der Temperaturen) nur ganz wenige Exemplare aus der Zahl 
der N'ersuchstiere um, deren größere .\nzahl unverändert bleibt. Weiters verhalten sich die meisten Arten bei Ein- 
wirkmig von Wärme oder Kälte auch entgegengesetzt, wobei jedoch nicht immer Wärme eine .\ufhellung. Kälte eine 
N'erdunklung hervorrufen muß, wogegen auffallenderweise Hitze oder Frost keine entgegengesetzten, sondern Formen 
von gleicher aberrativer Richtung erzeugen. Letztere Tatsache führte zur .Vnnahme, daß jede außergewöhnUche 
Temperatur, sei es Hitze oder Frost, einen Entwicklungsstillstand, eine Art Lähmung, beziehimgsweise Stoffwechsel- 
hemmung, hervorrufe, aus der sich einzelne Individuen auch nach Wiedereintritt normaler Temperaturen nicht 
wieder ganz befreien können und dann, bei zumeist stark verspäteter Entwicklung, als ,,aberralive" Falter erscheinen. 
Im allgemeinen neigt bei diesen Versuchen das männliche Geschlecht stärker zu .\berralionen als das weibliche. Bei 
.\rten, die als Puppen überwintern und in diesem Stadium Temperaturversuchen unterworfen werden, treten 
.\berrationen in der Regel nur durch Hitze, nicht auch durch Frost auf, da letzterer keinem ungewöhnlichen Reiz 
entspricht. Da es wahrscheinlich ist, daß extreme Temperaturen auch im freien Naturleben gelegentUch frische, 
gerade im sensiblen Stadium befindliche Puppen treffen können, erscheint damit eine Erklärung für das Auftreten 
.solcher aberrativer Individuen in der Natur gegeben, die häufig auch durch Verkrüppelung auf eine stattgefundene 
Entwicklungsstörung hinweisen. 

Ein experimenteller Beweis wurde weiters auch dadurch erbracht, daß frische Puppen der direkten, strahlenden 
Sonnenwärme (In.solation) ausgesetzt wurden imd in der Tat dann zum Teil auch aberrative Falter ergaben. 

Bezüglich der Untei'scheidungen von S t a n d f u ß muß l)emerkl werden, daß namentlich nach Versuchen 
von Fischer kein prinzipieller l'nterschied zwischen der lOinwirkung von Kälte und hochgespannter Wärme 
(-t- 38 bis 40" C.) besteht, sonach nur der große Gegensatz besonders zwischen Wrirnic- und Hitzewirknng aufrecht 



Resultate von Temperatur-Experimenten. 



53 




1. Pap. machaon L. aberr. (Hitze). — 2. P. mach. ab. nigrofasoiata Rothke (Hitze). — 3. Van. nrticae L. var. connexa 
Btlr (Kälte). — 4. V. urt. ab. ichnusoides Selys (Frost). — 5. V. urt. ab. atrebatensis B. (Hitze). — 6. V. io L. var. flscheri 
Stdfs (Kälte). — 7. V. io ab. belisaria Oberth. (Frost). — 8. V. xantbomelas Esp. var. grützneri Fschr (Kälte). — 9. V. 
xanth. ab. chelvs Mitis (Frost). — 10. V. pohchloros L. ab. testudo Esp. (Hitze). — 11. Polyg. c album L. ab. f album 
Esp. (Frost). — 12 Van. antiopa L. ab. hygiaea Hdrch (Hitze). — 1-3. V. ant. Var. (Wärme). — 14. Pyrameis ataianta 
L. var. merrifieldi Stdfs (Kälte). — lö. Pyr. atal. ab. klcmensiewiczi Schule (Frost). — 16. Desgl. Unterseite. — 17. Pyr. 
cardui L. ab. elymi Kbr (Frost). — 18. Apatura Iris L. Var. (Kälte). — 19. Argynnis paphia L. ab. ocellata Frings (Frost). 
— 20. Chrysoph. virgaureae L. v. miegi Vogel (Aberr.). 



ICxpcrinientalbiologie. yV 7.'! 



erhalten bleibt. Nach Angabc Fischers ergeben ferner Hitze- und Frostversuche unter gewisser Voraussetzung 
ebenfalls 80—100 »/o Aberrationen, also nicht bloß einzelne aberrative Stücke. Auch gelang es F r i n g s durch ab- 
wecliselnde Einwirkung von Warme und Kalte auf dieselben Versuchstiere Misdiformen zu erziehen, die Charaktere 
von Wärme- und Kaltetormoii an sich trugen, \nid auch Hitze- und Wärmecharaktere (bei Vanessa antiopa) zu kom- 
binieren. 

Wenn wir nach diesen allgemeinen Auseinandersetzungen nunmehr zur näheren Besprechung einzelner Fälle, 
aus der Zalil der von Standluß namhaft gemachten 5 Kategorien schreiten, so muß bezüglich der S a i s o n f o r m e li 
noch erwähnt werden, daß bei A r a s c h n i a p r o r s a die Zwischenform porima, sowohl durch Einwirkung von 
Kälte als auch durch eine solche von hochgespannter Wärme ( F 38 bis iO " C.) auf Puppen der Sommerform 
erzielt wurde. Auch gelangFrings die Umwandlung der Icvana in prorsa durch Einwirkung von Hitze (•i--^3'C.) 
auf überwinternde Puppen. Bei C h r y s o p h a n u s a m j) h i d a m a s Esp. konnte Standluß die zweite Generation 
in die hellere erste, und die erste durch hochgespanntes Wärmeexperiment in die zweite trübere, dunkle umwandeln . 
Merrifield experimentierte mit den Saisonformen der Selenia-Arten (Geometridae). 

In der Kategorie L o k a 1 f o r ni e n bietet die Umwandlung von Vanessa urticae durch Wärme 
(+ 34 bis 38 " C.) in die sardinische und korsische v a r. i c h n u s a Bon. (vgl. Taf. 6 Fg. 8c und 8d), und durch 
Kalte (und hochgespannte Wärme) in die nordische var. j) o I a r i s Stgr. ein sehr schönes Beispiel. Durch Kalli" 
konnte bei dieser Art aus mitteleurop. Puppen auch die im nördl. Japan (Jesso) fliegende v. connexa Butl. Taf. .>! 
Fg. 3 erzogen werden, welche eine schwarze Mittelbinde der Vfl zeigt. Die zweite Generation von P a ]) i 1 i o m a c h ao n 
kann durch Wärmeeinwirkung in den Typus der zweiten, in Syrien fliegenden Generation (aestivus Eim.) umgewandelt 
werden. Kälteeinwirkung erzeugte bei P a r ii a s s i u s a p o I 1 o die verdunkelte Gebirgsform b r i 1 1 i n g e r i 
Rbl. & Kghfr. 

Was die U m g e s l a 1 t u n g e n bezüglich des sexuellen D i c h r o i s m u s anbelangt, so 
gelang es bei P a r n a s s i u s a p o 1 1 o, das Aussehen des männlichen Geschlechtes durch Einwirkung von Kälte 
jenem des weiblichen, und das .\ussehen des weiblichen Geschlechtes durch Wärme jenem des o sehr stark zu nähern. 
Bei M 1 i t a a c y n t h i a brachte ein Wärmeexperiment das Aussehen des weiblichen Falters dem ganz 
verschiedenen Färbungstypns des rS recht nahe (Standf.) (vgl. Taf. 8 Fg. la u. Ib). Frings gelang es, den ge- 
schlechtlichen Färbungsunterschied bei C o s m o t r i c h e p o t a t o r i a nahezu aufzuheben. 

Was die Kategorie der sog. p h y 1 o g e n e t i s c h e n F o r ni e n betrifft, so ist ihre Natur nicht unbe- 
stritten. Als Beispiel für die erste der beiden hier in Betracht kommenden Gruppen (sog. regressive Formen), muß 
vor allem die durch Kälteeinw-irkung bei \' a n e s s a i o erzielte Form f i s c h e r i Stndf. (Taf. 53 Fg. 0, im Ver- 
gleich mit der normalen Form Taf. 7 Fg. 4c) angeführt werden, die durch Reduktion der blauen Schuppen der Oseite. 
dunkleren Rand, Verlängerung des ersten Kostalflecks der Vfl und gelbgefleckte Useite eine deutliche Annäherni\g 
an den Zeichnungstypus von Van. urticae erkennen läßt. 

Bei Vanessa a n t i o j) a treten bei Kälteexperimenten neben anderen (aberraliven) Formen auch Stücke 
mit aufgehellter Grundfarbe auf, die im Mittelfeld der Vfl zwei große, dunkle Flecken, und useits helle Querbinden 
zeigen, so daß eine nahe Verwandtschaft mit Vanessa xanthomelas hervortritt. (Fischen 

Papilio hospiton kann durch Wärmeexperiment stark an Pap. machaon genähert werden (Standf.). 

.Vis Beispiel für die zweite Gruppe phylogenetischer Formen (der sog. progi'essiven Formen) sieht Standfuß 
männliche Stücke von M e 1 i t a e a c y n t h i a an, welche oseits auch die rotgelben Randflecken durch Weiß ersetzt 
zeigen, ferner Das y c h i r a a b i e t i s, deren Mittelbiiule der Vfl durch Kälte schwärzlich geworden ist u. and. 

Weitaus die auffallendsten Formen müssen derzeit mich zur (letzten) Kategorie, den A b e r r a t i o n e n, 
gestellt werden. 

So sehen wir, wie bei Papilio m a c h a o n dunli Hitze eim: Nei'breiterung und \'erdunklung der Raudbinde 
aller Fl, in welcher die gelben Marginalflecke verschwinden, erzielt wird, was die ab. n i g r o f a s c i a t a Rothke 
(Taf. 53 Fg:. 2) auszeichnet. Zuweilen tritt bei gleicher Aberrationsrichtung auch eine \erschmelzung der mittleren 
schwarzen Kostalfleckon auf (Taf. 53 Fsf. I), eine Er-scheinung, die bei den meisten Vanessen schon seit langem be- 
kannt ist. So wurde die aberrative Form mit verschmolzenen sclnvarzen Kostalflecken der \'fl bei P y r a m e i s 
a t a 1 a n t a als ab. c 1 y m e n e Fischer bezw'. gesteigert als ab. k 1 e m e n s i e w i c i Schule (Tat. 53 Fsr. 15, Ifi), 
jene bei P y r a m e i s c a r d u i als ab. e 1 y m i Rbr. (Taf. 53 Fg. 17), bei Vanessa urticae als ab. i c h n u ■ 
so i des Selys (Taf. 53 Fi». 4), beziehungsweise bei noch weitergehender Verdunklung, namentlich der Hfl, und 
zuweilen auch Verschmelzung des basalen Kostalfleckes als ab. a t r e b a t e n s i s B. (Taf. 53 Fg. 5), bei \' a n e s s a 
i o als ab. a n t i g n e Fisch, bezw. gesteigert als ab. b e 1 i s a r i a Obthr. (Taf. 53 Fg. 7), bei Vanessa p o 1 y - 
c h 1 o r o s L. als ab. t e s t u d o Esp. (Taf. 53 Fg. 10), bei \' a n e s s a xanthomelas als a b. eh e 1 y s Mitis 
( Taf. 53 Fg. 9), bei Vanessa L a 1 b u m als ab. c h e 1 o n e Schultz, bei V a n e s s a antiopa als ab. h y g i a e a 
Hdrch. (Taf. 53 Fg. 12) und bei P o 1 y g o n i a C a 1 b u m als ab. f a 1 b u m Esp. (Taf. ."3 P'g. 11) bekannt gemacht. 
F;ist sämtliche dieser Aberrationen wurden nun sowohl durch Frost- als Hitzeeinwirk\nig künstlich erzeugt. Bei 
Araschnia levana entsteht bei Versuchen mit extremen Temperaturen die ab. weis m a n n i Fisch., die 
eine vollständig verdunkelte prorsa darstellt, nur mit wenigen weißen Punkten im Außen feld der Vfl und einem 
großen weißen Fleck auf der Unterseite der Hfl. Bei A r g y n n i s p a p h i a wurde durch Fi-oslexperimenle .lie 

Berge-Rebel, Sohinetterlingsbuch. A 10. 



A 74 Experimoiil;iU)iologic. 



schöne ab. o c e 1 1 a l a Frings (Taf. 53 Fg. 19 $) erzeugt, die sich durch ein Zusammenriießen der schwarzen Quer- 
flecken und Vergrößerung der augenarligen Flecken in den Saumzellen auszeichnet. 

Auffallende -Aberrationen anderer Richtung werden aber auch schon bei Einwirkung mäßigerer Temperatur, 
also bei Kälteversuchen (zwischen und -)- 10" C.) und höher gespannten Wärmeversuchen (+ 36 bis 40" C.) 
erzeiigt, so wird Vanessa x a n t h o m e 1 a s bei starker Reduktion der schwarzen Fleckenzeichnung beträchtlich 
aufgehellt, was die ab. g r u e t z n e r i Fisch. (Taf. 53 Fg. 8) charakterisiert. Eine analoge Form von V a n. p o 1 y- 
c h 1 o r o s ist ab. d i x e y Standf. Bei P y r a m e i s a t a 1 a n t a entsteht die ab. m e r r i f i e 1 d i Standf. 
(Tat. ä'i Fg. 14), die sich durch abnorme Vergrößerung des weißen Vorderrandsfleckes nach der .Mitte der Vfl aus- 
zeichnet, wogegen die rote Binde der Vfl verwaschen erscheint. Eine der interessantesten .\rten bei Temperatur- 
versuclien bildet jedenfalls Vanessa a n t i o p a, deren blaue Randflecke bei den obenerwähnten mäßigen Tempe- 
ralureinflüssen einerseits und zwar bei Wärme (-f- 36 bis ST-" C.) meist unter Verbreiterung des gelben Saumes sehr 
reduziert erscheinen (ab. e p i o n e Fisch., bezw. d a u b i i Standf., mit mehr verdunkeltem Saum, welcher letzteren 
Taf. 5^ Fg. 13 annähernd entspricht), oder sogar ganz verschwinden (ab. dorfmeisteri Fisch.), andererseits bei 
Kälte oder höherer Wärme aber stark vergrößert erscheinen, wobei der gelbe Saum schmälei' wird, aber hell bleibt, 
was die ab. a r t e m i s Fisch., beziehungsweise gesteigert ab. r o e d e r i Standf. bezeichnet. 

Ganz auffallend reagiert Apatura irisL. auf Kälte, indem die weißen Zeichnungselemente beträchtlich 
an Ausdehnung gewinnen und bei veränderter Grundfarbe dem Tier ein ganz fremdes Aussehen gewähren (Taf. 53 
Fg. IS). EinenCbergang dazu bildet die aus dem freien Xaturleben bekannt gewordene ab. t h a u m a n t i s Srhultz '). 

Es würde zu weit führen, sämtliche auf Temperaturexporimonte untersuchte Arten bezüglich ihrer Reaktions- 
fähigkeit und Aberrationsrichtung zu besprechen, es sei nur darauf hingewiesen, daß außer den genannten sich nament- 
lich noch P a p i 1 i o p o d a 1 i r i u s, A r c h o n ( D o r i t i s) a p o 1 1 i n u s, L i m e n i t i s p o p u 1 i, P a r a r g e 
a e g e r i a, C h r y s o p h a n u s d i s p a r v. r u t i 1 ii s und ehen.so einige A r c t i i d e n als sehr abändei-ungs- 
fähig erwiesen haben. 

Sämtliche bisher näher besprochene Resultate wurden durch Einwirkung von abweichenden Temperaturen 
fast nur auf das frische Puppenstadium erzielt. S t a n d f u ß setzte aber auch die von Dorfmeister begonnenen 
Versuche mit der Zucht von .\rten unter konstanter Einwirkung veränderter Temperaluren vom Ei ab bis zur Ent- 
wicklung des Falters in großem l'infange fori und erzog namentlich die L a s i o c a m p i d e n Epicnaplera tremuli- 
folia und Gastropacha populifolia bei andauernder Wärme ( f "^0 bis 30 " C), wobei bei letzterer Art, deren Raupen- 
stadiuni in der Natur in Frühling und Herbst fällt, eine erhebliche Abkürzung desselben und dadurch auch eine 
Größenverringerung des Falters erzielt wurde. Andere Arten, deren Raupenstadiinn normalerweise in die warme 
.Jahreszeit fällt, zeigt nur geringe Veränderungen. 

.\ußer Färbung und Größe kann durch Teinpcralureinflüsse aber auch die Gestalt der Flügelschuppen verändert 
werden, worauf zuerst F e d e r 1 e y, der eine Verkleinerung der Schuppen duri-h Kälte nachwies, die Aufmerksamkeit 
lenkte (vgl. auch v. L i n d e n). In jüngster Zeil w'urde auch eine Veränderung der Fühlerform bei Lymanlria dispar ? 
angegeben. (K o s m i n s k y.) 

Trotz der hochinteressanten Resultate, di.' dnrcli Temperaturver.suche im allgemeinen erzielt wurden, muß 
doch gesagt werden, daß dieselben in ihrer Bedeulwng für die Stammesgeschichte anfänglich überschätzt wurden. 
Das was durch ungezählte Generationen sich allmählich gebildet mid im Vererbungswege gefestigt hat, kann nicht 
durch noch so energische Reize im Individuum auf einmal rückläufig gemacht werden. Auch liegt die entscheidende 
Differenzierung der Arten gewiß mehr auf dem Gebiete der Form- als Farbenveränderung, und für erstere ist bisher 
nur die mehr einen pathologischen Charakter tragende Veränderung der Schuppenform mit Sicherheil bekaimt 
geworden. Die Temperaturver.suche haben .sohin mehr eine physiologische als phylogenetische Bedeutung. 

.\uch ist es nach S t a n d f u ß bisher noch durch kein Temperaturexperimenl gelungen, die stammesgeschicht- 
lich so bedeutsamen, spontan auftretenden, als Mutationen (im Sinn de Vries'j anzusprechenden, relativ kon- 
stanten Abänderungen zu erzeugen, die sich zum Teil als melanotische Formen darstellen, wie Aglia tau ab. 
f e r e n i g r a Th. Mieg u n d a b. m e 1 a i ri a Groß, oder A m p h i d a s i s b e t u 1 n i' i a a b. d o u b I e- 
il a y a r i a Mill. 

Wohl aber kommt den TemiieraturversnihcM indu'ekt eine erhöhte Bedeutung wieder dadurch zu. daß eine 
Weiterzucht der experimentell veränderten Individuen mehrfach durchgeführt wurde, um die Vererbung der im 
Individualleben entstandenen Merkmale zu erproben. So gelang es S t a n d f u ß, experimentell veränderte Indi- 
viduen von \' a n e s s a urticac (ab. atrebatensis) unter normalen N'erhältnissen weilerzuziehen, und 
unter deren Nachkommen ca. 8°/o in gleichem Sinne aberrierende Individuen zu erhallen. Gleiches gelang Fischer 
bei einer sehr interessanten Zucht von Frostaberrationen des braunen Bären (.Arctia caja ab. tobscnra), 
wobei ca. 10 »/„ der Nachkommen der .\berralionsrichlung angehörten. 

Was die M e t h d e u n d T e c h n i k bei Tempera lurversuchen betrifft, so haben sich' darüber fast alle 
Autoren geäußert.-) Im allgemeinen läßt sich sagen, daß nur Versuche in größerem Umfange einen wissenschaftlichen 



') Die auf Taf. 53 Fg. 20 noch dargestellte C h r y s o p h a n u s v i r g a u r e a e v a r. m i e g i i Vog. ist 
nicht durch Tempera turexperiment erzeugt und wurde nur als Typus einer radiären Fleckenzeichiiung aufgenommen, 
wie sie ähnlich auch bei der künstlich erzeugten .\ r g y n ii i s p n p h i a a b. o c e 1 1 a l a (Fg. 19) auftritt. 

'-') Vgl den Literaturanhang, insbesondere aber die Pidilik^ilion von Standfuß und Fischer. 



Experimoulalbiologie. A 75 



Wert haben, und auch nur sie die Möglichkeit geben, daß ein Teil der liKiividuiMi zur wis.senschaltliclion 
Kontrolle gleichzeitig unter nornialon Verhältnissen gezogen wird. 

Zur Einführung in die am leichtesten auszuführenden Kälteversuche mit \"aaessen sei bemerkt, daß die frisch 
entwickelten Puppen, nachdem sie ihren anfänglichen Fettglanz zu verlieren beginnen, mit einer spitzen Pinzelle 
vorsichtig, und womöglich mit dem Gespinste, in welchem die Hinterleibsspitze verankert ist, abzulösen und dann 
mittelst einer Nadel durch das restliche Gespinst in gleicher, hangender Lage auf dem Deckel eines Holzkästohens zu 
befestigen sind. Die Puppen können aber auch auf ein Drahtsieb gelegt werden. Steht ein guter Koller zur Ver- 
fügung, so ist der Versuch wesentlich erleichtert, sonst kann auch ein Eiskasten mit Erfolg benützt werden. Jeden- 
falls sind jederzeit genaue Messungen in unmittelbarer Nähe der Puppen angezeigt, um die Temperatur auf der Höhe 
zwischen {+ 4 bis -f 11 " C.) zu erhalten. Im allgemeinen verhalten sich die zum \'ersuch erforderliche Zeitdauer und 
die Temperaturgrade in der Art, daß bei höherer trockener Temperatur eine längere (5- bis 6\vöchentliche), bei nied- 
rigerer Temperatur (unter + 6" bis VC.) eine kürzere (ca. 'twöchentliche) Expositionszeit erforderlich ist. 

Die viel schwierigeren Wärmeversuche werden am besten in einem Thermostaten ausgeführt, in welchem die 
Expositionsdauer (bei einer Temperatur zwischen -|- 35 bis 38" C.) 1 bis 3 Tage betragen muß. 

Bei Frost- und Hitzeversuchen ist vor allem zu bemerken, daß diese extremen Temperaturen nur stundenweise 
zur Einwirkung gelangen dürfen, und zwar bei ersterennach Vorkühlung der Puppen (bei ca. -f 6 bis + i") innerhalb der 
ersten 2 bis 3 auf die Verpuppung folgenden Tage täglich 3mal durch ca. 2 Stunden in einer allmählich abnehmen- 
den Tiefe von ° bis höchstens — 14° C. Es genügt, wenn die Temperatur während der Expositionszeit durch 
mindestens '/j Stunde auf letzterem Tiefstand verharrt und dann wieder ansteigt. In den Zwischenpausen, die an- 
fänglich kurz sein sollen, können die Puppen in die gerade herrschende Lufttemperatur zurückgebracht werden. 
Zur Ausführung von Frostversuchen genügt ebenfalls ein Eiskasten, in welchem man die Temperatur durch \'er- 
mengung des Eises mit Kochsalz auf den nötigen Tiefstand bringen kann.') 

Zur Erzeugimg von Hitze (-(- 40 bis 45 " C.) ist ein Thermostat erforderlich. Die Expositionszeit hängt von den 
angewendeten Temperaturgraden ab und braucht bei -j- 43 " C. täglich 3mal nur 2 Stunden zu betragen, soll aber bei 
bloß 40 " C. bis auf 8 Stunden 2mal täglich ansteigen. Bei Hitzeversuchen müssen die Puppen stets aufgehängt werden 
und dürfen nicht gelegt werden. 



Die wichtigste L i t e r a l u r - 1 u I) c i- 
T e m ]. e r n 1 11 r v e r s u c h e. 

Dorf meist er (.Mitt. naturw. \'cr. f. Steierin., 18G 

und 1879); 
Dixey (Tr. Ent. Soc. Lond. 1891 p. 89, 1894); 



\.\1II p. 1 ff., p. 19 (Kombination von Hitze- ii. 

Wärmecharaktere)) ; 

K o s m i n s k y (Zool. Jahrb. (Abt. Syst.) 27. Bd. 1909 

■p. 361 Taf. 1.3 — 17 Veränderung der Chitinteile); 

K ro d e 1 (Allg. Zeitschr. f. Ent. IX p. 49 ff. Lycaena); 

K u s n e z o w (Rev. Riis. Ent. 'Ol Catocala fraxini); 

Linden (Biol. Z. Bl. X.WI p. 580 ff. \'eränderung 



F e d e r 1 e y, Lep. Temp. Experim. mit besond. Berück- der Schuppenfarbe und -form bei Pap. podalirius); 

sichtigung der Flügelschuppen (in Festschrift f. Morrifield (Trans. Ent. Soc. Lond. 1892—1899); 

Prof. Palmen Bd. II p. 1—119); Prodi now Reaktionen auf Tomperaturreize, Berlin 

Fischer, Transmutat. d. Schmett. Berhn 1895; Neue ; 1008; 

experim. LTntersuch. Berlin 1896; Beiträge zur | R e u s s (Ent. Rcc. .\XI p. 83 PI. 7 Vane-ssa urticae; 

experim. Lepidopterol. (111. Wchschrft. f. Ent. Entomol. 1909 p. 309 ff.); 

II 1897 p. 513 ff.: III p. 49 ff.; IV p. 33 ff. (mit 1 R u h m e r (Ent. Nachr. XXIV p. 37, 353: Araschnia 

mehreren Tafeln) ; E.xper. kritischeUntersuchungen levana) ; 

über das prozentuale Auftreten von Kälteaberr. S t a n d f u ß, Handbuch der paläarkt. Gr.-Schmetl. 

(Soc. Ent. XIII p. 169 ff.: XVI p. 49 ff.); Lepid. 1 Jena 1896: Experim. zool. Studien mit Lepidop- 

Experim. Forschungen (111. Zeitschr. f. Ent. V ] teren (\eue Denkschrift d. allg. Schweiz. G. f. 

1900 p. 4 ff., VI p. 305; VIII p. 221 ff.): Experim. i Naturw. 1898 p. 5 ff. 4 Taf.): Gesamtbil.l der 

Untersuchungen über die Vererbung erworbener ' bis Ende 1898 an Lepidopteren vorgenommenen 

Eigenschaften (Allg. Zeitschr. f. Ent. VI 1901 Temperatur- u. Hvbridationsexperimenten (Ins.- 

p. 49, 377 u. Taf.; VII p. 129 ff.); Neue Tag- Börse XVI mit 4 'Taf.); 

falterformen (Soc. Ent. XXIII p. 129). j W e i s m a n n. Über den Saisondimorphismus <lcr 

Frings Experimente mit erniedrigten Temperaturen Schmett. (Studien zur Deszendenztheorie 1 

(Soc. Ent. XIII p. 35 ff., XIV p. 42 ff., XV p. 25 ff. , Leipz. 1875): Neue Versuche zum Saisondimor- 

XVI p. 17 ff.); Bericht über Temper. Experim.! phismus der Schmetterlinge (Zool. Jahrb. (Ab. 

(ib. XVII p. 9 ff.: .Will p. 1 ff.; XIX p. 137 ff. : Syst.) VllI 1895 p. 611 ff.). 

2. Lichtversucbe. 

Im Gegensatz zur Temperatur übt das Licht in der Entwicklung der Lepidopteren keinen nachweisbaren 
Einfluß auf das Falterklcid aus. Zahlreiche Versuche, bei welchen Raupen und Puppen unter verschiedener Licht- 
intensität und bei vers(;hiedenfarbigcm Licht gehalten wurden, ließen keinen sicher bestimmbaren Unterschied in der 
Färbung der daraus erzogenen Falter erkennen. 



1) Noch bessere Dienste dürfte ein von F i s c h o r konstruierter Frostapparat tun. Vgl. H o f m. - S p u 1- 
Schm. Eur. p. XCVI Fg.. wo von Fischer auch sonst detailliertere Angaben über die Ausführung von Temperatur, 
versuchen gegeben werden. \g\. auch Herrmann Ent. Z. Gub. XII p. 93. 

2) Eine vorzügliche zusammenfassende Darstellung der experimentellen Ergebnisse über den Einfluß der 
Temperatur während der Pupponentwicklung mit Literaturnachweisen hat M. v. L i n d e n im Zool. Centr. Blatt 
Jhrg. IX 1902 p. 580—599 gegeben. 



A Tb Experimeiitalbiologie. 



Umso übc-rrasclu'iider und gesicherter sind jedoch die Nachweise eines direkten Eindusscs des Lichtes Ijc- 
xiehurigsweise der fai-bigeri Umgebung auf die Raupe und Puppe vieler Arten. 

Bereits vor 4 Dezennien Iconstalierte \V o o d die auffallende Tatsache, daß die Puppen von Pieris rapae 
bei künstlicher Zucht sich der Färbung ihrer Umgebung anpassen. Wenige Jahre später legte Darwin eine Studie 
n a r b e rs der entomologischen Gesellschaft in London vor, aus der unzweifelhaft hervorging, daß Raupe und Puppe des 
südafrikanischen Papilio nireus (lyaeus) im hohen Grade das Anpassungsvermögen an die Färbung ihrer Umgebung 
besitzen. Neuere Ai'beiten von Bordage, Kathariner, Petersen, Poulton, Schröder, Stand- 
r u ß, T r i m e n, W i e n e r und anderen haben das Resultat ergeben, daß die Haut gewisser nackter Raupen, nament- 
lich von Geomctriden, und insbesondere jener von Opislhogi'aptis luteolata (— Runiia crataegata) und Amphidasis 
betularia, ein von dem Willen und dem Gesichtssinn der Raupe unabhängiges, also „m e c h a n i s c h e s" Farben- 
anpassungsvermögen besitzt. — So verdankt die Raupe von Amphidasis belulai'ia, wenn sie im Hellen aufwächst, 
ihre grüne Fai'be einem in Ölkügelchen eingelagerten Farbstoff der Fetlschichte, die sich zwischen Epidermis und der 
oberflächlichen Muskellage befindet, während unter der dauernden Einwirkung dunkler Farbentöne der Umgebung 
die Epidermis einen dunklen Farbstoff beherbergt, der dann das grüne Pigment verdeckt und die Haut braun er- 
scheinen läßt. Es werden also unter dem Einflüsse des Lichtes bestimmte Farbstoffe gebildet und verändert (Poulton). 
So ist auch die wunderbare Farbenanpassung der Raupen der Spannergattung Tephroclystia (Eupithecia) an den 
jeweiligen Färbungszusland ihrer Nährpflanze zu verstehen. 

Dieser „mechanische" Prozeß hört doch nicht auf ein physiologischer zu sein. Es gelingt daher auch nicht, 
durch Einwirkung verschiedener Strahlen des Spektrums auf verschiedene Körperteile desselben Individuums eine 
partiell verschiedene Färbung hervorzurufen. Farbenänderungen der Raupen fallen meist mit einem Häutungs- 
stadium zusammen. 

Nicht alle Lichtstrahlen des Spektrums erweisen sich in gleichen Maße wirksam. Am intensivsten wirkt Gelb 
und Orange, welche zumeist eine helle Färbung der Raupe erzeugen. Blaues Licht imd die sogen, chemischen Strahlen 
des Spektrums bleiben wirkungslos. 

Auch bei der Puppe verlauft die Farbcnanpassuiig gleichsam clirümophotographiscli. Die Fähigkeit zur 
Reaktion auf Lichtreize beginnt für das Puppenstadium sobald die Raupe sich zur Verpuppung anschickt und endet 
etwa schon 10 bis 12 Stunden vor der Verpuppung. (Peteisen.) Ist der Reiz zur .Vblagerung eines bestimmten Pig- 
mentes in der künftigen Puppenkutikula einmal au.sgelöst, so endet dieser Prozeß allerdings erst einige Zeit nach 
.Vbstreifen derRaupeniiaut, kann aber nicht mehr in anderem Sinne beeinflußt werden. Es ist vergebliches Bemühen, 
selbst ganz frisch entwickelte Puppen noch auf Lichtroize reagieren lassen zu wollen. Auch besitzt die Puppe nur 
die Fähigkeit einer einmaligen Farbenanpassung, die in der Regel auch vollständig zum Schutze dieses Ent- 
wicklungsstadiums ausreicht. Bekannt in ihrer gelegentlichen Farbenanpass\mg sind auch die Puppen der beiden 
heimischen Papilio-Arten geworden. S t a n d f u ß machte wahrsiheinlich, daß die Farbenanpassung der Puppe 
nur bei entsprechend höherer Temperatur erfolge. 

Auch die Farbe des Kokons mancher Arten, so von Eriogaster laneslris, ersclieint zuweilen an die Umgebung 
angepaßt, was D e w i t z damit erklärt, daß der Inhalt der Malpighischen Gefäße, w-elcher dem Kokon die Färbung 
verleiht, sich nach der l'mgebung fäi'bl. 

Die Entwicklungszeit der Raupen und PuppiMi wiirde (bei .Vrctia caja) unter violettem Lichte beschleiniigt. 
Im allgemeinen verzögert Dunkelheit die Entwicklung. 

Die Einwirkung von Röntgenstrahlen auf Raupen und Pupi)en ist im allgemeinen resultatlos. Nur 
wenn die Bestrahlung während des letzten Raupen- und ersten Puppenstadiums statt hat, tritt beim Falter einer.seits 
eine Vermehrung des schwarzen Pigmenti«, andererseits oft eine Degeneration der Schuppen ein (Hasebroek). 

Die wie h t igs te Li t ra t u r über Poulton (Tr. Ent. S:->c Lond. 1884 p. 27, 18<)2 

lii eil t v e r s u c h e. \t. 'iyH — 'i87 (Zusammenfassung), lyOO p. H69; 

Barlier (Tr. Ent. Soc. Lond. 1874 p. 519 ff. PI. 9); l'JOS p. :511); 

Batenson (Tr. Ent. Soc. Lond. 1892 p. 45, 205); Schröder, Entwickhmg der Raupenzeichnung und 
Bord age (Proc. IV Int. Zool. Kongr. 1898 p. 235 ff.); Abhängigkeit der letzteren von der Farbe der 

De Witz (Zool. Anz. 1903 p. 161; 1904 p. 617); Umgebung. (Berlin 1894); 

Hasebroek (Fortschritte auf dem Gebiete der S c h u 1 t z (111.. Zeitschrft. f. Ent. IV ji. 331, 3r,0; 

Röntgenstrahlen XI p. 1; Ent. Z. XXII p. 182); V p. 5G: Papilio m;ichaon); 

ivathariner (Biol. Z. Bl. XI.X p. 712; 111. Zeitschr. Wiener, Farbenpholographic durch Körperfarben und 

f. Eni. \' p. 3G1, 377; \'l p. 7); .mechanische Farbenanpassung in der Natur (.\nn. 

Petersen (Sitzb. Nat. Ge.s. Dorpat IX 1891 p. d. Phv.s. & Chem. (NF.) Bd. 55. 1895 p. 225); 

232—270); Wood (Pr.'Ent. S. Lond. 1867 p. 99). 

;!. Nahruiigsversuehe. 

Der Einfluß der Nahrung hat füi' das Aussehen der Raupe und des Falters lange nicht jene Bedeutung, die man 
iluu oftmals zusprechen wollte. 

Wiis vorerst die Q u a n t i t ä t der Nahrung anbelangt, so hat ihr geringeres Ausmaß, nanirntlich wenn da«h;rch 
auch eine vorzeitige Nerpuppung der Raupe hervorgerufen wird, selbstredend einen Einfluß auf die Größe der Imago. 
Gewisse Zwergformen ( namentlich bei Vanessen) entstehen auch im freien Naturlcben durch Unterernährung der Raupe . 

Viel schwieriger ist die Feststellung des Einflusses der Qualität der Nahrung auch nur auf das Aussehen 
der Raupe. Es leidet keinen Zweifel, daß die meisten Fälle, bei welchen eine Veränderung der Raupenfärbung und 



Experimentalbiologie. A 77 



-Zeichnung in ursächlichen Zusammenhang mit einer solchen des Füllers gebracht wird, gar nicht hierher gezogen 
werden können, sondern unter dem Gesichtspunkte des Lichleinflusses der Umgebung (vgl. den vorhergehenden 
Abschnitt) fallen. Andererseits wurde in einzelnen Fallen, so bei den Raupen von Agrotis pronuba durch P o u 1 1 o n 
der Nachweis erbracht, daß etiolierte (chlorophyllfreie) Pflanzenteile das Aussehen der Raupen stark veränderten, 
welche, statt braun oder grün, weißlich gefärbt wurden. Wie schon früher bemerkt (vgl. vorne p. A39J entstammt 
nämlich das grüne Pigment der Raupe vielfach den pflanzlichen Fai-bstoffcn, so daß hier in der Tat ein ursächlicher 
Zusammenhang besteht. Im übrigen besitzt jedoch der Organismus der meisten Raupen in hohem Grade das Xer- 
mögen, nur jene Substanzen aus geänderter \alirnng /.u entnehmen, welche assimilierbar sind, die übrigen aber zur 
Ausscheidung zu bringen. 

Sehr weit reichen die \'ersuche zurück, die Färbimg und Zeichnung des Fallers durch das Futter der Raupen 
beeinflussen zu wollen. Bekannt wurden in dieser Hinsicht namentlich die Versuche mit der Raupe des braunen 
Bärenspinners (.\rctia caja), durch deren Fütterung mit Prunus man Falter mit hellroten, durch Schöllkraut und 
Linde solche mit gelblichen Hfl, durch Bilsenkraut .solche mit fast einfarbig kaffeebraunen Vfl, durch Walnußblätter 
und Einstellen der Futterpflanze in Salzwasser melanolische Falter usw-. erzogen hat. Wissenschaftlich einwandfrei 
sind jedoch diese, meist ohne Kontrollzucht angestellten Versuche durchaus nicht. Auch in den Fällen, bei welchen im 
freien Naturleben der Raupen verschiedene Färbungsvarietäten von Faltern an verschiedene Futterpflanzen aufzu- 
treten pflegen, wie bei JI i m a s t i 1 i a e, bei welcher die auf Birken und Ulmen lebenden Raupen hauptsächlich die 
ab. b r u n n e a ergeben, oder bei E 1 1 o p i a p r o s a p i a r i a, bei welcher die grüne Form p r a s i n a r i a sich 
als Raupe auf Fichten und Tannen (statt Kiefern) ernährt, handelt es sich wahrscheinlich um Rassen, zu deren Aus- 
bildung auch noch andere Faktoren beigetragen haben. 

Einwandsfreiere, wenn auch nur schwache N'eränderungen in der Raupenfärbung und im Farbenkleide der 1 mago 
wurden durch Beimengung chemischer Farbstoffe zur Raupennahrung mehrfach erzielt, so bei Vanessa nrticae (Linden) 
BornbjTc mori, Tineola biselliella u. and. Bei letzterer Art gelang es S i t o w s k i durch Fäi-bung von \\'ollwatle in 
rotem Farbstoff (Sudan III) eine Rosafärbung der Larven, Falter und der von ihnen abgelegten Eier hervorzurufen. 
P i c t e t glaubte bei seinen zahlreichen Fütterungsversuchen die Wahrnehmung machen zu können, daß eine Nah- 
rungsveränderung bei laubfressenden Raupen häufig albinotische, eine solche liei krautfressenden Raupen melanolische 
Falter zur Folge habe, und daß mehr die Tatsache des Xahrungswechsels als die Nahrung selbst vom Einflüsse sei. 

Eine sehr interessante Frage betrifft die Möglichkeit der Geschlechtsbestimmung des künftigen Falters durch 
die Quantität der Raupennahrung. Im Hinblicke darauf, daß die Anlage der Geschlechtsdrüse bereits in einem 
sehr frühen Raupenstadium nach dem männlichen oder weiblichen Typus differenziert ist,') erscheint eine nachträg- 
liche Änderung des Typus sehr wenig wahnscheinlich. Auch liegt bisher keine anatomische Untersuchung vor, welche 
eine Abänderung des Typus der Geschleclitsdrüse erweisen würde. Andererseits liegen von zahlreichen Beobachtern 
Angaben vor, daß bei ungenügender Ernährung der Raupen die Falter in weit überwiegender Mehrzahl männlichen 
Geschlechts gewesen wären, was man häufig damit zu erklären suchte, daß ein geringeres Nahrungsbedürfnis männ- 
licher Raupen ein Überleben derselben bei ungünstigen Ernährungsbedingungen ermögliche. Neuere L'ntersuchungen 
über das Sexualitätsproblem -) haben aber selbst bei Wirbelttieren die Möglichkeit der Abänderung der Geschlechts- 
drüse ergeben, so daß diese Frage auch bei Lepidopteren von vornherein nicht vollständig abgelehnt werden kann. 

Die wichtigste Literatur über Linden Grfn. v. (111. Zeitschr. f. Ent. IV p. 339 
N a h r u n g s v e r s u c h e. 309 ff.) ; 

B a c h m e t j e w Exp. Ent. Stud. II insbesoud. p. 870 ff. P a b s t (111. W<'hschrft. f. Ent. I p. 207); 

Tabellen über Fütterungsversuche); P i c t e t (Mein. Soc. Phvs. H. N. Geneve Vol. 35 (1905) 
Gauckler (Ent. Nachr. Vl'll 1882 p. 275); p. '.5 ff. cfr. Zool. Z. Bl. IX p. 12S, XIII p. 188; 

Hein (Ent. Z. Gub. VIII 1894 p. 81): Baclimetjew 1. c p. 550); 

ICamensky (.\rb. der kaukas. Seidenz. Slat. Tiflis P o u 1 t o n (Proc. Royal Soc. Lond. Vol. 38 p. 209; 

IV 1891 p. 96: Bombyx mori (russ.)); Vol. 40 p 135; Vol. 54 p. 417 ff.): 

K el log and B oll, Notes on Insect Bionomics (Journ. Sitowski (Bull. Ac. Sc. Cracovic 1905 p. 534ff.): 

Exp. Zool. I 1904 p. 357—367); Stand fuß Handbuch IL Aufl. (p. 21! ff.». 

4. Eiiialnuingsversuche. 

N'on der Annahme ausgehend, daß die .\berratioiien bei Temperaturversuchen durch eine Hemmung ilcr ImiI- 
wicklung hervorgerufen werden, also in gleicher Weise entstehen müssen, wenn die Hemmung auch durch eine andere 
Ursache als durch extreme Temperaturen verursacht wird, %'«rsiichte zuerst F i s c h e r eine solche bei frischen 
Puppen durch eine Art Narkose hervorzurufen, indem er dieselben durch 2 bis 3 Tage täghch mehrere Stunden in 
eine Ätheratmosphäre brachte. Auch hier trat zumeist eine Verzögerung in der Entwicklung ein und die Falter 
(Vanessen) zeigten dieselbe Aberralioiisrichtung wie bei extremen Temperaturen. 

Auch der Entwicklungsstillstand (Winterechlaf), der zwischen Saisonformen liegt, konnle .lurcli einen Äther- 
schlaf zum Teil ersetzt werden. (Fischer.) 

Gräfin von Linden stellte Versuche mit Puppen von \'anessa nrticae und io an, welche sie in Kohlensäure-, 
Stickstoff- und Sauerstoffatmosphäre brachte. In den beiden ersten Fällen erschien ab. ichnusoides zum Teil auch 
ab. polaris und ab. belisaria, in Sauerstoff aber nrticae v. ichnusa. Sie sprach die Meinung aus, daß für die beiden 

1) Vgl. L a \' a 1 e 1 1 e (Arch. f. mikrosk. Anat. 50. Bd. p. 750. 759 Taf. 39 Fg. 5. Taf. 40 Fg. 14 [Bomb, mori.lj. 
-) Vgl. Hertwig (Verh. d. Deutsch. Zool. Ges. 1905 p. 186, 1906 p. 90; 1907 p. 55). 



A 78 Experimentalbiologie. 



ersten Fälle die Beschränkung der Oxydalionsvorgänge, beziehungsweise für die letzten die Erhöhung dei-selben 
die Ursache der Kolorilveränderungen sei, die wesentlich dann in einer Verdunklung oder Aufhellung betehen. 
Alle Störungen während der Puppenentwicklung, welche eine Herabsetzung der Oxydationsvorgänge zur Folge haben, 
führen zur Entstehung von Aberrationen, einerlei, ob das lebendige Plasma durch Hitze, Frost oder Narcotica reaktions- 
unfähig gemacht wird, oder ob ihm direkt der Sauerstoff entzogen wird. Andererseits erzeugt ein erhöhter Kohlen- 
säuregehall der Luft bei Puppen eine Gewichtszunahme (Linden). 

Die wichtigste Literatur über Fischer (Neue Exper. Untersuchungen, Berlin 1896; 

Ei na tmungs versuche. ,. i" H o f m - S p u 1. p. XCVIII ff.): 

" L I n d c n V. (Zcitschr. f. wiss. Zool. 82. Bd. 1905 p. 411 

B a c h m e t j e w, Exp. Ent. Stud. II (insbesond. p. 880 ff.; Sitzb. des 6. Int. Zool. Kongr. Bern 1905 p.491 ; 

ff.; 939 ff.); Ai'ch. f. Anat. u. Phvsiol. 1906 Suppl., 1907 

l.',..| ,. r I ■> y (in Festschrift Palmen 1905); p. 162 ff.). 

ö. II yhridatiiinsversuclu'. 

Unter Hybridation wird die fruchtbare Kreuzung ') von Individuen verschiedener Abstammung verstanden. 
Gehören die beiden Elterntiere verschiedenen .\rten an, spricht man von Hybridation im engeren Sinne, 
gehören sie aber bloß verschiedenen Formen derselben Art an, wird in neuerer Zeit hiefür auch der Ausdruck Mo n - 
g r e 1 i s a t i o n gebraucht. Zwischen diesen beiden Kreuzungen bestehen weitgehende Unterschiede bezüglich des 
.\ussehens und der Fortpflanzungsfähigkeit der Nachkommen. Es sind wohl schon aus dem freien Naturleben eine 
kleine Anzahl teils zweifelloser, teils mutmaßlicher Hybriden (wie Deilephila hybr. epilobii, Saturnia hybr. hybrida) 
bekannt gewesen, aber erst seitdem dieses Gebiet auch experimentell gepflegt wird, hat sich die Zahl der sicher- 
gestellten Hybridprodukte entsprechend vermehrt ') und eine tiefere Einsicht in die Gesetze der Hybridation eröffnet. 
Es bleibt das große Verdienst Professors S t a n d f u ß' auch in diesem Zweig der Experimentalbiologie bahnbrechend 
gewirkt zu haben. 

a) H y li r i d a l i o n (s. Str.). 

Gehören beide Elterntiere genuinen, d. h. ursprünglichen, der Natur entnommenen Arten an, so stellt nach 
Standfuß das Ilybridationsprodukt (die .sog. primären Bastarde oder Hybriden erster Ordnung) eine wenig schwankende 
Zwischenform der Elterntiere dar, die jedoch mehr das Gepräge jenes Elternteiles zeigt, welcher der stammesgeschicht- 
lich (phylogenetisch) älteren Art angehört. Auch spricht sich im Gepräge des Hybriden in der Regel ein etwas stärkerer 
Einfluß des männlichen Elternteiles als des weiblichen aus. So hat eine von S t a n d f u ß ') in allen Entwicklungs- 
stadien durchgeführte vergleichende Untersuchung der 3 heimischen Saturniaarten ergeben, daß stammcsgeschichtlich 
spini die älteste, pyri die jüngste Art ist. Eine Kreuzung von S a t. s p i n i (J mit p a v o n i a 5 ergibt ein Hybri- 
dationsprodukt (hybr. hybrida O.), welches in der Tat nur wenig vom weiblichen Elternteil (pavonia) beeinflußt 
erscheint, da der Typus von spini, als der stammesgcschichtlich älteren Art, stärker ist. Auch vermag das cj der 
kleinen S a t. p a v o n i a mit einem § der sehr viel größeren S a t. pyri gekreuzt, das Produkt (hybr. daubii 
Standf.) sehr stark umzustimmen, da pyri als die stammesgeschichtlich jüngste Art, noch weniger gefestigte Charaktere 
besitzt als pavonia. 

Besonders auffalloiul tritt der großen' m ä n n 1 i ( li c Hiiifluß in einer Kreuzung zwischen dem Pappel- 
schwärmer S m e r i n t h u s p o p u 1 i, der slammesgeschichllich älteren, und dem Nachtpfauenauge, S m. o c e 1 1 a l a, 
der stammesgeschichtlich jüngeren Art, zu tage. Im Hybrida tionsprodukt überwiegt allerdings jederzeit der populi- 
Charakter als der phylogenetisch älteren .•Vrt. Während aber bei einer Kreuzung zwischen dem Sm. ocellata ^ X Sm. 
populi $ (hybr. hybridus Stgr.) die Hfl einen verloschenen .Vugenfleck ober dem Innenwinkel (also ocellata-Zeichnung) 
aufweisen, verschwindet letzteres Zeichnungselemenl bei der Gegenkreuzung (Sm. populi ^ x Sm. ocellata ? = hybr. 
rothschildi Standf.), welche nur mehr das .\ussehen eines schwach abgeänderten Pappelschwärmers zeigt. 

Die Hybriden erster Ordnung sind in der Regel in sich unfruchtbar, da die Geschlechtsdrüse im weiblichen 
Geschlechte meist rückgebildet erscheint. Die männlichen Hybriden erster Ordnung können jedoch zumeist mit 
einem 2 einer der beiden Eltcrnarten zurückgekreuzt, oder auch mit dem $ einer 3. Art gekreuzt werden. In allen 
diesen Fällen entstehen sog. abgeleitete Hybriden (Hybriden höherer Ordnungen). Bei der Rückkreuzung eines 
männlichen primären Hybriden mit dem ? der phylogenetisch älteren Ursprungsart entwickelt sich ein größerer Prozent- 
satz an Nachkommen, als bei der Rückkreuzung mit dem $ der stammesgeschichtlich jüngeren Elternart. Die indi- 
viduelle Variabilität ist bei den abgeleiteten Hybriden, bei welchen zum Teil auch die später zu erwähnenden Mendel- 
schen Vererbungsgesetze in Frage kommen, eine viel größere als bei den primären. 

Als Versuchsobjekte wurden von Standfuß hauptsächlich die Gattungen Saturnia*), Pygaera, 
Smerinthus und D r e p a n a gewählt. In neuerer Zeit hat sich Dr. D e n so (in Genf) und eine Anzahl von 
Züchtern i n W i e n^) sehr erfolgreich mit der Ilybridiilion bei S[>hingiden insbesondere den Gattungen D e i- 



M Nicht bloß copula. 

*) Sämtliche bisher bei mitteleuropäischen .\rten bekannt gewordene, wenn auch nur experimentell erzeugte 
Hybriden sind im Besonderen Teil dieses Buches an systematischer Stelle angeführt. 
') Handb. p. 100 ff. 

■*) Vgl. im Besonderen Teil die Übersicht p. 134 — 135. 
") G i 1 1 y, K o r d e s c h, K y s e 1 a, P e r n o 1 d, R e i s 1 e i t n e r u. and. 



Hxpei-imenUilbiologie. A 79 



1 e p h i 1 a und P e r g e s a betaßt.') Bei letzteren hat sich auch die Tateache ergeben, daß Individuen, welche 
nicht bloß weit verschiedenen Arten, sondern selbst verschiedenen Gattungen (Deilephila und Pergesa) angehören, 
sich fruchtbar kreuzen, was mit Rücksicht darauf, daß nur die Hybridation den wahren Prüfstein für den Grad der 
Blutsverwandtschaft bildet, zur Annahme berechtigt, daß hier die Systematik weiter gegangen ist, als es die \er- 
wandtschaft eigentlich notwendig machen würde. 

Oftmals entstehen innerhalb der Hybridbruten viel mehr männliche als weibliche Individuen, doch sind letztere 
nicht in allen Fällen ganz steril. Audi in Hinsicht der Erscheinungszoit des Falters, im Aussehen und der Lebens- 
weise der Raupe folgt das Hybridationsprodukt in der Regel jenem Elternteil, welcher der phylogenetisch älteren Art 
angehört. Doch können sich in der Erscheinungszeit des Hybridfalters schon bezüglich der Geschlechter sehr weit- 
gehende Differenzen einstellen, indem die männlichen Hybriden sich viel früher (in einer 2. Generalion) entwickeln, 
als die weiblichen. Auch variiert das .\ussehen der Hybridraupen oft sehr stark.=) Als Futterpflanze der Hybridbrut 
ist im freien Naturleben stets die Futterpflanze des .Muttertieres anzusehen, dessen Instinkt der Brutpflege bei der 
Eiablage durch die vorausgegangene coi)ula mit dem J einer anderen Art nicht umgestimmt werden kann. Bei künst- 
licher Zucht ist es jedoch bereits nielu'inals gelungen, die jungen llybridräupchen zur Annahme der väterlichen Futter- 
pflanze zu bringen, so wurde Deilephila h y b r. c p i 1 o b i i (euphorbiae J X vesportilio 9) auch mit Euphorbia, 
und Deileph. hybr. irene (Perg. elpenor cj X hippophaes 5) auch mit Epilobium erzogen.^) 

Die Methode zur Herbeiführung der Hybridation ist oft sehr schwierig und setzt reiche Erfahrung mit den 
Lebensgewohnheiten der Arten voraus, die man zu kreuzen beabsichtigt. In der Regel können dazu nur aus der Puppe 
gezogene, frische Falter verwendet werden und schon hier macht das erforderliclie möglichst gleichzeitige Erscheinen 
der Geschlechter verschiedener Arten oft große Schwierigkeiten, namentlich dann, wenn die Falter (wie der Saturnia- 
arten) nicht durch Honignahrung längere Zeit am Leben erhalten werden können, wie es bei Deilephila möglich ist. 
In ersterem Falle muß durch Temperatureinflüsse das gleichzeitige Erscheinen der Arten reguliert werden. Zur 
Paarung werden die Falter in eigene, sehr luftige, nicht zu große Behälter gebracht,') deren innere Kanten und Boden 
mit weichem Stoff auszukleiden sind, um anfliegende oder herabfallende Falter vor Verletzungen zu schützen. Bei 
Deilephila-Hybridenzucht wird in die Mitte des Behälters ein enghalsiges Gefäß mit frischen, stark riechenden Blumen 
(Salvia, Echium, Saponaria) gestellt und überdies in jede Blüte noch etwas Tropfhonig gebracht, um den schwärmenden 
Faltern genügend Nahrung zu bieten. Die Falter sollen möglichst zahlreich vorhanden sein, und zwar beide Ge- 
schlechter von den zu kreuzenden Arten, jedoch mehr männliche Individuen. Durch das lebhafte Schwärmen von 
Vertretern verschiedener Arten in dem beschränkten Raum scheint die spezifische Geschlechtswitterung, beziehungs- 
weise das ünterscheidungsvermögen der cJ für die $ der eigenen Art verloren zu gehen, so daß häufig auch eine copula 
mit einem $ der fremden Art erfolgt. Es empfiehlt sich, zur Zucht luir ganz gesunde Tiere, insbesondere nur J von 
lebhaftem Temperament, die auf Reize stark reagieren, zu verwenden. Zur Eiablage empfiehlt es sich, die befruchteten 
? in andere Behälter zu bringen, in welchen die (mütterliche) Futterpflanze als Topfpflanze gezogen ist. .Jedenfalls 
sind die Raupen bis zur 3. Häutung auf der lebenden, bodenständigen Futterpflanze (und nicht bloß auf eingebrachtem 
Futter) zu ziehen, wodurch auch <las oft gefährliche Übertragen der Räupchen auf neues Futter vermieden wird. 

b) M n g r e 1 i s a t i o n. 

Die Kreuzung verechiedener Formen derselben Art ist wahrscheinlich im Naturleben eine viel häufigere Er- 
scheinung, als man bisher aimahm, ja es hat den .\nschein, als ob auch die zahlreichen Fälle des geschlechtlichen 
Dimorphismus z. B. innerhalb der Gattung Colias erst unter diesem Gesichtspunkte einer näheren Erklärung zu- 
gänglich wären. 

Bezüglich des Kreuzungsproduktes, das stets in sich fortpflanzungsfähig ist, gelten die zuerst von Mendel 
für Rassen von Kulturpflanzen entdeckten Vererbungsgesetze. Als charakteristisch muß hiebei vor allem die relativ 
große Selbständigkeit einzelner Merkmale bezeichnet werden, die sich zum Teil gegenseitig aus- 
schließen, antagonistisch sind, das heißt nicht nebeneinander an ein und demselben Individuum auftreten. 

Werden Angehörige verschiedener Rassen gekreuzt, so zeigen die ersten Bastarde im allgemeinen Mischcharak- 
tere, wobei jedoch einzelne Merkmale besonders hervortreten (dominierend, d o m i n a n t), andere dagegen 
verschwunden, beziehungsweise verdeckt (rezessiv) sind. Werden diese Bastarde in sich weiter gezogen, so spalten 
sie in der Regel wieder in die Ausgangsformen ab und zwar in der Weise, daß V« der Individuen das dominierende 
Merkmal, V4 das rezessive aufweisen. Letztere pflanzen sich in sich rein weiter. Die übrigen züchten in '/, der Gc- 
samtzalil ebenfalls rein weiter, zu '/, erfolgt aber wieder eine .\urspaltung in dem angegebenen Zahlenverhältnis.') 

') Vgl. Besond. Teil p. 95 — 97 Übersicht und Taf. 20; fcrni>r Katalog der Sphingiden-Hybriden von D e n so 
(Bull. Soc. Lep. Geneve I p. 320 ff.). 

^) Vgl. Taf. 20 Fg. 3a— c. 

') Vgl. b t h r. Lep. comp. I. 3 p. 26. 

*) Kysela (Polyxena IV p. 13 ff.), dem die nachstehenden Ausführungen folgen, empfiehlt für die Zucht 
von Deilephila-Hybriden Behälter in der Dimension von 35: 40: 45 cm, in welche bei 2 Dutzend Falter gebracht 
werden sollen. ^ ■ 1 

*) Wenn D das dominante, R das rezessive Merkmal bezeichnet, so stellt sich die erste Generation als 

1/^ E _(. 1/^ E -1- 1/^ E -j- 1/^ £ dar, das heißt das Merkmal R wird überall durch D gedeckt. In der 2. Generation 
erscheint jedoch 'A 5 + Vi 5 + V« g + 'A y^, hievon züchten '/, 5 u. '/, | rein weiter, bezüglich der beiden 'A^ 
also der Hälfte, erfolgt jedoch in deren Nachkommen eine weitere analoge Aufspaltung. 



A 80 Experimenlalbiologie. 



Als Beispiel solcher Rassenkreuzungen seien die Zuchten von Callimorpha domin ula L. (J mit 
V a r. p e r s o n a Hb. $ (und reziprok persona q X doniinida '^) erwähnt. Die Stammform dominula besitzt rote, 
die italienische Varietät persona gelbe, stärker schwarz gezeichnete Hfl. Der Bastard (hybr. romanovi Stndf.) glich 
in beiden Fällen in der roten Färbung der Hfl (dominantes Merkmal) mehr der Stammform.') Eine weitere Inzucht 
hätte zweifellos eine Aufspaltung ergeben. Ferner seien noch angeführt die Kreuzungen Spilosoma mendica 
mit ab. rustica'), Spilos. lutea und ab. zatima'), Larentia ferrugata mit ihren Formen '), 
imd zwei Zuchten der Nachkommen von C o 1 i a s e d u s a ? a b. h e 1 i c e, die in dem einen Fall 56 % jj, 23 '!;, 
normale $ und 20 "„ $ helicc, im anderen Falle aber 53 "„ J, 13 "„ normale $ und 34 "„o hehce ergaben.') 

Werden Mutationen untereinander oder mit der Stammform gekreuzt, so tritt gleich in der ersten Generation 
.\ufspaltung der Merkmale ein, oder es treten noch andere Mutationen untermischt auf. So kreuzte S t a n d f u ß ') 
.\ g 1 i a tau ab. (mutat.) ferenigra mehrfach mit derStammform und in sich und erhielt jederzeit nur Indivi- 
duen, welche entweder der Stammform oder der ab. ferenigra angehörten, aber niemals Zwischenformen. Sehr inter- 
essante Ergebnisse hatten kürzlich gelungene Kreuzungen von Aglia tau ab. melaina <^ X ferenigra $ "), die beiläufig 
V. Stammform, '/^ melaina, '/j ferenigra und V4 einer neuen Mutation ergaben, die S t a n d f u ß ab. w e i s m a n n i 
benannte.») Sie stellt ein Extrem der beiden Aberrationen dar. 

,, Wahrend sich also ab. melaina sowohl als auch ab. ferenigra der Stammform gegenüber antagonostiscli 
vorhalten, stehen sich ab. melaina und ferenigra nicht antagonostisch gegenüber, sondern verschmelzen zu einem 
(neuen) Typus, welcher die Charaktere beider Mutationen in sich vereinigt." (Standf.) Weitere Experimente mit 
di'r Inzucht dieser Form werden ergeben, ob und in welchem Bruchteil dieselbe rassenrein züchtet.') 
6. Kastrat ions-, Traiispliinliitious-, Kegencratlons- und Verwachsungsversuche. 

In Kürze sei auch hier jener hochinteressanten Versuche gedacht, die durch oft sehr schwierig auszuführende 
operative Eingriffe einen tieferen Einblick in die Entwicklungsvorgänge zu gewinnen trachten. 

Um die Abhängigkeit der Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale (Fühlerbildung, Größe, Färbung 
usw.) von jener der Geschleclitsdriisen zu prüfen, liat zuerst O u d e m ans (1899) jungen Raupen von L y m a n t r i a 
d i s p a r nach der 3 Häutung die Anlage dei- Geschlechtsdrüse herausgeschnitten. K c 1 1 o g, M e i s c n h e i m e r 
inid K o p e c führten die Kastrations versuche in größerem Umfange und zum Teil anderer Methode (Zerstörung der 
Gonaden durch einen Galvanokaust) weiter. Die Wundheilung (meist durch Auftragung eines KoUodiumhäutchens 
unterstützt) erfolgt oft rasch und die weitere Entwicklung geht, wenn die erste Häutung nach der Operation gut 
überstanden wird, normal vorsieh. In al len Fällen, in w^elchen sich kastrierte Falter, wie die nachträghche anatomische 
Untersuchung bestätigte, entwickelten, deren Raupen also die Geschlechtsdrüse (Hoden oder Ovarien) und zuweilen 
selbst die Anlage des äußeren Begatlungsapparates entfernt worden war, zeigten dieselben in ihrer Größe, Flügel- 
schnitt, Färbung und Fühlerbildung keinerlei Unterschiede gegen normale Faller desselben Geschlechtes. M e i s e n- 
h e i m e r beoba<;htete nur, daß kastrierte ? von Lymantria dispar etwas mehr zur männlichen (braunen) Färbung 
neigen, als es bei normalen ^ der Fall zu sein pflegt. Aber auch in psychischer Hinsicht hat das Fehlen der Ge- 
schlechtsdrüse und selbst noch dazu das Fehlen des Begattungsapparates beim o keinerlei Einfluß. Ein solches 
vollständig kastriertes ^ müiite sich stundenlang ab, eine copula zu erreichen, zu deren Eingehung die physischen 
Vorau.ssetzungen gänzlich fehlten. Andere Falter (<? oder $), denen bloß die Geschlechtsdrüse fehlte, gingen jederzeit 
eine copula mit normalen Individuen ein. Es besteht also eine vollständige Unabhängigkeit einerseits zwischen dem 
Genitalapparat und andererseits zwischen den seicundären Geschlechtsmerkmalen und den sexuellen Trieben. 

Ähnliche Residtate ergaben auch die T r a n s p 1 a n t a t i n s v e r s u c h e, bei welchen die Anlage der dorn 
anderen Geschlechte zugehörigen Genitaldrüse in vorher einseitig oder ganz kastrierte Raupen übertragen wurde. 
Trotzdem die daraus sich entwickelnden Falter also entweder zwitlerig waren (d. h. einen Hoden und ein Ovarium 
besaßen), oder (bei beiderseitiger Transplantation) ihrer Genitaldrüse nach dem andern Geschlechte angehörten, trat 
weder in ihremÄußeren noch in ihrem sexuellen Verhalten eine Änderung der ursprünghchen Veranlagimg ein. Be- 
sonders interessant war in dieser Hinsicht der Versuch bei Orgyia gonostigma, bei welcher Art ein weitgehender 
Ge.schlechtsdimorphismus herrscht. Männliche Individuen mit transplantierten Ovarien zeigten jedoch bis a\if 
eine größere .\usdehnung des .A.bdomens keinerlei sonstige Abweichungen. (Meisenheimer.) 

Untersuchungen über d<js Regenerationsvermögen im Larvenstadium wurden namentlich be- 
züglich der Brustbeine durch C h a p m a n, bezüglich der Flügelaiüage durch Meisenheimer angestellt. Erstere 
Versuche ergaben ein Regenerat, welches aber erst nach mehreren Häutungen die zur Funktion erforderliche Länge 
erreichte. Gleichzeitig wurde die Annahme, daß die Brustheine der Imago durch Imaginalscheiben ganz neu angelegt 
werden, widerlegt. Die Regeneration der Flügelanlage erfolgte in sehr iu\gleicher Stärke. Eine gleichzeitig durch- 



») Vgl. Stand fuß Handb. p. 220 ff. Taf. 5 und Besond. Teil p. 434 und 426. 

-) Prout (Tr. Ent. Soc. Lond. 1900 p. 525): Tutl (Brit. Lep. V p. 61 ff.). 

') Frohawk (Entom. ,34 p. 3); Tutt (Brit. Lep. V p. 66). 

*) Handb. p. 312 (dort ferenigra noch als lugens bezeichnet): ferner in Lep. comp. I, 3 p. 6 ff. 

<■) Stand fuß Lep. comp. I. 3 p. 1 4 ff. Pi. 31. 32. 

»1 Vgl. Besond. Teil p. 136. 

') Die wichtigste Literatur über 11 y b r i d a t i o n s v e r s u c h e erscheint bereits in den Text- 
anmerkungen aufgeführt. lOine Zusammenstellung sämtlicher Fälle jcibt T \i 1 1 Brit. Lep. V p. 1 — 39 (Hybrid.), 
p. 39—67 (Mongrelis.). 



Zur Geschichte der Lepicloplerologie. A 81 



geführte Transplantation der Geschlechtsdrüsen hat keinen Einfluß auf das Aussehen des Individuums, dessen 
Gestaltung stets nach der ursiirünglichen Geschlechtsanlage erfolgt. Geschlechtsdrüsen regenerieren nicht. 

Verwachsungs- und Pfropfvci-suche wurden hauptsächlich bei Puppen angestellt. So wurde beispielsweise 
das Bnddrittel einer männlichen Puppe abgeschnitten und durch den entsprechenden Teil einer weiblichen Puppe 
ersetzt. Die Versuche haben hauptsächlich ein histologisches Interesse. 

Die wiciitigste Literatur zu diesen K e 1 1 o g (Jouni. Kxp. Zool. 1 lyO'i p. 593, p. 601 



Vers u c h e n : 

C h a p m a n (Ent. Rec. XII p. 141, 177 PI. 6 Regene- 
ration der Beine); 

C r a m p t o n (Arch. f. Entwickl. Mech. IX 1899 p. 293 
Verwachsungsexperiinente an Puppen); 

Enderlein (Zool. Jahrb. XVI, 1902 p. .'')71 Taf. 
40 — 42 Hemmungsbildung, besond. wichtig bezügl. 
der Entstehung des Geäders): 

Hirsch 1er (Anat. Anz. XXllI 1903 p. 612; XXV 



Regeneration der Larvenbeine, nicht auch der 
Geschlechtsdrüse) ; 
K o p e 6 (Bull. Ac. S(\ Cracovie 1908 p. 893 Kastration, 

Transplantation): 
M e g u s a r (Arch. f. Entwickl. mech. XX\' 1907 p. 144 
Regeneration des Kaudalhorns bei Bomb, mori); 
M e i s e n h e i m e r Experim. Studien über Soma- und 
Geschlechtsdifferenzierung, Jena 1909 (vgl. auch 
Verh. Deutsch, zool. Ges. 1908 p. 84; Zool. Anz. 
1907 p. 393; 1908 p. 689); 
1904 p. 417 Wundheilung, Regeneration, liaupt- O u d cm a n s (Zool. Jahrb. (Abt. Svst.) XII 1898 
sächhch histologisch); p. 71, Taf. 3—5 Kastration). 



XII. Zur Geschichte der Lepidopterologie.') 

Literarische Nachrichten über Lepidopteren reichen Ijis auf .\ r i s t o t e 1 e s (384 — 322 v. Clir.), den Be. 
gründer der Naturwissenschaften, zurück, der sich jedoch mehr mit dem anatomischen Bau und der Lebensweise 
der Tiere, als mit deren Systematik befaßte. Er nannte den Schmetterling vo/j) und kannte dessen Entwicklung 
mittelst Metamorphose.^) Während des späteren Mittelalters bis zur Neuzeit liildeten die Schriften des Aristoteles 
die einzige wissenschaftliche Quelle der Tierkunde. Erst als die Holzschneidekunst und der Kupferstich im 17. Jahr- 
hundert bedeutende Fortschritte gemacht hatten, erschienen einige Werke, wie jenes von U 1 y s s e s A 1 d r o v a n d u s 
(1602)^), worin die tatsächliche K e n n t n i s v o n A r t e n angebahnt war. Eine wesentliche Förderung 
erfuhr die Schmetterlingskunde dann durch M a r i a S i b y 1 1 a M e r i a n, verehelichte Graf (geb. 1647 in Frankfurt 
a. M., gest. 1717 in Amsterdam), welche die Metamorphose zahlreicher Arten durch Zucht genau beobachtete und 
dieselbe in allen Entwicklungsstadien, oft auch mit den daraus erzogenen Parasiten naturgetreu abbildete. Ihr Haupt- 
werk ,,Der Raupen wunderbare Verwandlung" (Nürnberg 1679) erschien in mehreren Ausgaben uiui Sprachen. Sie 
machte auch eine Reise nach Surinam und gab ein großes Werk über die dortigen Insekten lieraus. 

Merian war die eigentliche Begründerin der Raupenzucht und damit auch jener Sammelmethode, welche 
seither die hervorragendste auf lepidopterologischem Gebiete geljüeben ist. Sie hatte hierin zahlreiche Nachfolger, 
auch außerhalb Deutschlands, keiner derselben war jedoch hervorragender als A u g. .( o h. R o e s c 1 v o n R o s e n- 
ho f (geb. 1705 in Augustenburg, gest. 1759 in Nürnberg). Von Beruf Kupferstecher und Miniaturmaler verband 
er mit einer hervorragenden Beobachtungsgabe, wobei er durch den Gebrauch des Mikroskopes wesentlich unterstützt 
wurde, eine N'orliebe für Lepidopteren und zog eine sehr große Zahl derselben oft schon vom Eistadium ab. Sein 
Hauptwerk bildete die „monatlich herausgegebene Insektenbelustigung", deren erster Band 1746 erschien. Er 
enthält ausschließlich Lepidopteren und macht die Naturgeschichte von über 120 .Vrten auf kolorierten Kupferlafeln 
mit großer Naturtreue bekannt. Der letzte (4.) Band (1761) wurde erst nach Roesels Tod von Chr. T. C. Klee - 
m a n n herausgegeben und enthält wieder zahlreichere Lepidopteren. Roesel wurde von seinen X'erehrern als deut- 
scher R e a u m u r bezeichnet, konnte sich aber mit diesem großen französischen Gelehrten und Anatomen höchstens 
in der trefflichen Beobachtungsgabe messen. 

In Holland waren es die Werke Goedaerdts (1620 — 1668) und S w a m m e r d a m s (1637 — 1685), durcli 
welche die Kenntnis der Lepidopteren, durch letzteren Autor namentlich in anatomischer Hinsicht, gefördert wurde. 
In England gab J. R a j u s in der ,,Historia Insectorum" (1710) gute Beschreibungen zahlreicher in England lebender 
Arten, worunter sich auch seltenere befanden. Ihm folgte dort später B. W i 1 k e s mit einem Band kolorierter 
Kupfertafeln. 

Carl deGeei' (1720 — 1778), der (mu großes Werk, betitelt: „Abhandlungen zur Geschichte der Insekten" 
(Stockholm 1752 — 78) (danmter bei 180 Lepidopteren), publizierte, war bereits ein Zeitgenosse Carl vonLinnes 
(geb. 1707 in Roeshult Schweden, gest. 1 778), dessen S y s t e m a N a t u r a e in der 10. Ausgabe (1758), den Beginn 
der modernen Naturwissenschaften bildet.') Linne führt darin über 350 europäische Schmetterlinge auf (darunter 
53 Tagfalter), wobei aber eine Anzahl bereits früher von anderen Autoren kenntlich beschriebener .Arten übersehen 
wurde. Er teilt die Lepidopteren nach der Beschaffenheit der Fühler und Haltung der Flügel in der Ruhe in 3 



') Der zur Verfügung stehende Raum gestattet nur eine kurze Übersicht mit be.s-.^nderer Berücksichtigung 
der systematischen Quellenliteratur, soweit sie die mitteleuropäischen Großschmetterlinge, betrifft 

-) Vgl. Scheu kling. Die Entomologie des .\ristotelcs (111. Wochenschr. f. Ent. I 1896 p. 469 ff.). 

^) Über die ältere Literatur des 1 7. und 18. Jahrhundert-s ist W e r n e b u r g „Beiträge zur SchnuHterlings- 
künde" (Erfurt 186i. 2 Bndc.l. ferruir U a g e ri „Bibliotheca Entomologica" Leipzig (1862 — 63) zu verglcirheii. 

*) \'gl. vorne p. A2 — A:i. 

Berge- H ch.'l, s,•llrm■ttl■rlin^'?lllu■ll. A U 



A 82 Zur Geschichte der Lepidopterologie. 



große Gruppen (Gattungen): Papilio, Sphinx und Phalaena. Erstere werden in 6 Phalanges, letztere in 7 Unterab- 
teilungen (Bombyces, Noctuae, Geonietrae, Tortrices, Pyralides, Tineae und Alucitae) gebracht. Zur zweiten Gruppe 
(Sphinx) gehörten außer den Sphingiden auch bereits die Sesiiden und Zygaeniden. 

Unschwer wird man in dieser Einteilung bereits die Grundzüge jenes Systems erkennen, welches bis nahezu 
vor einem Dezennium noch in allgemeiner Anwendung gestanden ist. Dem Linneischen Geiste folgend war nämUch 
das Schwergewicht der Systematik in den darauf folgenden hundert Jahren in die Unterscheidung der niederen Kate- 
gorien (Arten, Gattungen) verlegt worden, eine Riclitung, die auch in der Gegenwart für die meisten Autoren noch das 
Hauptarbeilsgebiet bildet. 

Den ersten \ersuch tiefer in die Verwandtschaft der Formen einzudringen machten allerdings bereits die wissen- 
schaftlich hochstehenden \'erfasser des „Systematischen Verzeichnisses der Schmetterhnge der Wienergegend" (Wien, 
1776), Ignaz Schiffermiller (geb. 1727, gest. 1809) und Michael Denis (geb. 1729, gest. 1800), welche nach 
ihrer Stellung als Lehrer am Theresianum in Wien häufig als „Theresianer" bezeichnet werden. Das Buch stellt eigentlich 
nur den Entwurf eines großen, unausgeführt gebliebenen Werkes dar, daher die sehr zahlreichen als neu erkannten 
Arten nur lateinisch benannt, nicht aber auch beschrieben sind. Es enthält aber in den allgemeinen Bemerkungen eine 
solche Fülle richtiger Erkenntnisse, daß es auch in seiner vorliegenden Form ein hterarisches Denkmal bleibt. 

Eine genaue Erforschung der ersten Stände imd Lebensweise vieler Arten wurde von den Theresianern nicht 
bloß zu einer überraschend weitgehenden und sicheren .'^rtunterscheiduiig verwertet, sondern diente auch zu einer 
Vertiefung des Systems, die wesentlich die Basis für die systematischen Arbeiten von J o h. Chr. F a b r i c i u s 
(geb. 1745, gest. 1808) bildete. \'on ihm rührt die Aufstellung einer großen Zahl von Gattungen und .Arten her, die 
bereits von den Verfassern des Wiener Verzeichnisses richtig unterschieden worden waren. Nun mehrten sich in rascher 
Folge die Neubeschreibungen von .\rten, die zum Teil schon in Zeitschriften, wie namentlich in F u e s s 1 y s Magazin, 
bekannt gemacht wurden. Die bedeutendsten selbständigen Werke, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts über Lepi- 
dopteren in Deutschland erschienen, waren von Bergsträßer (1779, Naturgeschichte der europ. Schmetterhnge, 
hauptsächlich für Lycacniden), Borkhausen (Naturgeschichte der europ. Schmetterlinge, Text 5 Bände, 
1788— 179'i) und E. J. Ch. E s p e r (geb. 1742, gest. 1810) „Die Schmetterhnge in Abbildungen nach der Natur" 
(5 Bände u. Supplem. mit über 400 Tafeln 1777 bis 1805) verfaßt. Letzteres Werk bringt die .\ufstellung zahlreicher 
neuer Arten und einen noch ausführlicheren, aber wissenschaftlich minderwertigen Text. Es bildet den Vorläufer 
des größten Quellonwerkes in Tafelform, welches die lepidopterologische Literatur aufzuweisen hat, nämlich der 
„Sammlung Europäischer Schmetterlinge" von Jakob Hübner (geb. 1761, gest. 1826 in Augsburg) mit 700 
kolorierten Kupfertafeln, fortgesetzt von L. G e y e r (bis 1841). Hübner gab auch noch einige andere Kupferwerke 
wie über die ersten Stände europ. Schmetterlinge und über Exotische Schmetterhnge heraus. Die Tafeln, in Quart mit 
Handkolorit, sind zum Teil von unübertrefflicher Naturtreue. Der Text ist ganz minderwertig und fehlt zum Teil 
vollständig. Die Tafeln selbst tragen die Benennungen. 

Inzwischen hatte eine textlich umfassende, systematische Bearbeitung: ,,Die Schmetterlinge von Europa" 
zu erscheinen begonnen, deren erste 4 Bande (1807 — 1816) von Ferdinand Ochsen heimer (geb. 1767, 
gest. 1822), und weitere 6 Bände (bis 1835) von Friedrich Treitschke (geb. 1776, gest. 1842 in Wien) heraus- 
gegeben wurden. Dieses gründlich gearbeitete Werk steht in systematischer Hinsicht größtenteils auf dem Standpunkt 
der Theresianer; es vereinigte in sich die zahlreichen bis dahin neu aufgestellten Gattungen und Arten und brachte 
vielfach Klärung in die Synonymie. 

Ein selbständiges Tafelwerk von bescheidenerem Umfang und kleinerem Format ist die systematische Be- 
arbeitung der europ. Schmetterlinge von J. W. M ei gen in 3 Bänden (1827 — 32) mit 125 schwarzen Tafeln, die 
bis in die Noctuiden reiiihen. C. F. Frey er (geb. 1794, gest. 1885 in Augsburg) war literarisch vielfach tätig. Sein 
bedeutendstes Werk sind die „Neuen Beiträge zur Schmetterlingskunde" (7 Bude., 1833 — 1858) mit 700 kolor. Kupfer- 
tafeln (8°), worauf neue oder bisher nicht abgebildete Arten, oder deren erste Stände dargestellt sind. 

„Abbildungen zur Berichtigung und Ergänzung der Schmctterhngskunde, besonders der Mikrolepidopterologie, 
als Supplement zu Treitschkes und Hübners europäischen Schmetterlingen" gab J. E. F i s c h e r E d 1 e r v o n 
Roeslerstamm (geb. 1787, gest. 1866) heraus. Das Werk erschien 1834 — 1843 und enthält 100 illuni. Kupfer- 
tafeln in Quart. 

Einen wissenschaftlichen Ausbau in textlicher Beziehung und eine Vermehrung der Tafeln fast auf die doppelte 
.\nzahl erhielt das Hübnerische Werk durch G o 1 1 1. A u g. W i 1 h. H e r r i c h - S c h ä f f e r (geb. 1799, gest. 1874), 
der eine systematische Bearbeitung der Schmetterlinge von Europa als Text, Revision und Supplement zu Hübner in 
6 Bnden. (1843 — 1856, mit 636 kol. Kupfcrtafeln in Quart) herausgab. Die große Bedeutung, welche dieses Werk in 
systematischer Hinsicht durch X'erwertung des Flügelgeäders zur Unterscheidung natürlicher Familien und Gattungen 
besitzt, wurde bereits mehrmals hervorgehoben.') Es bildet mit Hübner zusammen das hervorragendste Quellenwerk. 

Auf dem Gebiete der Microlepidopterologie hatte P. C. Z e II e r (geb. 1808, gest. 1883 in Stettin) schon im 
Jahre 1839 eine natürliche Einteilung der Schaben (Tineiden) publiziert und bereicherte hierauf die Literatur mit 
einer großen Zahl monographischer und faunistischer, höihst wertvoller .\rbeiten. Er war einer der bedfinlendstcii 
Lepidopterologen seiner Zeit und beherrsrlitc amh die fremdländische Literatur. 

') Vgl. vorne |.. All iim.I A i5 ff. 



Zur Geschichte der Lepidopterologie. A 83 

In Österreich war Julius Lederer (geb. 1821, gest. 1870 in Wien) systematisch und faunistisch höchst 
erfolgreich tätig. Er bearbeitete, mit Ausnahme der Tineiden und Pterophoriden, sämtliche Lepidopterenfamilien 
bezüglich der Gattungen. Seine Meisterleistung bleibt die 1 857 selbständig erschienene Bearbeitung der N o c t u i d e n 
Europas. Er stand in .sj-stematischer Beziehimg im allgemeinen dem Standpunkte Ilerrich-Schäfrers nicht zu 
ferne, hat aber eine große Zahl neuer morphologischer Charaktere taxonomisch verwertet \ind an den systematischen 
Arbeiten Herrich -Schaf fers strenge Kritik geübt. Lederer war es auch, der zuerst die Fauna kleinasiatischer, syrischer, 
armenischer, persischer, zentralasiatischer und sibirischer Gebiete bearbeitete und in innigeren Zusammenhang 
mit jener des eigentlichen Europas brachte. 

H. von Heinemann schrieb auf Grund der systematischen Arbeiten Herrich-Schäffers, Lederers und 
Zellers ein systematisches Handbuch „Die Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz" (I. Bnd. Großschm. 1859, 
II. Bnd. Wickler und Zünsler 1863 — 65, III. Bnd. Schaben und Federmotlen 1870 — 76), dessen dritter Band nach dem 
vorzeitigen Tode des Verfassers (1871) durch Dr. M. Wocke vollendet wurde. Das Buch ist sehr gewissenhaft 
gearbeitet und enthält auch Bestimmungstabellen für Gattungen und Arten. Während die beiden ersten Bände bereits 
stark veraltet und lückenhaft erscheinen, ist der dritte Band derzeit noch das beste in deutscher Sprache vorliegende 
Handbuch für Tineiden. Heinemann bearbeitete auch Berges Schmetterlingsbuch, wodurch dieses wesenthch an 
wissenschaftlichem Werte gewann (vgl. Vorrede). 

Aus der großen Zahl deutscher Lepidopterologen, die in den letzten Dezennien auf dem Gebiete 
der deskriptiven Systematik publizistisch tätig w-aren, muß vor allen Dr. O. Staudinger (1830 — 1900) 
genannt werden, der durch die Herausgabe eines trefflichen systematischen Katalogs wesentlich zum Aufblühen der 
Sammeltätigkeit und im Zusammenhange damit der deskriptiven und faunistischen Richtung beitrug. In den beiden 
ersten Auflagen des Katalogs (1861 und 1871) bearbeitete Dr. vS t a u d i n g e r die sog. Macrolepidopteren und 
Dr. M. Wocke (1820 — 1906) die Microlepidopteren. In der dritten .\nflage (1901), deren ganzes Manuskript von 
dem Verfasser dieser Zeilen besorgt wurde, revidierte Dr. Staudinger den ersten Teil (Macrolep.) bis über */^ seines 
Umfanges. Dr. Staudinger war auch sonst, namentlich für die asiatischen Gebiete der paläarktischen Region als 
Autor äußerst fruchtbar. Er genoß als Fachmann ein außerordentliches Ansehen und wurde in unzähligen Bestim- 
mungsfragen, auch die mitteleuropäische Fauna betreffend, um sein Urteil ersucht. 

Als ein außerordentlich gründlicher und vielseitiger Lepidopterologe kann Dr. .\dolf Speyer (geb. 1812, 
gest. 1892) auch hier nicht unerwähnt bleiben (vgl. Abschnitt Faunistik und geogr. Verbreitung). 

Eine Zusammenfassung der .Artbeschreibungen der paläarktischen Großschmetterlinge begann F r i t z R ü h 1, 
deren erster Band (Tagfalter) von A. Heyne (1895) vollendet wurde. Ein zweiter Band wurde von M. B a r t e 1 
begonnen. Inzwischen war (neben Berge) ein von E. H o f ni a n n herausgegebenes populäres Tafelwerk ,,Die 
Großschmetterlinge Europas" erschienen, dessen dritte Auflage durch Prof. A. S p u 1 e r eine vollständige wissen- 
schaftliche Umarbeitung und Erweiterung durch Aufnalime von Microlepidopteren erfahren hat. Für die ersten Stände 
hatte O. Wilde bereits ein beschreibendes Handbuch „Die Pflanzen und Raupen Deutschlands" (1860 — 61) ge- 
schaffen, welches durch E. Hofmanns „Die Raupen der Großschmetterlinge Europas" (1890 — 1893) (mit 50 
kol. Taf.) ersetzt wnirde. Die Tafeln wurden, um 10 wertvolle Xachtragstafeln vermehrt, von A. S p u 1 e r als Supple- 
ment zur 3. Auflage der Schmetterhnge Europas neu herausgegeben (1904). 

Ein modernes Tafelwerk größten Umfanges bilden die von A. S e i t z herausgegebenen „Großschmetterlinge 
der Erde", welches in 3 Hauptteilen: 1. Fauna palaearctica in 4 Bänden (hievon Bd. I: Rhopalocera eben vollendet), 
2. Fauna exotica in 3 Abteilungen (Fauna americana, indo-austrahca imd africana zu je 4 Bänden) und 3. All- 
gemeiner Teil (in einem Band) zusammen in 17 Bänden in mehr als 400 Lieferungen erscheinen soll. 

Eine noch viel reichere Darstellung und eingehende textliche Besarbeituiig erfahren die paläarktischen Tag- 
falter gegenwärtig durch Prof. V e r i t y in den „Rhopalocera palaearctica" (Florence, Quart mit kolorierten, auf 
photographischem Wege hergestellten Tafeln). 

Auch eine mit prächtigen Tafeln ausgestattete Monographie der palaearktischen Tortriciden von 
.1. von Kennel ist gegenwärtig im Erscheinen begriffen. 

In Holland begann bereits 1762 ein äußerst gewissenhaft angelegtes Werk von Chr. Sepp unter dem 
Titel: Beschouwing der Wonderen Gods etc. zu erscheinen, welches die Lebensgeschichte der lieimischen Schmetter- 
linge in ausführlicher Weise zur Darstellung bringt. Es erfuhr eine mehrmalige Fortsetzung und umfaßt im ganzen 
11 Bände, deren letzter erst 1894 erschienen ist. Für die ersten Teile ist auch eine deutsche Übersetzung erschienen. 
Der hervorragendste derzeit lebende Lepidopterologe Hollands ist P. C. T. S n e 1 1 e n, der ein ausgezeichnetes 
systematisches Handbuch „De Vhnders van Nederland" 3 Bnde. (1867—1882) schrieb. Für P s y c h i d e n gilt 
Dr. F. J. M. H e y 1 a e r t s in Breda als Autorität. 

In Frankreich war die Zahl fruchtbarer Autoren und Systematiker eine große. Ein umfassendes Tafel- 
quellenwerk unter dem Titel „Histoire naturelle des Lepidopteres de France" wurde von G o d a r t begonnen 
(Vol. I— V 1821—1825) und von D u p o n c h e 1 vollendet (Vol. VI— XI, 1826—1838 und Suppl. I— IV, 1832—1842). 
Auch J. B. A. Boisdu val (1801—1879) war als Systematiker hervorragend tätig. Von ihm rührt eine der 
ersten wissenschafthchen Einteilungen der Tagfalter sowie die Zweiteilung der Lepidopteren in Rhopalocera und 
Heterocera her. A. Guenee (1809—1880) hat eine Bearbeitung der gesamten Noctuiden, Geometriden und 
Pyraliden (Species General des Lepidopteres 1852—1857) publiziert. C. Th. B r u a n d lieferte eine Monographie 



Zur Geschichte der Lopidoplerologie. 



ilir Psychiden (1853). P. M i 1 1 i e r e (1811 — 1887) wurde durch die Herausgabe eines prächtigen Tafelwerkes „Icono- 
graphie et Description de Chönilles et Lepidoptöres inedites" (3. Bnd. mit 152 kol. Taf., 1859 — 18T'i) allgemein be- 
kannt. Desgleichen C h a r 1 c s O b e r l h ii r, in dessen N'erlag die Etudes d'Entomologie (Fase. I 1876 — XXI 1902), 
und in Fortsetzung derselben die Kludes de Lepidopterologie romparöo (fasc. 1 — .3, 1904 — 09) mit unübertrefflichen 
kolorierten Tafeln erschienen sind. 

In E ri g 1 a n d gehörten II a wort h, .St e p h e n s und S t'a i n t o n der ülteren systematischen Richtung 
an. In neuerer Zeit gab Ch. G. Barrett ein umfassendes Tafehverk „The Lepidopter of the British Islands" 
heraus, dessen erster Band 1892 — 1893 erschien, und dessen^letzter (XI. Band, Tortriciden) erst nach dem Tode des 
V'erfassers herauskam (190"). Aus dem Nachlasse des als Züchter und Zeichner gleich hervorragend gewesenen 
\V. B uckler erschien ein Sammelwerk „The Larvae of the British Butterflies and Moths" (Ray Society, Vol. I 
1886 bis\'ol. IX Pyralites 1901 ), mit 164 kol. Tafeln, welches durchaus Originalbeschreibungen und Originalabhildungen 
enthält und als modernes Quellenwerk für die ersten Stände bezeichnet werden muß. 

Sir Georg F. II a m p s o n, der universellste Systematiker der Gegenwart, gehört bereits der modernen 
Richtung an. Nach \'ollcndung eines mehrbändigen Werkes über indische Heteroceren und eingehenden Revisions- 
arbeiten der gesamten Pyraliden, begann er den groß angelegten „Catalogue of the Lepidopteren Phalaenae", von 
dem bisher 8 Bände (mit kol. Tafeln) erschienen sind, welclie die systematische Bearbeitung der Syntomiden, Noliden, 
Aictiiden, Agaristiden und eines Teiles der Noctuiden enthalten. 

Ein überaus konzis gearbeitetes Handbuch der Britischen Lepidopteren wurde von Edw. M ey ri ck (1895) 
lierausgegeben, der auch zahlreiche deskriptive Arbeiten besonders über das australische Faunengebiet publizierte. 
Ein hervorragend fruchtbarer .\iitor von gründlichster Literaturkenntnis ist J. W. T u 1 1, der nach einer Revisions- 
arbeit der Britischen NocluideTi (1891 — 92) und einem kleinen Handbuch der Britischen Tagfalter, in welchen bereits 
ein großer Nachdruck auf Varietäten und .Vberrationen gelegt ist, das kompendiöseste Handbuch der modernen 
Literatur unter dem Titel ,,.\ Natural Ilislory of the British Lepidoptera'" herauszugeben begann. Bisher sind hievon 
5 Bände über Heteroceren und 2 über Tagfalter erschienen. Das Werk, welches nur wenige (meist photographi.sche) 
Tafeln enthält, ist textlich nahezu erschöpfend gearbeitet. Ein Lepidoi)terologe von allgemeiner Bedeutung ist auch 
T. .\. C h a p m a n. Die größte Privatsammlung an (exotischen) Lepidopteren besitzt derzeit wohl Baron W. Roth- 
schild, der in seinen hervorragenden wissenschaftlichen .Arbeiten (Revision der indischen und amerikanischen 
Papilioniden, der gesamten Spliinijiilcii. Ilera\isgabe der Novit ates Zoologicae und and.) durch Dr. K. J orda n unter- 
stützt wird. 

Die neuere, auf staniniesgeschichtlicher Grundlage stehende, gegenwärtig herrschende Richtung in der Lepi- 
dopterensystematik wurde hauptsächlich durch amerikanische und englische Forscher wie C o m s t o c k, P a i- k a r d, 
D y a r und C h a p m a n eingeleitet.') 

Aus diesen Untersuchungen, deren Methode bereits vorne (p. A. 45) gekennzeichnet wurde, hat sich mit Sicher- 
heit ergeben, daß einerseits sowohl die alten Superfamilien der Sphinges und Bombyces als auch die Zweiteilung 
der Lepidopteren in Macro- und Microlepidopteren oder in Rhopalocera und Heterocera wissenschaftlich unhaltbar 
sind, und andererseits, daß eine große Zahl selbständiger Familien anzunehmen ist, von denen nur sehr wenige (die 
oft genannten Hepialiden, Eriocraniiden und Micropterygiden) einen wirklich primären Charakter bewahrt haben. 
Die übrigen Familien leiten sich sämtliche in entfernterer oder näherer Wei.se von Tineiden (bezw. Eriocraniiden) 
ähnlichen Vorfahren ab, doch haben die L'ntersuchungen bisher keine einwandfreien höheren Kategorien für sie er- 
geben.') Da alle Enlwicklungsstadien hiebei eine Berücksichtigung erfahren müssen, und gerade jene Famihen, 
welche in der Gegenwart durch eine sehr große Arienzahl dominieren (wie beispielsweise die Noctuiden) zweifellos 
zu den jüngsten Formen gehören, ließen sich nur schwer Superfamilien annehmen, die in gleicher Weise der stammes- 
geschichtlichen Erkenntnis und dem taxononiischen Bedürfnisse entsprächen. Soweit es die Verhältnisse gestatteten, 
gelangten die phylogenetischen Erkenntnisse in dir l'ainilicii;uiiii'ihninK der neuen Katalogsauflagc voiiS taud i nge r 
und Rebel (1901) zum .\usdrucke. 

XIII. Die lepidopteriologlsch wichtigsten j Vereine und Zeitschriften 

Mitteleuropas. 

1. Deutsches Reich. ki.linptcrologisch); Entomol. Nachrichten I 1875 bis 

.\a eilen: Entomol. Veiein. .\\\l 1890 (herausgegeben von Katter-Putbus, 

Berlin: Berliner Enlom. flesellschari: Ucrl. I'.nl. spater von Karsch-Berlin); Zeitschrift für wissensch. 

Zeit-schrift seill857 (Redakt. Stichel): Berl. Entomol. Iiisektenbiologie (herausgeg. von Dr. Schröder. 

N'erein: Deutsche Entom. Zeitschrift seit 1875 (mehr Bnd. I 1905 — V 1909 (früher Illustrierte Wochen- 

') Vgl. vorne p. A12— A13, p. A45 ff. und Rebel Iris XI p. 377 ff. 

-| Es sei ausdrücklich bemerkt, daß auch die VerwandlschafLstabelle auf Seite A47 nur bezüglich der lezten 
Galpi'liing aiiiiäliernd s;i>si(lieilc Nerwandtschaftsbeziehungen zum .\usdrucke bringt, daß aber die weiteren \ ei-- 
biiidungslinicn derzeit nur hypoHietisilien .\iinahmen entsprechen können. Jedenfalls ist aber der parallele Ent- 
wicklungsgang zahlreiiher Familien daraus zu entnehmen. 

■') Bei der großen Zahl entomologischer Lokalvereine war es nur möglich, die bedeutendsten derselben auf- 
zunehmen, namentlich jene, die auch ein ständiges Publikation.sorgan besitzen. 



Die lepidoplei-ologisch wiclitigslen Vereine uii.l Zeitschiifleii Mittelen 



A sr> 



(Zeit-)schrift f. Entomologie Bnd. I 1896 — V 1900, 
dann: Allgemeine Zeitschrift f. Entomologie Bnd. 
VI — IX, Neudamm und Husum); Entomologische 
Literaturblätter (herausgegeben von R. Fried- 
länder & Sohn, pro Jahrg. 1 Mk.); Lepidoptero- 
logischer Verein „Orion" (gegründ. 1890). 

Bielefeld: Verein für Insektenkunde. 

B r a u n s c h vv e i g: Entomol. Verein. 

Breslau: Verein für schlesische Insektenkunde: Zeit- 
schrift für (schlesische) Entomologie 18i' — 1907; 
seither: Jahreshefte des Ver. f. schles. Insektk. — 
Entomol. Verein „Aurora". 

Chemnitz: Entomol. Verein (gegrüiul. 1882). 

Darmstadt: Entomol. Verein. 

Dresden: Entomol. Verein ,,Iris". Korrespondenz- 
blatt I 1884—1888. Seit 1889 (II. Band) DeuUche 
Ent. Ztschr. Iris — XXIV. (Seitl910 zu den monat- 
lich erscheinenden Heften der Iris als Beilage ein 
„Korrespondenzblatt") ; Entomol. \ereinp „Atropos" 
und „Aurora". 

Düsseldorf: Entomol. \'erein (gegründ. 1866). 

E 1 b e r f e 1 d : Xaturwiss. \'erein ; Jahresberichte ; 
Entom. Verein. 

Erfurt: Entomol. Verein „Orion". 

Frankfurt a. M.: Entomol. Gesellschaft; Ent. 
V'erein „Apollo"; Lepidopterol. \'erein. 

Freiberg i. S.: Entomol. Verein. 

F r e i b u r g i. B. : Entomologenklub. 

Fürth i. B.: Entomol. Verein (gegründ. 189:^). 

Gera: Entomol. Verein „Lepidoptera". 

Gotha: Entomol. Verein (gegründ. 1883). 

Guben: Entomolog. Zeitschrift, Zentralorgan des 
Internation. Entomol. Ver. I 1887/88— XX 1906/07; 
(seither in Stuttgart Bnd. XXI— XXIII) (gehört mit 
der folgend. Zeitschrift, der Entom. Rundschau und 
der Soc. Entomolog. zu den wichtigsten entomol. 
Nachrichten- und Annoncenblättern); International. 
Entomol. Zeitschrift. Organ des Internat. Ento- 
molog. Bundes I 1907/08— III 1909/10. 

Halle a. S.: Entomol. Gesellschaft. 

H a m b u r g - .\ 1 t o n a: Entomol. Verein. 

Hannover: Naturhist. Gesellschaft. Jahresberichte. 

Kaaden: Entomol. Verein. 

Karlsruhe: Entomol. Vereinigung. 

Kassel: V'erein f. Naturkunde: Abhandlungen und 
Berichte. 

Koblenz: Entomol. Verein. 

Krefeld: Entomol. Verein (gegründ. 1905). 

Leipzig: Insekten-Börse I 1884— XXIII 1906, dann: 
Entomolog. Wochenblatt XXIV — XXV, seither 
XXVI (1909): Entomolog. Rundschau; Entomolog. 
Jahrbuch (herausgeg. von D. O. Krancher) I 1892 
bis XIX 1910; Entomologischer Verein „Fauna" 
zu Leipzig (seit 1875). 

Liegnitz: Entomol. Vereinigung. 

Limbach i. S.: Entomol. Verein (gegründ. 1884). 

Meissen: Entomol. Verein (gegründ. 1888). 

.M ü h 1 h a u s e n (Thüring.): Entomol. Verein. 

München: Entomol. Verein. Mitteilungen I (1877) 
bis V (1881). 

Nürnberg: Entomol. N'erein. 



Pforzheim: Entomologenklub. 

Plauen: Entomol. Vereinigimg. 

Potsdam: Entomol. Verein (gegründ. 1886). 

Posen: Entomol. Ver. (gegründ. 1893). 

Regensburg: Zoolog, mineral. \erein: Korrespon- 
denzblatt .seit 1847. 

Stettin: Entomologischer Verein, (Stell.) Entomo- 
logische Zeitung seit 1840 — 1909; Linuaea Ento- 
mologica, herausgegeben von demselben Verein 1 
1846 — .XVl 1866: Entomol. Verein „Pacta". 

Stuttgart: Entomolog. Zeitschrift (vgl. Guben); 
Entomol. \'erein (gegi'ünd. 1869): Lepidopterol. 
X'erein. 

Turn: Entomolog. Vereinigung. 

Wiesbaden: Nas.sauischer Verein für Naturkunde. 
Jahrbücher I 1844— LXII 1909. 

Z p u 1 e n r o d ,i: Entomol. Vereinigung. 

II. Niederlande. 

Nederland.sche Ent(miologische Vereeniging: Tijdschrift 
voor Entomologie (s' Gravenhage) seit 1857. 

III. Belgien. 

Brüssel; Societe Enlomologique Helge. Seit 1857: 
.\imales et Bulletins. 

N a m ü r: Society Rntomologique Namnroise. Revue 
Mensuelle. 

IV. Luxemburg. 

Sociale des Naluialistes l.uM'inburgeois: Fauna. 
V. Schweiz. 

Basel: Entomol. Verein. 

C h u r: Naturfors(;hende Gesellschaft Graubündens: 
Jahresberichte. 

Genf: Societö Lepidopterologiquo de Geneve: Bulletin 
I 1905—1909. 

S c h a f f h a u s e n: Schweizerische Entomologische Ge- 
sellschaft. Mitteilungen: I 1862— XI 1909. 

Z ü r i c h: Societas Entomologica (Organ für den inter- 
nationalen Entomologen -Verein, gegründ. von Fritz 
Rühl 1886) I 1886— XXIV 1909. 

VI. Österreich-Ungarn. 

-V g r a m: Societas Historico Naturalis Croatica.Glasnik 
von I (1886) ab. 

Brunn: Naturforschender \erein. V'erhandlungen 
von I (1862) ab. 

Budapest: Annales Historico-naturales Musei Nalio- 
nalis llungarici I (1903)' —VII (1909) (als Fort- 
setzung der Termeszetrajzi Füzetek I (1877) bis 
XXV (1902); Rovartani Lapok I— III (1884—1886), 
IV (1897) bis XVI (1909). 

Graz: Mitt. des naturwiss. Vereins für Steiermark von 
I (1863) ab. 

Hermann Stadt: N'erhandlungen des siebenbürgi- 
schen Vereins für Naturwissenschaft von I (1850) ab. 

Innsbruck: Naturwiss. mediz. \'erein. Berichte 
seit 1879. 

Karlsbad: Entomol. Verein. 

Klagenfurt: Jahrbücher des Naturhistor. Landes- 
museums von Kärnten. 

K r a k a u: Akademie der Wiss. (namentl. Berichte der 
physiogr. Kommission). 



A 86 Fang und Zucht von Lepidopteren. 



Linz: Verein für Naturkunde in Österreich o. E. Bulletino de la Societ4 Rntomologica Italiana. Firenze 

Jahresberichte von I (1869) ab. von 1869 ab. 

Prag: Physiokratische Gesellschaft (Berichte). The Entomologist. London von 1862 ab. 

Wien: Zoologisch-botanische Gesellschaft: Verband- The Enlomologist's Monthly Magazine. London von 

langen seit 1851 ab, in diesen seit 1897 auch 1864 ab. 

Berichte der lepidopterologischen Sektion; Annalen ; The Entoniologist's Record and Journal of ^'ariation 

des k. k. Naturhist. Hofmuseunis von 1 (1886) ab; i (Tutt). London von 1890 ab. 



Wiener Entomologische Monatsschrift (Lederer) I 
(1857)— VIII (1864): Wiener Entomologische Zei- 
tung von I (1882) ab (derzeit vorwiegend koleoptero- 
logisch); Wiener Entomologischer Verein. Jahres- 
berichte von I (1891)"*b: Entomologischer Verein 
„Polyxena". Mitteilungen von I (1906) ab; Ento- 



Genera Insectoruni (Sammelwerk, herausgegeben von 

Wytsmann, Brüssel). 
Horae Societas Entomologicae Rossicae. Petersburg von 

1861 ab. 
Memoires sur les Lepidopteres (redigfe par \M. Roma- 
noff). Petersburg I (1884)-^IX (1897). 
mologischer Verein „Sphinx". ' II Naluralista Siciliano (Ragusa). Palermo seit 1881. 

Novitates Zoologicae (Rothschild). London seit 1894. 
VII. Die hervorragendsten auswärtigen Zeit- Revue Ru.sscd'Entomologie. Petersburg von I (1901) ab. 

Schriften und Sammelwerke. i 'pidskrift Bntomologische. Stockholm von 1880 ab. 

Annales de la So<iele Enluin(]l(ij,'jiii]<' de France (mit | Transactions of the Bnlomological Society of London. 
Bulletins). Paris von 18.32 ab. Neue Serie von 1868 ab. 



XIV. Fang und Zucht von Lepidopteren. 

Dieser und die folgenden Abschnitte sollen der Einführung in das praktische Sammelwesen dienen.») Das 
Studium von Naturobjekten, wie es die Lepidopteren sind, kann nämlich zum größten Teil nur an der Hand von 
wissenschaftlich gehaltenen Sammlungen betrieben werden. Nur solche bieten Objekte in dem erforderlichen Er- 
haltungszustande zur Untersuchung und zum" Vorgleiche und sind auch die Stätten, an welchen das .Belegmaterial 
für die wissenschaftliche Literatur seine Aufbewahrung finden kann. Die Sammlungen stellen also einen notwendigen 
Behelf für die Wissenschaft dar, sollen aber nicht als Selbstzweck aufgefaßt werden. 

Die Lepidopteren werden zu Sammlungszwecken entweder als Falter in der freien Natur durch Fang erboutet, 
oder durch Zucht aus dem Ei, der Raupe, oder Puppe erhalten. Die Zuchtmethode, der sich auch der Anfänger 
möglichst bald zuwenden soll, ist weitaus die rationellste Saminelmethodo. Denn durch sie wird in der Regel auf 
einmal nicht bloß eine größere Anzahl von Individuen in frischem, unverletztem Zustande erlangt, .sondern zumeist 
auch beide Geschlechter einer Art, wogegen beim Fang im Fallersladium die Weibchen vieler .\rtcn oftmals große 
Seltenheiten bleiben. Auch kann nur die Zuchtmelhode .\ufklärung über noch unbekannte Lebenssladien und über 
die Lebensweise bringen. Für die Experimentalbiologie bildet die Zucht der Lepidopteren überhaupt eine wesent- 
liche Voraussetzung. 

A. Fangmethoden der Faller. 

1. Der Falterfang bei Tage in der freien Natur. 

Zum Fangen der Falter, namentlich der Tagschmetterlinge, dient das Fangnetz (der Hamen), das in 
sehr verschiedener Konstruktion und Ausfülirung liergestellt wird.-) 

Am besten bewährt haben sich zum Zusammenlogen und in die Taschestecken eingerichtete (zwei oder vierteilige) 
Netzbügel aus mäßig starkem, vernickeltem Stahldraht mit einer auf jedem Stock (auch Schirm) anzubringenden, 
mittelst Stellschraube anzupassenden Ilaftvorrichtung (Haftsystem 1 oder Universal-Netzbügel Graf-Krüsi genannt).') 
Der Durchmesser der Netzöffnung soll nicht viel über 30 cm seiTi, da sonst der Sack, dessen Länge etwas mehr als 
doppelt so groß als der Durchmesser sein muß, zu lang ausfällt. Der Sack soll sich gegen sein geschlos.senes Ende 
verengen und aus durchsichtigem Stoff hergestellt sein, w'ozu sich am besten weiße Seidengaze eignet, die allerdings 
viel teuerer zu stehen kommt, als andere Stoffe (Mull, Tüll, Linon), aber auch eine viel größere Haltbarkeit besitzt. 
Die Stocklänge richtet sich nach den Bedürfnissen des Sammlers. Der Stock soll leicht, aber nicht biegsam sein. 



') Auch in diesen .\bschnitton wurde in erster Linie das Sammeln der heimischen Großschmetterlinge ins 
A\ige gefaßt. 

^) Um den Anfänger sofort an die richtigen Quellen bei Be.schaffung von Saninielgeräten jederArt zu 
leiten, seien gleich hier einige der hervorragendsten Firmen, bei welchen dieselben zu Fabrikpreisen bezogen werden 
können, angeführt: 

.Vrntz, Jul., Klborfeld, Fabrik und Handlung ontoniol. ricnsilieii. 
Böttcher. Ernst .\., Berlin C 2, Brüdorstraße 15. 
Kreye. IL, llaiiiiovor ilHsnn,|,i-, ;ni. Ii 'l'n!'!!. lallen). 

-Xiepelt. Wilh.. ZirUiu hn I i.iliinu in Srlih^sirii (besond. auch Insektenschränke). 
Winkler u. Wagner (v..nii;ils ihiurij. Wioii .Will. Dittesgasse 11, alle entomol. Bedarfsartikel. 
'} Sämtliche Figuren sind dem Kataloge entomologischer Bedarfsartikel der Firma „W i n k 1 e r & W a g n e r" 
(vgl. vorher. Anmerk.) entnommen, die mit ihren vorzüglichen Erzeugnissen auch die meisten Museen versorgt. 



Fang und Zucht von Lepidopteren. 



AS7 




•vk. 



r^-~>~. 



^ 



«jV 



komplett, zu- 
s:Liiiinenf{e)egt. 



Netzbügel, 

i teilig zusammen 

gelegt. 



Das Fangen mittelst des Netzes erfolgt in der Weise, daß der Falter im Fluge oder auf Blumen oder Zweigen 
sitzend durch einen leichten Schlag in den Xetzsack gebracht und durch Umschlagen letzteres um den Netzbügel 
am Entweichen verhindert wird. Man suche dem fliegenden Falter entgegenzukommen, verfolge ihn aber nicht 
weite Strecken durch Nachlaufen, da sich hiebei, namentlich im Gebirge, zu leicht 
Unfälle ereignen können. Am Boden sitzende Falter können auch durch Decken mit 
Cä^^S dem Netze erbeutet werden, wobei aber, namentlich bei Heteroceren, große Vorsicli? 

anzuwenden ist, damit der Falter nicht seitlich am Boden entweicht. 

Nicht anzuempfehlen ist der Gebrauch der früher vielfach in Anwendun_ 
ycslandenen F a n g s c h e r c n (Fangklappen). 
Es sei gleich hier das 

Töten der Lepidopteren 
hcsiirorhen, welches dem Anfänger, namentlich bezüglich der Nac'litschnietterliii'. 
(Heteroceren), die sehr leicht eine Beschädigung ihrer Thorakalbekleidimg erfahr« i 
oft große Schwierigkeiten bereitet. 

Größere, bereits im Netze befindliche T a g f a 1 1 e r, werden unter möglichst' 
\'ernieidung weiteren Flalterns im Netze gegen das enge Sackende desselben gedränu ' 
wo sie gewöhnlich sofort mit zusammengekla[)pten Flügeln seitlich mit Daumen umi 
Zeigefinger der rechten Hand ergriffen imd durch einen Druck auf das Bruststück 
(Thorax) getötet werden können. Dieser Druck darf niclit zu stark sein, muß aber 
bei zähelebigen Faltern, namentlich bei Parnassiern, sehr lang anhalten, um den Tod 
herbeizuführen. Zu diesem Zwecke kann auch eine Stahl-Pinzette benützt werden, 
deren Mitnalime auch sonst (z. B. zum Aufheben eines auf den Boden gefallenen, bereits getöteten 
Falters) fast unerläßlich ist. Dieselbe geht leicht verloren und kann daher auch an einer 
Schnur angehängt getragen werden. Es gibt auch sog. „Tötungspinzelten" mit flach verbreiterten Spitzen, die 
aber zu anderen Zwecken weniger brauchbar sind. (Fg. 76.) 

Kleinere oder sehr leicht verletzbare Tagfalter, namentlich Erebien und Hesperiiden, sowie sämtliche 
Heteroceren werden aus dem Netz (oder direkt vgl. später) in das Fang- oder Tötungsglas gebracht. 
Die Fanggläser werden in verschiedenen Größen aus dickem (gegossenem) Glase hergestellt. Die gewöhnliche 
Größe ist 10:4,5 cm. Für Sphingiden genügt bereits die Größe 11: 6 cm. Die Gläser 
sind gleichweit, zylindrisch, und mit einem hermetisch schließenden Pfropfen ver- 
sehen, der aus Hartgummi oder auch nur aus Kork bestehen kann, in letzterem Falle 
empfiehlt es sich jedoch, den Kork vorher in eine Paraffinlösung zu tauchen, um die 
Dichte seines Verschlusses zu erhöhen. Am Boden des Glases befindet sich Zyankali, 

welches Blausäure an den darüber befindlichen Luftraum des Glases abgibt, in welchem c u t u ri g s p j n /. .• 1 1 e. 

die meisten Schmetterlinge rasch betäubt bezw. getötet werden. Die Einrichtung des 

Tötungsglases erfolgt in der Weise, daß kristallisiertes Zyankali (nicht sog. Stangenzyankali) zer« 
kleinert und in genügender Menge auf den Boden des Fangglases gebracht wird, worauf eine breiige Lösung von 
Gips darüber gegossen und (bei entferntem Pfropfen) eintrocknen gelassen wird. Eine andere Methode der Fixienmg 
des Zyankali im Glase besteht darin, ein genügendes Quantmn desselben an den Boden des Glases zu bringen und auf 
dasselbe eine in der Mitte durchlochte, streng in das Glas passende Korkscheibe zu drücken. Dabei empfiehlt es 
sich, die Zwischenräume zwischen den Zyankalistückchen untereinander und der Korkscheibe mit Baumwolle auszu- 
füllen und die zentrale Öffnung der Korkscheibe durch ein auf deren Oberfläche an* 
geklebtes Gazeflcckchen zu bedecken, wodurch das Hineinfallen kleinerer Falter in 
den Zyankaliraum verhindert wird. Derartig eingerichtete Gläser (mit genügender 
Menge Zyankali versehen) halten bei nicht allzustarkem Gebrauche leicht 2 Jahre 
aus. Unwirksam gewordene Fanggläser lassen sich in der Regel durch Zusatz 
einiger Tropfen verdünnter Essigsäure wenigstens für die Dauer einer Exkursion 
wieder gebrauchsfähig machen. 
Nicht so empfehlenswert sind Fanggläser, bei welchen sich das Zyankali in einer dem Boden 
des Glases angegossenen Kugel befindet, da letztere leicht abbricht und die Füllung größere 
Schwierigkeiten macht. 

Obwohl die meisten Schmetterlinge in wirksamen Fanggläsern sehr rasch betäubt werden, ist 
jjtj es doch ratsam, auf Exkursionen womöglich stets ein zweites Fangglas mitzuführen, da 2 Falter auf 
^5—-*^ einmal in ein Fangglas zu bringen, nicht empfohlen werden kann. Zu oft entweicht nämlich bei 
Totun" s las diesen Versuchen des Zusammensperrens einer der Falter oder es tritt eine Beschädigung derselben 
(leer) m. Pfropfen, durch Herumflattern im Glase ein. 

Ein zu frühes Herausnehmen des Falters aus dem Fangglase hat des-sen Wiederenvachen zur 
Folge. Allerdings kann, wenn er inzwischen an die Nadel gebracht wurde, der Tod auch bei den meisten Heteroceren 
nunmehr durch einen leichten Druck am Thorax mit einer Pinzette herbeigeführt werden. Auch tritt bei zu langem 



Fg. A 



Fg. A ' 




A88 



Fang und Zucht von Lepidopleren. 




TötliliRsfläsclicIiun 

für Salmiak (Xikiilin) 

mit Holz- oder sretall- 

kapsel. 



Belassen im Tötungsglase häufig eine krampfartige Starre ein, die sich erst wieder verlieren muß. bevor der Faller 
präpariert werden kann. 

Einzelne Lepidoptereiiarten, niuuentlich alle Zygaeniden, erweisen sich im Fangglase sehr widerstandsfähig 
gegen die Blausäure. Sie lassen sich leichter dadurch löten, daß man Tabakrauch in das Fangglas bläst oder die 
Nadel, bevor man die Falter ansticht, in eine starke Nikotinlö.sung oder eine gesättigte Lö.sung von Zincum sulphu- 
ricum taucht. Letztere beide Tötungsmittel werden auch häufig bei Faltern angewendet, die durch Zucht erhalten 
wurden, und können auch mittelst einer Stahlfeder oder einer gerieften Nähma.schinennadel durch einen Stich in 
die Brust des Falters zur Anwendung gelangen. 

Zum Töten von Zygaeniden und anderer dickleibiger Heterocereii kann aucli eine kleine liijektionss|)ritze 
(Pipette) verwendet werden, in welche man Salmiakgeist (Ammoniak) aufzieht, und aus derselben dann durch 
einen Stich mit der Injektionsnadel oder einer Xähmaschinennadel (vgl. vorne) in die Brust des 
Falters eine kleine Menge der Flüssigkeit abgibt. Sehr praktisrh kann die Pipette mit dem 
Aufbewahrungsglas für Salmiakgeist (oder Nikotin) vereint und in em Hcilzrtui ndn ihmIi 
l)esser in eine Metallkapsel verschlossen werden. (Fg. 78.) 

Mikrolepidopteren werden zuweilen auch dadurch getötet, daß man sie in kleine Gläser 
I Klinmvetlen) bringt, die mittelst eines in SchwefeliUher, Essigäther oder Benzin getauchten 
W^ittepliopfens verschlossen werden. 

Kleinere Nachtfalter, nanientlirli Motten ('rmeidenl. wei'diMi am l>e.stcn leliemi von dei- 
E.xkursion nach Hause gebracht, indem man sie einzeln in kleine, mit Korkstoppel zu vei-- 
schließende Eprouvetten bringt, deren man leicht eine größere Anzahl (20 bis 30) bei 
sich führen kann. Ins Finstere gel)racht, bleiben die Falter in der Regel ruhig darin sitzen. 
Falls man nicht vorzieht, .solche Eprouvetten in einem mit llül.sen versehenen Etui liei sich zu 
tragen, empfiehlt es sich, die leeren und gefüllten Eprouvetten in verschiedenen Rocktaschen 
aufzubewahren, um Verwechslungen derselben während des Fanges vorzubeugen. 

Auch kleinere Geometriden (Acidalien, Tephroclystien) und andere sehr heikle Arten 

können ;nil diese Art zweckmäßig geborgen, lebend nach Hause gebracht werden, wo man sie 

dann in Ruhe aus der Eprouvette ins Tötungsglas überleiten kann. Auch zur Bergung weiblicher 

Falter, die man zur Eiablage bestimmt hat, dienen diese Eprouvetten, von denen man am besten 

2 Größen bei sich führt (annähernd 50: 20 und 50: 15 mm). In praktischer Weise können dieselben im Stoppel mit 

einem N'entilationsverschluß versehen sein, wodurch das Aidaufen (Schwitzen) der Gläser verhindert wird. In 

solchen Gläschen kann auch die Eiablage erfolgen (vgl. Fg. 79). 

Obwohl die Zahl der bei Tage fliegenden Hcteroceren nicht ganz gering ist. müssen docli viele lierselben erst 
aufgescheucht werden, um erbeutet werden zn können. Namentlich Hecken und Gebüsche an Waldrändern sind 
bei Tage der Aufenthalt zahlreicher Geometriden, Hypaeninen und and. Um ilirer habhaft zu werden, empfiehlt 
sich außer dem Netz ein Stock, mit dem man kräftig auf die Hecken klopft, wodurch die Falter zum Herausfliegen 
aus denselben veranlaßt werden und dann leicht mit dem Netz erbeutet werden können. Das ,, Klopfen" ist 
auch für Microlepidopteren eine Hauptsammeimethode und kann namentlich in den Abendstunden sehr erfolg- 
reich sein. Auch das Klopfen an Strohdächern und anderen Verstecken ergibt oft gute Arten. 

Einzelne auf Bäumen (besond. Birken) sich aufhaltende Falter (wie Endromis versicolora, LophopleryxAiten 
usw.) können mit der Klopfkeule (vgl. später p. A 94 Fg. 86) zum Herabfallen gebracht werden. 

Findet man Nachtfalter, namentlich Noctuiden, ruhig an Baumstämmen, Felsen, Zäunen ii. and. sitzend, 
können diese auch sofort von ihrer Unterlage in das Tötungsglas gebracht werden, wobei jedoch Vor- 
sicht anzuwenden ist, da die erweckten Falter beim .Abheben des Fangglases von der Untei'- 
lage leicht entweichen. 

Zuweilen ist es niclil leicht, den in einer Ritze verl)Orgen sitzenden Falter in das Faiig- 
glas zu bekommen. Es bedarf dann oft der Nachhilfe eines Grashalms, mit dem man den Falter 
am Kopfe berührt, um ihn zur Flucht in das darüber gehaltene Glas zu veranlassen. Das Auf- 
suchen ruhender Falter, die häufig durch ihre .sympathische Färbung außerordentlich geschüt/.l 
sind (vgl. vorne p. A '12), bedarf auch eines sehr geübten Auges. Früher hat man sich zum Fange 
sitzend gefundener Hcteroceren auch vielfach des .sog. „Stechers" bedient, das heißt zweier 
nahe aneinander parallel in einen Griff gefaßter Stahlnadeln, die ein .-Xbheben des daran ange- 
spießten Falters von der Unterlage ermöglichen und ein Entkommen desselben verhindern. Bei 
richtigem Gebrauch des Fangglases ist der Stecher meist entbehrlich. Man kann durch Auslegen 
trockener, aber noch belaubter Zweige am Boden auch künstliche Verstecke für viele Noctuiden 
schaffen und dann durch .\usklopfen der Zweige über einem Klopfschirm (vgl. später) namentlich in Auen oft sehr 
gute Resultate erzielen. 

Auch durch .Aussetzen unbefruchteter, durch Zucht erhaltener § kann man bei vielen Arten die herbeikommen- 
den 3 in Anzahl erbeuten. Zu diesem Zwecke vei'sehließt man die Öffnung des .Vnflngapparates (vgl. später p. A92 
Fg. 8:i) um eine Copul.i zu viTliiiiilcrii. da iincli einer snlclicn die Aii/.iehniigsUiMri des J sofort i'rlis( lil. 




i nlmcl- 
o 11 V c 1 1 1> 
mit Ventilations- 
verschluü. 



Fang und Zuchl von Lepidoplereii. A S' 



Weitere S a m lu e 1 g c r ä i c u ii il das S |) i e ß c n (N a d e I n) d e r Falte r. 

Außer dem F' a ii g n e f z, T ö t ii ii g s f^ 1 a s, cvoiil. T ö t u n g s m i t t e 1, der Pinzette und den 
Eprouvetten sind ancli I n s e k l e n n a d e 1 n, eine Sammclkassette (Fangschachtel) und bei 
länger andauernden Exkursionen oder auf Reisen P a p i e r t ü t e n beim Falterfang mitzuführen. 

Die Insektennadeln werden in ca. 12 verschiedenen Slärkenummern (N. -/„ bis X. 10) in der Xonnallange 
von 38 mm aus Stahl-, Messing- oder Nickeldralit hergestellt. Am empfehlenswertesten sind die schwarzlackierten 
Stahlnadeln „Ideal" mit Nickelkopfen. Sehr gute Fabrikate sind auch die schwarzen „Patent Kläger" Stahlnadeln, 
sowie die „Karlsbader" Nadeln (schwarz oder weiß). 

Die Nadeln werden, nach Stärkenummern sortiert, entweder in einem im Knopfloch zu befestigenden Nadel- 
polster oder in einer Ecke der Sammelschachtel vorgesteckt, mitgefülirt. Ein größerer Reservevorrat kann in 
Nadelbüchsen oder in Eprouvetten (mit Korkboden, um die Nadelspitzen nicht zu beschädigen) verwahrt sein. Zu 
Hause empfiehlt sich zur Aufbewahrimg der Nadeln eine eigene Nadelkassette mit Abteilungen (Mulden) zur Aufnahme 
der verschiedenen Nadelsorten. 

Die Wahl der Nadelstärke für einen Fall"r liangt von dessen allgemeiner (Irößj und nanienllich von der Breite 
seines Thorax ab. Man wähle keine zu starken, aber auch ja keine zu dünnen Nadeln. Im allgemeinen werden für 
die kleinsten Geometriden Nadeln No. 3, für Lycaeniden und größere Geometriden No. 4 und No. 5, für größere 
Tagfalter und Noctuiden No. 5 bis No. 8, für die dickleibigsten Sphingiden, Lasiocampiden und Saturniiden No. 8 
bis No. 10 angemessen sein. (Für die allergrößten exotischen Falter gibt es noch längere und stärkere Xadelnummern). 
Schwau'ze Nadeln sind steifer, federn weniger, und haben den großen Vorteil keinen Grünspan anzusetzen, der 
sich an weißen Nadeln bei gewissen Faltern, namentlich bei Sesiiden,Cossiden, vielen Tortriciden und anderen in der 
Regel zu bilden pflegt und zur Zersprengung des Thorax bezw. Zerstörung des Stückes führen kann. Andererseils 
sind schwarze Nadeln (namentlich in den Tropen) leicht der Rostbildung ausgesetzt, wobei sie brüchig werden. In 
den feineren Nadelsorten haben in allen Fällen die schwarzen Nadeln weitaus den Vorzug. 

Hat man sich für eine passende Nadel entschieden, nehme man den Falter, nachdem man ihn aus dem Netz oder 
Tötungsglas gebracht hat, vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand (kleinere Heteroceren können 
auch auf der flachen linken Hand liegen), und steche die Nadel von oben durch die Mitte des Thorax etwas in der 
Richtung nach hinten, so daß die Nadelspitze auf der Bauchseite des Falters an der hinteren Grenze des ersten Brust- 
segmentes (wo das erste Beinpaar sich befindet) herauskommt, wonach der Falter sich in der erforderlichen senk- 
rechten Lage an der Nadel befinden wird. Hierauf schiebe man den Falter so hodi an der Nadel, daß ein Di-ittel 
der ganzen Nadellange sich oberhalb des Thorax befindet. 

Man verfahre äußerst sorgfältig beim Spießen (Nadeln) der Falter, da ein unrichtig (z. B. schief) gespießter 
Falter sich kaum präparieren läßt und als Sammlungsobjekt sehr minderwertig ist. Sollten die Flügel der getöteten 
Tagfalter über dem Rücken fest zusammenliegen, so genügt ein seitlicher Druck am Thorax mit der Pinzette, um ein 
Öffnen derselben und ein Einstechen der Nadeln zu ermöglichen. Schwieriger ist es, wenn beim Tode die Flügel nach 
abwärts über die Bauchseite zusammengeschlagen werden. In diesem Falle suche man den Falter mit der Pinzette 
unter den Flügeln am Körper zu fassen und von oben, wenn auch nur leicht, zu spießen. Kann man daiui den Falter 
bereits an der Nadel halten, drücke man die Flügel desselben mit der Pinzette nach oben, fasse ihn wie gewöhidich 
mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand an der Brust und spieße ihn ordnungsmäßig. Vermeiden läßt sich dieses 
unliebsame Abwärtsschlagen der Flügel, indem man den Falter beim Zusammendrücken der Brust längere Zeit mit 
über den Rücken zusammengeschlagenen Flügeln hält. 

Nicht immer empfiehlt es sich, schon während der Sammelexkursion die Falter definitiv zu nadeln. Abgesehen 
von dem damit verbundenen Zeitverlust, bilden oft Platzmangel in der Sammelschachtel, ausgegangener Xadelvorrat 
oder starker Wind usw. Hinderni.sse dagegen. In diesen Fällen können die Tagfalter auch nur .seitlich durch den 
Thorax (an dünnere, w^eiße Nadeln) gespießt werden, und zwar eine größere Zahl derselben an eine Nadel. Auch 
dickleibige Heteroceren können während des Sammelausfiuges mit Vorteil provisorisch in der Weise gespießt werden, 
daß sie zwar normal von oben, aber nur ganz niedrig an die Nadel gebracht werden, so daß sie 'mit den Beinen am 
Boden der Sammelschachtel aufsitzen, wodurch nicht bloß das unliebsame Drehen derselben an der Nadel verhindert, 
sondern auch bei dem oft nicht zu vermeidenden Wieder(>rwachen der im Zyankaliglas gewesenen Falter ein Stillsitzen 
derselben in der Sammelschachtel erreicht wird. 

Für die kleinsten Mikrolepidopteren sind auch die feinsten Xadelsorten (7„) noch zu stark. Diese werden an 
die sog. Minutiennadeln, das sind kopflose, beiderseits zugespitzte, sehr feine Silber- oder Stahldrahtstifte, in der 
Länge von 11 bis 14 mm, gebracht. Die so genadelten Kleinschmetlerlingc werden dann nach der Präparation auf 
prismatische Klötzchen (Etagen) aus Sonnenblumen-, Agaven- oder Hollundermark gesteckt, die selbst wieder an 
eine stärkere (weiße) Insektennadel (Xo. 5 od. 6), die nur als Träger dient, gesteckt und bis zur normalen Höhe 
präparierter Falter daran hinaufgeschoben werden. Da die Klötzchen an der Trägernadel sich .sehr leicht drehen, 
empfiehlt es sich, dieselben vorerst höher auf die Xadel zu schieben, dann etwas Klebesloff (am besten Syndetikon) 
darunter zu bringen, und dann das Klötzchen wieder bis zur normalen Höhe zu senken (vgl. Fg. 80). 

Als Fangkassette (Fangschachtel) werden am besten viereckige Blechbüchsen mit einem durch ein 
Scharnier damit verbundenen Deckel gebraucht, deren Boden mit Torf belegt und mit weißem Papier (das auch die 
im Sonnenschein oft blendenden Wände und die Innenseite des Deckels bedecken soll) ausgeklebt wird. Die Höhe 

\ |-> 
Berge- U e bei, Scliiiietterlingsbui'li. 



A9f» 



Fang und Zucht von Lepidopleren. 



Fg. A Hl).': 



l 



Klützcheo 

an der 

Trigernadel 

mit 

Mifiutien- 

pri parat. 



Fg. A 82 



der Kass«-tle muß ca. 45 mm betragen, um ein Geradestecken der Nadeln zu ermöglichen. Die GröBe richtet sich nach 
den Bedürfnissen des Sammlers. Am bequemsten sind Fangsth ach lein, die no^h in der Rockla.Sf,he geborgen werden 
können. Bei großen Exkursionen kann dann noch ein größerer Reservebehälter an einem Riemen umgehängt 
getragen werden. Blechkassetten haben den Vorteil, daß sie nicht leicht eingedrückt werden können, 
und sich in ihnen die gefangenen Falter frisi.-her erhalten. Um letztere Wirkung zu erhöhen, kann man 
in einer Ecke der Sammels<;hachtel ein in Wasser getränktes Schwammstückchen feststecken, durch 
• 1/"]^ welches selbst bei großer Hitze ein Trocknen der Falter verhindert wird. 

/V jÄ Zur Aufbewahrung von Tagsthmetterlingen und auch Geometriden können namentlich auf 

f ^f Sammelrei.sen .sehr vorteilhaft dreieckige Papiertüten verwendet werden. Dieselben sind in ver- 
E — ^ schiedener Größe aus steifem Papier nach untenstehenden Figuren herzustellen und haben den Vorteil 

großer Raumersparnis. Auch lassen sich Tütenfalter nachträghch sehr gut präparieren. In jede Tüte 
ist nur ein Falter, mit zusammengeschlagenen Flügeln, mit dem Leib nach der längsten Seite zu legen. 
-Auf den Tüten ist Ort und Datum des Fanges zu bemerken. Die gefüllten Tüten werden während der 
Exkursion am besten in flachen Blechka-ssetten verwahrt. .Auf Reisen in südlichen Ländern empfiehll 
es sirh, die Falter, bevor man die Tüten definitiv in ein größeres Blechgefaß, das verlötet werden soll, 
verpackt, etwas trocknen zu lassen, wodurch sie vor .Schimmelbildung bewahrt bleiben •) 

.\n Stelle des Einlütens gesammelter Falter kann bei europäischen Sammelreisen sehr vorteil- 
haft auch das provisorische .Ausbreiten der Falter treten. Dieselben werden zu diesem • 
Zwecke ordnungsgemäß, normal gespießt und hierauf ihre Flügel und ihr Körper durch auf die Nadel 
gespießte, unterschobene, .schwach gefaltete Kartonstückchen in eine horizontale Lage gebracht, wodurch 
nicht bloß dem späteren Präparieren sehr vorgearbeitet, sondern auch jederzeit eine Übersicht und Beurteilung 
des gesammelten Materials vor der Präparation ermöglicht wird. Bei Tagfaltern , welche die Flügel nach oben 
geschlossen zeigen, werden die Flügel mit einer Pinzette vorerst nach unten gedrückt, worauf sie durch das unter- 
schobene Kartonpapier in die horizontale Lage zu bringen sind, bei welcher die \'orderflügeI selbstverständlich 

zum großen Teil die Hinterflügel decken. 
j.g XHi. Selbstverständlich nehmen so zubereitete 

Falter mehr Raum in .Anspruch. 

Die Kleidung des Sammlers soll 
möglichst bequem sein und eine ent- 
sprechend große -Anzahl von Taschen, 
namentlich auch auf der Innenseite des 
Rockes, enthalten. Für Gebirgsgegenden 
empfiehlt sich vor allem ein Touristen- 
anzug aus Loden oder anderem wetterbe- 

„,. V •. . ständigem Stoff und genagelte .Schuhe.') 

Tüte, ausgebreitet. ° o o / 

2. Der Lichtfang. 

Der Lichtfang, d. h. der Fang bei einer künstlichen Lichtquelle, bildet die einfachste und erfolgreichste Art 
des Nachtfanges und kann auf zweierlei Weise betrieben werden: entweder man .sucht die Falter bei Nacht an ihrem 
natürlichen Aufenthaltsorte auf, oder man benützt die Lichtquelle als Anlockungsmittel. 

Erstere Fangrnethode hat eine genaue, bei Tag erworbene Ortskenntnis zur Voraussetzung und wird namentlich 
auf Wiesenabhängen bezüghch der sonst selten zu erbeutenden § mancher Noctuiden von gutem Erfolge sein, die 
nachts auf den Grashalmen sitzen, und dann mit der Laterne leicht gefunden werden können. 

Auf der Eigenschaft der meisten Heteroceren, einer künstlichen Lichtquelle zuzufliegen, beruht der eigent- 
liche Lichtfang, der häufig sehr erfolgreich auch in Häusern, auf A'eranden usw. betrieben werden kann. 
Die Stärke des .Anfluges an das Licht hängt im allgemeinen von der Leuchtkraft desselben ab. .Allein besonders 
wirksam ist nicht so sehr der Strahlenkegel eines grellen Lichtes, als vielmehr ein starkes, aber diffuses Licht. Sehi- 
geeignet sind auf Sammeltouren zum Liuhtfang .Acetylenlampen, mit möglichst allseitig leuchtender Flamme.') 
Man befestige die Lampe an einen in den Erdboden gesteckten, womöglich mit einer Eisenspitze versehenen Stock 
und richte ihren Strahlenkegel sehr nahe auf ein weißes Leinentuch von ca. 70 — 100 cm Breite und ca. 130 cm Länge, 
welches an den Enden mit eingenähten Stäben versehen sein kann, deren oberer an einen in den Boden gesteckten, 
womöglich gabelförmigen Stock von ca. 120 cm Länge befestigt wird, wogegen das untere Ende des Tuches bei schiefer 
Spannung desselben am Boden ruht. .Man richte die Fläche des beleuchteten Tuches nicht der Hauplanflugsrichlung 
7.. B. dem Waldrande entgegen, sondern senkrecht darauf und nehme die daran fliegenden Falter mit dem Fang- 
glase ab, oder fange dieselben mit dem stets bereit zu haltenden .\etze. Die .Anflugszeil vieler .Arten beginnt erst gegen 





Tüte, 
zufiammengefaltet . 



') .Ausführhche Anleitungen zum Sammeln in tropischen Ländern geben R i b b e (Ins.-Börse XV 1898 p. 216 ff. : 
Iris XX 1907 p. 113—140) und Sikora (Soc. Eni. VI! p. 166 ff. VIII p. 4 ff.). 

') N'gl. Hoffmann „Über aie .Ausrüstung des Schmetterlingssammlers in den Alpen" (Eni. Z. .X.XllI 
p. 27—29). 

') Vgl. Hoffmaiin (Eni. Z. .X.XIII 1909 p. .55— .58 Fg.: Kranch. .Fahrb. 1908 p. 127). 



Fang und Zucht von Lepidopteren. A 91 



Mitternacht. Nach 1 Uhr morgens hört der Anflug für die meisten Arten aui. l^a^ w-iu.- i.iiineu wira beim Trans- 
port eingerollt. 

Noch wirksamer ist elektrisches Bogenhcht. «ie es zur Beleuchtung öffentlicher Gärten, FabriketablissemenU 
usw. an vielen Orten eingerichtet ist. Auch in .Mpenhötels, auf Bahnhöfen usw. findet sich l)eri'its vielfach diese 
dem Sammler sehr erwünschte Lichtquelle, an welche der Anflug aber nach dem zweiten Jahre der Einrichtung in 
der Regel stark nachläßt. 

Sehr bequem läßt sich der Lichtfang betreiben, wenn in einem Hause ein günstig gelegenes, auch sonst dazu 
geeignetes Zimmer zur Nerfügiing steht, wie es sich in Alpenhötels oft trifft. Man wird aber auch in diesen Fällen gut 
tun, die Fensterläden mit weißen Linnen (Handtüchern) zu bedecken und die Lampe auf einen weißbedeckten Tisch 
zu stellen, wodurch die Lichtwirkung beträchtlich erhöht wird. Auch der Gebrauch zweier Lampen, von denen eine 
am Fenster, die andere in der Zimmermitle auf einem Tische steht, ist empfehlenswert. 

Selbst mit einer gewöhnlichen Petroleumlampe lassen sich, wenn keine stärkeren Lichtquellen in unmittelbarer 
Nähe sind, sehr gute Resultate erzielen, doch ist ein Schutz der Lampe womöglich durch einen .Mantel aus Pau.selein- 
wand oft ratsam, um ein diffuses Licht zu erzeugen und auch das Fettwerden der sonst an die Lampe anfliegenden 
Falter zu verhindern. \'iele an das Licht geflogene Arten verbleiben auch nach X'ersiegen desselben an Wänden 
oder am Boden bis am Morgen ruhig sitzend. 

\'on den zahlreich konstruierten, selbsttätigen Lichtfangapparaten, die jedoch selten reines, 
zu Sammelzwecken brauchbares .Material liefern, sei nur jener nach Dr. Fleck erwähnt, der aus einem Gazesack 
besteht, der an zwei aneinanderliegenden konzentrischen Reifen befestigt ist und durch einen unterhalb derselben 
eingenähten Drahtring in Spannung erhalten wird. Rund um den oberen Reifen ist außen und innen ein schwarzes 
Gehänge angebracht, unter welches die angeflogenen Falter kriechen. Dieser Apparat kann mittelst einer Hänge- 
vorrichtung unterhalb der Lichtquelle (besonders elektrischen Bogenlampen) angebracht werden. 

Zum Lichtfang sind warme, ruhige, dunkle Nächte die besten. Ein feiner warmer Regen ist oft sogar günstig. 
Bei Mondschein ist dagegen fast kein Anflug. Die besten Lokalitäten sind Waldränder, für Hochgebirgsarten ge- 
schützte Örtlichkeiten nicht allzu hoch oberhalb der Baumgrenze. 

.3. Der Köderfan g.') 

Bekanntlich kommen Tagfalter nicht bloß auf nassem Sand zahlreich zur Tränke, sondern einzelne .\rten, 
namentUch Apatura und Limenitis, besuchen mit Vorliebe übelriechende tierische Reste, Exkremente, Käse usw. 
und können damit geködert werden. 

Erfahrungsgemäß kommen nun auch die meisten Noctuiden, namentlich in den Jahreszeiten, in welchen 
ihnen keine ausgiebige natürliche Blütennahrung zur Verfügung steht, bei einbrechender Nacht oft sehr zahlreich 
an künstliche Lockmittel (Köder), was zur zweiten Art des Nachtfanges, dem „Köderfang" geführt hat. 

Der Köderfang wird entweder durch Anstrich (Beize) an Stämmen oder durch .\ushängen von Köder- 
mitteln (Obstschnitten oder in anlockenden Flüssigkeiten getränkten Bändern) betrieben. Zur Herstellung der für 
beide Arten des Köderfanges brauchbaren Lockflüssigkeit wird gewöhnlich ein Gemenge von -/j dunklen Bieres 
und Vä Sirup, wozu dann noih einige Löffel Rum und einige Tropfen Apfeläther zugesetzt werden, verwendet. Bier 
und Sirup werden am Feuer gut miteinander vermengt und nach Zusatz von Pium und Apfeläther in heißem Zu- 
stande in ca. handgroßen Stellen an der windgeschützten Seite von Baumstämmen beiläufig in Brusthöhe mittelst 
eines Pinsels aufgetragen. Man vermeide hiebei von Ameisen besuchte Stämme. Der Anstrich soll mehrmals an der- 
selben Stelle nach vorhergegangener Reinigung, unter Umständen auch Glättung derselben, schon vor dem .\bend 
geschehen, so daß bei hereinbrechender Nacht alles zum Fange bereit ist. 

Ein anderes, ebenfalls gutes Lockmittel wird dadurch erzeugt, daß man mit Wasser verdünnten Honig gären 
läßt und dann einen Zusatz von Rum und Apfeläther macht. .Vuch eine gesättigte Lösung von Rohzucker mit den- 
selben Zusätzen ist gut verwendbar. 

Bei eingebrochener Nacht sucht man mittelst einer kleinen Blendlaterne, die man (wenn keine zweite Person 
zur Verfügung steht, was beim Köderfang sehr vorteilhaft ist) mittelst eines Hakens im Knopfloch befestigen kann, 
die vorher behufs leichteren .\uffindens mit Papierstreifen bezeichneten Stämme ab, beleuchte aber erst dann die 
Lockstelle, wenn man bereits vor dem Baume steht, da viele .\rten sonst früher abfliegen oder sich vom Stamme 
fallen la.ssen. Man halte das entsprechend weite Fangglas unter den an der Beize sitzenden Falter, der sich in der 
Regel hineinfallen lassen wird. Die häufig an die Beize kommenden flüchtigen Catocalen werden besser mit dem 
Fangglas gedeckt. Außer der Laterne und mehreren großen Fanggläsern ist auch stets ein Fangnetz mitzunehmen, 
das zum Zwecke des bequemeren Anlegens an die Stämme vorne auch eingebuchtet sein kann. Die besten Stellen 
zum Anstrich sind südlich gelegene Waldränder, aber auch in Gärten und Alleen ist der Erfolg zuweilen sehr groß. 
Die günstigste Jahreszeit ist von Mitte .\ugust bis Oktober, auch zeitig im Friihjahr (vor iler Weidenblüte) kommen 
an warmen Abenden die überwinternden Eulen gerne an den Anstrich. 

Wo keine geeigneten Stämme zur Verfügimg stehen, namentlich auch im Hochgebirge, kann statt des .\n- 



') R ü h 1 (Soc. Eni. 1 p. Tli: derselb. ..Der Köderfang" 1892: vkI. K u h I rn a n n (Soc. Ent. IV p. 141); 

Süßespeck (Ent. Jahrbuch 1896 p. 169): Voelschow (ib. \'"^'- •• V.^ n ■■ r f r, n (ib. 1908 p. 127); 

Hartwig (Ent. Z. .X.XIH p. 6). 



A92 



Fang und Zucht von Lepidopteren. 



Striches das A u s h ä n g e n von K ö d o r gute Resultate ergeben. Man reiht zu diesem Zwecke trockenes Obst 
(Apfelschnitten, Pflaiimen, Feigen) an Biiulfüden und taucht dieselben vor dem Gebrauch in die obbezeichnete Lock- 
flüssigkeit. Auch bloße bandartige Schnüre (sog. Körperbänder) von ca. 1,5 cm Breite, die in der Lockflüssigkeit 
vorher zu tränken sind, leisten gleiche Dienste. Man kann von letzteren bis 50 m an Länge noch in eine B 1 e ch- 
büchse bringen, die überhaupt zur Aufbewahrung und zinn Transport dieser Ködermittel nicht leicht entbehrt 
werden kann. Die Schnüre (Händer) werden partienweise an freien Stellen in Brusthülie, im Hochgebirge niedriger, 
längs des Bu.schwerkes oder auch durch Stäbe gestützt, horizontal angebracht und dann bei einbrechender Dunkelheit 
in der bei der Beize besprochenen .\rt abgesucht. 

Zur Unterbringung der Blechbüchsen mit dem Köder und den anderen Fanggeräten leistet ein Rucksack die 
besten Dienste. Auch ist stets ein feuchtes Handtuch zum Reinigen der durch das Berühren der Lockmittel klebrig 
gewordenen Hände mitzuführen. 

Obwohl der Köderfang oft sehr ergiebig ist, sind im allgemeinen doch viel weniger Arten damit zu erbeuten, 
als durch den Lichlfang. Selbst von den Xoctuiden, die weitaus das Hauptkontingenl am Köderfang bilden, kommen 
die Vertreter einzelner Gattungen wie der CucuUien und Plnsien gar nicht oder nur ganz ausnahmsweise an Köder. 
Auch das von R ü h 1 angeratene liefere Anbringen der Schnüre (in ca. nur 30 cm Höhe vom Boden) hat für diese 
Gattungen keinen großen Krfolg. Wie beim LirhtfauLr, so citji'hcn auch lieini KUdi^rraiii,'- warme, trübe Nächte die 
besten Resultate. 

K. Das Sanuiieln der ersten Stünde und das /iichten der Schmetterlinge. 

Das Züchten von Lepidopteren ist weitaus die interessanteste Erwerbungsart derselben, die sich aber bei 
manchen Arten sehr schwierig gestaltet und reiche Erfahrungen zur Voraussetzung hat. Der Beginn des Züchtens 
hängt von dem Lebensstadium ab, welches einge.sammelt wird, und erfolgt häufig erst von der Raupe ab. In neuerer 
Zeit werden aber Zuchten aus dem Eistadium immer mehr betrieben. 

Es erscheint zweckmäßig, die einzelnen Lebensstadien nach ihren Sanimc'l- und Zuchtmethoden getrennt 
zu besprechen. 

1 . S a m m e 1 m e t h o d e n des 1-", isla cl i u m s. 

Die tiCpidoptereneier können entweder in der freien Natiu' gesucht, oder von einem in Gefangenschaft gehalleiien 
5 erhalten werden. Erstere Sammelniethode ist, mit Ausnahme der in ganzen Gelegen abgesetzten Eier, die natürlich 
leicht zu sehen sind, wie beim Ringelspinner oder bei Saturnien, sehr mühsam und setzt genaue Kenntnis der Futter- 
pflanze, Zeit und Art der Eiablage voraus. Zufällig gefundene Eier, deren Artzugehörigkeit man nicht kennt, bleiben 
besser unbeachtet, da die Aufzucht der daraus sich entwickelnden Raupen meist luir gewöhnliche Arten ergibt. Oft 
kann man die 9 von Tagfaltern, auch Plusien und Geometriden, bei der Eiablage beobachten, wobei sie sich längere 
Zeil auf der Pflanze aufhalten. Sucht man dann die von dem Faller wieder verlassene Pflanze sofort ab, kann man 
die Eier auf der Unterseile der Blätter oder in Zweigwinkeln usw. entdecken und ist damit auch zur Kenntnis der 
richtigen Futterpflanze gelangt, dit; nach der Örtlichkeil oft verschieden ist. Diese Art der Sammelmelhode ist nament- 
lich bei jenen ,\rten empfehlenswert, bei welchen die Raupen eine sehr verborgene Lebensweise führen, wie es beispiels- 
weise bei der (lallung Colias der Fall ist. Ein Übergang zur folgenden Sammelmethode bildet das Einfangen von 
Tagfalter-?, die man nach Verschneiden ihrer Flügel wieder freiläßt, worauf sie — an einem 
Fg. -^ s:i Davonfliegen verhindert — flattcwiid liald zur Eiablage auf der natürlichen Futter- 

n pflanze schreiten werden. 

Hat man weibliche Faller in der freien Natur durch Tag- oder Nachtfang erbeutet, 
kann mau in der Regel annehmen, daß sie befruchtet sind und Eier ablegen werden. Zu 
diesem Zwecken werden die Falter entweder einfach in einer Fangeprouvelte belassen 
(vgl. vorne Fig. 79) oder in einem Gazebeulel auf die Futterpflanze gebunden oder 
frei in einen kleinen Zuchtkaslen (vgl. später) gesetzt, in welchen sich womöglich die 
r''ullei'pflanze der Art in einem Garlenlopf gezogen befindet. Überdies ist eine 
Fütterung der zur Eiablage bestimmten $ bei vielen Arten mittelst befeuchtetem 
Zucker oder geöffneten Früchten notwendig, da sie oft ziemhch langlebig sind und 
ihren Eivorrat nur allmählich absetzen. Nicht selten findet man Lepidopteren in 
c:opula, die zum Zwecke der Eiablage des $, wenn sie sich nicht freiwillig trennen, 
vereint belassen nach Hause zu bringen sind. 

Hat man durch Zucht ein $ von einer .\rt erhallen, die man weiter zu ziehen 
lieabsichligt, empfiehlt es sich in vielen Fällen, das ? nicht durch ein vielleicht gleich- 
zeitig gezogenes rj befruchten zu lassen, sondern demselben behufs Auffrischung des 
Blutes einen Galten in der freien Natur zu verschaffen. Zu diesem Zwecke setzt man 
' ; ; 1 1 (las ? an dem natürlichen Flugplatz der Art, in einen sogenannten Anf lugapparat, 

der ans Drahlgaze besteht und oben eine trichterförmige Einflugsöffnung besitzt, die 
woid ein I'Jindringen, aber kein Entweichen gestattet. Die rj vieler Heteroceren , besonders Spinnerarten, 
kommen nun in -Vnzahl herbei und umriattern ungestüm den Käfig (wobei sie leicht zu erbeuten sind, vgl. vorne), 
bis eines derselbcTi durch die Einflugsöffnung eindringt und sich mit dem $ vereint. 




Fang und Zucht von Lepidopteren. 



A93 



Befruchtete, zur Zucht bestimmte Eier, werden möghchsl unberührt an dem Orte ihrer Ablage belassen und 
sind nur vor dem Austrocknen (durch allzugroße Warme oder Bestrahlung der Sonne) zu schützen. Eier, die über- 
wintern, werden in einem trockenen, kühlen Räume aufbewahrt, dessen Temperatur im Frühjahre zu erniedrigen ist, 
falls eine vorzeitige Entwicklung der jungen Häupchen wegen Mangel eines geeigneten Futters verhindert werden soll. 
2. S a m m e 1 m e t h o d e n des R a u p e n s t a d i u m s. 
Die Raupen werden entweder mit dem freien Auge gesucht oder durch ,, Klopfen" oder „Schöpfen" erbeutet. 
Da die frei auf der Futterpflanze lebenden Raupen in der Regel ihrem Aufenthaltsorte durch Färbung oder 
Haltung in der Ruhe (Geometriden) gut angepaßt sind, gehört ein geübtes Auge zum Raupensuchen. 

Anzeichen für das Vorhandensein von Raupen sind oftmals Fraß- oder Kotspuren. Namentlich 
aus der Art des Fraßes (aus dem sog. Fraßbild) erkennt der erfahrene Sammler oft mit Sicherheit das X'orhandensein 
einer bestimmten Raupenart. Häufig werden die Raupen nach Konstatierung ihrer Fraßspur an ihrem Ruheort 
in Rindenritzen oder am Fuße niederer Pflanzen bei Tage verborgen aul'zufinden sein. Raupen mit nächtlicher 
Lebensweise können zuweilen mühelos gefunden werden, wenn man die Futterpflanze nachts mit der Laterne absucht. 
Dies gilt namentlich auch im Frühjahre für viele Raupen, die jung überwintert haben.') 

Bei endophagerLebensweise erkennt man das Vorhandensein der Raupen oft durch Welken der 
Blätter oder durch Auswurf von Kot und Fraßgemengsel aus den Einbohröffnungen an Stengeln und Zweigen, oder 
auch durch Anschwellungen derselben. Zum Eintragen der besetzten Stämme und Zweige tut ein starkes Messer 
und eine Säge (sog. Fuchsschwanz) gute Dienste, bei deren Anwendung man sich nur hüten muß, nicht mit dem Forst- 
personal des betreffenden Reviers in Konflikt zu geraten. Die Anwesenheit der in Wurzeln lebenden Sesienraupen 
kann aber häufig erst nach Proben, die man mit dem Ausziehen der Futterpflanze aus dem Erdboden macht, sicher- 
gestellt werden. In Rohr lebende Raupen werden nach Abbrechen desselben mit dem Rohrstiel eingetragen. Raupen 
mit subterraner Lebensweise, .sogenannte „Erdraupen" namentlich aus der Eulengattung Agrotis, 
werden im Frühjahr an warmen Lehnen aus der lockeren Erde gekratzt. Hiebei leistet eine Fg. a »4. 
Harke und ein dreizinkiges „W ü h 1 e i s e n" (die auch zum Aufsuchen von Puppen dienen können ) 
sehr gute Dienste (Fg. 84). Auch ein K i\ i e p o 1 s t e r ist bei dieser Sammelmethode unter 
Umständen sehr angenehm. 

Wenn man auf allgemeinen Samnielexknrsionen auch gelegentlich Raupen in Ajizahl liiidet. 
so werden die besten Resultate doch erst durch zielbewiißtes Sammeln einzelner bestimmter Raupen- 
arten, über deren Lebensweise und Erscheinungszeit man sich schon vorher genau informiert hat,-) 
erzielt. Da die Brscheiimngszeit jedoch sehr von den Witterungsverhältnissen abhängig ist, bedarf 
es häufig mehrerer Exkursionen, um die Raupe einer bestimmten .\rt in dem wünschenswerten 
Stadium zu erlangen. 

Das Eintragen von Blütenständen, namentlich von Umbelliferen, sowie das Eintragen von 
Kapseln der Silene- und Lychnis-Arten liefert in der Regel die Raupen von Tephroclystia- bezw. auch 
Dianthoccia-Arten, die darin verborgen lelien. In gleicherweise ergeben blühende Salweidenzweige 
im Frühjahre zahlreiche Raupen. 

Raupen sehr verschiedener Arten erhält man in großer Anzald dnrcli die folgenden mehr 
mechanischen Methoden des Klopfens und Schöpfens. 

Zum Klopfen bedient man sich am besten eines .sogen. „Klopfschirmes" nach Art eines 
Regenschirmes, jedoch mit starkem Zeug überzogen und mit einem Kniegelenk im Stocke versehen, Wühleiscn. 
wodurch ein bequemes Darunterhalten des Schirmes unter die abzuklopfende Pflanze erleichtert wird. 
Gut ist es auch, wenn der Schirm innen noch eine flache Fütterimg besitzt, welche das beim Aussuchen des 
Fanges hinderliche Gestell bedeckt (Fg. 8.5). Zum Klopfen selbst dient ein gewöhnhcher Stock, mit dem man die 
Pflanze oder den Strauch kräftig schlägt, narlidem man den Schirm darunter gehalten hat. 

Oft liefert auch das Ausbeuteln abgefallenen Laubes 
oder au.sgelegter dürrer Reiser (vgl. vorne A 88 Absatz 10) 
in den Klopfschirm eine Ausbeute an Raupen. 

Will man auf Bäumen lebende Raupen erlangen, so 
l)(>dient man sich am besten einer kurzen Eisenkeule (sog. 
Klopfer), die mit Leder überzogen sein soll, um Beschädi- 
gungen der Rinde zu vermeiden (Fg. 86). Nachdem man ein 
helles Tuch unter dem Baume ausgebreitet hat, müssen die 
Schlacke mit dem Klopfer plötzlich au den Stamm ausgeführt 
• pisciiiriii werden, da sich sonst die Raupen fester anklammern 

und nicht mehr herunterfallen. 
Das Seh .. p f e n der besonders auf Wiesengräsern und anderer niederer \ egetation lebenden Raupen wird 
mittelst eines „Streifsackes" (sog. Schöpfers) ausgeführt. Derselbe stellt einen kurzstieligen Hamen mit einem vorne 

VVgi; Schenkling-Prevöt (111. Z. f. Ent. II p. '.87. 502.) . . „. , ^, ,. ., ,,,■.,,,„ 

«) DLem Zwecke dienen sog. R a n p e n k a 1 e n d e r; in wel.hen übei-sichlhch hi'scheinungsze.t und !• uttei ■ 

pflanze der Raupen angegeben sind. Aus neuerer Zeit hegen solche R a u p e n k a 1 e n d 1 

(Regensburg, 2. Aull.) und Karl Schreiber (Erfurt) vor. 





von Anton S c h ui 1 d 



A 94 Fang und Zucht von Lepidopteren. 




woiiiö},'li(li t,"'iailiMi liüKol dar, dessen kurzer (ca. 45 cm liefer) Sack aus fesler Leinwand besteht. Mit diesem Hamen 
wird die niedere Vegetation (auch Heidelbeeren, Heide usw.) durch kräftiges Hin- und Herschöpfen abgestreift. 
Di'i- Inhalt des Slreifsackes muß häufig nachgesehen werden, da sonst die geschöpften Raupen leicht Schaden leiden. 

Diese Sammclmelhode soll auch nachts mit Hilfe einer Laterne 
fB. A 86. betrieben werden und hefert dann, namentlich im Frühjahre (April), 

die besten Resultate. 

Die durch irgend eine der vorbeschriebenen Sammelmethoden 
erbeuteten Raupen werden während der Exkursion in flachen 
Raupensammelschachteln untergebracht, die am besten 
aus Blech bestehen und eine mit einem Schieber verschlieBbare 
Einwurfsöffnung und eine durch ein Drahtgitter versicherte I^üftung 

iit>i"'f besitzen sollen. Aus Holz hergestellte Raupensammelschachteln 

eignen sich weniger, da man in der Regel auch etwas frisches 
(feuchtes) Futter den Raupen beigeben muß, das darin rasch vertrocknet oder ein Verziehen der Schachtelwände hervor- 
ruft. Der zur Aufzucht notwendige \orrat an frischem Futter wird am besten in einer B o t a n i s i e r b ü c h s e 
mitgenommen. Auch das Eintragen von Blütenständen, Samenkapseln, abgoschnilleiien Zwiiu'sinrkcn ii. and. 
kann in einer Botanisierbüchse oder auch in dichten Leinensäcken erfolgen. 

3. Aufzucht der Raupen. 
Die Aufzucht der Raupe kann, wenn dem Züchter ein Garten, Hof oder ähnliihes zur \erfügnng steht, im 
Freien, sonst aber auch in den Wohnräumen erfolgen. 

In ersterem Falle wird um einen größeren Zweig oder Ast der bodenständigen oder in einem Topfe gehaltenen 
Futterpflanze, auf welchen man die Raupen gebracht hat, ein fest schließender Gazebeutel gebunden, wodurch nicht 
bloß ein Entweichen der Raupe verhindert, sondern auch ein Schutz derselben vor ihren natürlichen Feinden gewährt 
wird. Ab und zu muß man den Gazebeutel öffnen und die abgebissenen Blattstücke und den Kot daraus entfernen. 
Raupen, welche sich zwischen Blattern oder an Zweigen verpuppen, können bis zu ihrer \'erwandlung im Beutel 
belassen werden, so die meisten Lymantriiden, Lasiocampiden, Drepaniden und Salurniaarten, ferner die Catocala- 
Arten, die Geometriden-Gattungen Geometra, Thalera, Codonia, Abraxas, Ennomos, Selenia, Ourapteryx usw 
Andere Arten bedürfen zur Verpuppung der Beigabe von Rindenstücken (Cerura, Dicranura, Hoplitis) oder Torf- 
stücken (Acronycla, Diloba, Brephos, Asphalia), die man an Zweige im Beutel festbindet. Auch die Überwinterung 
mancjier Raupen kann im festgebundenen Gazebeutel erfolgen, so bei Apatura, Limenitis, Lasiocampa, Gastropacha, 
Odonestis, Ourapteryx u. and. Bei dieser, den natürlichen Existenzbedingungen am meisten sich nähernden Zucht- 
methode sind die \erluste an Raupen durch Tod am geringsten. 

Zur Aufzucht der Raupen in der eigentlichen Gefangenschaft bedarf es diverser Zu cti Ig läser, Zuclit- 
kästen und Überwinterungskästen. 

Die Zuchtgläser, welche am besten eine zylindrische Form haben, und mit einem genau schließenden, 
in Metall oder Holz gefaßten Dralitgazedeckel zu verschließen sein sollen, dienen für alle Raupen, die aus dem Ei 
gezogen werden, meist bis zur dritten Häutung, worauf sie in die luftigeren und größeren Zuchtkästen übertragen 
werden können. Einzelne Aj-ten, die besonders feuchtigkeitsliebend sind, oder deren Futter sehr rasch verwelkt, 
(wie dies beispielsweise bei den vielen auf Pappeln lebenden Arten oder bei Lygris reticulata der Fall ist), können 
bis zu ihrer Verpuppung it; größeren Zuchtzylindern belassen werden, deren Untersatz in praktischer Weise aus weißem 
Ton mit Diaphragmaboden und Wasserraum bestehen kann, so daß im Zylinder stets eine gleichmäßige Feuchtigkeit 
herrscht (vgl. Fg. 88). 

Bei der Zucht aus dem Ei legt man den jungen Räupchen sofort nach dem Ausschlüpfen zartes Futter vor 
und vermeide möglichst jedes Berühren und jede Störung der zarten Tiere, namentlich während der Häutungen, zu 
denen sie sich meist an der Wand des Gefäßes festsetzen. Läßt sich ein Herausnehmen der jungen Räupchen nicht 
vermeiden, geschieht dies am besten auf einem Bogen weißen Papieres mittels eines weichen Pinsels 
oder mit dem Barte einer Vogelfeder, bei welcher Gelegenheit man zu Kontrollzwecken auch leicht Kp^s?. 
eine Zählung der Individuen vornehmen kann. Der Rücktransport in das Zuchtglas hat auf die f' "> 
gleiche vorsichtige Weise zu geschehen. Das Zuchtglas wird am besten nur trocken, mittelst eines | ,.^* 
Wattepfropfens gereinigt. [~ ~^^ 

Die Z u c h t k ä s t e n für Raupen werden bei größerem Bedarfe von vielen Sammlern selbst aus \ \ 

Holzkistchen hergestellt, aus deren Wände rechteckige Stücke herausgeschnitten und durch M\dl oder 1 

Drahtgaze ersetzt werden. Der Boden bleibt ohne .\usschnitt. Eine Tür wird am l)esten an einer der \ ^ 

beiden Schmalseiten mittelst einer Scharniere eingerichtet, aber so, daß sie keinen Winkel mit den kiiuus 
übrigen Seiten bildet, da sich sonst häufig Raupen in solchen Ecken verpuppen. Die Kästensollen für /.„cht glas, 
freilebende Raupen möglichst luftig sein und gut schließen, da sich viele Raupen auch durch 
sehr kleine Öffnungen herauszwängen. Sehr empfehlenswert sind auch Zuchtkästen aus Zinkblech mit abheb- 
barem Deckel, der wie die Wände Drahtgazeeinsätze besitzt (Fg. 89). In den tieferen Bodensatz des Zuchtkastens 
wird nach den Bedürfnissen der Raupen Erde oder Moos und dürre Blätter gebracht. Das Futter wird, um 
es frisch zu erhalten, entweder in dünnhalsige Fläschchen, oiler sog. Futterständer aus Blech, in denen sich Wasser 



Fang und Zucht von Lepidopleren. 



A 95 





■ h t k a s t e n aus Zinkblech 
Dralitgazeeinsätzen. 



befindet, enigestellt und so vorgeneigt, daß den Raupen ein Hinaufkriechen auf dasselbe, womöglich schon vom 
Boden des Zuchtkaslens aus möglich gemacht ist. Die zwischen PHanzeristengel und Hals des Fulterständere noch 
verbleibende Öffnung wird mittelst Watte verstopft, um ein Hineinkriechen der Haupen zu verhindern. 

Da manche Raupen auch wasserbedürftig sind, empfiehlt es sich, dieselben ab und zu mit einem Wasser- 
zeistauber (oder tlurth <las .\usschnellen einer ins Wasser getauchten feinen Bürste) zu befeuchten. Namentlich nach 

der Überwinterung ist diese Resprengung 

für viele Raupen ein Bedürfnis. Sie darf 

aber sonst nicht zu oft angewendet werden. 

\on manchen Züchtern wird Regenwasser 

zu diesem Zwecke vorgezogen. 

Bezüglich des Kutters muß man sehr 

darauf achten, daß dasselbe stets in der 

richtigen QualiliU und Quantität vorhanden 

1^1 Manche Raupen verlangen stets fri.sches 

Futter, das nicht älter als zwei Tage sein 

darf, für welche Zeit es am besten im Keller 

aufbewahrt wird. Andere Raupen ziehen 

welkes Futter vor, wie die Caradrina-Arlen. 

ll,\paeninen, oder Acidaliinen. Solche sind 
i)urci].sciiiutt<iurciieinZuciitgi;w(c!) ^"'h Weniger lichtbedürftig und werden 
mit üiaphragmaboden u. wayer^^ an, j^esten in flachen Kistchen gezogen, bei 

denen r.ur der Deckel mit Mull überzogen 
ist. Auch die eingetragenen Blütenstände und Fruchtkapseln gibt man, nachdem man sich von ihrem Bewohnt- 
sein durch Raupen überzeugt hat, in ebensolche Behälter, deren Boden eine Erdschichte enthält. Für andere auf 
der Futterpflanze lebende, hchtbedürftige Raupen empfiehlt es, sich die Futterpflanze in Gartentöpfen zu ziehen, die 
Raupen darauf zu setzen, und mit einem Drahtgazezylinder zu bedecken, dessen unterer Rand in die Erde des 
Topfes einge<lrückt wird. Solche Blumentöpfe mit Drahthauben eignen sich auch sehr zur Zudit der Psychiden- 
raupen. 

Zuweilen tut man auch gut, für rasch welkende Futterpflanzen, w'ie für Schlehen, Heidelbeeren, Surrogate zu 
reichen, als welche Prunus padus bezw. Lonicera angenommen werden. 

Sehr zu achten hat man darauf, daß man kein nasses Futter reicht, wodurch die Raupen leicht erkranken können 
(vgl. vorne p. A 58). Man muß solches, bevor man es in den Zuchtkasten bringt, erst ordentlich abdunsten lassen. 
Der Boden des Zuchtkastens ist von Kot und Futterresten sorgfältig zu reinigen, da sich sonst leicht Schimmel- 
bildungen einstellen, die auch die Raupen gefährden können. Man gebe nicht zu viele Raupen und womöglich nur der 
gleichen Art in einen Zuchtkasten und achte bei gemischtem Inhalt des Kastens sehr darauf, daß keine Mord- 
raupen eingeschleppt werden, wie dies beim Klopfen selir leicht der Fall sein kann. Letztere müssen separiert 
gezogen werden. 

Befindet sich eine Raupe im Häutungsstadium, belasse man sie beim Futterwechsel eventuell auf dem alten 
Pflanzenstengel und lehne denselben bloß an das frische Futter an. 

Raupen mit endophager Lebensweise, wie jene derSesiiden uudCossiden, sollen möglichst erwachsen (im Mai) 
eingetragen werden, und bedürfen dann in der Regel keiner Erneuerung des Futters. Bei S e s i i d e n erfolgt die 
Zucht am besten in Gläsern, deren Boden mit feuchtem Saud gefüllt ist, in welchen man die nicht zu kurz abge- 
schnittenen, die Raupen enthaltenden Zweigstücke steckt. Reicht das alte Zweigstück zur Ernährung nicht aus, 
bohrt man ein frisches solches an und bringt die Raupe zum Bohrloch, in welches sie gewöhnlich bald eindringt. 
Die C s s u s - Raupen werden mit dem Fraßstück und einer Schichte Sägespäne am besten in Blechgefäßen gehalten, 
da sie sich durch Holzbehälter durchbeißen. Morsche Holzstücke dienen ihnen eventuell zur .Anfertigung ihrer Be- 
hausung. 

Weder die Zuchtglä.ser noch die Zuchlkästen dürfen zu starker Besonnung ausgesetzt werden: in ersleren 
bildet sich sonst ein verderblicher Niederschlag, in letzteren tritt sehr rasche Vertrocknung ein. Ein leichtes .aus- 
setzen namentlich an die Morgen- oder Abendsonne lieben jedoch einzelne Raupen, namentlich unter den Arctiiden. 
Raupen, die überwintern, bedürfen einer besonderen Behandlung und werden im Herbste, sobald sie zu fressen 
aufhören, in einen eigenen t' berwin terungskasten gebracht. Zu diesem Zwecke können mit Luftlöchern ver- 
sehene Holzkisteii verwendet werden, deren Boden ca. 4 cm hoch mit Flußsand und Walderde bedeckt wird, worauf 
eine gleich hohe Lage von zerzupftem Moos und endlich eine solche von dürrem Laub (Haseln, Himbeer) kommt. Auch 
die Beigabe von einzelnen Rindenstücken, die als Versleck dienen können, ist ratsam. Auch Garlentöpfe, in gleicher 
Weise gefüllt und fest verbunden, eignen sich gut als Überwinterungsbehälter. Jedenfalls tut man gut, im Herbste 
noch etwas Futter oben auf die Laubsehich te zu legen, da die Raupen bei wärmerer Witterung häufig noch daran nagen. 
Die Überwinterungsbehälter werden am besten im Freien belassen, auch freie Balkone, Terrassen usw. eignen sich als 
Standorte dafür. Durch darüber gelegte Latten können sie vor den ärgsten Unbilden der Witterung geschützt 
werden. Blumentöpfe mit zu überwinternden Raupen werden am besten bis '-/, ihrer Höhe in die Erde eingegraben 



y\ 96 Faiijj; iiiid Zucht von Lepidopleren. 



(namentlich für Raupen mit Macrothylacia rubi anzuraten). Bei frostfreiem Wetter ist der Inhalt des Behälters im 
Verlaufe des Winters mehrmals anzufeuchten, der anderenfalls auch mit Schnee bestreut werden kann. 

Der Erfolg der Überwinterung wird sehr von dem Wachstumsstadium abhängen, in welchem die Raupen in 
die Überwinterung traten. Im allgemeinen überwintern junge Raupen besser als erwachsene. Auch ist ein andauernd 
kalter, schneereicher Winter günstiger als ein milder. 

Eine Hauptschwierigkeil ergibt sich bei eintretender Wärme im ersten Frühjahr mit der Futterbeschaffung. 
Da es sich in den meisten Fällen um polypliage Raupen handelt, können Surrogate als Salat, oder anderes Gemüse, 
auch rohe Apfelschnitten und dann bald aus dem Freien Laniium, Plantago u. and. gereicht werden. 

Als ein Liiiversalfutter für überwinterte Noctuiden-Raupen können auch Krlenzweige gereicht werden, die 
im Herbste grün abgeschnitten und an der Luft gedörrt, dann im Frühjahre im Wasser wieder erweicht wurden 
(Metzger). 

Durch das Treiben der Hrtupen .soll zuiiieisl eine Überwinterung derselben vermieden wcrtlen, indiwu 
sich die Raupen früher verpuppen und eventuell noch den Falter im Herbste ergeben. Auf diese Weise kann eine 
künstliche zweite Generation erzielt werden, die häufig , .unvollständig" ist, d. h. nur einen Teil der Individuen umfaßt, 
wogegen der restliche Teil derselben den der Art sonst normalen Entwicklungsgang beibehält. Das Treiben erfolgt 
durch anhaltend hohe Wärme, wie sie beispielsweise in Gewächshäusern herrscht. Wird dadurch die Dauer des Raupen- 
stadiums erheblich gekürzt, erfolgt in der Regel eine Größenreduktion des Falters.') 

Raupen, die sich zur Verpuppung anschicken, werden entweder vorderhand im Zuchtkasten belassen, 
oder sogleich in den vorbereiteten V e r p u p p u n gs k a s t e n übertragen, oder auch eingetütet (vgl. später). 
Ersteres kann namentlich bei <ien meisten Tagfalterraupeii geschehen, die sich an» liebsten an den Stengeln ihrer 
Futterpflanze verpuppen. 

Als sichere Anzeichen der bevorstehenden \'erpuppung kann die Einstellung der Nahrungsaufnahme angesehen 
werden, wenn sie mit einer gewissen Unruhe und Veränderung der Raupe Hand in Hand geht. So verlassen die 
meisten Heteroceren-Raupen die Futterpflanze und begeben sich auf den Boden des Zuchtkastens, helle (grüne) 
Raupen verfärben sich, die meisten Raupen werden vor der Wrpuppung nach reichlicher Kotabgabe auch kleiner. 
Sind diese Anzeichen eingetreten, bringt man die Raupen, deren \erpuppungsart man noch nicht genau kennt, in 
einen Kasten, der alle jene Bedingungen bieten soll, welche die Raupe zu ihrer N'erwandlung vielleicht beansprucht. 
Vor allem .soll eine Schichte von Erde und Sand (die bei einzelnen Raupen, wie bei derGattung Brachionycha [Astero- 
scopus], Agrotis ripae oder Chariclea delphinii, bis 40 cm tief sein muß) vorhanden sein, ferner eine reichliche Lage 
zerzupften Mooses, eine Schichte trockener Blätter, Stücke weicher Rinde und ein größeres Stück Torf. Die Erd- 
und Moosschichte soll schon vor Aufnahme der Raupen reichlich mit Wasser besprengt werden. 

Als Verpuppungsbehälter eignen sich besonders auch größere Gartentöpfe, die zur weiteren .\nfhewahruiig 
auch jener Puppen dienen können, die andauernde Feuchtigkeit beanspruchen, da diese Töpfe durch Einstellen in 
seichte Wasserschüsseln von unten her leicht die notwendige Feuchtigkeilsineiige aufnehmen. .Man gebe nie zu viele 
Fiaupen in einen Puppenkasteii, da sie sich .sonst leicht bei der .\nlage des Kokons und der Verwandlung stören können. 

Spinnreife Raupen der Salurniiden, vieler Lasiocampiden und Arctiiden, ferner der Gattungen Catocala, Plusia, 
Ennomos, Angerona u. and. können zum Zwecke ungestörter Verwandlung auch eingetütet werden, d. h. in 
Tüten aus Fließpapier gebracht und darin verschlossen werden. Ist die \'erpuppung erfolgt, schneidet man die Tüte 
vorsichtig auf, läßt aber Reste des Papiers am Kokon haften. Derartige Tütenkokons können bequem angefeuchtet 
und leicht verschickt werden. 

4. S a in in e 1 in e l h o d e n u n d B e h a n d 1 u n g der Pupp e n. 

Sehr häufig findet man auf allgemeinen Sammelexkursionen an geschützten Stellen gelegentlich auch Puppen 
von Tagfaltern und solchen Ileteroceren, die ihr Verwandlungsgespinst frei anlegen (wie die Kokons der Zygaeniden), 
oder sich sonst oberhalb der Erdoberfläche (zwischen zusammengezogenen Blättern usw.) verwandeln. 

Man kann aber auch vorsätzlich auf das Sammeln von Puppen bezw. Gespinsten ausgehen. Namentlich 
die meist sehr gut an die Baumrinde angepaßten festen Gespinste der Notodontiden-Gattungen: Cerura, Dicranura 
und Hoplitis können in Anzahl nur dann gefunden werden, wenn man Stamm für Stamm mit geübtem Auge darnach 
absucht. Selbst die Puppen der Segelfalter lassen sich im Herbst zwischen der niedrigen Vegetation am Fuße der 
Futterpflanzen der Raupe in Anzahl auffinden (Standf.). 

Zum Sammeln der überaus zahlreichen unter der Erdoberfläche geborgenen Heteroceren-Pup|)en dient vor- 
nehmlich das bereits früher (beimSamineln von Erdraupeii) erwähnte Wühleisen (vgl. vornep. A93Fg. A 84), das auch 
als P u p p e n k r a t z e r bezeichnet wird, bei dessen Gebrauch aber Vorsicht anzuwenden ist, damit man die Puppen 
nicht verletzt. Namentlich am Fuße von Eichen, Linden, Pappeln, aber auch unter der Moosdecke an Waldrändern 
usw. kann man im Herbste und Frühjahr oft zahlreiche Puppen auf diese W'eise ausgraben. Die Puppen der in Holz- 
gewächsen lebenden Sesienarten können durch Bürsten der als .Aufenthaltsort vermuteten Stämme oder .Aste mittelst 
einer Stahlbürsle entdeckt werden, indem durch diese die dünne Rindenschichte, welche noch den Verschluß des 
vorbereiteten Ausschlupfloches bildet, aufgerissen wird. 

Im Hochgebirge ergibt das Umdrehen von Steinen, ilie lose liegen oder nur seicht in der Erde sIcm kcn. nicht 



Vgl. den Abschiiilt Exp. Biol. p. A T'i Abs. .5 und Slnndliiß illundh. p. l:i; - l.'.y). 



Fang und Zucht von Lepidopteren . A97 




bloß die Gespinste und Puppen zahlreicher Arten (auch von Lycaeniden und anderen Tagfaltern), sondern auch 
Raupen und selbst Falter (namentlich fhigunfähige $) sind oft darunter verborgen. 

Die gefundenen Puppen worden während der Exkursion am besten in eine mit zerzupftem Moos gefüllte Sammcl- 
schachtel gebracht, so daß sie nicht gedrückt werden, aber auch nicht darin herumkollern. 

Zu Hause werden die (eventuell auch durch Zucht erhaltenen) Puppen in einen der beroit-s früher erwähnten 
Puppenkästen gebraciit, wobei man namenthcli darauf zu achten hat, daß die Puppen wieder in jene Lage kommen, 
in der sie sich in der freien Xatur befunden liaben. Festgesponnen gewesene Psychidensäcke und Tagfaiterpuppen 
können mit Stecknadeln, die man durch die freien Stellen des kleinen Gespinstes sticht, an die Wand des Kastens 
befestigt werden, oder letztere mangels eines Gespinstes auch auf Gazefleckchen gelegt werden. Für Rrdpnppen 
empfiehlt es sich, eine seichte Mulde in der Erdschichte zu machen, die Puppe 
hineinzulegen und mit zerzupftem Moos zu bedecken. 

Zur Aufbewahrung von Erdpuppen, die oft sehr leicht vertrocknen wie 
z. B. jene von Acherontia atropos, gibt es auch sehr praktisch eingerichtete 
eigene P u p p e n k ä s t e n aus Zinkblech mit Dralitgazeboden und darunter 
befindlicher Wasserwanne, wodurch ein gleichmäßiger Grad von Feuchtigkeit 
erzeugt wird. Die Puppen werden, bloß auf Moos gebettet, auf den Drahtgaze- 
boden gelegt. (Fg. 90). 

Die Überwinterung der Puppen kann gut im Freien oder in einem unge- 
heizten Raum erfolgen. Manche Ai-ten bedürfen sogar des Frostes als Entwick- 
lungsreizes, wenn sie sich dann bei eintretender Wärme zu Faltern entwickeln 
sollen. Frost bei Trockenheit schadet überhaupt keiner heimischen Puppe. 

Sollen die Puppen „getrieben" d. h. zur vorzeitigen Entwicklung 
gebracht werden, kann man sie, nachdem sie dem Frost ausgesetzt waren, schon 
gegen Mitte Januar (mit einem ein- bis zweitägigen Übergang in einem ungeheizten 
Raum von + 2 bis 6" C.) in das geheizte Zimmer bringen, wo für ein genügen-Ics --«=- 

Feuchthalten derselben zu sorgen ist, worauf die Entwicklung zum Falter zumeist i'upi»«' n k.i -t ■ n im' \v,,.<,.rraiini. 
binnen 2 bis 3 Wochen eintritt. 

Nicht alle Arten lassen sich jedoch als Puppe in gleich günstiger Wei.-;e treiben. Besonders empfehlenswert 
dafür sind die Puppen der Gattu?igen Papilio, Thais. Archon. Euchloe, Satnrnia, Agiia, Endromis, Diphtera, Taenio- 
campa und Codonia. 

5. \' o r s o r g e für den sich entwickelnden Falter. 

Dem schlüpfenden Falter soU vor allem die Gelegenheit geboten sein, in die Höhe kriechen zu können und eine 
geeignete richtige Stelle zu finden, wo er seine Flügel zur Entfaltung bringen kann (vgl. vorne p. A 38). Bestehen 
die Wände des Puppenbehälters nicht aus Drahtgaze, woran sich die Falter bequem anklammern können, empfiehlt 
es sich, in allen Fällen einen oder mehrere Streifen von MuH oder Seidengaze an der Decke des Puppenkastens zu 
befestigen und herabhängen zu lassen, um den frisch geschlüpften Faltern ein Emporkriechen zu ermöglichen. 

In der Regel ist es auch von \'orteil, die normalerweise in der Erde ruhenden Puppen mit der Schichte zei- 
zupften Mooses bis zum Ausschlüpfen des Falters bedeckt zu lassen, da manche Falter die Durchdringung eines solchen 
Widerstandes beim Verlassen der Puppenhülle als Bedürfnis empfinden. 

Die Tageszeit, zu welcher das Ausschlüpfen der einzelnen Falter stattfindet, ist eine sehr verschiedene und .soll 
bei jenen Arten genau gekannt sein, die sehr rasch nach der Entwicklung zu rliegen beginnen, w-ie dies bei den o der 
Psychiden, Thaumetopoeiden und vielen Lasiocampiden der Fall ist. Bei diesen Arten sind die Falter rasch nach 
ihrer Entwicklung (Psychiden (J schon nach ca. 10 Minuten) zu töten. 

Bei allen anderen Arten ist jedoch dem Falter nach seiner Entwicklung eine mehrstündige Ruhe zu gönnen, 
in welcher seine Flügel erst vollständig erhärten. Vorzeitig getötete Falter bekommen am Spamibretti« runzelige 
Flügel, oder es tritt durch Anstechen der Flügel beim Spannen noch die (grüne) Blutflüssigkeit aus denselben und 
verursacht \erunstaltungen derselben. Jedenfalls empfiehlt es sich am Morgen und Abend Nachschau im Puppen- 
kasten zu halten. 

Zuweilen können sich Falter gar nicht oder nicht vollständig von der Puppenhülle befreien, in welchen Fällen 
eine vorsichtige mechanische Hilfeleistung mit der Pinzette angezeigt erscheint. 

Nicht immer tritt die Entfaltung der Flügel beim geschlüpften Falter sofort ein. Zuweilen vergehen Stunden 
darnach, in welchen der Falter ruhig mit unentwickelten Flügellappen sitzt, und es besteht dann die Gefahr, daß 
der Falter überhaupt ein Krüppel bleibt. Es erscheint dann angezeigt, einen Entwicklungsreiz zu bieten, der bei 
Tagfaltern auch im Aussetzen an die Sonne, bei den meisten Heteroceren aber in einem kräftigen Besprengen mit 
Wasser bestehen kann, worauf die Entwicklung gewöhnlich sofort beginnt. Ein eigenes Wrfahren zu diesem Zwecke 
besteht auch darin, den Falter auf eine weiche Unterlage (Polster oder gefaltetes Tuch) zu bringen und mit einem 
Wasserglas zu bedecken, das man mehrmals fest auf die weiche Lnterlage drückt. Durch einen im Glase angebrachten 
Gazestreifen soll auch hier dem Falter die Möglichkeit des .Vufkriechens gegeben sein. 

Vor dem Töten frisch geschlüpfter Falter hat man auch darauf zu achten, daß derselbe bereits das meconium 
(vgl. vorne p. A54) entleert hat, da sonst leicht eine Beschmutzung desselben im Tötungsglase eintreten kann. 

lierge-R ebel, Schmettcrlinßfbiiili. -^ '•' 



A 98 Prapiiralion. 

XV. Präparation. 

A. I'räparation dt'r Faltt'r. 

Schon mit der Einführung der definitiven Nadel (vgl. vorne p. A 89) hat eigentlich die Präparation des Falters 
für die Sammlung in sehr wesentlicher Weise begonnen. Je korrekter die Nadelung erfolgt ist, desto mehr wird das 
folgende Spannen erleichtert. 

Lepidopteren (und die Vertreter einiger anderer Insektenordnungen) werden nämhch nur mit vollständig 
ausgebreiteten Flügeln zu richtigen Sammlung.sol)jekten und bedürfen zu diesem Zwecke in frischem oder erweichtem 
Zustande (vgl. spater) einer weiteren Präparation, die als 

,.S p a n n e n" 
bezeichnet wird. Hiezu dienen die ,, Spannbretter". 

Diese sollen aus weichem Holz (Linden- oder Pappelholz) hergestellt werden und bestehen aus 2 glatten 
Brettchen, die mittelst Querstützen an eine Unterlage in der Weise angebracht sind, daß zwischen ihnen eine Rinne 
bleibt, die zur Aufnahme des Körpers des Falters dient und auf ihrem Rode'i durch einen (von unten angeklebten) 
Torfslreifen ausgefüllt wird, durch welchen die \adel des zu spannenden Falters leicht dringen kann. Die Oberfliiclif 
der Spannbretter muß genau so hoch sein, daß ein in richtiger Hölie auf der Nadel befindlicher Falter auf das Spaiiii- 
brett gebracht mit den Flügeln horizontal aufliegt, wobei die Spitze seiner Nadel auf dem als Unterlage des ganzen 
Spannbrettes dienenden Brettchen stehen soll. Das Spannbrett soll seitlich offen sein, so daß man die Richtung 
der Nadel auch in ihrem unteren Teil korrigieren kann. Die Länge des Spannbrettes beträgt am besten nicht mehr 
als ca. 33 cm, so daß der am Tische sitzende Präparator bei der erforderlichen senkrechten Richtung des Spannbrettes 
gegen seine Brust noch am oberen Ende desselben bi-rpiem zu spannen beginnen kann. Bei größerer I^änge des Spann- 
brettes kann erst in der Mitte desselben zu spannen begonnen 
werden, was eine Befestigimg von durchlaufenden Spanu- 
streifen am oberen Ende des Brettes nicht zuläßt (vc;l. später.) 
/.weckmäßig ist es auch, wenn dieOberfläche desSpannbrettes 
mit genau gezogenen, enge aneinander stehenden Querlinien 
versehen ist, durch welche ein gleichmäßiges Spannen 
beider Flügelhälften des Falters sehr erleichtert wird. Zu- 
weilen wird den beiden, die Oberfläche bildenden Brettchen 
keine horizontale Lage, sondern eine schwache Neigung gegen 
die Rinne gegeben, wodurch einem bei manchen Falternspäter 
eintretenden Senken der Flügel vorgebeugt werden kann. 
Nicht zu empfehlen sind Spannbretter mit verstellbarer Rinnenbreite. Man schaffe sich lieber gleich eine 
Anzahl Spannbretter an, die eine verschiedene Breite der Rinne besitzen, inid bringe nur Falter gleicher Körper- 
breite auf ein Spannbrett. Ist die Oberflache des Spannbrettes durch wiederholten Gebrauch zerstochen, muß sie 
durch Abreiben mit Glaspapier oder Bimslein wieder geglättet werden. 

Der zu spannende Falter wird nun senkrecht in die Rinne des Spannbreites eingesteckt, wobei man genau darauf 
zu achten hat, daß der Körper gut in die Rinne paßt und kein Bein sich außerlialb derselben befindet. Ist letzteres 
doch der Fall, wird das Bein milleist einer Nadel oder Pinzelte durch Andrücken an den Körper in die Rinne ge- 
.schoben, wobei man bei Helerocercn die langen Hinlerbeine gewöhnlich seitlich des Hinterleibes etwas vortreten 
läßt. Auch die Vorderbeine werden bei Sphingiden. Notodnnliden und Sesiiden häufig in der Weise gerichtet, daß 
ihre Schienen und Tarsen seitlich vor den Kopf vortret>Mi. 

Man achte darauf, daß sämtliche Beine am Falter erhalten bleiben, da .si- syslenialisch oll von großer \\ ichlig- 
keit sind, und schon ihr teilweiser Verlust einen Defekt des Exemplars bedeutet. Die Flügel müssen an ihrer Wurzel 
ganz flach auf den beiden Teilen des Spannbretles aulliegen und dürfen keinerlei Knickung, weder nach auf- oder 
abwärts, an der Rinne erfahren. 

Hat man am oberen Endo des Spannl)relles mit dem ersten Faller begonnen, befestigt man am \ orderende 
des Breites beiderseits der Rinne je einen S p a n n s l r e i f e n, der die Länge des Brettes etwas überragen kann. 
Dies kann mit Reißnägeln geschehen. Zur weiteren Befestigung des Spannslreifens auf der Oberfläche des Brettes 
dienen aber entweder kurze Spamislifle, die miitelsl einer Steckzango befestigt werden, oder längere Nadeln 
(am besten Slahlnadeln von ca. 2.5 mm Länge mit Glaskcipfen), die becpiem mit den Fingern z>i fassen sind. Der 
Spannstreifen muß durchscheinend und glallrandig geschnitten .sein und besieht am besten aus Pergamentpapicr 
oder Pauseleinwand (für zartere Arten genügt auch Pauspapier)'). Seine Breite hängt von der Größe des Falters ab, 
-soll aber nicht zu bedeutend sein und lirancht bei den größten Arten nur 1 cm zn betragen. Er wird parallel der 
Rinne und in geringem Abslande von dersell)en (ca. 2 bis 10 mm davon entfernt) gezogen, .so daß die Flügelbasis des 
Falters, an welcher die Spannnadel einzugreifen hat, frei von ihm bleibt. 

Die S p a n n n a d c 1, deren man mehrere in verschiedenen Stärken besitzen soll, besteht ans einer in einen runden 
Holzstiel gefaßten feinen Stahlnadel. Ist der Falter bis zur richtigen Tiefe in das Spannbretl eingesteckt und liegen 

') Empfehlenswert sind die in Rdllenlnrni als ..Karlingers Spiralbänder" in versdiiedener Breite in .ien Handel 
kommenden Spannstreifen. 




Prftpui'atioii. A 99 

seine Flügel demselben beiderseits llacli aul', legt man den ol)en bolesligtenSpannstreifeii zuerst über die linke Flügel- 
hälfte, zieht denselben mit der linken Ilaiul leicht an, faßt mit der Spannnadel (welche die rechte Hand zu führen hat) 
zuerst den linken Vorderllügel nahe der vom Spannstreifen freigebliebenen Basis unterhalb der vorderen Mittelader 
(Radius) und schiebt denselben (ohne ihn zu durchstechen) so hoch hinauf, 
bis der Innenrand desselben senkrecht zur Körperachse bezw. zur Rinne I'"«- A'ia. 

lies Spannbrettes steht. Hierauf faßt man, indem man den Spannstreifen 

nur leicht locker läßt den Hinterflügel in analoger Weise aniuid schiebt ihn so •■^^^^^^^^^^ö 
hoch nach, daß er mit seinem N'orderrand einen kleinen spitzen Winkel mit Span n ii u d cl. 

dem Innenrand der \'ordernügf'l bildet. Die richtige Lage des Hinterflügels 

läßt sich in der Regel schon aus der minder au.sgebildeten Heschuppung seines Wirdei-randsteiles erkeinien, bis wohin 
normalerweise der Innenrand der N'orderflügel übergreifen soll. Sind dicF'lügel der linken Seite in Ordnung gebracht, 
wird der Spannstreifen hinter dem Hinterflügel mit Stiften oder schräg gesteckten Nadeln definitiv befestigt und die 
Spannung der rechten Flügelhälfte in gleicherweise vorgenommen. Häufig ist beim Spannen (schon der linken Flügel- 
hälfte) ein schrittweises Vorgehen sehr angezeigt d. h. man schiebt vorerst den Vorderflügel etwas nach aufwärts imd 
zieht dann die Hinterflügel sofort mich, und wiederholt diesen ^■organsr, bis sich die Flügel in der richtigen 
Lage befinden. Bei etwas trockenen Faltern kann auch ein gleichzeitiges schrittweises Spannen beider Flügel- 
hälften notwendig sein, um ein einseitiges X'erziehen des Falters zu verhindern. Zuweilen ist auch ein 
.\nfassen des Flügels mit der Spannnadel hinter dem Spannstreifen, aber stets gegen den \'orderrand zu, not- 
wendig, ja selbst ein vorübergehendes Fi.\ieren mittelst feiner Insektennadeln, deren Einstichstellen dann nicht 
zu bemerken sind, kann notwendig werden. Auch die Fühler sind (bei Tagfaltern unterhalb, bei Heteroceren aber 
oberhalb des Spannstreifensl in die richtige Lage parallel dem Vorderrand der Vorderflügel zu bringen und nötigen- 
falls durch beigesteckte Nadeln darin zu erhalten. Liegt der Hinterleib zu tief in der Rinne, schiebt man mit der 
Pinzette einen kleinen Wattepfropfen darunter, zu welchem Zweck der Hinterleib am besten mittelst einer an der 
Spitze hakenartig umgebogenen (weißen) Insektennadel gehoben wird. Ein solches Häkchen tut auch bei Hebung 
der oft in der Rinne des Brettes hegenden Fühler und beim Richten der Beine gute Dienste. 

Steht der Hinterleib zu hoch empor oder ist der Kopf des Falters verdreht, so kami durch beigesteckle Knie- 
nadeln (Fg. AlOl) leicht abgeholfen werden. 

Auch die vom Spannstreifen unbedeckt gebliebenen äußeren Flügelteile müssen gedeckt werden, da 
sich sonst die Flügelränder leicht aufwerten. Zu diesem Zwecke bedient man sich am besten breiterer Streifen 
aus Pergamentpapier, der sog. Spiralbänder (vgl. vorne p. A 98 .\nmerk.). Auch diese Seitenstreifen werden vor 
und hinter jedem Falter mittelst Stiften oder Nadeln befestigt. Nicht so anzuempfehlen sind Querstreifen zum 
Bedecken der freien Flügelteile, da sie leicht verschoben werden köiuien und den Flügel dann verletzen, oder 
wenn sie mit Klemmfedern am Brette befestigt werden, ein zu starkes Niederdrücken der Schuppen erzeugen. 
Jedenfalls ist ihr innerer Rand auf den Spaimstreifen aufzulegen, da er sonst einen Eindruck in den Flügeln 
hervorruft. 

Behufs Trocknen der Schmetterlinge werden die vollen Spannbretter an einen staubfreien, ruhigen Ort 
gestellt (nicht gehängt), wo sie auch vor Raubinsekten geschützt sind. Am besten eignen sich dazu gut .schließende, 
luftige Schrankläden, in welche man zur Vorsicht auch ein Desinfektionsmittel (Xaphtalin, Kreosot) geben kann. 

Ob die am Spannbrett befindlichen Falter bereits trocken sind und heruntergenommen werden können, erkennt 
man, wenn ihr Hinterleib, mit einer Nadel berührt, sich ganz hart anfühlt. Die Zeitdauer, welche der Falter am 
Spannbrett zubringen muß, hängt von seiner Größe und auch von der herrschenden Witterung ab. In der 
Regel genügen l'i Tage bis 3 Wochen. Man belasse aber lieber die Falter länger am Spannbrette, da ein zu frühes 
Herunternehmen derselben leicht ein Senken oder Verziehen der Flügel zur Folge hat. Auf Reisen kann man durch 
intensive Vi'ärme (indem man die Spannbretter auf Herdgesimse etc. stellt) das Trocknen der Falter sehr beschleu- 
nigen. Keinenfalls dürfen aber volle Spannbretter zum Zwecke raschen Trocknen.'* dem direkten Sonneidichl aus- 
gesetzt werden, welches ein \'erblasen der Falter czeugt. 

Beim Herunternehmen der Falter vom Spannbrette verfahre man äußerst vorsichtig, da beim .•Vbnehmen der 
Spannstreifen leicht Fühler abgebrochen werden können oder andere Schädigungen unterlaufen. .Sollte sich beim .\b- 
nehmeneinesp'alters vom Spannbrette ergeben, daß sich derselbe an der Nadel dreht, was namentlich bei aufgeweichten 
Faltern häufig vorkommt, so ist derselbe sofort daran festzukleben. Mauscliiebt ihn zu diesem Zwecke mit der 
Pinzette behutsam gegen den Nadelkopf, gibt unterhalb der Beine einen Tropfen Klebestoff, am besten Syn- 
detikon (vgl. später) und bringt ihn hierauf wieder, am Rücken mit der Pinzette drückend, in die normale Höhe 
an der Nadel zurück. 

Bei gezogenen, sehr dicklediigen Heteroceren kann zur \erhmderung des Öligwerdens (vgl. später) auch 
der Hinterleib des frischgetöteten Falters ausgenommen werden. Man schneidet denselben mittels einer spitzen 
scharfen Schere in der Mitte der Bauchseite in der Länge von ca. 12 mm auf und entnimmt aus der Öffnung 
mittels der Pinzette den Körperinhalt. Hierauf wird die Körperhöhle mittels eines Watlepropfens wieder 
ausgefüllt und der Falter gespannt. 

Das Präpariere II der M i kro I ep i d u p 1 1 re n erfolgt im allgemeinen a-.if gleiche Weise, wie jenes derGroß- 
°schmetterliiigi\ Nur bei den alleikleinsten Tineiden, die auf Minutiennadeln gespießt sind, findet eine .Vbweichung 



A 10(1 



Präparation. 



l'"g. A :i: 




insoli'i-M sliilt, ;ils man sich /.um Spaniieti derselben ganz kleiner SpannbroUfhen bedient, die oft aus Agaven- oder 
Ilolundcrmark hergeslelltsind, imd beim Spannen in einOestell eingepaßt oder auf eineTorfplatte angenadelt werden. 
Die Flügel lassen sieh zuweilen durch l'laseii in die ri(-htige Lage bringen, und ganz, schmale Sti-eifen aus Pauspapier 
dienen zu ihrer Befestigung. Das Präparieren dieser kleinsten Lepidopteren erfordert große Übungund ein gutes Auge. 

Das Aufweichen der Falter. 
Faller, welche in imgespanülem Zustande trocken geworden sind, wie dies bei Aufbewahrung in Tüten der 
l''all ist, müssen wieder erweicht werden, um priipariert werden zu kömi5n. Zu diesem Zwecke werden sie unter 
die Weichgloeke gebracht. Handelt, es sich um eingetütete Falter, geschieht 
dies am besten mit den Tüten selbst in einer Weichgloeke, die aus Glas besteht 
und mit einer Siebeinlage vei-sehen ist, unter welcher sich eine Wasserwanne 
befindet. Durch \'erdnnsten des Wassers werden nun die Falter in den Tüten 
erweicht und können nach 24 bis 48 Stunden aimähernd wie frisch gefangene 
F'alt«!' präpariert werden. Eventuell kann m;)-.! die Fii'.ter .schon nach 24 Stunden 
aus den Tüten mit der Pinzette entnehmen ohn<.' nun mhr ü- fahr zu lauten, 
Fühler oder Heine zu brechen, und sie dann freiliegend unter der Glocke 
weiter erweichen. 

Man kann sich, iiamenllich ziiiii .Vul'weichen bereits genadelter Falter, 
auch einer einfa(-lien Glocke bedienen, die nur aus einem Glassturz besteht, der 
\\ . 1 auf eine mit angefeuchtetem feinem Sand gefüllte Schüssel aufgedrückt wird. 

Der Sand soll vorher gut gereinigt und dann erst mit Wasser befeuchtet und so 
durchgearbeitet werden, daß er zähe, aber nicht breiig oder gar wässerig ist. Behufs Vermeidung von Schimniel- 
bildnngen empfiehlt es sich, dem Sande ein paar Tropfen Karbol oder Lysol beizusetzen. Man legt oder steckt nun 
die aufzuweichenden Falter einfach auf den Sand. Dieses Verfahren ist auch notwendig, um die von einer 
ICxkursioii heimgebrachte Ausbeule, zu deren Präparation man nicht mehr am .selben Tage kommt, für den 
nächsten Tag frisch zu erhalten. Die Weichglocke darf nicht der Sonne ausgesetzt sein, und .soll womöglich im 
Finsteren stehen. Sehr große Achtsamkeit erfordert das Aufweichen grüner Geometriden, der Ino-Arten und vieler 
Lycaeniden, die leicht zu viel Wasser anziehen und dann die Farbe verändern oder fleckig werden.') Hier muß der 
richtige Zeitpunkt zur Präparation, der oft auch ein viel kürzerer als 24 Stunden sein kann, genau getroffen 
werden. Gleiches gilt von den sehr schwierig aufzuweichenden Mikrolepidopteren. Aufgeweichten Tütenfaltern 
werden vorerst durch einen Druck an der Flügelwurzel mittelst der Pinzette die P'lügel gelockert und nach abwärts 
geöffnet und müssen, der Weichglocke entnommen, sofort präpai'ierl werden, da sie viel rascher trocknen als frisch 
gefangene Falter. Daher ist auch ein sofortiges Bedecken der freien Flügelränder bei ihnen eine noch höhere 
.Notwendigkeil als bei jenen. 

B. Priiparatlon der Kaupen. 
Die Lepidopterenlai'ven werden gewöhnlich als Trockenpräparale in die Sammlungen aufgenommen. Die 
Herstellung solcher erfolgt durch Entfernung des Körperinhaltes der Raupe und rasches Trocknen ihres 
mit Luft aufgeblasenen l'.alges in heißer Luft. Zum R a u p e n a u s b 1 a s e n bedarf es eines P r ä p a- 
r i e r o f e n s, eines Gebläses, und einer Anzahl in eine Spitze ausgezogener, mit Klemmvorrichtungen ver- 
sehener Glasröhren. Auch ein Stativ zum Halten des Präparates während des Trocknens ist sehr anzu- 
empfehlen. Der Ofen besieht in praktischer Weise aus vier zusammeidegbaren Metallwänden und einer hinein- 
|)asseiiden Kupferplalle. die durch eine darunter gestellte Spirituslanipe erliilzL wird. Noch einfacher (aber leicht 
zerbrechlich und für den Transport ungeeignet) sind dicke, in der Mitte bauchig erweiterte Glaszylinder oder seithch 
mit einer Öffnung versehene Glaskugeln, die durch ein Metallgcstell (Dreifuß) gestützt, von unten durch eine Spiritus- 
lampe erwärmt werden. Letztere haben sogar den Vorteil, durch allseitigen Abschluß einen gleichmäßiger erwärmten 
Luftraum zu bieten, in welchem das Trocknen des Raupenbalges rascher vor sich geht, als ober der Kupferplatte des 
Ofens. Das Gebläse ist am besten ein Handgebläse (Doppelballon aus Gummi), an dessen verlängertem Schlauch, 
hermetisch schließend, die Glasröhre mit dem Präparat angesteckt wrrd. Die Spitze der Glasröhre kann man sich 
auch selbst durch Drehen und Ausziehen einer längeren Glasröhre ober einer heißen Flamme, wodurch man dann 
2 kurze Glasröhren mit ausgezogener Spitze erhält, erzeugen. Die Klemmvorrichtung muß federn und auf die Spitze 
der Glasröhre mit einer Einkerbung passen. Glasröhren verschiedener Stärke mit feineren und dickeren Enden 
(Sj)itzen) sind für die diversen Raupengrößen erforderlich. 

Die zu präparierende Raupe wird am besten vorher im Zyaukaliglas betäubt und dami auf eine mehrfache 
I^age von Fließpapier gelegt und mit einem .solchen bedeckt, so daß das Hinterende aber freibleibt Man drückt 
hierauf in der Richtung gegen den After mit dem Zeigefinger der rechten Hand, oder auch mit eiper kleinen Holz- 
walze, auf die Raui)e, worauf vorerst der Darminhalt, dann aber der Darm selbst aus dem After austritt. Man muß 
luin die Raupe, nachdem man den ausgetretenen Darm knapp nach dem After mit einem scharfen Messer durch- 
schnitten hat, auf eine andere Stelle der Unterlage bringen und vom Kopfende ne;ierlich mit dem Druck beginnen 



'■K 12; 



') Derartige Wasserfle<-ke können mittelst iühi'r entfernt werden (vgl. Fischer. Ent. Z. Gub. W 
Soc. Ent. .\\1 p. yi.) 



l'i'aiKiraiii 



A 101 




'S'- '-yx 




und dies molirmals fortselzi^ii, bis die Hiiui)o voilsliuidii,' onllocrl ist. Ilci' Drin k (hii-f üIht iiiclit zu stark sein, da sonst 
auch die Hautpigmente verloren gehen oder die Haut Schaden leidet. ICtwas flüssiger Inhalt kann im Balg noch 
zurückbleiben. Sobald die Raupe ausgedrückt ist, führt mau — ohne sie von der FlieUpapierunterlage aufzuheben — 
vorsichtig tastend die Spitze der Glas- 
röhre (mit vorerst zurückgeschobener ' -' ^ " 
Klemmvorrichtung) in den After ein, 
dessen Stelle sich gewöhnlich an dem 
durch Druck zuletzt ausgetretenen 
Tropfen der Flüssigkeit erkennen lidJt. 
Sehr empfehlenswert ist es, die Spitze 
der Glasröhre vorher etwas einzufetten, 
da sonst der Balg später zu fest dai'an 
antrocknet. Nun schiebt man den 
Balg, indem man ihn von der Unter- 
lage mit der Glasröhre aufhebt, etwas 
an derselben hinauf uiui setzt dir 
Klemmvorrichtung nahe der hinteren 
Kante der Afterklappe ein. Ist dir 
Starke der Glasröhre richtig gewühlt, 
so schließt der Balg hermetisch. Nun- 
mehr wird das Gebläse in Betrieb ge- 
setzt imd die Raupe in den bereits 
angewärmten Präparierofen oder Glas- 
zyhnder gebracht, wo sie sich bei kon- 
tinuierlichem Luftdruck so fort streckt und prall wn-d. .Manhütesirli.ileri Luftdruck zu stark wirken zu lassen, da sich 
sonst die Raupe zu stark aufbläht, die Segmenteinschnitte verliert und ein uiniatürliches Aussehen gewinnt. Nach einer 
Dauer von G — 10 Minuten, während welcher die Raupe andauernd in dem heißen Luftraum sich befunden haben muß, 
ist in der Regel das Präparat fertig. Häufig empfiehlt es sich ober, die Raupe noch nicht von der Glasröhre herunter- 
zunehmen, sondern vorerst eine andere Raupe zu präparieren, und später die erste nochmals für kurze Zeit (ca. 2 Mi- 
nuten) in den Ofen zu bringen, worauf vollständige Trockenheit eingetreten isi. und der Balg, nachdem man die 
Klemmvorrichtung entfernt hat, mittelst eines leichten .schiebenden Druckes, den man an der Kante der .^fterklappe 
anwendet, von der Glasröhre abspringt. In die getrocknete Raupe wird nunmehr ein Strohhalm oder Federkiel durch 
den After eingeführt, dort festgeklebt und ein kurzes Stück dahinter abgeschnitten. Durch das freie Ende des Halmes 
bezw. Kieles wird eine Insektennadel gesteckt, das Präparat in der richtigen Höhe an dieser festgeklebt und etikettiert, 
worauf es zur Aufnahme in die Sammlung fertig ist. Bei Herstellung sogen, biologischer (oekologischer) Tableaus 
klebt man die präparierte Raupe direkt auf die getrocknete Futterpflanze. 

Bemerkt sei, daß es sich bei den meisten Ranpen, die man zu präparieren beabsichtigt, empfiehlt, dieselben 
Ibis 2 Tage vorher hungern zu lassen, da man .sonst, namentlich bei dickhäutigen Raupen, den Inhalt nicht genügend 
ausdrücken kann. Auch kann keine Raupe umnittelbar vor einer Häutung (Xerpuppung) präpariert werden, da die 
alte Kutikula schon rissig geworden ist. 

Eine besondere Behandlung müssen die b o h a a r l (! u K a n p e n b"i der Präparation bezw. beim Aus- 
drücken erfahren, damit ihr Haarkleid keinen Schaden leidet. Bei ihnen empfiehlt sich besonders die Anwendung 
einer auch an der Kante abgerundeten kleinen Ilolzwalze, mit der man nur den Bauchfüßon entlang drückend, den 
Inhalt der Raupe herausbeförderl. Man vermeide nach Möglichkeit die Rückenbehaarung mit dem Drucke zu treffen. 
Hat sich die Behaarung durch den ausgetretenen Körperinhalt verunreinigt, muß sie vorerst durch Auftupfen mit 
Fließpapier wieder gereinigt werden. 

Raupen in den ersten .JugendstadicMi, solche von Mikrolepidoptereu, wie auch die 9 von Psychiden (Imagines) 
können in der Weise trocken präpariert werden, daß man sie in eine längere Eprouvette bringt «ud unter fortwährendem 

Umdrehen ober einer Spiritusflamme 
Fg. A 9j. erwärmt, worauf sie sich zuerst zu- 

sammenziehen, dann aber strecken 
und aufblähen. Man muß nur ein 
Versengen des Objektes an der heißen 
Glaswand zu vei'meiden trachten. 

Auf Reisen, oder wenn man beab- 
sichligt Raupen später anatomisch 
zu untersuchen, werden dieselben am 
besten m anfangs schwachen (ca. 30 %] später starken (ca. 70 %) Alkohol gebracht, worin sie auch konserviert bleiben 
können. Will man dann später eine solche Raupe in ein Trockenpräparat verwandeln, muß dir vorc.-st der aufgenom- 
mene Alkohol nach Möglichkeit (durch längeres Einlegen in Wasser usw.) entzogen werden. 




; r h r mit Kle 



A 102 Bezellelri, Ordnen und HMslimmen. 



C. Prii|iiiriition von Eiorii und Puppen. 

lachende Kifr und Piijypeii, dii> zur Aul'ualimi' in die Sunimluni,' bestimmt sind, weidci" am hestcn durcl! ln'jßi' 
Luft (im Prü|)iirierofen oder Glaszylinder) getötet, wobei sehon die Einwirkung einer Temperatur von fiO" C. durch 
ra. 20 Minuten genügt. 

Eigelege sollen in ihrer natürliihen Anordnung belassen, samt der Unterlage (Blatt, Zweig usw.), die man durch 
Zusehneiden etwas formatisiert. auf eine Inseklennadel in die Saminhing gebracht werden. Einzeln abgelegte Eier 
werden auf ein weißes Kartonblättchen geklebt und dieses an eine Nadel gebracht. Auch leere Eischalen sind auf 
gleiche Weise präpariert in die Sammlung aufzunehmen, da sich daraus häutig noch die Eiform und die Struktur des 
Chorions erkennen läßt. 

Größere Puppen werden seitlich an eine Inseklennadel t'espie!.U, kleinere auf Kartonhlättchen aufgeklebt, 
oilei- Taglalterpui>pen in ihrer natürlichen Lage an Stengeln in die Sammlung aufgenommen, \ucli Gespinste ( Kokons), 
welchen man die Puppe entnommen hat, finden an Nadeln gespießt .\ufnatime in die Sammlung und sind oft syste- 
nia'isch It. B. bei der Gattung Zygaena) sehr wichtig. Selbst leere Puppenhüllen sind nach Schlüpfen des Falters 
nicht zu entfernen, sondern auf Nadeln gebracht in die Sammlung aufzunehmen, da man an ihnen in der Regel 
noch sehr gut die allgemeine Form und die oft so charakteristische Kremasterbildung erkennen kann. 

XVI. Bezetteln, Ordnen und Bestimmen. 

Wer w i s s e n s c li a f l 1 i c h sammeln will — und diesen Elirgeiz Ilaben doch die meisten Sammler — muß 
voi' allem jedes Stück mit einem möglichst genauen Fundortsnachweis und Fangdatum versehen, welche Angaben 
dmch Beisetzung des Sammlernamens noch an Zuverlässigkeit gewinnen und weitere Nachforschungen ermöglichen. 
Zu diesem Zwecke ist jeder Faller mit einer sog. N a d e 1 e t i k e 1 1 e (vgl. Muster Fg. 96) zu versehen. Die- 
selbe soll bei möglichst kleinem Format') nicht bloß den Fundort, sondern bei unbekannten oder gleich lautenden 
Ortsnamen auch (in Abkürzung) den Namen des Landes, ferner bei Bergangaben möglichst auch die Höhenkote der 
Fundstelle, weiter das Fangdatum, in Bruchzahl (z. B. V, = 5. Juli) oder mit den Bezeichnungen ,,A = .\nfang" (1. bis 
10. Tag des Monates), „M = Mitte" (10.— 20. Tag) und„E = Ende"(20.— 30. Tag)\md die Jalu-zahl, endlich den Namen 
des Sammlers 2) tragen. Bei gezogenen Stücken ist der Fundort der Raupen und der Tag der Falterentwicklung mit dem 
X'ormerk e. 1. (-^ e.x larva, aus der Raupe gezogen), bei Eizuchten auch e.\ ov. (=; ex ovo, aus dem Ei gezogen) 
beizufügen. .\uch die Angabe der Futterpflanze ist unter Umständen von großem Wert und kann, falls kein Platz 
auf der Überseite der Etikette vorhanden ist, auch auf deren Unterseite geschrieben werden. Die präparierten 
Raupen sind ebenfalls mit Angaben des Fundortes und Tages der Präparation zu versehen. 

Derartige vorgedruckte Nadeletiketten, in welchen beispielsweise nur das Fangdatum auszufüllen ist, werden 
von verschiedenen Firmen ") zu sehr mäßigem Preise geliefert und sind entschieden den selbstgeschriebenen vorzu- 
ziehen, auf welchen die Schrift oft schwer lesbar ist und sich leicht verwischt. Wer sich die Mühe geben will, kann 
auch mit einer kleinen Handpresse zweckentsprechende Etiketten erzeugen, deren Druck jedoch oft undeutlich bleibt. 
Erst durch Beisetzung dieser auf der Nadelelikette zu vereinenden Nachweise hat das Material einen wissen- 
schaftlichen Wert gewonnen. Hat man versäumt, solche Nachweise sofort (womöglich bereits am Spaiinbrelt mit 
einer neben dem gespannten Stück eingesteckten Nadeletikette) beizufügen, lassen sich dieselben später in den seltensten 

Fällen mit voller Sicherheit mehr erbringen, ja der Sammler 
^^- ■* "''• selbst kann sich nach Jahren oft nicht mehr an den Fundort 

,^^^^ ; eines Stückes erinnern. Nichts m u ß d a li e r d e m a i\ - 
gehenden Sa m m I e r so sehr ans 11 e i' z gelegt 
werden, als von allem Anfang ab das ge- 
sammelte Material genau zu bezetteln. Auch 
Dublettenmaterial gewinnt hiedurch außerordentlich an Wert. 
Verständige Sammler fordern daher auch bei Tausch unil Kauf 
möglichst genaue Provenienznacliweise des zu erwerbenden Materiales. Wo solche genaue Angaben niclil er- 
hältlich sind, bezeichne man das Stück vvenigstons mit dem allgemeinen Fundort und dem Namen der Person 
(samt Jahreszahl), von der man es im Tausch (T) oder Kauf (Kf) erworben hat. Originaletiketten belasse man, 
wenn möglich, an der Nadel. 

F'ür vorgeschrittenere Sammler .sei licnirrkt, daU es vorn wissenschaftlichen Slandpuiikt.' ans auch gcliutcn 
erscheint, jene E.\emplare, welche in der Literatur eine ausdrückliche Erwälmung gcl'undeu haben, außer der 
Nadelelikette noch mit dem Zitat der betreffenden Lileralurslelle auf einem be.sonderen kleinen, an die Nadel 
gesteckten Zettel zu versehen. In dieser Hinsicht kommen in erster Linie die sogenannten ..Typen" (vgl. vorne p. 
.\'i\ in Betracht, die auch mit dem Namen, welcher der betreffenden Form gegeben wurde, und dem «(nn.igllcli nd 

') Ein größeres Format ist nicht bloß unschön, sondern hindert bei dichter Anreilumg des .Matcnales aucli 
das Herausnehmen einzelner Stücke. 

-) Die oft übliche Beisetzung des Wohnortes des Sammlers ist überflüssig und kann zu Verwechslungen mit dem 
Fundorte .\iilaß geben. Desgl. kann der\'ermerk „leg." (legit, gesammelt) vor denr Namen des Sammlers entfallen. 

') In sehr schöner Ausführung liefert solche die Firma (ieore ISoidvIla. Berlin W. ;i5, Kurfürstensir. \',',. 
welche auch die beigegebenen Muster freundlichst zur Verfügung gestellt hat. 



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lif/.otlclii. Ordnen uikI l;csliiniiu'ii. A 1U3 



geschriebenen Wort „Type" zu versehen sind. Forner aber besonders wichtige Belegexemplare für faunislische Angaben 
und solche Stücke, welche einer (publizierten) Abbildung als \'orbild (Original) gedient haben. Je reicher eine Samm- 
lung an solchen, mit der Literatur in unmittelbarem Zusammenhang gebrachten Exemplaren ist, desto höher ist im 
allgemeinen ihr wissenschaftlicher Wert, ^'on großem Interesse ist es auch, jene Stücke, welche von Fachleuten 
bestimmt wurden, auf einem besonderen Nadelzotlel mit dem Resultat der Bestimmung und dem Namen des Autors 
derselben mit dem Vormerk „det." (delerminavil) zu versehen /.. R. „forcipula Hb. ab., det. Stgr. "99" d.h. Dr. Stau- 
dinger hat im Jahre 1899 das betreffende Stück als eine AI>erration von (.\grotis) forcipula bestimmt. In schwie- 
rigen Artgruppen empfiehlt es sich auch sehr, j c d e s Stück mit einem kleinen Xamenszellel zu versehen, der auch 
umgekehrt an die Nadel gesteckt werden kann, .so daß der Name erst beim l'inkehrcn des Stückes, das bei genauem 
Vergleich in der Regel erfolgen muß, sichtbar wird. 

Schon der Anfänger wird gut tun, das gesammelte Material, nachdem es mit Nadel-(Fundorts-)etiketten versehen 
wurde, nach bestimmten Gesichtspunkten zu o r d n e n. Am nächstliegenden hierfür ist der systematische Gesichlspmikl . 
Innerhalb jeder größeren Gruppe z. B. der Lycaeniden kann dann aber eine weitere Sonderung stattfinden, je nachdem 
die Arten mit Sicherheit bereits bekannt sind oder noch einer Bestimmung bedürfen, oder ob die Stücke zur Auf- 
nahme in die Sammlung dienen sollen, oder unter die Dubletten eingereiht werden. Soll das Material eine faunistlsche 
Verwertung finden, erscheint es zweckmäßig, dasselbe bis auf weiteres nach den Lokalitäten, an welchen man ge- 
sammelt hat, systematisch gesondert beisammen zu halten. 

Zur (provisorischen) A u f b e w a h r u ii g des Materiales und der Duliletten dienen zumejsl gul seliließende 
Kartons oder leichte Holzkästen von entsprechender Höhe mit übergreifendem Deckel, deren Boden mit Torf 
ausgelegt und mit weißem Papier überklebt ist.^) Auch Zigarrenkislchen können in sehr vorteilhafter \\'eise zur 
Aufbewahrung (und zum Versand) von ge.spannten Lepidopteren dienen. 

Man hüte sich davor, allzuviel Material aufzuhäufen, welches dann in keiner Richtung mehr eine Verwertung 
finden kann. Dies erschwert nicht bloß sehr die Übersicht über das Brauchbare, soiuiern bietet häufig auch den 
gefährlichen Raubin.sekten die Gelegenheit, sich anzusiedeln. Schon beim Sammeln soll daher luu' das mit- 
genommen werden, was wirkhch wissenschaftliches Interesse hat, oder wenigstens sicher als Tauschmaterial 
dienen kann. Bei Einhaltung dieser Gesichtspunkte würde auch dem bei so vielen Samndern beliebten Massen- 
morden, das bereits zur lokalen Ausrottung vieler Arten geführt hat, eine Schranke gesetzt werden. 

Das Bestimmen, d. h. das Auffinden des wissenschaftlichen Namens einer Art oder Form, ist eine der 
wichtigsten und anregendsten Beschäftigungen, die kein ernster Sammler versäumen wird, selbst auszuüben. Nament- 
lich die durch Selbststudium mit Hilfe guter Beschreibungen ausgeführten Bestimmungen vermitteln erst eine genaue 
Kenntnis der Organisation und der wesentlichen systematischen Merkmale, die sonst nur schwer erlangt wcT'den kann. 
Für den Anfänger, der an der Hand des besonderen Teiles dieses Buches zur Bestimmung unbekannter .\rten gelangen 
will, sei bemerkt, daß vorerst die Zugehörigkeit derselben zu einer bestimmten Familie, und innerhalb derselben 
zu einer Subfamilie imd Gattung mit Hilfe der synthetischen Bestimmungstabellen klargestellt werden soll. Gerade 
hier sind jedoch die Schwierigkeiten für den Ungeübten oftmals die allergrößten, da schon ininim erscheinende morpho- 
logische Merkmale für die Zugehörigkeit zu einer höheren Kategorie von ausschlaggebender Bedeutung sein können. 
Sehr förderlich bei allen Bestimninngsarbeiten ist es, sämtliche Kategorien, die aus irgend einem Grunde bestimmt 
nicht in Betracht kommen können, ganz aus dem Kreise weiterer Erwägungen auszuscheiden, wodurch sich dann 
leichter der richtige Weg unter der Zahl der noch offen bleibenden Möglichkeiten ergibt. Für die .\rtbestimmung 
werden auch die zahlreichen Abbildungen auf ilen Tafeln des besonderen Teiles .sehr gute Dienste leisten, indi-in 
sie in vielen Fällen, wenn nicht schon die .-Vrt selbst, so doch den (5altungstypus erkennen lassen, oder die angedeutete 
Ausschließungsmethode wesentlich erleichtern.-) Wenn man au(;h von vorneherein nicht vermuten darf, daß die 
zu bestimmende Art eine sehr seltene sei, so darf man andererseits, — wenn sich wesentliche Widersprüche zwischen 
den vorhandenen Merkmalen und den Literaturangaben herausstellen — , der fraglichen Form doch nicht einen Namen 
aufzwingen, sondern gebe denselben nur dann, wenn man von dessen t^ichtigkeit vollständig überzeugt ist. 

Ergibt sich die Notwendigkeit, das Flügel g e ä d e r zu u n t e r s u c h e n und kann man kein Exemplar 
(das auch stark geflogen sein kann) der Lfntersuchung opfern, so befeuchtet man den Flügel mittelst eines weichen 
Pinsels mit X y 1 o 1, welches rasch wieder verdunstet, aber doch eine vorübergehende .Vufhellung des Flügels hervor- 
ruft, während welcher das Geäder deutlich sichtbar wird. Zur .\nfertigung eines Dauerpräparates wird der an der 
Wurzel abgebrochene Flügel durch vorsichtiges Reiben zwischen zwei schwach (mit Speichel) befeuchteten Glas- 
platten entsclnippt und ein allfalliger Rest der Schuppen mittelst eines Pin.sels entfernt. Er wird hierauf auf einen 
Objektträger (kleine Glasplatte) gebracht und mit Wasser benetzt, worauf gewöhnlich der Adernverlauf deutlich 
erkennbar ist. Will man das Flügelpräparat dauernd aufbewahren, bette man den Flügel auf den Objektträger in 
Kanada-B alsam und verschließe ihn von oben mit einem Deckgläschen, dessen Ränder mit einem \crsihhißmittel festge- 
klebt werden. Oft ist die Auflage des Deckgläschens schon während der Untersuchung sehr vorteilhaft, um allfällige Luft- 



') Dieselben werden in sehr zweckentsprechender Weise von den Handelsfirmen auch als Do|)pelkasten, beider- 
.seits zum Stecken, oder in Buchform hergestellt. 

'') In dieser Weise sind auch die zahlreichen Abbildungen in dem H o f m a n n - S p u 1 e r s c h e n Schmetter- 
lingswerk neben dem vorliegenden Buche sehr gut zu verwerteii. ••<\-- <..u.n in letzterem stets auch die .\rtdiagnosen 
nachijelesen werden. 



A 104 Aiilrgiing tinil Kihaltiing einer Sammlung. 



blasen durch sanften Druck auf das Deckgläschen entfernen zu können. Das Dauerpräparat ist mit einer aufge- 
klebten Xamenseti kette zu versehen. 

Bei Untersuchungen desGenitalap parates verfährt man am besten in der Weise, daß man 
den Hinterleib im letzten Dritteil mit einer scharfen Schere durchschneidet und den abgeschnittenen Teil nach vorher- 
gegangenem Tränken in Alkohol onlweder durch 24 Stunden in sc'iwache Kalilauge legt oder darin durch etwa 10 Minuten 
kocht. In beiden Fällen können hierauf die VVeichteile leicht entfernt werden, so daß die erhalten gebliebenen Chitin- 
teile in ihrer Form deutlich hervortreten. Man legt das Präparat auf einen Objektträger und nimmt weitere Zer- 
legungen desselben mittelst Präpariernadeln vor. Oft empfiehlt es sich, beim männlichen Genitalapparat eine Valve 
ganz zu entfernen (vgl. vorne p. A. 24). Jedenfalls ist es angezeigt, mehrere Präparate von derselben Art zu machen. 

Trotz guter literarischer Hilfsmittel ist doch zuweilen eine sichere Bestimmung nur durch Vergleich mit richtig 
determinierten Stücken zu erlangen, zu welchem Zweck das wissenschaftliche Urteil eines Fachmannes oder wenigstens 
die Einsicht in eine große, wissenschaftlich gehaltene Sammlung notwendig werden kann. Ist einem persönlich eine 
solche nicht zugänglich, wende man sich an einen anerkannten Fachmann mit der Bitte um Determinierung, suche aber 
in allen Fällen sich vorerst selbst Rechenschaft über fragliche Stücke zu geben und bemerke, zu welchen Resultaten 
und Zweifeln man dabei gelangt ist. Die Ausführung gewissenhafter wissenschaftlicher Bestimmung ist eine ebenso 
zeitraubende als oft undankbare Arbeit, deren Wert von vielen Sammlern, die darin etwas Selbstverständliches 
erblicken möchten, häufig ganz verkannt wird. Man erleichtere daher dem Determinator zum mindesten die Arbeit 
nach Möglichkeit, indem man das mit genauen Angaben zu versehende Material annähernd schon systematisch ordnet, 
jedes Stück mit einer schon von oben sofort sichtbaren Nummer versieht und ein vorbereitetes ^'erzeichnis beilegt, 
welches die fortlaufenden Nummern der Determinanden, die eignen Bemerkungen und Raum für die vom Fachmann 
beizusetzende Beslinunimg enthält. Die Determinanden sollen nicht eng stecken, sondern ein ungehindertes Heraus- 
nehmen jedes einzelnen Stückes zum Vergleiche gestatten. Es empfiehlt sich auch, von schwierig zu bestimmenden 
.\rten, von welchen man mehrere Exemplare besitzt, einige gleiche Stücke in die Bestimmungssendung aufzunehmen, 
wodurch oft die Determination wesentlich erleichtert wird. Auch räume man dem Determinator jedenfalls das Recht 
ein, <lublette Stücke für sich als Entschädigung seiner Mühewaltung beanspruchen zu können. Inwieferne es ange- 
zeigt erscheint, Seltenhoite i, Unika oder Typen großen wissenschaftlichen Sammlungen, namentlich an Museen, 
zu widmen, muß dem Ermessen und der Einsicht des Besitzers überlassen bleiben. Tatsache ist, daß schon sehr 
vieles Wertvolle der Wissenschaft dadurch verloren ging, daß es in kleineren Privalsammlungen mit der Zeit verdarb 
oder nach dem Tode des Besitzers verstreut in unverständige Hände gelangte, um dort dann seinen Untergang zu 
linden. Jeder- für die Sache wirklich begeisterte Sammler sorge daher rechtzciti'L' für das Schicksal jeti'-r Stücke, 
die er der Wissenschaft (huiernd erhalten will. 

XVII. Anlegung und Erhaltung einer Sammlung. 

Selbst ein noch so umfangreiches Material bildet an und für sich noch keine Samndung. Hiezu muß noch eine, 
einem bestimmten Zweck entsprechende Auswahl der Objekte und eine Übersichtlichkeit in der Anordnung kommen, 
die es auch dem Nichtbesitzer ermöglicht, sich rasch zu orientieren und aus dem vereinten Material 
Fg. A 97. mühelos Itelehrung zu gewinnen. 

Es liegt in der Natur <ler Sache, daß Anfänger in der Regel noch keinen weiteren Zweck 
bei .\nlegung der Sammhmg, die uneingestandenermaßcn zumeist eine allgemein systematische 
sein soll, vor Augen liabeTi. Schon der Reiz der anordnenden Tätigkeit, das damit verbundene 
Streben, Fehlendes zu ergänzen, und nicht zuletzt auch die ästhetische Befriedigung, die eine gut 
gehaltene Sammlung gewährt, sind ausreichende Erklärungsgründe für das Entstehen so vieler 
Lepidopterensammlungen. \'erbindet aber auch der Besitzer mit der Sammlung in Zukunft keinen 
eigentlich wissenschaftlichen Zweck, so möge er sich doch schon bei Anlage derselben von Gesichts- 
punkten leiten lassen, die sich erfahrungsgemäß bewährt haben unil daher auch in streng wissen- 
sihaftlichen Sammlungen vorherrschen. 

Die -systemati.sche Anordnung des Materiales erfolgt in der Sammlung am besten in parallelen 
Vertikalrcihen, die links oben beginnen und rechts unten endigen. In jeder Reihe wird wieder von 
oben begonnen.') In der Regel werden die Reihen durch farbige (grüne cder braune) Trennungs- 
linien voneinander gesihieden, was die (tber.iichtlichkcit sehr erhöht. Die Trennungslinien be- 
stehen entweder aus schmalen Papiersteifen, die am Boden des Kastens mit kurzen Stiften 
befestigt werden, oder sie werden in iler entsprecliciuiiMi I'aT'lif rnitiflst einei' Reisfeder auf 
Steckzanpc. dem hellen Kastenboden gezogen. 

Zur gleichartigen und sicheren Anordnung des Materiales ist eine Steckzange unent- 
behrlich. Dieselbe besteht am besten aus vernickeltem Stahl mit langen, aufgebogenen, auf ihrer Innenseite 
gerieften Enden. Man faßt den einzusteckenden Schmetterling mit der Zange untergreifend, im letzten Drittel 

') Die öfters angeratene Umkehr der Reihen, so dass man in der zweiten Reihe mit der Anordnung von 
unten beginnt, um Nalieverwandtes näher zusammenzulwingen, wirkt luu' störend und erschwert die Stellung 
der Namensetiketlen. 




Anlogung und Erhallung einer Samnilun','. A 105 



der Nadel und kann dann nicht bloß leicht die Höhe regulieren, in der die Flügel liegen sollen, sondern vermeidet 
dadurch auch das sehr gefährliche Umbiegon feinerer Nadeln, das sich bei bloßem Gebrauch der Finger leicht ereignet. 

Zur Ersichtlichmachung der systematischen Namen der Familien, Gattungen, Arten, I/jkalformen und Aberra- 
tionen dienen in der Sammlung die N a m e n s c t i k e 1 1 e n, die bezüglich der paläarktischen Großschmetterlinge 
schon auf Kartonpapier vorgedruckt bei verschiedenen Firmen ') bezogen werden können. Nicht vorgesehene Namen 
werden auf gleich gestaltete Etiketten mit deuthcher Schrift unter Beisetzung des Autornamens geschrieben. Es 
empfiehlt sich sehr, die Etiketten auf Nadeln in gleicher Höhe mit dem Schmetterling anzubringen, was nicht bloß 
die Gefälligkeit der Anordnung erhöht und das Lesen des Namens sehr erleichtert, sondern auch die Reinlichkeit 
in der Sammlung sichert, da, bei Fixierung der Etiketten mit kleinen Spannstiften am Boden des Kastens, sich unter 
ihnen Staub und dann auch leicht Slaubläuse ansammeln können. Zu erslgedachtem Zwecke klebt man auf die 
Unterseite der Etikette ein kleines Korkstückchen und steckt in dasselbe eine am Kopfende aligezwickte stärkere 
Insektennadel, die man, um ein Herabfallen der Etikette zu verhindern, auch noch in den Kork einkleben kann. 
Diese Sammlungsetiketten sollen außer dem systematischen Namen und dem (abgekürzten) .Vutornamen nichts weiter 
enthalten. Üblicherweise steckt man tue Namensetiketten für Familien und Gattungen oberhalb der dazu 
gehörigen Arten, die Etiketten aber für Arten, Unterarten nrid Aberrationen unterhalb der dazu gehörigen Stücke. 

Man beginnt also die Anordnung mit den Familien-') und Gattungsetiketten, läßt hierauf die Stücke der ersten 
Art in der Stammform folgen, dann die Etikette des Artnamens, hierauf die Stücke allfälliger \^arietäten und Aberra- 
tionen und nach jeder derselben die dazu gehörigen Namensetiketten, schließlicli allfällige Präparate der ersten Stände 
(Eier, Raupen, Puppen, Kokons), von denen jedes noch mit einem kleinen (geschriebenen) .\rtzettel zu versehen 
ist, um Verwechslungen vorzubeugen. Es empfiehlt sich viel mehr, die ersten Stände mit den Faltern in der Sammlung ■ 
zu vereinen, als beide getrennt zur Aufstellung zu bringen. Eine noch weitere Ausbildung letzterer Sammlungsrichtung 
sind die sogen, „b i o 1 o g i s c h e n" S a m m 1 u n g e n, d. h. Tableaus, in welchen alle Stände einer Art in möglichst 
natürlicher Anordnung, die Falter auch in sitzender Stellung, die Raupen in verschiedenen Häutungsstadien mit 
ihrer getrockneten Futterpflanze, Fraßstücken, Parasiten usw. vereint werden. So instruktiv solche Tableaus auch 
sind, wirken sie doch weniger übersichtlich und nehmen sehr viel Raum in .Vnspruch, so daß sie sich mehr für Museen 
und Schulen als für systematische Sammlungen eignen. 

Die Anzahl der in die Sammlung aufzunehmenden Stücke, welche derselben Ai-t oder Form angehören, hängt 
ganz von dem Zwecke =) ab, welchen man bei der Sammhuig verfolgt. Früher hat man von vorneherein in systema- 
tischen Sammlungen die Exemplare auf eine bestimmte Zahl (meist ■'«, 6 oder 8) beschränkt und einen Stolz darin 
erblickt, diese einmal festgesetzte Normalzahl an Stücken auch bei seltenen Arten zu besitzen. Heute, wo das Studium 
der Variabilität und geographischen Verbreitung der Formen ein viel intensiveres geworden ist, muß jedem 
wissenschaftlichen Sammler dringendst angeraten werden, überall Serien 
von Stücken g 1 e i c h e r A r t o d e r F o r m in die S a m m 1 u n g a u f z u n e h m e n. Nur aus solchen 
ergibt sich erst ein anschauliches Bild der Variabilität, nur Serien können das notwendige Belegmaterial für 
zoogeographische Studien bieten. 

In Sammlungen, welche bloß der raschen Auffindung der Arten dienen sollen, kann man natürlich deren Ver- 
tretung selbst auf e i n Pärchen (^ und §) beschränken. 

Man steckt die männlichen Individuen stets voraus und läßt die weiblichen folgen, sofern man nicht vorzieht, 
2 oder noch mehr Vertikalreihen einer und derselben Art in der Sammlung zu widmen, in denen man dann links die cJ, 
rechts die $ nacheinander anordnet. 

So empfehlenswert es auch ist, bei Neuaufstellung einer Sammlung gleich Raum für die Emreihung künftiger 
Erwerbungen zu belassen, ergibt sich doch für jeden Sammler in der Regel später einmal die Notwendigkeit, seine 
Sammlung zu erweitern und neu anzuordnen, da sich von vorneherein meist auch gar nicht absehen läßt, in welcher 
Richtung die Sammlung ihre Ausgestaltung erfahren wird. Keinenfalls stecke man aber zu dicht, bis zur Berührung 
oder gar Deckung der Exemplare, sondern belasse namentlich auch bei gewöhnlichen Arten Raum, so daß man immer 
die Möghchkeit hat, einzelne Exemplare leicht zur Einreihung zu bringen. 

Über den Zeitpunkt, in welchem der Anfänger zur Anlegung einer ordnungsgemäß aufgestellten Sammlung 
schreiten soll, läßt sich keine allgemein gültige Regel aufstellen. Selbstverständlich kann ein geringfügiges, ganz 
lückenhaftes Material noch keine Sammlung bilden, andererseits erhöht die systematische Anordnung auch in einem 
sehr frühen Stadium der Sammeltätigkeit außerordentlich die Übersicht und die Freude zu weiteren Aufsammlungen 
Eine provisorische Anordnung der Sammelresultate wenigstens am Schluß der Sammelsaison kann daher auch dem 
Anfänger nur bestens angeraten werden. Auch besteht sonst die Gefahr, daß manches sehr wünschenswerte Stück 
als dublett angesehen wird und für die künftige Sammlung leicht in Verlust gerät. 

Was das Aussehen, das Format und die .Ausstattung der S a m m 1 u n g s k ä s t e n (L a d e n) betrifft, so 
bestimmt sich dies vielfach nach den Mitteln, welche der Besitzer zur Unterbringung seiner .Sammlung aufwenden 
kann und wiU. Zur ersten provi.sorischen .\nordnung des Materiales können die früher (p. A 103) erwähnten Dubletten- 



M Sofern eine räumliche Trennung der Familien in den Kästen (Laden) besteht kann man sich auch die 
Aufnahme der platzraubenden Familienetiketten in der Sammlung ersparen und bringt dann den Familiennamen 
vorne an der Außenseite des Kastens an. 

■-) Vgl. später. 

Berge-Ucbel, Schmetterlingsbiii^li. A 1 i 



A106 



Anlegung und Brhallung einer Sammlung. 



kästen dienen. Kommt es dann zur Aufstellung einer wirklichen Sammlung, sind aber unbedingt Holzkästen (Laden) 
vorzuziehen, deren Wände ineinander gefalzt (nicht bloß genagelt) und deren Verschluß möglichst dicht, mit Rinne 
(Nut) und Falz (Feder), gearbeitet sein soll, wodurch nicht bloß ein Eindringen des Staubes, sondern vor allem auch 
ein solches von Raubinsekten verhindert wird. Das öffnen solcher gut schließender Kästen ist sehr langsam (even- 
tuell durch Einführung einer Messerklinge in den Spalt) vorzunehmen, da sonst durch den Luftdruck leicht Flügel 
abbrechen. Den Deckel des Kastens soll ein abhebbarer Rahmen mit einer weißen Spiegelglastafel bilden, welche eine 
Besichtigung des Maleriales auch ohne Öffnung des Kastens ermöglicht. Schubdeckeln oder Deckeln an Scharnieren 
sind viel weniger anzuempfehlen als solche zum Abheben, da nur letztere die allseitige Anbringung von Nut und Feder 
und ein bequemes Arbeiten im Kasten ermöglichen. Es empfiehlt sich, jede Lade und den dazu gehörigen Rahmen 
mit der gleichen Nummer zu versehen, um \'erwechslungen vorzubeugen. Der Boden des Kastens wird am 
besten mit Insektentorf oder Flußdeckcl ausgelegt. Ersterer sticht sich allerdings noch weicher, staubt aber und 
nimmt auch Feuchtigkeit auf. Jedenfalls muß die Flußdeckel- oder Torfeinlage am Boden des Kastens so dick 
sein, daß durch seichteres oder tieferes Einstecken der präparierten Falter ein .\usgleich in der verschiedenen Höhe 
ihrer Flügelcbenen erreicht werden kann. Der Boden, wie die Innenwände des Kastens werden in der Regel mit 
weißem Papier überzogen. Zuweilen wird hiezu auch Papier mit keinem weißen, sondern einem anderen hellen 
Farbenton (gelbgrau oder grünUch) verwendet. Am wenigsten staubempfänglich bleibt aber weißes Glanz-(Glace-)Papier. 
Für Tagfalter sind auch solche Kästen sehr empfehlenswert, deren Boden ebenfalls aus Glas besteht. Das 
Einslecken des Materiales erfolgt in solchen auf verschiebbaren Querleisten, die aus weichem Holz bestehen und 
eine mit Torf oder Kork ausgefüllte Rinne besitzen. Diese Querleisten werden dann an Korkleisten, welche an 
jeder der beiden Längsseilen des Kastens angebracht sind, mittelst stärkerer Stiften befestigt. Eine derartige 
Einrichtung gcstallot die für die Arlunlerschoidung der Tagfalter oft so wichtige Unterseite ebenfalls serienweise 
vergleichen zu können. Hat man keine solclie Kasten mit Doppelgläsern, sucht man sich meist in der Weise zu 
behelfen, daß man ein oder mehrere Exemplare der auf der O'seite schwer zu unterscheidenden Tagfalterarten 
verkehrt (mit der Unterseite nach oben) präpariert, wodurch wenigstens eine rasche Orientierung ermöglicht wird. 
Bezüglich der Größe der Kasten muß der Rat erteilt werden, kein zu großes Format zu wählen, da sonst ein 
Arbeiten im Kasten sehr erschwert wird. Für paläarktische Großschmetterlinge empfiehlt sich im allgemeinen ein 
Format von 35 (bis 40): 50 cm, fürMikrolepidopteren ist unbedingt ein kleineres Format, etwa 25 (bis 30) : 40 (45) cm. 
vorzuziehen. Die Höhe der Kästen darf in keinem Fall unter 5 cm betragen. 

Djis Endziel vieler Privatsammler bildet die Erwerbung eines eigenen S c h r a n k e s mit cinsrhicbbaren 
Kasten (Laden) für die Unterbringimg der Sammlung. Über das Formal der dazugehörigen Laden gilt das eben Ge- 
sagte. Für den Uberkaslen empfiehlt sich ein doppelreihiger, mit versperrbaren Doppoltüren versehener Schrank, 
der einen Fassungsraum für zusammen 40 Laden bietet. (Fg. A98.) Seine äußere Ausstattung hängt von dem 
Belieben des Besitzers ab.') Selbstverständlich genügen für kleinere Sammlungen auch einreihige einfachere 

Schränke mit 10 bis 15 Laden, die auch als sogenannte Aufsatzschränke 
' - ^ '"' hergestellt W'erden. Für größere SammlungeTi ist auch eine entsprechende 

Anzahl von Doppelschränken erforderlich. 

.\uf der Außenseite der Kasten oder Laden ist nicht bloß eine fort- 
laufende Nummer, die der systematischen Reihenfolge des Inhaltes ent- 
spricht, sondern auch eine Aufschrift in Form einer kleinen Tafel (Auf- 
schriflsetikette) anzubringen, die den wichtigsten Inhalt (Familie, Gattung) 
der Lade angibt, wodurch eine ra.sche Orientierung ungemein er- 
leichtert wird. 

Die Sammlung ist in einem möglichst ruhigen, trockenen Raum auf- 
zubewahren und vor Staub und Licht zu schützen. Hat man sie noch 
provisorisch in Dublettenkästen untergebracht, dürfen letztere nicht frei 
stehen gelassen werden, da sonst Staub und sehr leicht auch Insekten- 
schadlinge eindringen. Sammlungskästen mit Glasdeckeln sind namentlich 
auch vor der Einwirkung des Lichtes gut zu l)ewahren, welches die meisten 
Falter rasch ausbleicht. 

Ein Sammlungsschrank wird am besteii m einem gleichmäßig tem- 
perierten Wohnraum, in welchem man ihn an eine Iiuienmauer stellt, auf- 
liewahrt. Läßt sich letzteres nicht erreichen, soll er nicht ganz an der Mauer 
anstehen, oder man schiebt zur Vorsicht noch ein Brett dazwischen. 
Auch auf dem Boden soll der Schrank nicht direkt aufstehen, sondern 
auf einem Sockel oder auf kurzen Füßen ruhen. Besitzt man mehrere Schränke, können dieselben sehr vor- 
teilhaft auch mit den Rückenflächen paarweise aneinander gekehrt aufgestellt werden. Lassen sich starke 
Temperalurdifferenzen, beispielsweise beim Transport einer Sammlung zur Winterszeit aus der Kälte in die 
Wärme, nicht vermeiden, so öffne man die Kästen (Laden) ja nicht sofort, sondern warte erst ein langsames Durch- 

') Außer den schon früher genannten Firmen liefert sehr genau gearbeitete Insektensammlungskästen und 
-schränke auch Kichiird Ihle ic Sohn, Dresden N., Markusslraße 8. 




Siim mliingssclirank für 4U J.iUien. 



Anlegiinf; uml Hrlialtiiiif^ v\n<-r S;iiniiilung. A 107 



warmen dieselben bei geschlossen l)loibenden Deckeln ab. Anderenfalls schlägt sich leicht Feuchtigkeit nieder und 
tritt Schiinmelbildung ein. Als Mittel gegen S c h i m m e 1 bildung sind Chlorcalcium,') Carbol- oder Lysolsäure 
anzuwenden, die man auf Ulirschälchen in die Sammlungsladen bringt. N'on Schimmel befallene E.xemplare werden 
vorerst einer trockenen Hitze ausgesetzt, dann mit großer Vorsicht mittelst eines Pin.sels von den Schimmelhyphen 
befreit und hierauf noch mit Benzin oder Essigäther befeuchtet. Trotzdem gewinnen sie in der Regel nie mehr ein 
vollständig reines Aussehen. Laden, in welchen Schimmelbildung aufgetreten ist, werden nach Ausräumung ihres 
Inhaltes ebenfalls einer raschen Hitze ausgesetzt und dann mit einem trockenen Tuch (Lappen) sorgfältig ausgewischt. 
Zur Vorsorge kann man dann noch durch einige Tage eines der obgedachten .Mittel gegen Schimmel in die Lade bringen. 

Hat sich Staub auf ICörper und Flügel niedergelassen, wird der Falter ebenfalls mittelst eines weichen 
Pinsels von Biberhaaren, mit dem mau auch die Flügel abkehren kann, davon befreit luid hierauf mit Benzin leicht 
befeuchtet. 

Eine unangenehme Erscheinung ist die Bildung des sog. Grünspanes ( Kupfersal'zes) an weißen Nadeln, 
der namentlich bei Arten mit endophager Lebensweise (Sesiiden usw.) auftritt. Man entfernt die grünen, faden- 
artigen Gebilde auf mechanische Wei.se mittelst einer Nadel oder einer feinen Messerklinge und befeuchtet hierauf 
die davon befallen gewesenen Teile der Nadel mit Benzin. Bei sehr wertvollen Stücken empfiehlt es sich oft einen 
Wechsel der Nadel vorzunehmen. Zu die.sem Zweck muß der Falter in der Kegel für einige Zeit unter die 
Weichglocke gebracht werden. Hierauf versucht man bei Festhalten des Falter.s an der Brust eine Lockerung der 
Nadel durch langsame Drehung derselben zu bewirken, worauf der Falter mit der Pinzette auf eine weiche 
Unterlage abzustreifen ist. Man wähle als neue Nadel dann nur eine schwarzlakierte, womöglich von einer etwas 
größeren Stärke, die man vorerst n\n- mit der Spitze in die vorhandene Öffnung des Thora.x einsticht, um den 
Falter daran emporheben und mit der Pinzette in die richtige Höhe an der Nadel schieben zu können. Anderenfalls 
geraten bei sofortigem vollständigem Durchstechen der Nadel durch den auf der Unterlage ruhenden Falter leicht 
Beine desselben in Verlust. Zuweilen läßt sich ein Abstreifen der alten Nadel auch ohne .Vufwoichen, eventuell 
durch Betropfen des Thorax mit Benzin unterstützt, erzielen. 

Ein anderer, häufig eintretender Übelstand ist das sogenannte Fett- o d e r 1 i g w e r d e n der Faltei', 
das stets vom Körper seinen Ausgang nimmt, oft aber auch die Flügel ergreift, die Färbung ganz verändert und ein 
Haftenbleiben des Staubes begünstigt. Solche Falter werden am besten sofort in ein vollständiges Bad von reinem 
Benzin gebracht. Man wählt zu diesem Zweck einen entsprechend tiefen und großen Glasbehälter, bringt an dessen 
Boden (durch Einzwängen) eine Korkleiste an und steckt den Falter darauf. Hierauf gießt man langsam Benzin ein, 
bis der Falter vollständig darin untergetaucht ist, deckt den Behälter mit einer Glasplatte und läßt ihn einige Stunden 
ruhig stehen. Beim Herausnehmen des Falters lasse man ihn vorerst abtropfen und setze ihn lüerauf frei der Luft 
aus, worauf (bei Anwendung von gutem reinem Benzin) ein baldiges Trocknen desselben erfolgt. Etwa verklebte 
Fransen lassen sich mit einem Pinsel in Ordnung bringen. Sollte sich nach einiger Zeit wieder ein Öligwerden bemerkbar 
machen, ist die Prozedur zu wiederholen. Die früher oft angeratene Behandlung mit Bolus (Pfeifenerde) oder das 
Abbrechen des Hinterleibes und Einlegen desselben in Schwefeläther, sind entschieden abzuratende Methoden, da 
sie entweder ein nicht wegzubringendes Verstauben des Falters oder einen Defekt desselben zurücklassen und auch 
niemals so gründlich wirken, wie ein ganzes Benzinbad. Man sorge bei letzterem nur für ein entsprechend tiefes Gefäß 
und eine reichliche Menge von Benzin, das nach jedem Bad am besten immer wieder frisch erneuert wird. 

Die ärgsten Gefahren für eine Sammlung bilden die sogen. R a u b i n s e k t e n, das sind Insektenschädlinge, 
die, zumeist im Larvenstadium, mit besonderer Vorliebe trockene Falter in den Sammlungen befallen, sich von 
ihnen ernähren und sie arg beschädigen oder ganz zerstören. Sie gehören verschiedenen Insektenordnungen (Cole- 
opteren, Corrodentien, und zum Teil den Lepidopteren selbst) an. 

Weitaus die gefährlichsten unter ihnen sind die Larven der Käfergattung .\ n l h r e n u s (Fani. Dermestidae, 
Speckkäfer). Dieselben sind oval-gedrungen, grau, büschelweise schwarz behaart und fressen zuerst tiefe Löcher in 
die Körper des Falters, von denen zuweilen aber nur die an der Wurzel angefressenen Flügel übrig bleibeii. Sie ver- 
wandeln sich innerhalb ihrer Larvenhaut zur Nymphe, die einen kleinen, rundlichsn, mit gewölbten Flügeldecken 
versehenen Käfer ergibt, der sich auch im Freien findet. Die häufigste Art ist A n t h r e n u s m u s e o r u m L., 
die bei ungestörter Vermehrung bald eine ganze Sammlung zu Grunde richtet. Viel seltener, und meist nur auf frei- 
stehenden Spannbrettern, treten die Larven anderer Dermestiden Schädigern! auf. .\uch B 1 a 1 1 i d e n (Schaben) 
und P s o c u s richten nanuMillich durch Abfressen der Fühler der noch am Spannbretl befindlichen Falter oft großen 
Schaden an. 

Weniger verderblich, aber doch die Qualität auch der Großschnietterlingc durch Beschädigung des Haar- 
kleides arg beeinträchtigend sind die Staubläusc (Troctes divinatorius Müll, und pulsatorius L.). Sie ver- 
mehren sich stark und halten sich besonders in den Kastencckeu auf, die daher von Staub möglichst rein zu halten 
sind. Die in den Kästen zuweilen auch vorkommenden kleinen Bücherskorpione (Chelifer cancroides L.) sind keine 
Beschadiger der Sammlung, sondern ernähren sich viehnehr von den StaubläusMi. 

An freistehende getrocknete Falter legen auch Motten, namentlich die gewöhnliche Kleidermotte (Tineola 
biselliella Hum.), gerne ihre Eier ab. Die Larven verfertigen dann aus dem Haarkleids des Falters ihre schlaiich- 



i) Vgl. Jae nicke, Hut. .Jahrb. Krauch. 1908 p. 93. 



A108 Anlegung und Erliallung einer Sammlung. 




artigen Gespinste, zei-slören den Körper desselben und bringen die Flügel zum Senken und Abbrechen. Im allgemeinen 
sind Lepidojtterenschädlinge seltenere Erscheinungen in den Sammlungen. 

Die Anwesenheit sämtlicher Schädlinge gibt sich in der Sammlung durch ein dunkles Pulver kund, das sich 
am Fuße der Nadel des befallenen Fallers ansammelt, und zumeist aus den Exkrementen des Schädlings besteht. 
Durch plötzliche Erschütterung der Kasten lassen sich die am Falter sitzenden Anthrenuslarven und die Staubläuse 
meist zum Herabfallen bringen und können dann am Boden des Kastens leicht mit der Pinzette ergriffen werden. 
Unter den zahlreichenM itteln gegen Raubinsekten hat man zu unterscheiden zwischen solchen, 
die zur Tötung bereits vorhandener Schädlinge dienen (also insekticid wirken), und solchen, die bloß eine Abwehr 
bezwecken bezw. Schädlinge vom Eindringen in die Sammlung abhalten (also nur prophylaktisch wirken). 

Hat man das \'orhandensein eines einzelnen Schädlinges erkannt, läßt sich derselbe gewöhnlich entdecken 
und auf mechanische Weise entfernen. Einzelne Falter lassen sich auch durch ein Benzinbad (wie es beim Entölen 
lieschrieben wurde) von Schädlingen mit Sicherheit befreien. Sind die Schädlinge in einem Kasten jedoch zahlreicher 
vorhanden, können dieselben entweder durch Anwendung von Schwefelkohlenstoff oder durch Aussetzen des Kastens 
in trockene Hitze getötet werden. Zur Anwendung von Schwefelkohlenstoff (einer sehr feuergefährlichen Flüssigkeit) 
dienen napfartige Gläschen an Stahlnadeln (Fig. A99), die man in eine Kaslenecke steckt, vorsichtig damit füllt und 
dann den Kasten rasch verschließt und einige Tage ungeöffnet stehen läßt. In Museen sind zu diesen Zwecken meist 
hermetisch schließende Behälter (sog. Vergiftungskisten) vorhanden, in w'elchen die geöffnete Lade auf einmal zur 
Desinfektion gebracht werden kann. Bei Anwendung von Hitze muß man sehr vorsichtig verfahren, damit die 
Falter nicht Schaden erleiden. Man darf den Kasten nur geöffnet einer höheren Temperatur 
Fg. A 9». aussetzen. In den meisten Fällen empfiehlt es sich, stark befallene Kästen vollständig zu räumen, 
und sowohl den Kasten (durch Hitze) als die Falter einzeln gründhch zu desinfizieren. 

Zur Abhaltung von Schädlingen von reinen Sammlungen wird gewöhnlich Naphtalin, 
Kampfer, Kreosot, Moff, seltener das scharfe Senföl angewendet. Alle diese Mittel verbreiten durch 
ihre Verdunstung spezifische Gerüche und verhindern dadurch Insektenschädlinge am Eindringen in 
den Kasten. Sie werden am besten in den vorerwähnten Glasnäpfchen in den Kastenecken zur An- 
wendimg gebracht. Das bloße Hineinstreuen von Naphtalin in den Sammlungskaslen ist nicht an- 
zuraten, da durch Umherkollern desselben eine Be.sehädigung des Materiales erfolgen kann und 
bei Verdunstung desselben meist ein Staub am Boden des Kastens zurückbleibt. 

Noch wirksamer als alle die erwähnton Abhallungsmittel ist jedoch ein fleißiges Nachsehen 

Glasbehälter in der Sammlung. Kästen, welche unter andauernder unablässiger Kontrolle stehen, werden nicht 

un stahinade! für leicht einen Schädling beherbergen. Man hüte sich aber sehr vor Einschleppung derselben, die zu- 

mittei. meist durch Eini'eihung frischen Materiales von offen stehen gelassenen Spannbrettern oder 

fremden Materiales erfolgt. Es ist daher sehr ratsam, alles Material, welches in die Sammlung 

zur Einreihung gelangen soll, vorerst separiert unter andauernder strenger Kontrolle zu halten oder dasselbe 

von vorneherein zu desinfizieren. Hat man gut schließende Kasten, und läßt dieselben niemals offen stehen, darf 

man nach diesen Vorsichtsmaßregeln bestimmt hoffen, die Sammlung rein zu erhalten. 

Beschädigte Falter, namentlich solche, denen durch ein Versehen Fühler, Beine, der Hinlerleib 
oder ein Flügel abgebrochen wurden, können wieder repariert werden, indem man die abgebrochenen Teile mit 
Vorsicht mit der Pinzelle anfaßt und mittelst eines Klebestoffes in der richtigen Luge anklebt. Häufig empfiehlt es 
sich, den beschädigten Falter zu diesem Zweck vorübergehend auf das Spannl)retl zu bringen, namentlich weiui 
es sich um das Ankleben abgebrochener Flügel oder des Hinterleibes handelt. Man wähle dann nur hichl ein Spann- 
brelt mit zu enger Rinne, da sonst leicht ein Festkleben der Flügelbasis am Brette erfolgt. Der Hinlerleib ist mit 
einem unterlegten Wattepfropfen zu stützen und der Falter bis zum vollständigen Trocknen des Klebestoffes am Spann- 
lirette zu belassen. Am schwierigsten ist es, abgebrochene Fühler in ihrer natürlichen Stellung am Kopfe oder im 
richtigen Zusammenhang der Glieder zu reparieren. Man bringt mittelst einer Nadel einen ganz kleinen Tropfen 
der Klebeflüssigkcit an die Bruchstelle des meist noch vorhandenen Fühlerslumpfes und setzt sofort den bereits vorher 
mit einem weichen Pinsel oder mit einer schwach befeuchteten Nadel in Bereitschaft gebrachten abgebrochenen 
Fühlerteil (mit Zuhilfenahme einer Lupe) in der richtigen Lage daran. Ganz in \'erlust geratene Fühler lassen sich 
auch durch solche eines anderen Individuums, welches aber d e r s e 1 b e n .V r l und d e m s e 1 b o n Geschlecht 
angehören muß, ersetzen. 

Als Klebemittel eignet sich am besten das bereits erwähnte Syndetikon (Fischleim), das in den meisten 
Papierhandlungen zu haben ist. Man verdünnt dasselbe mit Essigsäure und bewahrt es am besten in einer gläsernen 
Kappcnflasche, in der ein kleiner Glasslab zum Herausnehmen der Flüssigkeil vorhanden ist, auf. (Fg. 100.) 

.\ucli Defekte an Flügeln können repai-ierl werden. Ist der Flügel nur eingerissen, kann man den Riß durch 
vorsichtiges Befeuchten seiner Ränder mit einer dünnen Lösung von Syndetikon oder Inseklenleim (gelöster Tragant 
mit einigen Tropfen Terpentinöl) in der Regel verschließen. Schwieriger ist der Ersatz fehlender Stücke im Flügel. 
In der Regel läßt sich ein solcher nur dann durchführen, wenn man ein zweites Stück der gleichen Art opfert. Man 
schneidet von letzterem mittelst einer scharfen Schere ein entsprechend bedeutend größeres Flügelstück heraus, 
ergreift es mit der Pinzette und überzeugt sich vorerst von dem Zusammenstimmen durch LInlerhallen desselben unter 
den defekten Flügel. Hierauf befeuchtet man letzteren um die Defektränder mit der Klebeflüssigkeit und legt 



Lokal- und Spezialsammlungen. A 109 




von unten das Ersatzstüek mit, genauer Berücksichtigung des Adern verlautes und der Zeichnung an. Zuweilen hattet 
die Klebeflü.ssigkeit aber nicht gleichmäßig auf den Detekträndern, man wird daher jedentalls gut tun, dieselben 
vorher mit Alkohol oder Salmiakgeist zu befeuchten, bevor man den Klebestott auftragt. Der aufgelegte Flügelteil 
wird durch einen sanften Druck, wobei man den Falter umgekehrt in der linken Hand halt, zum 
gleichmäßigen Ankleben gebracht. In allen Fällen einer vorgenommenen Reparatur werden gewissen- Fg- A loo. 
hafte Sammler, namentlich weim es sich um Ersatz eines Teiles von einem fremden Individuum 
handelt, dies vorsichtshalber an der Nadeletikette bemerken, nicht bloß um bei einer eventuellen 
\eräußerung des Falters im Tausch oder Kauf keine Unannehmlichkeit seitens des Erwerbers 
zu erfahren, sondern namentlich auch um bei einer wissenschaflliihen \ erwertung des Exemplares 
jede Irrung vollständig auszuschließen. 

XVIII. Lokal- und Spezial-Sammlungen. 

Im llnililieke auf tue außerordentlich gi-oße Artenzahl bei Lepidopteren haben sich die meisten Kappen- 
Sammler schon seit jeher veranlaßt gesehen, ihre Sammlung nicht für das ganze Gebiet der Lepi- "aschc mit 
dopterologie anzulegen. In der Regel wurden nur ,, europäische" Großschmetterlinge und viel Klebemittel, 
seltener neben diesen, oder ausschließlich, Kleinschmctterlingo oder „Exoten" gesammelt. In der 
Folge, als sich die Tatsache ergab, daß die europäischen Schmetterlinge nur einen Bruchteil der großen paläarktist-hen 
Fauna bilden, und auch das interessante zentral- und ostasiatische Material vielfach in den Handel gebracht wurde, 
begann man große Privatsammlungen zumeist von \'ertretern der ganzen paläarktischen Region anzulegen, 
kleinere jedoch auf Mitteleuropa zu besclu-änken. 

In neuer Zeit hat jedoch die außerordentliche Vertiefung des Formenstudiums und die damit zusammen- 
hängende Notwendigkeit eines reichen Serienmateriales bei den meisten vorgeschrittenen Sammlern, welche sich bereits 
eine allgemeine Übersicht verschafft haben und den aufrichtigen Wunsch hegen, ihre entomologische Tätigkeit in 
wirklichen Zusammenhang mit der fortschreitenden Wissenschaft zu bringen, die Erkenntnis gezeitigt; daß eine 
viel weitergehende Beschränkung ihres Sammelzieles eintreten müsse, wenn ihre Sammlung einen zeitgemäßen Wert 
für die wissenschaftliche Forschung besitzen soll. 

Die nächstliegende und für eine persönliche Sammeltätigkeit in di>r Natur zweifellos auch angemessenste 
Beschränkung ist eine enge Begrenzung des der Sammlung zu Grunde gelegten Territoriums, also eine Lokal- 
sammlung, deren Gebiet in der Regel den weiteren geographischen Begriff (Bezirk, Land) für den Wohnort 
des Sammlers bilden wird. Bei Abgrenzung dieses Gebietes möge man jedoch nicht allzu engherzig (niu- nach den 
politischen Grenzen) verfahren, sondern man berücksichtige nach Tunlichkeit etwa vorhandene natürliche Grenzen, 
also beispielsweise höhere Gebirgszüge, einschneidende Änderungen der Bodenbeschaffenheit und des Vegetations- 
charakters usw. Häufig werden auch gerade die Grenzgebiete faunistisch sehr interessante Arten beherbergen. 

Das, was jedem Sammler als Endziel seiner Tätigkeit vorschwebt, die „Vollständigkeit" der Sammlung, wird 
bei Lokalsammlungen bis zu einem gewis.sen Grade am ehesten erreicht w-erden können. Aber auch bei solchen wird 
selbst nach jahrelanger intensiver Sammeltätigkeit die Einwanderung neuer Arten, das Auftreten seltener Aberrationen 
selbst bei längst nachgewiesenen Arten, die genaue Erforchung der Lebensweise, lokale Anpassungserscheinungen usw. 
eine andauernde Anregung und den Stoff für wissenschaftliche Beobachtungen und Mitteilungen bilden, die schließlich 
zur Herausgabe einer Lokalfauna führen können. Eine solche soll niemals ein nacktes Artenverzeichnis sein, sondern 
womöglich eine charakteristische Darstellung der faunistischen Erscheinungen des Gebietes nach jeder Hinsicht bieten. 

Am weitesten ausgebildet ist diese Art lokalisierter Sammeltätigkeit in England, wo aber auch die allgemeine 
faunistische Erforschung des Landes soweit vorgeschritten ist, daß nicht bloß jede für das Land neue Mikrolepidopteren- 
art sofort bekannt gemacht werden kann und ein Ereignis darstellt, sondern auch schon neue Fundplätze für längst 
nachgewiesene Arten den Gegenstand eingehender publizistischer Mitteilung bilden. Für viele englische Lokalitäten 
erscheinen sogar alljährlich ausführliche faunistische Berichte. 

Wie schon angedeutet bildet die Lokalfaunistik oftmals die Vorstute für eine publizistische Tätigkeit ihres 
Besitzers und ist daher auch von diesem Standpunkte aus nicht zu unterschätzen. Aber auch ohne eine solche ge- 
nießen erfahrene Lokalsammler in Fachkreisen ein berechtigtes Ansehen, da sie im Zusamnienhang mit ihrer Sanun- 
lung gleichsam lebende Quellen der Faunenkenntnis bilden. 

Eine andere Art der Beschränkung der Sammeltätigkeit liegt darin, daß nur eine bestimmte systematische 
Gruppe gesammelt oder mit anderen Worten eine systematische S p e z i a 1 s a m m 1 u n g gebildet wird. Diese 
wird in der Regel nur eine Familie oder Gattung umfassen, dann aber gewöhnlich ohne Beschränkung auf ein be- 
stimmtes Faunengebiet angelegt sein. Eine solche Sammlung kann, wenn ihr Besitzer die einschlägige Literatur be- 
herrscht, eine große Bedeutung für die Formenkenntiiis der betreffenden Gruppe gewinnen und unter Umständen 
das Material für eine Revision oder monographische Bearbeitung derselben bilden. Welche systematische Gruppe 
einer solchen Spezialsammlung zu Grunde gelegt werden soll, hängt nicht bloß vom Beheben des Besitzers, sondern 
oft auch von äußeren Umständen ab, die gerade das Entstehen einer solchen begünstigen. 

Keinenfalls ist es dem Anfänger anzuraten, von vorneherein nur auf die Anlage einer systematischen Spezial- 
sammlung bedacht zu sein. Er verschaffe sich vorerst eine allgemeine Kenntnis der Formen, und erst wenn er so wei' 



A llO Notizen, literarischo HilfsniiUel und Xereinsmitglieilschaft. 

vorgeschritten ist, daß er den allgemeinen Sammeltrieb überwunden hat, mag er neben seiner zur allgemeinen Orientie- 
rung dienenden Sammlung zur Ausgestaltung einer Spezialsammlung schreiten. 

Anders steht es mit der Anlage einer Lokalsammlung. Hier wird der Anfilnger sogar gut tun, vorerst nur 
seine IjOkalfauna gründlichst kennen zu lernen und die Erwerbung fremden .Materiales einer spub'ren Zeil zu über- 
lassen, in welcher er eine richtigere Wertschätzung desselben erlangt hat. 



XIX. Notizen, literarische Hilfsmittel und Vereinsmitgliedschaft. 

Jeder ern.stc Sainmlrr iiiui lii'.-.oridci'.s '/.whlfi vun l.rpidüp leren wjrd das liiHliirliiis eiiipliinli'ii. sich Notizen 
zu machen, die zur Kennzeichnung des Materiales und eventuellen VViederauffindung desselben dienen sollen. Für 
die Raupenzucht wird in der Regel die Führung eines sogen. Tagebuches (mit dem aber nicht die naive N'or- 
stellung einer täglichen Eintragung verbunden sein soll) empfohlen, d. h. .\ufschreibungen in Rubrikenform, in 
welchen kurze, deskriptive Angaben über das Aussehen unbekannter Raupen, Tag und Ort ihres Fundes, Futter- 
Ijflanze, Häutungsstadien usw. Aufnahme finden. Diese Notizen dienen nur der persönlichen Information und haben 
in der Regel nach Entwicklung des Falters keinen weiteren Wert. Man sehe aber auch bei diesen möglichst von einer 
sich auf das Material beziehenden (bei vielen Anfängern sehr beliebten) Numerierung ab, die später in der Regel 
niu' zu \'erwechslungen Anlaß gibt und bei Verlust der Notizen vollständig wertlos wird. Man füge lieber sofort dem 
Material, besonders den gezogenen Faltern, kurze, prägnante Angaben bei (vgl. das vorne p. .V 102 bei den Nadel- 
etiketten Gesagte), die keine Verwechslung zulassen und jedermann verständlich sind. 

Recht verschieden von diesen Anmerkungen werden die Notizen ausfallen müssen, die man über die bisher 
unbekannten Lebensstadien einer Art zu machen in die Lage kommt, was sich für den Anfänger allerdings nicht so 
leicht ereignen wird. In einem solchen Falle soll die nach dem lebenden Material aufzunehmende Beschreibung 
nicht bloß möglichst eingehend sein, sondern womöglich auch Unterschiede von den entsprechenden Lebensstadien 
der nächst verwandten Arten angeben. Man bediene sich in einem solchen Falle der in den ersten Abschnitten dieses 
Buches gebrauchten Bezeichnungen und ziehe die weitere Fachliteratur nach Tunlichkeit in Betracht. 

Sehr anzuempfehlen ist den Sammlern jedenfalls die Führung eines E x k u r s i o n s b u c h e s, in welches 
jede Sammelexkursion mit ihren wichtigsten Resultaten sofort nach der Heimkehr Eintragung findet. Ort und Zeit 
des .'Vuslluges, herrschende Witterung, Häufigkeit und Qualität der Faller, Futterpflanze von gefundenen Raupen, 
besondere Beobachtungen, Entfernungen, Verkehrsmittel, persönliche Bemerkungen usw. werden mit Schlagworlen 
angeführt und sind nicht bloß bei einer Wiederholung der Partie von großem Nutzen, sondern bilden nach Jaliren 
noch eine angenehme Erinnerung. Für jeden wissenschaftlich arbeitenden Faunisten sind derartige Notizen geradezu 
ein Bedürfnis, da er nach Absolvierung zahlreicher Exkursionen nicht mehr in der Lage sein kann, sich an einzelne 
Tatsachen mit wünschenswerter Sicherheit zu erinnern. 

Vorgeschrittenere Sammler, die sich mit der Literatur näher vertraut machen wollen, oder auch mu' die Ab- 
sicht haben, ihre Sammlung nicht auf mitteleuropäische Formen allein zu beschränken, werden gut tun sich mög- 
lichst bald den Katalog derLepidopteren des paläarktischen Faunengebietes von 
Dr. O. St au dinge r und Dr. H. Rebel (Berlin 1<J01) anzuschaffen,') aus dem auch die geographische Nerbreitung 
der heimischen Arten außerhalb Mitteleuropas zu entnehmen ist. Schon durch die stete Bezugnahme im Besonderen 
Teil dieses Buches auf das gedachte Katalogswerk ist dasselbe als ergänzendes llilfsbuch in erster Linie ins Auge 
gefaßt worden (vgl. die Einleitung zum Besonderen Teil dieses Buches). Der Katalog eignet sich auch sehr zur 
Anlage eines Sammlungsverzeichnisses. 

Züchter von Lepidopteren werden außer dem vorgedachten l{ a u p e n k a 1 e n d e r von Sc h m i d t 
oder Schreiber (vgl. Anmerk. 2 auf p. A. 93) das große R a u p e n w e r k von Hofmann undSpuler 
(Stuttgart, 2. Aufl.) wegen der zahlreichen darin enthaltenen Abbildungen mit vielem Nutzen bei Raupenbeslim- 
miingen verwenden können. Die näheren Beschreibungen der Raupen finilen sich in der 3. Auflage der S c h m e 1 1 e r- 
1 i n g e Europas von Prof. .\. S p u 1 e r, welches letztgedaclite Werk in vieler Beziehung eine sehr willkommene 
Ergänzung zu der vorliegenden Auflage von Berges Schmetterlingsbuch biKien wird. 

Ein weiteres Hilfsbuch von ausnehmendem Gebrauchswert für den praklische^n Lepidoptero- 
loge n und ein unentbehrlicher Leitfaden für die Einführung in die Expcrimentalbiologie ist das Handbuch de r 
paläarktischen Großschmetterlinge von Prof. M. Standfuß (Jena 1896), das sich in den 
Händen zahlreicher Sammler bereits auf das beste bewährt und vielen eine wissenschaftliche Anregung und Vertiefung 
geboten hat. 

Sammler, die bereits für das lokalfaunislische Slncliuin ein Interesse gefaßt haben, werdi'u von selbst das Be- 
dürfnis empfinden, sich mit der faunistischen Literatur ihres Wohnbezirkes bezw. Landes und der 



') Als die hervorragendsten Bezugsquellen für entomologische Fachliteratur seien die nachstehenden 
Finnen angeführt: 

R. Friedlünder .V: Sohn. Berlin N.W., Carlsiraße II. 
Felix H. »iinies. Steglitz-Berlin. 
.lunk. T^erlin VV. 15, Kurlurstendanun 201. 
>Vinkler & Wiigiier, Wien XVIII., Ditlesgaße 11. 



\'ersan<l, Tausch und Kauf. A 111 



Nachbargebiete näher vertraut zu machen. Besteht in dem betreffenden Bezirke ein entomologischer Lokalverein, 
so wird bei diesem in der Regel auch die einschlägige faunistische Literatur erhältlich sein. Man wird sehr gut daran 
tun, sich dieselbe in Privatbesitz zu schaffen und mit durchschossenen Blättern binden zu lassen, um in bequemer 
\\'eise Nachträge gleich an der systematisch richtigen Stelle machen zu können. 

Sehr förderlich, namentlich auch für den Tauschverkehr, ist das Abonnement auf eines der verbreitetsten 
deutschen entomologischen^^'ochenblälte r,') in denen außer sachlichen Mitteilungen, aucJi Nach- 
richten aus Vereinen, Besprechungen neuer literarischer Erscheiiumgen imd zahlreiche .-Vnnoncen enthalten sind. 
Für den Tauschverkehr kommt auch die Erwerbung der alljährlich (im Dezember) neu erscheinenden Preisliste von 
Lepidopteren der Firma O. Staudinger und .\. Bang-IIaas (Blasewitz) in Betracht. 

Außerordentlich nützlich für den angehenden Sammler ist auch der persönliche Verkehr mit erfahreneren 
Sammelgenossen. Die praktische Unterweisung in gewissen Sammel- und Präparationsmethoden wirkt selbstredend 
viel instruktiver als eine bloß theoretische Einführung. Auch die Kenntnis der richtigen Sammellokalitälen wird 
durch die Teilnahme an Exkursionen erfahrener Sammler mühelos erworben. Dazu kommt noch das Bedürfnis 
des Anfängers nach Informationen und Aussprache über eine Unzahl Fragen, welche im Zusammenhange mit dem 
Sammelwesen stehen. Junge Sammler suchen daher in der Regel eifrig den N'erkehr mit älteren Facligenossen, die 
ihrerseits wieder manche Anregung durch die jüngeren Kräfte erfahren. Aber auch der vorgesclu-ittene Sammlei- 
wird den persönlichen Verkehr mit Gleichgesinnten nicht leicht entbehren können und bei Durchführung größerer 
Pläne (wie Herausgabe einer Lokalfauna) auf die tatkräftige Unterstützung solcher und das Zusammenwirken mit 
ihnen angewiesen sein. 

Diesen mehrfachen Bedürfnissen nach persönlichem Verkehr der Sammler untereinander suchen die zahl- 
reichen entomologischen Lokal vereine, die meist aus sog. Tischgesellschatten entstanden sind, 
nachzukommen. Außer dem persönlichen \'erkehr mit Fachgenossen bieten solche Vereine in der Regel auch die 
Benützung einer entomologischen Fachbibliothek, N'orträge, oft auch Fahrtbegünstigungen auf Eisenbahnen imd 
Erleichterungen beim Besuch reservierter Forste. Größere solche \'ereine besitzen oft ein eigenes ^'ereinslokal 
und geben Jahresberichte heraus. 

Aus allen diesen Gründen kann im allgemeinen jedem Anfänger nur wärmstens angeraten werden, die Mit- 
gliedschaft in dem für ihn zunächst in Frage kommenden entomologischen I.nkalvereine zu erwerben. Er hüte sich 
aber vor den in solchen ^'ereinen leicht entstehenden Parteilichkeiten, die durch Uberhebung Einzelner, Geheim- 
tuerei, Übervorteilungen im Tausche usw. oft hervorgerufen werden und statt eines einträchtigen Zusammenwirkens 
im idealen Interesse dann nur den Anlaß zu Mißhelligkeiten bieten. Wenn man aber stets die Sache höher achtet 
als persönliche \"orteile und Rücksichten, wird man auch diesen Schwierigkeiten leicht entgehen können. 



XX. Versand, Tausch und Kauf. 

Der Versand von Lepidopteren mittelst Post oder einem anderen Transportmittel, der zum Zwecke der De- 
termination des Materiales oder im Tausche oder Kaufe erfolgen muß, bedarf ganz besonderer X'orsichtsmaßregeln. 
wenn die Falter keinen Schaden erleiden sollen.^) Man verwendet als Transportbehälter am besten nicht zu große 
Holzkistchen (Zigarrenkistchen) oder feste Kartons (Pappschachteln) von ca. 45 mm Höhe, deren Boden mit Torf 
ausgefüllt und mit weißem Papier überklebt sein soll, um jede Lockerung des Bodens oder Loslösung von Torfstückchen 
zu verhindern. Sehr vorteilhaft ist es, wenn der Boden des Behälters überdies noch mit einer dünnen (am Papier leicht 
angeklebten) Watteschichte überspannt ist, die ein Umherkollern allenfalls während des Transportes doch abge- 
brochener Teile verhindert. Zur Sicherung vor Unfällen überzeuge man sich vorerst, daß keiner der zu versendenden 
Falter sich an der Nadel drehen kann und klebe ihn anderenfalls an derselben vorher fest (vgl. vorne 
p. A99 Abs. 6). Zur Vorsicht kann man auch beiderseits des Hinterleibes knapp an demselben 2 J"« -^ '"'■ 
Nadeln einstechen. Sehr dickleibige Falter, bei denen die Gefahr des Abbrechens des Hinterleibes 
während des Transportes besonders groß ist, werden durch seitlich des Abdomens beigesteckte, mit 
Watte umwundene K n i e n a d e 1 n, die ein Festlialten des .Vbdoniens selbst bei seinem allfälligen 
Abbrechen bewirken, versichert, ^'or^üglich eignen sich zu gleichem Zwecke auch die G r ü t z n e r'- 
sehen D o p p e 1 n a d e 1 n, die das Abdomen vollständig umfassen. Man hüte sich nur. beim 
Einstechen derselben den Hinterleib seitlich zu beschädigen oder gar abzubrechen. 

Die Falter sollen mit der Steckzange fest in den Torfboden gesteckt werden und können, falls 
es sich um keine Determinandensendung handelt, bei v/elcher die Möglichkeit des leichten Heraus- 
nehmens jedes Stückes bestehen soll ( vgl.vo rne p. A 104 Abs. 3) — der Raumersparnis halber dicht, bezw. 
bei Tagfaltern dachziegelartig, aneinander gereiht werden, wobei man nur darauf zu achten hat. 
daß keine Reibung der Falterkörper aneinander möglich ist. Ein leilweises übereinanderliegen der 
Flügel bildet dann kein Hindernis für den Transport. Eine derartige, dicht gesteckte Kauf- oder Tausch- ^ o'^'pc'lnTdei 
Sendung muß bei ihrer Ankunft sehr behutsam auseinandergenommen werden, indem man rechts u. Knicnadei. 

1) Vgl. vorn p. A 85 bei Guben (die wichtigsten sind: Ent. Zeitschrift (Stuttgart); Int. Ent. Z. (Guben); 




Societas Entomol. (Zürch); Entomol. Rundschau (Leipzig.) 
M Vgl. auch Dannehl.. (Ent. Z. .X.XIII p. 127). 



A 112 Versand, Tausch und Kauf. 



unten beginnt und bei jedem Falter darauf achtet, daß man allenfalls zur Sicherung beigesteckte Nadeln vorher 
entfernt, oder daß ein Falter nicht mit einem Körperteil (oder der Nadeletikette) einen vorher steckenden Falter 

untergreift. Bei großen Sendungen empfiehlt es sich, womöglich nur gleich- 
.irlige Falter in eine ^'e^sandschachtel zu vereinen. 



Enibiillage 



Holzwolle 



Muster für den Versand. 



Der Deckel der vollen Versandschachtel kann vorsichtshalber an seinen 
aufliegenden Rändern mit Papierstreifen verklebt werden, so daß ein Öffnen 
der Schachtel während des Transportes ausgeschlossen erscheint. Um ein 
Nichtöffnen der Versandschachtel auch bei Sendungen ins Ausland, wobei eine 
Zollgrenze passiert werden muß, zu erreichen, muß am Deckel derselben ein 
kleines Glasfenster eingelassen sein, welches dem Zollbeamten ermöglicht, sich 
von dem deklarierten Inhalt der Sendung auch ohne Eröffnung derselben 
überzeugen zu können. 

Nachdem man die Versandschachtel, um das Eindringen von Staub zu verhindern, noch mehrmals in Papier 
eingeschlagen hat, wählt man als Überbehältcr am besten ein nicht zu schweres Holzkistchen, welches in jeder 
Haumrichtung wenigstens um 4 cm größer sein soll als die Versandschachtel, welche die Falter enthält. Man füllt 
dann den Zwischenraum zwischen der Versandschachtel und der Überkiste mit feiner Holzwolle ') in der Weise dicht 
aus, daß wohl eine elastische Fixierung, aber keine feste Pressung der Versandschachtel, die ganz frei innerhalb der 
Kiste liegen muß, besteht. Für den Verschluß letzterer erscheint ein Schubdeckel zweckentsprechend, da zur Befosti- 
gimg eines solchen schon das Einschlagen eines Nagels genügt. Bei einem allseitig zu nagelnden Deckel vermeide 
man die Anwendung zu zahlreicher und zu starker Nägel und schlage dieselben nur mit großer Vorsicht ein, um 
nicht zu starke Erschütterungen hervorzurufen. 

Auf dem Deckel der Kiste selbst (besser als auf einem angeklebten Papier) wird die Adresse des Empfängers, 
die Inhaltsangabe (getrocknete Insekten, fürs Ausland: insectes d&ech6s) und der Vormerk: Vorischt! geschrieben.-) 
Die Umgäbe einer an ihren Enden zu siegelnden Bindschnur ist für das leichtere Anfassen des Kistchens von großem 
\'orteil und sichert dadurch einen ruhigeren Transport. 

Einzelne Falter oder ganz kleine Sendungen brauchen nicht als Postpakete aufgegeben zu werden, sondern 
können auch ins Ausland als offene Mustersendungen gehen, die nur mit Papier und einem Bindfaden umwickelt, 
aber nicht versiegelt werden dürfen. Man achte nur, daß bei letzteren durch die Emballage, als welche sich für ganz 
kleine Versandkästchen, die aus Holz bestehen sollen, auch einige Lagen Baumwolle (Watte) (oline Überbehälter) 
eignen, nicht die für Mustersendungen zulässigen Dimensionen überschritten werden. Vorsichtshalber empfiehlt es 
sich, derartige Mustersendungen, deren Porto gering ist, für die aber keine Wertangaben gemacht werden dürfen, 
einschreiben (rekommandieren) zu lassen. 

Der Versand lebender Schmetterlingseier zur Zucht erfolgt, wenn die Eier einzeln abgelegt 
wurden, am besten in einem Federkiel (Federspule), die mit Baumwolle verschlossen und in einen Brief eingelegt 
wird. Das Versenden in bloßen Papiersäckchen ist ganz abzuraten, da die Eier wälirend des Transportes zu oft (durch 
den Poststempel) zerdrückt werden. Statt der Federspule kann man sich auch kleiner Zelluloidkapseln bedienen. 
Ganze Eigelege werden samt ihrer Unterlage am besten in kleinen Blechbüchsen oder in Holzkapsoln, wie sie für Muster- 
sendungen bei Geschäftsleuten vielfach im Gebrauche stehen, versandt. 

Auch für lebende Raupen eignen sich als Transportbehälter vv-eitaus am besten Blechdosen, da bei ihnen 
die Gefalir eines Austrocknens des Inhaltes weniger besteht. Man sorge beim Versand von Raupen auch für die Bei- 
gabe von entsprechender Menge Futter, das durch Umwickeln der abgeschnittenen Stengel mit in \\'asscr getränkter 
Baumwolle für die Dauer eines nicht zu lang währenden Transportes frisch erhalten werden kann. Bei größeren Raupen 
ist auch für eine Lüftung des Behälters und Beigabe von Stengeln zum Anklammern Vorsorge zu treffen. In keinem 
Falle darf eine zu große Anzahl von Raupen in einem Behälter versandt werden. 

Einfacher ist das \'ersenden von Puppen, bei denen man nur darauf zu achten hat, daß sie keinerlei Druck 
erleiden. Man bettet sie am besten in schwach angefeuchtetes Moos und kann auf diese Weise mehrere Lagen von 
Puppen in einem Behälter vereinen. In Gespinsten liegende Puppen werden natürUch mit diesen versandt. Bei 
Tagfalter-Puppen verwende man lockere Baumwolle als Emballage. Ein Überkistchen, wie es beim Versand von 
Faltern notwendig ist, vermindert auch hier sehr die Gefaliren des Transportes. 



Die Sammeltätigkeit vermehrt nicht bloß in direkter Weise die Sammlung, sondern sie kann bei rationellem 
Betriebe auch auf indirektem Wege, nämlich durch Tausch, in sehr erfolgreicher Weise zu deren Vergrößerung 
beitragen. 

Da bei Tausch-(und Kauf-)geschäften die Q u a 1 i t ä t des Materiales eine große Rolle spielt, seien darüber 
vorerst einige Bemerkungen gemacht. Man unterscheidet im allgemeinen 3 Qualitätsstufen: I. Qualität (prima) 
das heißt tadellose, vollständig richtig präparierte Stücke ohne jeden Defekt, von normaler Größe, die weder zu alt 



') Dieses Verpackungsmaterial ist jeder anderen Emballage vorzuziehen, da es sehr elastisch ist, nicht staubt 
und keine Feuchtigkeit anzieht. 

') Bezüghch Ausfüllung der Begleitadresse, Zolldeklarationen usw. sind nähere Informationen auf den Post- 
ämtern erhältlich. 



Versand, Tausch und Kauf. A 113 



noch abgeblaßt sein dürfen. Die Angabe „e. 1. (gezogen)" wird jener über erste Quahtät im aUgemeinen gleich erachtet, 
drückt aber durch Beisatz der Jahreszahl auch den Grad der Frische aus. Für ganz frische, gezogene, große Stücke 
wird von Händlern oft auch die Bezeichnung „su p." (superbus, hervorragend prächtig) gebraucht. — Als II. Q u a- 
1 i t ä t gelten Stücke, die zwar noch vollständig als Sammlungsobjekte brauchbiu-, aber entweder nicht genügend 
frisch in den Farben, oder etwas geflogen oder mit ganz leichten (reparierton) Defekten behaftet sind. Eine Unter- 
stufe der II. Qualität bildet die Bezeichnung „passabel" (pass.), womit eine solche Beschaffenheit bezeichnet 
wird, die das betreffende Stück gerade noch als Samniluugsobjekt erträglich erscheinen läßt. — Stücke III. Q u a 1 i t ä t 
kommen im Tausch- oder Kaufverkehr höchstens bei sehr gi'oßen Seltenheilen zum Anbot. Jedenfalls sind dann 
frische, wenn auch defekte Stücke solchen, die stark abgeflogen sind, in der Regel vorzuziehen. 

Die beste Art, die Quahtät eines Stückes zu prüfen, ist eine genaue Besichtigung der Saumfransen, die voll- 
ständig erhalten sein müssen (nicht abgestoßen sein dürfen), womit bei durchfallendem Lichte auch eine bis an den 
Saum reichende, gleichmäßig dichte Beschuppung des Falters übereinstimmt, wogegen geflogene Stücke namentlich 
gegen die Flügebänder durchscheinend sind. Von der Intaktheit der Fühler überzeugt man sich durch Besichtigung 
der Insertionss teile derselben mit einer Lupe. Jedenfalls betrachte man den Falter bei der Prüfung auch von der 
Rückseite. 

So berechtigt im allgemeinen der .\nspruch auf eine erste Qualität des Materiales erscheint, so darf doch dieser 
Anspruch nicht zur Manie oder Fexerei ausarten, in die ein wirklich wissenschaftlicher Sammler auch nicht ver- 
fallen wird. 

Um einen erfolgreichen Tauschverkehr treiben zu können, suche man sich in den Besitz einer größeren Indi- 
viduenzahl von einigen selteneren Arten zu setzen, wozu oft schon die Erbeutung eines $ einer solchen wünschens- 
werten Art genügt, das man dann zur Eiablage bezw. zur Aufzucht der Raupen benützen kann. Für den Tausch- 
verkehr mit Händlern sind häufig gewöhnliche Arten, die als Unterrichtsobjekte dienen, wie die Papilio-Arten, Weiß- 
linge, \anessen, Totenkopfschwärmer, Saateule usw., wenn man sie in .Anzahl in reinen Stücken gesammelt hat, 
gut zu verwerten. 

Vorgeschrittenere Sammler pflegen alljährlich (hektographierte) T a u s c h 1 i s t e n anzulegen, in welchen 
die Arten in systematischer Reihenfolge mit Bemerkungen über die Anzahl der aljgebbaren Stücke, eventuell auch 
über das Geschlecht und die Qualität der Falter angeführt werden. Wo keine nähere Bemerkung über die Quahtät 
gemacht wird, wird stets erste Qualität verstanden. Als \N'ertbasis des Tauschverkehre werden in Deutschland und 
Österreich-Ungarn in der Regel die Preisansätze der alljährlich erscheinenden Lepidopterenliste der Firma Staudinger 
und Bang-Haas zu Grunde gelegt, so daß nach diesen gleiche Gesamtwerte zum .Austausch gelangen. Die Versand- 
kosten trägt jeder Tauschende für seine Sendung. Wo organisierte Tauschvereine bestehen, wird für die Vermittlung 
luul Regie desselben ein entsprechender .Abzug gemacht. Gleiches gilt bei Händlern, bei denen aber manche der 
von ihnen in den PreisUsten offerierten Arten überhaupt im Tausche nicht erhältlich sind. 

Im privaten Tauschverkehr mache man sich Pünktlichkeit und eine gewisse \oblesse zur Regel, die eher ein 
zu großes als ein zu kleines Äquivalent gibt. Werden einem seltene Arten, die nicht in den Preislisten erscheinen, im 
Tausche offeriert, mäkle man nicht zu lang an dem dafür verlangten Tauschwerte oder schätze dieselben, wenn kein 
Tauschwert dafür ausgesprochen wird, möglichst hoch ein. Auf diese Weise wird man viel besser fahren als durch 
kleinliche Groschenrechnerei und sich nunu-hen gleichgesinnten wertvollen Tauschfreund erwerben. 

.Außerordenthch anzuempfehlen, namentlich bei Fortsetzung des Tauschverkehres mit denselben Tausch- 
freunden, ist die Führung eines Tauschjournales, in welches jedes Tauschgeschäft in der Weise eingetragen 
wird, daß man den Namen und die Adresse des Tauschfreundes und darunter die im Tausche gegebenen und erhaltenen 
-Arten .samt Stückzahl, Geschlecht, Preisansätzen und Verrechnung bucht. Ein solches Journal bildet nicht bloß 
eine Kontrolle bei Irrtümern und Reklamationen, sondern gibt auch ein Bild über die Vermehrung der eigenen Samm- 
hmgen im Tauschwege und erleichtert ungemein eine Offerterneuerung an dieselben Personen im folgenden Tausch jähre. 



.Als letzte Erwerbungsart von Material ist der Kauf) anzuführen. Abgesehen von den Vermögensverhält- 
nissen des Sammlers spielt hier der Plan, welcher einer Sammlung zu Grunde gelegt wurde, eine ausschlaggebende 
Rolle: Während der Lokalfaunist selbst um teures Geld oft nicht in den Besitz von heimischen Seltenheiten gelangen 
kann, wird der Besitzer einer systematischen Spezialsammlung sich wiederholt gezwungen sehen, einzelne Arten, 
die ihm sonst überhaupt unerreichbar blieben, durch Kauf zu erwerben. Für Sammler von Exoten bildet der Kauf 
in der Regel wohl die hauptsächlichste Erwerbungsart. 



') Der Insektenhandel hat namentlich in Deutschland einen außerordentlichen .Aufschwxmg genommen, so 
daß nur die hervorragendsten Firmen hier genannt werden können: 

Firma Dr. 0. Staudinger & A. Bang-Haas (seit 1858), Blasewitz-Dresden, gi))l alljährlich «liesehr umfang- 
reiche Lepidopteren-Preisliste (.Mk. 1.50) heraus. 

Max Bartel, Oranienburg bei Berlin. 

Ernst .V. Böttcher, Berlin C 2, Brüderstraße 15. 

A. Kricheldorff, Berlin SW., Oranienstraße 116. 

W. Neuburger, Berlin SW., Bernburgerstr. 11. 

.Max Korb, München, Akademieslraße 23 (macht häufig große Sammelreisen). 

-Auch die meisten der vorne (p. .A 86 .Anmerk.) genannten Firmen führen große \'orräte von verkäuflichen 
Lepidopteren. 



A114 \ersand, Tausch uiul Kauf. Beiich ligungen. 

Im aUgenieinen sei bezüghch der zahlreichen immer wieder neu entstehenden Privatsammlungen bemerkt, 
daß eine solche trotz vieler darauf verweiidelcr .Muhe; und selbst auch Kosten doch in erster Linie nur als eine Art 
Vergnügungsobjekt, nicht aber als eine Kapitalsanlage aufgefaßt werden darf. Es soll daher auf eine Privatsamnilung 
in der Regel auch nicht mehr verausgabt werden, als ihr Besitzer neben seinen sonstigen Auslagen leicht auf \'er- 
gnügungen auszugeben in der Lage ist. 

Der Wert einer Privatsammlung ist nilmlich in erster Linie in ihrer Bedeutung, die sie für den Besitzer hat, 
zu suchen, und erlischt daher zum größten Teile auch mit dem Tode desselben. Da es in der Natur des Sammelwesens 
hegt, daß eine allmähliche, mit persönlicher Auswahl getroffene Vermehrung viel mehr Reiz gewährt, als die ein- 
malige Erwerbung einer ganzen Sammlung, ist auch der für nachgelassene Sammlungen zu erzielende Preis in der 
Regel ein sehr geringer. Nur Sammlungen, die aus irgend einem Grunde einen wirklich wissenschaftlich hohen Wert 
haben, sind zu günstigeren Bedingungen realisierbar. 

Trotzdem ist der Standpunkt jener zahlreichen Sammler, die jeden Ankauf von vorneherein ablehnen und die 
Vermehrung ihrer Sammlung ausschheßlich ihrer eigenen Sammeltätigkeit bezw. dem Tausche verdanken wollen, 
ein sehr einseitiger und für die Sammlung nachteiliger, die stets einen etwas rückständigen Charakter zeigen wird. 
Sie vergessen hierbei auch ganz, daß die Auslagen schon für einige mißglückte Sarnmeltouren oft viel größer sind, als 
der Ankaufspreis für ihnen fehlende, sehr erwünschte und auf anderem Wege gar nicht erreichbare Repräsentanten 
betragen würde. Auch besteht bei vielen seltenen Arten die Möglichkeit, sich Zuchtmatcrial {Eier, Raupen oder Puppen) 
käuflich erwerben zu können, so daß dem Ersteher dann noch die Genugtuung bleibt, durch Sorgfalt und Umsicht 
bei der .\ufzucht das Seinige zur endgültigen Erwerbung der Sammlungsobjekte beitragen zu können. 

Anfängern kann namentlich der Ankauf von „Lokalitätslosen" ungespannter Tütcnfalter, die sehr billig zu Zen- 
turienpreiscn erhältli(;h sind, sehr angeraten werden. Häufig finden si(;h in solchen, namentlich bei Exoten, auch 
einzelne verkannte, sehr .seltene Arten. 

Vorgeschrittenere Sammler oder Sammler von speziellen Gruppen werden in der Regel Ansichtssendungen, 
aus denen eine Auswahl möglich ist, oder die Bestellung bestimmter Arten vorziehen. 

Üblicherweise wird von den Händlern bei sofortigen Barzahlungen ein sehr hoher Rabatt (50 bis fiO Proz.) 
auf die gewöhnlichen Katalogspreise gewährt. Man vergesse nicht, bei jedem Ankaufe sofort um nähere Fundorts- 
angaben zu ersuchen, die sonst später nicht mehr erhälthch sind, und durch welche das Material erst einen bleibenden 
wissenschaftlichen Wert gewinnt. 



Berichtigungen. 

p. A 4. Durch ein unliebsames Übersehen soll im II. Abschnitte der Schlußsatz des 2. Absatzes richtiger- 
weise lauten: „Löslich ist es in konzentrierter Schwefelsäure (erwärmt auch in anderen Mineralsauren), 
dfu-an haftende Weich teile aber in Kalilauge." 

p. All, 2. Zeile beizufügen nach „Afterwinkel": (A n a 1 w i n k e 1). 

p. A 11, Abs. 4, Zeile 8 von oben soll es heißen „der Adern" (statt Ader). 

p. A 22 ist im 2. Absatz, 5. Zeile von oben nach .,Heteroceren" einzuschalten „zur Tageszeit dasselbe^der Fall ist. 
zur Nachtzeit" 

p. A 22 soll im 7. Absatz der Schlußsatz lauten: „Pupillenartige Zeichnungen innerhalb des Facettenauges sind 
teils optische Phänomene (Exners Pseudopupillen) teils nur PigmcnUiblagerungen und haben in 
letzterem Falle mit dem Bau des Auges nichts zu tun." 

p. A 23 ist in Fg. A 40 die Bezeichnung „u" durch „VIII. Segment", und „sc" durch „u" zu ersetzen. Die 
eigentümhche Gestaltung des Hinterrandes des 8. Segmentes liat ursprünglich zur falschen Deutung 
als uncus geführt. 

p. A 26, Anm. 2 soll es heißen: „Zander" (statt Zaunder). 

p. A 31, Abs. C, Zeile 3 von oben soll es heißen: „Die (statt „lhrr"i Kcirperform"; ebenda Zeile .5 „Saty- 
rinen" (statt „Satyriden"). 

p. A 32 soll es in Fg. A 54 und im drittletzten Alisatz statt: „S. uml 9. Segment" richtig lieißcn: 7. und 
8. Segment. 

p. A 60, Abs. 6, Zeile 2 soll es heißen „albens" (statt albeus). 

p. A61, Abs. 3, Zeile 2 soll es heißen: Lymantria monacha (statt Lymantria dispar). 

p. A 61 1., unter Lymantriidae fehlt bei Lymantria monacha der Autor: L. 

p. A 62, 1., Abs.: Kleinschmetterlinge, Zeile 2 soll es heißen: „(Bienenstöcke)" (statt -stocke). 

p. A 65, letzter Abs., 3. Zeile von oben soll es heißen: „welche die Individuen einzeln" (statt: die einzelnen 
Individuen). 

p. A 70 f., 2. Abs. letzte Zeile: „Rovartani" (statt — ary). 



Besondorer Teil. 



Systematische Bearbeitung der Gross-Schmetterlinge Mitteleuropas. 



Die folgende systematische Bearbeitung der Groß- 
schmetterlinge Mitteleuropas gibt in diagnostischer Form 
die wichtigsten Merkmale der Famihen, Gattungen, 
Arten, Unterarten und Abarten, so weit dieselben 
zur Auffindung des wissenschaftlichen Namens der Form 
erforderhch scheinen. Die Bearbeitung dient demnach 
in erster Linie Bestimmungszwecken rücksichtlich des 
geschlechtsreifen Tieres, dabei sind aber auch die 
ersten Lebensstadien (Ei, Raupe, Puppe) und die Lebens- 
weise berücksichtigt, so daß dieser Teil des Buches wie 
bisher die Aufgabe eines Handbuches für Sammler und 
Züchter von Lepidopteren in Mitteleuropa erfüllt. 

Hiebei wurde — ohne eine allgemeine Verständhch- 
keit aus dem Auge zu verlieren, — doch ein möglichst 
wissenschaftlicher Standpunkt gewahrt, und ein Ver- 
ständnis für die Systematik der höheren Kategorien 
(Familien, Gattungen), die dem Anfänger besondere 
Schwierigkeiten zu bereiten pflegt, durch Anlage von 
synthetischen Bestimmungstabellen zu erleichtern ge- 
sucht. Von einer Anlage von Beslimmungstabellen für 
Arten wurde mit Ausnahme einiger Gruppen (z. B. 
innerhalb der Gattung Melitaea) Umgang genommen, 
da die in der deskriptiven Literatur der Lepidopteren 
bisher fast ausschließlich zur LTnterscheidung der Arten 
verwendeten Merkmale der Zeichnungs- und Fiirbungs- 
anläge allerdings .sofort wahrnehmbar, aber auch sehr 
variabel sind, und in Gruppen einander sehr nahe- 
stehender Arten nur selten eine das Gegenteil aus- 
schließende Fassung gestatten, wie es eben die Tabelle 
erfordern würde. Auch werden solche Bestimmungs- 
tabellen erfahrungsgemäß besonders häufig in zweifel- 
haften Fallen, also in solchen, in welchen aberrante 
Exemplare vorhegen, zu Rate gezogen, wo sie nach dem 
Vorhergesagten natürlich meist versagen müssen, da die 
Tabelle nicht alle Merkmale nndderen Variabilität be- 
rücksichtigen kann. Um den Mangel von Bestimmungs- 
tabellen der Arten einigermaßen zu ersetzen, \vurden im 
Texte, wo eine Verwechslung mit einer nahestehenden 
Art zu befürchten stand, überall komparative Angaben 
aufgenommen, die eine erhöhtere Sicherheit der Be- 
stimmung gewähren, als die Tabellen geben könnten. 

Bezüglich der gebrauchten wissenschaftlichen Fach- 
ausdrücke, insbesondere bezüglich der Nomenklatur <ies 
Geäders ist der allgemeine Teil zu vergleichen. 
Berge-Rebel, Schmetterlingsbuch. 



Dem gegenwärtig vorherrschenden Bedürfnisse Rech- 
nung tragend, wurde auf die Kennzeichnung der be- 
nannten Unterarten (V'arietäten) und Abarten (Aberra- 
tionen), .so weit dieselben in Mitteleuropa in freiem 
Naturloben zur Beobachtung gelangten, ein besonderes 
Gewicht gelegt. .\ber auch die sogenannten Stamm- 
formen W'Urden überall durch ausreichende Diagnosen 
im Texte gekennzeichnet, was das Verständnis selbst 
guter Abbildungen wesentlich erleichtert und vertieft. 

Bei den Angaben über die ersten Stände wurden 
vornehmlich auch solche Zitate aus den allgemein ver- 
breiteten deutschen entomologischen Zeitschriften bei- 
gefügt, welche praklisclic Winke über die Aufzucht der 
betreffenden Arten enthalten. Die RaumverhäUnisse 
gestatteten es leider n ich t,überall näher darauf einzugehen, 
dennoch erscheint durch Angabe der I iteraturstelle 
vielen Züchtern wenigstens die Möglichkeit geboten, die 
sonst in Vergessenheil fallenden Erfalirungen anderer zu 
verwerten. 

Der Bearbeitung ist im allgemeinen das in der 
letzten .\uflage des Katalogs der paläarktischen Lepidop- 
teren von Dr. O. S t a u d i n g e r und Dr. H. Hebel 
(Berlin, 1901) angenommene System zu Grunde gelegt. 
Wenn dasselbe auch nicht in allen Teilen einwandfrei 
erscheint, so ist doch der Vorteil, den vorgeschrittenere 
Sammler, denen das Katalogswerk ein unentbehrliches 
Hilfsbuch bildet, darin finden, daß das von ihnen be- 
nützte systematische Handbuch in Übereinstimmung 
mit dem Katalog steht, ein so überwiegender, daß von 
systematischen Änderungen, für deren Begründung auch 
hier nicht der Platz gewesen wäre, mit geringen Aus- 
nahmen Umgang genommen wurde. Um den innigen 
Zusammenhang mit dem Kataloge z\i wahren, wurde 
überdies bei jedem .Vrtnamen die fortlaufende Nummer 
des Kataloges in Klammern beigesetzt, was auch den 
weiteren Vorteil bot, daß damit nähere .\ngaben über die 
deskriptive Literatur in Wegfall kommen konnten. Nur 
die allerwichtigslen Synonyme und die nach dem Er- 
scheinen der neuen Katalogsauflage hier in Betracht 
kommende Literatur fanden Erwäimung. 

Was das der Bearbeitung zu Grunde gelegte mittel- 
europäische Territorium anbelangt, so umfaßt dasselbe 
in politischer Beziehung das deutsche Reich, Holland, 
Belgien, die Schweiz und Österreich-Ungarn einschließ- 

i 



Besonderer Teil. Bestimmungstabelle der Familien. 



lieh der Okkupaüonsländer in ihrem vollen Umfange. 
Es ist demnach faunistisch durchaus kein einheitliches 
Gebiet, denn außer den vorherrschenden sogenannten 
mitteleuropäischen Formen und der Hauptmenge der 
alpinen, sind auch östliche, mediterrane und Balkan- 
formen darin vertreten. Die in den obgenaiinton Länder- 
massen nachgewiesenen Arten. Gattungen und I''amilien 
sind im Texte mit fortlaufenden Nummern versehen, 
wogegen eine Anzahl weilerer, besonders bemerkens- 
'werter, meist südeuropäischer Formen, zwar an syste- 
matischer Stelle kurz besprochen, aber ohne Xumerierung 
belassen und durch kleineren Druck unterschieden 
wurden. Insbesondere erfuhren liiebei die alpinen Teile 
des südöstlichen Frankreich und Savoyens eine ein- 
gehende Berücksichtigung, .so daß auch die Westalpen, 
und somit die Fauna der ganzen Alpenkctle, aufge- 
nommen erscheint. 

Die in der Beschreibung der Falter gegebenen Maße 
sind jene der \'orderrandslänge des Vorderflügels, ge- 
messen von der Flügelwurzel bis zur Flügelspitze. Be- 
züglich der abgekürzten Autornamen ist das obgenannte 
Kalalogswerk zu vergleichen. 

Sonstige im Text gebrauchte .\bkür/.ungen sind: 

Fhlr = Fühler 

Fl (fl) = Flügel 

H = Hinter- 

M = Mittel- 

O = Ober- 

U = Unter- 

V = Vorder- 



Hfl mit Praekostalader Eryeinidae. 

Hfl ohne Praekostalader Lycaenidae. 



CS t i m m ii n gs t a Iw 1 1 1 



l''a Uli li o n. 



1. Aus der Mzelle dir Hfl eiilspringen 

höchstens 6 Adern 2 

Aus der Mzelle der Hfl entspringen 

mehr als 6 Adern Hepialidae. 

2. Die Fhlrgeißel gegen die Spitze keulen- 

oder knopfförmig erweitert, Haft- 
borste fehlt 3 

Die Fhlrgeißel gegen die Spitze 
nicht erweitert, Haftborste meist 
vorhanden 9 

3. Alle FFadern vorhanden und gesondert 

(ungestielt) Hespcriidue. 

Zwei oder mehrere Fl'adern gestielt 'i 
•'i. \'beine in beiden Geschlechtern voll- 
ständig ausgebildet 5 

Vbcine wenigstens beim J mein- oder 

weniger verkümmert 6 

5. Ader Aj mündet auf den \ü frei in 

den Innenrand und fehlt auf denllll l'a|iili<inid)ic. 
Ader Ag der \ü fehlt oder ist mit \., 

verbunden Picriilac 

6. Vbeine in beiden Geschlechtern stark 

rückgebildet Xyniphalidae. 

Vbeine nur beim J wenigstens mit 

verkürztem Tarsus 7 

7. Palpen so läng wie der Tliorax, 

schnabelförmig I.iltytheidao. 

Palpen nicht auffallend lang 8 



10 
28^) 

11 



21 



12 



14 



13 



Auf den Hfl fehlt Ader A, 

Auf den Hfl ist .\der Aj vorhanden 
Auf den Vfl ents|>ringt .Ader M., näher 

an .Ader Mg als an .Ader Mj 

Auf den Vfl entspringt .\der M, in der 

Mitte zwischen Ader Mj und .M,. 

oder näher an .M^ 

Auf den Hfl ist Ader Sc wenigstens an 

der Basis frei vom Zellenrand .... 
Auf den Hfl ist Ader Sc ganz rüi k- 

gebildet Sjiitomidae. 

-Vuf den Hfl anastomosiert Sc mit R 13 

Auf den Hfl ist Ader Sc gekrümmt 

oder genähert an R, oder durch 

einen Querast damit verbunden.. 18 

Die Anastomose von .Ader Sc und R 

der Hfl bildet meist eine lange 

WurzeLschlinge, Rüssel rudimentär Lynuintriidae. 
Die Anastomose von Ader Sc und R 

der Hfl bildet höchstens eine kurze 

Schlinge, Rüssel normal 

.\<ler Sc der Hfl anastomosiert mit R 

bis zur Zellenmitte 

Ader Sc der Hfl anastomosiert mit R 

nur an der Wurzel 17 

Die Vfl ohne aufgeworfene Schuppen Arctiidae. 
Die Vfl mit aufgeworfenen Schuppen . Ifi 

Mglieil der Palpen gegen die Spitze 

erweitert Sarrothripidae. 

Mglied der Palpen gegen die Spitze 

nicht erweitert Xulidae. 

Ader Aj der Vfl einfach, Palpen kurz 

oder mäßig lang Chloephoridae. 

Ader Ag der Vfl mit Seitenast an der 

Basis (Rest von A,), oder die Palpen 

sehr lang Soetuidae. 

Haftborste vorhanden 19 

Haftborste fehlt 20 

.Ader Rj bis R, der Vfl gestielt.. Drepanidae. 
.Ader Rj bis R^ der Vfl ungestielt Thyrididae. 
II n mit normallanger Mzelle, ohne 

I'raekostaladern, Ader Ag zieht in 

ilii' Mitte des Innenrandes Endroinididae. 

1 1 fl mit sehr kurzer Mzelle und Praeko- 

staladern, Ag in den Innenwinkel Lasioeanipidae. 
II. Auf den IUI entfernt sich Ader Sc 

bereits von der Basis ab von R, 

Schienensporen fehlen Saturniidae. 

Auf den Hfl sind Ader Sc und R ein- 
ander genähert oder verbunden, 

Schienensporen vorhanden 22 

!2. .Auf den Hfl sind Ader Sc u. R in 

ihren Endhälften weit von ein- 
ander entfernt 23 

.Auf den Hfl sind Ader Sc u. I^ ein- 
ander genähert oder anastomo- 

sieren 27 

') Hierher auch die meisten sogenannten Micro- 
epidopteren. 



Bestimmungstabelle der Familien. 1. Familie. Paiiilionidae. 



3 



23. Rüssel fehlt Lcinoniidae. 

Rüssel vorhanden 24 

24. Auf den Hfl ist Ader Sc verbunden mit 

der Mzelle nahe der Mitte, Ader Mj 

rudimentär 25 

Auf den Hfl Sc mit der Mzelle nur nahe 
der Basis in \'erbindung, oder M., 
voll entwickelt 26 

25. Nebenaugen vorhanden, ? ohne After- 

wolle, Raupe glatt cider weich be- 
haart Notodontldac. 

Nebenaugen fehlen, 5 mit -\rierwolle. 
Raupen mit brüchigen Büschel- 
haaren Thauuietopoifidae. 

20. Augen kreisrund. Raupen mit fehlen- 
den Bauchfüßen am 10., 11. u. 12. 
Segment Gconietridao. 

Augen oval. Raupe mit vollständigen 
Bauchfüßen am 12., und rudimen- 
tären am 10. u. 11. Segment Rrcphidae. 

27. Auf den Hfl Sc verbunden mit der 

Mzelle nahe der Basis durch einen 

Querast Sphingidae.') 

Auf den Hfl Sc nicht verbunden mit 

der Mzelle Cynmtophoridao. 

28. Auf den Hfl fehlt Ader Sc Sesiidae. 

Auf den Hfl ist Ader Sc vorhanden 

und verläuft entfernt vom EndastR 29 

29. Ader Sc der Hfl anastomosiert mit der 

Mzelle Liinacodidae. 

Ader Sc der Hfl ist hiichstens durch 
einen Querast mit der ]\Izelle ver- 
bunden 30 

30. Rüssel vorhanden Zygaenldae. 

Rüssel fehlend 31 

31. Fl dicht beschuppt, $ vollständig ge- 

flügelt, Larve endophag Cossidae. 

Fl dünn beschuppt, durchscheinend 
$ ungeflügclt, Larven freilebend 
oder Sackträger 32 

32. Ader Aj der Vfl anastomosiert mit A.„ 

$ und Larve sackbewohnend .... Psyehidae. 
Ader Aj der Vfl zeigt einen freien Ver- 
lauf, Larve freilebend Heterogjiiidae. 

Für den Anfänger sei rücksichtlich der vorstehenden 
synthetischen Tabelle bemerkt, daß dieselbe in der 
Reihenfolge der Familien keineswegs die wahre Ver- 
wandtschaft derselben zum Ausdruck bringt, da nur 
einzelne, leicht verwertbare Merkmale darin in 
Gegensatz gestellt sind. Die FamiUenreihenfolge des 
Textes weicht daher von jener der Tabelle beträchtlich ab. 

1. Familie. Papllionidae.) 

Fhlr kurz, gebogen, gegen das Ende allmähhch ver- 
dickt. Augen nackt, Stirne hoch. Rüssel normal. Die 

•) Bei den (überdies unverkennbaren) Vertretern 
dieser Familie hat Ader M, im allgemeinen eine Mstel- 
lung zwischen M^ und Mj, entspringt aber eigentlich 
näher an M3 als an M,. 

-) Diese und die folgenden Familien (inklusive der 
Hosperiiden) werden gewöhnhch als R h o p a 1 ö c e r a 



i-g. I. 



Vbeine in beiden Geschlechtern voll entwickelt, die 
Vschienen mit Schienenblatt, die Hschienen ohne 
Msporen. Mzelle aller Fl geschlossen. Die Vfl mit ge- 
stielter Ader R, u. Rj. und kurzer, frei in den Innenrand 
mündender Ader A3. Hfl mit Praekostalsporn und 
fehlender Ader .Vj, wodurch der Innenrand au.sgeschiiitten 
erscheint und den Illcib in der Ruhestellung des Fallers 
nicht umfaßt. 

Die Raupen mit Wchnirüse in Form einer vorslülp- 
baren, fleischigen Nackengahcl, die einen widerlichen 
Geruch ausströmt. 

Die hier in Betracht kommcmlen '1 Gattungen unter- 
scheiden sich: 

1 . Radius der Vfl 5ästig 2 

,, ,, „ 4ästig Parnassius. 

2. Ader Mj der ^'fl aus der oberen Ecke der 

Mzelle entspringend 3 

Ader Mj der Vfl aus der Querader 

entspringend Papilio. 

3. Fl dünn beschuppt, Saum der Hfl ge- 

rundet Archon. 

FI diclil beschuppt, Saum der Hfl ge- 
zackt Thals. 

1. Gattung. Papilio L. 

Große F'alter, Fhlr mit stumpfer Kolbe, Palpen 
kurz, dem Gesicht angepreßt, Vfl breit dreieckig mit 
voller Adernzahl und winklig 
vortretender Querader, aus 
deren Ecke Mj entspringt. 
Die Hfl bei den europäi.schen 
Arten in eine Schwanzspitze 
auf M3 ausgezogen. Einein 
den Tropen viel artenreichere 
Gattung, welche eine Anzahl 
der prächtigsten Tagfalter 
enthält, die sicli sowohl durch 
Färbung als eleganten Fl- 
schnitt auszeichnen. Die 
Gattung Papilio zerfällt in 
drei natürliche Gruppen: 

1 . Aristolöchlenfalter 
(P h a r m a c 6 p h a g u s 

Haase) mit allmählich ver- 
dickten, ungeringten Fhlrn 
und meist roter Färbung am 
Körper. Die schwarzen, mit 
roten Fleischzapfen ver- 
sehenen Raupen leben auf 
Arlstolochien. 

2. Segelfalter (C s m o d e s m u s Haase) mit deut- 
licher, kurzer oft platter Fhlrkeule und stark behaarter 

(Tagfalter) den übrigen Lepidopteren gegenübergestellt 
und letztere als Heteröcora bezeichnet. Diese 
hauptsächlich auf Grimd der Fhirblldung und Lebens- 
weise angenommene Zweiteilung Ist systematisch un- 
haltbar, da die sogenannten Heteroceren In eine Anzahl, 
den Rhopaloceren durchaus gleichwertiger Gruppen auf- 
zulösen sind. Auch findet sich eine keulenförmige Fhlr- 
form bei exotischen, hellophllen Heteroceren (z. B. Cast- 
nlidae) und andererseits eine nicht hellophlle Lebens- 
welse auch bei der neotropischen Tagfalterfamilie der 
Brassoll den. 




Papilio m-iclKion. 



1. Familie. Papilionidae. 



Stirne, die Flzeichnung meist aus Querbändem be- 
stehend. Die Falter haben einen schönen schwebenden 
Flug. Die Raupen gebuckelt, glatt, nach rückwärts 
verjüngt, leben besonders auf Annonaceen. 

.3. Rinnenfaltcr oder Schwalbenschwänze (Papilio 
s. Str.) mit freiem Hals und tiefer Rinne auf der Useite 
des Subanalfeldes der Hfl. Die Raupen mehr zylindrisch, 
meist glatt. 

Von den vier in Europa vorkommenden Arten 
gehört Pap. podalirius der zweiten, die übrigen der 
dritten Gruppe an. Die Falter suchen die Gijjfel freier 
Anhöhen als Tummelplatz auf. 

Die Eier kugelig mit schwacher Skulptur. 

Die Raupen der heimischen Arten erwachsen nackt 
mit kleinem Kopf. Die Puppen stumpfeckig mit 
zweispitzigeiii V'cnde, am After und um den Leib mit 
einem Faden, kopfaufwärts befestigt, überwintern. 

1. podalirius L.(Kat.N.l) Segelf alter. Taf. 1 
Fg. Ic. Fl blaßgelb auf den Vfl mit 9 bis 10 schwarzen 
Querbinden, die zum Teil verkürzt sind. Die lang- 
geschwänzten Hfl in schwarzem Saumfeld mit blauen 
Randmonden und einem vorne rostgelb gesäumten 
Augenfleck ober dem Innenwinkel. 34 — 45 mm. In 
Mitteleuropa verbreitet, aber lokal, in England jedoch, 
wie überhaupt in den Küstengebieten der Nord- und 
Ostsee fehlend. Die obere Höhengrenze der Verbreitung 
liegt bei 1000 m. Etwa vom 50° südhch regelmäßig 
in 2 Generalionen auftretend, wovon die erste d u n k- 
lere, mit schwarzem HIeib, im April bis Juni, die 
zweite, hellere, mit gelbem Hleib im Juli und August 
fliegt. Letztere nähert sich zuweilen der südeuropäischen 
Sommerform zanclue'iis Z., die spitzere, dünner be- 
schuppte Fl mit längeren Schwänzen und dicht 
weißbestäubten Hleib besitzt. Der Falter variiert 
stark'). Einige der auffalleiidsleii benannten Aber- 
rationen sind: 

ab. redüctus Schultz niil slar'U reduzierter .schwarzer 
Bindenzeichnung. — ab. unileeintlineütus Eim. Vfl mit 
11 schwarzen Querbinden; — ab. piK'iiiis Schultz mit 
sehr breiter dritter Halbbinde (von der Hasis ab gezählt). 
— ab. spuliätus SeluiUz mit fehlender vierter Rinde. — 
ab. pallistriga Schultz ockcrgelblich mit braungelben 
Binden. — ab. schultzii Bathke nielanotisch mit am 
Vrand zusammengeflossenen Binden, wozu ab. iiigr^scens 
Eim. einen Übergang bildet. — Bei ab. orndtii Wheeler 
ist der schwarze Mstreifen der Hfl breit orangegelb 
geteilt. 

Das kugelförmige E i gelblich mit mikroskopisch 
feiner netzförmiger Skulplui'. wird einzeln abgelegt. 

Die R a u p e jung, beborstet, schwärzlich mit 
grünen Rückenflecken und schwarzem Kopf, erwachsen 
stark gebuckelt, nach hinten abfallend und verjüngt 
(Taf, 1 Fg, la), grün mit gelben Rücken- tuid Seiteidinien. 
gelben Sc:hrägslrichen dazwischen und braunen Punkten, 
lebt im Juni eventuell August auf Schlehen, aber auch 
anderen Prunusartcn, Crataegus, Aronia, im Süden auch 



») Vgl. Stichel Berl. e. Z. lyo2 Sitzb. p. 3 Fg., 
u. Schultz ib. p. 119 Taf. 2. 



auf Mand"ln und Pfirsichen. Braucht direktes Sonnen- 
licht. 

Die überwinternde Puppe (Taf. 1 Fg. Ib) mehr 
gelb oder braun, jene der Sommergeneration schön giün 
gefärbt.') 

2. alesdnor Esp. (Kat. N. 2) Taf. l Fg. 2. Fl gelb 
mit schwarzen Querbinden, wovon die 3. und 4. der \'fl 
die Mzelle nicht überschreiten, und die zweite sich auf 
die Hfl fortsetzt, wo sie sich mit dem bis zur Hälfte 
schwarzen Innenrand vereinigt. Die breite, außen ge- 
zackte Antemarginalbinde der Hfl blau bestäubt. Die 
Fl'adern bleiben gelb, die .schwarze Schwanzspitze der 
Hfl auf der Innenseite gelb gefleckt. 34 — 36 mm. In 
Dalmalien bei Gravosa im Juni. Auch bei Digne, in 
Norditalien und Griechenland. 

ab. cincta Muschamp der Vrandsfleck am Schluß 
der Mzelle der Vfl verlängert sich bis zur Ader Mg. 

Die Raupe jener von Pap. machdon ähnlich, 
jedoch mehr weißhch grün mit breiteren schwarzen Quer- 
binden am Rücken, in welchen nur je 4 größere (bei 
machäoii 6 punktförmige) orangegelbe Flecken stehen. 
Lebt im August auf Seseli dioicum und montanuni. Ist 
bis zur letzten Häutung eine Mordraupe. 

Die Puppe grau, flacher als jene von niaihänn, 
liegt oft mehrere Jahre. =) 

höspiton Gene. (Kat. N. 3) Taf. 1 Fg. 3. Dem 
machäon sehr ähidich, die Adern der Vfl breiter schwarz 
angelegt, die schwarze Antemarginalbinde der Hfl breiler, 
nach innen nicht scharf begrenzt, ihre blaue Bestäubung 
in kleinere Flecken aufgelöst, der .\ugenfleck im Innen- 
winkel mehr mondförniig, die Schwanzspilze beträchtlich 
kürzer. 35 inin. Auf den Gebirgen Korsikas und 
Sardiniens von 70(l m ab aufwärts im Mai, Juni, stellen- 
weise mit machäon zusammen fliegend. 

Die R a u p e mit unregelmäßiger feiner gelber 
Zeichnung in den breiten dunklen Rückenbändern lebt 
auf Ferula communis und anderen Unibelliferen im 
Juli, August. Puppe grün. 

3. niacliäoii L (Kat. N. 4) Schwalbenschwanz 
Taf. 1 Fg. 4c. Fl schwefelgelb, Vfl mit schwarzen Adern, 
schwarzem, gelbbestäubtem Basaldrilleil und drei 
schwarzen Vrandsflecken. Die Antemarginalbinde setzt 
sich auf die Hfl fort, wo sie blaubestäubt und nach 
innen scharf begrenzt ist. Der rostrote Augenfleck im 
Irmenwinkel gerundet. Die gelben Marginalflecke aller 
Fl mondförmig, 34 — 45 mm. Oberall in Mitteleuropa in 
zwei Generationen im April, Mai und Juli, August. Steigt 
in den Gebirgen bis 2000 m auf. 

Die Falter der zweiten Generation sind meist heller 
mit schmälerem schwarzem Längsslreifen am Hleib. 

Der Falter variiert^) weniger als Pap. podalirius, 
trotzdem wurden zahlreiche Aberrationen benannt, unter 
welchen besonders die folgenden namensberechtigt er- 
scheinen: 



') Zur Zucht vgl. Gillm. Eni. Z. Gub. XIV p. 179, 
187: XV p. 17, 22, 54: Grund ib. XVIII p. 78. 

=) ZurZuchl vgl. Grün ack Eni. Z. Gub. .W p. 74. 

^) Vgl. besonders Eimer Artbild. II p. 95; 
S p e n g e 1 Zool. Jahrb. (Abt. f. Syst.) XII p. 337 Taf. 
17—19; Eni. Z. Gub. IX p. 105; Kranch. Eni. Jhrb. 
1900 p. 160. 



1. Familie. Papilionldae. 



ab. sphyrus Hb, eine meist kleinere, dunklere Form 
mit stark verbreiterter, zuweilen biszurMzelle reichender 
Antemarginalbinde der Hfl, die in Südeuropa häufiger 
auftritt. — ab. pällida Tult hat eine weißliche, ab. 
aurantiaca Spr. (der Sommergeneration) eine viel 
dunklere gelbe Grundfarbe. — ab. drüsus Fuchs (der 
Sommergeneration) hat einen fast ganz gelben Hieib. — 
ab. biinaculätiis Eim.') mit schwarzem Punkt im 
gelben Keilfleck der Zelle 6 der Vfl. — ab. dissolüta 
Schultz mit einem der Länge nach geteilten schwarzen 
Strich am Querast der Hfl. — ab. ininiaculdtus 
Schultz ohne schwarzen Fleck in Zelle 7 der Vfl. — 
ab. cönlluens Schultz die beiden großen schwarzen 
Kostalflecken der \"fl zusammengeflossen. — ab. 
inargiuäljs Robbe zeigt gerundetcre Hfl, die schwarze 
Zeichnung stark reduziert, die gelben Marginalfleckc der 
\fl nicht mondförndg. — ab. rufopimctäta Wheeler 
(rubro-maculäta Schultz) mit mehr oder w(Miiger rot 
gefärbten Marginalflecken der Hfl. — ab. nigrofasciäta 
Holhke mit sehr reduzierten oder fehlenden gelben 
Marginalflecken aller Fl und nur blau und schwarz 
gefärbtem Augenfleck der Hfl. — ab. niger Heyne ist 
eine stark mclanoti.sche Form. 

Das E i kugelig, anfangs hell, später schwärzlich. 

Die junge H a u p e ist schwarz mit roten Dornen 
imd großem weißem Uückenfleck. Erwachsen (Taf. 1 
Fg. 'la) gi'ün mit schwarzen Querbinden, in welchen je 
6 orangerote Punkte stehen. Lebt im Juni und August 
auf verschiedenen LTnibelhfercn wie Daucus, Anethum, 
Peucedanum, Ferula usw. 

Die P u p p e (Taf. 1 Fg. 4b) ist grün (Sommer- 
generation), oder gelb (überwinternd) mit dicken Kopf- 
enden. Auch Farbenanpassungen der I'uppo nadi ihrer 
Umgebung wurden beobachtet.^) 

2. (lattuiiii-. Tliäis F. (Zeryntliia Ochs.). 

Mgroße Faller, Fhlr sehr kurz mit länglicher Kolbe, 
Palpen von doppelter Kopfeslänge, unten lang be- 
haart mit spitzem Endgliede. Vfl mit sehr stumpf 
gerundeter Spitze und voller Adernzahl. Die Querador 
nach außen konkav, Ader M^ aus der oberen Ecke der 
Mzelle entspringend. Hfl mit stark gezacktem Saum, 
der sich auf Ader M, zu einer kurzen Schwanzspitze 
verlängern kann. 

Die Raupen mit 6 Längsredien kurzer, bedornler 
Fleischzapfen leben auf Aristolochien. 

Die langen schlanken Puppen am Kremaster und 
am Kopf (mittelst eines Fadens) kopfaufwärts aufge- 
hängt, überwintern (mitunter zweimal). Nur drei auf 
Südeuropa und das wesUiche Asien beschränkte Arten, 
die nur in einer Generation im Jahre auftreten. 

cerisyi God. (Kat. N. 9) Taf. 1 Fg. 5. Größte Art, 
blaßgelb, schwarzgefleckt. Hfl bei der in Europa nur 
in Bulgarien und der Türkei vorkommenden Stammform 
mit langem Zahn auf Ader M3, rotem Kostalfleck und 
kleinen .solchen Saumflecken. Das S dunkler gelb mit 
ausgedehnterer schwarzer Zeichnung und auf den Hfl 

') Vgl. Albert Ent. Z. Gub. X p. .51, 7C.. 
') Eni. Z. Gub. \n p. l'il. 158. 



mit blauen Saumflecken hinter den roten. 27 — 33 mm. 
Flugzeit Juni. 

Auf der Insel Kreta fliegt von Mitte Mai ab eine 
schwächer gezeichnete Lokalform, var. c r 6 t i c a Rbl., 
ohne Zahnbildung auf Ader M3 der Hfl. 

Die gedrungene Raupe ist in der Körperfärbung 
sehr variabel, meist gelb, seltener braun oder schwärzlich 
mit roten Dornen und gelben Längslinien. Lebt auf 
Aristolochia hastata u. and. von Mai bis Juli. 

Die gelbgraue Puppe mit schwärzlichen Längs- 
strichelchen gegen das Kopfende. 

1. polyxena Schiff. (Kat. N. 10) Osterluzei- 
faltor, Taf. 1 Fg. 6. Fl gelb, schwarz gerippt, mit 
großen schwarzen Querflecken am Vrande der N'fl und 
schwarzer Saumbinde, in welcher auf allen Fln eine tief- 
gezackte gelbe Querlinie verläuft, vor welcher auf den Hfl 
noch blaue und rote Punktflecke liegen. Auch am 
Vrand der Hfl liegt ein roter Fleck. Das $ ist 
größer. 22 — 29 mm. In Niederösterreich, Mähren und 
Ungarn .sowie in den südöstlichen Nebenländern im April 
und Mai auf sonnigen Stellen fliegend. 

Die ab. ochrdcea Stgr. mit tief ockergelber Grund- 
farbe ist in Dalmatien häufiger als anderwärts. — Bei 
der (häufigen) ab. bipunctäta Cosm. (= cassändra Mn.) 
ist der letzte Vrandsfleck der Vfl rotgekernt. — 
ab. rufi'Sccns Oblhr. zeigt orangegelbe (statt rote) 
Flecke der Hfl. — ab. iu6ta Meig. ist beträch Uich blässer 
(weißlich). — Bei ab. bella Neubgr. aus Ungarn sind die 
Fl'adern breiter schwarz angelegt, wogegen der dritte 
Vrandsfleck und der Innenrandsfleck der \'fl zum 
VerschW'inden neigen. — Die auch bei Triest fliegende 
(sonst in ItaHen und Südfrankreich auftretende) var. 
(ab.) cassändra Mb. (= creüsa Meig.) ist kleiner, die 
schwarze Zeichnung viel ausgedehnter.') 

Die U a u p e, Taf. 16 Fg. la, b, erwachsen rotgelb 
oder grau mit rotbraunen, an der Spitze schwarzen 
Flei-schzapfen im Juni, Juli auf Aristolochia clematitis 
u. and. an feuchlwarmen Stellen. 

Die Puppe Taf. 16 Fg. Ic gelbgrau. 

niniiiia L. Taf. 1 Fg. 7. Ähnlich der polyxena, 
jedoch stets auch die zweite und vierte Halbbinde der 
\i\ rotgrki'rnt, einige kleine Suba|)ikairU'cke der Vfl 
sind dunlisiehtig, auch ist die Mzelle der IUI ganz schwarz 
ausgefüllt. 22—27 mm. Auf der iberischen Halbinsel 
im März, April. 

Die ab. c a n t e n e r i Stgr. zeigt eine ockergelbe 
Grundfarbe, die var. medesicäste 111. aus Süd- 
frankreich ist breitflügehger, heller, die gelbe Außen- 
randslinie der Hfl weniger tief gezackt. — Ihre seltene 
ab. honorätii B. hat die roten Punkte der Hfl 
zu blaßroten Längsflecken erweitert. Auch die Mzelle 
und die vergrößerten Kerne der Vflbinden sind blaßrot. 

Die Raupe meist orangegelb mit schwarzen 
Längsstrichen und rolgelben, schwarzbeborsleten Fleisch- 
zäpfchen im Juni auf Aristolochia. Puppe graubraun 
schwarz gezeichnet. 

Gattung ArchoD Scud. (Dori'tis B.) 

Mgroüer Falter, in FIform und dünner Beschup- 
pung Parnässius ähnlich. Fhlr länger als bei Thdis mit 
länglicher Kolbe. Palpen kurz, lang behaart, Schenkel 

M In jüngster Zeit hat Schultz noch zahlreiche 
unbedeutende Aberrationen benannt (Ent. Z. Gub. XXI 
p. 267). 



() 



1. r;uuilic'. l'apilioiüdae. 



verdickt. Vfl mit stark gerundetem Saum und voller 
Adernzahl. Ader M, an der oberen Ecke der Mzelle 
entspringend. Hfl mit gerundetem Saum. Beschuppung 
runzelig. 9 ohne Aftertasche. 

Auch die Raupe jenen der folgenden Gattung sehr 
ähnlich, alier mehr gleichmäßig behaart. Die ge- 
drungene Puppe rulil in einem lockeren Gespinst unter 
der Erde. Nur eine, ausschlicBHch in W'cstasii'ii vor- 
kommende .'Vrt. 

apolliiius Hrbst. Taf. 1 l'g. s (i). \ fl mit 2 
großen schwarzen Flecken in der Mzelle, und zahlreichen 
grauen Querbinden, die den Fl glasig durchscheinend 
lassen. Hfl beim o gpll)lich, beim , mehr grau oder 
rötlich, mit einer Heih(; blauer nach innen roter Saum- 
flecke. 25 — 30 mm. In Kleinasien bis Syrien, im März, 
April, in mehreren Lokalformen fliegend. 

Die schwarze, rotgefleckte Raupe im Mai ein- 
gesponnen auf Aristolochia hastata. 

Die dicke, kurze, braunschwarze Puppe überwintert 
oft zweimal. 



3. Gattung. Parnassius Latr. 

Meist große Falter mit breiten, ganzrandigen, diinn- 
beschupplen Fln von weißer Grundfarbe, kolben- oder 
keulenförmigen Fhlrn, Palpen kurz und spitz, lang be- 
haart, den Kopf wenig überragend, der Körper plump, 
oft zottig behaart, die Vfl mit stumpf gerundeter Spitze, 
nur mit 'i-ästigem Radius, da Ader R3 fehlt. Die Quer- 
ader nach außen konkav, .\der Mj aus der oberen Ecke 
der Mzelle entspringend. Hfl oval mit ganz gerundetem 
Saum. 

Die Falter liabcn einen 
schwerfälligen Flug und 
sind sehr zähelebig. Sie 
besuchen gerne Blumen, 
worauf sie, mit ausgebrei 
teten Fl, saugend sitzen. 

Das begattete ? mit 
einem ventralwärts am 
Hleibsende befestigten , 
taschenartigen , hornigen 
Anhang, der sogenannten 
Aftertasche , nach deren 
Form sich natürlich Art- 
gruppen innerhalb der Gat- 
tung unterscheiden lassen. 
Dieses taschenartige 
Gebilde entsteht erst wäh- 
rend der Copula durch Er- 
starrung eines vom ^J er- 
go.ssenen Sekretes und 
findet sich daher noch nicht bei unbefruchteten $. 
Die Aftertasche haftet in der apoUo-Gruppe sehr 
fest, löst sich aber bei geflogenen mnemosyne ? 
leicht ab. Homologe Taschcnbildungen treten auch 
innerhalb anderer Papilioniden-Gatlungen (z. B. der 
ostpaläarktischen Gattung L u e h d o r f i a), sowie bei 
der exotischen TagfalterfamiUe der A c r a e i d e n auf. 
Die Gattung Parnä.ssius enthält rund .')0 Arten, 
wovon nur drei in Europa (mit Ausschluß Großbritanniens 
und der arktischen Region) vorkommen. Das Verbrei- 



Hochländer. Drei Arten finden sich auch in den west- 
lichen Gebirgen Nordamerikas. Seit der entomologischen 



Vg. 2. 




apollo. 




.:;.l//l[.//'|lffi^jy|A.JL'i.i^/j|yj. '- '■^'. 



k^ 






Hinterleib von 



tungszentrum der Gattung fällt in die zentralasiatischen 



Erschließung Innerasiens sind die auffallenden und sehr 
variablen Parnässier eine Lieblingsgruppe von Samm- 
lern paläarktischer Lepidopteren geworden. 

Die Eier sind kalottenförmig. 

Die dicken zylindrischen Raupen mit kleinem, 
kugeligem Kopf tragen kurzbehaartc Knopfwarzen. 
Ihre Färbung ist meist samtschwarz mit roter Flecken 
Zeichnung. 

Die P u p p e n sind dick und gedrungen, weiß bereift 
und liegen in einem leichten Erdgespinst. Die euro- 
päischen .\rtcn haben nur eine Generation im Jahre. 

A) Gruppe Carinati: Fhlr mit deutlicher Fhlrkolbe, 
Hfl mit roten Augenflecken, -\ftertasche des 2 kurz, 
dunkelbraun , nur auf die beiden letzten Hleibsseg- 
mente beschränkt, in der Mitte abgesetzt uiul in ilirem 
vorderen Teile gekielt (vgl. Fg. 3). 

5. apöllo L. (Kat. N. l'i) Apollo f alter Taf. 2 
Fg. Ib ( ; ). Fhlrgeißel weiß, selten undeutlich geringt, 
Vfl mit 4 schwarzen Kostalflecken und in beiden Ge- 
schlechtern mit großem schwarzem Innenrandsfleck. Die 
Hfl mit großen, weißgekernten roten Augenflecken und 
meist mit 2 kleineren schwarzen Querflecken ober dem 
Innenwinkel. Der Hleib des J viel stärker behaart 
als jener des ?, bei welciiem derselbe oseils helle 
Segmentränder zeigt. Das $ stets größer, dunkler, mit 
vollständigerer Zeichnung als das o ■ 34 — 50 mm. Auf 
den Gebirgen Mitteleuropas, in Deutschland nördlich bis 
Koblenz und das Riesengebirge verbreitet. Flugzeit Mai 
bis August. Hühenverbreitung in den Alpen zwischen 
250 bis 2200 m Seehöhe. Der Falter saugt gerne an 
Distelköpfen. Die große Variabihtät dieses schönen 



1. Familie. Papilionidae. 



Falters hat zur Benennung zahlreicher Aberrationen 
und Varietäten geführt^), wovon jedoch nur sehr wenige 
konstant und lokalisiert erscheinen. Die nainens- 
bercchtigsten derselben sind: 

a) Aberrationen, 
die innerlialb jeder Lokalforiu und oft mehrfach vereint 
in einem Individuum auftreten können: 
ab. ? inv6rsa Aust. mit heller, mannlicher Färbung. 

— ab. fasciÄta Stich, mit durch schwärzliche Bestäubung 
verbundenem unterem Kostalfleck und Innenrandsfleck 
der Vfl. — ab. nexilis Schultz mit ähnlicher brücken- 
artiger Verbindung zwischen den Augenflecken der Hfl. 

— ab. colia^rens Schultz (ponsoni Culot) mit ver- 
bundenen Zellfleckeii der \'fl. — ab. albosignäta 
Schultz mit weißgekernten Kostalflecken. — ab. pscudo- 
ii6mion Christ, mit rotgekernten letzten Kostalflecken 
und meist auch solchem Innenrandsfleck. — ab. ex- 
c6Isior Stich, mit rotem Basalfleck der Hfl'oseite. — 
ab. decöra Schultz mit reicher roter Füllung der Anal- 
flecke der Hfl. — ab. flavoinaculäta Deck. Augenflecke 
der Hfl gelb (statt rot). — ab. hruiincoinaculäta Stich. 
Augenflecke der Hfl brauiuol. — ab. alboinaculäta 
Muschamp. Augcnflecke der Hfl nur weil3, schwarz ge- 
ringt. — ab. philippsi Schultz Augenflecke der Hfl 
ohne schwarzen Hof. — ab. intcrt6xta Stich. Augenflecke 
mit schmalem gelbem Ring zwischen schwarzem Hof 
und rotem Spiegel. — ab. gräphica Stich. Der ver- 
größerte weiße Kern des unteren Augcnfleckes ist durch 
einen roten Strich auf Ader 1M3 geleilt, womit auch die 
Tendenz zur Zwillingsbildung des unteren Augcnfleckes 
verbunden ist. — ab. wiskolti Obtlir. mit abnori.i er- 
weiterten und verlängerten roten Augen-, Basal- und 
.Vnalflecken der Hfl. — ab. novärae Obthr. nur mit 
den 2 Pflocken in der Mzelle der Vfl und einfarbig 
schwarzen Augen flecken der Hfl, sonst vollständig 
fleckenlos.^) 

Die beiden letzten Aberrationen sind sehr selten. 

b) Varietäten (l,okalformenl. 

Mit viel geringerer Sicherheit als die vorbenannten 
Aberrationen lassen sich die zahlreichen benannten 
mitteleuropäischen Lokalformen von apollo trennen. 
Im allgemeinen ist dies noch eher bei den außerhalb 
des Alpengebietes auftretenden Formen, dank ihrer 
strengeren lokalen Isoherung möglich. 

Es sollen daher vorerst diese angeführt werdiMi ; 

a) a u ß e r a 1 p i n e L o k a I f o r m e n. 
V. iiivätus Frühst. Flform gestreckt , Grundfarbe 
sehr hell, rein weiß, Glassaum der Vfl sehr schmal, 
Augenflecke der Hfl mäßig groß, Analflecke sehr klein, 
Bestäubung vor dem Saum schwach. Schweizerischer 
Jura. — V. vinning6nsis Stich, (eiffelt^nsis Aust.). Eben- 
falls schmalflügelig, leuchtend weiß. Hfl ohne Sub- 
marginalbinde, Augenflecke mehr oder weniger nieren- 
fiirmig, beim schwach schwärzlich bestäubten ? größer 
und runder. Häufige Neigung zur Bildung der ab. 

■) Vgl. Stichel, Seitz Groß-Schmett. Voll 
p. 23 ff. und Genera Insect. (Wytsmaii) fasc. 58 p. 21 ff. 

-) Ein fjbergangsstück zu dieser Aberration be- 
spricht Kalhariner 111. Z. f. Eni. 1\' p. lOt; Fg. 



fasciäta. Westdeutschland (Moseltal und Eiffel bei 
Kaiseresch). — v. inellilücus Stich. Der vorigen Form 
sehr ähnlich, ebenfalls rein weiß, aber rundflügeUger, 
dichter beschuppt, Glassaum der Vfl sehr schmal und 
verkürzt, Augenflecko der Hfl rund, beim ? sehr groß 
(Neigung zur ab. gräph i ca), auch die Analflecke hier 
häufig bindenartig zusammengeflossen. Graue Be- 
stäubung vor dem Saum der Hfl selten angedeutet. 
Württemberg, Ober-Pfalz, Franken, Nicder-Bayern, 
Fichtelgebirge. — v. albus Rbl. & Rghfr. Sehr groß, 
dicht und rein weiß beschuppt, mit breitem Gla.ssaum 
der Vfl. Der obere Augenfleck der Hfl häufig ohne 
weißen Kern. Aus dem mährisch-schlesischen Gesenke 
und vom Glatzer Schneeberg. — v. carpäthicus Rbl. 
& Rghfr. sehr groß und breitflügelig, mit schwach 
gelblicher Grundfarbe und beim $ starker grauer Be- 
stäubung. Die schwarzen Zellflccken der Vfl sehr groß, 
die Augenflecke der Hfl nicht vergrößert, tiefrot, stark 
schwarz umrandet mit kleinen oder fehlenden weißen 
Kernen. Die starken Analflecke der Hfl bleiben schwarz. 
43 — 50 mm. Aus der hohen Tatra. Kleiner, weniger 
charakteristisch aus anderen Teilen Ungarns und aus 
Siebenbürgen. — v. bosni6iisis Stich, ähnlich der 
vorigen Form, ebenfalls groß und breitflügelig, Grund- 
farbe noch mehr gelbhch, die Fleckung viel schwächer, 
die graue Submarginalbinde beim o länger. Aus den 
Gebirgen Bosniens und der Herzegowina. — v. libür- 
iiicus Rbl. & Rghfr. auch sehr groß, Fl gestreckt, sehr 
hell, rein weiß, beim ,S mit sehr kurzer Submarginal- 
binde der Vfl und vollständig fehlender grauer Bestäu- 
bung vor dem Saum der Hfl. Der Glassaum der Vfl 
sehr schmal und kurz, die Flecken daselbst klein und 
abgerundet, auch die Augenflecke der Hfl klein, die 
Analflecke stark rückgebildet. Aus dem kroatischen 
Velebit. 

•i) alpine Formen. 

var. (ab.) britting^ri Rbl. & Rghfr. In den alpinen 
Gebieten bleibt der Falter in der Regel kleiner, der 
glasige Saum der Vfl breiter und bis zum Innenwinkel 
reichend, die Flfläche mehr oder weniger grau bestäubt, 
was namentlich bei ? ? aus den steirischen Gebirgen 
der Fall ist, wo auch die <J o stärker gi'au bestäubt 
auftreten. — var. bartholomae'us Stich, ist eine kleine, 
rundflügelige Form aus der Gegend von Berchtesgaden 
mit besonders vollständiger, stark gekappter grauer 
Submarginalbinde aller Fl. Augenflecke der Hfl klein, 
lebhaft dunkelrot. — var. rübidus Frühst, ist eine 
große, gelbliche Form mit gestreckten Flu, im übrigen 
sehr variabel, meist mit nicht weiß gekernten 
Augenspiegeln der Hfl. Aus Südtirol, besonders dem 
Eisacktal. — var. valesiaciis Frühst, aus dem Wallis, 
hat eine sehr breite glasige Submarginalbinde der Vfl 
beim ^ und ungewöhnlich breiten Glas.saum der Hfl 
beim 9 • 

Alle übrigen benannten alpinen Formen') gestatten 
keine genügend sichere Charakterisierung. 



') So gömi nus Stich; (alle Exemplare alpiner Her- 
kunft, soferne sie nicht einer anderen benannten Form 
angehören): montänus Stich.: carinthicus Stich, 
und rhaölicus Frühst. 



8 



1. Familie, Papilionldae. 



Das gewölbte E i mit flacher Basis ist körnig skulptu- 
riert mit etwas vertieftem Mikropylenfeld. Es über- 
wintert. 

Die Raupe (Taf. 2 Fg. la) samtschwarz, mit 
kleinen stahlblauen Warzen und einer Seitenreihe 
orangegelber Flecken, 2 bis 3 auf jedem Segmente, 
wovon jene am Hrand der Segmente größer sind. 
Lebt auf Sedum album und lelephium, selten Semper- 
vivum, in der Jugend gesellig, frißt nur bei hellem 
Sonnenschein. Verpuppung meist im .luni unter einem 
leichten Gespinst. Dauer der Puppenruhe 8 bis 10 
Tage.') 

6. phoc'bns F. (dolius Rsp.) ( Kat. N, 20) Taf. 2 
Fg. 2a ( J ), b ( 9 ). Dem apoUo iihnlich, jedoch kleiner, 
weniger robust, die Fhlrgeißel scharf schwarz geringt, 
der letzte obere Vrandsfleck rotgekernt, das ^ meist 
mit fehlendem Innenrandsfleck der Vfl und regel- 
mäßig ohne Analflocko der Hfl. Der dunkle Hleib 
in beiden Geschlechtern gleich stark behaart, die 
HIeibstasche dos $ jener bei apoUo $ ganz ähnlich. 
32 — 38 mm. In Mitteleuropa nur in den Hochalpen 
der Schweiz, Tirols, Kärntens, Salzburgs und Ober- 
steiermarks in Höhen von 1600 bis 2600 m, meist auf 
Grashalden, stets nur lokal verbreitet.') Flugzeit 
Juli bis August. 

Auch dieser schöne Hocligebirgsfalter variiert stark, 
doch sind die innerhalb seiner alpinen Fluggeljiete kürz- 
lich aufgestellten Lokalformen kaum standhaft zu unter- 
scheiden: 

a) Aberrationen. 

ab, o cästa Stich, ohne Innenrandsfleck der \ü 
(sehr häufig, vgl. oben). — ab. Iianhvickü Kane mit 
3 roten Kostalfleckon der Vfl. — ab. inornätii Wheeler 
nur mit schwarzen Kostalfleckon der Vfl. — ab. luiran- 
tiaca Spul., Augenflecko der Hfl orangegelb (statt rot). 
— ab. cj Iconhärdi Hühl Augenflecke verkleinert und 
nur schwarz gefärbt (seilen auch beim $).') — ab. änna 
Stich, mit rotem Basalfleck der Hfl. — ab. ? nigriscens 
Wheeler stark schwärzlich verdunkelt. — ab. $ hcrrichii 
Obthr. Die beiden äußeren Kostalflecken der Vfl sind 
mit dem Innenrandsfleck durch eine schmale schwärz- 
liche Binde verbunden. — ab. 9 cardinälis Obthr, 
Die Augcnflecke der Hfl siiui durch einen schwärzlichen 
(selten rotbesehuppten) Steg verbunden, ebenso zu- 
weilen noch diM- obere .\ugenfleck mit dem Ba.salfleck. 

b) L o k a 1 f o r m e n.*) 
var. sac^Tdos Stich.^) Eine besondiTs im weib- 
lichen Gcschlechte stark verdunkelte Form, mit stark 
verbreitetem apikalem Glassaum bei c? und ?• D'e 
Augenflecke der Hfl oft sehr klein, karminrot mit breiten 
schwarzen Ringen. Engadin, Fextal, Ortlcrgebict. — 



') Zur Zucht vgl. Ent. Ztg. Gub. VI p. 34. 

-) Die Art wurde zuerst in ihrer sibirischen Form 
(phoe'bus F.) bekannt und ist bis Nordamerika (smin- 
theus Dbld.) verbreitet. 

') Spröngerts Ent. Z. Gub. XIII p. 116. 

*) Fruhs tor f er Ent. Wchbltt. (Ins. Börse) 
XXIV p. 199. 

'•) L'nstatthaftistes, dieEngadinerForm he r r i chi 
Obthr. zu benennen, welche eine ausgesprochene auch 
anderwärts auftretende Aberration bezeichnet. 



var. ccrvinicolns Frühst. Eine sehr helle Form mit 
meist aufgelösten submarginalen Binden, ohne schwarze 
Bestäubung. Zermatt, Simplon, Chamounix. — var. 
styrlacus Frühst, mit dichter schwarzer Bestäubung der 
Vfl und des Innenrandsteiles der Hfl. Obersteiermark.') 

Hybriden zwischen apollo und delius wurden 
mehrfach beschrieben, sind aber zumeist nur aberrative 
.\pollostücke. 

Das E i weiß, ähnlich jenem von .\pollo, die Mikro- 
pylen liegen in einer dunkel gefärbten, eingedrückten 
Rosette. 

Die Raupe jener von Apollo sehr ähnlich, 
schlanker, die Fleckenreihen mehr zitron- als orangogelb. 
Lebt im Juli an Saxifraga aizoides an nassen, oft.über- 
wässorlen Stollen, wo auch die Verpuppung erfolgt.^) 

B) Gruppe V e n t r i c 6 s i. Fhlrform mehr keulen- 
förmig, Hfl ohne rote .Augcnflecke, die Adern aller Fl 
schwarz. HIeibstasche des 9 lang kahnförmig, un- 
gekielt, weißlich, bis nahe an die Wurzel des Hleibes 

reichend (vgl. Fg. 'i). 

7. inneinosyne L. Taf. 2 Fg. 3b Fhlr, Beine und Leib 
schwarz, dieser beim o vveißlich behaart, beim 9 fast nackt 
glänzend. Fl weiß mit schwarzen .\dern und schwärz- 
lichen Fransen. Die Vfl nur mit 2 schwarzen Zellflecken 
und breitem glasigem Saum. Die Hfl mit schwärzHcher 
Bestäubung längs des Innenrandes und schwärzlichen 
Flecken am Schluß der Mzelle und (seltener) auch in 
der Mitte des Vrandes. Das 9 dunkler und deut- 
licher gezeichnet. 27 — 32 mm. In Mitteleuropa ver- 
breitet, und nicht auf das Gebirge beschränkt, dort aber 
auf Waldwiesen zwischen 300 und 1500 m häufiger. 
Hauptflugzeit Juni. Tritt meist zahlreich auf. 

Benannte -\berrationen sind: 

ab. intäcta Krul. ohne schwarze Bestäubung am 
Schluß der Mzelle der Hfl. — ab. halt^res Muschamp 
zeigt die Zellflecke der Vfl durch einen schwarzen Steg 
verbunden. — ab. atMne Stich, mit 4 — 5 weißlichen 
Flecken im glasigen Saum der Vfl. Bildet einen Über- 
gang zur var. nubiUisus Christ, Böhmen, Bosnien und 
anderwärts. — ab. 9 melaina Honr, stark schwärzlich 
verdunkelt, wobei namentlich die Vfl oft durchaus glasig 
erscheinen. — ab. (var.) ^ V bartmäiini Slndf, aus den 
bayrischen Alpen und dem Salzkammergut zeigt auch 
im männlichen Geschlechto ein schwärzlich getrübtes 
.Aussehen mit grauem Koslalfleck. 9 'i Übergängen zu 
melaina zuweilen völlig schwarz (ab. unibrätilis Frühst, 
von Oberaudorf bei Kufstein). — var. silcsiaeus Frühst.") 
aus Schlesien bildet ebenfalls einen Ül)ergang zu 
melaina.*) 

') Wie bereits bemerkt, sind die Lokalformen nach 
der aiißerordentlichen Variabilität, die der Falter bei- 
spielsweise in den hohen Tauern aufweist, kaum aufrecht- 
zuerhalten. 

=) Zur Zucht vgl. S e 1 m o n s Soc. Ent. X p. 34. 

') Int. Eni. Z. II p. 17. 

') Einzuziehen ist v. p ä r v u s Stich, aus Friesach 
(Kärnthen). .\uch die kürzlich von Fruhstorfer 
(Ent. Ztschrft. X.XU p. 12) aufgestellton Formen: 
cuni^ifer aus dem Ortlergebiot, demaculälus und 
mesoleu'cus aus Ungarn uiui die stark gelbliche ab. 
tübulus vomSchoberstoin sind kaum nainensberechligt. 




labe Papilio podalirius.- 2. Pap. alexanor. - 3. Pap. hospiton. - 4 a. b. c. Pap. machaon. - 5. Thais cerisyl. 
— 6. Tli. polyxena. — 7. Th. ruraina. — 8. Archon apollinus $. 




1 a. b. Parnassius apoUo 9. — 2 a. <? b. § Parn. phoebus. — 3 a. b. Parn. mnemosyne. — 4 a. b. c. Aporia crataegi. 
— 5 a. b. (J c. ? Pieris callidice. — 6 a. cJ b. $ Pier. Daplidice. 



1. r'aiiiilje. Papilionidae. 2. Familie. Pinridae. 



Das Bi ist hochgewölbt, körnig skulpturiert, weißlich. 

Die Raupe Taf. 2 Fg. 3a nach beiden Enden stark 
verjüngt, schwarz, kurz und fein behaart, mit gelben 
Fleckenreihen an der Seite, 2 auf jedem Segment, wovon 
der vordere größer ist. Lebt auf Corydalis-Arten im 
.\pril, ^^ai bei Tage verborgen. Verpuppung an der Erde 
in ziemlich dichtem Gespinst. P u p p e lehmgelb, stumpf 
und dick, weißlich bereift. 



2. Famili(\ Pieridae. 

Fhlr meist gerade mit komprimierter Ivolbe, selten 
kurz keulenförmig. Augen nackt, rund, Slirne hoch. 
Rüssel normal. Palpen den Kopf überragend, vorne 
steif behaart. Hleib schlank, komprimiert, mit mehliger 
Bestäubung. Die Vbeine in beiden Geschlechtern voll 
entwickelt, die Vschiene ohne Schienenblatt, Hschienen 
ohne Msporn. 

Fl breit, ihre Mzelle geschlossen. .\uf den \fl snid 
Ader Rj bis Hj gestielt oder zusammenfallend. .Ader A3 
fehlt. 

Hfl mit oder ohne Praekostalsporn, und stets vor- 
handener Ader A3, was mit dem wohl entwickelten 
Innenrandsfeld zusammenhängt, welches den Hleib in 
der Ruhe umschließt. 

Die europäischen .Vrten von ausschließlich weißer 
oder gelber Färbung, die häufig nach dem Geschlechte 
verschieden ist. 

Die Raupen schlank zyUndri.sch, meist kurz und 
weich behaart, mit kleinem gewölbtem Kopf. 

Die Puppen schlank, meist mit gespitztem Kopf- 
ende; am .\fter und um den Leib mittelst eines Faden- 
gürtels befestigt. 

Die hier zu erwähnenden 7 Galtungen unterscheiden 
sich: 

1. Mzelle aller Fl sehr kurz, nicht bis '/j 

der Länge reichend Leptidia. 

Mzelle aller Fl bis zur Hälfte der FUänge 

reichend 2 

2. Spitze der Vfl, und Saum der Hfl auf 

Ader C, vorgezogen Gonöpteryx. 

Spitze der Vfl und Saum der Hfl nicht 

vorgezogen 3 

3. Ader R., der \'fl aus R3, Hfl ohne 

Praekostalsporn Cölias. 

Ader R^ der Vfl aus der Mzelle. Hfl mit 

Praekostalsporn 4 

4. Ader R, der Vfl ist vorhanden 5 

Ader R3 der Vfl fehlt 6 

5. Fhlr kurz, mehr gekeult, Hleib plumper, 

stärker behaart Zegris. 

Fhlr mäßig lang mit deutlich abge- 
setzter Kolbe, Hleib schlank und 
schwach behaart Euchlöe. 

6. Fhlr allmählich verdickt, Fl dünn be- 

schuppt mit scliwarzen Adern .... Apöria. 
Fhlr mit deutlich abgesetzter Kolbe, 

Fl dicht mehlig beschuppt Pieris. 

Berge-Rebel, Schmetterlingsbucb. 



4. (iattiuu 



Aporia Ili 



Fhlr allmählich verdickt. Palpen kurz. Vfl mit 
gerundeter Spitze und fehlender Ader R^. Ader R^ und 
R5 bilden eine lange Gabel, R^ verläuft frei. Praekostal- 
sporn der Hfl lang, nach vorne gebogen Fl dünn- 
beschuppt, weiß mit schwarzen Rippen. Raupe kurz 
behaart mit einzelnen längeren Haaren. Die Puppe 
mit stumpfem Kopfende. 

8. cratae'gi L. (Kat. N.38) Baumweißling. Taf. 2 
Fg. 4c. Gelblich weiß, die Enden der schwarzen .\dern 
am Saume erweitert und zusammengeflossen. Das ? 
häufig noch dünner beschuppt als das 3 . 32 — 34 mm. 
In Mitteleiu'opa in manchen Jahren .sehr häufig, in 
anderen selten, im .luni, Juli. Kommt bis 1800 m in 
den Alpen vor. 

ab. u aU'pica Cosmov. ist vollständig glashell. — 
ab. inargiiiata Tutt ist der Saum bindenartig schwarz. 
— ab. augüsta Tur. mit sehr breiter schwarzer .Mmakel 
der Vfl und auffällig schwarz verbreiterten Adern- 
eiulen. Auch aus Ungarn (Bösing). — ab. lunuliita 
Tutt hat breite monilförmige Mmakeln. — ab. 
meldiia Tutt hat auf der Useite der Hfl schwarze 
Zwischenadernslreifen. — ab. suffüsa Tutt sind dunkel 
übergossene Stücke, die sich bei ab. koyi .\ign. zur 
vollständigen Schwarzfärbung ausbilden. — ab. flava 
Tutt sind völlig gelbe Stücke. 

Die gelben kegelförmigen Eier werden an der 
Useite der Blätter haufenweise abgelegt. 

Die Raupe Taf. 2 Fg. 4a aschgrau, am Rücken 
schwarz mit 2 orangeroten breiten Längsstreifen. Kopf 
und Brustfüße schwarz. Lebt auf Kern- und Steinobst, 
Weißdorn, selten Eichen, anfangs gesellig, und über- 
wintert gemeinsam zwischen zusammengesponnenen 
Blättern (sog. „kleine Raupennester") auf den Ästen 
der Nährpflanze. Besonders in Obstgärten oft sehr 
schädlich. 

Die Puppe Taf. 2 Fg. 4b hellgelb mit schwarzer 
Fleckenzeichnung, im .Mai kopfaufwärts an Zweigen be- 
festigt.') 

f). Gattuii.ii. Pieris Solu-. \Veis.slini;e. 

Fhlr lang, mit deutlich ab- 
gesetzter Kolbe, Palpen kurz, 
Vfl mit ziemlich scharfer (häu- 
fig schwarzgefärbter) Spitze 
und fehlender .\der R3. Die Ga- 
belung von Ader R4 und K- oft 
sehr kurz. Rjfrei. Praekostal- 
sporn der Hfl kurz, nach vorne 
gebogen. Die Fl mehlig weiß 
oder gelblich beschuppt mit 
schwarzen Zeichnungen. 

Raupen nur mit kurzer 
Behaarung, leben an Cruci- 
feren. 



Fg. 5. 




') Vgl. Gauckler 111. Z. f. Ent. II p. 561 Fg. 

2 



10 



2. Kamilie. Pieridae. 



Die Puppen mit scharfer Kopfspitze und einem 
Rückenitamm, kopfaufwärts befestigt. 

9. brässicae L. (Kai. N. 45) Kohlwcißli n};, 
Taf 3 Fg. Ic ( J ), Id ( $ ). Fl kremweiß mit schwarzer 
bis auf Cj herabreichender Apikaifärbung der Vfl und 
kleinem solchem Vrandsfleck der Hfl. Das $ über- 
dies auf den \'fl mit keilförmitjem schwarzem Iinienrands- 
fleck und 2 runden .solclien Diskalflecken. Useite der Hfl 
und Spitze der Vfl gelblich, schwarz bestäubt. Letztere 
auch beim (J mit den schwarzen Diskalflecken. 29 bis 
34 mm. Überall in Mitteleuropa in 2 bis 3 Generationen. 

Die Frühlingsgeneration chariciea Slph. ist kleiner, 
die Vfls|iitze mehr grau, die Useite der 11 fl dunkler 
gefärbt. 

all. ^ nigronot^ta Jachontoff zeigt auf der Oseito 
di'r \fl (inen schwarzen Fleck. — ab. obscurätii Oblhr. 
ist gleichmaßig rauchgrau überschattet. — al). lutea 
Röber ist o- und useiLs lebhaft gelb. 

Die kegelförmigen, goldglänzenden Eier werden 
haufenweise auf die lilaltuseite abgelegt. Die Raupe 
Taf. 3 Fg. la bläulich grün oder gelblich mit in 
Punkte aufgelösten Rückenflecken und gelbem Rücken- 
und Seitenstreifen. Von Juni bis September auf Kohl- 
arten, sehr .schädlich in Küchengärten. Die Puppe 
Taf. 3 Fg. Ib gelblich grün mit schwarzen Punkten. 

10. räpae L. (Kat. N. 48), Rüben weißl mg, 
Taf. 3 Fg. 2 b — d ( J $ ). Viel kleiner als die vorige Art, 
dieser ähnlich, jedoch die mehr graue Apikaifärbung 
der Vfl reicht selbst beim $ nur bis Mj herab, das cJ 
meist mit einem schwarzen Diskalflecken auf derVfl'oseite. 
20 — 27 mm. überall in .Mitteleuropa in 2 bis 3 Genera- 
tionen, weniger auf Küchengärten beschränkt. 

Auch hier ist die Frühjahrsgeneration m^tra Stph. 
kleiner, schwächer gezeichnet mit dunklerer Useite. 
Unter ihr kommt häufig die ab, ^J leuc6tera Stef. mit 
verloschenem Apikaifleck der Vfl vor: seltener sind ganz 
einfarbig weiße Stücke ab. o imnuiculäla Cock., oder 
oseits stark gelbgefärbte $, ab. Uar6seeas Röb., die 
sich zur ab. $ fl&vida Petersen mit Dottergelb über- 
gossener Oseite steigern können, ab. (J praet^rita Krul. 
zeigt auf den Vfl zwei schwarze Flecken wie das ? . 

Die Sommergeneralion ist größer, mit meist gut 
entwickelter schwarzer Zeichnung, die bei ab. incssa- 
n{-nsis Z. sehr groß und intensiv wird; bei ab. del6ta 
Strand ist der .\pikalfleck der X'fl undeutlich und weiß 
bestäubt. 

Eine Parallelform zu räpae, mit der sie zusammen 
vorkonnnt, bildet in Istrien, Dalmalien und anderwärts 
im Süden die var. mäiini Mayer.') Sie unterscheidet 
sich von räpae durch den viel stärker gerundeten Saum 
der breiter erscheinenden Vfl und durch den viel größeren 
.\pikal fleck, welcher eine schmale Fortsetzung bis zur 
Mitte des Saumes findet. Die Sommerform bildet ; 
hier v. rössi Stef. mit schwarzem Apikalfleck imd i 
größeren Mmakeln der Vfl, wovon die obere beim $ 



') Vgl. S c h i m a Verh. zool. bot. Ges. 1903 p. 566: 
1905 p. 24; Rbl. ib. 1907 p. (92); Tur. Nal. Sic. XX 
p. 17 T. 4 Fg. 7— 11, 19, 20 T. 5 Fg. 7—10, 15. 



häufig durch schwarze Strahlen auf Ader Cj und Mj mit 
dem Saum in Verbindung steht. Der Genitalapparal 
bietet keinen durchgreifenden Unterschied gegen rapae. 
Die Puppe soll weißlich, zeichnungslos sein.') 

Das einzeln abgelegte grüngelbe E i ist kegelförmig 
mit 11 Längsrippen, wovon nur 7 die Spitze erreichen. 

Die Raupe Taf. 3 Fg. 2a von räpae ist matt- 
grün, an den Seilen gelblich mit schmaler gelber Rücken- 
und Seitenlinie, an Kohlarten und anderen Cruciferen, 
Juni bis September. 

Die Puppe ist grünlich, oder mehr grau, hell 
gestreift, mit geringer schwarzer Punktzeichnung. 

11. prj;ane HG. (Kat. N. 49) der vorigen Art 
sehr ähnlich, kleiner und rundflügeliger, mit gleicher 
Zeichnung, der Fleck des cJ in Zelle 3 der Vfl zuweilen 
fehlend (ab. semimaculäta Rostagno). Die Fleckung 
erscheint in beiden Geschlechtern niemals auf der Useite. 
19 — -20 mm. In Krain, Istrien und Dalmatien in 2 
Generationen im Mai und Juli. Die $ der Sommer- 
generation mit oseits auffallend gelblichen Hfl. 

ab longomaculäta I^)stagno zeigt die schwarzen 
Flecken der \'fl kräftiger und die mileren zu einer Quer- 
binde verflossen, ab. $ magnimaeulätu Rostagno die- 
selben bloß vergrößert, aber getrennt. 

Raupe blaugrün mit kleinen schwarzen, weiß- 
behasu-ten Punktwärzchen besetzt. Von der gelben 
Stigmenlinie ist auf jedem Segment nur ein Flecken 
vorhanden. Im .\pril und Juni auf Cruciferen.') 

12. luipi L. (Kat. N. 52) Raps Weißling Taf. 3 
Fg. 3c — e ( cJ ? )■ Ebenfalls der rapae ähnlich, die 
Fhlrgeißel meist deutlich schwarz geringt, die Fl gestreckt 
(in der 2. Generation mehr gerundet), der schwärzhche 
Apikalfleck weniger breit, nur aus den Verdunklungen 
der Adernenden zusammengesetzt, die bis zur Hälfte 
des Saumes herabreichen. Die Useite der Hfl mit breiter, 
graugrüner Beschattung längs der hellbleibenden Adern. 
20 — 25 mm. Überall in Mitteleuropa, aber mehr lokal 
und seltener als rapae. 

Die zweite Generation napa^ae F'sp. ist viel größer, 
breit und rundflügeliger, heller, oseits schwarz ge- 
zeichnet, mit schwacher Bestäubung auf der Useite der 
Hfl. Die var. meridionälis Stef. ist eine Sommerform 
mit mehr grauer Fleckenzeichnung als rapae und 
fast zeichnungsloser, mehr weißlicher Useite der Hfl, im 
Süden, so bei Herkulesbad und in Siebenbürgen. 

Die w-ichligsten benannten männlichen .Vberra- 
tionen sind: 

ab J sabillieae Stph. mit sehr deutlichem schwarzem 
Diskalfleck der Vfl. — ab. j impunctäta Röber, ohne 
schwarze Diskalflecke. — ab. j nap^lla Lambillon 
(näna Röber) sehr klein, gelblich, ebenfalls ohne oder 

')' e rg a n o i d e s Stef. (aus Toskana) wird in 
neuerer Zeil von Turati als Aberration zu manni-rossi 
gezogen. Sie ist viel kleiner und schmalflügeliger, als 
manni und gleicht bis auf die gestreckte Flform sehr 
ergäne. Der .\pikalfleck des ^^ ist sehr eingeschränkt, 
die Fleckung fehlt unterseils. Die kürzlich als Sommer- 
form von P. ergäne beschriebene ab. r o s l ä g n i Tur. 
dürfte von erganoides kaum zu trennen sein. 

■) II ofm. -Spuler Raupen Nachtr. Taf. 1 Fg. 3. 



2. Familio. Pieriilae. 



11 



mir mit sehr kleinen Diskalflecken ca. 16 mm. — ab. ^ 
sulphürea Schöyen hat eine schwefelgelbe Grundfarbe. 

In den Voralpen und Kalkgebirgen bei Wien treten 
in der Sommergeneration häufig lobhaft gelb gefärbte 
$ mit oseits .sehr kräftig entwickelter schwarzer 
Zeichnung auf. Die Useite der Hfl kanariengelb mit 
schwacher Bestäubung längs der Adern. Solche Stücke 
sind var. Oay^scens, Wagn.') (= interjecta Röber). 
Bei der bei Wien unter flavescens, aber auch bei Berlin") 
vorkommenden ab. c m^ta Wagn. (= radiäta Röber) 
bleibt die Grundfarbe mehr weiß, aber die schwai'ze 
Saumverdunklung ist ausnehmend breit und verbindet 
sich mit den beiden Diskalflecken. Ebenda fliegen in 
der Frühjahrsgeneration ebenfalls oseits gelbgefärbte 
$, aber vom Flschnitt und Zeichnung der napi, mit 
grünlichgelber Useite der Hfl.^) die sich von bryoniae 2 
durch die weniger breit bestäubten Adern und lebhaft 
gelbe Spitze der Vfl'useite, unterscheiden. 

ab. ^ sulphurcotincta Reuter ist oseits schmutzig 
gelblich, mit schwach entwickelter schwarzer Zeich- 
nung und schwefelgelber Useite der Hfl. — ab. 5 
flava Kane ist safrangelb mit normaler Zeichnung. — 
ab. ? ririlis Röber ohne Diskalflecken der Vfl und licht 
gelblichen Hfl mit schwacher Bestäubung längs der 
Adern. — ab. $ fumigäta Gillm. ist gleichmäßig rauch- 
grau mit oberseits .schwarzen Adern.'*) 

Die var. brydniae Ochs. Taf. 3 Fg. 4 ( ? ) ist die 
einbrütige Form der höheren Gebirge und des 
hohen Nordens; sie hat die gestreckte Flform von näpi, 
der das (J auch sehr gleicht, es fehlt jedoch stets der 
Diskalfleck der Vfl, dagegen ist die Spitze tiefer schwarz 
und die Adern sind gegen den Saum zu, auch auf den 
Hfl schwarz angelegt. Die Useite ist bleich weißgrau. 
Das gelbgraue $ hat auf O- und Useite ausnehmend 
breit dunkelgrau angelegte Fl'adern und zeigt den 
Apikaiteil der Vfl'useite meist weißgrau, selten gelblich. 
ab. 5 obsol6ta Röber besitzt eine .sehr verlo.schene 
Zeichnung, wogegen bei ab. ? cöncolor Röber die 
gelbliche Grundfarbe durch stärkere Ausbreitung der 
dunklen Zeichnung fast ganz verdrängt wird. In den 
Südalpen (Julische Alpen) kommen auch mehr rund- 
flügelige, stark gelbgefärbte 9 vor, die sich von ab. 
flavescens nur durch die breiter grau bestäubten Adern 
unterscheiden lassen. 

Das birnförmige, grünliche E i wird einzeln abgelegt. 
Die Raupe Taf. 3 Fg. 3a ist mattgrün, mit kleinen, 
oseits schwarz behaarten Punktw-arzen besetzt, die 
Stigmen zitrongelb eingefaßt. Lebt auf Erysimum, 
Raphanus, Biscutella (bryoniae) und and. Die Puppe 
der Sommerbrut scharf schwarzfleckig, Taf. 3 Fg. 3b, 
jene der 2. Generation bleicher, fast zeichnungslos. 

13. callidice Esp. (Kat. X. 56) Taf. 2 Fg. 5a— c 
(o. ¥)• Weiß: \'fl mit scharfer Spitze, beim <J 
mit schmalem schwarzem Mfleck, rudimentärer Ante- 



') Wagner Verh. zool. bot. Ges. 1903 p. 174 ff. 
Taf. 1. — Diese .\rbeit wurde von Röber (in Seitz 
Paläarkt. Großschm.) nicht berücksichtigt. 

-) Neumann Ent. Z. Gub. X p. 12 Fg. p. 29. 

=") Wagner 1. c. p. 176 (a) Taf. 1 Fg. 2. 

*) Burger 111. Z. f. Ent. V p. 330 Fg. 



marginalbinde und schwarz angelegten Adern gegen 
die Spitze. Das ? mit breiterem Mfleck \md breiten 
marginalen und antemarginalen Fleckenreihen auf Vfl 
und Hfl. Die Useite mit grünhcher Zeichnung, die auf 
den Hfl anteniarginale Pfeilflecke bildet, deren Spitzen 
gegen die Flbasis gerichtet sind. 22 — 25 mm. Nur in 
den Hoclialpen von 2000 m ab aufwärts, im Juli. 

Die Raupe jener von daplidice ähnlich, jedoch 
mit gelb gefleckten Längsstreifen und gelb gesäumtem 
Kopf, an Naslurtium u. and. überwinternd. Die graue 
P u p p e unter Steinen. 

1 'i. daplidice L. ( Kat. N. 57) R e s e d a f a 1 t e r, 
Taf. 2 Fg. 6a, b ( ^ v )■ Weiß, die Vfl stumpfgerundet, 
der schwarze Mfleck sehr groß, fast quadratisch, die 
schwarze antemarginale Ilalbbinde aus sehr breiten 
Flecken bestehend. Letztere finden sich beim ? auch 
auf den Hfl längs des Saumes. Die gelblichgrüne Useite 
der Hfl schließt runde Flecken der weißen Grundfarbe 
ein und .scheint oseits grau durch. 22 — 26 mm. Überall 
in Mitteleuropa in 2 Generationen. Flugzeit Mai und 
August, September. 

Die (seltenere) Frühjahrsgeneration bellidice Ochs. 
ist kleiner, useits viel dunkler grün. — var. jarlion- 
tövi Krul. (dritte Generation) bildet einen Übergang 
dazu. 

ab. 5 anthracina Schultz zeigt bei normaler 
Zeichnung die Oseite durch schwarze Bestäubung stark 
verdüstert. — ab. raphäni Esp. zeigt die Useite der Hfl 
blaß gelb, wozu sich im Süden des Gebietes in der 
Sommerbrut Übergänge finden. 

Das rötliche Ei von Eichelforni hat 12 bis l'i 
Längsrippen. 

Die Raupe graugrün mit gelben Subdorsal- und 
Lateralstreifen und feinen schwarzen Punktwärzchen. 
Der Kopf schw-arz punktiert. Lebt besonders auf 
Reseden, Sisymbrium u. and. Die Puppe weißlich, 
schwarzgefle('kt. 

6. Gattung. EnchlöS. Hb. 

Fhlr .sehr kurz, mit deutlich abgesetzter, platter 
Kolbe. Die Palpen den Kopf weit überragend, sowie 
die Stirne lang behaart. Die \fl mit gerundeter Spitze; 
sämtliche Radialäste sind vorhanden. R5 entspringt 
aus M,, R4 und R^ aus Rj. R, ist frei. Praekostalsporn 
der Hfl mehr nach hinten gebogen. Apikaltell der \'fl 
beim ^ in einer Artgruppe orangegefärbt. 

Die Raupen schlank, zylindrisch, ähnlich jenen 
von Pieris. Die Puppen mit spitzem, langem, auf- 
wärts gebogenem Kopfteil: am After und mit einem 
Faden um den Leib befestigt, überwinternd. 

beleiiiia Esp. (Kat. N. 60) Taf. 3 Fg. 5a, b. ( ö ). 
Der folgenden .\rt oseits sehr ähnlich, die Useite 
der Hfl und der \flspitze zeigt jedoch weiße, silber- 
glänzende Querbinden. slatt ruinier Flecken. 19 — 20 mm. 
Im Süden der iberischen Ilalbiiiscl. .Mgerien, Syrien usw. 
in 2 Generationen. Die Soinmerform g 1 a u'c e Hb. ist 
größer, blässer, die weißen Händer der Useite mehr zer- 
rissen, ohne Silberglanz. 

Die Raupe gelbgrün mit rotem Rücken und Seiten- 
streifen. Oft mehrjährige Puppenruhe (Korb). 



12 



2. Familie. Pieridae. 



15. belia Cr. (Kat. N. 62) Taf. 3 Fg. 6. Weiß, 
die \'fl mit großem schwarzem Mfleclt und schwarzer, 
weiß gefleckler Spitze. Die Useite der Hfl grün mit 
gelbbestäubten Adern und großen unregelmäßigen 
weißen Flecken. 18 — 22 mm. In Südeuropa, auch 
in Dalrnatien, Kroatien und der Herzegowina verbreitet. 
Flugzeit April und Juni, JuU. Eine alpine Lokalform 
in der sildl. Schweiz. — 

Die Frühjahrsgeneration b61la ist kleiner mit 
silberglänzenden Flecken auf der dunkler grünen Useite. 
Die ab. phllipps! Rudolph zeigt Mfleck und Apikal- 
fleck der Vfl zusammengeflossen. Die Sommerform 
aus6n!a Hb. ist größer, der Mfleck der Vfl basal- 
wärts verlängert, die Useite der Hfl blässer gelbgrün, 
mit viel größeren, glanzlosen, weißen Flecken. 

Die var. simplonia Frr. aus den Walliser Alpen 
und von Piemont (angeblich auch von der Seiseralpe in 
Südtirol) von ca. 1000 m bis 2500 m, ist eine einbrütige 
Gebirgsform mit gestreckteren Fln und längerer dichterer 
Behaarung des Körpers, die ^ häufig mit bräunlich 
angeflogener Oseite der Hfl. Stimmt mehr mit belia, 
von der sie sich jedoch durch bedeutendere Größe und 
glanzlose Flecken der dunkleren Hfl'uscite unterscheidet. 
Der Mfleck ist useit.s klein, mondförmig, weiß gekernt. 
Flugzeit Juni, Juli. 

Die Form flavidior \Mieeler fliegt weniger hoch, 
ist größer, die Useito der Hfl mit breit gelb beschuppten 
Adern. Im Rhonetal der Schweiz im Mai. 

Das E i spindelförmig, braungelb, gerippt. 

Die Raupe grünlich mit feinen Punktwarzen und 
drei undeutlichen Längsstreifen, bei der Sonimerform 
mit deutlichen weißen Seitenstreifen und oberhalb der- 
selben mit kleinen roten Flecken. Auf Sisymbriuin,Sinapis 
und anderen Crucifcren. Die hell bräunliche Puppe 
zeigt einen dunklen Rückeiistroifen und dunkelgeaderle 
Fldecken. 

ti'igis Hb. (Kat. N. 6.S) der beha sehr ähnhch, 
meist kleiner, die Fhlr noch kürzer, die Useite der Hfl 
graugrün , die weißen Flecke sind viel kleiner und wie 
die .\dern ohne gelben Anflug. Am oberen Teil des 
Querastes liegt meistens ein sehr kleines schwärzliches 
Fleckchen. 20 — 23 mm. Im Süden der iberischen 
Halbinsel März bis Mai. 

var. b e 1 1 e z i n a Hoisd. ist kleiner, mit größeren 
weißen Apikaiflecken der \'fl und zaldreiclien größeren 
weißen Flecken auf der gelbgrünen Useite der Hfl. 
18 — 20 mm. Im südöstlichen Frankreich, .so bei Digne 
im April bis Juni. 

Raupe dunkelgrün mit hellgelben, oben purpurrot 
gesäumten Seitenstreifen. Kopf bräunlirh. Lebt auf 
Iberis pinnata und RLscutella. 

Die Puppe braun mit scharfem schwarzem Rücken- 
streifen. 

IC. oardäinines L. (Kat. N. 69) Au rora f a 1 ter, 
Taf. :i Fg. 7a, b ( J 5). Weiß, die Vfl mit schwarzem 
.Mpunkl und solchem, beim ? viel breiteren, Apikal- 
teil. Beim (J ist die Saumhälfte lebhaft orangegolb 
und reicht etwas basalwärts über den iMpunkl. Die 
Hfl useits mit zerrissener gelbgrüner Zeicimung. 21 
bis 25 mm. In Mitteleuropa verbreitet von Ende .\pril 
ab, im Gebirge, bis ca. 1600 m, später bis Juli in einer 
Generalion. 



Bei der kleineren ab. turritis Ochs, reicht der 
Orangefleck des (J nur bis zum schwarzen Mpunkt. 
ab. cröcea Röb. ist eine turritis mit rein gelbem (statt 
orangefarb.) Fleck. Im Süden häufiger. Bei der ab. 
iuiiuaeulätu Pabst fehlt der schwarze Mpunkt der Vfl, 
wogegen er bei ab. quadripunctäta Fuchs auch auf 
den Hfl auftritt. Bei ab. alliiTti lloffni. ist der Orange- 
fleck feuriger, die schwarzen Zeichnungen schärfer, 
die Useite der \'fl gegen die Basis schwefelgelb, jene der 
Hfl stärker grün marmoriert mit schwarzen Punkten, 
ab. (J lutea Gillmer ist rein gelb statt orangefarben. 
Bei der albinistischen ab. lasth^nia Mill. fehlt jede 
schwarze Zeichnung, namentlich sind der Mpunkt und 
der Apikaiteil der Vfl weiß (statt schwarz). — ab. 
öchrea Tutt (= citrönea Wheeler) zeigt die Hfl fiist 
vollständig gelb, besonders beim $ vorkommend. 

Das E i niedrig tonnenförmig mit 13 Längsrippen 
ist weißgrün, später rötlich und wird einzeln abgelegt. 

Die Raupe blaugrün, an den Seiten weißlich mit 
einer solchen Rückenlinie auf den ersten Segmenten im 
Juni bis August an Cardamine, (Schaumkraut), Turritis 
glabra, Alliaria, Arabis, Sisymbrium, Hesperis matro- 
nalis (an den Schoten), Coringia Orient, u. and. — Puppe 
bräunlich mit weißem Seitenstreif, kopfaufwärts be- 
festigt, überwintert (zuweilen zweimal). 

(laiiiöne B. (Kat. N. 71) Taf. 3 Fg. 8 (<J). Der 
vorigen Art in der Zeichnimg ähnlich, das ^ jedoch 
mit lebhaft schwefelgelber Grundfarbe, welche bei dem 
oseits weißen i auch auf der Useito der Hfl auftritt. 
20 — 23 mm. ,\uf Sizihen, den südlichen Balkanländern 
und Kleinasien im .Vpril, Mai. 

Die Raupe auf Isatis tinctoria. 

17. euphenoides Stgr. (Kat. N. 73) Taf. 3 Fg 9a, 
b (o ?)• Das o dem vorigen ähnlich, ebenfalls mit 
schwefelgelber Grundfarbe, das ? blässer gelblich mit 
orangefarbigem Apikaiteil. Durch die Zeichnung der Hfl- 
useite, welche aus scharfbegrenzten graugrünen Quer- 
binden und großen weißen Flecken gegen den Saum zu 
besteht, leicht zu unterscheiden. 20 — 21 mm. In der 
südlichen Schweiz (bei Lugano und Locarno), sonst in 
Italien, Südfrankreich und Spanien im Mai, Juni. 

Die Raupe gelbgrün, grob schwarz punktiert, mit 
weißem Seitenstreifen und grünem Kopf, auf Biscutella 
im Juli, Aiigusl. Puppe lirhlliraun. 



Caltuiis: Zö^^ris Rbr. 

Der vorigen Gattung sehr nahe, Fhlr noch kürzer, 
mehr keulenförmig, auch das Palpenmittelglied kürzer, 
der Leib kräftiger, der Thorax stärker behaart. 

Die Raupe dick, zylindrisch, kurz behaart. Die 
Puppe kurz gedrungen, höckerig (Satyrinen ähnhch), 
ruht in einem ziemlich starken Gespinst. 

cupheinp Ksp. (Kat. N. 74) Taf. '. Fg. 10 (,J). 
Weiß mit .schwarzem mondförmigem Mfleck der Vfl 
und grauem Apikaiteil, innerhalb dessen beim J ein 
orangefarbiger Querfleck liegt. Useite und Hfl mit 
dottergelber Zeichnung, welche nur gerundete Flecke 
der weißen Grundfarbe freiläßt. 21 — 26 mm. In Süd- 
rußland im Mai. Die var. meridionälis Led. aus 
Kastilic'u un<l ,\iidalusien ist meist größer, spitzflügeliger, 
die Useitf der Hfl nur mit gilblichen Flecken. Andere 
Lokalformen in Kleinasien. 



2. Familie. Pieridae. 



13 




Loptüih 



Die R a u p e gelb mit breiten rötlichen Querflecken 
am Rücken und sehr großen dunklen Stigmenflecken. 
Im Hochsommer auf Sinapis, Raphanus u. and. 

Puppe bräunlich. (Vgl. oben). 

7. (Jattuii^-. Leptidla lüllb. 
(Leiicophasiii Ötpli.). 

Fhlr kurz, mit deutlich abgesetzter eiförmiger 
Kolbe, Körper schmächtig, der Illeib sehr lang, dijnn, 
seitlich ZAisammengedrückt, Die Fl zart und gestreckt, 
mit sehr kurzer Mzellc, welche nicht die halbe Fllänge 
erreicht. Auf den Vfl entspringt Ader M, noch frei 
aus der Mzelle, Ader Rj bis R, gestielt auf R5. Auf 
den Hfl sind Ader Mj und R gestielt, M.^ entspringt 
nahe an M.,. Praekostalsporn 
^■,', nach vorne gebogen. 

Die Gattung weicht morpho- 
logisch sehr stark von den übrigen 
paläarktischen Pieriden ab, und 
hat Beziehungen zu den haupt- 
sächlich in Südamerika vertre- 
tenen D i s m o r p h i n e n. 

Die Raupe schlank, dünn 
behaart, lebt auf Papilionaceen, 
die Puppe mit langer, stark 
zurückgebogenerKopfspitze.kopf- 
aufwärls befestigt. 

18. sinapis L.') (Kat. N. 81) S e n f w e i ß 1 i n g, 
Taf. 3 Fg. 10c ( (J ). Weiß, die Vfl mit variablem, beim cj 
stets deutlicherem Apikalfleck. Nach Geschlecht und 
Generation sehr verschieden. 18 — 25 mm. In Mitteleuropa 
überall in wenigstens 2 Generationen verbreitet. 

Die Frühjahrgeneration lathyri Hb. zeigt einen 
grauen, beim $ meist in Adernstriche aufgelösten, mehr 
eckigen Apikalfleck und eine gelbliche, stark grau be- 
stäubte Useite der Hfl mit deutlichem weißem Wurzel- 
strahl und verwachsenen grauen Querbinden. März bis 
Mai. Bei ab. subgrisea Stgr, ist die Useite der Hfl 
nur grau bestäubt. 

Die Sommerform tritt von Juh bis September ent- 
weder auf als siuapis L., (J mit großem einfarbigem 
schwarzem Apikalfleck, welcher beim $ meist schwach 
grau angedeutet ist, und mit gelbhcher oder weißlicher 
Useite der Hfl, auf welcher die grauen Querbinden nur 
verwischt erscheinen, oder als v. dlnitosis B., rein 
weiß, das ,^ mit scharf gerundetem, tief schwarzem und 
auf den Adern fein weiß durchzogenem Apikalfleck, der 
beim $ entweder zart grau angedeutet ist, oder auch 
ganz fehlt (ab. erysimi Bkh.), die Useite der Hfl schwach 
gelblich, meist kaum mit Spuren grauer Bestäubung. 

Bei der sehr großen ab. iiidjor Grund der Sommer- 
geueration ist der Apikalfleck des ^ schwarz oder 
dinikelgrau mit großem schwarzem Kern, beim $ durch 
schwarzgraue Striche angedeutet, die Useite der Hfl 
weiß mit deutlichen grauen Staubbinden, aus Kroatien. 
— Die var. (ab.) cro&tica Grund ist eine Frühjahrs- 
form mit beim (J eigentümhch stark vorgezogener Spitze 

') Vgl. Grund Fnt. Ztg. Gub. XIX p. 145 ff. 



der Vfl. Der Apikalfleck ist in graue Adernstriche auf- 
gelöst, die Useite dunkel graugelb mit deutlichen grauen 
Staubbinden. Aus Kroatien. — ab. flaviscens Grund 
ist eine unter diniensis auftretende Form mit rein gelber 
Ilfl'useite und zuweilen auch gelber Oseite beim o'. — 
ab. sdrtha Rühl ist eine sehr große Form von Süd- 
europa und Kleinasien mit lebhaft gelbgrüner Hfl'n.seite, 
die sich typisch wohl kaum in Mitteleuropa findet. 

Das E i sehr lang, zylindrisch, weißlich, mit Längs- 
rippen, wird einzeln abgelegt. Die Raupe Taf. 3 Fg. 10a 
grün mit gelben Seitenstreifen im Juni und August- 
September auf Lotus corniculatus, Lathyrus pratensis, 
Orobus, Vicia, Coronilla u. and. Die Puppe Taf. 3 
Fg. 10b hellgrün mit rotbraun gestreiften Fischeiden. 

duponcheli Stgr. (Kat. N. 83) der vorigen Art 
nahe, kleiner, spitzflügeliger, mit .schwarzgranem Apikal- 
fleck, die gelbgrüne Useite der H fl ohne graue Querbinden, 
aber mit weißem Fleck hinter der Mzelle und größerem 
solchen gegen den \'winkel. 20 mm. In Südfrank- 
reich, Piemont, Italien, Rumelien in 2 Generationen. 
Die Sommerform aesti va Stgr. ist größer, mit grauem, 
beim $ fehlenden Apikalfleck und gelbhcher Hfl'useite. 

Die Raupe ist unbekannt. 

8. Gattung. Collas F. Heufalter. 

Fhlr kurz, allmähhch zu einer länglichen deutlichen 
Kolbe verdickt. Palpen kurz, anliegend behaart. Vfl 
mit stumpfer Spitze und nur i Radialästen, da Ader Rj 
fehlt. Ader Rj entspringt aus R3 resp. dem gemein- 
samen Stiel von Mj u. R4. Hfl ohne Praekostalsporn. 
Die (J bei einigen Arten (in 
Mitteleuropa nur bei edüsa und 
myrmidöne) mit einem Duft- 
schuppenfleck , sog. Mehlfleck , 
an der Basis des Vrandes der 
Hfl'oseite. Die mittelgroßen, rasch 
fliegenden Falter sind durch die 
gelbe Flgrund färbe mit schwarzem 
Saum sehr kenntlich. Die Vfl 
meist mit schwarzem , die Hfl 
mit farbigem Mfleck , woran 
noch ein kleiner runder Fleck 
hängt. Fhlr, Beine und Fransen 
meist rosenrot gefärbt. Bei fast 
allen Arten treten zwei Formen „ .j.^^ . ~ 

des $ auf, eine mit gelber , die 

andere mit weißer Grundfarbe. Die Gattung findet, 
ähnlich wie Parnässiu.s, in Zentralasien ihr Verbreitungs- 
zentrum, besitzt Vertreter aber auch in der arktischen 
Region, in Nordamerika und den Gebirgen Südamerikas. 
Zwei Arten kommen auch in der äthiopischen Region 
vor, wogegen solche in der indoaustralischen Region 
fehlen. In Mitteleuropa finden sich 6 Arten. 

Die langgestreckten, walzigen Raupen sind kurz 
behaart, leben sehr verborgen und überwintern zum 
größten Teil. Die Puppen mit kurzem spitzem Kopf- 
teil und .schneidigem Thoraxrücken sind kopfaufwärls 
befestigt. 

19. palae'iio L, (Kat. N. 86) Taf. 4 Fg. la, b (o'$ 
V. europomene). useite beim (J blaß zitrongelb, beim 
7: weiß, mit breitem schwarzem, auch beim $ nur 



Fig. 




14 



2. Familie. Pieridae. 



selten und undeutlich lichtgeflecktem Saum, si-lnvarzem 
weißgekerntem Mpunkl der Vfl und einfachem fast kreis- 
rundem weißem Millelfleck der Hfl. 23 — 27 mm. Nach 
nordischen Stücken beschrieben. In Mitteleuropa in 
2 Formen auftretend: 

a) V. «Miropöine Esp. größer, breitflügeliger, das (^ 
zitrongelb, das 5 weiß, die Useite der Hfl gelb, grau 
bestäubt. In Nord- und Mitteldeutschland, so bei 
Aachen, im Schwarzwald,') den X'ogeseii, in Preußen, 
Pommern, und Posen, im Riesen-, Erz- und Fichtelgebirge, 
Seefelder bei Reinerz, Schlesische Lausitz. Sproltau, 
auch in Niederösterreich (Waldviertel) und Belgien, auf 
Sumpfboden, im Juni, Juli. — ab. $ illgn^;ri Rühl 
bisher nur aus Schlesien, ist das oseits grünlich zitron- 
gclb gefärbte ?, mit breiterem schwarzem Saum auch 
der Hfl. — ab. $ ochrÄcea Geest ist oseits noch 
tiefer gelb gefärbt. Schlesien. — ab. 9 redücta Geest 
hat deutliche weiße Flecken im schwarzen Saum. 

b) V. europoniene Ochs, (alplna Spuler), Taf. 4 
Fg. la, b (d" ?)• Die alpine Form ist meist etwas 
kleiner, schmalflügeliger, das ^ blässer gelb, das ? weiß, 
meist mit hellen verwaschenen Flecken im breiteren 
schwarzen Saum, die Useite der Hfl mehr grünlich, 
dunkler bestäubt. In den Alpen lokal, von ca. IfiOO in 
aufwärts, anfangs Juli. — ab. 5 herrichi Stgr. ist die 
hier häufigere gelbe Form des v ■ — al). $ herrichina 
Geest bildet einen Übergang zur vorigen, mit milchig 
gelber Oseite, von der Furka. — ab. ^ flavoradi&ta 
Wheeler zeigt den schmäleren schwarzen Saum durch 
gelbe Adern durchzogen. — ab. cafflischi Carad. ist 
kleiner, mit schmälerem schwarzem Saum, oseits fehlt 
auf den Vfl der Mpunkt, die Hfl sind stärker grünlich. 

Die Raupe meergrün mit schwarzen kurzen 
Haaren samtartig besetzt, mit einem hochgelben, unten 
zuweilen schwarz gesäumten Soitcnstreifpn und weißen, 
schwarz gesäumten Stigmen, im Mai auf der Sunipf- 
heidelbeere (^'accinium uliginosuin). Liic P u p p e 
grüngelb. 

20. phicomöne Esp. (Kat. N. 91) Taf. 4 Fg. 2 (<? ). 
Grundfarbe beim ^ grüngelb, beim 2 weißlich, mit 
dunkelgrauer Bestäubung, welche beim V die Vfl frei- 
läßt. Die schwarze Saumbinde in beiden Geschlechtern 
mit einer zusammenhängenden Reihe heller Flecke. 
Der Mfleck der Hfl'oseite blaß gelb. Auf der Useite 
sind die Hfl und der Apikaiteil der Vfl gelb, alle Fl 
rosenrot gesäumt. 22 — 28 mm. In den Alpen, Pyrenäen 
und Nordkarpathen in ca. 1100 — 1600 m Höhe auf 
Wiesen, im JuU, selten in 2. Generation Ende September. 

ab. o saturäta Aust. ist eine besonders tief und 
lebhaft gefärbte Form. — ab. cJ ^'legans Schultz zeigt 
die Vfl fast eintönig grau, die Hfl mit vergrößertem 
Mfleck. — ab. $ gcesti Neuburger ist bis auf diegelben 
Saumflecke und den gelben Mfleck der Hfl eintönig 
schwarz. 

Die Raupe dunkelgrün, samtartig, fein schwarz 
punktiert mit weißem Längsstreifen und schwarzen 
Stignien in gelben Flecken. Im Frühjahr auf Wicken 



(Vicia und Lotus corniculatus). Puppe dunkelgiün mit 
mattgelben Seitenstreifen. 

21. hyale L. (Kat. N. 98) Taf. 4 Fg. 3b ( i ). Grund- 
farbe l)eim j zitrongelb, beim ? gelblich weiß, die 
schwarze Saumbinde mit einer hellen Fleckenreihe, die 
auf den Hfl meist mit der Grundfarbe verfließt. Der 
Mfleck der \'fl groß, schwarz, jener der Hfl gedoppelt, 
orangefarben. Useite dunkelgelb (wie die folgenden 
Arten) mit einer Submarginalreihe hier rotbrauner 
Flecken. 22 — 25 mm. In Mitteleuropa verbreitet im 
Mai und viel häufiger wieder im August auf Brachfeldern. 

Die große Variabilität des Falters hat zur Benennung 
nachfolgender Aberrationen \eranlassung gegeben: 

ab. heliceldes Selys, eine Zwergform mit etwas 
grünlicher Grundfarbe, die Basis grau bestäubt. — ab. 
flava Husz (inversa Alph.) ist die gelbe Form des '^ . — 
ab. apicAta Tutt hat nur einen gelben Apikaifleck auf 
den Vfl statt ein Band. — ab. ühll Kovats fehlen die 
gelben Submarginalflecke vollständig. — ab. flavo- 
fasciäta Lambill. die gelben Submarginalflecke sind 
zusammengeflossen und bilden eine vom \rand bis 
zum Innenrand reichende Binde. — ab. obsol6ta Tutt 
die dunkle Zeichnung der Hfl ist erloschen. — ab. simplex 
Neuburger (= emarginäta Röber), die Hfl ganz ohne 
Randzeichnung. — ab. radiiförmis Schultz (radiäta 
Geest) hat basalwärts verlängerte schwarze Submarginal- 
flecke auf Vfl und Hfl. — ab. intermedia Tutt nur mit 
äußerer .Marginalreihe dunkler Flecke auf den Hfl. — 
ab. pällida Tutt mit verloschenem Mfleck der Hfl. 
— ab. uiiimaculata Tutt mit einem einfachen (nicht 
gedoj)pcllcn) Mfleck der Hfl. — ab. J jüiiior Geest 
zeigt goldgell)e Färbung in der Mitte der Vfl. — ab. 
nigrofaseiafa Gr. Gr. Eine schwarze Längsbinde zieht 
vom Mfleck der Vfl zur Saumbinde. Auf der Useite sind 
die .\ntemarginalflecke aller Fl nach innen strahlen- 
förmig verlängert.') — ab. atäva Reutti zeigt die Oseite 
vollständig verdunkelt, nur die Mflecke heben sich ab. 

Das schlanke, an den Enden verbreiterte, gelbliche 
E i mit Längs- und Querrippen wird einzeln abgelegt. 

Die R a u p e Taf. 4 Fg. 3a ist samtartig dunkelgrün 
mit gelber Seitenlinie, worin die schwarzen Stigmen auf 
orangegelbem Hofe stehen. Lebt auf Trifolium, Coronilla, 
Medicago und and. im Juni, Juli und wieder im Herbst, 
überwinternd. Puppe grün mit gelber Seiteidinie. 

22. chrysotlieme Esp. ( Kat. N. lll) Taf. 4 Fg. 4 ( J ). 
Kloin, die FI oben zitrongelb, mehr oder minder orange- 
gelb angeflogen, der schwarze, mäßig breite Außenrand 
wird beim J von den Adern gelb durchschnitten und 
ist beim i, hellgelb gefleckt. Der längliche schwarze 
Mfleck der Vfl häufig weiß gekernt. Der Mfleck der 
Hfl orangerot, unterseits gedoppelt, silberweiß, von 2 
braunen Linien umzogen. Useite der Vfl gelb, orange 
angeflogen mit einer schwarzen, auf den Hfl rotbraunen 
submarginalen Fleckenreihe. 20 — 24 mm. In Nieder- 
österreich, Böhmen, Nordungarn, Bukowina auf sterilen 
Wiesen und Hügeln im August, viel seltener in erster. 



') Vgl. 
p. 20L 



Röscher; Ent. .I^ihrb. Krancher 1897 



') Vgl. Rciff Ent 
(Königsberg). 



Z. Gul). .\'X p. 234 Fg.; 257. 



2. Famili(\ PiiTiMao. 



15 



kleinerer, useits mehr grün gefärbter Generation (minor 
Skala) im Mai. 

ab. (var.) Sibirien Gr. Gr. ist lichter, das S mit 
breiterem schwarzem Saum, das $ mit vergrößerten 
gelben Submarginalflecken. Auch bei Wien. — ab. 
wern6ri Geest hat einen stark vergrößerten, orange- 
farbigen Mficck der Vfl. — ab. $ schiigurovi Krul. 
ist rein schwefelgelb, oiine orange Anflug, aus Süd- 
rußlaud und bisher in Mitteleuropa noch nicht nach- 
gewiesen. — ab. V hurlcyi .\ign. soll ein ,' mit weißlicher 
Grundfarbe sein (Mödling b. Wien). — ab. f ubsc-ürn 
Skala') mit verbreitertem schwarzem Saum der Vfl. — 
ab. ? lutea Skala mit stark reduziertem schwarzem 
Saum. — ab. pällidii Skala mit undeutlichem, ab. 
iinipüiictii Skala mit einfachem Mfleck der llfl'oseile. 

Das Ei zyhndrisch mit konischer Si)itze, schwach 
gerippt, zuerst weißlich, daim gelb. 

Die Raupe grün mit weißem, rolgeteiltem 
Seitenstreifen lebt überwinternd auf Vicia hirsuta und 
Astragalus austriacus. IMippe grüngelb mit dunkler 
Punktzeichnung.2) 

23. edüsa F. (cröceus Fourc.) (Kat. N. 113) Taf. 1 
Fg. 6, b, c ( (J $ ). Grundfarbe orangegelb, mit breitem 
schwarzem Saum, der beim ^ auf den Vfl von den Adern 
meist fein gelb durchschnitten wird und auf den Hfl 
auf Ader 6 wenigstens 4 mm breit ist, beim $ aber gelbe 
Flecken aufw-eist, die auf den Hfl klein, meist dunkel 
bestäubt und von einander getrennt bleiben und gegen 
den Vrand und Innenrand verschwinden , so daß 
ersterer breit schwarz erscheint. \fl mit großem 
schwarzem. Hfl mit großem orangefarbigem Mfleck. 
22—28 mm. In Mitteleuropa weit verbreitet, im Süden 
auch ins Hochgebirge aufsteigend, in 2 Generationen, 
Juni und August, zuweilen in 3. Generation im Oktober 
fliegend. 

ab. $ hclicina Oblhr. (aubuissöni Carad.) hat eine 
ockergelbe Grundfarbe, die Vfl sind häufig orange an- 
geflogen, der Mfleck der Hfl lelshaft orangerot. — ab. 
? h6lice Hb., Taf. 4 Fg. 7, nnt weißlicher Grundfarbe, 
die bei ab. $ pällida Tutt am blassesten ist. — ab. $ 
obsul^ta Tutt (= paveli .Vigner) mit ungeflecklem 
schwarzem .\ußcnran(l. — ab. 2 pupillälit Reverdin. 
Mpunkl der \'fl weiß gekernt. — ab. j striata Geest 
mit schwarzen Strahlen vom Außenrand nach der 
Flmitte.^) — ab. ^ faillac, Stef. Die Säume aller Fl 
von den Adern breit gelb durchschnitten: meist auch 
kleiner, die Grundfarbe heller. — ali pjTenäiea Gr. Gr. 
ist eine Zwergform. 

Das einzeln abgelegte E i ist lang spindelförmig mit 
ca. 20 Längsrippen, anfangs gelb, später rot. 

Die Raupe Taf. 4 Fg. 6a dunkelgrün mit weißem 
oder rötlichem gelbgeflecktem Seitenstreifen. Luftlöcher 
rotgelb umzogen, lebt überwinternd aufCylisus capitatus, 
Onobrychis sativa (Esparsette), Lotus corniculatus und 
Medicago. Puppe grün, mit einem gelben Seitenslreifen 
und gelb gesäumten, schwarz gestrichelten Fischeiden. 



') Int. Eni. Ztschrft. I 1907/08 p. 344. 

'■) May V. Jhrb. Wien. Ent. V. 1894 p. 41 Taf. 1. 

ä) Vgl. Kr an eher Ent. Jhrb. 1895 p. 168 Fg. 



24. iiiyrmidöiie Esp. (Kat. X. 114) Taf. 4 Fg. 5 a, b 
(tJ, ?). Grundfarbe orangerötlich (beim ^J zuweilen 
schwach schillernd) mit schmälerem schwarzem Saum, 
der beim o durch die Adern nur sehr selten (Herbsl- 
generation) licht durchschnitten wird, auf den Hfl 
auf Ader G höchstens 3 mm breit und beim $ hellgelb 
gefleckt ist, welche Flecken auf den Hfl groß, viereckig, 
rein gelb und gegen den Innenwinkel meist vollständig 
miteinander verbunden sind, aber auch bis an den 
Vrand reichen. Vfl mit kleinerem schwarzem Mfleck. 
Hfl mit großem, orangefarbigem. 23 — 25 mm. Im 
mittleren und östlichen Deutschland, Preußen, Üster- 
reich-üngarn im Juni, Juli und in 2. Generalion im 
September. 

ab. ^ micnns Röbcr zeigt einen violetten Schiller, — 
ab. stelläta Krul. zeigt den Mfleck der Hfl'oseite doppelt 
rosa gekernt. 

Xachstehende weibliche .\berrationen') der Stamm- 
form sind benannt: 

ab. V inunibräla Schultz mit ungeflecktem .\ußen- 
rand. — ab. ; flavosceiis Garb. mit ockergelber Grund- 
farbe der Oseite. — ab. $ alba Stgr. Taf. 16 Fg. i, mit 
rein gelblich weißer Grundfarbe. — ab. f h6lnia Geest 
(ägnes Piesz.) mit gelblicher Grundfarbe und orange- 
farbigem Anflug der \'fl. — ab. o nig^rrima Piesz. 
mit gelbweißer Grundfarbe, starker schwarzer Be- 
stäubung von der Basis der Fl aus und sehr reduzierten 
gelben PTecken in der schwarzen Saumbinde. 

Diese Aberrationen können sowohl in erster als 
zweiter Generation der Stammform auftreten. Statt 
der Stammform findet sich auf den Gebirgen der süd- 
lichen Balkanländer, besonders in Bosnien und der 
Herzegowina, in 1200 bis 1600 m Höhe, nur an wenigen 
Flugplatzen anfangs Juli eine einbrütige Gebirgsform 
als var. balcäuica Rbl.-) von bedeutenderer Größe 
(25 — 28 mm), das S feuriger und tiefer orangerot, mit 
auf den Adern basalwärts ausstrahlendem schwarzem 
Saum der Vfl., das $ sehr variabel, entweder orangerot, 
oder in nachstehenden Aberrationen: 

ab. $ reb^li Schav . mit blaß gelblichweißer Grund- 
farbe, tiefschwarzem, sehr breitem Saum und zitron- 
gelbem Mfleck der Hfl, die useits grüngelb sind. — 
ab. 2 semiälba Wagn. Grundfarbe ockergelblich, \fl 
mit orangefarbigem Hauch, Useite der Hfl gelb. — 
ab. 9 nich61li Schaw. Grundfarbe mehr zitrongelb, mit 
orangcgelbetn Hauch der Vfl, Useite grün mit gelber 
Basalhälfte der Vfl. — ab. $ änna Schaw. mit grünhch 
/.itrongelber Grundfarbe, Useite blaugrün mit zitron- 
gelber Basalhälfte der Vfl. 

Das spindelförmige E i ist rötlich. 

Die Raupe der Stammform ist grün, fein schwarz 
punktiert, mit undeutlichem dunklerem Rückenslreifen, 
weißgrüner Seitenlinie und ockergelb gerandeten Stigmen. 
Im Juli und wieder im Herbst, überwinternd auf Cytisus- 



») Vgl. Piesz czek \erh. zool. bot. Ges. 1905 
p. 401 ff. Taf. 1. 

») Vgl. Rbl. Ann. Naturh. Hofmus. XIX p. 148 
Taf. 4 ; S c h a w e r d a Verh. zool. bot. Ges. 1906 p. 651 ; 
1907 p. (216): Rbl. ib. p. (220) Fg. (genit.) 



16 



2. Familie. Pieridae. 3. Familip. Xymphalidae. 



Arien. Die Puppe grünlich mit gelblichen Seiten- 1 Rhamnus alaternus u. and. — Puppe schmutziggrün, 

streifen.*) ' an der Seite mit gelben Streifen und roten Punkten. 



9. Gattung. Gonepteryx I.each. 
(Rhodöocra B.). 

Fhir lind Palpen ähnlich wie bei der vorigen Gattung, 
er.slere melir keulenförmig. Vfl mit stark geschwungenem 
Vrand und vorgezogener Spitze, Hfl auf Ader C, 
zu einer kurzen Spitze ausgezogen. \ fl mit fehlender 
Ader Rj, Ader R.> verlauft frei. .Mzeile aller Fl breit. 
Den Hfl fehlt ein Praekostalsporn. .Mgroüe Falter von 
zitrongelber Grundfarbe, orangerole Mpunkte, ohne 
Saumbinde. 

Nur 2 Arten dieser charakteristischen Gattung 
kommen in Mitteleuropa vor. Die Falter überwintern. 

Die Raupen langgestreckt, walzig, mit kleinem 
Kopf. Puppen mit kurzer aufwärts gerichteter Kopf- 
spitze und schneidig vortretendem Zusammenschluß der 
Fischeiden. 

25. rhänini L. (Kat. N. 125) Zi tron en f alter 
Taf. 4 Fg. 8b, c ( (J $ ). Das o zitrongelb, das ? grünlich- 
weiß, beide mit orangegelben Mpunkten, die auf den Hfl 
größer sind, und kurzen rotbraunen Randsirichen. Fhir 
und Palpen rötlich. 27 — 29 mm. Überall in Mitteleuropa, 
oft über 2000 m aufsteigend, vom Juli ab überwinternd 
bis April. 

ab. 9 intermedia Tult ist eine mehr gelbliche 
Form des , (Analogie zu Gattung Colias). — Bei ab. o 
progressiva Geest zeigt der Diskus der Vfl ähnlich wie 
bei der folgenden Cleopatra, eine orangerote Färbung. 
Bei Freiburg in Baden. Eine andere unbenannte männ- 
liche Aberration aus Sachsen*) weist eine orangerote 
Submarginallinie auf allen Fl auf.') 

Die kegelförmigen Eier werden einzeln an Rhamnus- 
(Faulbaum) Arten abgelegt. Die Raupe Taf. 4 Fg. 8a 
mattgrün, am Rücken dunkler, mit einem matten weißen 
Seitenstreifen und grünem Kopf. Mai bis Juli. Die 
eckige Puppe grün mit 2 hellgelben Seitenstreifen. 

26. Cleopatra L. (Kat. N. 125) Taf. 4 Fg. 9(<J). 
Der vorigen Art nahe, mit breiteren und stumpferen Fln, 
die Vfl des (^ mit Ausnahme der Ränder feurig orangerot, 
das 9 niit orangefarbigem llauc'h in der Mzelle der 
Vfl useits, die Hfl häufig oseits dunkler gelb. 29 bis 
31 mm. In Südeuropa verbreitet, auch in der südlichen 
Schweiz und in Dalmatien. 

ab. tS virgo Röber mit tief orangeroten Vflii und 
schwachem violettem Schiller. — ab. (var.) itälicu Gerh. 
hat eine mehr schwefelgelbe Useite. 

Die Raupe jener von rhamni sehr ähnlich, mehr 
blaugrün mit schärferem weißen Seitenstreifen. An 



') Gärtner Wien. Rnt. Mts. ISiVl p. 306.— 
Tumma Ent. Z. Gub. l.\ p. 43. 

=) Iris XVI II, Taf. 1 Fg. 12. 

ä) G o n. r h ä m n i ab. r u b e s c e n s Gillm. 
(rösea Linstow), bei welcher die \'fl bis auf einen 
schmalen Saum rosenrot, ebenso die Hfl in der Mitte, 
aus Holstein und England, dürfte ein Kunstprodukt 
sein (Dietrich Ent. Zeitschft. (Stuttgart) .X.Xl p.212; 
Gillm. ib. p. 226; Peter ib. p. 227). 



3. Familie. Nyniphaliclae. 

Fhir verschieden gestaltet, zuweilen mit kaum ab- 
gesetzter Kolbe. Augen nackt oder behaart. Vbeine in 
beiden Geschlechtern stark rückgebildet, viel schwächer 
als die übrigen Beinpaare, beim o f't ^ b's 2, beim 
9 mit 4 bis 5 Tarsenghedern. Die Hschienen ohne 
.Msporn. 

Die \'ü meist mit allen Radialästen, wovon R, und 
Rg aus Rg entspringen. Ader Mj den Cubitus-.Vslen 
genähert. Hfl mit Praekostalsporn, und breitem liineu- 
randsfeld, das stets den HIeib umfaßt. Häufig treten 
geschlechtliche Verschiedenheiten auch in Färbung und 
Zeichnung auf. Eine Augenfleckenreihe längs des 
Saumes der Hfl ist ein sehr altes Zeichnungselement. 

Die Raupen häufig mit Dornen besetzt (größerer 
Teil der Nymphalinen) oder glatt mit Kopfhörnern 
(Apatura, Charaxes), oder mit Schwanzgabel (Satyrinae). 

Die Puppen sehr verschieden gestaltet, oft eckig, 
zuweilen gerundet (Danais, Charaxes), in der Regel nur 
am Kremaster aufgehängt (Stürzpuppen), seltener an der 
Erde (Satyriiien). 

Diese gattungs- und artenreichste Tagfalterfamilie 
ist in Europa nur durch 3 Subfamilien vertreten, die 
sich in nachstehender Weise unterscheiden lassen: 

1. Mzelle aller Fl durch eine Tracheen - 

ader geschlossen 2 

Mzelle wenigstens der Hfl nicht röhrig 

geschlossen Nymphalinae. 

2. Ader Sc der Vfl an der Basis stark er- 

weitert. Raupe mit Schwanzgabel Satyrinae. 
Ader Sc der Vfl nicht erweitert. Raupe 
ohne Schwanzgabel, jedoch mit 
tentakelartigen Anhängen Ihmainae. 

1. Subfamilie. Nymphalinae. 

Fhir mit deutlicher, selten mehr länglicher Kolbe, 
Augen nackt oder behaart, Palpenmittelglicd zuweilen 
blasig aufgetrieben (Argynnisgruppe). \'beine des o 
mit eingliedrigem, dornenloseni, meist stark behaartem 
Tarsus (sog. Putzpfote). Mzelle der Vfl häufig, jene der 
Hfl fast immer offen, letztere niemals röhrig geschlossen. 
.\der R4 der \fl mündet in den Saum. 

Die Eier zylindrisch oder kegelförmig, stark 
skulpturiert. Raupen meist mit Reihen stacheliger 
verzweigter Rückendornen oder behaarten fleischigen 
Erhebungen (Scheindornen), oder glatt mit Kopfhörnern 
(.\patura, Charaxes!. Stürzpuppen liäufig mit 
eckig vortretenden Höckern und Metallflecken. 

H es I i 111 III u ngst ahelle der t_i u 1 1 u n gen: 

1 . Hfl geschwänzt Charaxes. 

Hfl nicht geschwänzt 2 

2. Die .Mzelle aller Fl offen 3 

Wenigstens d. Mzelle d. Vfl geschlossen 4 




1 a. b. c. (J d. ? Pieris brassicae. — 2 a. b. c. <J d. $ Pier, rapae. — 3 a. b. c. d. <? e. $ Pier. napi. — 4. Pier, napi 

2 var. bryoniae. — 5 a. b. EuchloS beleraia <J. — 6. Euchl. belia. — 7 a. <? b. $ Euchl. cardamines. — 8. Euchl. 
damone (J. — 9 a. <J b. ? Euchl. euphenoides. — 10 a. b. c. Leptidia sinapis ^. 




1 a. ö b. $ Colias palaeno, var. europomene. . — 2. Col. phicomone J. — 3 a. b. Col. hvale <J. — 4. Col. chryso- 
theme ^. — 5 a. <J b. ? Col. myrmidone. — 6 a. b. (J c. $ Col. edusa. — 7. Col. edusa, ab! helice ?. — 8. a. b. (J c. ? 
Gonepteryx rhamni. — 9. Gon. Cleopatra <?. — 10. Zegris eupheme (J. 



3. Familie. 

3. Große, breitflügelige Falter mit Schiller 

beim (J Apatüra. 

Mgroße Falter, mit sehr gestreckten. 

niemals schillernden Fln Neplis. 

4. Fhlr allmähhch verdickt, ohne scharf 

abgesetzte Kolbe Limniitis. 

Fhlr mit deuthch abgesetzter Kolbe . 5 

5. Augen behaart 6 

Allgen nackt 9 

6. Ader Rj der Vfl entspringt frei 7 

Ader R^ der \'fl auf gemeinsamem 

Stiele mit Rj bis R^ Aräschiüa. 

7. Innenrand der Vfl geschwungen Polygönia. 

Innenrand der Vfl gerade 8 

8. Fhlr mit birnförmiger, spitz endender 

Kolbe Pyrameis. 

Fhlr mit länglicher, stumpf endender 

Kolbe \"anessa. 

9. Hfl mit offener Mzelle Palpen nicht 

aufgeblasen Melilae'a. 

Hfl mit geschloss(!ner Mzelle, F'alpen 

aufgeblasen Argynnis. 

10. Gattung. Charäxes Oclis. 

Fhlr mit allmählich anschwellender l\iill)i'. Augen 
nackt Körper robust, Hleib sehr kurz. \ fl breit drei- 
eckig mit geschwungenem Saum, Ader Rg und R4 kurz 
gestielt auf R-, Ader R^ mündet abgebogen in den 
Saum. Der Saum der Hfl auf C, und M3 zu Schwanz- 
spitzen ausgezogen, mit nach vorne gebogner Praekostale. 

Die Raupe glatt mit 4 nach rückwärts gerichteten 
Hurnern am Hrand des sehr verbreiterten Kopfes, das 
Hleibsende mit 2 kurzen Spitzen. Die kurze, tonnen- 
artige Puppe mit stark gewölbter Rückenseite. 

In den afrikanischen und indischen Tropen durch 
zahlreiche Arten vertreten, reicht die Gattung nur mit 
einer .Vrt nach Südeuropa. 

27. jäsius L. (Kat. N. 127) Taf. .'i Fg. 3. Oseits 
schwarzbraun mit rotgelber Randbinde aller- Fl und 
solchen Submarginalflecken auf den Vfl, an deren Stelle 
auf den Hfl gegen den Innenwinkel hellblaue Flecke 
auftreten. Die sehr verschiedene Useile aller Fl zeigt 
eine weiße durchgehende Mbindc und im kirschroten 
Basalteil ohvengrüne weiß gerandetc Zeichnungen. 40 
bis 44 mm. Im Miltelmeergebiet lokal, so auch in 
Dalmatien in 2 Generationen. Faller meist im Juni und 
September. Die Sommergeneration hat einen stumpferen 
Innenwinkel der Vfl und längere, dünnere mi-lu- parallel 
stehende Schwanzspitzen der Hfl.') 

Die Raupe Taf. 16 Fg. 2a, grün, am Rücken 
des 6. und 8. Hleibssegmentes mit einem ovalen, blau 
gerandelen Mflcckchen gezeichnet. Sie lebt über- 
winternd und in zweiter Generation im Hochsommer 
auf Arbutus unedo (Erdbeerstrauch), auf der weißlich 
übersponnenen Blalloseile. Kann auch mit Rosen und 
Bu<hs gefüttert werden.") 

M Siepi Fcuille Jcun. Nat. XXXIII p. 26 PI. 4. 
') Über die Zucht vgl. überdies Gubener Ent. Ztg 
XIII p. 143, 153; XV p. 39, 53; XVII, 88, 92. 
Herge-Rebel, Sclimctterlingsbuch. 



Nymphalidae. 



17 




.Vpatura 



Die grüne eiförmige Puppe Taf. 16 Fg. 2 b gibt 
schon nach 10 bis 12 Tagen den Falter. 

11. (iattun.ü-. Apatüra F. Schillerfalter. 

Fhlr mit allmählich anschwellender Kolbe, Palpen 
lang. Augen nackt, Hleib ziemlich lang und schlank. 
Vfl mit geschwimgenem Saum, 
der auf den Hfl schwach 
gezähnt erscheint. Ader R., , 

und Rj der Vfl sind lang- ••,,-^^ »^ 

gestielt, Ader R., frei, der ^ , 

unlere Teil der Querader 
zwischen M3 und M, fehlt auf 
allen Fl, wodurch die Mzelle 
offen erscheint. Hfl mit nach 
vorne gebogener Praekostale. 

Große Falter, bei denen 
die (J einen violetten Schiller 
zeigen, fliegen in lichten Laub- 
wäldern meist nur in einer 
Generation, und setzen sich 
nicht an Blumen, wohl aber 
gerne an E.xkremente. Die 
seltenen ? leben sehr ver- 
borgen. 

Raupen nackt, chagri- 
iiiert , nach beiden Enden 

verjüngt, mit 2 langen, spitzen, nach aufwärts gerich- 
teten, kurz bedornten Kopfhörnern und zweispitzigem 
Hleib-sende. Sie überwintern sehr klein, festgeklammert 
an die übersponnenen Terminalknospen ihrer Xähr- 
pflanze. 

Die P u p p e n seitlich zusammengedrückt mit zwei- 
spitzigem Kopfende und .schneidigem Rückenkamm am 
Hleib. 

28. iris! . (Kat. N.131) großer Schillerfalter. 
Taf. 5 Fg. 4c, d ( o , 5 )■ Sehr groß, der Saum unterhalb 
der Vflspitzen nicht auffallend abgeschrägt, schwarz- 
braun, das (J mit hochblauem Schiller, beide Fl mit 
weißer, auf den Vfl stark gebrochener, auf den Hfl in 
der Mille längs Ader M3 einen Zahn nach außen bildender 
Fleckenbinde, welche beim 9 breiter ist Auf den Vfl 
stehen noch einige weiße Anleniarginalflecke, der 
Augenfle(-k in Zelle 2 derselben oseits nur durch den 
schwarzen Kern erkeimbar. Ober dem Innenwinkel der 
Hfl ein kleiner rostrot geringter Augenfleck. Useite 
rostbraun und rotgrau gemischt. Vfl mit deutlichem 
großem Augenfleck über Zelle 2 reichend, Fleckenbinde 
wie oben, auf den Hfl nach außen tief rostbraun ge- 
säumt, Zahn derselben noch schärfer. 35 — 40 mm. In 
Mitteleuropa lokal verbreitet, im .luni, Juli, das ? 
später. Steigt j)is 1000 m auf. 

Bei ab. j61e Schiff, fehlt die weiße Mbinde, nur 
die kleinen weißen Apikalflecke sind vorhanden. Diese 
Aberration ist durch zahlreiche Übergänge mit der nor- 
malen Form verbunden und tritt auch beim ?, aber sehr 
selten auf.') — ab. thaumäntis Schultz zeigt die ent- 
gegengesetzte Aberralionsrichtung, indem hier die weißen 



Vgl. Ent. Z. Gub. XI p. 



?1, 134; XV p. 54, 57. 
3 



18 



3. Familie. Nymphalidae. 



Flecken eine Vergrößerung erfahren haben. — ab. $ 
Iiit^sccns Schultz zeigt die weiße Fleckenbinde und die 
.Xnlemarginalflecke der Vfl gelblich statt rein weiß 

Das kegelslumpfiihnliche, mit geteilten Längs- 
rippen ver.sehene E i ist gelblich olivengrüii mit etwas 
Rot. Die meist Ende Juli erscheinenden Räup- 
c h e n sind braunschwarz, ohne Kopfhörner, die erst 
nach der ersten Häutung erscheinen. Sie überwintern 
nach der 2. Häutung, 8 — 10 mm lang, am Strauche 
in der Xähe einer Knospe im Gespinste eingehackt.') 
Nach der Überwinterung sind die Raupen Taf. 5 
Fg. 'la, grün, die Kopfhörner vorne blau, das Gesicht 
mit weißen Strichen, auf den ersten 'i Segmenten 
ein gelber Seitenstreifen, vom 5 Segment ab gelbe 
Schrägstriche. Lebt an schattigen Waldstellen, be 
sonders auf Salweiden (Salix caprea, auch S. cinerea) 
und bespinnt die Blatloseite weißlich. 

Die Puppe, Taf. 5 Fg. 4b, hell bläulichgrün mit 
gelblichen Schrägstrichen, entwickelt sich nach 1 'i Tagen. 

29. ilia Schiff. (Kat. N. 132) kleiner Schillor- 
falter, Taf. 5 Fg. 5b ( cj ). Der vorigen Art sehr nahe, 
kleiner, der Saum unterhalb der Fls|)ilze deutlich ab- 
geschrägt, der Schiller des J mehr violett, der Augenfleck 
in Zelle 2 der Vfl oseils deutlich, mit rostgelbem Hof, die 
Mbinde der Hfl ohne Zahn nach außen, auf der Useite 
gegen den Saum nicht tief rostbraun gesäumt. 30 bis 
38 nun. In Deutschland, der Schweiz und Österreich- 
Ungarn. Ende Mai bis Juli. Bei Bozen wurde aus- 
nahmsweise eine 2. kleinere Generation Ende .\ugust 
beobachtet. Die Art variiert .sehr stark und tritt häufiger 
in der ab. clytie Schiff., Ro Iscli i lle i. Tal'. 5 Fg. 5c 
(<J), auf, bei welcher die Mbinde aller l-'l ockergelb 
gefärbt ist, und rotgelbe Randflccke auf allen Fl auf- 
treten. Die Anteapikalflecken der NTl bleiben weiß. 
Mit der Stammart vorkommend. — ab. iliädes Mitis 
der Stammform, ohne weiße Mbinde (der iris ab. jöle 
entsprechend). — ab. astasiuides Stgr. Dieselbe .Aber- 
ration bei der Form clytie , ohne gelbe Mbinde. — 
ab. (var.) 6os Rossi zeigt die dunkle Grundfarberot- 
ockergelb aufgehellt, die rotgelben Randflecke reichen 
fast bis an den Saum.=) ^ ab. insp^rsa Schultz zeigt 
sämtlichoweißeFleckenzeichnung schwarzbraun bestäubt. 
— ab. distiiicta Schultz zeigt die weiße Binde der Hfl 
in 6 sehr kleine Flecke aufgelöst. — ab. palI6scens 
Schultz der Stammform mit oseits licht aschgrauer 
Grundfarbe. — ab J ästa Schultz zeigt die weiße 
Mbinde der Stammform und die rotgolben Randflecke 
der Form clytie. — ab. ,^ magnifica Schultz. Saum 
der Hfl breit gelb, von schwarzen .\dcrn durchschnitten, 
sämtliche übrige Zeichnung weiß, stark berußt. — 
ab. $ iliöna Schultz. Die Mbinde uml Flecken der 
Vfl ockergelblich (statt weiß), jedoch ohne die rolgelben 
Randflecken der Form clytie. 



') Vgl. Gerstner Ent. Z. Gub. .\.V1 p. 12, 50 Fg. 

■-') Stücke aus Ungarn wurden irrtümlich für die 
südrussische var. m e t i s Frr. angesehen, worauf sich 
die Angabe bei Spuler (Schm. Eur. p. l'i) bezieht (vgl. 
Aign. Rov. Lap. XIII p. 82). Die echte m e t i s gleicht 
sehr der c 1 v t i e, ist jedoch kleiner, schmalflügoliger 
mit schärfer begrenzten Fleckenbinden, welche auf den 
Hfl viel breiter ist. Das Analauge fehlt daselbst. 



Das Ei jenem von iris ähnlich, etwas breiter mit 
ungeteilten Längsrippen.') 

Die Raupe Taf. 5 Fg. 5a, und ihre Lebensweise 
jener der vorigen Art sehr ähnlich, die Kopfhörner der 
Raupe sind vorne jedoch schwarz, der gelbe Seitenstreifen 
und die Schrägstriche lebhaft orangerot gesäumt. Sie 
lebt auf Espen (Populus tremula), auch anderen 
Papjx'ln und Weiden. DiePup|)e weißlich grün mit 
gelbgesäuiiili-ii llscheiden. 



1*2. (iattuni;. liinienitis V. Ki.sv(')gel. 

FIdr gegen die Spitze alhnahlicli verdickt, ohne 
deutliche Kolbe. Augen nackt oder behaart. .Mglied 
der Palpen auch oseits abstehend behaart. Die FI 
breit, die Hfl am Saume schwach gezähnt. Das Geäder 
jenem von .\patura sehr ähnlich , nur ist die Mzelle 
der Vfl vollständig ge.schlo.ssen. Der Praekostalsporn 
entspringt tiefer am Stamme der Sc-.\der. .\urli In 
Indien und Nordamerika vertreten. 

Die l!au[)en mit 2 kurzen Spitzen am Scheitel 
und je einer Subdor.salreihe ästiger Dornen, überwintern 
klein. Die Puppen mit zweiteiligem Kopfende und 
einer beilförmigen Erhöhung am Rücken di's J. llleib- 
segmentes. 

30. caiuilla Schiff. (Kat. N. 135) Taf. 6 Fg. la, b 
($). Blauschwarz mit weißer, auf den \'fl in Flecken 
aufgelöster Mbinde, und weißem Querfleck gegen den 
Schluß der Mzelle derselben. Vor dem Saum eine 
Reihe schwarzer, nach außen blau angelegter Punkte. 
Die Useite braunrot mit der weißen Fleckenzeichnung 
der Oseite und weißgrauem, gerade abgeschnittenem 
Ba.salteil der Hfl. N'or dem Saum eine Reihe schwarzer 
Punkte. 28 — 30 mm. In Süddeutschland (bis 51" n. Br.), 
der Schweiz und Österreich-Ungarn, in zwei Genera- 
tionen. Juni \nid August. 

Die all. pythonissa ]\Iill. ist oseits einfaibig schwarz. 

Die Raupe grün, au der Seite weißlich, mit röt- 
lichen Rückendornen, wovon jene am 2., 3., 5,. 10. 
und 11. Segment die längsten sind. Kopf rollirniin. 
weißpnnktiert. Lebt auf diversen Lonicera-.\ilcii und 
Symphoricarpus, überwintert in einer .Xsl^jabel an- 
gesiioiinen. Zweite Generation im Juli. Puppe 
braungrau mit einzelnen Metallflecken. 

31. pöpuli L. (Kat. X. 13t>) großer Eisvogel, 
Taf. 5 Fg. 6 c, d (^, $ ). Dunkelbraun, mit weißer, 
auf den \'fl in Flecken aufgelöster Mbinde und weißem 
Qucrfleck in der Mzelle derselben. Nor dem Saum 
eine, auf den \'fl gegen den Innenrand verlöschende, 
Reihe rostfarbener Mondflccken. Useite rostgelb, auf 
den IUI ,\\i' Mliinde blaugrün bestäubt mit 2 Reihen 
diinklci' MrckiMi vordem blaugrünen Saum. 37 — 44 mm. 
In .Mitteleuropa (mit Ausschluß Hollands und Englands) 
im Waldgebiet Ende Mai bis Juli. Die Falter können 
am Morgen an feuchten Stellen mit Köder (Kä.se) leichter 
erbeutet werden. 



') Gerstner Ent. Z. XXII p. 17 Fg. 



3. Faiiiilii». \yiii|iliMli(lae. 



19 



Der Falter variiert beträehtiich. Bei den r^ sind 
die weißen Binden und Fle(;l<en oseits meist dunliel be- 
stäubt, häufig verscliwinden diescll)en bis auf jene im 
Vrandsteil der Vfl oseits vollständig, was die ab. J, 
tr^iiiulae Esp. charakterisiert. — ab. dofasciät^i Schultz, 
.\Ibinde der llfl'useite verloschen. — ab, dili'ita Spul. 
(= radiäta Schultz) fehlen die weißen Flecken und 
Binden auch uscits vollständig, wogegen auf der Ilfru- 
seite schwarze Strahlen in den Zellen auftreten.') {^, 
§). — ab. rub6rrinui Schultz zeigt eine Verbreiterung 
der rostroten Randflecke, auch die Spitze der Vfl ist 
breit rostrot bestäubt. — var. bueovin^nsis Ibirni. zeigt 
eine Verbreiterung der weißen Flecken und Binden. 
Aus der Bukowina und Rumänien. 

Das Ei oval geformt »nid gerippt. Di(^ Raupe, 
Taf. 5 Fg. 6a, grün, mit roll)raunem, an den Seiten 
schwärzhchem Kopf. Das Dornenpaar am 2. Segment 
ist weitaus das längste. Der Körper zeigt noch braime 
Schattierungen und am .'>. und 7. Segment .seitlich 
helle Spiegelflecken. Lel)t, nadi Überwinterung in 
einer Blattrolle, bis Mai auf Espen (Populus tremula, 
selten P. nigra) auf der Blattofläche. Die Verpuppung 
erfolgt stets auf der Oseite eines Blattes (nicht an 
einem Zweig wie in .\bbildung Taf. 5 Fg. 61)). Die 
Puppe gell)lichl)raun, schwarz [)unktiert. Entwicklung 
des Falters nach ca. 14 Tagen. 

32. sibylla L. (Kat. N.138) kleiner Eisvogel, 
Taf. 6 Fg. 2c, d ( $). Der camlUa ähnlich, Grundfarbe 
jedoch braunschwarz ohne blauen Schimmer, der weiße 
Querfleck in der Mzelle der Vfl, sowie die blauen Rand- 
fleckc fehlen. Die Useite heller rostbräunhch, vor dem 
Saum der Hfl daselbst eine Doppelreihe schwarzer 
Punkte. 26 — 31 mm. In Mitteleuropa verbreitet im 
Juni, Juli an feuclilcn offenen Waldstellen. Nur eine 
Generation. 

ab. angiistäta Stgr. zeigt schmälere weiße Binden. 
— ab. stenola^iiia Honr. zeigt das Band in einzelne 
getrennte weiße Flecken aufgelöst. — ab nigrina Weym. 
ist oseits einfarbig schwarz. Auch useits fehlt die 
weiße Fleckenzeichnung vollständig. Übergangsstücke 
dazu sind ab. obscürior Selys. 

Das Ei hellgrün, fazettiert, mit einzelnen Borsten 
besetzt. Die R a u p e, Taf. 6 Fg. 2a jener von camilla 
sehr ähnlich, ebenfalls grün mit braunroten Dornen, der 
Kopf jedoch weinrot mit 2 weißen Streifen. Lebt bis 
Mai auf Lonicera und überwintert klein (ähnlich wie 
popuh). Die Puppe Taf. 6 Fg. 21), griin mit einzelnen 
Metallflecken. 



i;j. (lattuiig. Neptis F. 

Flih- mit langer sciilardicr Knlbe. .Viigen nackt. 
Palpen oben imd unten lang behaart mit langem 
spitzem Endglied, llleib lang und schlank. Fl .sehr 
gestreckt mit kurzem gerundetem Saum. Die Mzelle 
aller Fl kurz zwischen M, und Mg offen, auch sonst das 
Geäder ähnlich wie bei Apatura, nur daß die Praekostale 
der Hfl am Ende meist gegabelt erscheint. 



') Frr.3'.3;Mitis Jhrsb.Wien. Ent.V.XI,T.l F.9. 



Die Raupen mit eingekerbtem Scheitel, walzig 
mit an der Basis verwachsenen kurzen Dornehpaaren 
am 2., 3., 5. und 9. Segment. 

1^ u p p e n eckig, mit konkaven vortretenden 
Fischeiden und 2 kurzen Kopfspilzen. 

In Europa nur 2 .\rten, in den altweltlichen Tropen, 
besonders im indomalayischcn Gebiete zahlreiche Arten. 

33. lucilla F. (coenobita Stoll) (Kat. N. 141), Taf. 6 
Fg. 3 ( $). Braunschwarz, mit weißer, auf den XÜ ge- 
brochener und in 2 Flcckenreihen aufgelöster Mbinde. 
In der Mzelle der \'fl 2 kleinere, meist verloschene, und 
ein größerer weißer Fleck. Darna(;h beim $ noch ein 
weißes Fleckchen. Die Useite rotbraun, außer der 
Fleckenzeichnung der Oseite, auch mit weißhchem 
VVurzelstrahl der Hfl und einer verlo-schenen Reihe weiß- 
grauer Antemarginalmonde. 25 — 28 mm. In der 
Schweiz nur südlich der .\li)en, in Österreich -L^ngarn 
verbreitet bis Schlesien, im Juni, Jidi. nicht selten in 
Gärten um Spiraeen. 

var. (ab.) ludniilla Nordni. ist kleiner, mit kleineren 
weißen Flecken resp. schmälerer weißer Mbinde der Hfl. 
Bukowina, Siel)enbürgen, Slavonien. 

Die R a u p e (vgl. oben) bräimlidi rot mit undeut- 
lichen dunkl(Mi Schrägstrichen, gelblichen Suprapedal- 
streifen und imdeutlicher Sattelzeichnung auf den 
letzten Segmenten. Der dunkle Kopf gelb punktiert. 
Lebt bis Ende Mai auf S|)iraea-.\rtcn. P n p p e km'Z, 
dick hellbraun. 

34. äceris Lepech. (hylas L. var.) (Kat. X. 14,')) 
Taf. 6 Fg. 4 ( ? ). Der vorigen .\rt ähnlich, kleiner, in der 
Mzelle ein langer, oft zweimal geteilter und in einen langen 
Pfeilfleck endigender weißer Streifen, ^'or dem Saum 
der \'fl noch eine Parallelreihe weißer Fleckchen, auf den 
Hfl noch eine gerade äußere Fleckenbinde. Useite hell 
rotbraun mit der weißen Zeichnung der Oseite und auf 
den Hfl nocJi mit weißem W'urzelstrahl, feinen weißen 
Mquerstreifen und weißer Ant.emarginaineckenreihe. 22 
bis 27 mm. In Steiermark, Krain, Istrien, Dalmaticn, 
Bosnien, Siebenbürgen, Ungarn, Mähren, Niederöster- 
reich, Galizien. Ende Mai, Juni und in 2. Generation 
Ende Juli, August auf Waldlichtungen fliegend. Setzt 
sich incht an Blüten. 

Das grüne E i ist fazettiert und beborstet. 
R a u p e bräunlich mit weißer Rückenlinie und hell- 
grauer Sattelzeichnung auf den letzten Segmenten. 
Sie lebt auf Orobus vernus (Frühlingswalderb.se) im Juh 
und Herbste, überwinternd. Die Puppe fahlgelb mit 
dunkelgeaderten Fischeiden, l)ei der Sommergeiieration 
goldglänzend, bei den Frühlingspu|)pen mit metallischen 
Rückenflecken. Puppenruhe 14 Tage. 

14. r.attuiiii:. Pyrameis Hb. 

Flilr mit liirnformiger, fladier. scharf abgesetzter 
Kolbe, die in eine feine Spitze endigt. Augen filzig 
behaart. Palpen dicht, kurz und weich behaart mit 
geneigtem Engdlied. Saumlänge der Vfl wie bei Vanessa, 
der Saum tritt nur auf .\der M, stumpf vor. Der Innen- 
rand ist gerade. Saum der Hfl länger als \'- und 



20 



.i. Familie. Nymphalidae. 



Innenrand, stark bauchig und gleichmäßig kurz gezähnt. 
Geäder wie bei Vanessa. Eine charakteristische, ante- 
marginale Augenfleckenrcihe ist iiseils im Apikaiteil 
der \n und auf den Hfl vollständig erhalten. Die Falter 
überwintern. 

Die Raupen vom allgemeinen Vanessen-Typus, 
walzig gestreckt, mit einem Gürtel steifer ästiger Dornen 
auf jedem Segment, das erste Hruslsegment n\ir mit 
einem Borstenkranz. Kopf am Scheitel eingeschnitten, 
kurz bedornt. Sie leben gesellig zwischen zusammen- 
gesponnenen Blättern in einer Art Gehäuse. 

Die Puppen mit keilförmiger Erhebung am 
Brustrücken, am Hleibsrücken mit Melallflecken. 

35. atalaiita L. (Kat. N. 152) Admiral, Taf. 7 
Fg. 6b. Samtschwarz, Vfl mit abgeschrägter Spitze und 
schmaler, zinnoberroter, gegen den Innenwinkel ziehender 
Schrägbinde. Im Apikalteil liegt ein größerer weißer 
Vrandsfleck iind eine Reihe kleiner weißer Apikalflecke. 
Die Hfl in der Mitte des Saums mit zinnoberroter, schwarz 
punkliiM-ler Raiidbinde, useits braun marmoriert mit 
lichtem \'randsfleck und den schwarzen Ziffern 8 und 9 
in der Mzelle. 27—30 mm. Überall in Mitteleuropa 
von Juni bis Oktober in 2 Generationen, der Falter über- 
winternd bis Mai.') 

ab. näna Schultz ist eine Zvvergform (22 — 25 cm), 
besonders von der Riviera in erster Generation. — ab. 
cubeanensis Lambill. Randbinde der Hfl ohne schwarze 
Punkte. — ab. fräcta Tult zeigt die rote Mbinde der 
Vfl breit durchbrochen. — ab. itiUiea Slicli. mit schmä- 
lerer roter Binde der N'fl (Lokaltorm in Süditalien). — 
all. klemensiewiczi Schule zeigt den weißen Vrands- 
fleck der \fl verloschen, die rote Schrägbinde der Vfl 
und die rote Saumbinde der Hfl gekürzt, letztere ohne 
schwarze Punkte. (.\uch experimentell durch Frost 
erzeugt.) 

Das K i ist grün, oval, mit Längsrippen. Die 
Raup e, Taf. 7, Fg. 6a, gelbbraun bis schwarzbraun 
mit gelben Seilenstreifen und solchen Dornen. Der 
Kopf dunkel grauschwarz. Lebt im Mai, Juni und 
August bis September zwischen zusammengesponnenen 
Blättern von Brennesseln. Puppe braun mit Metall- 
flecken, überwintert zuweilen. 

36. cärduiL. (Kat. N.15-',) Distelfaller, Taf. 7 
Fg. 7b. Ziegelrot, \'fl mit nicht abgeschrägter Spitze, 
breitem schwarzem Apikalteil mit der weißen Flecken 
anläge der vorigen Art und einer aus unregelmäßigen 
schwarzen Flecken bestehenden Schrägbinde vor der 
Mitte. Hfl mit emer Reihe runder schwarzer Flecken 
vor dem Saum und solchen auf den Adernenden, 
dazwischen eine von den Adern breit unterbrochene 
schwarze Querlinie. Auf der Useite sind die ^'flspitzen 
und die Hfl bräunlich gelb und weiß marmoriert mit 
einer Reihe blauer, gelb und schwarzgeringter Augen- 
flecken vor dem Saum. 27 — 31 mm. Besitzt eine 
fast kosmopolitische Verbreitung und erscheint in 
Mitteleuropa in 2 — 3 Generationen, wovon die Herbst- 



generation meist als Falter überwintert. Im Juli 
wurden schon wiederholt, so besonders in den Jahren 
1879 und 1903, Massenzüge des Falters beobachtet. 
Derselbe tummelt sich in wildem Fluge oft auf frei- 
stehenden .Vnhöhen, auch in der Abendsonne. Er steigt 
bis ins Hochgebirge auf. 

ab. minor Cannaviello ist eine Zwergform (unter 
normalen Stücken). — ab. pällida Schöy. zeigt eine 
bleichere, mehr rosenrote Grundfarbe. — ab. eanluWis 
Schultz; die schwarze Zeichn\mg der Oseite. bi>.>onders 
im .\pikalteil der \'fl ist weißgrau. — ab. ueelläta 
Rbl. (n. ab.) zeigt die antemarginalen Flecken lii'r Hfl 
oseits blaugekernt. — ab. inomäta Brains. fehlt die 
schwarze Quer))inde der \!\ und die weißen Flecke im 
Apikalteil sind vergrößert. — ab. priänieis Schultz. 
Ilfl'oseite mit radiär verlängerten schwarzen Randflecken. 
— ab. Wyinl Rbr. zeigt den weißen Vrandsfleck der 
\!\ durch Schwarz bedeckt, die weißen .\ntemarginal- 
flecke zusammengeflossen, die schwarze Querbinde 
fehlend, die Hfl statt der Fleckenreihen mit sihwarzen 
Längsstrahlen auf den .\dern. 

Das E i dunkelgrün, netzförmig gerippt. Die 
Raupe, Taf. 7 Fg. 7a, grüngrau bis schwarzgrau mit 
gelben Rücken- und Seitonstreifen und solchen Flecken. 
Die Dornen kurz, ästig, gelb. Kopf dunkelgrau. Lebt 
vom Mai bis September an Disteln, Nesseln. Mähen, 
Beifuß u. and. zwischen zusammengesponnenen Blattern. 
Puppe grau oder braun mit goldglänzenden Fleckchen. 



15. Gattung. Vanessa F. 

j Fhir mit länglicher Kolbe. Palpen allseitig ab- 

stehend steif behaart. Augen filzig behaart. Saum der 
Vfl gezähnt, wenig kürzer als der Innenrand, viel 
kürzer als der Vrand, auf .\der M^ zuweilen auch auf 
.■\der C„ in einer Ecke 



Fg. 9. 



') Über Variabilität vgl. Stichel Berl. e. Z. 190 
p. 124 ff.; 1901 p. 21; zur Überwinterung Standf. En 
Z. Gub. VI p. 76. 



900 

l. 



vortretend. Der Innen- 
rand gerade. Saum der 
Hfl nur auf Ader Mg 
einen längeren Zacken 
bildend. Vrand ge- 
rade, auf der Useite 
basalwärts z\iweilen mit 
einzelnen langen Bor- 
sten (polychloros. xan- 
thomelas und antiopa) 
besetzt. Das Geäder 
zeigt eine auf den Vfl 
geschlossene Mzelle. 
Ader R, mid R,, ent- 
springen frei, Rg bis R- 
gestielt, .\der M, ilicht 
bei l\- cntspriMgend 
Auf den IUI ist die 

Sc- Ader von der Länge des \ rands. Der Praekostal- 
sporn oberhalb von R entspringend, meist nach hinten 
gebogen. 

Die R a u p e n. wie bei der vorigen Gattung, leben 
ebenfalls gesellig, aber frei auf der Futterpflanze. Die 
P u p p e n mit zweispitzigem Kopfe und Metallflecken. 




3. Familii'. Nyiiiplialidae. 



21 



Die Falter, meist in 2 Generationen auftretend, über- 
wintern. 

:!7. io L. (Kat. N. 156) Tagpfauenauge, Taf. 7 
Fg. 'ic. Rothraun, am Saum sehwarzgrau, alle Fl mit 
einem groUen bunten .VugPiifleck im Apikalleil, der auf 
den \'fl einen roten, nach innen gelb, nach außen breit 
blau begrenzten Kern, auf den Hfl einen schwarzen, 
blau bestäubten und hellgrau eingefaßten Kern zeigt, 
nie \'fl überdie.s mit 2 .schwarzen, gelb getreimten 
\'randsflecken und zwei blauen Punkten unterhalb des 
.\ugen Heckes. Die IJseite schwärzlich braun, die Hfl 
mit schwarzen Mstreifen. 27 bis 30 mm. Überall in 
Mitteleuropa. Flugzeit April (überwintert) und dann 
wieder Juni liis Ilprl)st in 2. Generation. 

ab. lülva Oudem. hat eine mehr rotgelbo Grund- 
farbe. — ab. cyanostieta Hayn. zeigt einen Ijlanen Fleck 
unterhalb des Augetifleckes der Hfl. — ab. pävo Stich. 
Saum aller Fl schmal stahlblau, die kleineren Ozellen der 
Hfl sowie der große Kostalfleck der \'fl irisieren stark 
metallisch l)lau. Aus Böhmen (soll kein Kunstprodukt 
sein.) — ab. ioides Ochs, ist eine Zwergform (22 mm). — 
ab. exociiläta Weyni. zeigt den Augenfleck der Hfl ver- 
loschen, rücksichtlich ohne blaue Bestäubung. — ab. 
n^rscs Schnitz wie die vorige, jedoch die Kostalflecke 
der \fl auch verbunden. — ab. belisäria Obthr. zeigt 
die Kostalflecke der Vfl zusammengeflossen und die 
Augenflecke beider Flpaare verloschen, resp. ge- 
schwärzt. (Diese und die beiden vorigen Formen sind 
selten im freien \atnrleben, jedoch durch Temperatur- 
experimente häufig erzielt worden.) — ab. (var.) särdoa 
Stgr. größer, lebhafter gefärbte Stücke im Süden (sardi- 
nische Lokal form). 

Ei grün mit Längsrippen. Raupe, Taf. 7 Fg. 'la, 
schwarz, überall weiß punktiert, mit schwarzen, ein- 
fachen Dornen \md schwarzem Kopf, leben gesellig im 
Mai, .fnni imd .\ugusl, September auf Xesseln und 
Hopfen. Die Puppe, Taf. 7 Fg. 4b, mit 2 Reilien langer, 
schwach glänzender Dornen am Hleibsrücken ist grünlich 
oder grau. 

:J8. i'irticae L. (Kat. N. 157) Nesselfalter, 
k 1 c i n c r F u c h s , Taf. 6 Fg. 8c. Rotgclb, die \fl mit li 
großen schwarzen, gelb getrennten Kostalflocken, worauf 
ein weißer .\nteapikalfleck folgt, ferner mit schwarzen 
Hecken in Zelle l, 2 und 3, Hfl mit schwarzem, gegen 
den Vrand gelbbegrenztem Basalteil. Saum aller Fl 
mit schwarzen, blaugekernten Randdreiecken. Useite 
der V'fl gelbgrau, schwarzbraun gefleckt, jene der Hfl 
schwarzbraun mit hellbraun gewässerter .Saumbinde. 
23 — 28 mm. Überall in Mitteleuropa, bis ins Hoch- 
gebirge in 2 Generationen häufig, von .Juni bis Herbst 
und überwintert im Frühjahr. 

Die Art aberriert häufig und neigt auch zur Bildung 
von l>okalformen. Unter der Stammform kommen vor: 

ab. herrniänni Herrm. mit heller ockergelber 
Gruiulfarbe. Zeichnung normal. — ab. violÄsccns 
Slevogt mit rötlichviolett schimmernden blauen Rand- 
flecken. — ab. sclysl Donck. Die Diskalflecken der Vfl 
in Zelle 2 und 3 fehlen, die blauen Randmonde sind auf 
den \'fl verloschen und fehlen auf den Hfl. Letztere 



schmutzig graubraim mit einem großen rötlichen Fleck 
ober dem Afterwinkel. — ab. ichnusoides Selys; auf 
den Vfl sind der zweite und dritte (äußerste) Kostalfleck 
verschmolzen, die Mflecken in Zelle 2 und 3 fehlen, 
die Useite ist dunkler. Die blauen Randmonde sind 
vorhanden. — al». atrebat^nsis B. wie die vorige, jedoch 
auch die Hfl vollständig schwarz, auch die blauen Rand- 
monde der \fl meist verdunkelt. — ab. osb6riii Donck. 
(= conjüncta Neuburger) alle drei schwarzen Vraruls- 
flecke zu einem langen breiten Strich verflo.ssen, Saum 
der \fl ohne blaue Randflecke, ockergelb mit schwarzen 
Streifen, wodurch die Flecke in Zelle 2 und 3 unterdrückt 
werden. Hfl braun mit ockergelbem Innenrand, die 
blauen Randmonde erhalten. — ab. urtifoldos F. d. W. 
(pygmae'a Rühl) ist eine Zwergforni. 

Innerhalli des Cebietes finden sich ferner Übergänge 
zur 

var. türcica Stgr., lebhafter gefärbt, mit kleineren 
Mflecken in Zelle 2 und 3 und schmälerem diuiklem 
.Saum, so in der Bukowina und Bosnien. - — 

Solche Stücke kommen in der Färbung bereits der 
var. i h n ü s a Bon. Taf. 6 Fg. 8d von Korsika und 
Sardinien nahe, welche aber regelmäßig kleiner ist und 
der Mflecken in Zelle 2 und 3 entbehrt. 

var. polaris Stgr. sehr klein, mit sehr kleinen blauen 
Randpunkten, dagegen verbreiterten gelben Wands- 
fleckeu der \ fl und sehr breiter schwarzer Basalfär- 
bung der Hfl. Übergänge dazu auch in der Bukowina. 
Hochuordische typische Stücke zeigen auch einen 
.schwarzen Innenrand der Vfl und häufig verbundene 
Kostal- und Innenrandsflecken. 

Das R i dunkelgrün mit helleren Rippen. Die 
R a u p e Taf. 6 Fg. 8a schwärzlich, nüt dunkel ge- 
teilten gelben Rücken- und solchen .Seitenstreifen. 
Dornen kurz, nach ihrer Stellung dunkel und gelb gefärbt. 
Kopf .schwarz. Lebt in zwei Generationen gesellig auf 
Breime.sseln. Pupp e Taf. 6 Fg. 8b bräunlichgrau mit 
kurzer Spitze am Hleib und Goldpunkten. 

.39. L alhlim Ks-p. (Kat. N. 158) Taf. 7 Fg. 3. 
Saum aller Fl .sehr stark geeckt, rotgelb, braun gemischt, 
mit der schwarzen Fleckenzeichnung von polychloro.-!, 
jedoch mit großem weißem .Apikalfleck aller Fl und 
ohne blaue Randfleckc der Hfl. Die Useite hell bräun- 
lich gewässert, am Saume wetüg verdunkelt, die Hfl mit 
einem feinen, weißüchen Mhaken. 29 — 34 mm. Eine 
östliche .\rt, die über Ungarn nach Schlesien. Mähren 
und Österreich reicht. Flugzeit besonders September, 
überwinternd. 

ab. eheKine Schultz. Die beiden großen schwarzen 
Vrandsflecke der \fl sind zusammengeflossen. — ab, 
oontt'xfa Sihultz, der zweite Kostalfleck der \'fl ist 
mit diMi beiden schwärzen Innenrandsflecken bandartig 
verbunden. 

Die R a u p e braun, hell gewässert mit breitem 
gelbem, diud<el geteiltem Rückenstreifen, gelben ästigen 
Dornen und braunem, stark bedorntem Kopf im Sommer 
bis .Vugnst geselHg auf Espen (Populus tremula) und 
Weiden. (In Rußland auch auf Stachelbeeren.) Puppe 
hellbraun mit starken Spitzen am Hleib und 6 Silber- 
fleckcn davor. 



22 



3. Familie. Nyiuplialidau. 



40. xiiiitliouiclas Esp. (Kat. N. 160) Taf. 7 Fg. 2. 
Dem folgeiidcii [Kilychloros .sehr ähnlich, Fl breiler, der 
Saum stärker gezackt, Grundfarbe lebhafter rolgelb, 
der erste N'randsfleck der \n in 2 Flecke geteilt, der 
Anteapikalfleck weiß, statt gelb, auf der l'seite der Hfl 
bildet die äubere Begrenzung der dunklen Mbinde 
unterhalb des \randes 2 deutliche Zacken. Die Schienen 
sind hell gelbbräunlich (bei polychloros dunkelbraun). 
32 — 35 mm. Wie die vorige eine öslhche Art. die aber 
in ihrer Verbreitung bis in die Schweiz reicht. In 
Deutschland sehr lokal und selten, häufiger in Üsler- 
reich, Böhmen, Ungarn. Flugzeit besonders Juni, Juli. 

ab. tcstüdo Dahlstr. (ch61ys Mitis) zeigt die beiden 
großen Vrandsmakeln der Vfl zusammengeflossen. 

Die Raupe schwarz, weiß punktiert mit gelblich 
weißem, geteiltem Rückenstreifen, feinen solchen Seiten- 
streifen und schwarzen Dornen. Bauchfüße dunkel 
ockergelb. Lebt im .Mai, Juni gesellig auf glattblättrigen 
Weiden. Puppe braun, blau beduftet, ohne Metall- 
flecke. 

41. polychloros L. (Kat. N. 161) großer Fuchs 
Taf. 7 Fg. Ic. Rotgelb, mit 3 von einander gelb ge- 
trennten schwarzen Vrandsflecken , wovon der erste 
ungeteilt bleibt, auch der .\nteapikalfleck ist gelb, ferner 
2 schwarzen Flecken in Zelle 1, und je einem kleineren in 
Zelle 2 und 3. Die Hfl mit großem, außen gelb ge- 
säumtem schwarzem Vrandsfleck und blauen Rand- 
monden. Schienen dunkelbravm. 29 — 33 mm. In Mittel- 
europa überall verbreitet, im Juni und in 2. Generation 
vom Juli ab überwinternd. Ohi'rc lloliengrenze l.iei ca. 
1300 m. 

ab. testüdu Fsp. mit zusammengeflossenen (2. und 
3.) \'randsflockcn und gelblich aufgehelltem Saum. 
Hfl verdüstert. — ab. pällida Tult alle die gelblichen 
Stellen sind weißlich. — ab. pyroin^Ias Frr. ist eine 
kleinere, dunklere Form. ali. pyginn^a Slevogt eine 
Zwergform von normaler Färbung'. 

Die Eier grünlich, tonnen förmig, mit 8 Längs- 
rippen, werden reihenweise an einem Zweig abgelegt- 
Die Raupe, Taf. 7 Fg. 1a, schwarzblau, mit breitem 
geteiltem rostgelbem Rückenstreifen vind solchem ver- 
waschenem Suprapedalstreifen. Dornen ästig, roslgelb. 
Kopf schwarz. Leben im Juni und Spätsommer ge- 
sellig, anfangs in Gespinst, auf Kirschbäumen, Ulmen, 
Weiden, auch Birnbäumen. P n p p (\ l'g. Ib. Iiraun, 
mit 4 Silberflccken und braunen S|iil/,rii am llleibs- 
rückcn. 

42. antiopa L. (Kat. N. \(i2) Trauermantel 
Taf. 7 Fg. 5c. Samtartig dunkel kaffeebraun, mit hell- 
gelbem, (nach der Überwinterung weißlichem) Saum und 
einer Reihe blauer Anlemarginalflecken auf schwarzem 
Grund. Die Vfl noch mit 2 hellgelben \randsflecken. 
l'seite schwarzbraun mit weißem Sautn. Die Schienen 
hellbraun 35 — 42 mm. Überall in Mitteleuropa, meist 
seltener als die übrigen N'anesscn, vom Juli, .\ugust ab. 
Über 2000 m aufsteigend. 

ab. lintneri Fitrh isl dunkU-r mit breilerem gelbem 
Saum und kleineren IiI.iuimi I'li'rkcn. — ab. hygiae'a 



Heyd. fehlen die gelben Vrandsflecken und blauen Makeln, 
wogegen der gelbe Saum sehr verbreitert erscheint. 

Das E i grün mit Längsrippen. Die Raupe 
Taf. 7 Fg. 5a, schwarz mit einer Reihe rostroter Rücken- 
flecken. Kopf und Dornen schwarz. Lebt im Juni, Juli 
auf \\'eiden, Birken, Pappeln. P u p p e. Fg. 5b, bräun- 
lichgrau, mil kurzen Spitzen ;mi Hleib, ohne Metall- 
flecke. 

16. dattuns'. Polygonia Hb. 

(Gräpta Kirby). 

Fhh- mit kürzerer, breitgedrückter Kolbe, Palpen 
(liclil beschuppt, spärlich abstehend behaart. Augen 
behaart. Saum der Vfl kürzer als Innen- und Vrand, 
sehr stark ausgebuchtet und auf Ader Mj und C, lang 
gezähnt, Saum der Hfl ebenfalls sehr stark gezahnt. 
Innenrand der Vfl stark geschwungen. Das Geäder 
wie bei Vanessa. In Mitteleuropa nur 2 Arten, sonst 
besonders gut in Nordamerika vertreten. 

Die Raupen mit stark bedorntem Kopf leben 
einzeln und frei auf der Futterpflanze. Puppen 
wie bei Vanessa gestaltet, meist mit .Metall flecken. 

43. Ci'lIbuiuL. Kat.N.166) C-Fallcr. C-Fuchs, 
Taf. 6 Fg. 7c, d. Rolgelb mit schwarzbraunen, auf den 
Vfl wie bei V. polychloros angeordneten Flecken. Die 
Hfl mit 4 solchen Basal- und Diskalflecken. \'or dem 
Saum aller Fl eine Reihe gelber Mondflecke. Die sehr 
variable Useite') braun oder grau marmoriert, oft mehr 
einfarbig, stets mit moosgrüner Randzeichnung und 
mit weißem C-förmigem Mzeichen der Hfl. 22 — 25 mm. 
Überall in Mitteleuropa in 2 Generationen, Mai, Juni 
und Spätsommer, überwinternd. Obere Höhengrenze 
bei 1200 m. 

Die Sonnn(>ri'orm meist etwas größer, mit viel 
weniger tief gezacktem Sainn , oseits bedeutend heller 
gelbbraun, useits ebenfalls heller gelbbraun mit feinem 
C, ist var. hiitehinsöiii Robs. 

ab. variegäta Tutt hat eine dunkel marmorierte, 
besonders stark moosgrün gemischte Useite. — ab. 
j6ta Album Newn. statt des C-Zeichen eine fast gerade 
Linie. — ab. reiclienstett6nsis RühU kleiner, heller, 
Vfl mit 2 Basalflecken und breit schwarz bestäubten 
Rändern, ein schwarzer dreieckiger Fleck am Innenrand. 
Die Hfl schwarz, nur an der Ba.sis und längs der Fran.sen 
schmal braun. Bei Straßburg, im Harz und Schlesien. 
— ab. f. älbum Esp. Die beiden äußeren Vrands- 
flecke, die beiden Inncnrandflecke der Vfl sowie auf 
den Hfl sämtliche schwarze Flecke zusammengeflossen. 

10 i blangrim, oben abgeplattet, gerippt. 

Raupe, Taf. 6 Fg. 7a braun, am Rücken vom 
5. Segment ab weiß, mit rotgelben Dornen uiul schwarzem 
Kopf. Im Mai und Juli auf Nesseln, Johannisbeeren 
und Stachelbeeren, Rüstern, Haseln u. and. Die 
Puppe, Taf. 6 Fg. 7b, braun, stark eingebuchtet mit 
lebhaften Gold flecken. 



') O n d e m a n s Tijds. v. Ent. 48. Hnd. PI. 2 Fg. 



3. Familie. Nymphaiidae. 



23 



44. Pgöa Cr (Kat. \. 167) Tal. 6 Fg. 6. Der 
vorigen Art ähnlich, die Ausbuchtungen am Saume 
weniger tief, die Färbung heller rotgelb, die dunklen 
Flecken viel kleiner, gegen den Saum zu oft fehlend 
(so der äußere Vrandsfleck und jener in Zelle 1 der 
Vfl), der Iiinenrand der Vfl schwächer geschwungen, 
die Useite gelbbraun, längsstreifenai'lig grau marmo- 
riert, auf den Hfl mit einem feinen weißen Hakenfleck. 
2.S — 27 mm. In Südlirol, Krain, Istrien, Dalmatien im 
.hiiii. .Iiill und in 2. Generation im September. 

ab. J dlbum Esp. unter der Sommergencraliori ist 
oben dunkler, lebhafter gefärbt, mit deMtli<hcren gelben 
liandfleckcn, \iseiLs viel dunkler. 

Hie Raupe jener von C albuni ähnlich, jedoch 
die (irundfarbe matt schwarz, fein weiß behaart, ohne 
weiße Uiickenfärbung auf den letzteren Segmenten. Im 
Frühjahr und Sommer auf Parietaria diffusa. Soll auch 
auf t'lmus leben. P ii p [> c bräunlich, weniger stark 
eingebuchtet, ohne Milallllfckr. uml kürzereu Stirn- 
fort-sätzen. 



17. (Tiittung. Araschnia Uli. 

Noch .in die Vanessa-Gruppe geliürig. Flilr mit 
länglicher, deutlich abgesetzter Kolbo. Palpen zottig 
behaart, nicht aufgeblasen. Augen behaart. Saum 
der Vfl wenig kürzer als der Innenrand, schwach ge- 
schwungen und schwach geeckt. DasGeäder weicht von 
Vanessa wesentlich dadurch ab, daß auch Ader R^ auf 
gemeinsamem Stiele mit II3 bis Rj steht. 

Raupe und Puppe von Vanessa - Habitus, 
erstere mit 2 langen Kopfdornen. Die von der 2. Gene- 
ration abstammende Puppe überwintert. In Europa 
nur eine .\rt, welche durch den bei ihr zuerst fest- 
gestellten Hora-(Saison-)Dimorphismus allgemein be- 
kannt wurde. Diese Erscheinung gab auch .\nlaß zu 
ausgedehnten Tempera lurversuchen. 

45. leväiia L. (Kat. N. 169) Landkärtchen. 
Taf. 6 Fg. 5d. In der auch als biologische Stamm- 
form anzusehenden Frühjahrsgeneration (April, Mai) 
ist der Falter rotgelb mit schwarzer Zeichnung, welche 
auf den Vfl zerrissene Querbinden, auf den Hfl ein 
breites, schwarzes, durch gelbe Linien geteiltes Basal- 
feld und eine antcmarginale Fleckenreihe bildet. Am 
Saum der Hfl noch eine Reihe blauer Punkte. Auf 
den Vfl liegen noch 2 gelbe und ein W(!ißer (äußerster) 
Vrandsfleck, sowie ein weißer Punkt in Zelle 4. Die 
Useite hellgelb mit braunroter, licht durchschnittener 
Zeichnung und einem hell veilbraunen großen Fleck in 
der Mitte des Saumfeldes aller Fl. 16 — 19 mm. In 
Mitteleuropa (mit Ausschluß Englands) in der Ebene 
und im Ilügellande, lokal in Walilgegendeu. 

Die Sommergeiicration prürsa L. (Kat. \. 169b) 
Taf. 6 Fg. üc, ist schwarzbraun mit weißer auf den \fl 
in der Mitte unterbrochener Querbinde und zwei rot- 
gelben Querlinien darnach, die auf den Vfl, wo auch 
weiße Querstriche in der Mzelle auftreten, zum Teil 
durch weiße Punkte ersetzt sind. Die Useite weiß, 
ähnlich gezeichnet wie jene von levana, jedoch mit 
geschlossener rotbrauner Saumbinde (ohne hellen .\pikal- 



teil und ohne großen violetten .Mfleck), in welcher auf 
den Vfl weiße, auf den Hfl violette Punkte stehen. 18 
bis 22 mm. Flugzeit Juli, .\ugust. 

.Ms seltene .M)erration (im freien Naturleben) finden 
sich unter der Sommergeneration als ' Übergangsstücke 
zu levana, die ab. p6riina Ochs. Taf. 6 Fg. 5e, welche 
bei der allgemeinen Zeichnungsanlage der prorsa schon 
die braune Grundfarbe der levana besitzt. .\uch die 
l'seite ist mehr prorsa ähnlich. — ab. friräldskyi .\ign. 
ist eine sehr abweichende levana-Form mit eiufiirbig 
hellbraunen, überall breit schwarz geränderten Fl, die 
nur an der Basis eine schwarze Fleckenzeichnung auf- 
weisen. — ab. Schultz! Pfitzner ist eine kleine prorsa- 
Form (aus Posen) mit sehr reduzierter, bräunlich ge- 
färbter Mbinde, welche auf den Hfl zum Teil ganz ver- 
schwindet. — ab. obsci'ira Fenl. ist eine ])r<)rsa Form 
ohne rotgelbe Querlinien. 

Die Bier länglichrund, gerippt, grünlich, werden 
in Häufchen abgelegt.^) Die R a u p e n, Taf. 6 Fg. 5a, 
schwarz oder bräunlich mit gleichfarbigen, ästigen 
Dornen. Kojjf schwarz mit 2 längeren Dornen. Lebt 
gesellig im Juni und September auf Brennesseln. 
P u p j) e n , Fg. 5b, braun.schwarzgefleckt, zuweilen mit 
M(!tallflecken. Die von der Sommergeneration ab- 
stiun inenden übi-rwintcrn. 



18. (iattuns;. Melitae'a F. Sclieokeiifaltor. 

Fhlr mit scharf abgesetzter, meist eiförmiger flach- 
gedrückter Kolbe. Die Palpen nicht aufgeblasen, das 
.Mglied lang behaart, das Endghedspitz. Dii- .\ugrM) 
nackt. Die Tarsen und Schienen der M- 
nur useils mit 2 — :! Reihen Dornen. 
Saum der Vfl bedeutend kürzer 
als V- und Innenrand. Auf den 
Vfl entspringt Ader R, auf ge- 
meinsamem Stiel mit .\der R3 bis 
R5. Ader M, etwas weiter von 
M] entfernt als bei den Vanessen. 
Mzelle der Vfl geschlossen, jene 
der Hfl offen. Praekoslalsporn 
entspringt hinter dem Ursprung 
von R. Kleine bis mgroße Faller, 
oseits meist von rolgelber Fär- 
bung und einer aus dunklen Quer- 
fleckenreihen gebildeten Zeichnung. 
Useite der Hfl meist hellgelb, mit 
braunroten Querbinden, nie mit Silberfle 



III 




Melitae'a mati'irna. 



■keil. Die 

.\rten neigen sehr zum Variieren, auch in melanolischer 
Richtung. Die $ einiger Arten neigen zum Dichroismus. 
Die Falter treten meist nur in einer Generation auf. 
In Mitteleuropa kommen 14 .Vrten vor. Auch Nord- 
amerika besitzt hierher gehörige .\rten. 

Die Eier birnförmig. Die II a u p e n kurz walzen- 
förmig, auf jedem Segment (vom 2. angefangenl mit 
8 — 11 fleischigen, kegelförmigen, mit kurzen Borsten 
besetzten Erhebungen (Scheindornen). Das 1. Segment 
zeigt 6, das letzte 4 Scheindornen. Leben auf kraut - 



') Gillm. Ent. Z. Gub. X\ p. 1.37. 



3. Familie. Nympiialidae. 



artigen Pflanzen, zuerst in einem gemeinsamen Gespinst, 
und überwintern. 

Die S t ü r /. p u jj p tMi gcdrunf^cn , mit aligc- 
.stumpftem Kopfende, auf dem Illi'ili.srücken mit Kiiöpf- 
clien, zuweilen mit Orangeflecken. 

Die Gattung läßt sich nach Wheeler bezüglich 
der mitteleuropäischen Arten in 3 Gruppen teilen: 

1. M a t ü rn a - Gruppe: Die Zeichnung der bunten 
Oseite erscheint verwaschen, auch auf der Useite. Die 
Adern und Querhnien sind schwarz, die Zwischeru'äume 
zwischen letzteren gelbrot, oder braunrot au.sgofiillt. 
(Vgl. Taf. 8 Fg. 2a, b.) 

2. D i d y m a - Gruppe: Oseite mehr einfarbig, die 
Useite der Hfl in 5 Felder (Bänder) geteilt, wovon das 
2. und 4. rostrot und schwarzgesäumt erscheinen, und 
das 2. einen Flecken der hellgelben Grundfarbe ein- 
schließt. (Vgl. Taf. 8 Fg. 7c— d.) 

3. A t h ä 1 i a - Gruppe: Oseite braun mit schwarzen 
Querbändern, Useite der Ilfl mit unregelmäI3igen lichten 
Basalflecken und einer zweifarbig geteilten äußeren 
braunen Querbinde, deren schwarze Einfassung Mond- 
striche bildet. Der innere Teil dieser Querbindc, welcher 
der lichten gelben Mbinde anliegt, besieht oft nur aus 
Fleckennidimenten. (\'gl. Taf. 8 Fg. 9c, d.) 

1. M a t ü r n a • G r u p p e : 

46. iiiatiirna L. (Rat. \. 172) Taf. 8 Fg. 2a, b. 
Saum der Vll unterhalb der Spitze stark bauchig vor- 
tretend. Schwarzbraun , mit lebhaft rotbraunen und 
besonders beim q, auch hellgelben Flecken bis zur 
äußeren geschlossenen rotbraunen Flec'kenbinde. Die 
Useite ockerrötlich, die Vfl schwarz gezeichnet, die Hfl 
dunkler mit 5 hellgelben Flecken (der Grundfarbe) an 
der Basis, einer solchen schwarz geteilten Mbinde und 
solchen Randmonden vor dem Saum. Der Zwischen- 
raum zwischen letzteren und der Mbinde ohne schwarze 
Punkte. Das $ größer und dunkler. 21 — 24 mm. In 
.Mitteleuropa lokal, Ende Mai, Juni. 

Die in den Alpen der Schweiz und Siidlirols (in 
Übergängen) von ca. 1200 m ab auftretende var. wolfens- 
bcrg6ri Frey') ist kleiner, rundflügeliger, und in beiden 
Geschlechtern mehr verdüstert. Ähnliche Stücke finden 
sich einzeln auch im Flachlande (so in Schlesien) und 
im Velebil. — var. iirbäni Hirschke zeigt oseits eine 
tiefschwarze Grundfarbe, die hellgelben Flecke auf 
Punkte reduziert, die rotgelbe Saunibinde breiter, sehr 
stark hervortretend, die Mondflecken vor dem Saum 
viel kleiner und flacher; Useite dunkler mit viel kleineren 
gelben Basalflecken der Ilfl. Aus Salzburg (llallein). — 
Stark weißgebänderte Stücke aus den Okku|)alions- 
ländern müssen bereits zur var. uralensis Stgr. gezogen 
werden. — ab. schluniberg6ri Schultz (aus Österreich) 
zeigt die gelblichen Vrandflecke der Vfl verbreitert, 
und die rotbraune Saumbinde der Hfl fehlend. Auf der 
Useite der Hfl fehlen die hellen Basalflcrke, die hellgelbe 
Mbinde ist sehr verbreitert, die Handmonde flach. 

Das gelbliche Ei birnförmig, gerii)pt. I{aupe 
schwarz mit breiten schwefelgelben, dunh schwarzi! 



Vgl. Sitzb. Berl. Knt. V. 1'J02 p. (21) 



Querlinien geteilten Rückenstreifen und ebensolchen 
Seitenstreifen. Kopf und Scheindornen schwarz. Lebt 
von .Vugust ab an jungen Eschenstämmchen, Schneeball, 
Wollweiden, Loniceren, Skabiosen etc. Puppe hellgelb 
mit schwarzer Fleckenzeichnung, worin auf den Hfl 
orangegelbe Punkte stehen. 

47. cyiithia Hb. (Kat. N. 174) Taf. 8 Fg. la (cJ), 
b (?). Grundfarbe der Oseite beim J weiß, beim $ 
rotgelb, mit rotbraunen Flecken in der Mzelle der Vfl, 
schwarzbrauner Mbinde und darnach rotbrauner Flecken - 
binde, die auf den Vfl zuweilen verschwindet und 
auf den Hfl stets schwarze Punkte zeigt. Die Hfl 
an der Basis noch mit einer rotbraunen, einen hellen 
( ^ weißen) Fleck einschließenden gekrümmten Flecken- 
binde. Useite jener der vorigen Art ähnhch, die gelbe 
Mbinde der Hfl viel schmäler, nicht schwarz geteilt, 
der darauffolgende rote Zwischenraum (meist) mit 
schwarzen Zellpunkten, die gelben Randmonde flacher. 
19 — 25 mm. In den Hochalpen nicht unter 1800 m, 
auf grasigen Lehnen im Juli. 

ab. pällida Spul, matter, bleicher gefärbt, nament- 
lich die Useite bleichgelbrot, aus Piemont. 

Das E i weißgelb, fein gerippt, die R a u p e schwarz 
mit gelben Segmenteinschnilten und solchen Seiten- 
slrichen an niederen Pflanzen wie Alchemilla, Plantage 
u. and., überwintert in gemeinschaftlichem Gespinst. 
Die Puppe golbgrau mit schwarzer, am Hleib gelb- 
gefleckter Zeichnung. 

48. aiirinia Rott. (Kat. X. 175) Taf. 8 Fg. 3c. 
Eine äußerst variable') weitverbreitete Art. Oseite mit 
bleich bräunlichgelber Grundfarbe, schwarzer und rot- 
gelber Flecken- und Bindenzeichnung, ähnlich wie 
matürna. Die rote Saunibinde der Hfl jedoch stets mit 
schwarzen Zellpunkten, der Saum selbst mit doppelter, 
häufig schwarz ausgefüllter Saumünie, vor welcher 
flache, gelbliche Randmonde stehen. Useite bleicher, 
Zeichnung ähnlich matürna, weniger scharf, die auf den 
Hfl hier vorhandenen schwarzen Antemarginalpunkte 
sind von einem hellen Hof umgeben, der Saum von den 
Randmonden ab bis in die Fransen durchaus weißgelb. 
19 — 23 mm. In Mitteleuropa sehr verbreitet, meist auf 
nassem Terrain, Ende Mai, Juni. In den Ilochalpen 
(von ca. 1900 m ab, sehr lokal auch in den Karpathcn) 
wird die Art beträchtlich kleiner (15 — 19 mm). Oseits 
die gelbe Grundfarbe bleicher, dagegen die schwärzliche 
Färbung viel ausgedehnter, die Useite viel bleicher und 
verloschener gezeichnet, was die var. (ab.) meröpe Pruii. 
charakterisiert. 

Im Süden, iniierhalli des Gebietes namenlluli in 
Dalmatien, ist die Art in der var. provinciälis B. größer 
(22 — 25 mm), robuster, breitflügeliger, viel gesättigter 
gelbrol und rot gefärbt, daher mehr einfarbig er- 
scheinend, mit auf den Hfl davon sehr abstechenden 
weißen Handmonden. Die schwarzen Zellpunkte der 
Hfl .sehr groß. — • var. hib6riiica Birch. (praeclära Kane) 
aus Irland ist mittelgroß, die schwarze Färbung ver- 



') Vgl. K a n e Enlom. XX\'I p. 159; K i t c h i n 
ib, XXXIV p. 31 T. 1: Schultz Ent, Z. Gub. XIX 
p. 205; Soc. Ent. XXII p. 42. 




1. Nemeobius lucina. — 2. Libythea celtis. — 3. Charaxes jasius. — 4 a. b. c. (J d. $ Apatura ins. — 5 a. b. Apat. 
ilia <J, c. ab. clytie <J. — 6 a. d. c. <J d. $ Limenitis populi. — 7. Danais chrysippus (J. 




1 a. b. Limenitis camilla ?. - 2 a. b. c. d. Lim. sibylla ?. - 3. Neptis luc.Ua $ - 4. Neptis aceris ?. - 5 a. b. c. 
.\raschnia v. prorsa, 5 d, Ar. levana. 5 e. ab. porima. — 6. Polygonia egea. — 7 a. b. c. d. Polyg. c. album. — 8 o. b. c. 
Van. iirlicae, 8 d. var. iciinusa. 



3. Familie. Xymphalidae. 



25 



breitert, der gelbe Grund weißlich. Eine ähnliche, 
etwas dunklere Form findet sich in Schottland v. sc6Uca 
Robson. — Übergänge zur sehr bunten var. soreptAna 
Stgr. mit gelben Randmonden aller, sehr gestreckten 
Fl finden sich auch in der Bukowina. 

Unter der Stammform finden sich noch nach- 
stehende benannte .\berrationen : 

ab. lirtemis F. ist fast eintönig rotbraun mit gut 
entwickelter schwarzer Zeichnung. — ab. sigulfera Kane 
ist stark rötlich mit geringer gelblicher Färbung in der 
Außenbinde. — ab. öchrea Tutt mit ockerfarbigem 
Grund. — ab. brünnea Tutt mit einfarbig braunem 
Grund (ähnlich cinxia). — ab. dubia Krul. gleicht der 
var. sareptana, ist kleiner bleicher, die äußere Binde 
der Hfl in schwarz punktierte Flecken aufgelöst. — 
ab. virg^ta Tutt , die helle Mbinde der Vfl am N'rand 
nicht geteilt. — ab. nigroUmbäta Schultz , Saum 
aller Fl breit schwarz. — ab. obscuräta Krul. ist von 
der Basis aller Fl aus stark verdüstert. — ab. atrieolor 
Schultz vollständig schwärzlich verdunkelt, die Vfl nur 
mit rostfarbenen Vrandsfleckon , die Hfl mit solcher 
Außenbinde. — ab. inipnnctäta Schultz. Der Saum- 
binde der Hfl fehlen o- und useits die schwarzen 
Punkte. — ab. scs6stris Schultz. Auf der Useite der Hfl 
fehlen die gelben Basalflecko. — ab. sebäldus Schullz. 
Auf der Useite der Hfl fehlt die rostrote Saumbinde 
samt schwarzen Punkten. 

Die hellbraunen, gerippten R i e r werden in Haufen 
abgelegt. Die Raupe Taf. 8 Fg. 3a schwarz, gelb- 
weiß punktiert mit solchem Seitenstreifen, schwarzem 
Kopf und solchen Dornen. Lebt auf Succisa pratensis, 
Plantago u. and., jene von merope besonders auf Primula. 
Überwintert im gemeinschaf Ihchen Gespinst. Die Puppe 
Fg. 3b weiß, schwarz gezeichnet mit orangefarbigen 
Flecken am HIeib. 

2. D i d y m a - O r u p p e. 

49 cinxia I., (Kat. N 177) Taf. 8 Fg. 4a. b. 
Oseits einfarbig braungelb mit schwarzen Querstreifen, 
durch welche auf den Hfl vor dem Saum eine Reihe 
fast quadratischer, schwarzgekernter Flecken gebildet 
wird. Fransen rein weiß, an den Adernenden schwarz 
durchschnitten. Useite der Vfl mittlere schwarze 
Fleckenbinde in Zelle 2 und 3 breit unterbrochen, jene 
der Hfl gelbweiß, die helle Mbinde, die folgende rost- 
rote -Xußenbinde, wie die hohen hellen Saummonde mit 
schwarzen Zellpunkton. Das $ stets größer, oft auch 
dunkler. 18 — 24 mm. In Mitteleuropa sehr verbreitet 
im April, Mai und seltener wieder im .\ugust. 

ab. obsol^ta Tutt mit oseits verloschener schwarzer 
Zeichnung. — ab. fülla Quens. zeigt die schwarze 
Zeichnung im Außenteil der \'fl sehr stark ver- 
ringert. — ab. uhryki Aign. scheint eine extreme 
Form dieser Aberration mit verdimkeltem Wurzel- 
feld der Hfl zu sein. — ab. sälzlii I>anz zeigt oseits ein 
.so starkes Überhandnehmen der schwarzen Zeichnung, 
daß die braungelbe Grundfarbe in oinzelstehende Fleck- 
chen aufgelöst erscheint. Einen Übergang dazu bildet 
ab. suffüsa Tutt. — ab. horvAtlil Aign. ist oseits 
gleichmäßig rußig schwarz verdunkelt. — ab. mo- 
Berge-Rcbel, Schmetterlingsbuch. 



csdryi Aign. Auf den Vfl die schwarzen Zeichnungen 
verschwommen und besonders in einem schwarzen 
Fleck im Mfeld vereint, die Hfl fast ganz schwarz. — 
ab. wittei Geest hat die schwarze Zeichnung auf der 
Useite der Hfl namenthch am Innenrand der äußeren 
rotgelben Flcckenbinde sehr verdickt. — ab. ? pällida 
Tutt, ist die Grundfarbe viel bleicher, die schwarze 
Zeiclinung stark verbreitert. — In Dalmatien finden 
sich Übergangsstücke zur kleineren, bleicher braun- 
gelben var. ainärdea Gr. Gr. — var. diniinsis Wheeler 
fehlt die antemarginale Reihe schwarzer Flecken auf der 
Oseite der Hfl; von Digne. 

Die Raupe schwarz, weiß punktiert mit rot- 
braunem Kopf und Bauchfüßen. Die Bruslfüße und 
Scheindornen schwarz. Lebt, im Juni und September 
überwinternd, auf Plantago, Veronica und and. Die 
gedrungene Puppe grau. 

50. ardiiiniia Esp. (Kat. \. 178). Sehr ähnlich 
der vorigen .\rt, etwas größer, die Grundfarbe der Oseite 
dunkler, mehr rostrot, die schwarzen Flecken sind 
weniger zahlreich, aber stärker und hängen weniger 
zusammen. Auf der Useite der Vfl ist die mittlere 
schwarze Flcckenreihe viel stärker und in Zelle 2 und 3 
nicht unterbrochen. Überdies tritt auch noch knapp 
vor dem Saum, besonders gegen den Innenwinkel zu, 
eine, bei cinxia fast stets feldende, schwarze Querlinie 
auf mid in der gelben FIspitze noch schwarze Mond- 
slriche. Der gelbe Saumteil der Hfl'useite nicht mit 
schwarzen Zellpunkten (wie bei cinxia), sondern mit 
vollständigen hohen Randmonden und einer schwarzen 
Saumlinic dahinter. Am Innenrand (in Zelle la und Ib) 
finden sich als Forlsetzung der äußeren rostroten Saum- 
binde auch noch rostrote (bei cinxia stets fehlende) 
Längsflecke. 20 — 24 mm. Eine östliche Art, die in 
der etwas größeren tiefer gefärbten Form rbodop6nsiä 
Frr. noch nach Kroatien reicht. Flugzeit Mai, Juni. 
Kommt auch in Rumänien bei Bukarest vor. 

Die Raupe ist unbekannt. 

51. plioe'be Knoch. (Kat. N. 180) Taf. 8 Fg. 5 (<J). 
Der cinxia ebenfalls ähnlich, größer, mit gestreckteren 
Fl und bunter, das (J mit unter der Vfispitzc stark 
bauchig vortretendem Saum, der auf den Hfl schwach 
gezähnt erscheint. Oseite gelbbraun und rostrot mit 
dicker schwarzer Querzeichnung, die Flecke in der Mzellc 
der Vfl viel größer, die Antemarginalbinde der Hfl ohne 
schwarze Zellpunkte. Useite ebenfalls von cinxia-Typus. 
die rostgelbe Saumbinde der Hfl jedoch mit großen rost- 
roten, nach innen von schwarzen Mondstrichen be- 
grenzten Zellflecken. (Die.se schwarzen Mondstriche, 
welche eine an die nächste Artgruppe erinnernde Unter- 
teilung der roslgelben Saumbinde erzeugen, fehlen stets 
bei cinxia.) Der gelbe Saum mit vollständigen Rand- 
monden. Das mehr rund flügelige $ stets größer. 
21 — 27 mm. Im südlichen Mitteleuropa verbreitet. In 
Deutschland nördlich nur bis in den Harz und nach 
Schlesien reichend. Lokal auch in der alpinen Region, 
in Böhmen und Galizicn. Flugzeit Juni. Juli, im .Süden 
des Gebietes meist auch in 2. Generation im August 
bis September. 

4 



26 



U. Fatnilip. Xymplialiiiac. 



ab. einxioides Muschamp. Antemarginale Flecken- 
roihe der Hfl wie bei cinxia) schwarz gekernt. .\us dem 
Walli.s. — ab. $ melanina Bonap. gesättigt gefärbt, 
mit stark verbreiterter .schwarzer Zeiciinung, so daß auf 
den Hfl nur die helle Mbinde als geschlossene Flecken- 
reihe erscheint. .-Xuch die l'seite der Hfl ist viel tiefer 
gefärbt. — ab. tat^ra Krul. zeigt useiU eine doppelte 
schwarze Saumlinie. - al>. geyiri Aign. zeigt die 
schwarzen Querelreifen in M- und .\ußenfeld der Vfl 
reduziert, die Hfl stark verdunkelt, (.\nalogie zu Mel. 
athalia ab. corythalia.) — var. parva (Jerh. sind kleine, 
helle Stücke aus Ungarn und Üalmatien. — (tbergangs- 
stücke zur größeren, bunteren var. occitÄnica Stgr. 
liegen aus der südlichen .Schweiz vor, solche zur größeren, 
lichteren var. acth6rea Ev. mit reduzierter brauner, 
statt schwarzer Zeichnung a\is VVippach (Krain), und 
solche zur größeren, dunkleren var. cauoäsica Stgr. aus 
den Okkupationsländern Der Charakter dieser Lokal- 
formen tritt nur bei größeren Serien zu Tage. 

Die Raupe schwarzgrau, grob weißgelb gefleckt, 
mit solchen Seitenstreifen, schwarzem Kopf und kurz 
behaarten braunen Scheindornen auf Flockenblumen 
(Contaurea) überwinternd. Die P u p p e gelbgrau mit 
grauer Strichzeichnung und goldig glänzenden Knöpf- 
chen am llleibsrücken. 

52. didyma Ochs. (Kat. X. 185) Taf. 8 Fg. 7c— e 
(cJ, ?). Palpen samt P.ehaarung fuchsrot, nur auf der 
oberen Schneide gegen die Wurzel gelblich. Oseile beim 
cJ gesättigt und feurig rostfarben, die schwarze Flocken- 
zeichnung sehr variabel , am Saum aller Fl niemals 
geschlossene Randmonde bildend , den Basalteil der 
Hfl 'meist freilassend. Das $ selten rostfarben und 
dann auf den Vfl meist blässer als auf den Hfl, 
häufiger in tJbergängen zur ab. alpina. üseite der Hfl 
schwefelgelb mit 2 rostroten Binden , und groben 
schwarzen, nicht zusammenhängenden Punkten und 
Strichen. In den Fransen aller Fl liegen auf den Ader- 
enden schwarze Flecke. 19 — 24 nun. In Deutschland 
bereits dem Nordwesten, auch in Thüringen und Sachsen 
fehlend. In Österreich -Ungarn und der Schweiz allent- 
halben verbreitet. Flugzeit Mai bis .luli und in zweiter 
Generation auch im August-September. 

Die Art variiert überaus stark. Selbst die Lokal- 
formen gehen ineinander über. 

ab. 9 alpina Stgr. zeigt die dunkle Querstreifcu- 
zeichnung sehr verbreitert, die Grundfarbe der \'fl blaß 
rötlich, grüngrau bestäubt, jene der Hfl rostfarben.') 
Diese Form, die in Österreich auch außerhalb der Alpen 
auftritt, gleicht oft sehr dem $ der var. incridionälis 
Stgr., bei welcher das (J sehr feurig gefärbt, zuweilen mit 
breitem schwarzem Saum aller Fl (ab. grae'ca Stgr.), das 
$ die Querstreifen weniger verbreitert zeigt, bei stets 
grüngrauer Färbung der \'fl und zuweilen auch solcher 
der Hfl. Aus Dalmatien, dem Rhonetal und Südtirol. — 
var. oeeidentÄlis Stgr. ist in beiden Geschlechtern be- 

') ab. 9 la ton igen a Fv. mit bleichgrün- 
li<-hgelber Grundfarbe und sehr verbreiterten matt- 
schwärzlichen Querslreifen, die auf tUm Hfl die ganze 
Grundfarbe verdecken, aus Ostasien, soll nach S p u 1 c v 
(p. 23) auch in Mitteleuropa vorkommen. 



trächtlich blässer, das $ vorherrschend blaß rostfarben. 
Aus den Seealpen, in Übergängen auch aus den südlichen 
Dolomiten (kleine Form). — var. dulniatina Stgr. hell 
rostfarben, 9 noch blässer, beide Geschlechter mit 
schwacher schwarzer Zeichnung, die rostfarbene .\nte- 
marginalbinde der Hfl'useite auf den Adern oft unter- 
brochen. Aus Dalmatien. — ab. zieglöri Stich. Fl 
o.seits an der Basis geschwärzt, Hfl'useite beingelb mit 
stark reduzierter Zeichnung, die nur aus schwarzen und 
roten Basalflecken und schwarzen getrennten Rand- 
flecken besteht. — ab. $ nig^rrima Schultz O.seite ein- 
farbig, zeichnungslos schwarz. Berlin. — ab. lirida Klem. 
ist eine albinistische Form, bei welcher die Grundfarbe 
der 0.seite und die roten Binden der Hfl'useite durch 
weißgelb ersetzt sind. Die schwarze Zeichnung trilt 
unvermindert auf.') 

Die Raup e, Taf. 8 Fg. 7a blaugrau, grob gelhweiß 
punktiert, mit gelben Seitenstreifen, braungelben Schein- 
dornen. 1 )er herzförmige Kopf rötlichbraun mit schwarz- 
gerandetem clypeus. Lebt, in 2. Generation überwinternd, 
auf Plantago, Veronica, Artemisia, Linaria u. and. 

Die Puppe Fg. 7b stumpf, gedrungen, weiß, 
scliwarz und orangefarben gefleckt. 

5;i. trivia Schiff. (Kat. N. 186) Taf. 8 Fg. 6 ( (J ). 
Der didyma sehr ähnhch, meist kleiner und kurzflüge- 
liger. Die Palpen gelb, nur gegen die Spitze rötlich, 
dunkelhräunlich behaart, die Fl'oseite matter rotbraun, 
beim $ nur blässer rotbraun, die schwarze Zeichnung 
bildet am .Saum aller Fl meist spitze, geschlossene Rand- 
monde und erscheint auch im Basalteil der Hfl deutlich. 
Auf der Useite der Hfl wird die weniger lebhafte rostrote 
Zeichnung von geschlossenen schwarzen Mondstrichen 
begrenzt. 18 — 21 mm. Im Großherzogtum Baden nach 
älteren unbestätigten .Vngaben^), in Südlirol, Kärnten, 
Steiermark, Ober- und Niederösterreich, und von da 
südostwärts überall in Österreich und Ungarn verbreitet. 
Im .Mai, Juni und 2. Generation im August. 

ab. näna Stgr. eine Zwergform unter der Slammart. 
— ab. (var.) tasc6lis Esp. ist namentlich im weiblichen 
Geschlecht stark schwärzlich verdunkelt mit verbreiterter 
schwarzer Zeichnung, die auf den Hfl zuweilen nur eine 
braune Mbinde freiläßt. Aus Dalmatien, Ungarn. 

Auch die R a u p e ist jener von didyma ähnlich, 
meist grau, gelb punktiert, mit schwärzlichen, feinen 
Mlängsstreifen, oluie Seitenstreifen, mit braunen Schein- 
dornen und braunem Kopf mit schwarzem clypeus. 
Lebt im Juni, Juli und in 2. Generation überwinternd 
ausschließlich auf Wollkraut (Verbascum thapsus). 

Die Puppe jener der vorigen Art ganz ähnlich, 
die schwarze Zeichnung feiner. 

3. .\ t h ä 1 i a - G r u p p e. 

T y p i s c h e Exemplare der hierher gehörigen 
Formen lassen sich in nachstehender Weise unterscheiden: 



') Die bloßen Zeichnungsaberrationen namentlich 
der Oseite erscheinen bei der außerordentlichen Varia- 
bilität des Falters kaum namensberechtigt, so Skala 
Ent. Z. Gub. XX p. 310 Taf. 4 (10 Namen!), XXI p. 237 
u. .\ i g n e r ib. .\1.\ p. 208. 

-) Vgl. Meess -Spuler Vn. Baden p. 28. 



S. Familie. 

1 . Palpen von oben gesehen rötlich behaart 2 

,, „ schwärzlich .... 5 

2. Grundfarbe rotgelb, auf den \fl bis an 

die Wurzel ungetrübt . dopiielle 
Saumlinie der Hfl'useite nicht dunkler 

ausgefüllt 3 

Grundfarbe mehr rotbraun, gegen die 
^'^\vu^zel verdüstert, doppelte Sauni- 
linie der Hfl'useite dunkler ausgefüllt 'i 
;!. Breit flügelig, die schwarzen Querstreifen 
der \'fl breiter und vollständig, die 
äußere Binde der Hfruseite orange- 
rötlich d e j ö n e. 

Schnialflügelig. die schwarzen Quer- 
streifen der \fl sehr schmal, oft unter- 
brochen, die äußere Binde tier Hfru- 
seite rotgelb p a r t h e n i e. 

4. Kleiner, L'seite der Hfl mit schmälerer, 

gelber Mbinde a u rö 1 i a 

Größer, Useite der Hfl mit breiterer, 
weißlicher Mbinde v e r o n i c a e. 

5. Größer (über 16 mm), Sauinlinie der 

H fFuseite doppelt 6 

Kleiner (bis 15 mm), Saumlinic der 

Hfl'useite einfach astöria. 

ti. Hfl'oseile vorwiegend schwarz, nur mit 

getrennten braunen Fleckenreihen . . 7 

Hfl'oseite durch zusammenhängende 
Fleckenreihen vorwiegend rotbraun 
erscheinend 8 

7. Hfru.seite in den äußeren braunen Rand- 

nionden mit schwarzen Kernen, die 
doppelte Saumhnie rostbraun aus- 
gefüllt d i c t y n n a. 

Hfl'useite ohne schwarze Kerne in den 
braunen Randmonden, doppelte Saum- 
linie nicht dunkel ausgefüllt die ty n n o i d es. 

8. Die rotbraunen Fleckenreilien der Oseite 

schmäler, die doppelte Saumlinic der 
Hfl'useite rostbraun ausgefüllt .. . bri tomärtis. 
Die rotbraunen Fleckenreihen der Oseite 
breiter, die doppelte Saumlinie der 
nfl'useile nicht dunkel ausgefüllt ... . alhälia. 

54. dejöne HG. (Kai. N. 190). Palpen gelb, gegen 
die Spitze rötlich mit sehr langem spitzem Endglied. 
Die Oseite der Fl bis auf die Wurzel gleichmäßig lebhaft 
TOtgelb, am Saume nicht lichter, mit feinen schwarzen 
-■Vdern. Die schwarzen Querstreifen wie bei athalia, 
aber schärfer und reiner ausgedrückt. Auf der l'seite 
der Vfl in Zelle 1b ein mit der Spitze basalwärts gerich- 
teter Gabelfleck -<, der sich zuweilen auch teilt ;^. 
Die Useite der Hfl mit fünf großen gelbweißen, schwarz- 
gesäumten Basalflecken auf orangerotem Grund, wovon 
der äußerste meist die Form eines mit der Spitze am 
untersten Basalfleck stehenden Dreieckes zeigt. Die 
weißgelbe Mbinde basalwärts mit schwarzer Untertei- 
lung, desgleichen die orangefarbige Außenbinde. Der 
gelbe Saum mit Randmonden und doppelter Saum- 
linie. Ihr Zwischenraum nicht dunkler ausgefüllt. 19 bis 
21 mm. Aus Südfrankreich und Spanien in 2 Genera- 
tionen. 

Im WalliserHhoiuHal (bei .Martigny) und in Südtirol 
(bei Klausen) tritt die .\rt in der etwas dunkler gefärbten 
var. herisäli Kühl (berisalensis Favre) (Kat. N. 191e) 
auf, Ende .Mai und .Juni und wieder im .\ugust. Die 
2., kleinere Generation hat gestrecktere Fl und oseits 
breitere Querstreifen. Die scharfe Zeichnung der Hfl- 
useite, mit ihren orangeroten Binden unterscheidet 



N'ymplialidae. 



dejone (var. berisali) am leichtesten von den übrigen 
.\rlen der athalia-Gruppe. 

Die Raupe') ist braun, gelb punktiert mit 
schwarzem Kopf und gelblichen, dunkel behaarten Schein- 
dornen. Lebt im .Juli und Herbst überwinternd auf 
Linaria-.\rten. 

55. athalia Rott. (Kat. X. 191) Taf. 8 Fg. 9c. d. 
Die häufigste der mitteleuropäischen Melitaeen. Die 
Palpen weißgelb, von oben gesehen dunkelbraun, die 
Behaarung schwärzlich. Ziemlich groß und breitflügelig, 
die \'fl mit stark bauchigem Saum. Grundfarbe hell 
rotbraun, beim ? "ach der Mitte oft lichter. Die 
schwarzen Querslreifen in der Regel verbreitert, nicht 
scharf begrenzt, lassen 3 Fleckenreihen der Grundfarbe 
vor dem Saume erscheinen, wovon die letzte aus oft 
reduzierten Randmonden besteht. Der Basalteil der 
Hfl mit schwärzlicher N'erdunklung, aus welcher sich 
ein gerundeter Basalfleck der Grundfarbe meist deutlich 
abhebt. Useite der Hfl durch Schattierungen in der 
gelben und braunen Färbung ausgezeichnet. Der rot- 
braune Basalteil mit 5 .sehr variablen hellgelben Flecken, 
wovon der äußerste jedoch fast stets vom untersten 
getrennt bleibt. Die darauffolgende hellgelbe Mbinde 
meist mit liasalwärts dunkler gelber Unterteilung. 
Die rotbraune .\\il3enbinde ebenfalls basahvärls viel 
blässer gelbbraun luitergeleilt. Der Saum hellgelb, 
innerhalb der doppelten schwarzen Saumlinie nicht 
wesentlich dunkler. 18 — 23 mm. Überall in Mitteleuropa 
be.sonders auf VV'aldwiesen im Juni, Juli. Selten eine 
2. Generation Ende August. In den .\lpen lokal auch 
über die Waldgrenze aufsteigend. Der Falter hat im 
Vergleich zu den verwandten Arten einen mehrschweben- 
den Flug. 

Die wichtigsten der zahlreichen benannten .Vberra- 
lionen sind- 

ab. obsok'fa Tutt oseits mit stark verminderter 
schwarzer Zeichnung. — ab. h6rtha Quens. \'fl oseits 
schwach gezeichnet, useits mit schwarzen Längs- 
strichen. — ab. virgiita Tutt die rotbraune Mbinde 
aller Fl in Längsslreifen aufgelöst. — ab. Knnicu Reuter 
oseits mit schmalen schwarzen Querstreifen, aber 
breitem solchem Saum, Hfl ohne lichte Basalflecken. — 
ab. tesselläta Tutt L'seite der Hfl ganz strohgelb, nur 
mit schwarzen Adern und den Konturen der sonstigen 
Z(Mchnung. — ab. csikli Aign. melanotisch, oseits 
M- und Saumfeld ganz schwarz, Useite ebenfalls ver- 
dunkelt, alle Fl mit schwarzer, längsstreifenartiger 
Zeichnung. — ab. navarina Selys. Alle Fl o.seits 
stark melanoti.scli verdunkelt, so daß nur eine .\nte- 
marginalreihe brauner Flecken bleibt. — ab. apha^a Hb. 
.\hnlich der vorigen, aber es bleibt auch noch ein großer 
brauner Basalfleck auf allen Fl. — ab. i-orythälln IIb. 
(tos llw). Vfl nur im Wurzelfeld mit dunkler Zeichmmg, 
sonst ganz ohne schwarze Querstreifen, Hfl ganz schwarz 
verdunkelt mit einer äußeren rotbraunen Fleckenreihe. 
.\uf der Useite ist der Basalteil der X'fl geschwärzt, auf 
den Hfl neigt die äußere braune Binde zum Ver- 
schwinden. Relativ nicht sehr selten, in zahlreichen 

') Hofm. -Spuler Raup. Xachlr. Taf. 1 Fg. 10. 



28 



3. Faniilk'. Xymphalidae. 



Übergangsfonnen. — ab. $ tricolor Ilinrii. Vfl inilllere 
Fleckenreihe orangerol mit hellgelben Kernen gegen den 
Vrand, die übrigen Fleckenreihen und Basalflecke sind 
viel lichter. Die Wurzelhalfte aller Fl größtenteils 
verdunkelt. — ab. 5 leueippe Schneid., bei welcher die 
äußere und dritte Fleckonreihe der Oseite viel lichter sind. 
— var. (ab.) helv6tiea Rühl. Fl gestreckt, auf den 
Hfl ist die breite Mbinde in Längsstreifen ausgezogen, 
Useite der Hfl mit länglicher Form des 2. Wurzelfleckes, 
die Mbinde bei beiden Geschlechtern silberweiß. Stalla 
und Bergün, Ende Juli. — var. inchadl6nsis Gerh. 
Eine sehr große, schwach gezeichnete F'orm, mit breiten 
Streifen der Grundfarbe und gelblichen Fran.sen. Der 
breite schwarze Mstreifen der Vfl bildet ober dem Innen- 
rand oft einen großen Fleck. Ilerkulesbad, Slavonien 
und anderwärts im Süden. 

Ei kugelig, blaßgell), stark glänzend, mit undeut- 
lichen Längsrippen, wird haufenweise abgelegt. 

Die gedrungene Raupe, Taf. 8 Fg. 9a, .schwarzgrau, 
weiß punktiert, (meist mit dunkler Rückenhnie) und mit 
kurzen, gegen die Basis verdickten, gelbbraunen, 
schwarzbehaarten Scheindornen, der kleine Kopf schwarz, 
gelb punktiert. Lebt auf Plantago, Melampyrum und 
Digitahs und überwintert im gemeinsamen Gespinst. 
Die P u p p e P^g. 9b weißgrau, schwarz gezeichnet 
mit rotgelben Knöpfchen am Hleibsrücken. 

56. anrelia Nick. (Kai. N. 192). Der athalia ahnhch, 
kleiner, mit kürzeren und runderen Fl, die Palpen rost- 
gelb, nur das Basalgliod heller, die Behaarung nach 
unten schwärzlich, nach oben zu rostrot, so daß die 
Palpen von oben gesehen eine rostrote, nur gegen das 
Endglied schwärzliche Färbung zeigen. Die rotbraune 
Grundfarbe der Fl'oseite erscheint durch die nament- 
lich auf den Hfl viel breiteren schwärzen Querslrcifen 
in Fleckenreihen aufgelöst, deren einzelne Flecke kleiner 
und weiter von einander getrennt sind, als bei athalia. 
Die Useite der Hfl vom Zeichnungstypus der athalia, 
aber die basalwärts liegende Unterteilung der gelben 
Mbinde ist meist hellbraun ausgefüllt, de.sgleichen die 
hier breitere Unterteilung der äußeren braunen Ante- 
marginalbinde. Der Raum zwischen den beiden 
schwarzen Saumlinien ist meist dunkler (häufig rostgelb), 
als die davor stehenden weißgelben Randmonde. Das 
$ stets größer. 16 — 20 mm. Im Rheingau, Thüringen, 
bei Stettin, in Sachsen, Bayern, der Schweiz imd Öster- 
reich-Ungarn, auf feuchten Wiesen Ende Juni, Juli. 
Der Falter hat einen mehr schwirrenden P'lug. 

var. rha6tica Frey ist kleiner, lebhafter rotbraun, 
weniger trüb mit feineren schwarzen Zeichnungen, das 
$ nicht selten mit seiir liclilen braunen Fleckenreihen. 
Von Chur. 

Das I'j i kleiner wie bei Athalia, die Längsrippen mit 
Grübchen.^) Die mehr spindelförmige Raupe schwarz, 
fein weiß punktiert mit einer Reihe blaßgclber kleiner 
Flecken an den Seiten und schmächtigen, braunroten, 
schwarzbehaarten Scheindornen. Lebt im August und 
überwinternd auf Melampyrum, Veronica und Plantago-). 

M Sich Ent. Rec. XIX p. 233. 
•■') Hofm. -Spuler Raupen, Xachtr. Taf. 1 Fg. 11 
(? f. 4 parthenie). 



Die Puppe perlweiß, schwarz gezeichnet, der 
Illeib ohne erhabene Knöpfchen. 



Die nachstehenden drei Formen gehören zu (lei\ 
schwierigsten Problemen in der mitteleuropäischen 
Falterfauna. Obwohl schon sehr viel über sie geschrieben 
wurde, herrscht doch noch l'nsicherheit, da meist nur 
einzelne und oft nicht typische Exemplare zur Unter- 
suchung vorlagen und der Genitalapparat bisher noch 
keine vergleichende Betrachtung gefunden hat. \'iel- 
leicht handelt es sich zum Teil wirkhch um llybrid- 
formen: 

VPrönioae Dorfm. größer als aurelia, sonst dieser 
sehr nahe, mit oseits ebenfalls rostgelben Palpen, 
die Useite der Hfl heller als aurelia, namentlich die helle 
Mliinde breiter, weißlich, die doppelte Saundinie sehr 
dunkel lostfarben ausgefüllt. Sie bildet in Zelle Ib 
einen l^reiteren hellgelben Zwisc henraum, der basalwärts 
n i c h t rostfarben (wie dies bei dictynna und brito- 
martis der Fall ist), begrenzt wird. 17 — 20 mm. Aus 
Steiermark. 

Die Raupe ist violettgrau mit weißlichen Fleck- 
chen, die meist eine dunkle Mrückenlinie freilassen. Die 
Scheindornen wie bei aurelia gestaltet, weißlich, auf 
gelben Fleckchen stehend. Lebt auf Veronica, Melam- 
pyrum und Chrysanthemum. Die Puppe weiß, braun 
gezeichnet. Der Rücken der Hleibes mit stark er- 
habenen gelben Knöpfchen. 

britouiärfis Assm. Ebenfalls größer als aurelia, die 
Palpen aber seitlich blaßgelb, von oben gesehen schwärz- 
lich (also athalia-älinlich), die Oseite wie bei aureha 
gefärbt und gezei<lmet, auch die Useite der Hfl sehr 
ähnlich, die äußere Hälfte der braunen .Vntemarginal- 
binde oft mit ., Spuren der sonst nur der dictynna eigen- 
tümlichen schwarzen Punkte". Der P'le(-k in Zelle Ib 
wie bei veronicae, aber oseits meist rostfarben be- 
grenzt, die doppelte Saumlinie rostfarben ausgefüllt. 
19 — 21 mm. .\us Schlesien Ende Juni, Juli, auch von 
zahlreichen anderen Lokalitäten, so von Berlin, München, 
^^■ien erwähnt. 

Die Raupe perlweiß, Kopf und Bruslfüße schwarz. 
Meist mit dunkel angelegten Rücken- und Seitenstreifen. 
Die Scheindornen reinweiß, schwarz behaart, stehen auf 
rostgelben Flecken. Lebt auf Veronica und Melam- 
pyrum. 

Die Puppe weiß, srhwarzlirium gezeichnet mit 
rostgelben Wärzchen. 

Dictyiinoides Ilorm. Größe von dictynna. Fl sehr 
gestreckt, P.ilpiii oseits schwarz, selten mit darunter 
gemischten rotbraunen Haaren. Oseite, namentlich 
basalwärts, sehr stark verduidvclt, mit der Fleckenanläge 
der aurelia, auf den Hfl regelmäßig nur mit einer ge- 
schwungenen rotbraunen Fleckenreihe vor dem Saum. 
(Die äußerste Fleckenreihe auf Vfl und Hfl wird zuweilen 
weißlich). Useite der Hfl mehr athalia ähnlich, der 
sehr breite Zwischenraum zwi.schen den beiden Saum- 
linien nicht dunkler gelb als die vorhergehenden Rand- 
monde. Der Randrleck in Zelle Ib ungeteilt, gelb, wie 
bei athalia 18 — 20 mm. Aus der Bukowina. 

Die Raupe ist unbekannt. 

57. parthenie Bkh. (Kat. N. 193) Taf. 8 Fg. 10. 
Der aurelia sehr ähnlich, meist etwas größer, mit ihr 
auch in den von oben rostgelb erscheinenden Palpen über- 
einstinmiend. Die hellere, rotgelbe Grundfarbe der Oseite 
tritt jedoch beim cJ viel stärker hervor, da die schwarze 
Querzeichnung auf Q u e r 1 i in e n reduziert ist, wo- 



3. l'amilii'. N\vni|>lialiciae. 



29 



von einzelne zuweilen ganz fehlen, oder in der Mitte 
unterbrochen sind, so daß namentlich auf den Hfl eine 
breite, nur von den Adern durchschnittene Mbinde der 
Grundfarbe auftritt. Auf den Vfl reicht die Orund- 
farbe meist ungetrübt bis an die Wurzel, die auch auf 
den Hfl viel weniger verdunkelt ist als bei aurelia. Die 
variable Useite der Hfl wie bei aurelia, die ganz an der 
Wurzel liegenden Flecken heller, die doppelte Saumlinie 
nicht dunkler ausgefüllt als die davor stehenden hellen 
Uandbögen, die hier meistens flacher gewölbt erscheinen. 
Das stets größere ? ist matter gefärbt als das o, mit 
einem blaßgelben \randfleckchen im Apikaiteil der 
Vfl, die Oseite oft ins graugrünlichc ziehend. t8 — 21 mm. 
Bei Frankfurt a. M., Darmstadt, Weinheim, Elsaß, 
Baden, in der Schweiz in den ebeneren Teilen verbreitet, 
in Mähren, im Juni und wieder im August. 

var. Taria Meyer-Dür aus den Hochalpen der 
Schweiz und Tirols (Ortler) ist kleiner, düsterer, die Useite 
der Hfl mit rein weißen Ba.salflecken und solcher Mbinde. 
15 — 18 mm. 

Die Raupe jener von aurelia nahe, jedocli mit 
schwarzen, dem Grunde gleichfarbigen SclieindoriuMi. 
Lebt auf Scabiosen und Plantago. Die Puppe mit 
2 Reihen rostfarbiger Rückenpunkte.') 

58. dictynua Esp. (Kat, X. 195) Taf. 8 Fg. 8a, b, 
Den vorigen Arten ähiüich, aber scharf geschieden, 
Größe und Flschnitt fast von athalia. Die Fhlr scharf 
schwarz und weiß geringt. Palpen von oben gesehen 
schwärzlich, schwach rostgelb behaart. Die schwarze 
Zeichnung auf der Fl'oseite so verbreitert, daß Schwarz 
namentlich auf den Hfl als Grundfarbe erscheint. Die 
Fleckenzeichnung rotgelb, saumwärts lichter, beim ^ 
auf den Vfl ähnlich wie bei aurelia, die Hfl oft ganz 
schwarz, oder nur mit einer Reihe weitgetronnter 
Fleckchen. Das $ oseits beträchtlich heller braun, die 
Vfl mit viel breiteren Stellen der Grundfarbe, die Hfl 
mit 3 Reihen sehr hellgelber Fleckchen und einem 
solchen Basalfleck. U.seitc der Hfl bunter, die hell- 
gelben Basalflecke sehr groß, dagegen die äußere Hälfte 
der hellen Mbinde aus kleineren, scharf schwarz um- 
zogenen abgerundeten, oft weißlich gefärbten Flecken 
bestehend. Die braune Antemarginalbinde zeigt in 
ihrer äußeren Bogenreihe gclbaufgeblickte s c h w a r z e 
Kerne, was die Art sehr auszeichnet. Die doppelte 
Saumlinie rostbraun ausgefüllt, in Zelle Ib ein länglicher 
weißgelber Randfleck und darüber basalwärts ein rost- 
brauner Keilfleck. 19 — 23 mm. In Mitteleuropa ver- 
breitet (mit Ausschluß Englands) auf feuchten Wald- 
vrie-sen von Mai bis Juli. Im Hochgebirge wird die .\rt 
kleiner und dunkler, bis August. 

ab fasciäta Lambill. Die mittlere und äußere Reihe 
der rotgelben Flecken der Vfl zu einer breiten Binde 
vereint, die Hfl oseits fast zeichnungslos, Useite 
normal. — ab. navarina Spuler. Melanotisch verdunkelt, 
nur mit einer äußeren rotgelben Fleckenreihe. — ab. 
semini^a Muschamp. Hfl'oseite einfarbig schwarz. — 
(ab.) melicerta Pfützner aus der Umgebung Berlins im 
Juni, soll in der Mitte zwischen athalia und dictvnna 
stehen. Die Oseite zuweilen beträchtlich heller als 

1) Borkhausen, Speyer Stett. e. Z. 1867 p. 69. 



dictynna, die Useite der Hfl jedoch mit dunkelgelb aus- 
gefüllter doppelter Saumlinie, aber ohne schwarze 
Punkte vor den gelben Randmonden. Die Palpen außen 
strohgelb, schwarz behaart, nach der Spitze zimtbraun. 
20 — 22 mm. Wurde auch von Dr. Speyer als eine 
Hybridform angesehen. 

Die Raupe schwarzgrau mit zahlreichen licht- 
bläulichen Punkten, schwarzer Rückenlinie und kurzen 
rostfarbigen, an den Seiten mehr gelblichen Schein- 
dornen. Kopf schwarz mit hellgrauen Flecken. Lebt 
überwinternd bis Mai auf \'aleriana, Mclampyrum und 
Veronica. 

Die Puppe weiß, schw-arz gezeichnet mit orange- 
farbigen Knöpfchen am Abdomen. 

59. asteria Frr. ( Kat. N. 201) Taf. 8 Fg. 11. Eben- 
falls eine gut unterschiedene, nur hochalpine .Vrt. Die 
kleinste der Gruppe, die Palpen von oben gesehen dunkel, 
braun, sowie der Thorax lang zottig behaart. Die Oseite 
der Fl aurelia-ähnlich, beim (J viel mehr getrübt, beim 
? sind die Fleckenreihen viel bleicher, vor dem Saum 
gelbUch. Die Useite der Hfl mehr athalia ähnlich, die 
gelbweiße Mbinde oft ohne Unterteilung, desgleichen 
die innere schwarze Saumhnie der verwandten Arten 
nur schwach angedeutet oder meistens ganz fehlend. 
13 — 15 mm. In den Hochalpen der Schweiz, Tirols und 
Kärntens (Groß-Glockner) im Juli, auf Hochwiesen 
(2300 — 2900 m) in schwirrendem Fluge. 

Die Art variiert stark. Es kommen auch o.seits 
fast einfarbig schwarze o vor. 

Die Raupe schwarz, mit gelben Segmentein- 
schnitten und kleinen gelben Fleckchen. Kopf, Brustfüße 
und Scheindornen schwarz, Bauchfüße gelb, außen braun.') 

1!). (iattuiiii-. Argynnis F. 

Fhlr dünn, mit scharf abgesetzter birnförmiger 
flachgedrückter Kolbe. Palpen mit aufgeblasenem 
.Mglied , dicht behaart. 



Augen nackt. Die Tarsen 
und Schienen der M- und 
Hbeine allseitig bedornt. 
Saum der Vfl kürzer als 
V- und Innenrand. Auf 
den Vfl entspringt .4der 
Rj entweder frei oder ge- 
stielt mit Rg bis Rj. Mzelle, 
auch auf den Hfl (durch 
einen feinen Querast), ge- 
schlossen. Praekostalsporn 
der Hfl entspringt hinter 
dem Ursprung von R. 
Mgroße bis große Falter, 
oseits rotgelb gefärbt mit 
Querreihen meist zusam- 
nienhängender schwarzer 
Flecken und solchen 
oft hakenförmigen Saura- 
flecken: bei den j der 



Fg. 11. 




Arg.vnnis päphia. 



') Hofm.-Spul. p. 25, Raupen \ai htr Taf. 1 
Fg. 12. 



30 



3. Familie. Nyniphulidac. 



größeren Arten mit Streifen schwarzer Duftschuppen, 
die auf den Adern A, Cj, C, und M3 auftreten können. 
Useite der Vfl ähnlich wie die Oseite gezeichnet, jedoch 
mit gelblichem Apikaltcil, Hfl meist mit gelblicher 
Grundfarbe, die jedoch stark zurückgedrängt werden 
kann, und mit mannigfaltiger rotbrauner Zeichnung, 
die durch die dunklen Adern meist in Fleckenbinden 
aufgelöst erscheint. Vor dem Saum ist häufig die (ur- 
sprüngliche) Augenfleckenreihe erhalten geblieben. Sehr 
häufig besitzt die helle Zeichnung einen Silberglanz 
(Perlmutterfaller). Auch hier neigen die Falter sehr zu 
melanotischen Aberrationen. Dichroismus des ? findet 
sich mehrfach (pales, paphia). Die Faller fliegen nur 
während der Sommermonate, meist in einer Generalion, 
eine Art ist dem Hochgebirge eigentümlich, mehrere 
(hier nicht erwähnte) sind hochnordisch. 

Die Eier kegelstumpfförmig mit Längsrippen. 

Die Raupen sind walzenförmig, mit behaarten 
Dornen, und zwar am 1. Bruslsegment nur 2, am 2. u. 3. 
Brust- und am letzten Hleibssegment je 4 , auf den 
übrigen je 6. Kopf beborstel, zuweilen mit 2 I3ornen 
am Scheitel. Sie leben vorzugsweise auf \iola--\rlen 
und überwintern zum größten Teil (bei niobe und adippe 
überwintert das Ei).*) 

Die Puppen mit eins;odrücktem Tburaxrückcn 
und oft mit Stacheln besetztem Hleibsrücken. 

00. aphirape Hb. (Kat. N. 202) Taf. 8 Fg. 12a— c 
( o . $ )• Oseite ähnlich jener der beiden folgenden Arien, 
jedoch maller rotgelb. Useite der Hfl bleichgelb, mit 
2 orangefarbigen schmalen Querbinden und einer breiten 
gelben, nach außen rötlichen Saunibinde, die (6) große, 
schwarzgeringte, bleichgclbc Zellenkcrne führt. Die 
Saumdreiocke bleichgelb, beim $ zuweilen schwach 
silberglänzend. Der Fleck der gelben Mbinde in Zelle Ic 
viereckig, ohne eingeschnittene Ränder. 19 — 22 mm. 
In Pommern, Großherzogtum Baden, Allgäu, bei Aachen, 
in Bayern, Belgien, in Tirol und Galizien. Auf sumpfigen 
Wiesen im Juni, Juli. 

ab. kiill^rvo Sahlb. melanotisch, Hfluseile mit ver- 
loschenen Randmonden. — ab. iiino Sahlb. ebenfalls 
melanotisch, mit einer lieihe schwarzer, gelbgeringter 
Flecken vor dem Saum. — ab. isub^lla Tngstr. viel 
bleicher, von weißlichgelber Grundfarbe. 

Die gedrungene Raupe silbergran, niil ht41en 
Subdorsallinion, solchem Fußstreifen und kurzen weiß- 
liclien Dornen. Lebt verborgen und überwinlcriid auf 
Polygonum bistorta und \'iola palustris. 

Puppe lichtgrau, dunkler gefleckt mit Silber- 
punkten am Hleib. 

61. seleae Schiff. (Kai. N. 20'i; Tal'. 8 Fg. 13a, b ,J . 
Der folgenden euphrosyne sehr ähnlich, kleiner, die gelbe 
Basal- und Außenbinde der Hfl'useite rostbraun (statt 
ziegelrot) gemischt, erstere mit sehr großem schwarzem 
r^nnkt in der Mzelle, und 5 solchen in der Saumbinde. 
Die gelbe Mbinde zum Teil silberglänzend, ihr Fleck 



>) Vgl. Gillm. liiL. Knt. Z. 1 p. 350, 361;, 37y, 
388, 395 (wertvolle Angaben über Lebensweise über- 
haupt). 



in Zelle Ic mit eingekerbten Rändern. Die silber- 
glänzenden Saumdreiecke ziemlich hoch. 21 — 23 mm. 
In .Mitteleuropa sehr verbreitet, im Mai, Juni und in 
2. Generation im .August. Steigt bis 1700 m in den 
-Mpen, wo sie nur einbrütig ist. 

ab. sol^nia Frr. (angustipennis Fuchs) ist beträcht- 
lich kleiner, in der 2. Generation. — ab thaliu Mb. 
(rinaldus Hrbsl.) Hfl oseits verdunkelt, useits im 
Basalteil hellgelb mit sehr reduzierter Zeichnung, 
ohne schwarzen Mpunkt, am Saum breit verdunkelt 
mit rotbraunen und silbernen I^ängsstreifen. — ab. inar- 
phisa Hrbst. (cybele Hb.) melanotisch, die Basis der Vfl 
mit 2 schwarzen Längsslreifen, die Hfl fast ganz schwarz, 
auch die Useite sehr verdunkelt. — ab. intermedia 
Spangb. oseils schwarzbraun mit einer Marginalreihe 
rolgelber Flecken. — Diese und die beiden vorigen 
Aberrationen sind durch mannigfache Übergänge mit- 
einander verbunden.') — ab. pällida Spul, albinistisch, 
mit weißlicher Grundfarbe"). 

Das E i nach oben zugespitzt, mit 18 Längsrippen, 
wovon nur 7 den Scheitel erreichen, hellgrün. Die 
R a u p e schwarzbraun, weißpunktiert mit schwarzem 
Ivopf und ockergelben schwarzbehaarten Dornen, wovon 
jene am 1. Thorakalsegment viel länger sind. Lebt, über- 
winternd, an Veilchen. Die Puppe gelbbraun, dunkel- 
gezeichnet mit solchen Hleibsknöpfchen. 

62. euphrosyne L. (Kai. N. 208) Taf. 8 Fg. 14a, b. 
Der selene oseils sehr ähnlich, das größere $ häufig 
mit gelblichen Randfleckcn. Basal- und .Vußenbinde der 
Hfl'useite ziegelrot, der schwarze Mpunkl in der Mzelle 
und jene vor dem Saum kleiner, die gelbe Mbinde mit 
Ausnahme des langen Fleckes in Zelle 4 ohne Silber- 
glanz, ihr Fleck in Zelle Ic am basalen und distalen Rand 
tiefgekerbt. Die silbernen Saumdreiecke flacher. 21 bis 
25 mm. Ebenso verbreitet wie selene, ebenfalls in zwei 
Generalionen. Auch die Aberrationen sind ganz analog 
jenen von selene: 

ab. paiioa Tutt zeigt o.seits schwächere, am Saum 
verloschene schwarze Zeichnung. — ab. obsol^ta Tutt 
ohne silberne Randfleckc auf der Useite der Hfl. — ab. 
radiäta Spul. Useite der Hfl mit Längsstreifen. — 
ab. nielan6tica Spul, (lätrica Aign.) oseits stark ver- 
dunkelt. — ab. Ii6la Hummel oseits schwärzlichbraun 
mit einer Reihe rotgelber .Vußenrandsflecke auf allru 
Fl. — ab. sleg6rsi Lambill. Vfl lebhaft gelb mit eiiugcn 
schwarzen Flecken, Hfl mit Ausnahme des Saumes 
braun. — ab. pällida Spul, (albinea Lambill.) Oseite 
weißlich. — var. apeniiina Stgr. kleiner, oseils liefer 
gefärbt, mit geringeren schwarzen Zeichnungen. In den 
Apenninen. Als .\berratinn schon in Süddeutschland 
(Spuler). 

Das E i stumpf konisch, mit ca. 20 Längsrippen, 
wovon 10 den Scheitel erreichen, grünlichgelb. 

Die Raup e schwarzbraun mit breitem gelbem, 
unterbrochenem Seitenstreifen, kurzen schwarzen Dornen, 
die in der Subdorsalreihe auf gelber Basis stehen, die 

') Vgl. HS. 147,148: Spangb. Bih. Vet. Ak. Handl. 
V; Illgner Eni. Z. Gub. VIII p. 191 Fg.; Iris XVIII 
T. 1 Fg. 1—3. 

'] Iris XVI II T. 1 Fg. 7. 



3. Familie. Nymphalidae 



81 



Dornen am Prothorax nicht länger, der Kopf schwarz. 
Wie die vorige auf Viola. 

Puppe gelblaraun, schwach gezeichnet, schwach 
metallisch glänzend, mit schwarzen Hleibsknöpfchen. 

63. päles Schirr. (Kat. X. 210) Tar. 9 Fg. la. li ( J ) 
c ( $ napae'a). Die gelhe Grundfarbe der Iirruseile er- 
scheint stellenweise grünlich. Das Basal- und .\ußenfeld 
tief rostbraun, letztere mit gelben fleckartigen Auf- 
hellungen, namentlich in der Mitte des Saumes, einige 
Flecken an der Basis, drei der gelben Mbinde, je einer 
nach der Mitte des Vrandes und ober dem Innen- 
winkel, sowie eine Serie von llandflecken silbern. Die 
Art tritt innerhalb des Gebietes in zwei differenten 
Formen auf, von denen die erste stark aberricrt: 

a) Die hochmontane Form pdles ist schmal- und spitz- 
flügeliger, der Saum der 11 flaut .\iler M^ oft stumpf geeckt, 
oseits rotgelb, im männlichen Geschlecht heller, mit 
feineren, nicht zusammengeflossenen schwarzen Quer- 
streifen, die auf der Useite der Vfl meist nur .sehr ver- 
loschen auftreten. Innenrandsfalte der Hfl zum großen 
Teil geschwärzt. Useite der Hfl zeigt die gelben Stellen 
weniger verdüstert. Das ? tritt in zwei Formen auf, 
wovon eine dem J gleicht. 19 — 22 mm. In den Hoch- 
alpen und Karpathen, im .Juli, llntere Hiihengrenze 
meist schon bei 1700 m. 

ab. $ napa6a Hb., Taf. 9 Fg. Ic. ist die dichrome 
meist größere Form des 9 «"s den .\lpen mit oseits 
vorherrschend graugrüner Färbung, nur das Außenfeld 
der Hfl bleibt meist getrübt rotgelb. — ab. <J isis Hb. 
ist größer, bleicher, mit feineren schwarzen Zeichnungen 
und schwefelgelber Useite der Hfl. — ali. kllliäsi 
Itühl, oseits Zeichnung der VII (namentlicli der Mqucr'- 
streifen) verloschen. Hfl in der Hasalhäirte rußig schwarz 
und mit solchen breit angelegten .\(iern. Hn'useite ohne 
.\ußenrandspunkte. Julier (Graubünden). — ab. $ 
einctäta Favr. mit breiter schwarzer Mbinde und einer 
.VuUenreihe schwarzer runder Flecke, die unter dem 
Vrand aufhören. Dent du Midi (Schweiz). — ab. 
pseiidothalia Ubl. (n. ab.) Ml mit fehlenden Quer- 
streifen, Hfl sehr stark verdunkelt mit hellen Saum- 
flecken, Useite der Hfl im Basalteil hellgelb, fast zeich- 
nungslos, der Außenteil mit längsstreifenartiger gelber 
und rotbrauner Zeichnung. Gr. Glockner. — ab. 
ttadles Schultz') Oseite fast vollständig schwarz, auf der 
Useite der Hfl sind die Silbcrflecken strahlenförmig aus- 
gezogen. — ab. nigra Aign. 0.seit.c rauchbraun, bloß am 
Saume aller Fl gelbbraune, längliche Flecke. Useite 
fast zeichnungslos rotgelb, nur die IIH an der Wurzel 
mit 3 großen milchweißen Flecken. 

Die vorstehenden Aberrationen koimen mannigfach 
kombiniert auftreten. 

V. balväniea Ubl. kurzflügeliger als alpine Stücke, 
Saum der Hfl jedoch geeckt, Useite der Vfl deutlich 
schwarz gezeichnet, jene der Hfl mit großen deutlichen 
Randzellen. Auf den Hochgebirgen Bosniens und der 



') Wagner VI. Jhresber. Wien Ent. Ver. Taf. 1 
Fg. 4; vgl. auch Galvägni \'erh. zool. bot. \'er. 1900 
p. 567 Fg. 2 (mit typisch gezeichneter, aber verdinikelter 
Useite, vom Brenner). 



Herzegowina, in Übergangsstücken zu pales auch aus 
den transsylvanischen Alpen. 

Die Ra u pe ist .schwärzlichbraun, dunkel punktiert, 
mit gelblicher, braun geteilter Rückenlinie und tief- 
schwarzen, gelb eingefaßten Fleckenreihen. Die Dornen 
hellgelb, schwarz beborstet. Der eckige Kopf schwarz- 
braun, am Scheitel rostgelb (ohne Dornen). Lebt poly- 
phag auf niederen Pflanzen, wie Viola, Arabis und and. 

Die gedrungene braungraue Puppe fein dunkel 
gezeichnet, ohne Knöpfchen, an oder unter Steinen. 

b) Die Form der Torfmoore arsililche Esp. ist breit- 
flügeliger, der Saum der Hfl gleichmäßig gerundet, 
die O.seite dunkler rotgclb, mit stärkerer schwarzer 
Zeichnung, wovon die Mquerstreifen der Vfl gegen den 
Innenrand meist zusammenfließen; die Innenrandsfalte 
der IUI in ihivr ganzen Breite hellbraun. Die Useite der 
\ II Mut di'ulli(lier schwarzer Zeichnung, jene der Hfl 
mit stark verdüsterter gelber Mbinde. Die silbernen 
Randflecke derselben kleiner und flacher. Das $ stets 
dem cJ gleichgefärbt. 19 — 24 mm. In der nord- 
deutschen Tiefebene. Bremen. Sachsenwald, Mecklen- 
burg , Pommern, Preußen, aber auch am Oberharz in 
großen Stücken, ferner in Belgien, der Nordschweiz, im 
Schwarzwald, im Uiesengebirge. Schlesien, \ieder- 
österreich, Oberungai'ii vom Juni bis .August auf Sumpf- 
wiesen. 

In den Alpen kommen auf hochgelegenen Sumpf- 
stellen Übergangsstücke zu pales vor. Arsilache aber- 
riert viel weniger als pales. 

ab. indl'icta Sahlb. (bo.xhoi Laniliill.) zeigt die Wurzel 
niler l'l geschwärzt, und den Mquerstreifen stark ver- 
ImvUci'I. 

Die der pales sehr ähidiche U a u p e soll auf \'ac- 
cinium oxycoccus leben. 

64. thöre Hb. (Kat. N. 217) Taf. 16 Fg. 5 (2). 
O-seite von der Basis aus und längs des Saumes stark 
schwarz verdunkelt, .so daß die Fleckenzeichnung wenig 
deutlich hervortritt. Die Flecken der anlemarginalen 
Reihe sind sehr groß, auf den Vfl in Zelle 2 und 3 stark 
länglich. Die Useite der Hfl an der Ba.sis ziegelrot, der 
sehr breite Außenleil rostrot bestäubt mit einer voll- 
ständigen Reihe wenig deutlicher brauner Ozellen und 
einer sehr charakteristischen, vom Innenrand ausgehen- 
den Reihe kleiner, silbergrauer Mondflecke in Zelle Ib, 
Ic und 2. Das $ stets heller, meist auch größer. 23 bis 
24 mm. In den -Vlpen lokal und selten, in nicht be- 
deutender Erhebung (ca. 1000 bis 1700 m) schon von 
Juni ab in einer Generation. 

ab. exeillens Krulik. ist größer, lebhafter rotgelb, 
scharf gezeichnet. 

Das fingerhutähnliche Ei mit 19 Längsrippen ist 
grüngelb. 

Die erwachsene R a u p o ist schwarz mit grauen 
oder trübgelben Dornen und fleischfarbigen oder braun- 
gelben Längsslreifen. Lebt auf \iola biflora.') 



') Quintin Ent. Reo. XV p. 301; .Will p. 69; 
Chapm. ib. XVI p. 236; XVII p. 78; GiUm. Int. 
Ent. Z, I p. 388. 



32 



3. Familie. Nymphalidae. 



65. dia L. (Kat. N. 218) Taf. 9 Fg. 2 ( ?). Klein, 
mit sehr spitzem Vwinko] der Hfl und oseits starker 
schwarzer Zeichnung. Useile der Hfl sehr bunt, an 
der Basis mit zimtbraunen , gelben und silbernen 
Flecken, die gelbe, gegen den Innenrand silberne, 
Mbinde sehr schmal, längs der Ader Aj unterbrochen, 
mit großem Silberfleck am Vrand, in Zelle 4 und der 
Mzelle, das breite Saumfeld violetthraun verdüstert mit 
großen braunen Ozellen und kleinen silbernen Zwischen- 
aderflecken am Saum. 16 — 20 mm. In Mitteleuropa 
sehr verbreitet (in England aber fehlend) im Mai und in 
2. Generation im August, September. 

ab. Tittäta Spuler (mediofasciäta Schultz) zeigt 
eine breite' zusammengeflossene schwarze Mbinde. — 
ab. bud^ki Aign. Hfl oseits ganz schwarz, useits zu- 
weilen die drei silbernen Vrandsflecke zu einem Streifen 
vereint. — ab. baldehn6iisis Teich ist die kleinere, 
dunklere, mit slilrkcrer schwarzer Zeichnung versehene 
Sommergeneration in Kurland und anderwärts. 

Das E i wie gewöhnlich bei Argynnis kegelstumpf- 
förmig, mit Längs- und feinen Querrippen, gelblich. 

Die Raupe dunkelgrau mit einem weißlichen, 
dunkelgeteilten Rückenstreifen und einer Seitenreihe 
schwarzer Flecke mit hellen Mpunkten. Ober den 
Füßen eine doppelte rostrote Längslinie. Dornen kurz 
rostgelb, am Ende weißlich. Kopf rotbraun, steif 
behaart. Lebt überwinternd auf \'iola, Prunella vulgaris 
und Rubus. P u p p e braun niil schwEirzen Spitzen auf 
der Rückenseite des Illoibes. 

66. aiiiatbi'isia Esp. (Kat. N. 219) Taf. 9 Fg. 3 ( ?.) 
Oseits sehr ahnlich der dia, großer, die schwarzen 
Saumdreiecke basalwärts spitzer, auch die Useite der 
Hfl ähnlich, jedoch ohne Silberfleckc in der beim (J oft 
stark violeltbraun verdüsterten gelben Mbinde, die 
sehr langen und spitzen Saumdreiecke verbinden sich 
mit den großen, dunklen Ozellcnflecken, und sind gegen 
die Fransen oft grünlich ausgefüllt. Das ? stets größer 
und lichter, mit deutlich gezeichneter Useite. 23 bis 
25 mm. In den Alpen lokal auf feuchten Waldwiesen, 
auch in Schwaben, bei Lorch im Rheingau und dann 
erst wieder in Ostpreußen. Flugzeit Juli. 

ab. iiigrofiisi-mtii Favr. (ab. trameläna Culot transit.) 
zeigt eine breite schwarze Mbinde der Vfl. — ab. 
nulilfera SrhuUz, die schwarze Zeichnung ist radienarlig 
zusainnii'üf^'crios.sen. — ab. nigrüta Schultz, Wurzel- 
uiul Ml'eld bilden eine schwarze Fläche. — ab. blandina 
Frühst, mit weißlich gelber Grundfarbe, .\uili die Useite 
heller. Im Wallis, aber auch anderwärts. 

Die Raupe schwärzlich mit undeutlichen, noch 
dunkleren Rücken- und Seilenstreifen und gelben, am 
1. Bruslsegment längeren Dornen. Der Kopf glänzend 
schwarz. Im Mai erwachsen auf Natternwurz (Poly- 
gonum bislorta) und \iola. Die Puppe braungrau mit 
schwarzgczeichnelon Fischeiden, weißen Seitenstreifen 
und dunklen Spitzen am Hleib. 

67. ht'cate Esp. (Kai. N. 221) Taf. 16 Fg. 6 (J). 
Oseile mit gleich breitem, nur auf den Hfl lichtgeleiltem 
Saum, einer weitgetrennten Fleckcnreihe davor und 
einer solchen geschwungenen Reihe darnach. Die 



Mquerstreifen auf den Vfl oft unterbrochen. Useite 
der Hfl ohne Silberflecken, hellgelb, die schmale Rasal- 
und breite Außenbinde gebräunt. In letzterer bilden 
die schwarzen Ozellen und die vom Saum weilgetrennten 
inneren schwarzen Saunidreiecke zwei sehr charakte- 
ristische, einander parallele Reihen. Das $ stets größer, 
mit düsterer brauner, schwarz violett schimmernder 
Oseite. 21 — 25 mm. In Österreich-llngarn lokal ver- 
breitet bis Südtirol, auch in Südfrankreich und Piemont, 
auf Waldwiesen im Juni. 

ab. arvern6nsis Quill, ist eine stark verdunkelte 
weibliche Form. — ab. priscilla Schultz, mit breiter, 
schwarzer Mbinde. — var. caucäsica Stgr. ist größer, 
heller, nicht dunkel bestäubt, bereits in Übergängen in 
der Herzegowina und Dalmatien. 

Die Raupe ist unbekannt. Sie soll an Dorycnium 
leben. 

68. ino Rott. (Kai. N. 222) Taf. 9 Fg. 5a, b. Der 
folgenden daphne sehr ähnlich, kleiner, die schwarzen 
Saummonde verbinden sich auf den Adern meist mit 
dem Saume selbst. Die Useite der Hfl gelb, an der 
Wurzel schwach gebräunt, in der Mbinde bleibt auch 
der äußerste , von dem unteren Teil des Querasles 
begrenzte Mfleck rein gelb, das breite Saumfeld mit 
großen grünlichen, braungesäumlen Ozellcnflecken und 
begrenzter bräunhcher Verdunklung gegen den Vrand 
und Innenwinkel. 20 — 23 mm. In Norddeutschland 
sind die ? dunkler als die cj, anderwärts sind beide 
Geschlechter mehr gleichgcfärbt. In Mitteleuropa, auch 
in Holland (bei Limburg), aber nicht in England, lokal 
verbreitet im Juni, Juli. 

ab. lambinii Lambill. Oseite melanolisch ver- 
dunkelt, Useile der Vfl mit zusammengeflossenen 
Flecken. — var. zinal6nsis Favre aus dem Wallis ist 
oseits beträchtlich geschwärzt, der Basaltcil der Hfl 
ganz schwarz. 

Das Ei fingcrliulähnlich, blaßgolb mit 1'» Längs- 
rippen.*) 

Die Raupe gelbgrau, mit hellgelbem, fein ge- 
teiltem Rückenslreifen, und oben braun gesäumten 
solchen Seilenslreifen. Dornen gelblich, schwarz behaart. 
Kopf herzförmig, braun, mit zwei schwarzen Flocken. 
Lebt bis Mai überwinternd auf Sanguisorba. Spiraea, 
Rubus-.\rten usw. 

P u |i p !■ f,'rll)lirauM. nul gelben Rüekonknöpl'chen 
des Illeihrs. 

69. daphne Schiff. (KaL X. 223) Taf. 9 Fg. 4. 
Größer und oseits lichter als ino. Die schwarzen Saum- 
dreiecke bleiben vom Saume gelrennt. Hfl'uscito dunkler 
als bei ino, der äußerste Mfleck der (gelben) Mbinde 
stets gebräunt, das Saumfeld gleichmäßig und aus- 
gedehnt violeltbraun verdunkelt, meist bleibt nur ein 
schmaler Apikalleil gelblich. 23 bis 29 mm. In Preußen, 
Schlesien, Sachsen, bei Gießen, Elsaß lokal und selten, 
häufiger in den Alpen in südlich gelegenen Tälern, dann 
in den südöstlichen Ländern Österreich-Ungarns im 
Juni, Juli. 



Gillm. Int. Eni. Z. 1 p. 395. 




1 a. b. c. Vanessa polychloros. — 2. Van. xanthomelas. — 3. Van, 
Van. antiopa. — 6 a. b. Pyrameis atalanta. — 7 a. b. Pyr. cardui. 



L album. — 4 a. b. c. Van. io. — 5 a. b. c. 




1 a. <? b. 2 MeliUea cynthia. — 2 a. b. M. maturna. — 3 a. b. c. M. aurinia. — 4 a. b M. cinxia. — 5. M. phoebf <? • — 
6 M trivia cJ — 7 a. b. c. e. (J d. ? M. didyma. — 8 a. b. M. dictynna. — 9 a. b. c. d. M. athalia. — 10. M. par- 
thenie — 11. M. asteria. — 12 a.b.^ c. ? Argynnisaphirape. — 13 a. b. Arg. selene ^r— 14 a. b. Arg. euphrosyne ?. 



3. Faiiiilio. Xymplialidae. 



33 



ab. conjünctaTuU zeigt zusammengeflossene Mqiier- 
slrcifon der Oseite. Auf der Hfl'useite fehlt die dunkle 
Zeichnung. — Ähnlich ist ab. as6pis Schultz, bei der 
auch die Antemarginalflecken fast erloschen sind. — 
Bei ab. ^rittu Schultz ist das Violett der Hfl durch 
Rot ersetzt. — ab. radiosa Mayer dio beiden äußeren 
Fleekenreilion sin<l zu kurzen Lirngsslreifen zusammen- 
geflossen.') 

Die I{ a u p e braun, fein gelbliingsstreifig, mit 
gelbem fein geteiltem Rückenstreifen und l)reiteni 
solchem Seitenstreifen. Dornen gell), schwarz beliaart. 
Kopf schwärzlich, am Scheitel gelblich mit 2 kurzen 
Dornen, der clypcus braun. Lebt bis Mai überwinternd 
auf Rubus idaeus. fructicosus und Viola. Die P u p p e 
gelblichgrau mit iluukelmarmorierten Fldecken und 
glänzenden langen liückenzäpfchen am llleili. 

70. latonia L. (Kat. N. 22.5) klein.T Peil- 
mutlerf alter, Taf. 9 Fg. 6 { 9). Saum der Vfl ge- 
schwungen rücksichtlich unter der Spitze breit vortretend, 
daselbst useits mit kleinen Perlmutterflecken. Useite 
der Hfl braungelb mit sehr großen, länglichen, leb- 
haft glänzenden Perlmutlerflecken an der Basis \md in 
der Mbinde, im Saumfelde eine geschwungene Reihe 
schwarzer, silbern gekernter Ozellen und eine Reihe sehr 
großer perlmulterfarbiger Randflecke. 20 — 25 mm. 
Überall in Fjuropa verbreitet in zwei Generationen bis 
Oktober. Einzelne Falter .sollen überwintern. 

ab. vald6nsis Esp. zeigt zu Längsstrahlen zusammen- 
geflossene schwarze Flecken der Oseite und ebenso die 
Perlmutter-Basal- und Mflecke der Hfl'u.seite. Selten 
fließen mit letzteren auch die Randflecke zusammen. — 
ab. inela6na Spul, (obscuräscens Strand, hungärica .'\ign.) 
zeigt nur oscits zusammengeflos.sene .schwarze Flecken 
in wechselnder Ausdehnung. — ab. paradöxa Fuchs zeigt 
in der Mitte der Hfi'oseite eine schwachgebogeue Reihe 
unregelmäßiger Silberflecke. — ab. alba Spid. hat eine 
weißliche Grundfarbe.-) 

Das E i grauweiß, abgestumi)ft kegelförmig mit un- 
regelmäßigen Längsrippen. Die Raupe schwärzlich- 
grau, mit gelblichem, fein geteiltem Rückenstreifen und 
schwarzen Subdorsalfleckenreihen. Die Seiten mit un- 
deutlichen braungelben Längslinien. Die kurzen Dornen 
ziegelrot. Der Kopf schwärzlich, am Scheitel helll)raun. 
Lebt vom April bis September auf X'iola- Arten und über- 
wintert.') 

Puppe goldbr.uiu. hell gezeichnet mit stumpfen 
glänzenden Rückenknöpfen am llleib und breilein weißem 
Fleck am Vrücken. 

71. aglaiaL. (Kat. N. 230) großer Perlmutter- 
falter Taf. 9 Fg. 7c, d. Oseite lebhaft gelbrol, Ader A, 
C, und Cj beim cj auf der VfFoseite schwach verdickt 
ohne filzige Bestäubung. Hfl'useite hellgelbbraiui, gegen 
Basis und Innenrand spangrün bestäubt, mit 3 Quer- 
reihen gerundeter Perlmutterfleckei\ bis nach der .Mitte 
und solchen flachen Randmonden. Dunkle Ozellenflecke 
fehlen in dem breiten, die Grundfarbe zeigenden Saum- 



') Mayer, EnL Z. Gub. XXI p. : 
■) Vgl." Iris XVIIl, T. 1 -Fg. 8. 
ä) Breit, Soc. Ent. XVll p. 'il. 

Bergc-Rebcl, Schnictterlingsbucli. 



felde, was die sehr variable Art gut charakterisiert. 
27 — 32 mm. Überall in Mitteleuropa von Juni (seilen 
bereits im Mai) bis August. Steigt bis ca. 1,500 m im 
Gebirge auf. 

Von den zahlreich benannten Aberrationen,') die 
auch miteinander kombiniert auftreten künncn, sind die 
bemerkcn.swerlesten : 

a) sexuelle D i c h r o i s m e n.-) 

ab. 5 siiffüsa Tuft Basalfeld aller FI schwärzlich 
verduidcelt, Grundfarbe nach außen holler, Saumflecke 
weißlich gelb. Viel seltener als die typische rotgelbe 
Form des 9- — ab. V arverninsis Guill. die ganze 
Oseite mit netzartig ausgebreiteter srhwärzli<her Ver- 
düsteruug. 

b) O b e r s e i t i' n o r mal, I > n t e r s e i t e an o r m a I. 

ab. füsea Tutt Basalfeld der lllTuseite rolbraini, ohne 
grüne Bestäubung. — ab. charWtta Hw. mit ver.schmol- 
zenen basalen .Silberflecken der llfPuseite. — ab. J 
eridioides Pflüm. größer, oseits lebhafter, useits im 
A|iik:iltoil der XÜ ', Silberflecke, die Randsilberflecken 
der lin rundlich erweitert. 

c) Oberseite anormal, Unterseite n o r m a 1. 

ab. ciiiilia Quens. \fl mehr oder weniger melano- 
tisch verdunkelt. Hfl typisch gefärbt. — ab. ( 2) obseüra 
Nick, die schwarze Zeichnung in der Mzelle der Vfl zu- 
sammengeflossen , die Mbinde gegen das geschwärzte 
Saumfeld stark verbreitert, die Hfl mit perlmutter- 
glänzenden Randflecken. — ab. albomaciiläta Rbl. (n. 
ab.) mit silbergrauer (weißer) Fleckenzcii hnung (statt 
schwarzer). 

d) O li e r - und U n t e i- s e i t e a n o r m a 1. 

ab. abArraiis Lampa. O.seite melanolisch, Useite 
mit dunkelfarbigen (oder blaugrünen) Flecken statt der 
silbernen. — al). wimäni Ilolmgr. ähnlich der vorigen, 
auf der Useite der Hfl sind jedoch die basalen Silberflecke 
erhalten, die Rand flecke fehlen, die Mreihe der Flecken 
schwärzlich anstatt silbern. 

Das E i stumpf konisch, mit 18 Längsrippen, wovon 
nur 6 den Scheitel erreichen, purpurbraun. Die R a u p e 
Taf. 9 Fg. 7a, schwarz, mit weißem, geteiltem Rücken- 
streifen und roten Seitenflecken. Kopf und Dornen 
schwarz. Lebt überwinternd an Veilchen, besonders 
N'iola tricolor. Die P u p p e. Fg. 7b, braun, mit schwarz- 
gezeichneten Fischeiden und ganz kurzen Knöpfcheii am 
Hleibsrücken. 

72. Iliobc L. (Kat. X. 231) Taf. 9 Fg. 8b 19), 
c ( o 6 r i s). Oseits der vorigen und folgenden Art 
sehr ähnlicli, das o wie bei aglaia nur mit schwach 
verdickten Aderu A, C, un<l Cj der \n. Das ? stets 
größer, meist auch düsterer gefärbt als das J mit 
gelblichem Anteapikalfleck am Wand der Vfl. U.seitc 

') Vgl. Stichel Berl. e. Z. 1900. p. 132 ff. 

=) Kaum namensberechtigl sind ab. o flaves- 
c e n s Tult, ab. ? a ü r e a Tutt und ab. $ p d 1 1 i d a 
TutI, letztere im \\"\irzel- und Saumfeld weißlich gelb. 



34 



3. Familie. Nymphalldae. 



der II ri rnatl lodorbraun, an der Basis meisl fleckarlig 
rötelbraun verdunkelt. Die .\nordnung der Perlmulter- 
flecken weicht diu-in von aglaia ab, daß die Flecken der 
äußeren Mreihe in Zelle 5, 6 und 7 mehr saumvvärts 
gerichtet sind. Im Saumfelde liegt eine geschwungene 
Reihe kleiner rölelroter, silbern gekernter Ozellen flecken. 
Die silbernen Randmonde ziemlich hoch, dreieckig, nach 
innen rötelrol gesäumt. 26^30 mm. In Mitteleuropa 
(mit Ausschluß Knglands) verbreitet im Juni bis .\ugust, 
doch in der silberfleckigen, nonienklatorischea Stamm- 
form viel seltener als in der 

ab. (var.) 6ris Meig., welche statt der Silberflecke 
auf der Useite der Hfl nur ledergelbe glanzlo.se Flecken 
besitzt. Zuweilen finden sich Übergangsstücke, (ab. 
intcnnidia Gillni.). — ab. ? obscürii Spul, mit besonders 
stark schwärzlicher, grünlich schimmernder Bestäubung 
der breil schwarz gezeichneten Osoile. Aus den Ost- 
alpen. — ab. poKipiii Bkh. sind melanotische Stücke mit 
mehr oder weniger schwarz gewordener Üseite. Der 
Melanismus kann so überhandnehmen, daß nur nahe 
der Basis der .Mzelle der Vfl ein rolgelber Fleck bleibt. 
Meist sind auch die Vfl useits vordunkelt, die Ilfl 
meist mit eris-Färbung. — ab. radiätii Spul, mit strahlen- 
förmig verflo-ssenen hellen (silbernen) Flecken der Ilfl'- 
useile. Selten,') wohl meist mit ab. pelopia kombiniert. 
— al). o.xtinrtn Rbl. (n. ab.) mit rauchgrauer (weißlicher), 
statt schwarzer Zeichnung der Oseite.") — var. orientölis 
Alph. ist eine sehr große, helle eris-Form mit feinerer, 
schwarzer Zeichnung, auch die Useite der Hfl einfarbiger, 
heller. 30 — 33 mm. .\us der Herzegowina und Dal- 
niatien. 

Das E i rötlichgelb, stumpf konisch, mit ca. 16 
Längsrippen. ^) Ks soll überwintern. 

Die R a u p Taf. 9 Fg. 8a braun, dunkel gewässert, 
mit weißem, schwärzlich eingefaßtem Rückenstreifen, 
dreieckigen weißen Fleckchen daneben und meist dunkler 
Seitenlinie. Die Dornen rötlich weiß, der Kopf roslgelb. 
Lebt iiTi Frühjahr an Viola. 

Die Puppe bräunlich mit Metallflecken. 

73. adippe L. (Kat. N. 232) Taf. 9 Fg. 9a, b (cJ). 
Oseite den beiden vorigen Arten sehr ähnlich, die Vfl 
jedoch beim cJ auf Ader C, und C\ dick filzig bestäubt, 
ihre Spitze beim $ ohne lichte Flockchen. IlfFuseite 
ledergelb, an der Basis nicht verdunkelt, die Mbiiidc 
wie bei niobe gestaltet, das Saumfeld mit größeren rost- 
braunen, silbern gekernten Ozellen. Der Innenrand 
nicht grünlich, die silbernen Randmonde beim $ höher. 
Das $ stets größer, nicht dunkler. 29 — 34 mm. Ver- 
breitet in Mitteleuropa, aber seltener als die beiden 
vorigen. Häufiger im Vorgebirge. Ilauptflugzoit Juli. 
Die Art neigt viel weniger als die beiden vorigen zu 
melanotischen Aberrationen. 

ab. eleod6\a Ochs, entbehrl der Silherflecken auf 
der fast einfarbigen Useite der Hfl, nur die silbernen 
Kerne in der lebhaft hervortretenden rostroten Ozellen- 
reihe sind erhalten. — Bej ab. intcrin6dia Tutt sind nur 

') Vgl. Cat. Coli. Leech 1902, T. 2 Fg. 7. 
') Vgl. Berger XVI. Jlnb. Wien. Knt. Ver. 1905 
p. 87 T. 1 Fg. 7. 

') Gillmer Int. Eiit. L I. 1907 p. 248 Fg. 



die silbernen Randmonde verschwunden. — ab. var6nii 
Holmgr. entbehrt außer den silbernen Randmonden auch 
die Ozellenreihe. — ab. virgäta Tutt zeigt statt der 
Ozellenreihe der Hfl'useite ein rostrotes Band. — ab. 
suftiisa Tutt die Basis der Vfl stark schwärzhch ver- 
dunkelt mit zusammengeflossener schwarzer Zeichnung. 
— ab. toröki Aign. eine ab. cleodoxa mit fast ganz 
.schwarzen Vfl. — var. (ab.) baiurärica Spul, sehr feurig 
gefärbt, namentlich auch die HfFu-seite stark kontrast- 
reich. Aus dem Allgäu, Bayern, Oberösterreich und 
Siebenbürgen. 

Das E i konisch, mit Längsrippen, wovon nur einige 
die Spitze des Eies erreichen, .\nfangs grünlich, später 
rötlich. Es überwintert. 

Die Raupe schwärzlichgrau, mit einer abgesetzten 
weißlichen Dorsalhnie und schwarzen Querflecken am 
Beginn jedes Segmentes. Dornen rostbraun, Kopf 
schwärzlich oder rostbraun. Zuweilen ist die Raupe heller 
mit 2 weißen Subdorsalen. Lebt im Frühjahr auf 
Veilchen. 

Die P u |i p e dunkel bräunlich, mit metallischen 
Flecken. 

74 laödice Pall. (Kat. N. 234) Taf. 9 Fg. 10. 
Oseite viel heller rotgelb als die vorigen Arten, der 
Mquerstreifen der Vfl in runde weitgetrennte Flecken 
aufgelöst, die Flecken der antemarginalen Reihe sind 
ebenfalls gerundet und bleiben weit vom Saume getrennt. 
Das (J mit filzig verdickten Adern A und C, der Vfl, 
das $ mit großem, rundem, schwarzem X'raiulsfleck 
vor der Spitze und kleinem , rein weißem Dreieck 
dahinter. U.seite der Hfl im Basalteil grünlich hellgelb 
mit 2 rötelroten Querlinien, im Saumteil veilrot mit 
2 Querreihen verloschener dunkler Flecken. Beide 
Fiteile durch einen gebrochenen weißen, schwach silber- 
glänzenden Querstreifen getrennt. 29 — 33 mm. Eine 
östliche Art, die bis nach Ostpreußen, Pommern und 
sogar einzeln nach Mecklenburg reicht, und dann wieder 
in Gahzien, Bukowina, Ungarn \md Siebenbürgen auf- 
tritt. Flugzeit im Juli, August.') 

ab. aspisia Garb. zeigt die schwarzen Flecken zu 
Längsstrahlen zusammengeflossen. 

Das Ei=) jenem von paphia ähnlich mit ca. 17 
Längsrippen, wovon 10 den Scliritel erreiihen, mul 
Querrippen, bräunlich. 

Die Raupe^) rötlichgrau mit gelbem, schwarz- 
geteiltem Rückenstreifen. Sechs tiefschwarze Flecken 
zur Seite des Rückenstreifens auf jedem Segment. Die 
Dornen hellrcsenrot, schwarz behaart. Kopf grau. Lebt 
überwinternd auf Viola palustris. 

Die Puppe glänzend dunkelbraun mit feinen 
schwärzlichen Adern. 

75. päphia L. (Kat. N. 237) Kaisermantel, 
Silberstrich, Taf. 9 Fg. 11c (o^). Groß, das o^ 
mit Duftschuppenwülsten auf Ader A, C,, Cj und M^ 
der \'ri. Das $ stets größer mit getrübter, auf di-ii Hfl 



175. 



') Zum Vorkommen vgl. Ent. Z. Gub. \' p. 157, IOC, 

=) Gillm. Ins. Bors. XXIII p. 23. 
») Abbild. Hofm. Raup. Taf. 48 Fg. 5. 



3. Familie. Nymphalidae. 



35 



grünlicher Oseite. Useite der Hfl grün mit 2 rötlich 
silbernen Halbbinden nahe der Basis und einem 
vollständigen solchen, am Vrand erweiterten Quer- 
streifen nach der Mitte. Die hierauf folgende Ozellen- 
reihe steht in einer dunkelgrünen Querbinde, wonach 
sich das Saumfeld rosenfarben aufhellt mit grünen 
Antemarginalflecken und violetter Saumlinie. 33 bis 
38 mm. Überall in Mitteleuropa von Ende Juni 
bis August. Der Falter saugt gerne an blühenden 
Brombeeren und Distelköpfen. — ab. ? Talesina 
Esp. ist die dichrome (ältere) Form des ? mit grün- 
grauer Oseite und meist weißlichgelben Anteapikal- 
flecken der Vfl. Eine ähnliche Färbung kommt sehr 
selten auch beim cj vor.') Die Form valesina ? ist 
in einigen südlichen Alpeutälern häufig, im Norden 
seltener. — ab. iiiimaculiita Bell, (anargyra Stgr.) mit 
goldig gelbbrauner l'seito der Hfl ohne Silberzeichnung 
wurde in Übergängen aus l'ngarn bekannt. Sonst 
kommt sie im Mediterrangebiet, besonders auf Korsika 
vor, wo sie den Charakter einer IjOkalform besitzt, 
ab. atroTiridis Kollmorgen ist eine Kombination der ab. 
valesina und Immaculata. — ab. inarillae Aign.') zeigt 
die Silberstreifen im Basalteil der Hfl stark verbreitert 
und ineinandergeflossen, so daß eine breite, zeichnungs- 
losc, silberglänzende Fläche entsteht. -\us Ungarn und 
Slavonien, Übergänge auch anderwärts. — ab. cön- 
Iluens Spul, mit innerhalb der Eizellen verschmolzenen 
Elementen der l)cidcn äußeren schwarzen Fleckenreihen. 
— ab. dilüta Spul, mit stark verbreiteter und ver- 
schwommener schwarzer Zeichnung der Wurzelhälfte, 
auch der Vfl'useite und eventuell verwischter Zeichnung 
der Hfruseite. — ab. nigricans Cosmov. (bäckei Unterb.) 
mit mehr oder weniger vollständig melanotischer Oseite.^) 

Das E i stumpf konisch mit ca. 20 Längsrippen, 
wovon nur ca. 10 den Scheitel erreichen. Dazwischen 
feine Querrii)i)en. Am Mikropylenfeld eine sternförmige 
Figur. Grüngelb, später dunkler.*) 

Die R a u 1) e, Taf. 9 Fg. IIa, braunschwarz mit 
breitem hellgelbem, dunkel geteiltem und ebenso ein- 
gefaßtem Rückenstreifen. Die dunkelgelben Dornen sehr 
lang, besonders die beiden am ersten Segment. Kopf 
schwarz, am Scheitel gelbbraun. I^ebt, klein über- 
winternd, bis -Mai auf Himbeeren und Veilchen, bei Tage 
oft weit entfernt von der Futterpflanze. 

Die Puppe, Fg. 11 b, bräunlich, mit stumpfen, 
goldglänzenden Tuberkeln am Hleibsrücken. 

76. pandoi-a Schiff. (Kat. N. 240) Taf. 9 Fg. 12. 
Die größte heimische Art, der paphia oseits ähnlich, je- 
doch in beiden Geschlechtern dicht grünlich bestäubt, 
so daß die rotgelbe Grundfarbe nur im Vrandsteil 
der \n ungetrübt erscheint. Beim o sind nur Ader 
Cj und Cj der Vfl filzig beschuppt. Auf der l'seite sind 
die Vfl ziegelrot, schwarzgefleckt, mit bleichem, grünlich- 

') Ent. Z. Gub. IX p. 76. 

') Zur Variabilität vgl. Aigner Verh. zool. bot. 
Ges. 1903 p. 16'.; Ann. Mus. \at. Hung. IV p. 510. 

') Die bei paphia nicht selten vorkommenden Exem- 
plare mit unausgefärbten, daher weiß gebliebenen Fi- 
stellen sind nicht als eigentliche Aberrationen, sondern 
als teratologische Bildungen anzusehen. 

•) GiUm. Ins. Bors. XXIII p. 11. 



gelbem Apikaiteil, die Hfl spangrün mit den Resten 
zweier silberner Halbbinden vor, und einem gebrochenen 
Silberstreifen nach der Mitte. Im Saumfelde stehen nur 
silberne Punkte, der Saum mit einer solchen Ante- 
marginallinie. 36 — 40 mm. Aus Baden, Bayern, der 
südUchen Schweiz, gelegentlich auch in Xiederösterreich 
und Mähren vorkommend, südöstlich dann überall ver- 
breitet. Flugzeit Juü bis September. 

ab. cJ paup^rcula Ragusa ohne Silberzeichnung auf 
der Useite der Hfl.') 

Die Raupe purpurbraun, mit schwarzen Quer- 
flecken auf den Rückensegmenten und braungelben 
Dornen, welche kürzer sind als bei paphia, jene am 
2. Segment noch kürzer als die übrigen Rückendornen, 
Der Kopf schwarz, am Scheitel eingedrückt. Lebt bis 
Juni, besonders auf \'iola tricolor. 

2. Subfamilie. Dantiinae. 

Fhlr ziemlich kurz, fadenförmig, gegen die Spitze 
allmählich schwach erweitert. Augen nackt. Palpen 
kurz, leicht zusammengedrückt, aufgebogen. Die ^'order- 
füße des rj nur zweigliedrig, beim $ zu einer vier- 
gliedrigen Keule verkümmert. Der Körper sehr schlank. 
Fl gestreckt, stets ganzrandig. Die Mzellc der Vfl lang 
und schmal auf allen Fln röhrig geschlossen. Die Innen- 
randsader der Vfl an der Basis gegabelt. 

Die Falter sind in der äthiopischen und indomalayi- 
schen Region haui)tsächlich verbreitet. 

Die Eier zylindrisch mit breiten Längsrippen und 
deutlichen Querstreifen. 

Die Raupen glatt, zylindrisch, mit paarigen, 
tentakelartigen Anhängen am 2., 11. und eventuell 
auch 5. Segment. Leben auf Asclepiadeen. Die Stürz- 
puppen gedrungen, unterhalb der Brust eingedrückt. 

1. Gattung Däiiais F. 

Kopf, Palpen und Brust weiß goflec-kl. Die Klauen 
der 15cine ohne Hafllapi)en. Ader H., der \'fl entspringt 
frei. Die ^ mit Dufteinrichtung auf'dcii Hfl, die bei den 
in der paläarktischen Region vorkommenden Arten aus 
einem rauh beschuppten, schwarzen Fleck, anliegend der 
Ader C, auf der Hfl'oseite besteht. 

chrysipiius L, (Kat. N. 241) Taf. 5 Fg. 7 (o^). 
Lebhaft rostgelb, der Saum aller Fi schwarz mit weißen 
Punkten, das Ai)ikaldrittel der \'fl ebenfalls .schwarz 
mit weißer Querbinde. An der Jlzelle der Hfl 3 schwarze 
Fleckchen. 34 — 41 mm. Bei Athen, ehemals auch bei 
Neapel, in Syrien, auf den Kanaren. im April. Juli, 
sonst in Afrika imd Indien weit verbreitet. 

ab. a 1 c i p p u s F. hat weiße Hfl. 

Die R a u ]) c violettbräunlich mit gewellten gelben 
Quorstrcifen und 2 solchen Fleckchen auf jedem Seg- 
ment. Kopf schwarz. Lebt auf Asciepias. Gomi)ho- 
carpus und Calotropis. 

Die eicheiförmige P u p p e grün mit goldenen und 
schwarzen Punkten. 

."?. Subfamilie. Satyrinae, Augenfaller. 

Fhlr zarter, selten über '/s des Vrandes lang und 
selten mit deutlich eiförmiger Kolbe. Augen nackt oder 
behaart. Die Palpen seitUch zusammengedrückt, unten 
lang behaart. Die VTaeine in beiden Geschlechtern ver- 

') ab. däcica Horm. wurde nach abgeflogenen 
Stücken aufgestellt und ist einzuziehen (Horm.; Rbli. 



3n 



/!. Familie. Xymphalldar 



kümmert, beim (J öfters Schiene und Tarsus verwachsen. 
M- und Hbeine schwach und dünn. Mzelle aller Fl 
röhrig geschlossen. Ader Sc meist, Ader C und A der Vfl 
oft an ihrer Basis blasig erweitert. Ader R^ der \71 
gehl noch in den Vrand. Das Analfeld der Hfl 
breit entwickelt. .Mittelgroße bis kleine, meist düster 
gefärbte I-'alter, deren ursprüngliche Zeichnung aus 
Ozellenflecken vor dem Saum besteht. 

Die Eier meist kurz eiförmig, etwas durchscheinend, 
mit Längsrippen skulpluriert. 

Die Raupen spiiidelforinig, Kopf meist halb- 
kugelig abgesetzt, selten zweispitzig, stets mit 2 Spitzen 
von wechselnder Länge am Analscgmcnt, sog. „Schwanz- 
gabel", nahezu nackt oder kurz behaart, meist mit 
Längsstreifen gezeichnet. Leben fast sämtlich an 
Gräsern, führen eine näditliche l^ebenswei.se und über- 
wintern zumeist. 

Puppen glatt, meist stumpf, gedrungen, hängen 
zum Teil frei als Slürzpuppen, zum Teil liegen sie an 
oder in der Erde in einem unvollkonimonen Gespinst. 

B e s t i m m u n g s t a 1) 1 1 e d o i' G a 1 1 u n g e n. 

1. Augen behaart Parärge. 

Augen nackt 2 

2. Mschicne kurz 3 

Mschiene von normaler Länge 4 

3. Mschiene sehr kurz, mit Enddorn, die 

Palpen mittellang behaart Satyrus. 

Mschiene mittollang, ohne Enddorn 

die Palpen sehr lang behaart Oeneis 

4. Vfl mit Ader C an der Basis erweitert 5 
Vfl mit Ader C an der Basis niclit er- 

wei terl 7 

5. Vfl auch mit Ader A an der Basis er- 

weitert 6 

Vfl mit Ader A an der Basis nicht er- 
weitert 8 

6. Fhlrkolbe lang, Ader R^ der \ri frei, 

Praekostale der Hfl verkümmert Coenoriyinpha. 
Fhlrkolbe knopfförmig, Ader R^ der Vfl 

gestielt, Praekostale vorhanden . . Triphysa. 

7. Fhlrkolbe deutlich abgesetzt Erehin. 

Fhlrkolbe länglich, allmählicii an- 
schwellend Melanärgia. 

8. Vbeine sehr kurz, stummelförmig, 

Innenrand der Hfl kaum ausge- 
schnitten .\phant6pus. 

Vbeine mittellang, sehr dünn. Innen- 
rand der Hfl di'uliich ausgeschnitten Epiiiephele. 

20. (lattiuiii. Melanar^jfia Min^i. 

Fhlr mit längliclier, allmählich ansi:hwelleiider Kolbe. 
Augen narkt. Paljien aufgerichtet, mit langem End- 
glied, unten lang behaart. Vbeine in beiden Geschlech- 
tern äußerst stark rückgebildet. Auf den Vfl nur die 
Ader Sc aufgeblasen Praekostale der Hfl gut entwickelt. 
MgroCe Falter, mit weißen schwarzgezeichneten Fl. 
Fliegen auf Wiesen in einer Generation. Von den 9 
euroiiäischen Ari(>n reich! nur eine nach Deutschland. 



Die Eier oval geformt mit breilerer Basis, in der 
Mille eingedrückt, schwach skulpluriert. 

Die Raupen dick, spindelförmig, mit kleinem, 
halbkugeligem Kopf und kurzer Schwanzgabel, sind fein 
l)ehaart, leben verborgen an Gräsern und verwandeln 
sich frei an der Erde. 

Die Puppen cifiirmig, gedrungen, glatt, weißlich. 
Puppenruhe kurz. 

Die hier in Betracht kommenden Arten lassen sich 
in nachstehender Weise unterscheiden: 

1. Schwarze Saumlinie doppelt, Zeich- 

nung der Hfl'useite rostbraun s y 1 1 i u s. 

Schwarze Saumlinie einfach, Zeichnung 

der Hfl'useile schwarz und gelblich 2 

2. Der Basalteil der Fl schwarz, mit 

großem gerundetem hellem Fleck galathea. 
Der Basalteil der Fl ohne großen ge- 
rundeten hellen Fleck 3 

3. Die Mzelle der \"fl bis zur schwarzen 

Mbinde zcichnungslos weiß 1 ä c h e s i s. 

Die Mzelle der \fl mit einem Quer- 

bändchen 4 

4. Rundflügelig, die Mzelle der \'fl an der 

Basis grau bestäubt, die Mbinde 
der Hfl mit konischem \Orsprung 

in Zelle 3 1 a !■ i s s a. 

Spitzflügelig, die Mzelle der \'fl an der 
Basis rein weiß, die Mbinde der 
Hfl meist ohne konischen Vor- 



sprung 



.l'M 



laclicsis IIb. (Kat. X. 24.5) Der folgenden galathea 
nahe, girißer. viel heller, da die Mzelle der \'fl und das 
Basalfeld der Hfl ohne .schwarze Zeichnung bleibt. Die 
gelbgeringten Ozellen flecken der t^fseite schlagen auf den 
Hfl Hl Zelle 2 und 3 meistens oseits durch und sind 
hellblau gekernt. 28 — 30 mm. In Südfrankreich und 
Spanien im .Juni, Juli.') 

ab. c a n i g u 1 e n s i s Brams. (flava Uibbe) hat eine 
gelbliche Grundfarbe. — ab. $ c a t a 1 e u'c a Stgr. ist 
auf der IJseite der Hfl einfarbig weißlich. 

Das Ei weißlich mit breit gerundeter Spitze. =) 

Die Raupe jener von galathea ähnlich, mit braunem 
Rücken- und Seitenstreifen. Brnstfüße dunkelbraun. 
Lebt besonders auf Lamarckia aurea. 

77. galatln'a L. (Kai. N. 246) Damenbrett 
Taf. 10 Fg. Ic { o ). Grundfarbe oft gelblich. Die schwarze 
Basalfärbung schließt einen großen gerundeten Fleck der 
hellen Grundfarbe ein. In der w-eißen Mbinde liegen 
in Zelle 2 und 3 der Vfl die Flecken weit nach außen 
gerückt. Der Saum breit schwarz, auf den N'fl mit 2 
Apikalflecken, auf den Hfl mit weißen Randflecken gegen 
die Innenwinkel. Useite der \"fl mit einem .Vugenfleck 
in Zelle 5 der Vfl, jene der Hfl mit am Querast unter- 
brochener Mbinde und einer in Zelle 4 unterbrochenen 
Augenreihe vor den schwarzen Randdreiecken. Das $ 
größer, die Useite gelblicher als das (J. 23 — 28 mm. 
In Mittel- und Südeuropa sehr verbreitet, an vielen 



') Das Vorkommen der .\rt bei Hex im Rhonetal 
(Schweiz) bedarf der Bestätigung (vgl. VV h e e 1 er Butterfl, 
p. 143 not.). 

") Powell Eni. Rcr. XVIII p. 302 T. 14 (Ei und 

junge Raupe). 



3. Familie. Nymphalidae. 



37 



Stellen gemein. Steigt im Gebirge bis ca. 1700 m auf. 
Flugzeit Ende Juni bis August. 

ab. fulräta Lowe (franzenaüi Aign.) alle Zeich- 
nungen, auch der Useito, sowie die Fhlr fahlbraun, statt 
schwarz. — ab. vispArdi Julien. Der Mfleck der Hfl 
in Zelle 3 weiß gekernt. — ab. aniargiiiäta Metzg. fehlt 
die schwarze Saumlinie aller Fl, so daß die weißen Rand- 
monde in die Fransen übergehen. — ab. ap6rta Rbl. 
(n. ab.) auf den Vfl fehlt die ganze von der Vrands- 
mitte ausgehende Ilalbbinde, auch auf den Hfl ist die 
Mzelle nicht dunkel geschlossen, so daß die Grundfarbe 
eine sehr breite durchgehende Mbinde darstellt. Bei 
Berlin,') auch aus Niederösterreich und Salzburg be- 
kannt.-; — ab. gal^ne Ochs. Es fehlen die Ozellenflecke 
auf der 1 'seile der Hfl. — ab. $ flava Tutt mit lebhaft 
orangegelber Grundfarbe der Hfl'useite. — ab. $ leiieo- 
m61as Esp. Useite der Hfl einfarbig gelblichweiß mit 
ganz verloschener Zeichnung. — ab. nicol6ti Culot. 
Schwarze Saumbinde der Hfl ohne weiße Flecken. — 
ab. niclänia Obthr. mit starker schwarzer Bestäubung, 
besonders auf der Useite der Hfl. — ab. liigens Obthr.^) 
Oseite einfarbig zeichnungslos rauchbrann, Useite etwas 
lichter auf den Hfl mit deutlichen Ozellen. 

Im Süden wird die Art durch größere Breite der 
schwarzen Zeichnung beträchtlich dunkler, was die 

var. pr6cida Herbst charakterisiert, die bereits in 
Lugano und Südtirol auftritt und in Krain, Istrien, 
Kroatien, südlichem Ungarn, Dalmatien und den Okku- 
pationsländern au.sschließlich vorherrscht. — ab. $ 
iilbrit'hi Aign. ist die leucomelas-Form von procida. — 
ab. galaxa^ra Esp. bildet einen Übergang zur nach- 
folgenden ab. turcica, die hellen Flecken sind sehr klein, 
jener an der Basis der Vfl fehlt. Aus Kroalien. — ab. 
turcioa Boisd. die dunkelste procida-Form, bei welcher 
die hellen Binden und Flecken schwarz bestäubt er- 
scheinen. Aus Kroatien. Dalmatien und den .'sonstigen 
Balkanländern. 

Das E i kalkweiß, kugelig, mit schwachem poly- 
gonalem Zellennetz, wird nicht angeheftet, sondern fällt 
zu Boden. 

Die R a 11 p e, Taf. 10 Fg. la, meist sandfarben oder 
lebhaft grün, jene des ? vor der Verwandlung rötlich, 
mit einer dunklen, weiß gesäumten Rückenlinie und 
.solchem Seitenstreifen. Kopf ockergelblich, Afterspitzen 
rötlich. Lebt verborgen bis Mai, an weichen Gräsern 
(Phlaeum, Holcus) und verwandelt sich an der Frde. 

Die Puppe, Fg. Ib, hell gelblichgrau mit schwarzen 
Scitenpunkten am Kopfteil, 

■'S. japygia Cyr. (Kat, N, 249) Taf, 10 Fg, 3 (o') 
(v. suwaröwius Hbst,). Heller als galathea, mit feinerer 
schwarzer Zeichnung, die Mzelle der Vfl ganz weiß, mir 
mit einem gezackten Querbändchen in der Mitte, in Zelle 5 
der Vfl liegt ein auch oseits deutlicher Augenfleck, der 
.schwarze Saum ist viel schmäler und fehlt auf den Hfl 
meist ganz, wo hohe Randdreiecke auftreten. Auf der 
Useite der Hfl ist die Mbinde auf dem Qiierast nicht 



') Turati Xal. Sic X \ T. 1 Kg. !, 2. 

-) Belegstücke im Wiener lloiiiiiiseiini, 

=) Vgl. Bull Soc. lepid. Gen.'ve I PI. C Fg. ■'■, .5. 



unterbrochen. 26 — 28 mm. Die nomenklatorische 
Stammform nur in Süditalien. Juni, Juli. 

var. cleäiithe B. meist kleiner und kurzflügeliger, 
schärfer gezeichiu^t mit größeren Randdreiecken. Von 
Digne und Kastilien : Juli, August. — var. suwaröwius 
Herbst (ck)tho Hb.)'), Taf. 10 Fg. 3. Größer, mit ge- 
streckteren Fl und schärferer \'flspitze, viel heller, mit 
noch feinerer Zeichnung, die Randdreiecke der Hfl sehr 
hoch. 29 — 30 mm. In Ungarn, an sehr beschränkten 
Lokalitäten (Puszta-Peszer) und in Südrußland im Juni, 

— ab, iinmaculäta Aign. von suwaröwius fehlt das 
Apikaiauge der Vfl und die Augenreihe der Hfl. 

Die Raupe jener von galathea ebenfalls sehr 
ähnlich, grün mit weißen Längsstreifen. Kopf gelblich. 
Lebt auf \ erschiedenen Gräsern, be.sonders Lamarckia 
aurea. 

P u p p e gedrungen, gelbbraun. Puppenruhe ca. 14 
Tage. 

79. larissa HG. (Kat, N. 251) Taf. 10 Fg, 2. ( ?). 
Ebenfalls der galathea ähnlich, größer, die Wurzel aller 
Flügel grau bestäubt, ohne gerundeten weißen Fleck, 
jedoch mit einem schwarzen Querstreifen in der Mzelle 
nach y», der Augen fleck in Zelle 5 der Vfl auch 
oseits deutlich. Die dunkle Mbinde der Hfl, tritt 
in Zelle 3 konisch vor. Die schwarze Saumbinde mit 
weißen Randflecken und auf den Hfl auch oseits meist 
deuthchen Ozellen flecken, 25 — 29 mm. Bei Fiume, 
in Kroatien und Dalmatien lokal, im Juni, Juli, 

var, herta HG, ist größer, heller, mit feinerer 
.schwarzer Zeichnung, geringerer Bestäubung an der 
Wurzel und viel schmälerem schwarzem Saum. Die 
Ozellenflecken auf der Useite der Hfl oft kleiner oder 
punktförmig. 28 — 33 mm. In Kroatien, Dalmalien 
und der südlichen Herzegowina im Juni, Juli. 

Die ersten Stände sind unliokannt. 

syllius Herbsl iKat. N. 258) Die Wiir/.el der 
Flügel bleibt weiß, das Querbänddien der .Mzelle der 
\'l'l vereinigt sich mit der schwarzen, auf Ader C- 
unterbrochenen Jlbinde. Hfl mit doppelter schwarzer 
Saumlinie, useits mit rostbraunen Aiiern und Zeichnung. 
Auch die Ozellen sind daselbst rostbraun, blaugekernt 
und gelb geringt, die Mittelbinde in Querstric.lie auf- 
gelöst, die Randdreiecke dicht rostbraun bestäubt. 
2fi — 29 mm. In den südlichen W'estalpen, in Frank- 
reich und Piemont. Schon im Mai, Juni. 

ab. i X 6 r a Boisd, entbehrt der Ozellenflecken. — 
ab. s e X c u 1 ä t a Hoper besitzt auf der L'seite der 
Hfl. auch in Zelle 3 einen .sonst fehlenden Ozellen fleck. 

— ab. a n t i X 6 r a Obthr. zeigt die schwarze Zeich- 
nung der Oseite stark eingescliränkt und die rost- 
braune der Hfl'useite fast fehlend. Die Ozellen sind gut 
entwickelt. — ab. limbäta Neust, hat auf den Hfl 
einen breiten schwarzen Saum ohne weiße Randt'h'cke. 

— ab. h u e b n e r i Obthr. ist namentlicli in der \raiid- 
hälfte der \ fl melanotisch verdunkelt. 

Das E i mit tiefen Eindrücken an den Seiten. 

Die Raupe rötlichgrau mit breiten gelben Seiten- 
streifen und solchen schmäleren Fußstreifen. Kopf 
grün. Lebt besonders auf Brachypodium, 

P u p )) e hellbraun mit feiner dunkler Zeichnung. 



') Die von .\ i g n e r (Kov. Lap. XI\" p. l'iO) vor- 
genommene .Mitrennung der ungarischen Form als 
clotho Hb. ist unhaltbar. 



38 



'J. F;imilic'. Xyinphalidae. 




21. Gattung Erebia Dalm. 

I'iihler mit deullich abgesetzter, meist eiförmiger 
Kolbe. Augen nackt. Palpen lang borstig behaart. 
Die Vbeine dünn, beim (J dicht behaart. .\uf den Vfl 
ist nur Ader Sc an der Basis blasig erweitert. .\der M, 
entspringt dicht bei R,,. Praekoslalsporii der Hfl oft 
Fg. 12. sehr kurz, ihr Innenrand niemals 

ausgeschnitten. Kleine bis mittel- 
große Falter mit schwarzbrauner 
Grundfarbe und meist erhaltenen 
Ozellen flecken in derrostroten Außen- 
binde aller Flügel. Saum stets un- 
bezeichnet. Die Useite der H fl bietet 
auch in dieser formenreichen Gattung 
meist noch die besten Merkmale der 
oft sehr schwer zu unterscheidenden 
Arten,') deren Variabilität eine sehr 
große ist. Die $ sind meist reicher 
Erdbia lig^a. und deutlicher gezeichnet als die o . 
Die Erebien sind fast ausschließlich Gebirgsfalter 
und finden ihre reichste Entwicklung in den Alpen. 
Einzelne Arten reichen in ihrer N'erbreitung bis 3000 m 
Seehöhe. Sie fliegen nur im Sonnenschein, oft auf un- 
wegsamem Felsterrain. 

Die Eier verhiillnismUßig groß, meist lonnon- 
förmig, selten mehr siihaerisch, stets mit Liingsrippen. 
Die Raupen gedrungen nach hinten stärker ver- 
jüngt, mit großem Kopf und sehr kurzen Schwanz- 
spitzen, sind kurz boborstet, meist ockergelblich gefärbt, 
oft mit dunklen Längsslreifen. Bei Tag verborgen unter 
Steinen und an den Wurzelstöcken von Gräsern, woran 
sie leben. Sie überwintern und haben im Hochgebirge 
wohl ausnahmslos eine 2jährige Entwicklung. 

Die Verpuppung erfolgt an der Erde. Die Puppen 
gedrungen, eiförmig, meist liellbraun gefärbt, der 
Kremaster oft breit löffeiförmig. 

80. epiphron Knoch (Kat. N. 261) Taf. 10 Fg. 4a. 
Spitzflügelig, die Hfl. auf Ader M., sehr stumpf geeckt, 
Grundfarbe dunkelbraun, die Fransen mit grauem 
Schimmer. Die Vfl. mit breiter rostroter scharfbegrenzter 
zusammenhängender Binde, in welcher in Zelle 2 bis 5 
je ein großer schwarzer Punkt steht. Die Binde der Hfl 
in schwarzgekernte Flecken aufgelöst. Useite der Hfl 
heller, mit schwarzen, nur rostrot geringlen Randpunkten. 
Die schwarzen Punkte sind beim $ meist weißgekernt. 
17 — 19 mm. Am Oberharz, den Hochvoge.sen und 
Sudeten (Altvator). Juni, Juli. 

var. transsjivänica Rbl. kurzflügeliger. Binde der 
Vfl breiter, hellrostrot, mit kleineren ungekernlen 
schwarzen Punkten. Von der siebenbürgisch-rumäni- 
schcn Grenze (Bucsecs). — var. valesiäna MD. ist eine 
große Form mit noch zusammenhängender Binde der 
\"fl und großen schwarzen Flecken darin. Von den 
Walliser Alpen und Meyenwand. • — var. cassiope F. 
Taf. 10 fig. 'ib. Hauplform der Alpen und Karpathen, 

•) Vgl. G u m p p e n her g Stett. e. Z. 1888 p. 365—393 ; 
Elwes Tr. Ent. S. Lond. 1898 p. 169—207: Chapman 
ib. p. 209—239 PI. 5—16 (genitd. 3) 



oft etwas kleiner, die Binde der Vfl schmaler, stark 
verdüstert und undeutlich begrenzt, häufig in Flecken 
aufgelöst. Die schwarzen Punkte auch beim ? niemals 
weißgekernt. Die Hfl mit mehr gerundetem Saum. 
In Höhen zwischen 1200 bis über 2000 m im JuU, August. 
— ab. n^Iainus Boisd. unter cassiope, mit sehr rück- 
gebildeter Binde der Vfl, die Hfl zeichnungslos. — var. 
mndnion Hw., die schottische und irische Form, von 
cassiope kaum standhaft zu trennen. — ab. obsol^ta 
Tutt unter der vorigen entspricht der Form n^lamus. 

Das E i in der Mitte eingedrückt, gerippt gelblich- 
grün. 

Die Raupe hellgrün mit schwacher dunkler Rücken- 
linie, gelbem Seiten- und Fußstreifen. Kopf dun'.Jgrün. 
Lebt besonders auf Aira caespitosa und anderen Alpen- 
gräsern.') 

Die Puppe, welche nur 10 — 14 Tage ruht, licht- 
grün, die Nähte dunkelbraun, das Abdomen schmutzig- 
weiß (Buckl.). 

81 flavofasciäta Heyne (Kat. N. 264) In Größe 
\md Flschnitt, wie auch in der Fleckenzeichnung 
der Oseite der öpiphron var. cassiope sehr ähnlich. 
Die rostrote Binde in der Breite wechselnd, auf den 
Vfl gewöhnlich mit 5 schwarzen Kernen, auf den Hfl 
meist in 4 gerundete rostrote, schwarzgekernte Flecken 
aufgelöst. Auf der Useite der Vfl ist die Binde deut- 
licher, mehr zusammenhängend, nach außen scharf be- 
grenzt, nach innen gegen den hier rotbraunen Flgrund 
verwaschen. Die Hfl zeigen auf der Useite eine höchst 
charakteristische, breite, hellgelbe, zusammenhängende, 
beiderseits schartbegrenzte Saumbinde, in welcher 5 — 6 
schwarze Punkte stehen. Das ? etwas größer, nament- 
lich useits heller, schärfer gezeichnet. 17 — 18 mm. Am 
Campolungo-Paß resp. Dorf Fusio am Anfang des Val 
Maggia und Faido im Kanton Tessin, auf grasigen 
steilen Abhängen in ca. 2500 m Höhe Ende Juni, Juli. 

var. thiemei Bartel ist dunkler und zeigt die rost- 
rote Binde der Vfl in kleinere, verdüsterte Flecken 
aufgelöst, die gelbe Saumbinde dcrHfl'useite ist schmäler. 
Aus dem Ober-Engadin (Ponlrcsina in ca. 2300 m Höhe) 
Mitte Juli.^) 

Das E i tonnenförmig. durchscheinend dunkelrosa 
mit 18 bis 20 Längsrippen und undeutlichen Querrippen. 

Die junge Raupe strohgelb.^) 

82. iiielänipns Fuessl. (Kat. N. 262) Taf. 10 Fg. 
5 a, b. Rundflügeliger als die vorigen Arten, namentlich 
der Saum der Vfl. stark gebaucht. Die dunkelbraune 
Grundfarbe ist auf der Useite etwas heller. Die rostrote 
Binde auf den Vfl durch die Adern dunkel durch- 
schnitten und in Zelle 2 bis 5 mit schwarzen Kernen. 
Auf den Hfl. ist die Binde meist in 4 ovale, schwarz- 
gekernte, rostrote Flecken aufgelöst, die auf der Useite 
nicht immer schwarz gekernt bleiben, untereinander fast 
gleich groß erscheinen, und alle im gleichen Abstände 
von der Flwurzel liegen. Das ? ist schmalflüg 



■) W u 1 1 s c h 1 e g e 1, Mitt. Schw. Ent. Ges.Xp.287. 

-') Vgl. Wheeler Butt. p. 124: Bart. Iris .W'II 
p. 165; Lowe Ent. Rec. XVII p. 38. 

") M u s c h a m p Bull. Soc. Lep. Geneve I p. 59 
(1905). 



3. Familie. Xyniphalidae. 



39 



mit lichterer, deutlicherer Fleckeiibinde. 16 — 18 mm. 
In den Alpen in Höhen zwischen 1800 — 2000 m sehr 
verbreitet, im Juli, August. Auch auf den nordunga- 
rischen Karpathen. 

var. sudetica Stgr. hat breitere, viel lebhaftere und 
hellere rostrote Binden. Vom Altvater, Ende Juli. Soll 
auch in Graubünden (Praettigau) als Aberration vor- 
kommen. Auch im Glocknergebiet (Kais, v. Meißl.). 

E i länglich, anfangs schwefelgelb, später rötlich. 

Raupe anfangs lehmgelb, erwachsen gi'ün mit ! 
dunkler hell gesäumter Dorsale, weißlicher Subdorsale 
und einem wulstig vortretenden rötlich-weißen Seiten- 
strich. Kopf grün. Wurde mit Poa annua erzogen. 

Puppe blaßgelb, lebhaft dunkelbraun gezeichnet.') 

83. eriphyle Frr. (Kat. N. 265) Taf. 16 fig. 7 ( $). 
Meist größer und viel plumper als mel&mpus, das ? 
nicht schmalflügeliger, die rostrote Binde der Vfl sehr 
variabel, gerade verlaufend (dem Saum nicht parallel), 
meist in längliche Flecken aufgelöst mit schwarzen 
Apikal-Punkten in Zelle 4 und 5. Auf den Hfl nur 
1 bis 4 rostrote Fleckchen. Auf der Useite ist die Vflmitte 
hell rotbräunlich, die hier mehr zusammenhängende 
Saumbinde gelblich, der Grund der Hfl dunkler braun 
mit 4 rostgelben, stets ungekernten Flecken, wovon 
jener in Zelle 4 länglich geformt und aus der Reihe mehr 
gegen die Flwairzel gerückt ist. 18^20 mm. .\uf den 
Alpen der Zentral- und Ostschweiz, Tirols, Kärntens, 
Steiermarks, Salzburgs, Niederösterreichs, angebhch 
auch in Piemont im Juli auf felsigem Terrain in ca. 
1800 m Höhe mit auffallend schwerfälligem Flug. — 
Die Art läßt im männlichen Geschlechte leichter eine 
Verwechslung mit m ä n to Bsp. als mit melämpus zu, 
unterscheidet sich aber von ersterer sofort durch die 
Lage des Fleckes in Zelle 4 der Hfl'useite und beim $ 
durch den Mangel gelber Basalflecken daselbst. 

ab. (var.) intermedia Frey hat die rostroten 
Flecken heller und besser ausgebildet, ^''on Davos. 
— var. tristis HS. zeigt eine fast vollständige, lebhaft 
rostrote Binde, die bei ab. impiinctäta Höfn. voll- 
ständig ohne schwarze Kerne auftritt. Von der Saualpe 
und Koralpe in Kärnten. 

Das Ei weißlich, an der Basis stark abgeplattet, 
mit ca. 14 Längsrippen (Rbl.). Die Raupe unbekannt, 
jedenfalls zweijährig, da der Falter hauptsächlich in 
den Jahren mit ungerader Zahl zu finden ist. 

84. Christi Rätzer (Kat. N. 266) Fl sehr gestreckt. 
Hfl vollständig gerundet, Vfl mit einer dem Saum stark 
genäherten, und diesem parallelen rostroten Binde, in der 
(oft nur gegen die Flspitze) 2 — 4 schwarze, ungekernte 
Punkte stehen. Hfl gegen die Spitze zu mit 4 (beim ? 5) 
ovalen rostroten, schwarzgekernten Fleckchen. Useite 
der Vfl vor der deuthch begrenzt bleibenden Saumbinde 
rostrot aufgehellt. Hfl braungrau, mit dunklerem Basal- 
teil, der gegen das lichtere Saumfeld, in welchem 2 bis 4 
einfache schwarze Zellpunkte stehen, undeutlich stumpf- 
lappig begrenzt erscheint. Das ? üchter, mit breiterer 
und hellerer rostroter Binde, sonst dem ^ gleich, dessen 



M Liebmann Eni Z. Gub. XI p. 45 Fg. 



Genitalapparal von den verwandten Arten verschieden 
ist. 18 — 20 mm. Nur in der Schweiz im Laquintal und 
zwischen Dorf Simpeln und dem Hospiz, anfangs bis 
Mitte Juli. 

Von den ähnlichen .\rten am leichtesten durch 
die schwarzen Punkte der Hfl'useite zu unterscheiden, 
überdies von epiphron noch durch die ganz gerundeten 
Hfl, von mnestra durch gestrecktere Vfl, deren schwarz- 
punktierte Saumbinde näher dem FIrande liegt, und 
auf der Useite der Vfl durch den Kontrast der Färbung 
innerhalb der Saumbinde und dunkler rostbraune Flmitte, 
von pliarte noch durch die mehr gebogene, dem Saum 
näher liegende Querbinde der Vfl.') 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

85. mnestra Hb. (Kat. N. 267) Breitflügehg, die 
Vfl mit nach außen gerade begrenzter, nach innen oft 
stark verbreiteter rostroter Außenbinde, die (namentlich 
beim ? ) in Zelle 4 und 5 zuweilen ein kleines schwarzes, 
meist weiß gekerntes Auge aufweist. Die Hfl gegen die 
Spitze mit 3 — 4 rostroten Längsflecken, die beim $ eben- 
falls kleine Augenpunkte zeigen können. Useite der Vfl 
rostrot, nur am Saume dunkelbraun, mit beim S basal- 
wärts nicht abgegrenzter Binde, die beim $ gegen 
den Vrand heller gelbbraun erscheint. Useite der Hfl 
beim (J zeichnungslos dunkelbraun, beim $ heller 
braungrau, mit lichter staubgrauer Antemarginalbinde. 
19 — 20 mm. In den Alpen der Schweiz verbreitet, aber 
lokal, in Tirol besonders im Ortlergebiet im Juli. 

var. gorgopliöne Bell, ist eine kleinere schärfer ge- 
zeichnete Form aus den Basses-Alpes. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

86. arete F. (Kat. N. 268), Taf. 16 Fg. 8 (?). 
Gedrungen, Vfl beim c? gerundet, beim ? gestreckt mit 
einer rostbraunen , dem Saum parallelen Binde, an 
deren äußerem Rande in Zelle 4 und 5, meist nur beim V. 
weißgekernte Augenpunkte liegen. Auf den Hfl lost sich 
die viel schmälere Binde meist in Flecken auf, an deren 
äußerem Rand 3 — 5 rein weiße Punkte liegen. Useite 
der Vfl rostrot, jene der Hfl beim ^ dunkelbraun, vor 
dem Saum lichter, beim ? gelbgrau, in beiden Geschlech- 
tern (beim $ schwerer sichtbar) mit einer Reihe von 
6 weißen Punkten, welche die Art sofort kenntlich machen. 
17 — 18 mm. Sehr lokal auf den Kärntner- und Salz- 
burger Alpen in Höhen von 1700 m ab, in den ungeraden 
Jahren im Juli. 

ab. ? albofaseiäta Höfn. Binde der Vfl, Fransen 
und Useite der Hfl weißlich. 

Die junge Raupe hellgrün mit 6 feinen braunen 
Läng.slinien, am Aftersegment mit beborsteten, bräuii- 
hchen Schildchen.-) 

87. phiirte Hb. (Kat. N. 209), Taf. 16 Fg. 9 (cj). 
Fl sehr gestreckt. Hfl mit gerundetem Saum, Vfl mit 
einer beiderseits scharf begrenzten, schwach gebogenen, 
punktfreien, nur durch die .\dern dunkel geteilten, hell- 

') Favre Faun Val. p. 40; W h e e 1 e r- Butt, 
p. 126; O b t h r. Et. comp. I p. 21 PI. 2 Fg. 13, 14, 19, 

20 (cJ?). 



■'] Höfn. Soc. Ent. III p. 10. 



40 



3. Familie. Nymplinlidaf. 



rostroten Fleckenbinde, die auf den Hfl in l<leinere runde 
Flecke aufgelöst erscheint. Useite heller, jedoch gleich- 
gezeichnet. Beim ? ist die Binde mehr rostgelb, be- 
sonders auf der Useite. Die Hfl daselbst graugelb be- 
siaidit. 19 — 20 mm. In den Alpen lokal, auch auf den 
Ilochvogesen, und in der Hohen Tatra im Juli. 

ab. phartina Stgr. ist dunkler mit stark reduzierter 
Fleckenbinde. Aus den Hochalpen des Wallis. Ortler- 
und Cdocknergebietes. — ab. laseiüta Spul, mit lebhafter 
orangefarbiger Binde aus Kärnten. — ab punctata Ilöfn 
mit :? bis 4 schwarzen Pünktchen in der Flecken- 
binde der Vfl. Aus dem Glocknergebiet. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

88. lUiinto Esp. (pyrrha F.) (Kat. X. 275) Ge- 
drungen, rundflüglig, sehr variabel, die Vfl mit einer 
gegen den Vrand breiter werdenden rostroten Flecken - 
binde, in welcher meist nur in Zelle 4 und 5 jo- 
ein schwarzer, ungekernter Punkt steht. .\uf den Hfl 
ist die Binde in ungleich große, längliche, meist schwarz- 
gekernte Flocken aufgelöst, die oft sehr klein und un- 
deutlich werden. Useite bei den beiden Geschlechtern 
sehr verschieden, beim ^ rotbraun mit roslgelber Binde, 
die auf den Hfl in Zelle 4 einen saumwärts stark vor- 
tretenden viel längeren Fleck besitzt, und meist ganz 
undeutlichen rostroten Basalflecken daselbst. Beim $ ist 
die Useite vorherrschend gelb bestäubt, die Saumbinden 
gelb, auf den Hfl zuweilen geschlossen vom N'rand 
bis an den Innonrand reichend, stets mit viel längerem 
I''le(k in Zelle 4. Überdies treten beim V auch noch 
3 deutliche, große, oft zusammeidiängende gelbe Basal- 
fleckeauf. 20 — 22 mm. In den Alpen in Höhen zwischen 
1500 und 1700 m verbreitet, auf den Karpalhen und 
in Bosnien sehr lokal, im Juli. 

ab. occiliita Wagn. zoigl in der Bindc> vormehrte 
schwarze Punkte, die auf den \'l'l. namentlich auch in 
Zelle 2 und 3 auftreten. — ab. bubästis Meißn. zeigt die 
I'"Iecken der Hfruseite weißlich, die Fransen beim $ 
weißlich, an den Adernenden dunkelgcfleckt. — ab. ? 
trajänus Horm. zeigt die l?asis der HfFuseite ungefleckt, 
die Flecken der Außenbinde fast gleich groß. Aus der 
Bukowina. — ab. (var.) pyrrhula Frey ist beträchtlich 
kleiner, einfarbiger, die rostroten Flecke und Punkte 
.sehr verloschen. 18 — 20 mm. In den Hochalpen, Juli, 
August. — ab. cnecilia Hb. ist auf der Oseite fleckenlos, 
einfarbig braungrau, auf der Useite (namentlich beim ? ) 
zuweilen mit schwachen Spuren der hellen Flecken. 
Aus den Ilochalpen, in den Pyrenäen als Lokalform. — 
var. vogesiaca Christ Binde breiter, meist ohne schwarze 
Punkte. Auf der Hfruseite fehlt oft der Innenrandsteil 
der Außenbinde, wie auch die Basalflecke beim $. Aus 
den Voge.sen. 

Die Raupe grünlich ockergelb, fein schwarz be- 
borstet, mit mehreren Reihen schwarzer gekrümmter 
Striihelchen, welche undeutliche Längslinien bilden. 
Kopf und Füße bräunlich.') Lebt auf subalpinen Gräsern. 

]' u p p e gelb mit schwarz gezeichneten Fischeiden. 



') Wullschlegel Mitt. Schweiz. Eni. Ges. X 



80. ceto Hb. (Kat. 276), Taf. 16, Fg. 10 (o' 1. Groß, 
breitflügelig, näher der medusa verwandt, die Fhirkolbe 
vorherrschend schwarzbraun, die rostrote Binde in ge- 
trennte, ungleich große, in Zelle 4 und 5 der Vfl stets 
schmallängliche Flecke aufgelöst, die schwarze, und be- 
sonders beim $ auch weißgekernte, Punkte führen, 
l'seite beim o ^^'c die Oseite, beim helleren ? jene der 
Hfl schwachgelblichgrau bestäubt. 22 bis 23 mm. In 
den südlichen .Alpen luuJ Karpathen auf Matten, schon 
En<le Juni, Juli. 

\'on medu.sa durch die mehr keilförmige Form der 
weiter voneinander getrennten, schmalen rostroten Flecke 
und die kleineren weißen Pupillen darin am leichtesten 
zu unterscheiden. — ab. 16to Schultz, die rostroten 
Flecken ohne schwarze Punkte. — var. (ab.) obscüra 
Rätzer mit stark reduzierten und verkleinerten rost- 
roten Flecken. Aus dem Simplongebiet. — var. (ab.) 
rarädjae Caflisch. Eine viel kleinere, stark verdunkelte 
Ilocligebirgsform mit fast verloschenen .Vugenflecken. 
.\us dem üborengadin und Glocknergebiet. — ab. albo- 
niaculäta Rbl. (n. ab.) mit weißlichen, braungekernten 
Flecken der Ilfl'useite. Aus den Westalpen.') 

Das E i oval, fein längs gerippt, gelblich. 

Die erwachsene Raupe trüb dunkelgrün, mit 
duidvler weißgesäumter Dorsalen und solchen Subdorsalen, 
und vom 4. Segment ab mit einem schwarzbraunen, in 
jedem Segmenteinschnitt punktartig erweiterten Fuß- 
streifen. Die Längszeichniuigen zuweilen sehr undeut- 
lich. Kopf rötlich gelbgrau. Mit Poa annua erzogen. 

Puppe blaßgelb mit braunem Hleib.^) 

90. inedüsa F. (Kat. N. 277) Taf. 10 Fg. 6b— d 
(,S , 2 ). Der vorigen Art sehr ähnlich, die Fleckenbinde 
heller, mehr rostgelb, und aus kürzeren, breiteren, mehr 
zusammenhängenden Flecken bestehend, die größere, 
deutlicher weißgekernte .schwarze Augen führen. Das $ 
großer und beträchtlich heller als das o > namentlich auf 
der Useite. \'on der nachfolgenden oeme durch die 
useits braungelbe Fhirkolbe und die auch basalwärts 
scharf begrenzte Flcckenbinde der Vfl'useite zu unter- 
scheiden. 23 bis 24 mm. In West- und Süddcutschland, 
in den alpinen Gebieten und südöstlichen Ländern Öster- 
reich-Ungarns schon im Mai, Juni häufig auf Waldwiesen 
bis ca. 1200 m Scehöhe. In höheren Lagen wird die Art 
viel kleiner, die rostrote Fleckenbinde srhniälor und viel 
unileutlicher. was die Höhenform var. liipponu'dusaOchs. 
kennzeichnet. 19 — 20 mm. Juli. — ab. prncopiäiii 
Horm. ist eine Aberration davon, größer, dunkler, mit 
nur schwarzen (ungekernlen) .\ugen. Aus der Bukowina 
subalpin. — var. psödea Hb. bildet den Gegensatz zu 
hippomedusa, indem hier die rostgelbe Binde breiter, 
lebhafter, mehr zusammenhängend, und die weiß- 
gekernten Augenflecke zahlreicher und größer werden. 
Aus dem Banal, in Übergängen auch in den südlichen 

') Die typische p h ö r c y s Frr. aus der „europ. 
Türkei" (Friv.), also wohl Ostrimiolien, gehört als analoge 
Aberration zu medüsa-psödea, und die bisher unter dem- 
selben Namen aus den Westalpen angeführten Ceto- 
Stücke waren daher neu zu benennen. 

') Liebmann Ent. Z. Gub. VIII p. 48. — Wull- 
schleg Mitt. Schweiz. Ent. Ges. X p. 288.— Hofm.- 
S puler Raup. Xachtr. Taf. 1 Fg. 17. 




1 a. b. Argynnis pales ^, 1 c. var. napaea ?. — 2. Arg. dia ?. — 3. Arg. amathusia $. — 4. Arg. daphne. — 
5 a. b. Arg. ino. — 6. Arg. latonia ?. — 7 a. b. c. d. 3 Arg. aglaia. — 8 a. b. ? c.(J Arg. niobe, var. eris. — 9 a. b. 
Arg. adippe <J. — 10. Arg. laodice. — 11 a. b. c. <J Arg. paphia. — 12. Arg. pandora $. 




1 a b. c. Melanargia galathea cJ- — 2. M. larissa ?. — 3. M. japypa, v. suwarowius <J. — 4 a. Erebia epiphron, 
b var cassiope. — 5 a. b. Er. melampus. — 6 a. b. c. cJ d. ? Er. medusa. — 7 a. b. Er. stygne ?. — 8. Er. epi- 
stygne. — 9. Er. lappona cJ. — 10 a. b. Er. tyndarus <?. — 11 a. cJ b. $ Er. aethiops. — 12 a. b. Er. hgea <J. — 
13. Er. euryale ?. — 14 a. b. Oeneis aöllo ?. 



3. Familie. Nyniphalidae. 



41 



Alpen und Okkupalionsländern. — var. florin^nsis Lam- 
billon ist viel kleiner, dunkler, die Binde der Vfl nicht 
unterbrochen. Aus Belgien. — ab. pherüsa Schultz 
(der Stammform) zeigt auf den Hfl nur einen kleinen 
rotgelben, schvvarzpunktierten Fleck, in der Mitte nahe 
dem Saume. — ab. astigmätica Schultz die roten Flecken 
der Vfl ohne schwarze Punkte, die Hfl einfarbig. 

Das Ei dunkelgefleckt, stachelbeerförniig mit 17 
undeutlichen Längsrippen. 

Die Raupe, Taf. 10 Fg. 6a grün, mit dunkler, 
weißlich gesäumter Dorsalen, einer hellen Suprastigmalen 
und weißen Fußstreifen. Lebt überwinternd an weichen 
Grasarten wie Panicum sanguineum und Milium 
effusum.^) 

Die P u p p e ist hellgrau. 

91. OtMiie Hb. (Kat. \. 278) \'on niedusa ver- 
schieden durch die schwarze Fhlrkolbe, und durcli die 
basalwärts nicht scharf begrenzte, oft verwaschene 
Fleckenbinde der Vfl'useite. Die Stammform ist auch 
dunkler als medusa, das o nur mit 2 sehr kleinen rost- 
roten, geäugten Flecken in Zelle 4 und 5 der Vfl und 4 
noch kleineren solchen auf den Hfl. Das $ oft größer 
und heller, mit vollständigerer und deutlicherer Binde 
und gelbbestäubter Hfl'useite. 21 — 23 mm. In den 
Alpen, Karpathen und auf den Gebirgen der Okku- 
pationsländer, bei ca. 1500 ni am häufigsten, Ende Juni 
und im .Juli. 

Die hochalpine ab. (var.) lügens Stgr. ist oseits 
einfarbig schwarzbraun, useits meist nur mit kleinen 
Resten der beiden Apikaiaugen. Aus der Schweiz 
(Gadmen, Murren). — var. sp6dia Stgr. gehört dagegen, 
namentlich im weiblichen Gcschlechte, zu den hüb- 
schesten, augenreichsten Erebiaformen. Größer, die Vfl 
mit 4 — 5, die Hfl mit 5 — 6 größeren, lebhaft weiß ge- 
kernten Augenflecken in der länglich verbreiterten, oft 
zusammenhangenden rostroten Binde. Auf den Alpen 
Niederösterreichs, Steiermarks, und der Okkupations- 
länder. 

Das E i glänzend weißlich, schwach skulpturiert. 

Die Raupe lehmgelb, mit feinem violettbraunem 
Rückenstreifen und solchem breitem Fußstreifen. 
Zwischen beiden je 3 braune Längslinien. Kopf gelb- 
braun, dunkel punktiert. Lebt an Luzula. 

Die Puppe blaßgelb, der Kopfteil braun gerandet, 
die Fischeiden dunkel geädert. 

92. stygne Ochs. ( Kat. N. 279) Taf. 10 Fg. 7a, b ( ? ) 
Grundfarbe sehr dunkel, die Beschuppung glatt, glänzend. 
Die Ausdehnung der dunkel rostroten Binde variiert 
beim <J stärker als die Augenzeichnung. Letztere 
besteht aus je einem schwarzen, weißgekernten Augenfleck 
in Zelle 2, 4 und 5. Die beiden letzteren (Apikaiaugen) 
sind schräggestellt. Auf den Hfl finden sich 3 — 4 oft 
sehr kleine, vveißgekernte Augenpunkte in meist keil- 
förmigen rostroten Flecken. Auf der Useite der Vfl ist 
die rostrote Binde vollständiger und besonders basal- 
wärts verbreitert. Die Hfl daselbst glatt, schwärzlich 



M Gillmer Ins. Bors. XXI p. 212: Ent. Z. 
XVIII p. 98, XX p. 137 (Ei, junge R.). 

Berge-Rebel, Schmetterlingsbueh. 



Gub. 



grau, gegen den Saum zuweilen lichter, mit kleinen 
schwarzen, weißgekernten .\ugenpunkten, ohne rost- 
roten Hof. Das $ stets deutlicher gezeichnet, augen- 
reicher, die Useite der Hfl mit verwaschener grauer Binde 
vor dem Saum. 23 — 24 mm. In den Alpen und den 
Gebirgen Süddeutschlands bis zum Thüringer Wald wie 
auf den Südkarpathen verbreitet im Juni, bis anfangs 
August. 

ab. V aboculäta Favr. ohne Augenflecke der Vfl, 
nur mit 2 blinden Punkten auf den Hfl. — var. valesiaca 
Ehv. Eine Hochgebirgsform mit fast versch\Mmdenor 
roter Fleckenzeichnung und kleineren Augen. Vom 
Simplon, Gadmen, Murren. 

Das E i abgeflacht an der Basis, mit deutlichen 
Längsrippen, rötlich. 

Die Raupe gelblichgrün, mit braunem Kopf und 
dunklen Längsstreifen, wovon die Dorsale hell gerandet 
ist, auf Gräsern.') 

93. 6vias God. (Kat. N. 280) Groß, der Saum 
der Hfl zwischen Ader Mg und Mj gestutzt, die Vfl meist 
mit breiter, geschlossener rostroter Binde mit 5 bis 6 
lebhaft weißgekernten Augenflecken, wovon 3 im Apikal- 
teil (Zelle 4 bis 6) in sehr charakteristischer Weise enge 
untereinander stehen. Auf den Hfl 4 — 5 durch die 
Adern geteilte, geäugte rostrote Flecken. Auf der Useite 
erscheint der schmale Saumteil der Vfl sowie die ganzen 
Hfl schwach grau marmoriert, letztere mit schmaler 
hellerer Saumbinde, in welcher 4 bis 6 kleine, schwarze, 
weißgekernte Augenpunkte stehen. Die bräunhche 
Fhlrgeißel mit stark knotig abgesetzten Ghederenden, 
die Fhlrkolbe an der Spitze rostbraun: 24 — 26 mm. 
In den südlichen Kantonen der Schweiz, (Wallis, Grau- 
bünden, Tessin) in Südtirol, Siebenbürgen und Herzego- 
wina, lokal und selten in Höhen bei 1600 m im Juli. 

ab. depupilläta Schultz zeigt die Augenflecke ohne 
weiße Pupillen. 

Die Raupe ist unbekannt. 

94 melas Hrbst. (Kat. N. 282) Tat. 16 Fg. 11 ( ^ ). 
Im männlichen Geschlecht die dunkelste Erebia, ein- 
farbig tiefschwarzbraun , auf O- und Useite glatt be- 
schuppt, meist nur mit einem schneeweiß gekernten 
Apikaidoppelauge der Vfl, seltener mit punktförmigem 
solchem Augenfleck in Zelle 2 der \'fl und 2 bis 4 der Hfl. 
Das sehr variable $ meist größer, heller, mit gestreck- 
teren Fl, zeigt in der Regel nur Spuren der rostroten 
Binde um die Apikaiaugen der Vfl und größere deut- 
lichere Augenflecken namentlich auf den Ilfl. Die Useite 
der Vfl weist meist eine nach innen durch eine dunkle 
Querlinie scharf geschiedene, mehr oder weniger rostrote 
Außenbinde auf. Die Hfl grau marmoriert, mit dunklerer 
Mbinde und mehr grau gefärbtem breitem Saum- 
felde, in welcher meist eine Reihe von 4 Augenflecken 
steht. Die Fhlr mit glatter Geißel und oseits durchaus 
schwarzer Kolbe. 20 — 23 mm. Am .\anos in Krain, 
in Istrien, bei Herkulesbad im Banat, in der Ilerzego- 



'■) Genaue Beschreibung gibt Chapman Tr. Ent. 
S. Lond. 1905 p. 24 u. W u 1 Is c h 1 e g e 1 Mitl. Schweiz. Ent. 
Ges. X p. 288. 

6 



42 



3. Fumilie. Xymphalldae. 



wina und Dalmaticn in Höhen zwischen 1200 und 1700 m, 
meist auf Karslterrain, Ende Juh, August. 

Das E i mit ca. 32 Liiiigsrippcn, oben abgestumpft, 
gelbhch, später violett. 

Die Raupe (der var. Lefebvrei Dup. aus den 
Pyrenäen) graugelb, oder graurot, am Rücken braun 
punktiert, mit dunkler breiter Mlinie, doppelten feinen 
.Seitenlinien und dunklem Fußstroifen , Kopf braun. 
Schwanzspitze sehr kurz, überwinternd, mit Gras erzogen. 

Die Puppe gedrungen . mit verbreitertem 
Kremaster, grün mit rotgezeichnelem llleib. später mit 
weißen Fidecken.') 

95. ncrine Frr. (Kat. N. 283) Groß, das ^J breit- 
flügelig mit meist geschlos-sener, düster rostbrauner 
Saumbinde, in welcher auf den Vfl ein schräggeslelltes 
Apikaidoppelauge und zuweilen ein sehr kleines einfaches 
in Zelle 2, auf den Hfl drei etwas größere .Vugenflecken 
stehen. Useile der \n rostbraun, mit dunklem scharfem 
Querstreifen nach der Mitte, die Hfl schwarzbraun, 
glatt beschuppt, mit dunkler, nur nach außen an den 
lappigen Vorsprüngen gegen den N'rand weißgrau an- 
gelegter Mbinde und einer helleren Saumbinde, in 
welcher 3 bis 4 kleine schwarze, weißgekernle Punklaugen 
stehen.^) Das $ beträchtlich heller und augenreicher, 
die Außenbinde hellrostrol, auf der Useite der Vfl mehr 
roslgelb, die Useite der Hfl mehr grau, mit nach innen 
scharf weißgrau begrenzter Saumbinde. 23 — 25 mm. 
In der südöstlichen Schweiz (Graubünden, Comosee), 
in Tirol, Kärnten (Predil etc.), Krain, Istrien, Nieder- 
öslerreich, Karpathen lokal, gerne an Felsen sitzend, 
am häufigsten in ca. 1600 m Hölie im .Inli. .Vugust. 

var. reichlini HS. ist~größer, limiUliT, die ro.slrolo 
Binde noch undeutlicher, auf der Useite der Hfl mit oft 
fehlenden Punklaugen. Von Heichenhall, Salzburg, Tirol 
durch die Form stelviäua Curö von Bormio mit der 
Stammform verbunden. — var. ni6rulu S|)r. ist eine sehr 
kleine, dunkle l'"orni , oseits beim o ohne rostrote 
Färbung, die Hfl schwach gezähnt, useits beim ^J 
einfarbig schwarz. 22 mm. Aus Südlirol und dem 
Glocknergebiet. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

scipio B. (Kat. N. 28'i) Das J jenem von nerine 
oseits sehr ähnlich, Saum der Hfl deutlich gestutzt, 
useits die rosli-ulc SniHubinde der Vfl nichl scharf 
vom Basalteil gi'S(hii'. Im. die Hfl mehr einfarbig schwärz- 
lichbraun, mit viel schiüulerer lichterer Saumbinde, mit 
sehr kleinen oder ganz fehlenden Punktaugen. Das 
hellere, reicher geäugte $ durch die fast einfarbige weiß- 
graue Useite der Hfl sehr ausgezeichnet. 23 — 2'i mm. 
In den Basses Alpes, bei Digne im >Iuli. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

96. alecto Hb. (Kat. N. 285) Groß, robust, in der 
seltenen Stammform im männlichen Gcschlechte melas- 
ähnlich, d. h. fast einfarbig schwarzbraun mit ciiicni 
scharf weißgekernlen Apikaidoppelauge der \ 11 und :i 
kleineren solchen .\iigi'iiflecken der Hfl. Durch den 
Genitalapparat und die useits rostbraun gefärbte 



') Chretien Le Natural. (2) -XIV 1,S92 p. 211 
') Über die Unterschiede gegen g o a nie vgl. 
letztere Art. 



Fhlrkolbe von melas weit verschieden. Das ? mit 
deutlichen Resten der rostroten Binde auch auf den Hfl 
und auf den Vfl mit 3 bis 4 auf den Hfl mit 3 lebhaft 
weiß gekernten Augenflecken. Useite der Vfl mit breiter 
rostroter Saumbinde, jene der Hfl mit hellgrauer solcher, 
in welcher 3 .Vugenpunkte stehen. 23 mm. In Tirol, 
so in Uermoos. in der Hohen Brenta, im Pitz- und Ötztal 
im Juli, nicht unter 2300 m Höhe. 

var. glaeiiVlis Esp. ist die größere, meist vollsländig 
augeidose Form mit verloschener, stark gelrübler, breiter 
rostbrauner Saumbinde, die sich beim ? auch auf die 
Hfl fortsetzt. Zuweilen finden sich beim $ - kleine 
Apikaiaugen der Vfl. In der Schweiz, im Ortlergebiet 
und Großglockner. — var. (ab.) plüto Esp. ist meist 
kleiner, das cJ auf O.- und Useite vollständig schwarz, 
das $ zuweilen mit schwachen Spuren einer schmalen 
.'Xußenbinde. Besonders in den Weslalpen, aber auch 
im Triglavgebiet. 

Das E i wie bei den verwandten .Vrten gcllilichweiß. 
mit ca. 30 Längsrippen. 

Die Raupe schmulziggrün, niil dunkliMi Längs- 
liiiien niiil rötlichem Seitenwulst. Kopf wie die Körper- 
lailii'. .Mierspitzen sehr kurz. Lebt unter Steinen.') 

97. proiioe Esp. (Kat. N. 288) Taf. IG Fg. 12 ( o^ ). 
Eine sehr variable .\rt, am leichtesten kenntlich auf der 
Useile der \n durch die fleckartig graue Bestäubung 
des Vrandes vor der Spitze. Die Oseite mit rost- 
roter Binde, in welcher beim q 2 weißgekernte Apikai- 
augen und (in klriiu'r Augenfleck in Zelle 2 stehen. 
Auf den IUI sieben in der Binde meist 3 bis 4 blinde 
.\ugen. Useile der Vfl rostbraun, gegen die hellere, 
breite Saumbinde scharf dunkel begrenzt. Die Hfl 
dunkelbraun, veilgrau bestäubt, mit dunkler, in 2 Lappen 
nach außen vortretender Mbinde, das elw-as hellere 
Saumfeld meist nur mit einem kleinen Punkt in Zelle 2. 
Das § meist viel heller, mit rostgelber Binde und zahl- 
reicheren , größeren .\ugenflecken. .\ucli die l'seite 
viel heller, jene der Hfl hellgrau, mit diinUIrr Mbinde 
und solchem schmalem Saum. 22 — 2i nun. In dm 
.Mpon schon unter 1000 m, auch in den Kariiathm und 
Okkupalionsländern im Juli, August. 

ab. $ subiilpina Cimppbrg. zeigt an Stelle der 
Apikaiaugen nur weiße Punkte. Aus den bayerischen 
Alpen. — • ab. (var.) pitho ist beträchtlich kleiner, die 
Fleckeidiinde und .\ugen oft sehr rückgebildcd. so daß 
die Oseite auch ganz zeichnungslos schwarzbraun werden 
kaiui. Meist finden sich nur die beiden verloschenen 
.'\pikalaugen. Die Useite mit den verloschenen Binden 
der Stammform, augenlos. 19 — 21 mm. Mehr iii den 
Ilochalpen bis 2000 m, im August. — Kaum nanims- 
bere(;hligle Übergänge dazu sind ab. pithouides Schult/.-) 
und ab. dopi'incta Schultz aus Kärnten. 

K i wie lii'i di-n N'erwandten weiß mit Längsrippen. 

1)11' K a n ji e srhnuilzig röllichgelb, mit deutlicher 
schwarzer Dorsalen und abgesetzter bräuidicher Sub- 
dorsalen. Der Seitenwulsl heller, der Kopf bräuidich, 



') Rbl. Züol. bot. Ver. 1899 p. 161: GillinerSoc. 
Eni. .Will p. 7'i: Krodel Allg. Z. f. Eni. l.X p. 442. 
■] Schultz Eni, Z. Gub. .XXll 1908 p. 4. 



3. Familie. Nymplialidae. 



43 



dunliel punktiert, die Schwanzspitzen sehr klein. Lebt 
überwinternd an Poa-Arten. 

N'erpuppung aufrecht zwischen Graswurzcln. Die 
Puppe beinweiß, mit zimtbraunem Kopf und Hleib. 
Kremaster stumpf, breit und grubig.') 

epistj'gne Hb. (Kat. N. 289) Taf. 10 Fg. 8. Durch 
die lebhaft ockergelbe gegen den \'rand verbreiterte 
Saumbinde der Vfl und einen gelben Wisch in der Mzelle 
sehr ausgezeichnet. Auf den Vfl 3 weißgekernto Apikai- 
augen und oft auch kleinere Augen in Zelle 1 bis 3. 
Die Hfl mit einer Reihe rostroter gerundeter Saum- 
flecken mit weißgekernten Augen. Useite der Hfl mar- 
moriert mit dunkler Mbinde und kleinem Punktauge, 
beim lichteren 9 betrachtlich heller, mit weißgrauen 
Adern und deutlicheren Punktaugen. 24 — 25 mm. Im 
südöstlichen Frankreich verbreitet, schon von Ende März 
ab fliegend. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

98. güäute Esp. (Kat. N. 290) Einerseits der 
n e r i n e, besonders im männlichen Ge.schlechte sehr 
ähnlich, andererseits auch der folgenden g o r g e nahe. 

Von n e r i n e verschieden durch die beim o mehr 
rauh beschuppte, braune (dort fast schwarze) Useite der 
Hfl, welche viel stärker, — namentlich auch gegen die 
Basis zu — weißgrau marmoriert erscheint, wodurch die 
Mbinde durch die beiderseits helle Begrenzung besser 
heraustritt. Auch erscheint die äußere Begrenzung der 
Mbinde gleichmäßiger und tiefer gelappt. Das ? hat 
eine lichtere, noch deutlicher marmorierte Useite als 
das (3 , mit weißgrauen Adern, entfernt sich also weit 
von der fast eintönig hellgrauen Useite des n e r i n e $. 

\'on gorge sofort durch bedeutendere Größe, 
breitere Hfl und die basalwärts schärfer begrenzte rost- 
rote Saumbinde auf der Useite der Vfl zu unterscheiden. 

Der kleine Augenpunkt in Zelle 2 der Vfl ist auch 
beim q regelmäßig vorhanden. Das ? heller, mit 
breiterer rostroter Binde und zahlreicheren Augen. 
22 bis 24 mm. In den Alpen und Karpathen von ca. 
1200 m ab im Juli, gerne an Felsen sitzend. 

ab. jolänthe Schultz zeigt die Augen der Hfl ohne 
weiße Kerne. 

Das Ei gelblich, mit 1.5 Ijängsri|iiien.-) 

Die Raupe unbekannt. 

99. görge Esp. (Kat. N. 292) Taf. 16 Fg. 13 ( S]. 
Klein und sehr schmalflügelig, namentlich die Hfl auf 
Ader Mg geeckt, der Saum darüber gestutzt. In der 
Zeichnung sehr variabel. Die rostrote Saumbinde sehr 
breit, auch auf die Hfl verschwommen fortgesetzt, auf 
den Vfl nur mit einem kleinen, stark saumwärts gerückten 
Apikaldoppelauge, wovon der unlere, in Zelle 4 stehende 
Augenfleck oft nur punktförmig ist. Die Hfl meist mit 
2 bis 3, beim ? deutlich weißgekernten, kleinen Rand- 
augen. Useite der Vfl in der Basalhälfte rostrot, die breite 
Saumbinde nach innen oft nicht scharf abgegrenzt. Die Hfl 
grau marmoriert, mit mäßig breiter, scharf begrenzter 
dunkler Mbinde. 17 — 22 mm. Eine Hochgebirgsart 
in den Alpen, Karpathen und Gebirgen der Balkan- 
länder, im Juli von ca. 1900 m ab aufwärts. 



') Groß Stett. e. Z. 1891 p. 352. 
=) Tutt Ent. Hec. X p. 184. 



ab. erynis Esp. ist vollständig augenlos, die rostrote 
Binde wie bei der Stammform. — ab. (var.) triöpes Spr. 
eine scharf gezeichnete, reich geäugte Form, namentlich 
noch mit einem dritten, mehr wurzelwärts stehenden 
Apikaiauge in Zelle 6 der Vfl. — var. hcrcegoTintosIs Rbl. 
hat beim (J eine eintönig tief schwarzbraune Useite. 
Meist .sind die beiden hier punktförmigen Apikaiaugen 
vorhanden. Auch das c zeigt eine dunklere, weniger 
deutlich marmorierte Useite der Hfl. .\uf den Karst- 
gebirgen der Herzegowina erst von 1750 m aufwärts, 
auch in Krain (Triglavgebiet) in Übergängen. Im Juli. 
Das gedrungene E i grünlich mit la. 30 Längsrippen.') 
Die Puppe gedrungen, liellliraunlicli, mit hell- 
grünen Fischeiden und löffelartigem kur/.em Kremasler 
(Rbl.).=) 

ueoridas B. (Kat. N. 293) Der folgenden ae'thiops 
sehr nahe, kleiner mit viel kürzeren Fln und auffallend 
stumpfer Vflspitze. Die Binde gelbrot, breiter und 
vollständiger als bei aethiops, Augenzeichnung und 
Useite niclit wesentlich verschieden. Das $ heller mit 
größeren Augen. 21 — 22 mm. Im südöstlichen Frank- 
reich, Pieniont im August. 

Das E i an der Basis breiter, mit Längsriefen. 

Raupe dick, gelblichgrün mit schmutzig weißen 
Seitenstreifen, und schwärzlicher Stigmcnlinic. Kopf 
und Füße braun. Lebt auf Poa und Panicum sanguinale. 

100. ae'thiops Esp. (Kat. N. 296) Taf. 10 Fg. IIa, b 
( (J , ? ). Breitflügelig, schwarzbraun, sehr variabel. 
Die rostrote Binde oft sehr eingeschränkt, auf den \!\ 
mit einem Apikaldoppelauge und meist auch mit einem 
kleineren Augenfleck in Zelle 2. Die Hfl meist mit 3 
weißgekernten Augen in roten Flecken. Die Useite der 
Vfl mit beiderseits scharf begrenzter, wie oseits ge- 
stalteter Saumbinde, Hfl daselbst bräunlichgrau mit 
breiter dunkler Mbinde und schmalem solchem Saum, 
in der dazwischen liegenden helleren Saumbinde meist 
mit 3 bis 4 Punktaugen, wovon oft nur die weißen 
Kerne verbleiben. Das $ heller mit schwach gescheckten 
Fransen, die rostrote Binde heller, breiter und augen- 
reicher, die llseite der Hfl mehr ockergelblich als 
grau, mit hell bestäubter Mbinde. 23 — 25 mm. Die 
weilest verbreitete Erebia Mitteleuropas, fast überall auf 
Waldwiesen, auch schon der Hügelregion, im Juli, 
August. Kommt auch in Englaml vor und steigt im 
Gebirge bis ca. 1700 m auf. 

ab. ( ,^ ) ob$ol6ta Tutt mit verloschener, seilen ganz 
fehlender rostroter Binde. — ab. ( J i nigra Mousley 
die sehr dunkle rote Binde in Ringflecke aufgelöst. — 
ab. ? pällida Mou.sley sehr hell, mit mehr grau scheinender 
O.seite. — ab. $ flav6sceus Tutt mit hellgelber (statt 
roter) Binde. — ab. ? ochräcea Tutt mit ockergelber 
Grundfarbe der Hfruseite. Sehr häufig. — ab. $ Icuco- 
tae'nia Stgr. mit weißlicher Außenbinde der Hfl'useile. — 
ab. violdeea Wheeler. Useite di-r Hfl violettgrau. Jura. 
— ab. cac'ca Rbl. (n. ab.) mit augenloser, breiter Binde 
der Vfl ( 0, M. C.) 

Das E i oval, mit ca. 30 undeutlichen Längsrippen 
und feiner Quergitterung, braun gesprenkelt.^) 

>) Tutt Ent. Reo. X p. 184. 

') Vgl. auch Stierlin Eni, Z, Gub. XVII p. 78. 

'} Gillm. Ins. Bors. XX III p. 27. 



44 



3. Familie. Nvrnphaiidao. 



Die Raupe kurz beborstel, gelbgrau, mit feiner, 
dunkler, hellgesäumter Dorsale und oft in Strichen auf- 
gelösten Subdorsalen. Der Kopf stark abgesetzt, halb- 
kugelig, bräunlich, Afterspilzen sehr kurz. Lebt ver- 
borgen in Grasbüscheln (Poa, Dactylis u. and.) über- 
winternd bis Juni. 

Die Puppe kurz, dick, bräunlichgclb mit dunklem 
Rückengefäß, dunkelbraunem Kopfteil und weißlichen 
Fldecken. Der stumpfe Kremaster ausgehöhlt. 

101. curyale Esp.(Kat. N. 301) Taf. 10 Fg. 13( ?). 
Der nachstehenden ligöa außerordentlich nahe, auch 
zeigt der männliche Genitalapparat nur leichte Unter- 
schiede (Chapman). Die männlichen Duftschuppen sind 
aber bei euryale schmäler (.\uriv.). Beide .Vrlen sind 
sehr variabel, aber durch die auch im männlichen Ge- 
schlechle zwischen den Adernenden weißgescheckten 
Fransen aller Fl sehr ausgezeichnet. 

Euryale ist stets kleiner als ligea, die rostrote Binde 
schmäler, oft dunkler, auf den Vfl nach innen fast nie- 
mals gleichmäßig begrenzt und auf den Hfl namentlich 
beim ? häufig in rundliche Flecken aufgelöst. Die 
schwarzen Augenflecke mehr gerundet. Auf der Useite 
der Vfl verbreitert sich die rostbraune Saumbinde 
zwischen .\der C, und Mg beim J öfter bis zur Mzelle, 
auf den dunkelbraunen Hfl ist die Mbinde nach außen 
in der Hegel nur durch sehr kleine weiße Fleckchen 
oberhalb der .\der M3 und H angedeutet. Das $ unter- 
scheidet sich von ligea $ auch diu'ch das stets ockergelb 
oder weiß bestäubte Basalfcld der llfruseite, wodurch 
die dunkle Mbinde auch nach innen scharf begrenzt er- 
scheint. 

Auch die schwarzen Augenflecke .sind .sehr variabel, 
meist auf den Nfl beim J 3, beim $ 4, auf den Hfl A, 
beim $ deutlich weißgekernt. Die Saunibiiuie der 
Hfl'useile beim $ meist scharfbegrenzt, hellockergelb, (ab. 
ochräceaWheeler) seltener mehr weißlich. 21 — 25 mm. In 
den .A.lpen, in Schlesien (Allvater, Riesen- und Isergebirge 
und Glatzer Schnceberg), Karpathen und Gebirge der 
Balkanländer von ca. 1100 m ab aufwärts, im Juli. 

al). philom^la Esp. felilen die schwarzen Augenpunkte 
in der vorhandenen Binde der Hfl. — ab. curyaloides 
Tngstr. verschwinden die schwarzen Augenpunkte auch 
auf den Vfl aus der rolen Saumbinde. — ab. (var.) 
ocelläris Stgr. ist die rote Binde in kleine runde trübe 
Flecken aufgelöst, welche die ungekeriilen Augenpunkte 
umgeben. In Tirol, namentlich in den Dolomiten, sehr 
häufig auch in Übergängen zur vorhergehenden und 
naclifolgenden Aberration. — ab. «xtr^ma Schaw. Oseits 
vollständig zeichnungslos schwarzbraun, die Useite 
meist mit Spuren der Zeichnung. — ab. q isAriea Uühl. 
Binden gelbbraun (nicht rötlich), die Augenpunkte klein 
und ungekernt. Fransen kaum weißlichgrau gescheckt. 

Das E i nach oben schwach verjüngt, an der Basis 
abgeplattet, weißlich hyalin mit ca. 15 Längsrippen (Rbl.). 

Die Raupe stark beborstet, blaß gelblichbraun, 
mit schwärzlicher Rückenlinie und braunen unter- 
brochenen undeutlichen Seilenlinien, hellbraunen Beinen 
und solchem vorne abgeplattetem Kopf (Rbl.). An 
Gräsern (Panicum, Milium) wohl mit zweijähriger Ent- 
wicklung. 



Die Puppe gelbhch, mit schwarzbrauner Zeichnung. 

102. ligea L. (Kai. N. 302) Taf. 10 Fg. 12a, b (^ ). 
Beträchtlich größer als euryale (vgl. diese). Die rost- 
rote Binde breiter, lebhafter, namentlich auch auf den 
Hfl beim ? zusammenhängender, auf den Vfl nach innen 
gleichmäßiger begrenzt. Die schwarzen, beim $ stets 
weißgekernten, Augenflecke größer, mehr in die Länge 
gezogen. Useits ist beim (J die rostrote Saumbinde 
der Vfl basahvärls deutlicher begrenzt und auf den 
Hfl tritt ein sehr charakteristischer, am Vrand fleck- 
artig verbreiteter, rein weißer Streifen als äußere 
Begrenzung der Mbinde auf, der sich gebrochen bis- 
weilen bis zum Innenwinkel fortsetzt. Ein analoger 
feinerer Streifen ist zuweilen auch gegen die Basis an 
gedeutet (vgl. Fg. 12b). Das ? mit viel lebhafterer rot- 
gelber, reicher geäugter Saumbinde, zeigt die Basis der 
Hfl'useile selten undeutlich hell bestäubt, die Mbinde 
also nur nach außen schmal weißlich oder ockergelb 
begrenzt. Die Augenflecke daselbst stets viel größer als 
bei euryale. 25 bis 28 mm. In Mitteleuropa (mit .\us- 
schluß Englands) in bewaldeten Gebirgen bis ca. 1200 m 
verbreitet, wird weiter aufwärts durch euryale vertreten. 
Flugzeit Juli, .\ugust. 

ab. subcae'ca Schultz Hfl olino Augenflecke uiul 
mit verloschener roter Binde. — ab. ädytc Hb. stimmt 
im Genilalapparat des ^ mit ligea, bildet aber sonst 
einen Übergang zu euryale, kleiner, dunkler, die schwarzen 
Augenflecke kleiner und gerundet, ILseite der Hfl ohne 
weißen Mstreifen. \n den höheren Flugplätzen der 
ligf'a. 

Das Ei oval mit 14 — 17 l.imgsrippon. golbliili, 
braun, marmoriert.') 

Die Raupe gelblichgrau mit dunkelbraunem, liclil 
eingefaßtem Rückenstreifen und zwei hellen Langshnien 
an der Seite. Kopf graugelb mit 2 weißlichen Strichen. 
Im Mai erwachsen an Milium und anderen Gräsern. 

Die P u p ]) e hellbraun, schwärzlich gezeichnet (Frr.) 

103. lappona E.sp. (mänto F.) (Kat. N. 319) Taf. 10 
tg- 'J i'S)- Fl gestreckt, der Körper gedrungen, düster 
braun mit dunkler Querlinie nach der Mitte der \'fl, 
wonach eine nach außen feinzackig begrenzte trüb rost- 
braune Binde folgt, in welcher 4 schwarze, rotumzogene 
ovale, blinde Augenflecke stehen, die sich zuweilen auch 
auf die Hfl fortsetzen. Useite der Vfl rostbraun mit der 
Mlinie und den Augenflecken der Oseile und grauer 
Spitze und solchem schmalem Saum, jene der Hfl beim J 
hellgrau mit 2 parallelen, gezackten dunklen Querlinien, 
die eine zuweilen dunklere Mbinde bilden, und oft ein- 
fachen schwarzen Punkten vor dem Saum. Beim $ 
gleicht die Useite zuweilen jener des (J, oft ist aber die 
Mbinde der Hfl'useite viel dunkler braun, beiderseits 
weißlich begrenzt, der Saum mit dunklen Randbögen. 
21 — 23 mm. Das $ meist kleiner. .Vn hochmontanen 
Flugplätzen zwischen 1900 m und 3000 m in den .\lpen, 
Karpathen und den südliclien Gebirgen der Ralkanländer 
verbreitet im Juli. 

ab. (cJ) p6IIux Esp. mit einfarbig grauer Useite der 
Hfl ohne Querstreifen. — ab. o ? sth6nnyo Grasl. 

') Gillm. Ins. Bors. XXlll. p. 8. 



3. Familie. Nymphalidae. 



45 



mangelt die dunkle Querlinie der Vfl, die Useite wie bei 
pollux. — ab. cae'ca Favre entbehrt vollständig der 
schwarzen Augenpunkte. 

Die Raupe grasgrün, fein Iteborstel, inil .scliwarzer, 
nach vorne abgebrochener Rückenlinie und einem aus 
schwarzen Strichen gebildeten Seitenstreifen. Kopf 
kugelrund, schwarz.^) Dürfte wahrscheinlicli mir ein- 
j:ihrig an Festuca leben. 

Puppe grün, Kopfteil mit zwei gekrümmten 
schwarzen Strichen, Hleib schmutzig gelbbraun. 

104. tyndanis Bsp. (Kat. N. 320) Taf. 10 Fg. tOa, 
b (<J). Durch einen (beim $ schwächeren) metallisch 
grünhchen Schiller bei schräg auffallendem Lichte sehr 
ausgezeichnet. Die Palpen hellgrau, meist dunkler be- 
haart. Sehr variabel. Die Staminforin ziemlich klein, 
Vfl mit scharfer Spitze, wenig bauchigem Saum und breit 
gerundeten Hfl. Die rostrote Binde der Vfl beschränkt 
sich meist auf einen, höchstens bis Ader Cj reichenden 
Apikalfleck, in welchem ein weißgekerntes kleines Doppcl- 
auge steht. Die Hfl meist zeichnungslos, zuweilen aber 
auch mit 3 rostroten Flecken in Zelle 2 bis 4, in welchen 
kleine, weißgekernte Augenflecke stehen. Useits die 
Vfl rostrot, zuweilen mit angedeuteter dunkler Mlinie, 
meist jedoch ohne abgegrenzte Saumbinde, die Hfl eisen- 
grau mit gleich breiter, wenig dunkler, lappig begrenzter 
Mbinde und verschwommenen dunklen Saumbogen, ohne 
Augenflecke, sehr seilen mit ein oder zwei schwarzen 
Punkten. Das ? mit gestreckteren Fl, oseits heller, 
oft mit breiterer hellerer Apikaibinde und schärfer ge- 
zeichneter Useite der Hfl. Es gleicht dann oft sehr dem 
gorge $, unterscheidet sich aber davon durch die hell- 
grauen (bei gorge bräunlichen) Palpen und die schmäler 
bleibende, niemals bis zum Innenrand reichende rostrote 
Saunibinde, die sich auch nicht auf die Hfl fortsetzt. 
16 — 20 mm. In den Alpen, Karpathen und den Hoch- 
gebirgen der Balkanländer in Höhen von ca. 1800 m ab 
bis 2500 m, im Juli bis August. 

ab. caecodr6iiius Gn. ganz ohne Augenflecke, unter 
der Stammform. — ab. (var.) dröinus HS. Vfl mit gelb- 
roter Binde und größeren Apikaiaugen, die Hfl mit 3 
Randaugen in rostroten Flecken. Auch die Useite viel 
schärfer gezeichnet. In aberrativen Übergangsstücken 
in den Hochalpen, als Lokalform in den Pyrenäen. — 
var. balcänica Rbl. ist beträchtlich größer, das cJ mit 
viel breiteren, stumpferen Fl, schwächerem Schiller, die 
Augenflecke sehr deutlich, auch beim o auf den Hfl 
auftretend, die Useite der Hfl beim $ einfarbiger rötlich- 
grau, beim fj auffallend zeichnungslos stanbgrau. (Diese 
Form bildet einen Übergang zur der noch größeren griechi- 
schen var. ottomäna HS.). Auf den Gebirgen Kroatiens 
und der Okkupationsländer in Höhen zwisclicn 1300 und 
1800 m im Juli, August. 

Das E i ist oval, ober der verbreiterten Basis etwas 
verengt, grünlich mit ca. 19 Längsrippen. 

Die R a u p c graugrün bis dunkel braungrau, mit 
dunkler Rückenlinie, zwei solchen Seitenlinien und einer 
in dunkle Flecken aufgelösten Stigmenlinie. Über den 
Füßen noch ein breiter unterbrochener dunkler Längs- 



') Vgl. Hofm.-Spnl. Raup. Nachtr. Taf. 1 Fg. 15. 



streifen. Kopf dunkelbraun mit heller Gabellinie. An 
Gräsern'). 

P u p p e kurz, dick, liraun. 

105. i'if'er Ksp. (Kat. N. 321) Die augenreichste 
Erel)ia, durch die nach außen staubgrau abgeblaßten Vfl 
.sofort kenntlich. Die zahlreichen, blaß rostrotgeringten, 
weiß gekernten Augenflecke treten in folgender Anord- 
nung auf: Vfl Zelle Ib ein kleines Doppelauge, in Zelle 
2 und 3 je ein einfaches, dann das größere Apikaldoppcl- 
auge in Zelle 4 und 5 und ein kleineres, stark auswärts- 
gerücktes in Zelle 6. Hfl mit einer Saumreihe von 6 
solchen Augenflecken, wovon jener gegen den Innenwinkel 
oft punktförmig wird. Useite dunkelbraun, der .Vpikal- 
teil und die Adern der Hfl weißgrau bestäubt, letztere 
meist mit 8 kleinen Randaugen. 23 — 24 mm. Eine 
östliche, auf trockenem Terrain im Mai fliegende Art, 
die in der Stammform in Südrußland auftritt. 

var. dalmäta God. ist größer, brcitorflügelig, der 
Saum der Vfl bauchiger, useits dunkler, namentlich 
die Hfl fast ohne aufgehellte Adern. In Dalmatien, so 
bei Sebenico von Ende April ab. 

Die ersten Stände sind uidiekannt. 



22. Gattung'. Oe'neis Hb. 

Fhlr sehr kurz. Augen nackt. Palpen sehr lang, 
borstig behaart, ebenso die bei beiden Geschlechtern 
fast gleich langen Vbeine. Die Mschienen mittellang, 
unbewehrt. Au! den Vfl ist nur Ader Sc verdickt. 
Ader Mj entspringt mit Ader R9.,5 aus demselben Punkt. 
Ziemlich große, trübgefärbte und meist dünnbeschuppte 
nordische Falter, wovon nur eine Art alpin ist. 

Die Raup e n jenen der Erebien äbnlicli. 

106. aÜllo Hb. ( Kat. N. 323) Taf. 10 Fg. 14a, b ( $ ). 
Variabel, braun- oder staubgrau, unbestimmt gezeichnet, 
mit ockergelber, meist in Längsflecken aufgelöster Außen- 
binde, in welcher gewöhnlich in Zelle 2 und 5 der Vfl, 
sowie in Zelle 2 der Hfl ein schwarzer, verloschener, weiß- 
gekernter Augenfleck steht. Zuweilen fehlt jener in 
Zelle 2 der Vfl, öderes treten noch punktförmige in Zelle 3 
und 5 der Hfl auf. Die Fransen weiß und braun ge- 
scheckt. Useits die Vfl mit grau marmorierter Spitze, 
jene der Hfl ebenfalls grau marmoriert mit weißgrauen 
Adern und einer basalwärts undeutlich begrenzten 
dunkelbraunen Mbinde und solchen zerri.ssenen Saum- 
flecken. Das cJ mit zwei Schrägstreifen dunklerer 
Duflhaar.s(^huppen beiderseits des Längsstammes der 
Ader C der Vfl. Das ? mit stumpferer Vflspilze, meist 
heller, zuweilen vorherrschend ockergelb gefärbt (vgl. 
Abbildung). 26 — 29 mm. In den Hochalpen, selten 
unter 2000 m. Auf felsigem Terrain von Ende Juni bis 
August. Häufiger in den geraden Jahren. 

ab. ((J) unicolor Rbl. (n. ab.) ist viel düsterer, fast 
einfarbig, mit verloschener ockergelber .\ußenbinde und 
kleineren .'Vugen flecken. 

>) Nach Griebel; vgl. Ilofm.-Spul. Raupen 
Nachtr. Taf. 1 Fg. 16 u. Wu lisch legel Mitt. Schweiz. 
Eni. Ges. X p. 288. 



46 



^. Familie. Nymi)haliilai' 



Das E i länglichrund, unten abgeflacht, mit Längs- 
rippen, weißlich. 

Die junge Raupe rötlichbraun, mit dunklen feinen 
Rücken- und breiteren solchen Seitenstreifon. An 
Gräsern. 

107. Jutta III.. (Kat. N. 330) Schärfer gezeichnet 
und glatter beschuppt als die vorige Art, die Vfl in beiden 
Geschlechtern mit deutlich vorgezogener Spit?x>. Braun- 
grau, mit ockergelben, nach außen verlängerten Saum- 
flecken, in welchen auf den Vfl meist 3 schwarze un- 
gekernte Augenflecke (in Zelle 2, 3 und 5), auf den Hfl 
2 solche (in Zelle 2 und 3) stehen. Die U.seite der Hfl 
lange nicht so lebhaft marmoriert wie bei der vorigen 
.\rl, ohne lichte Adein, einfarbiger hriUinliihgrau, mit 
beiderseits deutlich begrenzter dunkler .Mbinde. Die 
Duftschuppenstreifen des o dunkler als bei der vorigen 
Art, fast bis zum Innenrand reichend. Beim helleren $ 
sind die blaß ockergelben Saumflecke meist stark ver- 
breitert, so daß sie eine Art Binde bilden. 28 bis 30 mm. 
In Ostpreußen bei Friedland Ende Mai und Juni, sonst 
in den ballischen Provinzen Rußlands und in Skandi- 
navien. 

Das E i längli(;hrnnil mit erlmhlen l!i[i])eii. 
Das junge R ä u p c h e n grauliraun nill iluiikleren 
Seitenstreifen. 

23. Gattuiiji-. Siityrus F.atr. 

l'hlr mäßig lang, meisl luil (Iruliiili abgesetzter, 
vorschieden gestalteter Kolbo. Augen uarkt. Palpen 
ndang behaart. Vbeine von wechselnder Länge. Die 
Mschienen sehr kurz, mit einem Ilornstachel am 
Außenende, .Vuf den Vfl ent- 
weder nur die Sc, oder auch Ader C 
aufgeblasen. A<lcr M, sehr nahe 
an R:)..r, entspringend, R, zuweilen 
frei. Mgroße bis große Falter 
in einer Generation. Sitzen gerne 
an Baumstämmen oder am 
Boden. 

Das E i in der Form 
wechselnd, meistmit Längsrippen. 
Die R a u p e n gedrungen, 
fein gekörnt, nackt, mit halb- 
kugeligem, vorne abgeflachtem 
Kopfe, kurzer Schwanzgabel und 
Längsstreifenzeichnung. Leben 
überwinternd an Gräsern und 
verwandeln sic-h wenig unter der Erdoberfläche zwischen 
Gras\\airzeln. 

Die IMi |> ]) e n diik, gedrungen, steif. 

108. Circe F. (Kat. .\. 340) Taf. II Fg. 2c ($). 
Sehr groß, die Fhlrkolbe länglicii, auf den Vfl nur 
Ader Sc aufgeblasen. Sanit.schwarz mit milchweißer, in 
Zelle 4 der \'fl unterhroihener, auf den Hfl stets zu- 
sammenhängender Außenbinde, in welcher in Zelle 5 der 
Vfl ein großer, meist nur useiLs fein woißgekernler 
Augenfleck liegt. Die Useite mit der weißen Außenbinde 
der Oseite, überdies die Ml mit 2 weißlichen Flecken in 



Fg. 13. 




Sätyrus semöle q. 



der Mzelle, die Hfl grau und braun marmoriert mit 
einer weißen Vrandshalbbinde im Basalteil, öfters 
auch mit kleinem Augenpunkt in Zelle 2. Die Fransen 
weiß, schwarz gefleckt. Das $ beträchtlich größer, mit 
breiterer Binde, zuweilen mit einem kleinen Augenfleck 
auch in Zelle 3 der Vfl. 36 bis 40 mm. Im südlichen 
und mittleren Deutschland (nördl. bis Kassel), in der 
Schweiz und Österreich-Ungarn verbreitet von Juni bis 
August. 

ab. sU6nus Stgr. mit ganz verloschener weißer Binde 
und ohne Augenfleck der Vfl. 

Die Raupe, Taf. 11 Fg. 2a, bräunlich, mit feinem 
schwarzem Rückenstreifen, in Flecken aufgelösten braunen 
Subdor.salen und Seitenstreifen und gelbem Fußstreifen. 
Kopf hellgelb mit 4 schwarzen Längsstreifen. Lebt bis 
Mai, Juni an Lolium, Bromus u. and. Gräsern. 

Die Puppe, Fg. 2b, in der Mitte stark verdickt, 
kastanienbraun mit einer Reihe gelber Flocken auf den 
Fischeiden. 

109. hermione L. (Kat. N. 341) Taf. 11 Fg. la, b 
(o, ?). Ebenfalls sehr groß, die Fhlrkolbe breit, mehr 
knopfförmig, auf den Vfl Ader Sc und C aufgeblasen. 
Fl rauchl)raun mit einer beinweißen, beim q (selten 
auch beim $) stark getrübten (borauchten) breiten 
.Außeiibindo. Ein Apikaiauge der Vfl, sowie ein kleineres 
Auge in Zelle 2 der Vfl und Hfl meist deutlich. Die Vfl 
u.seits mit einfarbig dunkler Mzelle, die Hfl daselbst 
braun gestrichelt, mit 2 schwarzen Querlinien und weiß- 
licher, gegen den Saum nicht scharf begrenzter Außen- 
binde. Die Fransen gescheckt. 33 bis 38 mm. In 
Deutschland (wenig über den 50. Breitegrad reichend), 
der Schweiz und Österreich-Ungarn, besonders gerne an 
Waldrändern im Juli, .\ugust. Setzt sich an Baum- 
stämme. 

ab. austriilis Ulil. (n. ab.) Im Süden wird die helle 
Binde liaufl!,' schuiäler und ist beim 5 auf der Useite 
der IUI Millslandig von den dunklen (.,)uerslrichelchen 
vei'ilecki, .\us Dalmatieii. 

Das K i länglichrund, oben eingedruikl nnl, Längs- 
rippen. 

Die R a u p o jener der vorigen Art sehr ahnlich, 
heller, mehr gelb, der Rückenstreifen erst vom 6. Seg- 
ment ab deutlich, der Kopf gelblich grau mit undeut- 
lichen bräuidichon Längsstrichen. Besonders auf IIolcus 
lanatus. 

I iie I' u |i |i !■ dunkelbraun, auf den Fischeiden heller. 

llu. alcyoiie Schiff. (Kat. N. 342) Der vorigen 
.iVrt außerordentlich nahestehend und an gewissen Loka- 
litäten, z. B. im Wallis'), in Zwischenformen auftretend. 
Kleiner als die vorige .Vrt. die helle Binde schmäler, 
il. li. der dunkle Saum auf den Hfl breiter, letztere oben 
stets ohne Analauge, die äußere Begrenzung der 
Mbinde auf der Ifseite der Hfl gerader, mit nur einem 
schärferen Zacken auf Ader M^. 31 — 32 mm. Im süd- 
lichen und östlichen Mitteleuropa, dem nordwestlichen 
Deutschland fohlend, in Südeuropa verbreitet, besonders 

') Vgl. Frey Lep. p. 43: Whceler Butterfl. 
p. 106; C u 1 t Bull. Soc. lepid. Geneve I p. 33. 



3. Familie. Nymphalldae. 



47 



an trockenen sandigen Stellen, im Juli, August, setzt 
sich an Felsen. 

ab. (var.) norvegica Strand, ist eine kleinere Form 
mit schmälerer Saumbinde, die Useite, namentlich der 
Hfl, viel einfarbiger. Als Lokalform aus dem südl. 
Norwegen beschrieben, in Übergängen auch in Mittel- 
europa. — ab. ? nemoriväga Schultz mit stark ver- 
größertem Apikalaugo und solchem in Zelle 2, überdies 
ein drittes kleineres Auge in Zelle 3 der VfL — ab. 
thamyras Schultz ist vollständig augenlos. — ab. sub- 
älbida Schultz zeigt eine saumwärts stark verbreilerte 
weißliche .\ußenbin(ie der Hfl. 

Das R i oval, mit 26 Längsrippen und feinen Quer- 
rippen, anfangs weißlich, später rosagrau. 

Die Raupe jener der vorigen Art älmlirli, jedoeli 
mit einer bis zum Kopf und .\fter reichenden, nach beiden 
Enden zugespitzten schwarzen Dorsallinie und dunkel- 
bräunlichen breiteren Subdorsalen und Seitenlinie. Der 
Kopf gelblich, mit bräunlicher gegabelter Mlinie und 
solchen Seitenstrichen. Lebt (nach .\fjll.) :n\\' Üraehy- 
podium pinnatum. 

Die Puppe einfarbig kastanienbraun. 

in. brisois L. (Kat. N. 343) Taf. 11 Fg. 3 ( o^ ). 
Fhlrkolbe und Adern der Vfl wie bei hermione, Vbeine 
kürzer, die Fransen einfarbig weißgrau. Das o mit 
grünlichem Schiller. Schwärzhchbraun, die ^'fl mit 
hellem Vrand und einer äußeren Reihe weißlicher, un- 
gleich langer Flecken, in welchen in Zelle 2 und 5 ein 
schwarzes (beim $ zuweilen fein weißgekerntes) .\uge 
steht. An Ader Mj ist die Fleckenreihe breiter unter- 
brochen. Hfl mit breiter weißlicher, zusammenhängen- 
der Mbinde. Useite der Vfl viel lichter als oseits, 
die Mzelle weißlich, mit schwärzlichem Querfleck, die 
weiße Außenbinde sehr breit, zusammenhängend mit 
weißgekernten .\ugenflecken. Die Useite der Hfl beim o 
viel heller, weißlich, mit breit unterbrochener dunkel- 
grauer Ba.salquerbinde, und nach außen dunkelbräun- 
lich angelegter, breiter, heller Mbinde. Ein kleiner, 
schwarzer Augenpunkt liegt in Zelle 2, ein einfacher 
weißer Punkt in Zelle 3. Die Useite der Hfl beim $ ist 
gleichmäßig dicht bräunlichgrau bestäubt mit ver- 
waschener dunkler Basal- und Außenbinde. 27 — 33 mm. 
Lokal, besonders auf Hügeln im Kalkterrain in Deiitsch- 
Iniid l)is I'.elgien, der Schweiz und Österreich -Ungarn 
von Endo Juli bis September. Setzt sich am Boden oder 
auf Steine. 

var. meriilionalis Stgr.') ist größer, mit breiterer 
weißer Rindenzeichnung, besonders der Hfl. 32 — 35 mm. 
Schon in den südlicheren Ländern Österreich-Ungarns 
die herrschende Form. — ab. $ piräta Esp. zeigt die 
weiße Zeichnung der Oseite stark gclblichra\ichig ver- 
dunkelt. 

Das E i-) rundlich, mit ca. 15 Längsrippen, schwachen 
Querrippen und 2 konzentrischen Ringen von Knöpfehen 
am Scheitel. 

Die Raupe gelblichgrau, mit abgesetzter tlunkel- 
grauer, ziemlich breiter Dorsalen und solclien lieileren 

1) Aigner Ent. Z. Gub. XX p. 11. 
-) Gillm. Ins. Bors. XXIII p. 27. 



Subdorsalen und Seitenlinien. Kopf stark halbkugelig 
abgesetzt, dunkel rötlich grau. Lebt bis Juni, besonders 
an Sesleria. 

Die Puppe dick, kolbig, glänzend braun. 

112. seiliele L. (Kat. X. 352) Taf. 11 Fg. 4a. b 
(cj, ?). Fhlrkolbe, Adernbau und Vbeine wie bei 
hermione, Fransen gescheckt. Braun, mit ockergelber, 
beim (J dunkelbestäubler. beim ? auf den Vfl viel 
hellerer und in Zelle 4 breit unterbrochener, äußerer 
Fleckenbinde, in welcher in Zelle 2 und 5 der Vfl ein 
weißgekernter Angenfleck steht. Ein kleinerer solcher 
liegt in Zelle 2 der Hfl. Useite der Vfl auch beim (J 
ungetrübt, hell ockerbraun. Hfl braun und weißlich- 
marnioriert mit dunklerer Mbinde, welche in Zelle 3 
und 4 einen zahnartigen Vorsprung saumwärts bildet. 
Die Augenflecke wie oseits. 28 bis 30 mm. In 
Europa weit verbreitet.*) Fliegt an trockenen, besonders 
sandigen Stellen, von Ende Juni ab bis September. 

ab. d" suffüsa Tutl stark verdunkelt, fast ganz 
ohne helle Außenbinde. — ab. pällida Tutt mit stroh- 
gelber Außenbinde (selten beim (J). — ab. cae'ca Tutt 
(thyöne Schultz) mit ungekernten, nur s('hwarzen 
Augenflecken. — ab. add^nda Tutt mit kleinen Augen- 
flecken auch in Zelle Ib und 3 der Vfl. — ab. anopeiiüp- 
terus Lainbrichs ohne Augenflecke der ^'fl. N'oni 
Analauge der Hfl bleibt meist der weiße Kern. — var. 
cädinus Frühst.^) größer, dunkler, namentlich die U.seite. 
Die Submarginalflecken der Hfl schmal, rotbraun. 
In den Südalpen und bei Triest. — var. t^res Frühst.-). 
Die Flecken der Oseite hellockergelb, Ilfl'useite mit 
breiter, weißer Mbinde. Bei Digne. 

Das E i gelblichweiß, gerippt, dem von alcyone sehr 
ähnlich, jedoch mit größerer Mikropylenfläche (Gillmer). 

Die Raupe hellbräunlich, mit dunkler, nach beiden 
Enden zugespitzter Dorsalen, brauner Subdorsaleu und 
breiterem dunklerem Seitenstreifen. Kopf mit grauen 
Läng.sstrichen. Lebt auf trockenen Grasarten, besonders 
Aira. 

Die P u p p e mit kin-zem spitzem Hleib, braun in 
einer Erdhöhle. 

113. arethi'isa Esp. (Kat. N. 353) Taf. 16 Fg. 15 ( S ) 
Fhlrkolbe schmäler als bei der vorigen Art, Ader C der 
Vfl weniger erweitert, die Vbeine klein, die Fransen un- 
deutlich gescheckt. Hellbraun, mit ockergelber äußerer 
Fleckenbinde, in welcher beim (J meist nur in Zelle 5 der 
Vfl ein großer, beim 5 überdies auch in Zelle 2 (selten 
auch 3) ein kleinerer blinder Augenpunkt stehen. U.seite 
der Vfl ockergellilich ohne abgegrenzte Außenbinde, jene 
der Hfl gleichmäßig bräunlich gewäs.sert, mit hellgrauer, 
nicht zackig begrenzter, schmaler Binde nach der Mitte. 
23 — 25 mm. An wenigen Lokalitäten Süddeutschiands, 
in Oberelsaß und Baden, im Wallis, häufiger in Nieder- 
österreich, Steiermark, Mähren, Ungarn und südwärts 
der genannten Länder überall verbreitet auf sonnigen 



') Lebhafter gefärbte weibliche Stücke aus südlichen 
Teilen Mitteleuropas werden häufig als Übergänge zur 
var. a r i s t a e u s Bon. bezeichnet, zeigen aber niemals 
das fcnirige, beim 2 bis an die Vflbasis ausgedehnte 
Ockergelb dieser korsi.sch-sardini.schen Lokalform. 

■') Int. Ent. Z. II p. 9. 



48 



3. Familie. N'yniphalidae. 



Stellen, besonders auf Kalkboden, im August bis Sep- 
tember. 

ab. (o ) crj'Uiia Hb. (obsoleta ^^^leele^) mit fast ver- 
loschener, aber dunklerer (roströllicher) Fleckenbinde. 
— ab. $ pcszer6nsis Aign. lichter, glänzend, mit viel 
breiterer, zusanimenhilngender, hcllockergelber Binde. 
Aus Ungarn. — ab. exllis Schultz Augenfleck in Zelle 5 
der Vfl ganz reduziert oder fehlend. 

var. dentätaSIgr. ausSüdfninkreich ist viel lebhafter 
gefärbt und scharfer gezeichnet, die Hfl'useite mit weiß- 
grauen Adern und einer dunklen Zackenbinde vor dem 
Saum. 

Die Raupe jener von alcyone ähnlich, viel kleiner, 
gelbbraun, mit schwarzer, gelbgesäumter Dorsalen, un- 
deutlichen rotbräunlichen Nebenrückenlinien und dunk- 
lerem Seitenstreifen. Kopf mit 6 scharfen braunen 
Längsstrichen. Auf trockenen Hügeln an Festuca. 
(Orig. Raupe von Dorfm.) 

Die P u p p e gedrungen, liellbraun, mit spitzem 
Hleib. 

ll'i. anthelea Hb. var. amälthea Friv. {Kat. N. 
362a) Fhlrkolbe kurz und breit, Ader Sc und C der Vfl 
aufgebla.sen, ihre Mzelle beim q "i't einem langen 
schwarzen Duflschuppenlängsstreifen, die Fransen weiß- 
grau, dunkel gefleckt. Schwarzgrau, mit weißer Außen- 
binde, welche auf den \"fl in Zelle 2 am breitesten und in 
Zelle 4 unterbrochen ist. In Zelle 2 und 5 ein großer, 
fein weißgekernter Augenfleck. Zwischen beiden liegen 
beim § zwei weiße Punkte. Die Hfl in Zelle 2 und 3 
ockergelb, mit kleinem Augenfleck in ersterer. Useite 
der Vfl im Basalteil viel heller, jene der Hfl schwarzgrau 
gewässert mit weißer, beim $ verIo.schener Außenbinde. 
Das ? beträchtlich größer. 24 ( j ), bis 28- ( $ ) mm. 
In der südöstlichen Herzegowina im .Juli, sonst aus 
Griechenland bekannt.') 

Die Raupe ist unbekannt. 

115. Statilinus Ilufn. (Kat. N. 370) Taf. 12 Fg. la, 
b (tJ, ?). Fhlrkolbe kurz und breit, Ader Sc und C 
der Vfl aufgeblasen. Vbeine sehr klein, Fransen weiß- 
grau, dunkel gefleckt. Die Fl beim o einfarbig dunkel- 
braun, beim $ lichter, auf den Vfl mit erkennbaren 
Spuren einer äußeren breiten lichten Binde. In Zelle 2 
und 5 der Vfl je ein großer, beim $ gelblich geringter 
.\ugenfleck, dazwischen zwei weiße Punkte. Die Hfl 
mit stark gezacktem Saum mit kleinem Augenfleck in 
Zelle 2. Auf der U.seite der Vfl ist das Mfeld durch 
eine nach außen weißbegrenzte, stumpfwinklig ge- 
brochene schwarze Querlinie bezeichnet, die Augenflecke 
sind gelb geringt. Die Useite der Hfl grau gewässert, 
selten mit einer deutlichen, nach außen nur stumpf 
lappig begrenzten Mbinde, darnach hellgrau, vor dem 
Saum wieder bräunlich verdunkelt. 26 — 28 mm. In 
Mitteleuropa (mit Ausschluß Englands) lokal in Sand- 
gegenden, von Juli bis September. 

var. alli^nia F. ist beträchtlich größer, mehr variabel 
(besonders im Wallis: Wheeler) meist dunkler, das $ 

■) Die kleinasiatische Stammform anthelea Hb. 
zeigt eine viel breitere Außenbinde, welche beim § 
durchaus lebhaft ockergelb gefärbt ist. 



nicht selten auf den Hfl außer dem kleinen Analauge 
mit einer Reihe von 4 weißen Saumpunkten, die Basis 
der Hfl'useite zuweilen heller. 29 — 31 mm. In der süd- 
lichen Schweiz, Krain, Istrien, Banat, Herzegowina, Dal- 
matien, im Juli, August. 

Die Raupe fein kurz behaart, lehmgelb, mit 5 
gleichbreiten dunklen Streifen und bräunlichem Kopf. 
Lebt an Festuca, Poa u. and. 

Die Raupe von alliönia ist blä.sser, rötlich, noch 
mit weißen Längsstreifen gezeichnet.') 

Die Puppe glatt, braun. 

fidia L. (Kat. N. 372) Der vorigen Art nahe, 
größer, die Vfl mit 2, besonders beim $ deutlichen 
weißen Mflecken an dem zahnartig vorspringenden 
dunkleren Mfeld. Am leichtesten auf der Useite der 
Hfl zu unterscheiden, welche viel bunter ist, und zwei 
.scharf gebrochene, dunkle, nahe aneinander liegende 
Mstreifen zeigt, wovon der äußere auf Ader Mj einen 
spitzen Zahn saumwärts bildet. Darnach weißgrau, 
der Saum wieder fleckartig verdunkelt. Auch der Quer- 
ast der Mzelle ist strichartig schwarz. 32 — 33 mm. In 
Südfrankreich und der iberischen Halbinsel im Juli, 
August. 

Das E i rundlich, gerippt. 

Die Raupe hell rötlich braun mit gelben Seiten- 
und Fußstreifen und fein dunkel gezei<hnetem kleinem 
Kopf. 

Die Puppe dick, hellbraun. 

116. actao'a Esp. (Kat. X. 378) Die Fhlrkolbe all- 
mählich verdickt, auf den Vfl nur Ader Sc aufgeblasen, 
die Vbeine sehr klein, die Fransen einfarbig. Die Art 
bildet in Südeuropa und Westasien zahlreiche Lokal- 
formen, wovon jedoch für das weitere mitteleuropäische 
Gebiet außer der Stammform nur zwei Lokalformen in 
Betracht kommt. 

Oseite des ^ einfarbig schwarzbraun, nur mit einem 
einfachen, helhveißgekernten .Vpikalauge der \fl. L^seite 
heller, die \'fl mit dunkler Mlinie, gelbgeringtem .\pikal- 
auge, kleinem .Augenfleck in Zelle 2 und zwischen 
beiden 2 weiße Punkte. Hfl braun, mit gleichbreiter 
brauner, nach außen breit weiß begrenzter Mbinde 
und gebrochenem weißen Antemarginalstreifen. Das 2 
heller, meist mit einem großen, doppelt weißgekernten 
Apikaiauge der Vfl, kleinem Augenfleck in Zelle 2 und 
Spuren einer helleren Außenbindc. Auch die Useite 
entsprechend heller, aber wie beim J gezeichnet. 28 bis 
30 mm. Bei Digne, Basses Alpes, Seealpen, im Juni, 
Juli. Angeblich auch in Tirol (Camiiiglio, Iimsbruck: 
Lehmann). 

var. iniläda Frühst.-) bildet einen Uebergang zur 
nachfolgenden var. cordula. Das J von der Größe 
der Stammform, auf der Useite der Hfl mit weißem 
Antemarginalstreifen. Das $ auf der Oseite aller FI 
mit breit hellockergelber Submarginalregion. Useite der 
IUI hellgrauweiß. .'\us der Umgebung Zermatts (Wallis). 
- var, cönlula F., Taf. 11 Fg. 6 ( J ), Taf. 16 Fg. 14 ( ?), 
ist größer, die Vfl in beiden Geschlechtern mit gleich 
großen, weißgekernten Augenflecken in Zelle 2 und 5, 



Fg. 18. 



') Hof m.- Spul er Raupen Nachtr. Taf. I 



Int. Hnt. Z. I. p. 351. 




1 a. <J b. $ Satyrus hermione. — 2 a. b. c. Sat. circe ?. — 3. Sat. briseis cj- — 4 a. (J b. $ Sat. semele. — 5. Sat. 
dryas (J. — 6. Sat. actaea, var. cordula <?. — 7. Pararge roxelana<J. — 8 a. b. <J c. $ Par. maera. — 9. Par. megera <? . 
— 10 a. b. c. Par. aegeria, vair. egerides. 



3. Familie. Nymjilialidao. 



49 



dazwischen zwei weiße Punkte, wovon der obere beim $ 
häufig in die schwarze Peripherie des Apikaiauges tritt. 
Die Useite dunkler, beim ^ in den Alpen meist ohne 
weiße Bindenzeichnung der Hfl oder wenigstens ohne 
weißen Antemarginalstreifen. Das $ zuweilen noch 
mit kleinen Additionalflecken in Zelle Ib und 6 der \i]. 
die Useite der Hfl mehr bräunlich, selten mit weißgrauer 
Bindenzeichnung, stets mit schwarzem Augenfleck in 
Zelle 2 (häufig auch Ib). 30—33 mm. In den südlichen 
Alpentälern der Schweiz, Tirols und Südfrankreichs, 
sowie in den Balkaidändern bis Kroatien, im Juli, .\ugust. 

Unter der Form cordula: ab. $ |)6as Hb. zeigt auf 
der Oseite der \'fl und Hfl eine breite ockergelbe Binde. 
Die Useite ist meist heller. — ab. m6nila Schultz 
Augenflecke der Vfl kleiner. — ab. ornäta Schultz mit 
4 weißgekernten Augenflecken der \'fl. 

Die Raupe der v. cordula braun, mit schwarz- 
brauner, weiß eingefaßter Dorsalen, ebensolchen Seiten- 
streifen und einfachen dunklen Subdorsalen. Kopf mit 6 
schwai'zen Strichen.') Lebt an Gräsern, besonders Aira 
caespitosa. 

117. dryas Sc. (phae'dra L.) (Kat. N. 381) Taf. M 
Fg. 5 (o )• Strukturell mit der vorigen Art stimmend. 
Oseite einfarbig dunkelbraun. Die Vfl mit je einem 
großen blaugekernten Augenfleck in Zelle 2 und 5, häufig 
auch ein kleinerer solcher in Zelle 2 der Hfl. Useite der 
Vfl zeichnungslos, die Augenflecke daselbst mit ver- 
loschenem, ockergelbem Hof. Hfl häutig mit weiß- 
lichem Streifen als äußere Begrenzung der Mbinde und 
dunklem Antemarginalstreifen. Das ? größer, heller, 
mehr graubraun, mit größeren Augenflecken, wovon jener 
in Zelle 2 der Vfl bis 7 mm Durchmesser erreichen kann. 
28 bis 39 mm. In Deutschland verbreitet, nur wenigen 
nordwestlichen Gegenden fehlend, in der Schweiz und 
Österreich-Ungarn überall in lichten Waldungen, aber 
auch auf Heiden, im Juli, August. 

ab. ( $) tripunctätus Neuburg, (ocellätus Aign.) mit 
einem dritten kleineren Auge der Vfl in Zelle 3. — ab. ( ? ) 
contrarius Neuburg, mit einem dritten kleinen Auge der 
Vfl in Zelle Ib. — ab. sibirica Stgr. mit einfarbig zeich- 
nungslos brauner Useite der Hfl (Lokalform in Sibirien). 
— var. (ab.) dryineia Frühst.^) größer, mit bedeutend 
größeren Augenflecken. Südtirol (Klausen). Einen 
Übergang dazu bildet ab. (var.) tässilo Frühst, aus dem 
Allgäu. 

Das E i ziemlich hoch, mit abgestumpftem Sclieitel 
und ca. 35 Läng.srippen. 

Die Raupe gelblichgrau, fein chagriniert, mit ab- 
gesetzter dunkler Dorsalen und breiterem zusammen- 
hängendem dunklem Seitenstreifen. Die Zwischen- 
räume von undeutlichen bräunhchen Längsstreifen durch- 
zogen. Kopf vorne abgeplattet mit 6 braunen Längs- 
strichen. Lebt besonders auf Avena elatior bis Juni. 

Puppe gedrungen, braun, mit kurzem freiem 
Hleibsende. 



') Vgl. Ilofm.-Spul. Raupen Xarlilr. Taf. I Fg. 
19 u. Wul 1 Schlegel Mitt. Schweiz. E. G. .\ p. 288. 
-) Int. Ent. Z. I p. 358. 
Berge-Rcbel, Scbmetterlingsbuch. 



24. Gattuno-. Pararge Hb. 

Die Fhlr in der Regel mit deutlich abgesetzter, 
flachgedrückter Kolbo, .seltener gegen die Spitze all- 
mählich verdickt (achinej. Augen behaart, die Palpen 
dünn, mit kurzem Endglied, unten lang behaart. Vbeine 
lang behaart, sind beim J dünner. Die Vfl entweder 
nur mit Ader Sc oder auch mit Ader C aufgebla.sen. 
.\uf diMi Hfl entspringen Ader C^ und M., aus einem 
Punkt, oder dicht aneinander, der Pi'aekostalsporn ist 
gegabelt. 

Die Raupen .schlank, spindelförmig, mit kleinem, 
scharf abgesetztem, halbkugeligem Kopf, der bei climene 
am Scheitel in 2 Spitzen verlängert ist, .sind fein und 
dünn behaart. Leben meist in 2 Generationen an 
Gräsern und verwandeln sich in freihängende Stürz- 
puppen. 

Die P u p p e n ziendich schlank, mit langem 
Kremaster. 

118. aegeria L. (Kat. N. 385) Schwarzbraun, gegen 
die Wurzel heller bestäubt, mit rotgelber Fleckenzeich- 
nung, welche auf den Vfl aus 2 Flecken in der Mzelle und 
zwei äußeren Fleckenreihen besteht, wovon die erste oft 
nur aus dem quergestellten Vrandsfleck und einem 
Mfleck sich zusammensetzt, die zweite (äußere) ein 
schwarzes, weißgekerntes Apikaiauge einschließt. Die Hfl 
mit einem hellen Fleck am Schluß der Mzelle und darüber 
einem Vrandsfleck, sowie mit 4 Saumflecken, wovon 
jene in Zelle 2, 3 und 4 je ein großes, schwarzes, weißge- 
kerntes .^uge einschließen. Die Useite der Hfl braun und 
grüngrau marmoriert, undeutlich gezeichnet, mit einer 
Reihe brauner, matt weißgekernter Augenflecke vor dem 
Saum. Das $ mit größeren hellen Flecken. 22 bis 25 mm. 
In Südwesteuropa, auch in Wallis, Piemonl und den See- 
alpen, in Übergängen (var. intermedia Tutt) mit bleicher 
rotgelben Flecken. Fliegt von März bis Oktober in 2 bis 3 
Generationen in schattigen Waldungen. 

var. egerides Stgr. Taf. 11 Fg. 10 c. Die eigenthche 
mitteleuropäische Form mit bleichgelben Flecken. Obere 
Höhengrenze bei 1300 m. April, Mai und Juli, .Vugust. 
— ab. pällida Tutt ist die Fleckenzeichnung noch 
bleicher, weißlich. — var. eg^stus Frühst.') kleiner, 
dunkler, ärmer an Flecken als deutsche Stücke, die 
Flecken aber wie bei letzteren mattgelb. Aus Dalma- 
tien. — Einen Übergang dazu bilden Stücke aus Süd- 
tirol (var. canioena Frühst.) (vgl. die davon kaum zu 
trennende v. intermedia). 

Das Ei mehr kugelig, weißlich, unregelmäßig (fünf- 
eckig) fazettiert. 

Die Raup e, Taf. 11 Fg. lOa, mattgrün, mit duidc- 
lerem, zuweilen heller eingefaßtem Rückenstreifen und 
weißlich gelber doppelter Seitenlinie, die einen dunkleren 
Streifen einschließt. Kopf grün. Lebt im Juni, Juli und 
September an Triticum, Poa, Brachypodium u. and. 

Die Puppe Fg. 10 b mit eckigem Kopfteil, sma- 
ragdgrün, oder auch .schwarz, meist an der Useite lo.se 

■) Int. Ent. Z. II p. 9. 



50 



3. Familie. Nymplialldae. 



aufliegender Steine angeheftet. Sie überwintert (Rößler, 
WTieeler). 

119. cliiuene Esp. (Kat. N. 388) Graubraun, die 
\ fi mit einem breiten, von der Mzelle ausgehenden rot- 
gelben I.ängswi.sch, welcher niei.sl die obere llalfte der 
Zelle Ib und die Zellen 2 und 3 umfaßt, aber nicht bis 
an den dunkel bleibenden Saum reicht, sondern vor 
demselben gerade abge.schnitlen endigt. Ein kleines, 
meist rotgelb geringtes Apikaiauge und beim größeren 
und lichteren § überdies auch die Spuren eines rot- 
gelben Mquerstreifens am \'rand. Die Hfl mit einer 
Reihe rotgelber (nicht immer ausgebildeter) Ante- 
marginalflecken, in welchen gegen die Basis zu in Zelle 2, 
3 und i ein kleiner schwarzer Augenfleck stellt. Die 
Useite der \fl rotgeli) mit kleinem .Vuge im grau be- 
stäubten Apikallell, jene der Hfl grau, mit weißlichem 
Fleck am Schluß der Mzelle (als Rest eines weißlichen 
MIangsstreifens) und einer ges<hwungenen I^eihe von 
7 kleinen, rotgelb geringten .Vugenflecken vor dem Saum, 
nach welchen beim $ oft noch eine helle Wässerung auf- 
tritt. 23 — 29 mm. Eine östliche .Vrt, die westlich nur 
bis in den Banat (Oi-sova) reiilit. Fliegt im Juni, .Juli 
in lichten Waldungen. 

Die Raupe mit 2 langen Spitzen am Scheitel, 
grün, mit gelblichen Läng-sstreifen. Lebt auf Gräsern. 

120. roxelälia Cr. (Kat. \. 389) Taf. 11 Fg. 7 ( (J ). 
.\hnlich der vorigen Art, größer, das (J mit bürstenartigen 
Duft.schuppenstreifen längs der stark gekrümmten 
Ader A und der Längsadern C und R. Die Mzelle ist 
lang behaart, der rotgelbe Längswisch der Vfl viel breiter 
und verwaschener, das verloschene .Vpikalauge ohne 
gelben Hof, dagegen ein schwarzbraimer N'randswisch 
bis in die Hälfte der Mzelle reichend. Die Hfl grau- 
braun nur mit den durchscheinenden .Vugenflecken der 
Useite. Die Useite der \'fl rolgelb. das .\pikalauge hier 
gelb geringt, davor und dahinter von einem verloschenen 
.\ugenfleck begleitet. Die Hfl hell bruunlichgrau, mit 
zerri-ssenen braunen Querlinien bis zur Mitte und einer 
Reihe von 7 gelbgeringlen, weißgekernten Augenflecken, 
wovon jene in Zelle 4 und 5 sehr klein und stark saum- 
wärts gerückt sind. Vor dem Saum eine dunkel eingefaßte 
geschwungene weiße Linie. Das $ größer und heller, mit 
weißgelben Vrandsflecken vor der Spitze. 30 — 33 nnn. 
Ebenfalls eine östliche bis nach Dalmatien, der Herzego- 
wina und dem Banat reichende .\rt. die in lichten 
Wäldern Ende Juni, Juli fliegt. 

Die ersten Stände sind unbekannt. 

1 21 . megera L. ( Kat. \. 390) .M a u c r f u c h s.Taf. 1 1 
Fg. 9 (^ ). Lebhaft rotgelb, die \fl mit dunklem Quer- 
strich vor der Hälfte der .Mzelle und 2 solchen Quer- 
streifen, wovon der äußere am Schluß der Mzelle beginnt 
und unregelmäßig geschwungen vor dem Innenwinkel 
endet. Ein großes, weißgekerntes .\pikalauge in Zelle 5, 
zuweilen noch ein sehr kleines Addilionalauge auswärts 
in Zelle 6. Die IHl mit der Fortsetzung der dunklen 
Querslreifen und mit 4 Randaugen, wovon die mittleren 
in Zelle 2 und 3 größer sind. Der Saum mit 2 dunklen 
Randlinien, welche beim ^ dunkel ausgefüllt sind. 
U.seite der Hfl braungrau marmoriert, mit 2 gezackten 
braunen Mquerslreifcn und einer Reihe von 7 doppelt 



gelbgeringten kleinen .\ugennecken. Das o auf der 
Oseile der Vfl mit breitem, schwarzem, vor der Hälfte 
der Innenrandes ausgehendem und unterhalb des Vrandes 
gebrochenem und viel schmäler werdendem Duft- 
schuppenstreifen. 2.3 — 2.5 mm. Fast überall in Europa 
im Juni und wieder im .August, .September. Sitzt gerne 
an Mauern. 

ab. alb^rti .\ll)crt hat ein dem .Apikaiauge gleich 
großes .\uge auch in Zelle 3 der \fl. — ab. operta Scluillz 
oseits alle .\ugen ohne weiße Kerne. — ab. furiälis 
Schultz \'fl mit dem mittleren Augenfleck kleiner. Hfl 
mit verloschenen ,\ugen. .\us Schlesien. — ab. inedio- 
lügens Fuchs mit geschwärztem Mfeld der X'fro.seite. 
— var. lyssa B. mit hellaschgrauer Useite der Hfl. In 
Dalmatien, und in Übergängen (ab. iiiegaerina HS.) auch 
sonst in südlichen Teilen .Mitteleuropas. 

Das E i' ) oval, oben gestutzt, mit ca. 35 Längsrippen 
und feinen Querrippen, hellgrün. 

Die Raupe grün, mit dunklerem, hell gesäumtem 
Rückenstreifen und einem weißlichen, oseits gelb- 
gesäumten Seitenstreifen. Kopf bräunlich. Lebt auf 
Hordeum, Festuca u. and. Gra.sarten. im Juli und Sep- 
tember überwinternd.-) 

Die P u |i p (• grün oilrr schwiirzlidi. niil slunqifcni 
Rückenhöcker :uii Thi>r,i\. 

122. hiora F. (Kat. X. 391) Oseite braun, die 
rotgelbe Grundfarbe der vorigen Art nur in einer Flecken- 
binde vor dem Saum erhalten. Das Apikaiauge der \"fl 
sehr groß, häufig von 1 oder 2 punktförmigen .\dditional- 
augen begleitet. Die Hfl mit deutlicher dunkler Quer- 
linie in der Mille und einer Reihe von 5 .Vugenflecken, 
wovon die mittleren viel größer sind. Der Duftschuppen- 
streifen des 1^ schwächer als bei der vorigen Art. Die 
U.seite dunkelgraubraun, die Vfl nur nach außen rotgelb 
mit auf .\der M3 gebrochenem äußerem Querstreifen. Die 
Hfl dunkel bräunlichgrau, sonst wie bei der vorigen .\rt. 
Das $ lichter, mit breiterer rotgelber Außenbinde der 
Vfl. (Die Unterschiede gegen maera vgl. diese.) 23 bis 
25 mm. Im Schwarzwald und (Jen südlicheren Alpen- 
talern und Vorbergen, ferner in den Karpathen und 
Balkanländern im Mai und wieder im August an Felsen. 

ab. hieroides Schultz mit kleinerem Augenfleck der 
\ü. — ab. selii'iltzi Schmidt (trinoculäta VVheeler) mit 
einem deutlichen großen Augenfleck auch in Zelle 3 der 
Vfl. Die nordische var. onilnAtu Krul. (finmärchica 
Neuburg) ist beträchtlich dunkler, schwärzlich, die rot- 
gelbe Färbung auf den Vfl auf den Hof des .-Vpikalauges 
beschränkt. Übergänge in den Alpen. — var. calidia 
Frühst.^) größer, schärfer gezeichnet, mit hellocker- 
gelbem Hof des .Vpikalauges. Bei Genf und in Savoyen. 

Die Raupe grün, mit feinem, dunklerem, nur nach 
hinten deutlicherem Rückenstreifen. Lebt an Festuca. 

1 23. ina^ra L. ( Kat. \. 392) B r a u n a u g e, Taf. 1 1 
Fg. 8b ( (J ), c ( $ ). Der vorigen Art sehr ähnlich, größer, 
spitzflügeliger, der Duftstreifen des deutlicher, mehr 
samtartig, die Hfl oseits ohne dunkle Mlinie, die \'fl 

») Gillm. Ins. Bors. XXIII p. 14. 

■•') Vgl. Breit. Soc. Ent. XIV p, 139. 

=) Ent. Wochenbl. (Ins. Bors.). 25. Jhrg. p. 95. 



3. Familie, Nymphalidae. 



51 



Vfl useits mit auf Ader Mj nicht gebrochenem äußerem 
Querstreifen. Die Useito der Hfl meist lichter grau. 
Auch hier ist beim ? die rotgelbe Außenbinde viel voll- 
ständiger und breiter. 18 — 27 mm. In Mitteleuropa 
(mit Aus.schluß Hollands und Englands) sehr verbreitet, 
besonders um Felsen, woran der Falter mit Vorliebe sitzt. 
Flugzeit Juni und August. Im Oberharz nur in einer 
Generation. 

ab. occaecäta Schultz Vfl mit einem kleinen un- 
gekernten Auge. Hfl augenlos. — ab. extliictu Schultz 
ohne .\ugenflecke. Aus Schlesien. — ab. obscüra Tutt 
mit stark eingeschränkter rotgelber Zeichnung. — ab. 
iiionot6nia Schilde. Die rotgelbe Färbung überall stark 
braun überschattet. — var. (ab.) adrästa Hb. Das (J 
mit breiterer, vollständigerer und lebhafter rotgelber 
Fleckenbinde, deren Färbung beim ? fast bis an 
die Basis der Vfl reicht. Lokal in Süddeutschland, so im 
Rheintal und bei Würzburg, nicht bloß als Sommer- 
generation; auch in Südosteuropa als herrschende 
Form. — ab. triops Fuchs (= biocellata Krodel) mit 
doppelt weißgekerntem Apikalange und einem dritten 
Augenfleck in Zelle 3 der Vfl, unter adrasta. — ab. niäja 
Fuchs ist wie adrasta, aber kleiner, bleicher, im Herbst im 
Rheintal. — var. inontäna Horm. Viel dunkler, na- 
mentlich auf der Useite der Hfl eintönig dunkel grau- 
braun. Aus den Gebirgen der Bukowina. 

Die Raupe, Taf. 11 Fg. 8a, hellgrün, mit dunklem, 
hellgesäumtem Rückenstreifen, weißhchen Subdorsalen 
und hellem, useits dunkel gesäumtem Seitenstreifen, 
Kopf bräunlichgrün. Auf Poa, Festuca, Hordeum u. and. 
im Juli und September überwinternd. 

Die P u p p e grün oder schwarz (welche Färbung 
sich nicht nach dem Geschlecht, sondern in Anpassung 
an die Umgebung richtet) mit Rückenkamm am Thorax 
und löffeiförmig ausgehöhltem Kremaster. Am Ab- 
tiomeri je eine .seitliche Reihe von 5 gelben Knöpfchen. 

124. achine Sc. (dejanira L.) (Kat. N. 395) Taf. 12 
Fg. 2a, b ( 5). Die Fhlr gegen die Spitze nur schwach 
verdickt, Schienensporn sehr kurz und fein. Braun, sehr 
ausgezeichnet durch eine Außenreihe von .5 großen, läng- 
lichen, gelbgeringten, blinden Augenflecken aller Fl, 
wovon jene in Zelle 2 und 3 viel größer sind. Auf der 
helleren Useite sind die Augenflecke weißgekernt und auf 
den Hfl um ein doppeltes Analauge vermehrt; vor 
ihnen zieht auf allen Fl ein weißer gebrochener Quer- 
streifen. Meist ein kurzer heller Querstrich in der Mzellc 
und eine dreifache dunkle Saumlinie. Das ? lichter, mit 
hellem Vrandsstück der \'fl nach der Mitte. 27 bis 
28 mm. In Mitteleuropa (mit Ausschluß Hollands und 
Englands) in schattigen Auen im Juni, Juli. 

ab. ininüta Schultz \'fl u\\[ verkleinerten Augen- 
flecken. — ab. althae'a Rbl. (n. ab.) auf der Useite, na- 
mentlich der Hfl, mit breiter, bis an die Saumlinien 
reichender weißer Randbinde, in welcher die kleineren, 
auf den Vfl zum Teil fehlenden Augenflecke stehen. 

Die Raupe mattgrün mit dunkler Mlinie, weißen 
Seitenlinien und solchem Fußstreifen. Kopf weiß punk- 
tiert, Afterspitzen weißlich. Lebt vom August ab über- 
winternd an Poa annua. 



Die P u p p e dick, grün, mit 2 weißen Streifen auf 
den Fischeiden und 4 weißen Knöpfchen am Hleib. 

25. Gattung. Aphantopiis Wallgi-. 

Von der folgenden Galtung wesentlich nur durch 
die sehr kurzen stummeiförmigen Mjeino und den gegen 
den Afterwinkel kaum ausgeschnittenen Innenrand der 
Hfl verschieden. Die Prackostale der Hfl, am Ursprung 
der Ader R liegend, ist sehr kui'z. \ ■cr|Hi|)purig an <ler 
Erde. 

"i 

12.5. hyperantns L. (Kat. \. 'rOl) T;ir. 12 Fg. 7a, 

b ( J ). Schwärzlich braun, ohne Quoi-slrcifen, die \'fl 
in Zelle 3 und 5, die Hfl in Zelle 2 und 3 mit einem 
schwarzen, weißgekernten und gelbgeringten krei-srunden 
Augenfleck. Die Useite heller bräunlich, mit den Augen- 
flecken der Oseite, überdies die Vfl auch in Zelle 2, die 
Hfl in Zelle Ib und mehr basahvärts in Zelle 5 und G 
mit einem lebhafter gelbgeringten Augenfleck. Das $ 
größer und lichter. 21 bis 2e, mm. Überall in .Mittel- 
europa bis Dalmatien, im Juli, August. 

ab. minor Fuchs ist eine Zwergform mit oliven- 
brännlicher LIseite. 17 — 20 mm. — ab. pällens Schultz 
ist eine sehr bleiche Form. — ab. vidua Müll, ist 
oseits augenlos, auf der Useite der Vfl nur mit 2 
Augenflecken. — ab. octoculäta Goeze oseits augenlos, 
useits Vfl und Hfl mit 4 Augenflecken. — ab. lanceo- 
läta Shipp mit länglich ausgezogenen, oft .sehr großen 
Augenflecken. — ab. arite Müll, useits nur mit 
weißen, gelbgeringten Flecken. — ab. cae'ca Fuchs useits 
nur mit weißen Punkten. — ab. obsoleta Tutt useits 
ganz zeichnungslos. 

Die zwei vorletzten Aberrationen treten auch kom- 
biniert in einem Individuum auf. 

Das Ei') gedrungen, fast kugelig, mit ca. 40 un- 
deutlichen Längsrippen und netzförmiger Skulptur, ;ui- 
fangs gelblich, dann braun. Es fällt bei der Ablage; zur 
Erde. 

Die Raupe heller oder dunkler liräunlichgrau mit 
schwärzlicher Rückenlinie, undeutlichen hellen Seiten- 
streifen und weißen Fußstreifen. Der halbkugelige, 
scharf abgesetzte Kopf braun, der Körper kurz bräunlich 
beborstet. Lebt überwinternd an Milium, Poa u. and. 

Die Puppe sehr gedrungen, mit kurzem Hleib, 
hellbraun mit dunkelbraunen Längsstreifen. Verwand- 
lung zwischen Gespinst faden an der Erde. 

26. Gattung. p]piuei)liele Hb. 

Fhlr mit allmählich verdickter, lauger, scliwacher 
Kolbe, Augen nackt. Die Palpen unten borstig behaart. 
Vbeine mittollang, sehr dünn. Die Vfl mit ,'Vder Sc und 
C an der Basis stark aufgeblasen. Die Prackostale der 
Hfl knöpf förmig verkümmert. Der Innenrand der Hfl 
lang vor dem Afterwinkel au.sgeschnitten. 

Die Raupen spindelförmig, fein behaart, über- 
wintern. Die P u p ji e n glalt, hängen gestürzt. 



p. 14. 



Gillm. 111. Z. f. Ent. \ p. 348; Ins. Bors. XXIII 



52 



3. Familie. N\viii|ili;ili(l,i: 



12fi. jurtiiia L. (janira L.) (Kat. N. 402) Kuh- 
auge, Tat. 12 Fg. 4c ((J ), d, e( $). Oseite braun, beim ,5 
seitlich gesehen mit .starkem grünem Schiller, die Vfl mit 
schwarzem, weiß gekerntem und ockergelb geringtem 
Apikaiauge, welches beim größeren und lichteren $ in 
einer ockerbraunen Fleckenbinde steht. Beim (J zieht 
ein schwärzlicher Durtschuppenstreifen aus der \'flbasis 
schräg unterhalb der Mzelle bis zur Flmitte. Useite der 
Vfl braungelb mit sehr dcutlicliem Apikaiauge, jene der 
Hfl trüb braunlich, beim o mit schwarzen, gelbgeringten 
Augenpunkten in Zelle 2 und 5, beim $, meist ohne 
Augenzeichnung, jedoch mit breiter heller, gelblicher 
Außenbinde. 22 — 28 mm. Überall in Europa gemein, 
Höhenverbreitung bis 1200 m, von Mitte Juni bis Ende 
Juli und in frischen Stücken oft wieder im .September, 
die eine unvollständige 2. Generation darsteilen. 

Die .Vrl variiert sehr stark, namentlich ^luch in Bezug 
auf die .\nzahl der Augenpunkte der IIfru.seite') und der 
Färbung und Ausdehnung der Flcckenbinde des $, 
welche von hellockergelb bis tief rotbraun aliändert und 
zuweilen bis an die Flwurzel reicht. Auch Albinismus 
(meist asymmetrisch ausgebildet) findet sich nidit selten. 

Die wichtigsten benannten Aberrationen sind: 

ab. (cJ) cryinänthca Esp. mit schwarzem Augenfleck 
auch in Zelle 2 der Vfl und auf der Useite dir illl mil 
einer Reihe von R Augenflecken. — ab. $ bioculätu Itlil. 
(n. ab.) mil doppelt weißgekernlem Apikalaugc der Vfl. — 
ab. $ cae'ca Rbl. (n. ab.) das Apikaiauge der Vfl un- 
gekernt, nur .schwarz. — • ab. (J) anöniiila N'erity (ob- 
litescens Schultz) das Apikaiauge der Vfl fehlt. — ab. 
$ pällciis Th. Mieg mit bleichgelbcr Außenbinde der Vfl. 
— ab. 9 hu^iioi Krul. Vfl'oscite einfarbig braun. — 
ab. $ iiigro-rübra Lambill. Grundfarbe schwarzbraun, 
die Fleckenbinde lebhaft rotbraun. — ■ ab. <J sufh'isa Tutt 
mit ganz verloschener rotgelber Außenbinde. — ab. uhryki 
Aign. eine sehr bleiche Form aus Ungarn. — • ab. $ 
grisca Tutt t'seite der Hfl mit grauer Außenbinde. — 
ab. 5 violäcea Wheeler Useite der Hfl mit violetter 
Außeidjinde. — ab. $ illüstris Jachontoff (illuminäta 
Krul.) hellbriiunlich grau mit metalli.schem Schiller, 
der ockergelbe Fleck der Vfl heller, die Hfl mit einem 
unklaren gelben Mfleck. — ab. ciiicräscens Fuchs 
mit ober- und useits staubgrauen Hfl (selten auch 
Vfl) gehört bereits zu den albinotischen Formen. — ab. 
scniMIba Bruand. die braune Grundfarbe (oft asym- 
metrisch) durch Weiß ersetzt. — ab. ? brigitta Ljung. 
fahl rötlich grau, die Vfl mit lebhaft rotgelber, aber 
eingeschränkter .Mbinde und hyalinem Apikaiauge. — 
var. (ab.) hispülla Hb. ist eine südliche größere Form, 
das <J mit verloschener rotgelber Außenbinde der Vfl, 
das $ mit sehr breiter, hell ockergelber Außenbinde, 
die sich auch auf die Hfl fortsetzt. Auch der Mraum 
der Vfl ockergelb aufgehellt. 26 — 29 mm. Übergänge 
dazu treten in südlichen Teilen Mitti'leuropas und in 
Dalmatien auf. 

Das E i abgestumpft kegelförmig, mit U'. L.ings- und 
12 Querrippen, fleischfarben. 

Die R a u p e, Taf. 12 Fg. 4a, mit undeutlichem 

') Vgl. Bachmetjew Soc. Ent. XII p. 57; AUg. 
Ztschr. f. Ent. VI II p. 253. 



dunklem Rückenstreifen und gelblichweißen Fußstreifen. 
Der Kopf bräunlich. Lebt überwinternd auf Poa und 
anderen Gräsern. Die Puppe, Fg. 4b, gelblichgrün, 
mit schwärzlichen Längsbändern gezeichnet. 

• 127. lycäonRott.(Kat. N. 405) Tat. 12 Fg. 3a (^ ), 
b ( $ ). Der vorigen Art ähnlich, kleiner, das Apikaiauge 
der Vfl oseits meist ungekernt, der Duftschuppen- 
streifen des (J an gleicher Stelle wie bei der vorigen Art. 
aber viel schmäler, nach unten scharf begrenzt. Das o 
größer und heller als das j, auch in Zelle 2 der Vfl mit 
einem Augenfleck, welcher wie das Apikaiauge in breiter, 
hellockergolber Umrandung steht. Bei manchem $ 
verbinden sich die ockergelben Ringe zu einer Außenbinde 
und es tritt auch ockergelbe Färbung gegen die FIbasis 
auf. Die Useite der Hfl augeidos, bräunlich gewässert 
mit verloschener hellerer Außenbinde. 20 — 22 mm. Im 
nordöstlichen Deutschlami häufig, zerstreuter in der süd- 
lichen Hälfte Mitteleuropas, dem \ordwesten Mittel- 
europas vollständig fehlend. Fliegt besonders auf 
sandigen Waldplätzen im Juni bis August. 

Der Falter aberriert viel geringer als die vorige Art. 

ab. o pavönia N'oolschow das (J audi mit einem 
Augen fleck in Zelle 2 der Vn. — ab. $ schlösseri \oel 
scliow ohne Auge in Zelle 2 der Vfl. — ab. 5 lüsca 
Schultz ohne Auge in Zelle 5 der Vfl. — ab. subülbiila 
Schultz mit weißlichen Flecken der Vfl. — v. liipinns 
Costa ist beträchtlich größer und heller, die ^'fl beim cJ 
im Vrandsteil lichter und länger behaart, die U.seite 
der Hfl aschgrau. Aus Dalmatien. 

Das Ei länglich, blaßrosa, mit 19 Längsrippen, 
dazwischen mit netzförmiger feiner Skulptur. 

Die Raupe grün, mit weißlichen feinen Subdorsalen 
und gelblichem, oseits rötlich begrenztem Seiten- 
streifen. Afterspitzen gelb mit roten Spitzen. Kopf 
grün mit 2 rötlichen Längsstreifen. Lebt an Poa und 
anderen Gräsern. 

Die Puppe kurz gedrungen, braunrot mit weißen 
Längslinien, oder grün mit gelb eingefaßten Fischeiden 

128. tithöllHS L. (KaL N. 422) Taf. 12 Fg. 6a, b ( ,^ ) 
Rotgelb, mil breitem braunem Saum aller Fl, die Vfl mit 
einem doppelt weißgekernten Apikaiauge und beim ,^ 
mil einem von der Milto dos Innenrandes aufsteigenden 
und verschmälert bis knapp unter den Vrand 
reichenden schwarzbraunen Duftschuppenstreifen. Der 
Basalteil der Hfl'oseite beim o zuweilen verdunkelt. 
Die Useite der Hfl an der Basis bräunlichgrau, nach 
außen hell und dunkel gewässert mil w-eißen Punkten in 
Zelle 2, 5 und 6. Beim J sind die Punkte meist .schwarz 
umzogen und jener in Zelle 6 fehlt häufig. 19 — 21 mm. 
In Mitteleuropa lokal verbreitet, in lichten Wäldern 
linde Juli, August. Fehlt in den Ostseeprovinzen, 
Nieder- tind Oberösterreich, Kärnten. 

ab. cxcissa Tutt hat oseits ein oder zwei Adib- 
lionalpunkte in Zelle 2 und 3 der Vfl und auf den II ü 1 
bis 4 solche. — ab. cae'ca Tutt zeigt das Apikaiauge sehr 
klein, ungekernt. — ab. mliieki Seeb. zeigt eine aus- 
gesprochen gelbliche Grundfarbe. — ab. subälbida Verity 
mit gelblichweißcr Grundfarbe. — ab lilbida Rüssel hat 
eine rein weiße Grundfarbe. — ali. ohscürior Schultz 



3. Familie. Nyniphalidae. 



53 



Basalfeld der \fl stark verdüstert. Hfl mit eingeschränkter 
rotgelber Binde. Riviera. 

Das E i stimipf kegelförmig mit Ifi — IS Langsrippen 
und Querstrichen, gelb, spater braun. 

Die Raupe grün oder bräunlich mit dunkler 
Rückenlinie, hellen Seitenstreifen und gelblichem Fuß- 
streifen. Kopf bräunlich, mit 6 dunklen Längslinien. 
Lebt überwinternd an Poa. Milium u. and. Gräsern. 

Die Puppe kurz, eckig, grüngrau, mit schwarzer 
Fleckenzeichnung. 

129. ida E.sp. (Kat. \. 423) Taf. 12 Fg. 5 ( o' ) Der 
vorigen Art sehr ähnlicli, der Duftschuppenstreifen des 
Q kürzer und breiter durch die Adern gelb durch- 
schnitten, .so daß ein Teil des Streifens in der Mzelle liegt. 
Die Useite der Hfl nach außen weiß gewäs.sert, ohne weiße 
Punkte. 18 — 23 mm. In Südeuropa bis in die südhche 
Schweiz (Locarno), Südtirol, südl. Krain reichend, ferner 
in Istrien und Dalmatien, im Juh, August. 

ab. subälba Verity hat eine gelblichweiße Grundfarl)c. 
— ab. albomarginäta Fallou zeigt die Flränder weißlich 
statt braun. 

Die Raupe weißgrau, mit dunkler Rückenlinie 
und je zwei weißen Seitenlinien und Fußstreifen. Kopf 
grau. Lebt überwinternd an Aira caespitosa u. and. 
Gräsern. Die Puppe bräunlich, mit gelbgrauen Fi- 
scheiden, und schwarzen Rückenpunkten. 

|)asi])li.ii> Bsp. (Kat. N. 424) den beiden vorigen 
Arten ähnlich , jedoch die Vfl beim ^ bis nach der 
Hälfte gerade abgeschnitten dunkelbraun, auch der 
Basalteil der Hfl verdunkelt. Im rotgelben Saumfelde 
derselben stehen oseits stets 3 schwarze weißgekernte 
Augenpunkte. Useito der Hfl dunkel bräunlich mit 
scharf begrenztem weißhchgelbem Mstreifen , der in 
Zelle 4 saumwärts vortritt, und mit 5 weißgekernten, 
gelbgeringten Augenflecken. Das $ größer und heller. 
21 — 23 mm. Im südl. Frankreich bis in die Seealpen 
im Juli. 

ab. flava \\'Tieeler mit hellgelblicher Grundfarbe. 

Die Raupe gedrungen, röthch, grau gewässert mit 
dunkler Rückenlinie und gelblichen Fußstreifen. Kopf 
bräunlich. An Gräsern. Die Puppe bräunlich, mitdunkel- 
gestreiften FLscheiden und hellen Segmenteinschnitten. 



27. Gattung. Coenonympha 111). 

Fhlr kurz, dünn mit langer, schmaler Kolbe. .\ugen 
nackt. Die Palpen unten lang, borstig behaart. Die 
verkümmerten Vbeine besonders beim (J lang behaart. 
Die Mschiene so lang wie der Fuß. Vfl mit aufge- 
blasenen Adern Sc, C und A. Die Ader R., entspringt 
frei aus der Mzelle. Die Praekostale der Hfl verkümmert. 
Kleine bis mittelgroße Falter, w-elche stark zur Bildung 
von Lokalformen neigen imd daher von großem faunis- 
tischem Interesse sind. Charakteristisch bei vielen Arten 
ist eine Bleihnie vor dem Saum auf der Useite der Hfl. 

Die Eier mehr länglich, mit abgeplatteten Enden 
und Längsrippen. 

Die Raupen spindelförmig, schlank, zuweilen fein 
benaart mit kleinem kugeligem Kopf. Sie überwintern 
auch bei den Arten, welche zwei Generationen 'bilden. 

Die Puppen geilrungen kolbig, gestürzt hängend. 



130. oe'dippusF. (Kat. N. 425) Taf. 16 Fg. 16 ,S ■ 
Oseite beim o meist zeichnungslos dunkel olivbraun, 
beim ? oft mit gelbgeringten Angenflecken in Zelle 2 und 
3 der Hfl, zuweilen auch (viel kleiner) auf den Vfl. Die 
Useite olivbraun, mit breit gelbgeringten Augenflecken, 
deren .\nzahl .sehr variiert. Gewöhnlich beim (J auf den 
\ fl keiner, auf den Hfl 4 in gerader Reihe und ein 5. (in 
Zelle 6) weit basahvärts. Daselbst auch eine lebhaft 
glänzende Bleiliniü vor dem Saum, die .sich bei dem 
größeren und augenreicheren $ auch auf die Vfl fortsetzt. 
Die gerade Reihe der 4 Augenflecke ist basalwärts von 
einem gelblichweißen, beim ? meist in dreieckige Flecken 
aufgelösten Streifen begleitet. 17 — 21 mm. 

Eine östliche Art, die im südlichen Mitteleuropa 
.sehr lokal nur auf Sumpfwiesen auftretend bis Piemonl 
reicht. Südliche Schweiz, Landshut in Bayern, Nieder- 
österreich. Ungarn, im Juni. 

ab. miris Rühl mit größeren Augen, besonders auf 
der Vfl'useite. — ab. hungärica Aign. useits Vfl ohne 
Augenflecke, auch der in Zelle 6 der Hfl sehr reduziert. — 

Die Raupe nackt, hellgrün, mit verloschenem 
dunklem Rücken- und gelblichem Seitenstreifen, Kopf 
grün. Die rosa Afterspitzen lang. Lebt bis Ende Mai 
auf Poa und Carex-Arten und nagt auch an den Blättern 
von Iris pseudacorus. 

Puppe grün, mit 2 bräunlichen Kopfspitzen und 
weißlich eingefaßten Fischeiden. 

131. hero L. (Kat. N. 426) Taf. 12 Fg. 8a, b ( o^ ). 
Oseite des cJ dunkelbraun, jene des 2 heller, auf den 
Hfl mit 2 bis 4 rostrot umzogenen, blinden Randaugen, 
beim $ oft noch rostrote Punkte in Zelle 2 und 5 der Vfl. 
Useite ohvbraun, alle Fl mit einer Bleilinie und dar- 
nach ein rostroter Streifen vor dem Saum. Die Vfl auch 
beim J mit einem kleinen Apikaiauge, beim ? mit 
einem größeren Augenfleck auch in Zelle 2, die Hfl mit 
einer Randreihe von 6 lebhaft weißgekernten und breit 
rostrot umzogenen Augenflecken, die basalwärts von 
einem schmalen weißen Streifen begrenzt werden. 17 bis 
18 mm. In Mitteleuropa (mit Ausschluß Englands) sehr 
lokal und vielen Ländern ganz fehlend, meist auf hoch- 
gelegenen Waldwiesen von Anfang Juni ab. 

ab. stölida Schilde kleiner, dunkler, u.seiLs die 
\"fl mit deutlich weißer Querbinde, (var. in Schweden, 
wahrscheinlich als Aberration auch in Mitteleuropa.) — 
ab. arcteoldes Fologn. Useits fehlt die Bleilinie, statt 
der .Augenpunkte sind nur weiße Punkte vorhanden. 

Das E i') tonnenförmig, an den Enden abgeplattet, 
mit undeutlichen Längsrippen und Querstreifen, blau- 
grün. 

Die (unbeschriebene) Raupe soll auf Elymus euro- 
pacus leben. 

132. iphis Schiff. ( Kat. \. 427) Taf. 12 Fg. 9a, b ( J ) 
Sehr variabel. Oseits die Vfl beim o ockerbraun, 
beim ? viel lichter ockergelb, die Hfl schwärzlichbraun, 
mit einer, besonders beim 9 deutlichen, rostroten Saum- 
linie und beim $ mit 2 bis 4 rostrot umzogenen kleinen 
Randaugen. Die Fransen einfarbig weißgrau. Useite 



') Gillm. Ins. Bors. XXIII p. 114. 



54 



3. Familie. Nymplialidae. 



der Vfl wie oseils, beim $ meist mit einem kleinen 
Apikaiauge, jene der Hfl grüngrau mit einer Bleilinie 
und darnach eine rostrote Linie vor dem Saum und einer 
Reihe von 2 bis 6, beim $ stets deutlicheren, weiß- 
gekernten und hellgelb umzogenen Randaugen, wovon 
jenes in Zelle 5 am kleinsten ist und am häufigsten fehlt. 
Nach innen liegen in Zelle Ib und 2 bis 5 weiße, in ihrer 
Ausdehiunig sehr veränderliche, fleckarlige Wi.sche, die 
sich selten zu einem Queretreifen vereinen (Taf. 12 Fg. 9b). 
16 — 18 mm. In Mitteleuropa (mit Ausschluß Belgiens, 
Hollands und Englands) auf Bergwiesen im Juni, Juli. 

ab. aniixügoras Assmus Useite der Hfl mit 5 sehr 
kleinen Augenflecken und ohne Bleilinie. — ab. siib- 
alpinuRcutti Hfl unten ganz grünlichgrau, haariger, nur 
in Zelle i eine Spur der weißen Flecken, die gelben Ringe 
der .-Viigon sehr fein, Bleilinie verloschen. — ab. car- 
pätbiea Honn. Useite der Hfl mit sehr rudimentären 
oder ganz fehlenden Augenpunkten. Die Saumlinicn ver- 
loschen, lliuifiger in den üsllichenKarpathen. — var. (ab.) 
exoniiniitiea Rbl. (n. v.) die Oseite beim S tiefbraun, 
die Augen der Hfl'useile in beiden Geschlechtern auf- 
fallend groß und hervortretend, der weiße Fleck daselbst 
in Zelle 5 oft nur splitlorförmig, die Bleilinie deutlich. 
Am Nanos (Krain) und Monte Maggiore (Islrien). 

Das E i kugelig, blaßrolgelb, mit nelzförmigor 
Skulptur.') 

Die Raupe lang und dünn behaart, mattgrün mit 
dunkler Rückenlinie und einer weißen feinen Seitenlinie. 
Aflerspitzen rötlich, Kopf dunkelgrün. Ijebt bi.s Mai 
auf Melica, Brachypodium u. and. Gräsern. 

Puppe grün mit dunkelgesiuinilen Fjscliciden und 
Seitenreihen weißlicher Punkte. 

133. leäiuler Esp. (Kat. X. 428) Oseite ockergelb, 
beim ^ mehr oder weniger braun verdüstert, die Vfl 
immer mit breitem braunem Rand, beim ? meist 
mit 1 oder 2 kleinen Ai)ikalaugen, die Hfl in beiden 
Geschlechtern bis auf eine ockergetlj bleibende Rand- 
binde, an deren innerem Rand meist 4 blinde Augenflecke 
stellen, braun verdüstert. Die Useite der \'fl ockergelb, 
auch beim ^J mit einem kleinen Apikaiauge und eine 
dünne Bleilinie, wonach ein gelber Randstreifen liegt. 
Die Hfl ockergelb, gegen die Basis grüngrau verdüstert, 
mit fi lebhaft weiß gekernten und gelbgeringten Augen- 
flcckcn, welche nach außen von einem rostroten Streifen 
begleitet werden, nach dem erst die hier breitere Bleilinio 
und die hellockergelbe Randlinie folgen. IS 20 mm. 
Eine östliche Art, die auch im üanat vurkorrinil. Fliegt 
auf Bergwie.scn im Juni. 

ab. obscüra Rühl zeigt die Oseite sehr stark ver- 
duid<(!lt, so daß beim (^ nur der Vrand der \'fl und der 
Analwinkel der Hfl ockergelb bleiben, 

.Die ersten Stände sind unbekannt. 

i:!'i. arci'iiiia L. (Kai. N. 433) Taf. 12 Fg, 10c (J). 
Vfl ockergelb mit breitem schwarzbraunem Saum, Hfl 
schwarzgrau , zuweilen mit rostrot eingefaßten blinden 
Augenflecken in Zelle 2 und 3. Useite der Vfl ockergelb, 
stets mit kleinem weißgekerntem Apikalango und einer 

') ('. 1 lim. III. Z. r. Kill. V p. 351. 



besonders beim $ deutlicheren, Bleilinie vor dem Saum. 
Die Hfl'useite ockerbraun mit breiter buchtiger weißer 
Mbinde, welche an der Ui-sprungstelle der Ader Cj 
und Mj einen zahnartigen Einsprung basalwärts zeigt, 
und einer Reihe von 5 — 6 weißgekernten, rostgelb ge- 
ringten Augenflecken, von welchen der kostale (in Zelle 6) 
weit basalwärts gerückt erscheint. Die Augenflecke in 
Zelle Ib, 4 und 5 bleiben kleiner. Darnach eine Bleilinie 
und ein rostgolber Randstreifen. Das ? meist größer. 
17 — 21 mm. In Mitteleuropa (mit Ausschluß Englands) 
fast überall auf grasigen V\"aldstellen im Juni mit einer 
oberen Höhengrenze bei 900 m. 

Die Art aberriert stark nicht bloß in Bezug auf die 
Augenzeichnung der Useite, sondern bildet auch eine 
Anzahl sehr differenter Höhen- und Lokalformen: 

ab. obscüra Favre mit fast ganz verdunkelten Vfl. — 
ab. obsol6ta Tntt mit mangelndem Apikaiauge der 
^'fl'useite. — ab. bad6nsis Rühl die .Vugenflecke in 
Zelle 2 bis 4 der Ilfruseite sind gleich groß, während das 
Auge in Zelle 5 verschwindend klein ist. Die .\ugen sind 
allenthalben von Weiß umgeben. — ab. ( $ ) schiniac Rbl. 
(n. ab.) mit ganz verdunkelter weißer Binde der Hfl'useite. 
— var. insübrica F'rey größer, lebhafter gefärbt, XÜ 
mit breiterem Saum, meist mit 2 — 3 Augenflecken auf 
der Hfl 'oseite. Die weiße Mbinde der Hfl schmäler, 
das Kostalauge wie bei der Stammform gestellt, d. h. 
noch im dunklen Basalteil liegend. Aus südlichen Alpen- 
tälern der Schweiz , Kärntens und Oberösterreichs. — 
var. (larwlniänii Stgr. oseits wie die Stammart ge- 
fiirbt, kleiner, Useite der Hfl mit sehr schmaler weißer 
Qu(!rbinde, welche keinen zahnartigen Einsprung basal- 
wärts zeigt, aber das Kostalauge einschließt. In sub- 
alpinen Lagen der südlichen Schweiz (Laquinlal etc.), 
Piemonts, und Frankreichs anfangs Juli. — var. epiphilea 
Rbl. (n. nom.') = phllea Frr.) durchschnittlich nuoh 
kleiner als var. darwiniäna, oseits die Vfl beim q 
meist mehr grau verdüstert, Useite meist ohne Apikal- 
auge, Useite der Hfl mit breilerer, gleichmäßig gezähnter, 
weißer Binde, in welche das Kostalauge aufgenommen 
ist. In höheren Alpentälern (von ca. 1500 m ab) der 
Schweiz, Tirols und Kärntens im Juli. — var. orientälis 
Rbl.') (n. var.) ist eine der epiphilea sehr nahestehende 
Form mit ockerbraunen Vfl des J, die Useite der Vfl 
mit stets doppeltem Apikaiauge und deutlicher breiter 
Bleilinie vor dem Saum. Die Hfl mit breiterer weißer 
Binde als bei epiphilea. Aus Ostbosnien im Juli. 

var. nuicriiphllnilmiea Galv. ebenfalls der epiphilea 
.sehr nahe, inil Ijreiter, stark gezähnelter weißer Quer- 
binde der HITuseite. worin mächtig vergrößerte .'Vugen- 
fleckc stehen. Aus den Karawanken erst in Höhen über 
1700 m. — var. satyn'on lOsp. Taf. Ifi Fg. 22 ( (J ) die 
kleinste, düsterste, hochalpine Form, o.seits in beiden Ge- 
schlechtern mehr grau gefärbt, die HITuseite mit gleich- 
breiter, weißer Binde, worin 6 fast gleich große, kleine 
Augcnfleckchen stehen. Die Bleilinie ist sehr breit. Die 
Vfl'useite meist ohne Apikaiauge. 15 — 16 mm. In den 
Ilochalpen verbreitet, jedoch nicht unter 2000 m herab- 



vgl. 



') Wegen der Notwendigkeil der Namensänderung 

Ann. Naturhisl. Hofm. .\1.\ ]^. 174 not. 1. 

') Rbl. Ann. Xaturli. H o fni. .\ I .\ p. 174 T. 5 Fg. 9. 



3. Familie. Xymphalldae. 



55 



reicliend. — ab. iinicolor Wheeler. Satyrion mit ein- 
farbig dunkelbrauner Oseite mit grünlichem Stich. — 
ab. cae'ca Wheeler. Die Angenflecke der Iin'u.seitc 
vollständig fehlend. 

Die Raupe, Taf. 12 Fg. 10a, grün, nackt, mit 
dunklerem Rücken.streifen und gelblicher Seitenlinie und 
solchem Fußstreifen. Kopf dunkler, am Scheitel schwach 
eingeschnitten. Mundteile und Afterspitzen rötlich. 
Lebt überwinternd auf Melica-Arten. 

Die Puppe, Fg. lOb, kurz, stumpf, grünlich, 
mit braunen Längsstreifen. 

(lörus Esp. (Kat. N. 436) Ockergelb, am Saum 
schmal schwärzlich verdunkelt mit heller Saumlinie, die 
Vfl beim S graubraun verdüstert, in beiden Geschlech- 
tern mit großem blindem Apikaiauge, die Hfl mit 3 bis 4 
Randaugen, wovon jenes in Zelle 3 auffallend stark 
basalwärts steht. Useite der Vfl blaß ockergelb mit 
dunkler Querlinie nach der Mitte und breiter Bleilinie 
vor dem Saum, die sich auch auf die Hfl fortsetzt. 
Letztere nach der Mitte mit weißgelber Querbinde und 
einer ausnehmend stark gebrochenen Reihe von 6 weiß- 
gekernten Augenfl. I k,ii. \vovon jene in Zelle 4 und 5 
sehr weit nach unli.n L:.iii,kt sind. 16 — 18 mm. In 
Italien, Riviera, SmUiMiikn'irh bis in die französischen 
Alpen verbreitet, im Juni. 

Die (unbeschriebene) Rau pe soll an Agrostis leben. 

135. pämphilus L. (Kat. N. 440) kleiner Heu- 
falter, Taf. 12 Fg. 11c ((^). Oseits ockergelb, mit 
schmalen, verwaschenen, dunkelbräunlichen Säumen und 
einem blinden Apikaiauge der Vfl. Useits das Apikaiauge 
der Vfl weißgekernt und gelbgeringt, die Hfl an der 
Wurzel dunkel grünlichgrau, nach der Mitte, namentlich 
gegen den Vrand, mit den Spuren einer lichteren 
Binde. Im Saumfeld dunkle, sehr verloschene Augen- 
fleckchen, oder weiße Pünktchen statt derselben. Eine 
Bleilinie fehlt. 14 — 16 mm. Überall in Europa, im 
Süden von Ende März ab, nach der geographischen Lage 
in 2 bis 3 Generationen. 

ab. bipüllita Cosmovici (= biocelläta Strand) das 
Apikaiauge sehr groß, mit einem kleinen Additionalauge 
und (besonders useits) doppelt weiß gekernt. — ab. 
niiütipüncta Schultz. Useite der Vfl in Zelle 2 mit einem 
kleinen Auge, die Hfl oseits mit 2 Augenpunkten. — 
ab. obsoleta Tutt (caeca Strand) mit fehlendem Apikal- 
auge der Vfl. — ab. päUida Tutt (ebürnea Habich; 
älbula Strand) mit gelbhchweißer (statt ockergelber) 
Flfärbung. — ab. iinicolor Tutt mit zeichnungsloser, 
einfarbig rötlich brauner Hfl'u.seite. — ab. ocelläta Tutt 
mit einer Reihe deutlicher Augenflecke auf der Useite 
der Hfl. — var. (ab.) marginäta Rühl größer, tiefer 
und lebhafter gefärbt, mit breiterem, nach innen schärfer 
begrenztem schwärzlichem Saum aller FI. Useite der Hfl 
oft mit deutlicherer lichter Querbinde. In der südlichen 
Schweiz,' Istrien, Herzegowina und Dalniatien, zum Teil 
als Lokalform. — ab. seinilyllus Krnl. größer, heller. Hfl 
useits mit deutliehen weißen Saumpimkten. — var. lyllus 
Esp. bildet die 2. Generation in Südeuropa, viel bleicher 
gelblich, namentlich auch auf der viel deutlicher gezeich- 
neten Useite, wo die Vfl eine dunkle Querlinie nach der 
Mitte und die Hfl einen scliarf abgegrenzten Basalteil 
zeigen. In Südeuropa bis Dalmatien. — ab. thyrsides 
Stgr., eine lyllus-Form mit 3 scharfen schwarzen Rand- 
punkten auf der Oseite der Hfl. 



Das E i an den Enden abgeflacht, gelbbraun, mit ca. 
fünfzig feinen Längsrippen und netzförmigerQuerskuIptur. 
Die Raupe, Taf. 12 Fg. IIa, nackt, grün, mit doppelter, 
weißer Rückenline und gelblichem Fußstreifen. Kopf 
grün. Lebt an Kammgras (Cynosurus) und Poa-Arten. 

Die Puppe, Fg. IIb, kurz, gedrungen, grün, mit 
schwärzlicher Strichzeichnung. 

136. tiphoil Rott. (Kat. N. 443) großer II e n- 
f al ter, Taf. 12 Fg. 12a, b ( ? ) Das o^ ockerbraun, das ¥ 
heller ockergelblich, oseits ohne dunklen Randsaum, auf 
den Vfl mei.st mit 2 (beim $ deutlicheren), ungekernlen, 
ockergelb geringten Augenflecken in Zelle 2 uml 5. die 
Hfl mit einer an Größe und Anzahl sehr wechselnden Reihe 
solcher Augenflecken. Die Useite gegen die Flränder. 
welche keine Bleihnie führen, grau bestäubt, die Rand- 
augen weißgekernt und hellgelb geringt, auf den Vfl (wie 
oben) stets zwei, auf den Hfl 4 bis 6, wovon jenes in Zelle 2 
fast stets das größte ist. Vor den Randaugen liegen 
schmutzig weißliche, oft nur fleckenartige Bindenreste, 
die in Zelle 4 am breitesten sind. Das lichtere $ größer, 
mit gestreckteren Fl. 21 — 22 mm. In Mitteleuropa ver- 
Itreitet auf nassen sumpfigen Wiesen von Mitte .huii ab, 
in nur einer Generation. 

Die Art variiert außerordentlich in Bezug auf die 
Augenflecke und Zeichnung der LTseite. — var. (ab.) 
philoxönus Esp. ist ober- und useits beträchtlich 
dunkler, auf der LTseite mit vollständigeren weißen Quer- 
binden, auch auf den Vfl. und zahlreicheren größeren 
Augenflecken. Bei Hamburg, in Holstein und im süd- 
lichen England. 

var. scötica Stgr. (laidion aut.) oseits mit grau 
geränderten Flügeln, LIseite der Hfl an der Basis grau- 
grün mit ganz verloschenen Augenflecken. In Schott- 
land und Irland, 

var. (ab.) isis Thnbrg. Kleiner, kurzfliigeliger, 
dunkler, useits die \'i\ noch mit Resten der weiß- 
lichen Querbinde, die Augenflecke namentlich der II fl 
viel kleiner, zum Teil verloschen oder fehlend. Die 
Grundfarbe der Hfl schmutzig braungrau. Auf den 
Alpen und Karpathen lokal, sonst im Norden. — var. 
occiipäta Rbl. ebenfalls kleiner, kurzflügeliger, nicht 
dunkler als die Stammform, oseits stets vollständig 
zeich nungslo.s, meistens auch useits ganz ohne Augen- 
flecke und Querbinde, selten tritt ein kleines Apikaiauge 
der Vfl, oder 1 oder 2 Punkte auf den Hfl auf. Letztere 
zeigen stets nur gegen den Vrand (in Zelle 5) den 
fleckartigen Rest der weißen Querbinde. 16 — 19 mm. 
Auf den Hochgebirgen der Okkupationsländer im Juli. 

Das Ei') groß, eiförmig, mit ca. 30 Längsrippen, 
fein genetzt, hellgelb, bräunlich gefleckt. 

Die Raupe nackt, hellgrün, mit sehr kleinen, gelb- 
lichen Punktwärzchen besetzt, die Rückenlinie fein, 
dunkelgrün, schmal hellgesäumt, mit gelben Seiten- und 
Fußstreifen, wovon der obere schmäler ist. Kopf ge- 
rundet, hellgrün, die Aflerspitzen kurz, an der Spitze 
rosa. Lebt auf Carex, Festuca, Eriophorum und Sesleria- 
Arten. Die Puppe gedrungen, grün, mit braunen 
Längsstreifen auf den Fischeiden. 



1) Vgl. Gillmer 111. Z. f. Ent. V p. 384; Int. Ent. 
Z. II p. 53 (junge Raupe). 



3. Familie. Nymphalidae. 4. Familie. Libylheidae. 5. Familie. Erycinidae. 



Gattung Trii)liysa Z. 

\'on Coenonympha dadurch verschieden, daß die 
sehr kurzen Flilr eine scharf abgesetzte, breitgedrückte, 
eiförmige Kolbe besitzen, \T)einc sehr kurz, mit ver- 
dickton kurzen Schenkeln, Tarsus des J sehr kurz, beim 
$ fünfgliedrig, doppelt so lang als die Schiene. Auf 
den Vri ist Ader H^ gestielt auf R3-5. Die Praekostale 
der Hfl vorhanden, "aber kurz, nach vorne gerichtet. 

Die ersten Stünde sind unbeschrieben. 

phryiie Fall. (Kat. N. 448) Taf. 12 Fg. 13a (^), 
1) ($). Die Geschlechter oseits sehr verschieden, 
das o einfarbig dunkelbraun, das 9 grünlich weiß mit 
durchscheinf'iuler .Augenzeichnung der üseite. Diese in 
beiden Geschlechtern bräunlichgrau bis dunkelbraun ( a ) 
mit weiß angdeglpii, scharf hervortretenden Adern und 
auf jedem Flügel eine Reihe von 5 schwarzen, silberweiß 
gekernten .\ugenflecken, welche auf den Vfl etwas 
größer sind. 18 — 19 mm. .\uf Steppen und Flußniede- 
rungen des südöstlichen Rußland im Mai. 



4. Familit'. Llbytheidae. 

Fhlr kurz, meist flach keulenförmig. Augen nackt. 
Palpen ausnehmend lang (fast so lang wie der Thorax), 
schnabelartig wagrecht vorgestreckt, dicht pelzig behaart. 
Die Vbeine beim o schlank und kurz, an Schiene und 
eingliedrigem, klauenlosem Tarsus bürstenartig behaart, 
beim $ nur '/j kürzer als M- und Hbeine, mit fünfglied- 
rigeni Tarsus. Ilschiene ohne Msporn. Vfl mit ge- 
ecktem Saum, welcher auf .Vder 
i"g. 14. Mj vortritt. Ader A der Vfl ist 

an der Basis gegabelt (resp. A3 
koalosziert mit A.^). Ader R der 
Vfl fünfastig, Rj und Rj frei 
entspringend, R3 l)is Rj gestielt, 
R4 geht noch vor der Spitze 
in den Vrand. Ader M, hat 
eine Mittelstellung. Hfl mit aus- 
genagtem Saum und ausgeschnit- 
tenem Vrand, in ihrem un- 
teren Teil nicht vollständig 
geschlossener Mzelle, Ader Mg 
näher an Mj als an M3. Prae- 
lJb.vtli(>a (•('■itis. kostale kurz, nach auswärts ge- 

richtet. Mgroße Falter, welche 
beim Sit/.i-n dir lil'l vor die zusammengeklappten Vfl 
vorschieben. 

Das Hi im .Scluiilte ellipti.sch, mit scharfen, vor 
der Spitze aufhörenden Lüngsrii>pen. 

Die Raupe n, Pieriden-ähnlich, zylindrisch, schlank, 
kurz und schwach behaart, mit kleinom. vorne abge- 
flachtem Kopf. 

Die Puppen gedrungen, zuweilen mit geteilter 
Kopfspitze, hängen frei, kopfabwärts (Stürzpuppen). 

Diese artenarme, sehr alte und durch die Palpenform 
sehr ausgezeichnete Familie hat eine fast universelle 
\'crbreitung und weist im Geäder, Bau des Thorax und 
Anheftungsweise der Puppe die nächsten Beziehungen 
zu den Nymi)haliden auf, wovon sie sich jedoch durch 
die kaum verkümmerten weiblichen \'beine sofort trennt. 
Von den I'^ryciniden , abgesehen von der Palpenforni, 
(lunli die Flgestalt und ersten Stände sehr verechieden. 



28. Gattuiu 



Libythea F. 




Die Fhlr von der Basis bis zur Spitze ganz allniälilich 
verdickt, ohne deutlich abgesetzte Ivolbe. .\uf den \'fl 
entspringen .\der Rj und R, nahe bei einander. N'fl mit 
scharfgeecktem Saum an Ader M.^. 

Die Puppe mit gerade abgeschnittenem Kiipft(>il 
und Rückenkiel auf den Thorakalsegmenten. 

In der paläarktischen Region nur eine, auf Cellis 
monophage .\rt, die im Mediterrangebiet verbreitet ist. 

137. celtis Daich. (Kat. N. 450) Taf. 5 Fg. 2. 
Oseits braun, mit tief ockergelber Fleckenzeichnung, 
welche auf den Vfl die dunkelgeteilte Mzelle, einen 
großen viereckigen Fleck in Zelle 2 und 3, einen viel 
kleineren darunter und einen äußeren, nur etwas größeren 
in Zelle 4 und 5 umfaßt. .\uf den Hfl ein solcher größerer 
Schrägfleck in der Mitte und ein kleinerer darüber. 
Überdies findet sich auf den Vfl bei -/, Länge des 
Vrandes ein weißliches Fleckchen. Useits die \'fl wie 
oben, nur blässer, die Hfl veilgrau gewässert, mit einem 
weißlichen Mquerstrich auf Ader M3 . 21 — 23 mm. 
Aus dem .Miltelmeergebiet auch in die südliche Schw-eiz 
und nach Südtirol reichend, auch in Istrien und den 
Balkanländern. Im .\pril bis Juni und 2. Generation 
im Juli, August. 

Die Raupe, Taf. 16 Fg. 3a, b, grün oder bräunlich, 
mit heller Rürkenlinie, oft mitSubdorsalreihen schwarzer 
Querstriche und hellen Seitenstreifen, im Mai und August 
an Zürgelbaum (Cellis australis). 

Die Puppe, Taf. 16 Fg. 3c, grün, mit lieller 
gerandeten Fischeiden. 



5. Familie. Eryciiiiclae. 

Die Fhlr meist mit deuthch abgesetzter Kolbe, 
Augen nackt oder behaart. Palpen sehr kurz. Die 
Vbeine des (^ vollständig verkümmert, mit einghed 
rigem, klauenlosem Tarsus, jene des $ normal gestaltet 
H.schienen ohne Msporn. 

Die Flform sehr wechselnd, liie .Mzelle aller Fl ge 
schlössen. .\der .\ der \'fl an der Basis gegabelt. Die 
Zahl der Radialäste wechselnd. .\der M, dem Radi;i 
System zugeordnet. Die Hfl mit geschlossener Afzelle 
und einer kurzen Praekostalader. Die .Vder Sc meist 
in der Mitte des Vrandes mündend. 

Das E i .selten kugelig (oft Echinus-artig etc.) mit 
gegen die Mitte konvergierenden Septen. 

Die Raupen kurz, selten as.selförmig, meist kurz 
behaart, ihr Kopf wenigstens halb so breit als die Körper- 
mitte. 

Die P u p p e n mehr gestreckt, siJUi-lich behaart, 
ihre Anheftungsweise nicht einheitlich. 

Diese Familie erfährt ihre reichste Differenzierung 
im neotropischen Faunengebiete, wo mehr als 120 
Gattungen mit ca. 1200 Arten vorkommen, die in 
mehrere Unterfamilien geteilt werden. 




1 a. <J b. $ Satyrus statilinus. — 2 a. b. Pararge achine ?. — 3 a. (J b. ? Epinephele lycaon. — 4 a. b. c. ^ d. e. $ 
Epin. jurtina. — 5. Epin. ida (J. — 6 a. b. Epin. tithoniis (J. — 7 a. b. Aphantopus hyperanthus cJ. — 8 a. b. Coeno- 
nympha hero (J. — 9 a. b. Coen. iphis (J. — 10 a. b. c. Coen. arcania $. — 11 a. b. c. Coen. pamphilus (J. — 
12 a. b. Coen. tiphon ?. — 13 a. (J D. $ Triphysa phryne. 



5. Familie. Erycinitiao 




In der Fauna Europas kommt nur eine Art vor, 
welche äußerlich an die Arten der Gattung Melitaea 
erinnert. Sie gehört in die altweltliche Subfamilie der 
Nemeobiinae mit .lästigem Radius der V'fl und 
gestielter Ader R und M, der Uli. 

29. Gattung. Nemeobius Stpli. 

Die Fhlr mit deutlicher kurzer Kulbe. Augen oval, 
kurz, behaart, mit weißen Rändern. Palpen mit zu- 
gespitztem Endglied, ihr Mittel- 
Fg 15 glied unten borstig behaart. Auf 

<r den Vfl sind Ader Rg bis R-, auf 

den Hfl Ader R und Mj gestielt. 
Das E i kugelig, glatt, durch- 
srheinend. 

Die Raupe gedrungen, mit 
kurzen Haarbüscheln. 

Die Puppe gedrungen, 
am H'ende und mittelst eines 
l'"aileüs um den Leib befestigt. 

138. llicina L. (Kat. N. 451) 
Taf. 5 Fg. 1. Schwarzbraun, die 
^ji \'fl mit 2 rotgelben Fleckenbinden 

Nemeobius hu-ina. in der Mitte, wovon sich die innere 
stark gebrochen und weniger 
deutlich auch auf die Hfl fortsetzt. Vor dem Saum aller 
Fl steht eine Reihe schwarzpunktierter rotgelber Flecken, 
die auf den Vfl gegen die Basis keilförmig ausgezogen 
sind. Auf der Useite der Vfl nimmt die rotgelbe Färbung 
überhand, so daß die schwarze Grundfarbe nur eine ge- 
brochene mittlere Fleckenbinde und eine mehr zu- 
sammenhängende schmale Binde vor dem Saum bildet. 
Die Hfl sind hell rotbraun mit einer Querreihe weißer 
Basalflecke und einer solchen mittleren Fleckenbinde. 
Die Saumbezeichnung wie oben. Das (J mit spitzeren 
Vfl als das ?. 17 — 18 mm. In Mitteleuropa verbreitet, 
besonders an lichten VValdstellen, bis ca. 1300 m Seehöhe, 
Im Mai bis Juni, in südlichen Gegenden eine 2. unvoll- 
ständige Generation im August, September. 

ab. $ obsol^ta Tutt mangeln die schwarzen Rand- 
punkte vollständig. — ab. schwiiigenschüssi Rbl. mit 
tiefschwarzbrauner Grundfarbe der Hfl'useite. Aus dem 
Triglavgebirge (Krain). 

Das Ei kugelig, sehrdünnschalig, glänzend grünlich- 
gelb. 

Die Raupe geslreckt-asselförmig, olivenbraun, mit 
dunklem Flcckenstreifen über dem Rücken und einer 
helleren Seitenhnie. Der Kopf klein, bräunlich, am 
Scheitel eingedrückt, ebenfalls kurz behaart. Lebt im 
Juni, Juli, eventuell wieder September auf Primeln und 
Ampfer und überwintert klein. Erwachsen erst im April. 

Die Puppe, lang und fein behaart, gelblichbraim, 
mit schwarzen Punkten. 



6. Familie. Lycaenidae. 

Die Fhlr stets gerade, mit deutlich abgesetzter 
schlanker Kolbe, die Geißel schwarz, weiß geringt. 

Berge-Rebel, Schmctterlingsbucli 



6. Familie. Lycaenidae. 57 

Augen nackt, oder behaart, meist mit weißen Rändern. 
Die Palpen gut entwickelt, wenigstens mit der Hälfte 
des Mgliedes die Gesichtsfläche überragend. Das 
Mglied unten behaart, das Endglied meist geneigt, 
spitz und nackt. Die Vbeine des ^J nur wenig kürzer 
als jene des $, aber nur mit einem, seiner ganzen 
Länge nach innen bedornten, langen (sichelförmigen) 
Tarsalglied, welches 1 oder 2 Klauen trägt. (Vgl. 
Fg. 17.) Hschienen ohne Msporn. Die Fl in der Regel 
kurz geformt, die Hfl oft mit kurzen Anhängen (Schwänz- 
chen). Auf den Vfl ist Ader \ an der Basis gegabelt 
(Wurzelschlinge), der Radius 3- bis Sästig, bei den euro- 
päischen Formen fehlt wenigstens Ader R3, Ader R4 
und Rg sind gestielt. Ader M^ ist zum Radialsystem 
gestellt. Die Queradern sind schwach. Die Hfl mit 
geschlossener Mzelle, ohne Praekostalader. Ader Sc 
mündet erst nahe dem Saum frei in den V'rand. Der 
Innenrand ist in seiner Basalhälfte zur Aufnahme des 
Hleibes gewölbt. 

Kleine bis mgroße Falter in der Regel mit ge- 
schlechtlicher Färbungsverschiedenhi'it , auch Hora- 
dimorphismus kommt vor. 

Die Eier dickschalig, kugehg, oft Echinus(Seeigel)- 
förmig, mit schwacher Netzskulptur, meist ohne hervor- 
tretende Septen. Sie überwintern zuweilen. 

Die Raupen mit sehr kleinem, schmalem, zurück- 
ziehbarem Kopf und asselförmigem Körper, der kurz und 
fein behaart ist. Beine sehr kurz. Führen eine ver- 
borgene Lebensweise und haben oft ökologische Be- 
ziehungen zu Ameisen (myrmekophil). 

Die Puppen .sehr kurz, gerundet, der Kopfteil stark 
gegen die Brust gedrückt, meist kurz behaart, unbeweg- 
lich. Ihre Befestigungsweise nicht einheitlich. 

B e s t i m m u n g s t a b e 1 1 e der Gattungen. 

1. Radius der Vfl dreiästig 2 

Radius der Vfl vierästig 3 

2. Hfl mit Schwänzchen, Useite nicht grün Th^cla. 
Hfl ohne Schwänzchen, Useite grün . . Callophrys. 

3. Ader M^ der Vfl entspringt aus R4.5 4 
Ader Mj der Vfl entspringt frei 6 

4. Ader M^ der Vfl langgestielt auf R4.5 Thestor. 
Ader Mj der Vfl nur an der Basis mit 

R4.3 verbunden 5 

5. Augen behaart Zephyrus. 

Augen nackt Chrysöphanus. 

6. Ader R4.5 der Vfl bildet eine sehr lange 

Endgabel, Augen nackt Laeosöpis. 

Ader R4.3 der Vfl bildet eine kurze 

Endgabel Lycae'na. 

Gattung Laeosöpis Hhr. 

Am nächsten mit Zephyrus verwandt, durch die 
nackten Augen und die lange Bndgabel, welche Ader R, 
und R. bilden, genügend verschieden. Die Hfl sind 
ungeschwänzt. — Das Ei überwintert. 

roboris Esp. (Kai. N. 457) Taf. 16 Fg. 17. (J). 
Schwarzbraun, die \'fl beim .£ bis auf eine breite Saum- 
binde der Grundfarbe blauviolett angeflogen, ebenso der 
Basalteil der Hfl. Beim $ tritt die violette Färbung nur 
an der Basis des Innenrands der Vfl auf. Beide Ge- 
schlechter haben vor dem Saum der Hfl 3 bis 4 blau- 

8 



Ö8 



6. Familie. Lycacnidae. 



weiße Punkte. Useite einfarbig grau (beim $ oft mehr 
gelbgrau), ohne Querbinden, erst vor dem Saum aller 
Kl mit einem oiangeroton Streifen, welcher nach außen 
durch eine untcrlinn hcne inelallisch blaue Linie, nach 
innen durch (hiMi'ckif,'c schwarze Punkte begrenzt wird, 
welch letzlere nach innen blauweiß eingefaßt sind. Die 
Handzeichnung ist auf den Hfl viel deutlicher. 18 bis 
20 mm. Bei Digne, an der Hisiera und auf der iberischen 
Halbinsel, Ende .Juni, Juli. 

Das E i Seeigel-förmig, nitlich, auf der (Jseite rauh 
skulpturiert. 

Die Raupe brüunlicligelb, oder mehr grau, kurz 
schwarz behaart, mit unterbrochenen dunkelgelben 
Hückenlinien und einem griißeren dunklen Kleck am 
ersten Segment. Kopf und Hmstfüße schwarz. Lebt 
auf Eichen, auch mit Eschen. Hartriegel (Liguster) und 
Flieder zu erziehen. 

Die Puppe braun, dunkler gefleckt meist an der 
L^seite eines Plattes befestigt.') 



30. (Jattuiu 



Thecla F. 



Fk. in 




Augen behaart. Auf den N'fl ist Koaleszenz der 
Adern U, und R3, sowie R4 und Rj eingetreten, so daß 
der Radius nur 3 Endäsle hat. .\der M, entspringt 
aus der ^^"urzel von R4.5. Die Hfl auf .Vdcr C, mit einem 
verschieden langen Schwänzchen. 

Dil' H i e r kugelig, schwach 
skulpturiert, überwintern. 

Die Raupen sind kurz, 
gedrungen, am Rücken stark ge- 
wölbt, nach hinten etwas ver- 
jüngt, kiu'z beborstet, leben auf 
liauinen und Sträuchern. 

Die P u p p n ebenfalls ge- 
diiingen , auf der Rückenseite 
stark gewölbt und kurz behaart. 
-Vm Kremaster und mittelst eines 
Fadens um den Leib, meist an 
einem Blatt oder Zweig, oft an die 
■*'- Erde, befestigt. I'niipciu-uhe . a. 

Tli^cla snini. . , ,„ 

' l'i Tage. 

Die Gattung ist besonders in den lieidcn amerika- 
nischen Faunengebieten sehr artenreich. 

139. spilli Schiff. (Kat. N. 460) Taf. 13 Fg. 2 ( $ ). 
Oseite einfarbig dunkelbraun, das ^J mit einer kleinen, 
ovalen, mattschwarzen Sexualmakel an der Basis der 
Radialaste der \'fl, das $ mit kleinen orangefarbigen 
Anairiecken der Hfl. Useite hellbräunlich, mit fast 
ununterbrochener weißer Querlinie, welche auf den Vfl 
viel weiter saumwärts steht und auf den Hfl ober dem 
.Vnahvinkel einen langen Zahn bildet. \'or dem Saum 
der Hfl eine Reihe nach oben kleiner werdender rotgelber 
Fleckchen, clic nach irnicn von schwarzen Punkten be- 
grenzt sIikI und nur bis zum .Vnahvinkel reichen, in 
welchem eni größerer hellblauer Fleck liegt. 16 — 20 mm. 
In Mitteleuro))a (mit Ausschluß Englands) verbreitet im 
Juni. Jvdi. 

all. niodestii Schultz llfl'useite ohne blauen .\nal- 
flecken. - ab. latifiiseidtii (^iin-v. (spinoides Schultz) 



mit bindenartig verbreiterter weißer Querlinie der L'seite. 

— ab. lynccus Hb. zeigt oseits in wechselnder Ausdeh- 
nung eine zueret auf den Vfl auftretende, saumwärts 
gehende rotgelbe Aufhellung, die besonders bei weib- 
lichen Stücken vorkommt. In Niederösterreich, Ungarn, 
Siebenbürgen, zum Teil nur in Übergangsstücken. — 
ab. iMHa Rbl. (n. ab.). Useite heller, ganz ohne weiße 
Querlinien, nur mit verloschenen roten Randflecken der 
Hfl ( 1 J ans Troppau). 

Die Raupe grün, mit 3 gelblichen Rückenlinien, 
weißlichen Schrägstrichen an der Seite und solchem 
Fußstreifen. Der Kopf schwarz. Lebt im .Mai, Juni an 
Schlehen, Kreuz- und Weißdorn. 

Die P u p p e braungrau maruKiriert an Zweigen 
befestigt. 

l'id. w-albiiiu Knoch. (Kat. \. 461) Oseite 
schwarzliclibiaun, das J '"'l ähidicher Sexualmakel der 
Vfl wie spini. Die Useite mit ähnlicher, aber zusammen- 
hängender (feinerer) weißer Querlinie, welche auf den 
Hfl gegen den Innenwinkel zweimal spitz gebrochen ist, 
so daß sie ein deutliches VV bildet. Die Orangeflecken 
vor dem Saum bilden eine zusammenhängende Binde, 
welche bis in den .\nalwinkel reicht. 16 — 18 mm. In 
Mitteleuropa verbreitet, aber nicht häufig, im Juni. 

ab. butler6«i Krul. Die weiße Querlinie der Hfl'- 
useite ist sehr fein und reicht nur bis zur FImitte. so daß 
die W-Zeichnung ausfällt. — v. nuTidinnülis Schultz mit 
breiterer weißer Querlinie der l'seite. \in\ der Hiviera. 

— ab. alliovirffala Tntt useits mit breiter weißer Quer- 
binde. 

Das Ei halbkugelig (Echinus-artig) rotbraun, mit 
sechsseitigen Zellen und stumpfen Dornen, weiß genetzt.') 
Wird an Ulmenzweige abge.setzt. 

Die R a u p e grün, mit 2 Reihen weißer llockerchen 
am Küikeri un<l heller, dunkelrotgefleckter Bauchseite. 
Ktipf gelliliraun. Lebt bis Mai auf Llmen, seltener 
Lnicieii, lOrlen oder Eichen. 

P u |j p e graubraun, kurz behaart, zumeist an der 
Blattu.seite befestigt. 

141. iliois Esp. (Kat. N. 464) Taf. 13 Fg. 3b ( ? ab. 
cerri). Oben dunkelbraun, das (J ohne Sexualmakel, 
das $ meist in den Zellen Ib bis 4 der \S\ rotgelb auf- 
gehellt. Das Schwänzchen der Hfl kurz und breit. Die 
l^seite kaum heller als die Oseite mit einer Querreihe 
kurzer weißer Querstriche, die auf den Hfl mehrfach 
gebrochen ist, ohne einen längeren Zahn zu bilden. 
Die orangeroten Randflecke der Hfl klein, von einander 
getrennt, bis in den Innenwinkel reichend. 16 — 19 mm. 
In Mitteleuropa (mit .\usschluß Englands) verbreitet im 
Juni. Juli. 

all. cerri Hb., Taf. 13 Fg. 3li. hat auf den \fl eme 
breite, lebhaft rolgelbe Außenbindc, die nur sehr selten 
auch beim ,^ auftritt. — ab. <>sculi Hb. fehlt die weiße 
Querlinie der N'l'ruseite. In Südwesteuropa, aber auch 
bii l'.iizeii. all. bitifusciäta Kbl. (n. ab.), l'seite der 

IUI mit lii'eitef weißer Fleckenbinde. 



Eni. 



M Chrclien, Le .Natural. IS'.lü i 
Z. XXI p. 139 (erste Stande). 



102 Fg.: Höfer '1 (lillm. Ins. Bors. XXIII p. 20; Tuft Brit. 

Buttern. II 11. 150 ff. (ersten Stände). 



6. Familie. Lycaenidae. 



59 



Die Raupe blaßgrün, fein rötlich behaart, mit 
gelber Fleckenlinie am Rücken und ebensolchen Schräg- 
strichen und Seitenlinie. Kopf schwarz. Lebt im April, 
Mai auf Eichenbüsche. Mordraupe. 

Die Puppe gelbgrau, kurz rötlichgrau behaart, 
mit ',i Reihen dunkler Punkte. Meist nahe der Erde 
befestigt. 

142. aciiciae F. (Kat. X. 465). Der vorigen Art 
sehr ähnlich, durchschnittlich kleiner, das $ oseits 
stets einfarbig, aber mit tiefschvvarzer Hleibsspitze. 
Die orangeroten Analflecken der Hfl'oseite meist deut- 
licher, das Schwänzchen noch kürzer. Die Useite heller 
als bei ilicis, die Querlinie in Zelle 3 der Hfl kaum ge- 
brochen, beim ^ auch ober dem Analwinkel mehr ge- 
rundet. 15 — 16 mm. In Süddeutschland, nördlich bis 
Thüringen, sehr zerstreut, in der Schweiz und Öster- 
reich-Ungarn auch nur lokal verbreitet im Juni, Juli. 

Die Raupe') gelbgrün, mit gelben, in gleichem 
Abstände von einander verlaufenden Längslinien. Lebt 
im Mai an verkümmerten Schlehenbüschen. 

143. i»riini L. (Kat. X. 466) Taf. 13 Fg. 4c ($). 
Oseits braun mit rotgelben Randflecken gegen den 
Innenwinkel der Hfl, die beim ? auch an gleicher Stelle 
der Vfl auftreten. Das (J mit sehr undeutlicher Sexual- 
makel an der Basis der Radialäste der Vfl. Die Useite 
braungelb, mit feiner, blauweißer Querlinie, und breiter, 
lebhaft orangeroter Saumbinde der Hfl, welche beiderseits 
von schwarzen, auf den abgekehrten Seiten fein blau- 
weiß gerandeten Punkten eingefaßt wird. Die äußeren 
schwarzen Randpunkte haben die Form flacher Dreiecke. 
Die Randzeichnung setzt sich auch auf die Vfl gegen 
den Innenwinkel fort. 17 — 18 mm. In Mitteleuropa 
verbreitet, aber selten, im Juni, Juli. 

ab. pall^scens Schultz (badiofosciäta Gillm.) mit 
sehr blassen, gelbroten Randflecken. — ab. ? pro- 
gr6ssa Tutt alle Flügel mit 2 — 3 rotgelben Rand- 
flecken. — ab. 9 exc^ssa Tutt dsgl. mit 4 — 5 solchen 
Flecken. — ab. $ ptörsas Hufn. (fülva Gillm.) alle 
Flügel mit vollständiger rotgelber Randbinde. 

Das E i weißgrün, rund und flach, schwach ge- 
rippt, wird an Schlehenzweige abgelegt. 

Die Raupe, Taf. 13 Fg. 4a, hellgrün, mit weißlicher 
Rückenlinie und Schrägstrichen. Vom 4. bis 7. Segment 
mit paarigen Rückenwülsten. Kopf gelb.^) Lebt im 
Mai auf Schlehen und Zwetschen. 

Die Puppe, Fg. 4b, braun, mit weißem Sattel und 
4 Reihen brauner Knöpfchen am Hleib. 

31. Gattung. Callophrys Billb. 

Der Gattung Thecla sehr nahe, wesentlich n>n' durch 
den Mangel des Schwänzchens der Hfl, das Auftreten 
zweier (unvollständiger) Generationen und das Über- 
wintern der Puppe verschieden. Die LTseite der einzigen 
Art ist grün gefärbt. 



») Hof m. -Spul. Raupen Nachtr. Taf. 1 Fg. 22. 

«) Frohawk Ent. XL, 1907 p. 26: Tutt. Brit. 
Butterfl. II p. 201 ff. (erste Stande); Gillm. Int. Ent. 
Z. II p. 53 (Ell. 



144. rübi L. (Kat. X. 476) Taf. 13 Fg. 6. Oseite 
schwärzlichbraun, die Hfl mit gewelltem Saum, die Vfl 
beim (J mit hellerer, matter Sexualmakel vor der Mitte 
des Vrandes. Useite metalli.sch grün, gegen den Innen- 
rand der Vfl bräunlich, mit meist in Strichen aufgelöster, 
weißer Außenlinie der Hfl. 15 — 17 mm. Überall in 
Europa von April bis Juni und in 2. Generation im Jidi, 
August, häufig. 

ab. eae'cus Geoffr. (iinmaculäla Fuchs) ist auf der 
LTseite zeichungslos grün. — ab. cineräscens Schultz mit 
bleigrauer Oseite. — ab. brünnea Tutt mit brauner, statt 
grüner LIseite. 

Das Ei kugelig, unten abgeflacht, mit polygona- 
lem Xetzwerk, grün.') 

Die Raupe grün, mit gelber, dunkel gesäumter 
Rückenlinie, hellen dreieckigen Seitenflecken und weiß- 
gelben Fußstreifen, zuweilen nur grasgrün mit weißer 
Rückenlinie. Lebt im Juni und September auf Ginster, 
Cytisus, Rubus, Hedysarum, auch Ledum palustre, 
Vaccinium myrtillus-) und vitis idaea u. and. Ge- 
legentlich Mordraupe. 

Die Puppe sehr gedrungen, stumpf, braun, meist 
unter Laub an der Erde. Sie kann einen zirpenden Ton 
von sich geben, 

32. Gattung. Zephyrns Dalm. 

Ebenfalls der Gattung Thecla nahe, der Radius der 
Vfl Jedoch vierästig, da Rj und Rj nicht zusammenfallen, 
sondern einen Gabelast bilden. Die Augen sind behaart, 
die Palpen ziemlich kurz, die Hfl geschwänzt. 

Das E i überwintert. 

145. queiTllS L. (Kat. X. 482) Taf. 13 Fg. 5c ( (J ), 
d($). Oseite schwärzlich braun, beim o überall schwach 
metallisch blaugrün schillernd, beim ? die ^'fl von der 
Basis aus mit lebhaft blauen Längsflecken in der Mzelle 
und in Zelle Ib, in letzterer bis nahe an den .Saum 
reichend. Die Useite lichtgrau mit weißem Querstreifen, 
der auf den Vfl gewellt ist, und auf den Hfl ober dem 
Innenwinkel ein stumpfes W bildet. Vor dem Saum 
steht noch eine Doppelreihe weißlicher Monde, zwischen 
welchen ober dem Innenwinkel und in Zelle 2 ein orange- 
gelber (schwarzgekernter) Fleck liegt. 17 — 18 mm. In 
Europa verbreitet vom Juni bis August. 

ab. $ bclliis Gerh. mit rotgelben, kurzen Wischen 
in Zelle 3 und 4 der Vfl gegen die Mitte. — ab. lati- 
faseiäta Courv. mit sehr breiter weißer Querbinde der 
Useite. 

Das E i Echinus-ähnlich, am oberen Pol stark 
eingedrückt, bräunhch, hell genetzt. 

Die Raupe, Taf. 13 Fg. 5a, graurötlich oder braun 
mit einer Mreihe gelblicher, erhabener Fleckchen am 
Rücken des 4. bis 11. Segmentes. Die ersten Segmente 
oben abgeplattet. Fußstreifen gelb. Kopf braun. Lebt 
bis Juni an Eichen und ist eine Mordraupe. 



') Gillm. Int. Ent. Z. II p. 57: 
Butterfl. II p. 101 ff. (erste Stände). 

-') S 1 e v o g t Soc. Ent. XVIII p. 51. 



Tutt Brit. 



60 



6. Familie. Lvcaenidac. 



Die Puppe, Fg. 5b, gedrungen, braun, mit 3 
Reihen dunkler Rückennecken. Vorwandlung an der 
Erde, meist unter einem dürren Ülalt.') 

146. bi'tiilae L. (Kat. N. '192) Nierenfleck, 
Tat. 13 Fg. Ib, c (cJ), d ( ?). Oseile braun, beim $ 
dunkler, mit dunklem Mslrich der Vfl, wonach beim ^ ein 
kurzer licller Qucrwisch liegt, wogegen beim $ eine 
lebhaft rotgelbe (nierenförmige) Außenbinde, vom Vrand 
bis in Zelle Ib reichend, auftritt. Auch der Analzipfel 
und das Schwänzchen der Hfl sind rotgelb bestäubt. 
Die Useite ockerfarben, die Vfl mit dunklem Mstrich 
und solcher nach außen weißgesäumter Halbbinde nach 
der Mitte des Vrandes. Die Hfl mit einer beiderseits 
zackig weißgesäumten, dunklen Mbinde und orange- 
rotem Randstreifen. 19 — 21 mni. In Mitteleuropa ver- 
breitet, aber nicht häufig, von Juli bis Ende September. 

ab. S spinösac Gerh. mit mattorangerutlichen 
Flecken in Zelle 2 bis 'i der Vfl, die selten weißlich sind 
(ab. pällida Tutt). — ab. $ lisöiiii Wheeler mit gelber 
(statt rotgelber) Außenbinde. — ab. $ restrlcta Tutt 
mit schmalem, nicht durch die Adern geteilten Nieren- 
fleck. — ab. lineäta Tutt, dieser Fleck durch die 
Adern dunkel diirch.schnilten. — ab. albofasciäta Spul, 
auf der l'seile die weißen Querlinien so verbreitert, 
daß auf den \'fl eine Fleckenreihe, auf den Hfl zwei breite 
silberweiße Rinden entstehen. (Baden bei Wien). — 
ab. unistrigäta Schult/, mit nur einem Querstroifen auf 
der Useite. 

Das Ei') kugelig, an beiden Polen abgeplattet, mit 
Zackenkränzen umgeben. 

Die Raupe, Taf. 13 Fg. la, blaugrün, mit er- 
habener doppeller gelber Rückenlinie, die hinter dem 
Kopf etwas auseinander tritt und ein Dreieck der Grund- 
farbe einschließt. Ein Fußstreifen gelb. Der Kopf braun. 
Lebt im Mai, Juni an Schlehen und Pflaumen. 

Die Puppe gedrungen, braun, heller gestrichelt. 
N'erwanilliing an der Erde. 



C.atlnni,' Thestor Uli. 

Augen behaart, Palpen selir kurz. Das Geäder mit 
vierästigem Radius der Vfl, besonders dadurch charak- 
terisiert, daß Ader .Mj lang gestielt auf R4-.'> steht. Die 
Vbeine mit einem Enddorn an der Außenseite der 
Schiene. Hfl ungeschwänzt. 

Die Raupen gestreckter, als sonst bei den Lycae- 
niden, mit schärfer abgesetzten Segmenten, Kopf sehr 
klein. 

ballus F. (Kat. N. 195) Taf. 13 Fg. 15 ( 9). Oseite 
beim ; einfarbig braun, stark graustaubig, zuw-eilen 
mit kleinen rotgelben Analflecken der Hfl, beim ? sind 
die \fl orangerol und die dunkle Grluidfarbe daselbst 
auf Randsäume zurückgedrängt, auf den Hfl ist der 
ganze Saumteil bis unterhalb des Vrands orangerot. 
IJseite der Vfl orangegelb mit schwarzer, weiß begrenzter 
Punktzeichnung, die Hfl von der Basis aus bis an den 
grauen Saum spangrün mit weißen Punkten. 16 bis 
18 mm. In Südfrankreich (Hyöres) und Spanien im 
März, April. 



•) Gillm. Iiit. Hill. Z. II p 58 (Ei); Tutt Unt. 
Butterfl. II p. 239 ff. (erste Stände). 

-•) Vgl. C illm. Ins. Bors. XXIII p. 'i2, 56. 



Das E i seeigelartig, hellgrün. 

Die Raupe gelblich weiß mit bläulichen Rücken- 
streifen und roten dunkel gerandeten Seitenstreifen und 
Schrägstrichen. Kopf schwärzlich. Lebt Ende Mai in 
den Samenkapseln von Lotus hispidus und verwandelt 
sich dicht unter der Erdoberfläche in eine kurze, kasta- 
nienbraune Pupp e.') 

33. Gatliiiiii. Chrysöphanus IIb. 

Augen nackt, Vfl mit lästigem Radius, da Ader 
R4 und R5 getrennt bleiben und nur einen Gabelast 
bilden. Ader Mj ist an der Basis mit R4.5 verbunden. 
Die Mzelle der Hfl ist durch die Quoräste schräger be- 
grenzt, der Faltenteil der Hfl breiter als bei der .sehr nahe- 
stehenden Gattung Lycaena.